Der Leidensweg deutscher Frauen

Trauma

Fünfzig Jahre der Vertreibung von zu Haus, vom Heimatort, wo man einst geboren wurde, sind und bleiben Völkermord, werden’s auch in Zukunft bleiben: Liebe kann man nicht vertreiben.

Fünfzig Jahre der Vertreibung aus dem angestammten Land, wo man einst die Kindheitsbilder und das Glück der Jugend fand, sind ein Trauma, ohne Frage: Jahr für Jahr und alle Tage.

Fünfzig Jahre der Vertreibung eines Volks von seinem Grund sind ein hartes Los im Leben; denn es reibt die Seele wund: Alles kann man Menschen rauben, aber nicht den Heimatglauben!

Bruns – Die Drohung aus der Steppe (1943)

Russian banging babies heads

Tödlicher Bauchschuß

“Die deutschen Männer mußten, wenn Russen hereinkamen, schnell aufspringen und strammstehen (Zivilisten, Greise). Weil es einmal nicht schnell genug ging, wurde Herr Winkler erschossen. Auch der alte Herr Münchow, der mit seiner Familie etwas abseits in einem Haus wohnte, wurde später von räubernden Polen derart gestoßen, daß er über die Betten flog und leblos in einer Ecke liegenblieb. Baron von K. wurde von den Russen erschossen, ebenfalls seine alte, achtzigjährige Mutter, als sie im Schloßpark ging …

Am von Russen eingeschleppten Flecktyphus starben ca. 20 Frauen im Dorf …

Als sich ein junges Mädchen dem Raub ihrer einzigen Kuh widersetzen wollte, bekam sie einen tödlichen Bauchschuß. Ende des Jahres 1946 schlug dann unsere Befreiungsstunde. Gut und Ehre hatte man uns bereits abgenommen, jetzt verwies man uns auch noch unserer pommerschen Heimat.”

Handschriftlicher Bericht der L. F. aus Stettin, ohne Datum, 2,5 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/151, S. 197-199 (Die Verfasserin bittet um Verschweigen ihres Namens), in: Vertreibung, S. 234.

Desaster

Flucht und Hunger zu erleiden, ist ein schweres Los der Zeit, aber schlimmer ist das Trauma tiefer Heimatlosigkeit.

Völkern wurde dieses Schicksal unerbittlich zugedacht; denn man jagte Frau’n und Kinder rücksichtslos in Not und Nacht.

Menschen wurden ausgetrieben aus dem angestammten Land, viele hat der Haß ermordet, ihre Zahl ist unbekannt.

Doch kein Denkmal, keine Tafel zeigt die Opfernamen an: Kriege sind der Tod der Erde, sind der Menschheit Fluch und Bann.

Elend unter den Flüchtlingen

“Es fing an zu schneien und wurde dann allmählich ein schwerer Schneesturm. Die Straßen restlos verstopft, dazu noch der Schnee auf den Höhen des Stablacks [Hügelland im Dreieck von Preußisch Eylau, Zinten und Heilsberg, eingegrenzt von der Passarge, der Alle, dem Frisching und dem Pasmar, höchste Erhebung der Schloßberg bei Wildenhof mit 216 Metern]. Teilweise mußte man ausspannen und vorlegen, um die schweren Wagen vorwärts zu bekommen. In der Nacht zum 31. (Januar 1945) standen wir zunächst im Schneesturm auf der Straße, bis mein Mann dann ein kleines Gehöft fand, wo wir in dem überfüllten Stall alle noch etwas Platz fanden. Am 31. kamen wir dann mit viel Schwierigkeiten, weil die Straßen verschneit waren und viele Autos festlagen, über Lichtenfeld abends nach Müngen, 2 km hinter Lichtenfeld … Das Elend unter den Flüchtlingen, besonders den Menschen aus den Städten, die zu Fuß mit kleinen Handwagen oder Rodelschlitten ankamen, war entsetzlich.

Nach dem Schneefall war Tauwetter eingetreten und Kleider und Schuhzeug ganz durchnäßt und oft kaputt, so daß die Menschen auf Strümpfen liefen …

Gegen drei Uhr nachts am 12. 2. rückten wir langsam auf die Wiesen vorm Haff vor. Es schneite in dichten Flocken …”

Maschinenschriftlicher Bericht der Frau Lisa Macketanz aus Domnau, Kreis Bartenstein, (mit unterschriebener Erklärung) vom 14.3.1953, 7,5 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/4, S. 204-211, in: Vertrei- bung, S. 151f.

Im Schnee geboren

Als Joseph nach Jerusalem, um Hilf zu holen, ging, Maria schon in Bethlehem das Jesuskind empfing.

Das Fischezeichen stieg herauf, ein Wunder, nah und fern: Saturn und Mars und Jupiter verschmolzen Stern bei Stern.

So manche Frau in tiefem Schmerz schrie laut und weinte leis, wenn sie im Schnee herniederkam beim Treck durch Frost und Eis.

Es waren viele auf der Flucht, sie beteten im Chor zu dem, der einst geboren ward, zweitausend Jahr’ zuvor.

Die Leiche einer alten Frau 

“Gegen abend kamen wir nach Neidenburg. Brände erhellten die Stadt. Straßenzüge standen in Flammen. Die unsrigen [*Soviets] hatten sie in Brand geschossen. Dennoch waren viele Häuser verschont geblieben. Große, breitästige Bäume säumten die Straße. In einer Seitenstraße lag an der Zierhecke eines Hauses, das vom Trottoir durch ein hohes Gitter getrennt war, die Leiche einer alten Frau: Ihr Kleid war zerrissen, zwischen ihren mageren Schenkeln stand ein Telefonapparat, der Hörer war ihr, so gut es ging, in die Scheide gestoßen. Auf den Straßen streunten Soldaten herum. Gemächlich schlenderten sie von Haus zu Haus, einige hatten Bündel oder Koffer bei sich. Einer von ihnen erklärte redselig, die Deutsche da sei eine Spionin gewesen; sie hatten sie beim Telefon erwischt, da ließ man sie nicht erst lange kreischen.”

Beobachtungen des damaligen sowjetischen Majors und späteren Bürgerrechtlers Lew Kopelew, in: Kopelew, S. 99.

Inferno

Vieles wird heut totgeschwiegen, was am End’ des Kriegs geschah mit den Mädchen, Müttern, Frauen und dem Kind, das alles sah.

Nur ein Tupfer aus dem Bilde der Massaker ist im Land, ist auf dem Planeten Erde aktenkundig und bekannt.

Schänden, rauben, brennen, morden war erlaubt, als sei’s legal, unerbittlich war das Sterben, viele starben unter Qual.

Deutsche hat man ausgerottet; doch das Thema ist tabu: Menschen schweigen, Akten schweigen, und die Welt schweigt auch dazu.

Otto Marquadsen

Dann wurde es Nacht um mich

“In Liebstadt wurden wir von den Russen eingeholt, und unser Leidensweg begann. Ich glaube, es war um Mitternacht, als die ersten Russen in den Gasthof eindrangen, wo sich etwa 60 Personen aufhielten …

Mich stieß man mit Fäusten und Kolbenschlägen nach draußen, und schließlich landete ich in einem Stall. Als ich mich zu wehren versuchte, erhielt ich einen heftigen Stoß auf die Brust, so daß ich zusammenbrach. Dann wurde es Nacht um mich. Es mögen wohl mehrere Stunden vergangen sein, als ich wieder zu mir kam. Ich lag in einem Gänsestall, meine Wäsche war vollkommen zerrissen und verschmutzt. Als ich wieder zu meinen Angehörigen kam, sagte man mir, daß alle jungen Frauen und Mädchen ebenfalls herausgeholt worden waren … Als wir nach Hohenstein kamen, dämmerte es bereits. Wir wurden dort von einer Horde verwundeter Russen überfallen. Mutter und ich wurden von acht dieser Meute vom Wagen gezerrt, in eine Scheune gebracht, und dort waren wir der Willkür dieser Bestien ausgeliefert …

Eines Morgens verlud man uns auf Lastwagen und transportierte uns in das Gefängnis von Bartenstein.”

Maschinenschriftlicher Bericht der Frau Marga Gunia aus Grünfließ bei Neidenburg vom 28.5.1951 (mit eigenhändiger Unterschrift), 2,5 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/28, S. 15-17, in: Vertreibung, S. 203f.

Passion

Beim ersten Male nahm man sie in einem Gänsestalle bei Liebstadt, mitten in der Nacht, erst waren’s drei, dann alle.

Beim zweiten Male trieb man sie durch Gräben und durch Zäune aufs freie Feld bei Hohenstein in eine Bauernscheune.

Beim dritten Male warf man sie in den Gefängniskeller. Was war ein Menschenleben wert? Nicht einen roten Heller!

Im Arbeitslager schlug man ihr die nackte Haut in Streifen. Was hatte diese Frau getan? Wer kann ihr Los begreifen?

Junges Maedchen Anton Lutz

Anschließend kaufte mich ein serbischer Bauer 

“Meine Landsmännin Elisabeth Stadlmann geb. Fuderer, die einige Wertsachen bei sich versteckt hatte, wurde von Partisanen ganz nackt ausgezogen und schwer geschlagen, daß sie ganz blau war. Sie mußte über zwei Stunden in der Ecke stehen.

In der ersten Nacht kam ein russischer Soldat in unser Lager und zerrte die 18jährige Rosina Pimpi aus Apatin heraus. Das Mädchen schrie um Hilfe und wir Frauen alle mit. Dem Mädchen gelang es, sich freizumachen und sich unter den liegenden Frauen zu verstecken. Der Soldat kehrte zurück und befahl, sofort Licht anzuzünden, gab drei Schüsse ab und trat die nächstliegende Frau Anna Burg geb. Sayer, Mutter von sieben Kindern, derart, daß ihre Zähne ausbrachen und ihr Körper blau war. Er befahl, es möge sich ihm sofort ein Mädchen freiwillig zur Verfügung stellen, ansonsten würde er uns alle erschießen. Meine Landsmännin Anna Manz stellte sich ihm zur Verfügung …

Meiner Landsmännin Maria Getto wurden ein verstecktes Gebetbuch und ein Rosenkranz abgenommen. Fluchend warf der Partisane diese zu Boden und zertrat sie. Ich wurde daraufhin zwei Tage ohne Nahrung und Wasser in den Keller gesperrt und durfte nicht einmal zur Notverrichtung herausgehen.

Anschließend kaufte mich ein serbischer Bauer für drei Tage zu Feldarbeiten. Es war nämlich allgemein üblich, daß die Lagerinsassen, die Männer für 70,- und die Frauen für 50,- Dinar, zu Unternehmungen und Privatpersonen zur Arbeitsleistung außerhalb des Lagers verkauft wurden. Dieses Geld wurde der Lagerleitung ausbezahlt, wir selbst erhielten nichts davon.”

Maschinenschriftlicher Bericht der Frau Barbara Beiler aus Apatin (Batschka, Jugoslawien) vom 28.1.1947 (mit eigenhändiger Unter- schrift), 5,25 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/401, S.l-6, in: Vertreibung, S. 307f. 

Sklaverei

Als die Niederlage kam, war der letzte Schutz vorbei: Hilflos trieb man deutsche Frau’n in das Joch der Sklaverei.

Im Gefängnis litten sie Seelen-, Angst- und Höllenpein: Schuften mußten sie am Tag und des Nachts zu Willen sein.  Morgens wurden sie verkauft, abends sicher eingesperrt und des Nachts von Wachmannschaft gierig aus dem Stroh gezerrt.

Viele starben, totgequält, an den Folgen der Tortur ohne Echo in der Welt, ohne eine Grabesspur.

Die Kinder wurden buchstäblich zerrissen

“Ich bin Augenzeuge geworden, wie eine Frau mit zwei Töchtern in einem Hause hinter Johannishöhe von ca. 100 Russen vergewaltigt wurde, die jüngste der Töchter war acht Jahre und die älteste zwölf Jahre. Die Ärmsten wurden solange gebraucht, bis alle besinnungslos dalagen … Eine junge Frau, auch aus unserem Dorfe, lag mit ihren zwei kleinen Kindern typhuskrank, und trotz der Krankheit wurde sie von zwölf Russen gebraucht.

Derartige Vorfalle könnte ich noch und noch anführen. Ich bin Augenzeuge gewesen, wie eine Frau aus Puppen von einer Gruppe Russen, so an die 100 Mann, auf der Straße zwischen Puppen und Sysdräu angetroffen wurde. Die Frau hatte zwei kleine Kinder bei sich. Wie die Frau vergewaltigt wurde, fingen die Kinder an zu schreien. So wurden die Kinder buchstäblich zerrissen und die Frau wurde solange gebraucht, bis sie tot dalag, und nachdem die Frau schon tot war, wurde sie noch gebraucht. ”

Maschinenschriftlicher Bericht des Robert Killisch aus Kurwien, Kreis Johannisburg, eine Seite, BArch, Ost-Dok. 2/19, Seite 74, in: Ahrens, S.69.

Nekrophilie

Gott erließ Gesetze und Verbote, die der Mensch im Krieg und Frieden bricht: Wieviel Elend hat die Nacht gesehen, wieviel Grausamkeit das Tageslicht?

Menschen sind oft schlimmer als Vulkane und verkrusteter als Lavastein, was sie zu Verbrechen treibt, zu Morden, ist vorweggenomm’ne Höllenpein.

Tote Frauen wurden vergewaltigt, Haß und Rache gaben keine Ruh’. Sah’n die Seelen der gequälten Frauen ihrer eig’nen Leichenschändung zu?

Männer standen in der Warteschlange vor dem Opfer, standen Mann bei Mann. Tote Augen, groß in der Pupille, blickten schreckerstarrt die Täter an.

Bildnis Frau A

Im Schnee nackt ausgezogen

“Am 31.1.1947 kam ich in Gakovo an und blieb hier bis zum 27.2.1947.

Ich war mit zwei Totengräbern des Lagers, Josef Geis und Anton Buschbacher, beide aus Sonta, in einer Stube. Sie sagten mir, daß die Toten in Massengräbern zu 600 bis 700 übereinander geschichtet wurden. Die Leichen wurden nebeneinander gelegt, die Lücken zwischen den Erwachsenen mit Kinderleichen aufgefüllt … Die Lagerleute wurden von äußerst rohen Wachposten schwer mißhandelt und wegen Kleinigkeiten hart bestraft. Ich sah, wie eine 27jährige Frau namens Katharina Jary, die beim Betteln von Lebensmitteln ertappt worden war, im Lager im Schnee nackt ausgezogen wurde. Sie wurde angespuckt und blutig geschlagen. Ein Partisan stach ihr mit einer Rute in die Geschlechtsteile. Ihre einzige Schuld bestand darin, daß die Frau für ihren Vater, der hilflos dem Hungertod preisgegeben war, Lebensmittel gebettelt hatte. Der alte Mann war ohne Fußbekleidung im Winter zum Holzfällen getrieben worden, wobei ihm beide Füße erfroren und amputiert werden mußten. Das Kind der Frau war schon vorher verhungert. Nachdem diese Frau so mißhandelt worden war, wurde sie vor den Keller gestellt, mit dem Rücken der Öffnung zu, und so hinabgestoßen. Dieses ‘in den Keller werfen’ war eine der häufigsten Strafen.”

Maschinenschriftlicher Bericht mit eigenhändiger Unterschrift des Hans Brandt aus Sonta, Kreis Sombor, Jugoslawien, 4 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/401, Seiten 156-159, in: Ahrens, S. 314f.

Exzesse

Frauen mußten nach dem Kriege Pein erleben, Schmerz erfahren, Not ertragen, Leid erdulden, weil sie deutsche Frauen waren.

Unvorstellbar die Methoden und die Art, die man erdachte, als man sich die deutschen Frauen willenlos zum Werkzeug machte.

In des Siegers Hungerlagern wurden sie gequält, geschlagen, mußten, Schergen ausgeliefert, Martern bis zum Tod ertragen.

Niemals hat man so viel’ Frauen sterben seh’n im Morgenlichte, aufgeschlitzt und totgeschändet: Das ist neu in der Geschichte.

Unzählige Male vergewaltigt

“Am Morgen des 8. Februar 1945 kamen wir unter russische Herrschaft …

Selbst am Tage ließen uns die Russen nicht in Ruhe. Ich wurde unzählige Male vergewaltigt, selbst meine 75jährige Schwiegermutter blieb nicht verschont.

Am 19. Februar wollte man mich mit meinen vier Kindern im Alter von zwei bis acht Jahren ins Arbeitslager bringen. Auch meine alte und gebrechliche Schwiegermutter sollte mit. Wir mußten den Weg ins Arbeitslager zu Fuß antreten. Nachdem wir etwa vier km gegangen waren, rettete uns ein glücklicher Zufall vor dem Arbeitslager. Plötzlich hielt ein Auto auf der Chaussee und nahm uns mit in die nächste Stadt, nach Heilsberg. Der Reiter, der uns ins Arbeitslager bringen sollte, mußte unverrichteter Dinge wieder abziehen. Von Heilsberg aus hatten wir am nächsten Tag Gelegenheit, wieder in unsere Heimat zu fahren. Dort angekommen, erfuhr ich von weiteren Schreckenstaten, die meiner Familie widerfahren waren. Sie hatten meinen 72jährigen Vater und einen mir bekannten 84jährigen Landwirt, der dorthin geflüchtet war, erschossen … Durch all die vielen Strapazen und Mißhandlungen war ich körperlich und seelisch soweit heruntergekommen, daß meine Mutter mich nicht wiedererkannte. Erst nach und nach konnte sie glauben, daß ich ihre Tochter sei.”

Bericht der Marie G., Verfasserin bittet um Verschweigen ihres Namens, aus einem nicht genannten Dorf im Kreis Heilsberg/Ostpreußen, 3 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/15, S. 94-96, in: Ahrens, S. 70f.

Völkermord

Dem Weltgewissen wird verschwiegen, was einst geschah nach großer Schlacht, die Frauen wurden nackt gekreuzigt, an Scheunentoren umgebracht.

Man band die Mädchen hinter Panzer mit Kälberstricken, Bein an Bein, man schliff sie, vielmals vergewaltigt, im Winter über Stock und Stein.

Es mußten deutsche Mütter leuchten, wenn man die Töchter schändlich nahm, und starben sie vor Scham und Schmerzen, die Mutter an die Reihe kam.

Es wird noch viele Morde geben, weil Frieden oft nicht lange währt; doch Völkermord, auch der an Deutschen, in der Geschichte nicht verjährt.

Sie tranken vom Blut

“In das Schulgebäude waren inzwischen viele verhaftete Deutsche gebracht und in verschiedene Zimmer eingesperrt worden.

Am 16. Oktober um zehn Uhr abends holte man etwa 130 Verhaftete aus den Zimmern. Sie wurden von den Partisanen in den Gängen furchtbar geschlagen. Viele erhielten Knochen- und Beinbrüche und blieben blutüberströmt auf dem Boden liegen. Diejenigen, die noch gehen konnten, wurden in der Nacht entkleidet, gefesselt und völlig nackt auf den Schinderanger geführt, wo sie hingerichtet wurden. Jene aber, die nicht mehr gehen konnten, wurden mit Fesseln umwickelt und auf den Wagen geworfen …

Aus der Reihe der Bluttaten, die die Partisanen begingen, sei noch folgendes Beispiel erwähnt. In der zweiten Oktoberhälfte 1944 schnitten die Partisanen zwei Schwestern namens Schmidt, den Töchtern des Mühlenbesitzers Schmidt aus Banaviste, die Köpfe ab. Diese Untat vollzogen sie in einem neuen Gebäude auf dem Flugplatz bei Kovin. 70 Partisanen unter der Führung ihres Kommandanten Trintscha, eines Zigeuners aus Gaja im Bezirk Kovin, tranken von dem Blut der enthaupteten Schwestern Schmidt. Ihr Blutrausch trieb diese Mordgesellen an den Rand des Wahnsinns.” [*germanvictims: Ein Juedischer Gebrauch]

Maschinenschriftlicher Bericht des Bäckers Johann Fischer aus Kubin (Kovin, Banat, Jugoslawien) vom 19. Juli 1947 (mit eigenhändiger Unterschrift) 8,25 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/392, S. 5-13, in: Vertreibung, S. 300f.

Blutrausch

Als Deutschlands Wehrmacht unterging, erlebten Frau’n und Kinder die Metzelei des Völkermords durch Schergen und durch Schinder.

Zwei Schwestern hat man rigoros, da half kein Fleh’n und Bitten, mit Schlachtermessern, spitz und scharf, die Köpfe abgeschnitten.

Man trank das frische Mädchenblut, und dann begann ein Jagen auf alle Deutschen, jung und alt, man hat sie totgeschlagen.

Es büßten bei der Metzelei die Frauen, Kinder, Greise: Man quälte sie bis in den Tod auf grauenhafte Weise.

Fruehlingslied

14 Tage bedeuteten den sicheren Tod 

“Die gefürchtetste Strafmaßnahme war die Strafkolonne. Leitung: Isidor Kujawski.

Kujawski war unermüdlich im Ersinnen und Ausdenken neuer Quälereien und Schikanen. Hier 14 Tage bedeuteten den sicheren Tod. Überwiegend traf es ältere Frauen. Ihnen wurde Arbeitsverweigerung vorgeworfen, worauf sie in die Strafkolonne kamen. Als Begrüßung bekam man hier 50 Schläge auf das Gesäß, wonach man nicht mehr ganz zurechnungsfähig gewesen ist. Hiermit erreichte Kujawski auch alles, was ihm genehm war.

Einige Frauen zwang er, sich die Köpfe mit Kuhmist zu bestreichen, Frösche zu essen, wobei immerfort gesungen und getanzt werden mußte.

Hatte er Frauen besonders im Auge, so mußten diese die Fallklosetts ausräumen, wobei sie die hierin herumschwimmenden Gummischutzhüllen in den Mund nehmen und sie aufblasen mußten. Er suchte sogar Soldaten und Frauen aus, zwang sie dazu, sich vor ihm auszuziehen. Vor seinen Augen sollten diese Menschen Geschlechtsverkehr aufnehmen. Auf Knien zogen Frauen die Wagen mit Brettern, er ging hinterher und schlug ihnen die Fußsohlen wund.”

Maschinenschriftlicher Bericht der Ruth Rasche aus Bromberg (mit eigenhändiger Unterschrift), 11 Seiten, BArch, Ost-Dok., S. 143- 153 in: Ahrens, S 129 

Strafkolonne

Kujawski hieß der Kommandant, der Frau’n besonders quälte, der ihnen Halt und Würde nahm und alle Hiebe zählte.

Zum Einstand schlug er fünfzig Mal auf das Gesäß der Frauen, ihr Stolz zerriß, und jeder Schrei zerbrach das Selbstvertrauen.

Er sagte höhnisch: “Schmiert euch ein mit Kuhmist, auf der Stelle, und singt und tanzt und lacht dabei, sonst kommt ihr in die Hölle!”

Und abends mußten sie, die Frau’n, halb grün, halb blau geschlagen, verspottet von der Wachmannschaft, die Striemen sichtbar tragen.

Eine Kugel in den Kopf

“In Krusevlje, einem Nachbarort, der ebenfalls in ein Lager umgewandelt worden war, wurden zwei Frauen gefangengenommen; man führte sie vor das Gemeindeamt, und dort wurden sie im Angesicht ihrer Kinder erschossen. Nachher wurden sie auf einen Schubkarren geladen und auf den Friedhot gebracht, während ihre Kinder nebenher gingen. Eine dieser Frauen war noch nicht tot, unterwegs zum Friedhof kam sie zu sich, sah ihre Kinder neben sich und sagte ihren Kindern: ‘Eure Mutter muß sterben, weil sie euch so gern gehabt hat. Bleibt brav.” (Das Verbrechen der Mutter bestand darin, daß sie sich aus dem Lager geschlichen hatte, um Brot für ihre Kinder zu erbetteln.)

Es kam ein Partisane hinzu und schoß ihr aus seiner Pistole eine Kugel in den Kopf. Später kamen ihre Kinder nach Gakovo ins Kinderheim. Als ich eines dieser Kinder dort fragte, ein Mädchen von ungefähr zwei Jahren: “Rosi, wo ist deine Mutter?”, sagte es: “Schossen!”

Maschinenschriftlicher Bericht des Kaplan Paul Pfuhl aus Filipovo Bezirk Hodschag in der Batschka, Jugoslawien, vom 19. Oktober 1956, 56 Seiten, BArch, Ost-Dok. V/59, S. 431, in: Dokumentation Bd.V, S.431.

Immensität

Das gab’s noch nie auf dieser Welt nach eines Volkes Niederlage, die Schändung und Erniedrigung von Frau’n des Nachts und auch am Tage.

Der Leidensweg und Todesweg war angefüllt mit Gram und Grauen, man schlug die kleinsten Kinder tot und nahm die Mädchen, Mütter, Frauen.

Was hatten sie der Welt getan, daß man sie pfählte oder hängte und sie erschoß, erstach, erschlug, verbrannte, würgte und ertränkte?

Warum wird dieser Tatbestand nach eines Volkes Unterliegen im eig’nen Land und auf der Welt von allen Mächten totgeschwiegen?

Franz Eichhorst Mutter und Kind

Mit einem Fleischhauerbeil hingerichtet

“Ein Mädchen aus Franzfeld, Banat, Elisabeth Schessler, wollte in seiner Verzweiflung Selbstmord begehen. Sie sprang aus dem Fenster vom Saal in einen 20 Meter tiefen Brunnen. In diesem befand sich aber nicht viel Wasser, und das Mädchen konnte daher wieder lebend geborgen werden. Sie wurde wieder in den Saal gebracht und später in einem anderen Raum mit einem Draht gefesselt, an einer Tür hochgezogen, mit dem linken Fuß nach oben. Mit einem Fleischhauerbeil wurde sie dann hingerichtet, indem man ihren Körper entzwei spaltete. Ihre Leiche wurde auf den Schinderfriedhof gebracht. Die Partisanen schlachteten auf ähnliche Weise mehrere Frauen und Mädchen ab.

Wir mußten uns entkleiden, die besseren Kleidungsstücke nahm man uns dann ab. Wir wurden gefesselt und geprügelt. Ich erhielt beim Entkleiden, da es ihnen wahrscheinlich zu langsam ging, mit dem Gewehr einen Schlag auf den Fuß, so daß mir alle fünf Mittelknochen und drei Zehen gebrochen sind.

Karl Fesz wurde auf eine Bank gebunden und mit Draht-Korbatschen, deren Ende Haken aufwiesen, bearbeitet, so daß sich das Fleisch vom Körper löste. Seine sterblichen Überreste wurden auch auf den Schinderhof gebracht.”

Maschinenschriftlicher Bericht des Bäckers Johann Fischer aus Kubin (Kovin, Banat, Jugoslawien) vom 19. Juni 1947 (mit eigenhändiger Unterschrift) 8,25 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/392, S. 5-13, in: Vertreibung, S. 301. 

Sadismus

Ein Mädchen sprang aus Angst und Furcht in einen Brunnenschacht. Es war nicht tot; doch hat man es zur Strafe umgebracht.

Man schleppte es ins Haus zurück, brutal und hundsgemein, und hing es an den Füßen auf; doch nur an einem Bein.

Der Mörder nahm ein Schlachterbeil, er hackte ihren Leib als wär’ das Mädchen ein Stück Vieh und nicht ein junges Weib.

Er schlug mit seinem Beile zu in grenzenloser Wut. Was geht in einem Menschen vor, der solche Dinge tut?

Vier unbekleidete Frauenleichen

“Auf meinem weiteren Weg lagen überall bis an die Straßenkreuzung nach Powayen Leichen von Zivilpersonen. Während die Maenner meist mit Genickschuß erschossen waren, waren die Frauen völlig entkleidet, vergewaltigt und dann in viehischer Weise mit Bajonettstichen oder Kolbenschlagen umgebracht.

An der Straßenkreuzung nach Powayen stand ein russischer Panzer, der vier unbekleidete Frauenleichen hinter sich geschleift hatte. Eine Kommission war gerade dabei, den Tatbestand photographisch aufzunehmen.

Ich weiß aus meiner dienstlichen Kenntnis noch eine Unzahl anderer Grausamkeiten, die meiner Dienststelle zur Kenntnisnahme zugestellt wurden. Zu einer systematischen Durcharbeit dieser Fälle kam es aber nicht, da dieses nicht meine Aufgabe war und die zuständigen Dienststellen gar nicht in der Lage waren, den Dingen nachzugehen.

Die Vorfälle von Metgethen sind aber von einer Kommission bei der u. a. der Kriminalrat Landshöft tätig war, aufgenommen. Der Tatbestand wurde mit vielen Bildern ausgewertet und der Zivilbevölkerung mit der Überschrift: ‘Denkt an Metgethen!’ bekanntgegeben.”

Maschinenschriftliche eidesstattliche Erklärung des Hauptmannes H. Sommer aus Metgethen/Ostpreußen vom 15. Februar 1951 (mit eigenhändiger Unterschrift), 2 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/9, S. 309 310, in. Vertreibung, S. 148.

Heinrich Pforr - Studie Soldateska

Warum hat man Frau’n ergriffen und gepeinigt, unverhüllt, sie an einem Strick geschliffen, rücksichtslos und haßerfüllt?

Warum hat man sie gebunden hinter Panzern, bleich und bloß, sie geschändet und geschunden: hüllen-, grenzen-, hemmungslos?

Warum hat man sie erschlagen ohne Richter und Gericht?! Darf man nach der Wahrheit fragen, oder fragt man lieber nicht?!

Mord bleibt Mord, trotz Ruhm und Siegen, Größenwahn und Teufelsbann, Dokumente sind verschwiegen, aber Tote klagen an!

Das Mädchen war gekreuzigt 

“Meine eigenen Wahrnehmungen machte ich am 27. Februar 1945, als ich dienstlich in Metgethen zu tun hatte. Als ich kurz vor der Straßen- und Bahnkreuzung nach Metgethen mit meinem Krad in eine dort befindliche Kiesgrube einfuhr, um das dort stehende Gebäude auf seine Verwendbarkeit zu besichtigen, fand ich hinter dem Hause plötzlich zwölf Frauen- und sechs Kinderleichen. Alle waren völlig entkleidet und lagen in einem wirren Haufen zusammen. Den Kindern war meist mit einem harten Gegenstand der Schädel eingeschlagen oder die kleinen Körper mit zahllosen Bajonettstichen durchbohrt. Die Frauen, meist ältere zwischen 40 und 60 Jahren, waren ebenfalls mit Messern und Bajonettstichen umgebracht. Bei allen waren die blauschwarzen Flecken der Schläge deutlich erkennbar.

Als ich am 28. Februar 1945 nach der völligen Aufsprengung des ersten Einschließungsringes den Auftrag hatte, mich zu einer Dienststelle der 4. Armee zu begeben, machte ich in dem Dorfe Groß Heydekrug an der Kirche eine Pause. Ich kam gerade zumaß, als Sanitäter und Zivilpersonen zur Beerdigung von etwa 35 Personen weiblichen Geschlechts schritten. Auch hier zeigten mir Soldaten und Zivilpersonen unter großer Empörung die vorgenommenen grausamen Mißhandlungen, die die Russen besonders an Frauen verübt hatten. Ein Feldwebel wies auf ein Mädchen und zwei Soldaten, die man in der Kirche vorgefunden hatte. Das Mädchen war gekreuzigt und die Soldaten als Pendant links und rechts aufgehängt worden.”

Maschinenschriftliche eidesstattliche Erklärung des Hauptmannes H. Sommer vom 15. Februar 1951 (mit eigenhändiger Unterschrift), 2 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/9, S. 309-310, in: Vertreibung, S. 147f.

Kreuzigung

Zuerst vergewaltigt und dann gekreuzigt: ein junges Mädchen, fast noch ein Kind. – Nicht an der Via Appia, nicht auf Golgatha, sondern in der Kirche von Groß Heydekrug im Königsberger Kanal.

Rechts und links daneben aufgehängt: zwei junge Soldaten, noch halbe Kinder. – Nicht an der Via Appia, nicht auf Golgatha, sondern in der Kirche von Groß Heydekrug am Königsberger Kanal.

Mord und Totschlag

 “Während des Russeneinfalls in Ostpreußen war ich als leitender Arzt des St. Josephskrankenhauses in Rössel dort geblieben …

Die Stadt wurde nach ganz unbedeutender Gegenwehr am 28. Januar 1945 nachmittags besetzt. Sofort kam es zu ausgedehnten Plünderungen, Brandstiftungen, Gewalttätigkeiten und Vergewaltigungen, Mord und Totschlag. Schon in den ersten Tagen sind in Rössel 60 Personen erschlagen und erschossen worden. Es handelte sich um Frauen, die sich nicht vergewaltigen lassen wollten, Männer, die sich schützend vor ihre Frauen und Kinder stellten, Leute, die nicht rasch genug mit ihren Uhren und Schnapsflaschen herausrückten.

In vielen Fällen war ein Motiv überhaupt nicht ersichtlich. So wurden im Katholischen Hospital drei Männer und fünf Frauen erschossen, in der Stadt eine Lehrerwitwe mit vier Kindern. Diese ersten Opfer konnten erst nach einer Woche in einem Massengrab beigesetzt werden.

In der Umgebung wurden vorwiegend größere Bauern oder Gutsbesitzer erschossen. In einem der benachbarten Dörfer, Plössen, ist die Hälfte der Einwohner umgebracht worden, in dem Dorf Trautenau, Krs. Heilsberg, mehr als die Hälfte. Auffallend hoch ist auch die Zahl der erschossenen Geistlichen …”

Maschinenschriftlicher Bericht mit eigenhändiger Unterschrift des Dr. med. Arnold Niedenzu, Facharzt für Chirurgie, aus Rössel, 6 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/37, S. 103-108, in: Ahrens, S. 73.

Faktum

Auf der Suche nach der Wahrheit sucht der Mensch im Sog des Lebens reine, ungeschminkte Wahrheit oft auf dieser Welt vergebens.

Denn die Macht in ihrem Drange will sich selber nicht genügen, kann durch List und Halbwahrheiten sich und andere betrügen.

Wer die Macht hat, kann befehlen, Recht bestimmen und Gerichte, nur die Siegermächte gehen glorreich ein in die Geschichte.

Sie verschleiern ihre Taten und vernebeln jede Klarheit, schrecklich sind die Dunkelziffern, aber Gott ist Licht und Wahrheit.

Die Roten Soldaten Vergewaltigen

“Im Gebiet um unser Internierungslager, wo die Städte Schlawe, Lauenburg, Buckow und viele größere Dörfer lagen, vergewaltigten die Roten Soldaten in den ersten Wochen nach der Eroberung jede Frau und jedes Mädchen zwischen 12 und 60 Jahren. Das klingt übertrieben, ist aber die Wahrheit. Die einzigen Ausnahmen bildeten die Mädchen, denen es gelang, sich in den Wäldern zu verstecken, oder die genug Geistesgegenwart besaßen, um eine Krankheit vorzutäuschen: Typhus, Diphterie oder eine andere ansteckende Sache. Im Siegestaumel, und oft voll von dem Wein, den sie in den Kellern reicher pommerscher Gutsbesitzer gefunden hatten, durchsuchten die Roten jedes Haus nach Frauen, schüchterten sie mit Pistolen und Maschinenpistolen ein und zerrten sie in ihre Panzer oder Wagen.

Väter und Gatten, die versuchten, die Frauen zu schützen, wurden erschossen, und Mädchen, die zuviel Widerstand leisteten, wurden ebenfalls ermordet.”

Schriftliche Berichte und Protokolle ehemaliger britischer Kriegsgefangener als Augenzeugen in dem genannten Gebiet nach ihrer Rückkehr in die damals englisch besetzte Zone Deutschlands.

Realität

Wais ist gescheh’n am End’ des Kriegs, am Tag und in der Nacht? egal, ob Säugling oder Greis: Man hat sie umgebracht.

Die Frauen wurden vogelfrei, man nahm sie mit Gewalt, der Schmerz, die Scham, das Leid, der Tod ließ Rotarmisten kalt.

Nicht Hunderte, nicht Tausende, erlebten Gram und Grau’n: es waren Hunderttausende, Millionen deutscher Frau’n.

Es schweigt das Volk, es schweigt die Welt, man schweigt, weil man nichts weiß; doch in Archiven findet man Berichte und Beweis.

Kurzerhand erschossen

“Als Offizier der Roten Armee sammelte Lew Kopelew Eindrücke, die er später als Schriftsteller niederschrieb. Bei der Eroberung Ostpreußens erlebte er die Grausamkeiten gegen die deutsche Zivilbevölkerung als Augenzeuge. Die Plünderung der Häuser und die Vergewaltigungen der deutschen Frauen, vom Kind bis zur Greisin, erfüllten ihn mit Abscheu. In den Straßen von Heidenburg traf er eine alte Frau, die planlos durch die Straßen irrte und unzusammenhängende Sätze stammelte. Er wollte sie nach Hause bringen, konnte aber nicht verhindern, daß ein anderer Offizier, der in ihrer Tasche herumwühlte, sie zur Spionin erklärte und kurzerhand auf offener Straße erschoß.

In Allenstein kam eine Frau zu ihm, die ihn bat, sie, ihre dreizehn Jahre alte Tochter und ihren elf Jahre alten Sohn zu beschützen, damit sie und ihre Tochter nicht mehr vergewaltigt und der Junge nicht mehr ununterbrochen geschlagen würde. Kurz darauf kam die dreizehn Jahre alte Tochter zu Kopelew und sagte ihm, daß ihr Bruder an den ständigen Mißhandlungen gestorben sei.”

Aus den Kriegserinnerungen des ehemaligen Sowjetoffiziers Lew Kopelew, der Angehöriger der nach Deutschland vorrückenden Roten Armee war. Als Bürgerrechtler wurde er wegen seiner Äußerungen ebenso wie Alexander Solschenizyn viele Jahre in die Konzentrationslager des Archipel GULag verbannt. 1981 erhielt er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. S. 88f.; vgl. auch Kopelew, S. 100ff 

Schlesische Baeuerin

Ohnmacht

Die Mutter warf sich auf die Knie und flehte den Kommandanten an: “Während ich vergewaltigt werde, wird mein Junge bestraft und mißhandelt, er ist doch erst elf Jahre alt.”

Die Tochter warf sich auf die Knie und flehte den Kommandanten an: “Während ich vergewaltigt werde, wird mein Bruder gequält und geschlagen, er ist doch erst elf Jahre alt.”

Der Kommandant versprach zu helfen, gab den Frauen sein Ehrenwort; doch als die beiden nach Hause kamen, finden sie einen Toten vor:

Er war doch erst elf Jahre alt.

Zuweilen wird der Kopf trocken rasiert

“Traf der Chefarzt ein nicht ganz geöffnetes Fenster oder eine Frau, die wegen ihres geschorenen Kopfes bei strenger Kälte eine Kopfbedeckung hatte, so erfolgten Strafen: Ohrfeigen, Kniebeugen, stundenlanges Sitzen in Hockstellung bei offenem Fenster und halbentblößtem Oberkörper. Eine schlimme Strafe ist, den Zementfußboden im Flur den ganzen Tag immer wieder zu wischen, auch wenn die Knie schon wund sind. Geht der Chefarzt in den nächsten Tagen durch die Baracken und sieht die wunden Knie, da sagt er “Gut so, weitermachen!” Zuweilen wird den Frauen der Kopf trocken rasiert, was besonders schmerzhaft ist. Besonders übel sind Frauen dran, welche dem “schweren Wagen” zugeteilt sind. Dieser Wagen muß täglich, im Winter drei mal, in ein drei km von Potulice entferntes Sägewerk nach Brettern und Bohlen fahren. Die Last, welche bis fünfzehn Frauen ziehen müssen, beträgt 50 bis 75 Zentner. Auch hier wird tüchtig durch Fußtritte und Kolbenstöße nachgeholfen. Als ich selbst einige Tage an diesem Wagen war, und wir, fast bis zur Erde geneigt, den Wagen zogen, dachte ich, wenn dieses Bild doch nur durch eine Aufnahme festgehalten werden könnte. Wenn man es nicht miterlebt hat, kann man es nicht glauben und sich keine Vorstellung davon machen.”

Maschinenschriftlicher Bericht mit eigenhändiger Unterschrift der Diakonissin Erna Kelm aus Bromberg, 5 Seiten, BArch, Ost-Dok 2/38, S. 99-103, in: Ahrens, S. 133ff.

Satanismus

Schlimme Zeit, wenn Kinder weinen, hungernd zwischen Schutt und Steinen, angesichts von Not und Tod, ohne Wasser, ohne Brot.

Müssen Frau’n vor Schmerzen jammern, vergewaltigt in den Kammern, auf der Straße, hinterm Stall, in der Kirche, überall?

Muß man sie in Lager stecken bis sie wie ein Tier verrecken, weichgeprügelt, Tag für Tag, bis zum letzten Peitschenschlag?

Muß der Mensch den Menschen hassen, kann er nicht vom Bösen lassen, muß er schänden, mordbereit? Großer Gott, Barmherzigkeit!

Frauen vor Walzen gespannt

“Sie sperrten die etwa 900 Deutschen aus Bielitz – Männer, Frauen, Kinder und Säuglinge – in zwei kleine Barackenräume. In der glühenden Julihitze (27. Juli 1945) wurde uns der Aufenthalt hier in kurzer Zeit zur Hölle. Kinder wimmerten, die Säuglinge schrien, Mütter baten verzweifelt um Wasser. Es half nichts …

Am zweiten Tag wurden wir Frauen und Mädchen in besondere Baracken gebracht. Bald teilte man uns auch zur Arbeit ein. Die Arbeiten wurden immer schwerer. Wir wurden mit schweren Wagen, die wir selber ziehen mußten, zum Kartoffelholen geschickt oder mußten landwirtschaftliche Arbeiten verrichten. Da Tiere nicht zur Verfügung standen, wurden Frauen und Mädchen vor Walzen und Eggen gespannt. Hacken und Spaten standen uns nicht zur Verfügung. So wurden die Kartoffeln mit bloßen Händen aus dem Boden geholt. Bis zu 15 km weit lagen die Felder vom Lager entfernt, und es war eine furchtbare Qual, die vollgeladenen Kartoffelwagen mit unseren schwachen Kräften zu ziehen. Die Milizianten schlugen während der Arbeit und unterwegs ununterbrochen auf uns ein.

Im Lager waren wir keinen Augenblick sicher. Um sich einen ‘Spaß’ zu machen, schossen die Wärter auf einzelne Frauen. Bis zum Spätherbst … hatten unsere Baracken keine Fenster. Trotzdem durften wir nur mit dem Hemd bekleidet schlafen. Fast jede Nacht kamen die Milizianten, rissen uns die dünnen Decken weg und kontrollierten. Viele Frauen und Mädchen wurden dabei vergewaltigt. Wer aber Schlüpfer anhatte, galt als fluchtverdächtig. Diese Frauen und Mädchen wurden mit Knuten geschlagen.”

Eigenhändig unterzeichnete Durchschrift eines Erlebnisberichtes von Fräulein Magda Walke aus Bielitz, Krs. Falkenberg, 2 Seiten, BAn h Ost-Dok. 2/236 e, S. 884 a – 884 b, in: Vertreibung, S. 271.

Tortur

Wie Tiere wurden Frau’n geschlagen im Lederzeug vor Leiterwagen, man konnte über sie verfügen und spannte sie vor Eisenpflügen.

Sie mußten schwere Walzen schieben, von Peitschenhieben angetrieben, Man quälte sie vor Tellereggen bis an den Rand von Gras und Seggen.

Es fehlten Spaten, fehlten Hacken, mit Händen mußten sie sich placken, Kartoffeln aus der Erde scharren und im Geschirr zu Lager karren.

Sie wurden Vieh in einer Herde. Und mußten schuften wie die Pferde: Die Schwachen schlug man tot in Scharen, Weil sie besiegte Deutsche waren.

Durch die Hände genagelt

“Hinter diesem freien Platz steht wiederum ein großes Gasthaus ‘Roter Krug’. An diesem Gasthaus stand längs der Straße eine Scheune.

An den beiden Scheunentüren waren je eine Frau, nackt in gekreuzigter Stellung, durch die Hände genagelt. Weiter fanden wir dann in den Wohnungen insgesamt 72 Frauen, einschließlich Kinder, und einen alten Mann von 74 Jahren, die sämtlich tot waren, fast ausschließlich bestialisch ermordet, bis auf wenige, die Genickschüsse aufwiesen. Unter den Toten befanden sich auch Kinder im Windelalter, denen mit einem harten Gegenstand der Schädel eingeschlagen war.

In einer Stube fanden wir auf dem Sofa in sitzender Stellung eine alte Frau von 84 Jahren vor, die vollkommen erblindet [gewesen] und bereits tot war. Dieser Toten fehlte der halbe Kopf der anscheinend mit einer Axt oder [einem] Spaten von oben nach dem Halse weggespalten war.

Diese Leichen mußten wir auf den Dorffriedhof tragen, wo sie dann liegenblieben, weil eine ausländische Arzte-Kommisson sich zur Besichtigung der Leichen angemeldet hatte … Einstimmig wurde dann festgestellt, daß sämtliche Frauen wie Mädchen von acht bis zwölf Jahren vergewaltigt waren, auch die alte, blinde Frau von 84 Jahren.”

Augenzeugenbericht des Volkssturmmannes Karl Potrek, der zum Aufräumkommando in Nemmersdorf/Ostpreußen gehörte, 2 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/2, S. 126-127, in: de Zayas, S. 81.

Golgatha

Geschändet hat man deutsche Frau’n, ans Kreuz genagelt hat man sie, gelacht, wenn laut die Unschuld schrie: “Herr, erbarme dich.”

Ob Mütter, Mädchen, greise Frau’n: Man hängte sie an Tür und Tor, sogar in Kirchen auf den Chor: “Herr, erbarme dich.”

Die Kinder schlug man einfach tot, die weinend das Verbrechen sah’n, die Marterqual, den Mörderwahn: “Herr, erbarme dich.”

Der Kreuzestod der deutschen Frau’n, ihr schmerzerfülltes Golgatha, aus Grausamkeit und Haß geschah: “Herr, erbarme dich.”

Verzweifelte Mütter brachen zusammen

“Sofie Jesko sah die alte Frau sofort, die im offenen Pelz mit im Winde flatterndem weißen Haar auf einem LKW saß und wie eine Furie aussah.

Sofie Jesko wurde von instinktivem Entsetzen gepackt. Die jungen Mütter, die bei dem Massaker (es fand kurz vorher statt) verschont geblieben waren, wurden mit ihren kleinen Kindern von den polnischen Burschen zu der weißhaarigen Alten gestoßen und mußten sich in einer Reihe aufstellen. Die Frau riß die Säuglinge aus dem Arm und schlug deren Köpfe mit aller Kraft auf die Kante des LKWs. ‘Engelchen’, sagte sie dabei jedesmal mit zärtlicher Stimme.

Die verzweifelt schreienden Mütter brachen zusammen und wurden weggezerrt.

Es nahm erst ein Ende, als sämtliche Säuglinge getötet waren. Dann wurde den Überlebenden unter Androhung von Waffengewalt befohlen, nach Penczniew zurückzukehren. Auf demselben Weg, auf dem sie gekommen waren und der nun von den Leichen der Erschossenen und Erhängten wie von Meilensteinen gesäumt war, zogen sie in ihre schwerbeschädigte Heimatstadt zurück, die nun nicht mehr die ihre war.”

Protokollarische Aussagen der Sofie Jesko aus Penczniew, Kreis Turek i. Polen, Original, 25. April 1951, in: Dokumentation, Bd. 1, 350f Zit. nach: Chiodo, S. 49.

Furie

Im schwarzen Pelz mit weißen Haaren fuhr sie ins Lager mit dem Wind, wo Deutsche eng versammelt waren, vom Greise bis zum Wickelkind.

Mit heißem Blick und kaltem Schreie stieg sie vom LKW herab, die Mütter standen in der Reihe, sie ging an ihnen auf und ab.

Dann fröhnte sie den Haßgelüsten, die Luft zerriß vor Arg und Weh: Sie nahm die Babys von den Brüsten und schlug sie an den LKW

Sie sagte “Engelchen” beim Schlagen, “mein Engelchen, jetzt bist du frei!” Sie triumphierte über Klagen und überhörte jeden Schrei.

Baby feedingBauch und Brust waren aufgerissen

“Wir saßen im Keller, Am Schild 7. Die ersten Russen, die zu uns kamen, plünderten uns vollkomen aus und suchten vor allen Dingen nach Uhren, Schmuck und Gold. Sie nahmen aber auch andere Gegenstände mit. Ich habe gesehen, daß sie sogar bei den Menschen, wo sie Goldzähne entdeckten, ihnen diese einfach ausgeschlagen haben.

Nachdem die Russen uns dann alles geraubt hatten, holten sie sich Frauen und Mädchen heraus und haben diese vergewaltigt. Oft haben sie es auch gleich im Keller getan, trotzdem Kinder und viele andere Menschen darin waren. Ich selbst wurde auch einige Male geholt und vergewaltigt … Nach einigen Tagen verließen wir den Keller … Wir gingen dann in eine Kirche in Danzig. Hier lag eine junge Frau, die im siebten Schwangerschaftsmonat war. Ein Russe kam herein und trat dieser Frau mit den Füßen in den Bauch. Sie war sehr schwer verletzt, denn Bauch und Brust waren aufgerissen. Ich habe es selbst gesehen. Die Frau ist dann nach einigen Tagen gestorben …

Wir waren noch nicht ganz im Keller, da holte mich schon ein ungefähr 20jähriger Russe heraus und hat mich vergewaltigt Am Tage und in der Nacht haben uns die Russen vergewaltigt … Überall, wo wir glaubten, keinem Russen zu begegnen tauchten sie auf und vergewaltigten uns … Wir gingen ins katholische Katharinenkrankenhaus nach Königsberg und wurden hier auch aufgenommen. Hier hörten wir, daß die Russen sogar die Nonnen vergewaltigt hatten.”

Maschinenschriftlicher Bericht der Schneiderin Martha Kurzmann in aus Königsberg i. Pr. vom 16.6.1951, eigenhändige Unterschrift, 2 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/151, S. 196-197, in: Vertreibung, S. 196ff

Totgeschwiegener Tod

Der Genozid am deutschen Volk nach alliierten Siegen, im Rache- und Vergeltungsrausch, wird intensiv verschwiegen.

Die Vergewaltigung von Frau’n, von deutschen Frau’n, war Mode, sie büßten, ohne Schuld zu sein, die Rache mit dem Tode.

Es mußten Frauen im Geschirr die Eggen zieh’n, die Pflüge, man schickte sie zur Zwangsarbeit, gepfercht in Güterzüge.

Man schlug sogar den Säugling tot und nahm mit blut’gen Händen die schreckensbleiche Mutter her, um sie brutal zu schänden.

Zwölfjährige Enkelin mißbraucht

“Der allgemein verehrte Gutsherr v. K., den später die Russen erschossen, hatte uns das Schloß als Zuflucht angeboten … Nun fingen sie mit Mord und Vergewaltigung an. Man hat uns Frauen in die Schule getrieben. Wer Widerstand leisten wollte wurde mißhandelt oder gar erschossen. Ich selbst wurde am Dienstag früh von einem Russen vergewaltigt, während ein anderer mit gezogener Waffe danebenstand. Niemand von uns wurde verschont. Die alte Frau Karl mußte mit Entsetzen mit ansehen, wie ihre zwölfjährige Enkelin mißbraucht wurde. Eine ostpreußische Flüchtlingsfrau wurde erschossen, weil sie ihre 17jahrige Tochter schützen wollte. Die Baronin von K wurde wohl 20mal hintereinander vergewaltigt. Nur die angelegte Schwesterntracht schützte sie vor dem Tode. Die Jungverheiratete, hochschwangere Tochter Ilse der Frau Tankow wurde zehnmal hintereinander vergewaltigt. Sie wurde auch später jeden Tag mehrmals geholt. Den Bürgermeister Rabe schlugen die Russen, bis er zusammenbrach. Seine Frau wurde vergewaltigt und in den Dorfteich geworfen.”

Handschriftlicher Bericht der L. F. (Verfasserin bittet um Verschweigen ihres Namens) aus Stettin, 2,5 Seiten ohne Datum, BArch, O / Dok. 2/151, S. 197-199.

Die Gutsfrau

Baronin K. trug Schwesterntracht, das schützte zwar ihr Leben; doch mußte sie, wie jede Frau, Begierden sich ergeben.

Der Adel war ein rotes Tuch und Mord die Episode, Baronin K. trug Schwesterntracht, das schützte sie vorm Tode.

Man hat sie an die zwanzig Mal trotz Schwesterntracht geschändet, sie war schon nach dem ersten Mal vor Schmerzen wie geblendet.

Was weiß man schon, was ahnt man schon, was deutsche Frau’n erfuhren? Es floß ihr Blut, verströmte sich, verwischt sind alle Spuren.

Rote Kreuz Schwester

Frauen und Mädchen wurden Freiwild

“Die Stadt (Grünberg) hallte bei Tag und Nacht wider vom Wehgeschrei der gequälten, vergewaltigten Einwohner. Frauen und Mädchen wurden Freiwild. In mein Pfarrhaus flüchtete eine große Anzahl von Mädchen und Frauen, die zwanzig- bis vierzigmal an einem Tag in ununterbrochener Reihenfolge vergewaltigt worden waren. Lustmorde wurden mir mehrere gemeldet (Aufschlitzen des Leibes, der Geschlechtsteile, Abschneiden der Brüste usw.) Ich habe die Leichen gesehen und beerdigt.

Die Möbel von geflüchteten Personen, alles an Kleidern, Wäsche usw. wurden auf LKW verladen und nach Rußland geschafft … Sämtliche  Krankenhäuser wurden  von  allen Einrichtungsgegenständen geräumt, bis auf die Lichtschalter demontiert, die sanitären Anlagen zertrümmert. Furchtbarster Vandalismus mit allen nur erdenklichen Roheiten. Alle Männer und Jungen von 14 bis 65 Jahren wurden eingefangen, in Fabrikräumen eingesperrt und dann nach Zentralrußland abtransportiert. Drei Nachbarpfarrer wurden erschossen bzw. erschlagen …

Bei Tag und Nacht wurden unübersehbare Herden von Pferden, Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen auf Straßen, und als diese nicht mehr genügten, über Stock und Stein nach Osten getrieben … In der Osterwoche 1945 wurden die Tresore sämtlicher Grünberger Banken und Sparkassen von russischen Offizieren gesprengt und ausgeplündert. Kostbare Archivarien gingen bei der Sprengung zugrunde.”

Maschinenschriftlicher Bericht des Pfarrers Georg Gottwald, der Dechant in Grünberg war, 5 Seiten, BArch, Ost-Dok. 1/221, in: Ähren. S. 190f.

Apokalypse

Man kann sie nicht beschreiben, die Lust zur Grausamkeit: Die vielen Tötungsarten in einer schlimmen Zeit.

Da half kein Fleh’n und Betteln, kein Bitten und kein Wort: Es wurde ohne Rücksicht gemartert bis zum Mord.

Wer Blut vergießt im Rausche, sieht roter als ein Stier, er frönt, mit Schnaps im Hirne, dem Machtgelüst der Gier.

Es wurden alle Frauen beim Schänden vogelfrei, kein Mensch kennt ihre Gräber, verhallt ist jeder Schrei.

Sie mußten niederknien und wurden erschossen

“In der Nacht vom 8. Oktober auf den 9. Oktober wurden zum Beispiel zehn Personen aus dem Keller weggeführt und vor das Haus des Josef Schneider gebracht, wo sie niederknien mußten und erschossen wurden, und zwar folgende Personen: Josef Schneider – Bauer, Karl Kucht – Lehrer, Franz Filtschek – Fabrikant, Josef Mert – Spenglermeister, Mauriz Nees – Bauer, Lorenz Grikel – Bauer, Heinrich März – Bildhauer, Josef Schwefelbauer – Gutsbesitzer, Lorenz Nikisel – Großgrundbesitzer, Josef Santabona – Maurermeister …

Im Schulgebäude wurden wir wiederholt verprügelt. Noch im 16. Oktober war ich in die Prügelstube abgeführt worden. Als man mich um etwa 16 Uhr von dort wieder in das Schulgebäude hinaufführte, bot sich mir ein fürchterlicher Anblick. Ich sah durch die offene Tür die Frau des Lehrers Karl Kucht, die auch Lehrerin war, auf dem Fußboden des Zimmers Nr. 9 auf dem ersten Stock liegen. Sie wurde von zwei Partisanen gehalten, während der dritte ihr den Bauch aufgeschnitten hatte und ihr gerade den Geschlechtsteil und das Fleisch von der Innenseite der Schenkel bis zum Knie herausschnitt. Der Partisan warf das Herausgeschnittene gegen einen Kasten. Die beiden Partisanen, die Frau Kucht niedergehalten hatten, drehten nun den Körper um, wobei ich sah, daß sie ihr auch mit Messern die Brüste aufgeschnitten hatten …

Peter Klotz und ich wurden von den Partisanen später in das Zimmer 9 beordert. Wir mußten die Leiche der Frau Kucht in eine große Holzkiste, die zum Transport diente, zwängen und sie in einem Pissoir im Erdgeschoß abstellen.”

Maschinenschriftlicher Bericht des Bäckers Johann Fischer aus Kubin (Kovin, Banat, Jugoslawien) vom 19. Juli 1947 (mit eigenhändiger Unterschrift), 8,25 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/392, S. 5-13, m Vertreibung, S. 300ff. 

Bestialität

Recht und Gnade gab’s nicht mehr, nein, da half kein Fleh’n und Beten: Mädchenstolz und Frauenehr’ wurden in den Dreck getreten.

Jeder Tag und jede Nacht wurden zu der schlimmsten Bürde: Kinder hat man umgebracht, Frauen nahm man jede Würde.

Mütter litten Pein und Qual, schlimmer als in einem Beben, und sie hatten keine Wahl: Viele zahlten mit dem Leben.

Die Begierde brach sich Bahn, unvorstellbar ist ein Treiben wie zur Zeit von Dschingis Khan: Mord ist Mord und wird es bleiben

Zuerst kamen die jüngeren Frauen dran 

“Ein Zug von 1.500 Menschen wurde jetzt in die Bahnhofshalle gejagt … Hier wurden wir gemustert, nach Alter und Geschlecht, indem man uns den Mund aufriß und nach den Zähnen schaute, wie bei einer Pferdemusterung. Die Männer wurden fast alle abtransportiert. Niemand hat sie jemals wiedergesehen. Übrig blieben Frauen und junge Mädchen ab 15 Jahre.

Hier beginnt schon die Vergewaltigung der weiblichen Jugend. Auf offenem Bahnhofsplatz sah ich, wie ein junges Mädchen, Hildegard K., 15 Jahre alt, aus Elbing, Trettinkenhof, von russischen Soldaten vergewaltigt wurde. Die Mutter dieser Hildegard K. verteidigte ihre Tochter, weil die russischen Soldaten sie immer wieder gebrauchten und besiegelte ihr Leben für den Mut und den Kampf nach zwei Tagen mit dem Tode. Bei dieser Musterung wurden uns alle Wertsachen, Trauringe, Uhren, Sparbücher und Wertpapiere abgenommen. Nach geraumer Zeit wurden wir in Richtung Tannenberger Allee abgeführt und in Behelfsheimen untergebracht. Ein Zimmer dieser Behelfsheime war für die Vergewaltigungen hergerichtet die nun erfolgen sollten. Zuerst kamen die jüngeren Frauen dran, ich erst gegen Morgen und wurde gleich von drei russischen Soldaten gebraucht. Diese Vergewaltigungen wiederholten sich täglich zweimal, jedesmal mehrere Soldaten, bis zum siebten Tag. Der siebte Tag war mein schrecklichster Tag; ich wurde abends geholt und morgens entlassen … Dann folgten noch drei dieser schrecklichen Tage bis zum sechsten Tag. Dann waren wir nach Ansicht der russischen Soldaten fertig und wurden nackt aus diesem Höllenraum heraus gejagt. Andere Frauen traten an unsere Stelle.”

Bericht der Elfriede O. aus Elbing/Ostpreußen, Verfasserin bittet um Verschweigen ihres Namens, BArch, Ost-Dok. 2/68, S. 393-394, in: Ahrens, S. 102f. 

Tragödie

Die Frauen wurden Opfer, kein Mensch kennt ihre Zahl; doch niemals war das Sterben so scheußlich und brutal.

Man nahm die jungen Mädchen, zerstörte ihren Leib, entehrte alle Frauen, als wär’s ein Zeitvertreib.

Und selbst vor einer Greisin, da machte keiner halt, man brachte sie zu Tode durch Akte der Gewalt.

In Ländern dieser Erde und selbst im eig’nen Land sind diese Frauenmorde so gut wie unbekannt.

Blau-grün geschlagene Hinterteile

“Nacht für Nacht kamen die Russen, und wir waren nahe dran, mit unserem Leben Schluß zu machen. Überall fanden sie uns. Oft legten wir uns des Nachts auf den Balkon, deckten uns zu und ließen uns einschneien. Dort fanden sie uns nicht, aber mein Bein ist noch heute Zeuge von diesen kalten Nächten. Es war von oben bis unten erfroren.

Besonders das Schloßgut hatte unter den Russen zu leiden. Hier scheuten sich die Russen nicht, Mütter vor den Augen ihrer Kinder zu vergewaltigen. Selbst einer stillenden Mutter riß man den Säugling von der Brust. Auch die zwölfjährige Tochter des Gutsgärtners wurde von vier Russen derart mißbraucht, daß ihr weiteres Leben sehr in Frage gestellt wurde. In der Nacht verhörte man mich. Es war furchtbar. Immer wieder hallten Schreie von Menschen durch das Haus, die geschlagen und gepeinigt wurden.

Nach dem Verhör kam ich in einen anderen Keller. Am Morgen führte man uns zum Austreten. Der Posten stand mit aufgepflanztem Bajonett dabei. Im Garten lagen Leichen über Leichen … Zweimal wurden wir zum Austreten geführt auf den Hof. Oft stieß man uns die Treppe hinunter. Auf dem Hof saß dann einer neben dem anderen, und man sah die blau-grün geschlagenen Hinterteile der bis aufs Äußerste gequälten Menschen. Gewaschen hatten wir uns schon seit Wochen nicht mehr. Gingen russische Offiziere an uns vorüber, so bespien sie uns und sagten: ‚Oh, deutsche Frau schmutzig!’”

Maschinenschriftlicher Bericht der Frau Marga Gunia aus Grünfließ bei Neidenburg vom 28. Mai 1951 (mit eigenhändiger Unterschrift), 2,5 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/28, S. 15-17, in: Vertreibung, S. 204.

Opfergang

Es wurden niemals auf der Welt, von Hohn und Haß getragen, so viele Frauen, unverstellt, getreten und geschlagen.

Erniedrigt wurde jede Frau von einem Henkersknechte, man schlug sie grün und schlug sie blau: Sie hatten keine Rechte.

Die Würde, die nach Achtung schrie, die wollte man vernichten: Die schlimmsten Dinge mußten sie zu ihrer Schmach verrichten.

Man sperrte sie in Lager ein, die Frau’n und auch die Kinder, fast jeder Wärter war ein Schwein, ein echter Leuteschinder.

Meinen Bruder haben sie angenagelt

“Cirka zwei Monate nachher erfuhr ich die erschütternde Nachricht, daß mein Bruder, Richard Schleimer, in Tüffer auf bestialische Weise durch die serbischen Partisanen hingemordet wurde. Und mit ihm noch drei Ustasche.

Viele unserer Landsleute wissen davon, Hönigmann, Heinrich aus Gottschee, Frau Kassegrande und viele, die damals im Lager Tüffer waren, können das beweisen. Hönigmann war gezwungen, die Folterkammer dort aufzuräumen.

Meinen Bruder haben sie angenagelt, Ohren, Nase und Zunge abgeschnitten, das dauerte ein paar Stunden, nur ein tierisches Brüllen war zu hören, bis dann ein Partisane (ein Slowene aus Gottschee), der meinen Bruder gut kannte, das sah und scheinbar doch etwas Herz hatte, ihm einen Gnadenschuß gab, um ihn von seinem Martyrium zu erlösen.

Als dann die Russen von Steiermark abzogen und die Engländer an deren Stelle kamen, hörte ich, daß diese Greueltaten den Engländern gemeldet wurden bzw. zu Protokoll genommen wurden, eben durch die Zeugen, die damals im Lager Tüffer waren. Sogar in einer österreichischen Zeitung wurde einmal darüber geschrieben.”

Handschriftliches Schreiben der Frau Amalia Brame aus der Gottschee vom 11. März 1958 (mit eigenhändiger Unterschrift), 2 Seiten BArch, Ost-Dok. 2/417, S. 78 a-78 b, in: Vertreibung, S. 313.

Tötungsarten

Kindern schlug man Mund und Nase und die Schädeldecke ein, mit Pistolen und mit Kolben, Stiefeln oder einem Stein.

Knaben mußten barfuß laufen, nicht auf Stoppeln oder Gras, sondern mit den nackten Füßen über messerscharfes Glas.

Greisen klemmte man die Bärte in des Schraubstocks Eisenschuh, bis sie ihr Gesicht verloren, schlug man unbarmherzig zu.

Mädchen mußten sich entblößen, Männer waren wie vertiert, Frauen wurden vergewaltigt, viele grausam massakriert.

Vergewaltigungen unter widerlichsten Umständen

“Die Vergewaltigungen nahmen ein unvorstellbares Ausmaß an. Nach meinen Erfahrungen darf ich behaupten, daß von den Frauen und Mädchen zwischen 50 und 15 Jahren nur zehn Prozent verschont geblieben sind. Die Russen machten vor nichts halt: Greisinnen (bis 80 Jahre), Kinder (bis zehn Jahre abwärts), Hochschwangere und Wöchnerinnen. Die Vergewaltigungen gingen unter den widerlichsten Umständen vor sich. Die Russen überfielen häufig schon tags die Frauen, vorwiegend aber nachts drangen sie durch die zerbrochenen Fenster oder durch die eingeschlagenen Türen, ja durch das abgedeckte Dach in die Häuser und stürzten sich auf die unglücklichen Frauen und Mädchen. Meist mit vorgehaltener Waffe. Häufig hielten sie die Pistolenmündung direkt in den Mund des unglücklichen Opfers. Häufig war es so, man sträubt sich, es zu beschreiben, daß das weibliche Wesen von mehreren festgehalten wurde, während sich die Wüstlinge nacheinander bei der Vergewaltigung ablösten. So manche Frau ist anschließend erschossen worden …

Häufig wurden die Frauen bei der Vergewaltigung noch in übelster Weise geschlagen, gestochen und mißhandelt. Ich glaube auch, daß nur ganz wenige Russen diese furchtbaren Verbrechen nicht mitgemacht haben. Es bestand da kaum ein Unterschied zwischen Offizier und gewöhnlichem Soldaten.”

Maschinenschriftlicher Bericht des Dr. med. Arnold Niedenzu, Facharzt für Chirurgie in Rössel/Ostpreußen, 6 Seiten mit eigenhändiger Unterschrift, BArch, Ost-Dok. 2/37, S. 103-108, in: Ahrens, S. 74

Martyrium

Nie wurden Menschen nach dem Kriege, in unvorstellbar schlimmen Jahren, so oft gepeinigt und mißhandelt, weil sie besiegte Deutsche waren, wie Frau’n und Mädchen, deutsch geboren; sie waren vogelfrei, verloren: Entehrt, geschunden und geschoren.

Nie wurden Mütter eines Volkes bei Tag und Nacht so oft geschlagen, gequält, gezüchtigt und geschändet, erniedrigt in den Nachkriegstagen, als in der Zeit, als Sieger “wachten”, die deutsche Frau’n zur Ware machten und ihnen Tod und Seuchen brachten.

Maerchenstunde

Mit bloßen Füßen über Glasscherben

“Am 8. Mai 1945 entgingen wir, meine Frau und ich, nur durch einen Zufall dem Tod. Wir hielten uns mit den anderen deutschen Bewohnern des Hauses im Luftschutzkeller auf. Ich redete allen zu, daß wir uns in unsere Wohnungen begeben sollten. Ich hatte keinen Erfolg. Um mein lästiges Drängen loszuwerden, halfen uns schließlich die anderen, mit unserem Luftschutzgepäck unsere Wohnung zu erreichen. Eine Viertelstunde später drangen aus dem Nachbarkeller durch den Luftschutzdurchbruch Partisanen in unseren Luftschutzkeller ein und erschossen alle anwesenden Deutschen. Zwei Männer, vier Frauen und ein vierjähriges Kind. Sinnlos! Aus keinem anderen Grund als dem, weil damals Deutsche straflos getötet werden konnten.

Am nächsten Vormittag wurden wir von zwei Partisanen in unserer Wohnung abgeholt. Wir wurden aufgefordert, uns freiwillig zu Aufräumungsarbeiten in den Straßen … zu melden Niemand unter 60 Jahren durfte sich davon ausschließen. Die Zurückkehrenden befanden sich in einem Zustand höchster Erregung und Erschöpfung, mit Hakenkreuzen auf dem Rücken, die Frauen mit geschorenen Köpfen. Straßenvolk hatte sie zugerichtet. Sie erzählten, daß sie von den Zuschauern gezwungen worden seien, die Schuhe auszuziehen und die Arbeit mit bloßen Füßen zu verrichten, daß sie beschimpft und geprügelt worden seien, vereinzelt auch, daß sie, wo sich in den Trümmern Gelegenheit bot, mit bloßen Füßen hätten über Glasscherben gehen müssen.”

Maschinenschriftlicher Bericht des Dr. Korkisch, Dozent aus Prag, mit eigenhändiger Unterschrift, BArch, Ost-Dok. IV 127, in: Ahrens, S. 215f. 

Kanossagang

Der Sieger feiert Sieg um Sieg, das ist seit Welten Brauch, er feiert, wie es ihm gefällt; doch der Besiegte auch?

In Jahren nach dem achten Mai war’n Deutsche in Gefahr, man hat die deutschen Frau’n befreit von ihrem Hemd und Haar.

Auch Kinder blieben nicht verschont, man ließ sie ohne Brot; der Säugling wurde schnell befreit: Man trat ihn einfach tot.

Die Schwachen hat der Tod befreit, der an der Grube stand. Sie füllte sich, vier Meter tief, mit Toten bis zum Rand.

Die Hände auf dem Rücken gefesselt

“Ich sah, wie sieben Personen, drei Männer und vier Frauen, darunter ein mir persönlich bekanntes 17jähriges Mädchen, meine Dorfgenossin Anna Schreiner, die auf der Flucht ertappt wurden, im Lager mit einer Tafel auf der Brust herumgeführt wurden, auf der in serbisch zu lesen war: “So geht es jedem, der die Flucht wagt.”

Das Gesicht des Mädchens war blau und wund geschlagen. Blut und Speichel waren im Gesicht und auf den zerlumpten Kleidern verschmiert. Die Kleider hingen in Fetzen vom Leibe. Den Frauen waren die Röcke aufgeschlitzt und die Blusen zerrissen; ihre Hände waren auf dem Rücken gefesselt.

Es war Anfang Februar 1947, etwa 15 Uhr nachmittags, als ich sie durch die Straßen ziehen sah. Hinter ihnen ging der Trommler und fünf bis sechs Partisanen.

Alle Lagerinsassen wurden durch Trommelschlag aufgefordert, um 16 Uhr auf dem Antreteplatz auf einer Wiese zu sein. Die sieben Personen wurden weniger als 50 m vor uns aufgestellt. Der Kommandant … sagte, daß jeder, der zu fliehen versuche, genau wie diese sieben erschossen wird. Er gab kurz darauf den Feuerbefehl. Meine Landsmännin Anna Schreiner, das 17jährige Mädchen, wurde nur angeschossen. Sie lag auf dem Rücken und bewegte die Hände. Ich sah, wie ein Partisan von der Miliz auf sie stürzte und sie mit dem Seitengewehr aufschlitzte. Vom Totengräber Josef Greiser erfuhr ich nachher, daß dem Mädchen der ganze Brustkorb herausgehoben war.”

Maschinenschriftlicher Bericht des Hans Brandt aus Sonta, Kreis Sombor, 4 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/401, S. 156-159, in: Ähren S.316.

Hinrichtung

Die Frau, die nicht gefügig war, die wurde ungezügelt, schon beim geringsten Widerstand, im Lager durchgeprügelt.

Und wagte sie den Weg der Flucht, verzweifelt und entschlossen, dann hat man sie, wenn man sie fing, geknebelt und erschossen.

Die Deutschen mußten Zeugen sein, vom Greise bis zum Kinde, der Trommler schlug ein Totenlied, ein Sterbelied im Winde.

Und war ein Delinquent nicht tot, nachdem die Salve krachte, ein aufgepflanztes Bajonett die letzte Arbeit machte.

Kartoffelschaelerin

An den Beinen aufgehängt

“Meine Frau wurde von mir getrennt. Ich kam nach Königsberg in ein Internierungslager. Hier waren Tausende von Zivilinternierten untergebracht.

Bei meiner Verhaftung wurde ich mit 39 Zivilisten auf einen LKW verladen. Von diesen 39 Mann wurden nach zweistündiger Fahrt 28 Mann im Walde ohne Grund erschossen. Die restlichen elf Mann kamen dann nach Rauschen.

In Rauschen war ein großes Sammellager. Wir wurden in einen Kellerraum von 6×4 Meter eingesperrt, der ohne jegliche Fenster versehen war. Es herrschte daher völlige Dunkelhei. In diesem Kellerraum befanden sich 70 Mann.

Vor dem Verhör durch russische Kommissare wurden wir in einen anderen Kellerraum gebracht, der mit Wasser bis zu einem Meter Höhe gefüllt war. Hierzu mußten wir uns vollkommen ausziehen und 48 Stunden darin aushalten.

Frauen im Alter von 60 bis 65 Jahren und Kinder von 12 Jahren wurden von den Russen vergewaltigt. Ein Mädchen von 14 Jahren wurde gleich von 15 Russen vergewaltigt. Bei Frauen die sich entsprechend zur Wehr setzten, wurde Gewalt angewendet. Sie wurden von zwei Russen festgehalten, während der dritte die Vergewaltigung vollzog.

Mädchen, die sich auch in diesem Falle nicht hingaben, wurden rücksichtslos erschossen oder an den Beinen aufgehängt, so daß der Kopf nach unten hing, bis sie elend zugrunde gingen. In den Fällen, bei denen die Einführung des männlichen Geschlechtsteils nicht möglich war, wurde das weibliche Geschlechtsteil aufgeschnitten …”

Bericht des Adolf Ogait aus Akmenischken, Kreis Elchniederung, 3 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/7, S. 107-109, in: Ahrens, S. 79f

Genozid

Unschuldsopfer gab’s genug, als man Frau’n und Kinder schlug, manche Frau und manches Kind grauenhaft gestorben sind.

Groß und klein und jung und alt starben schrecklich durch Gewalt: Frauen, Mädchen, Kind und Greis zahlten einen hohen Preis.

Völker, die einst Korn gesät, Menschen, die es abgemäht, jagte man vom Acker fort: Es war blanker Völkermord.

Was die Sonn’ am Himmelszelt sah auf dieser Erdenwelt, und was Mond und Sterne sah’n war der reinste Menschenwahn.

Die Todesrate in Breslau

“Den Deutschen wird befohlen, ihre Heimstätten zu verlassen und ‘Neu-Polen’ zu räumen.

Viele, die nicht in der Lage sind, der Ausweisung Folge zu leisten, werden bei geringer Verpflegung und dürftiger Sanitär-Betreuung in Lagern festgehalten. Die Krankheits- und Todesraten sind in den Lagern äußerst hoch. Deutsche, die versuchen, ihre Heimstatt und ihre Ländereien zu behalten, werden dermaßen terrorisiert, daß sie schließlich ‘freiwillig’ ihre Höfe räumen …

Infolge der Massenabwanderung nach Brandenburg und Sachsen sind die Lebensbedingungen in diesen Gebieten tragisch schlecht. Es herrscht dort beispielloser Nahrungsmangel, Mangel an ärztlicher Hilfe und Mangel an Ärzten selber. Demzufolge läßt sich vorausschätzen, daß im nächsten Frühjahr etwa zweieinhalb bis drei Millionen Opfer an Unterernährung oder durch Krankheit zu erwarten sind. Die Todesrate in Breslau ist auf das Zehnfache angestiegen. Typhus, Diphterie und ähnliche Krankheiten breiten sich bedrohlich aus …”

Verschlußmeldung der US-Army aus dem Hauptquartier General Eisenhowers nach Washington vom 18 Oktober 1945.  [*germanvictims: That was murder by Eisenhower – food was available but was not allowed to be brought by the Red Cross. He murdered nearly 6 Million Germans by starving them!]

Heimatverlust

Das Land der Liebe zu verlieren, ist für die Seele ein Verlust: Die Heimat kann man nicht vergessen, man bleibt sich ihrer stets bewußt.

Kein Mensch will heut’ gen Osten reiten, wie man’s Vertrieb’nen unterstellt; doch bleibt die teure Heimaterde für sie der schönste Ort der Welt.

Sie tragen tief in ihrem Geiste das Bild der Heimat vor sich her, obwohl sie wissen, so wie damals, so wird es nie und nimmermehr.

Was Heimatland für sie bedeutet, der Wald, die Flur, das Dorf, die Stadt, das weiß nur jener, der im Leben das Heimatland verloren hat.

Eine große schwarze Rauchwolke stieg zum Himmel

“Die Mütter mußten ihre Kinder in Teer eintauchen; wenn sie sich weigerten, mußten andere dies tun. Hierauf mußten diese Menschen sich dann gegenseitig in Teer eintauchen und sich beschmieren. Die Männer, die mit mir aus dem Schulgebäude kamen, mußten diese Menschen fesseln und die Gefesselten dann in eine Gruppe zusammenbinden. Ich selbst ging etwas abseits, um den mir bekannten Wagnermeister Ernö Kis, der sich aus Verzweiflung erhängt hatte, abzuschneiden.

Als ich zurückblickte, merkte ich, daß der in Teer getauchte und zusammengebundene Menschenknäuel in Brand gesteckt worden war. Eine große schwarze Rauchwolke stieg zum Himmel hinauf, und als ich zurückkam, waren die verkohlten Leichen schon in sich zusammengesunken. Die elf Kameraden traten zur Seite, sie mußten das Verbrennen dieser Menschen mit ansehen.

Solche Verbrennungen lebender Menschen kamen öfter vor. Man brachte gefesselte, in Teer getauchte Menschen in Kähne zündete sie an und stieß dann die Kähne in die Donau, wo sie dann als brennende Fackeln weiterschwammen. Die verkohlten Überreste der verbrannten Leichen mußten wir auf einen Wagen laden, und bei Brza Vrba im Flugsand eingraben. In dem Flugsand von Brza sind viele Tausende deutsche Menschen begraben.”

Maschinenschriftlicher Bericht des Bäckers Johann Fischer aus Kubin (Kovin, Banat, Jugoslawien) vom 19. Juli 1947 (mit eigenhändiger Unterschrift), 8,25 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/392, S. 5-13, in Vertreibung, S. 303. 

Holocaust

Frauen mußten gegenseitig sich beschmier’n mit schwarzem Teer, ihre Kinder einzuteeren, fiel den Frau’n besonders schwer.

Männer banden Frau’n und Kinder eng zusammen, dicht bei dicht: Was sich die Verbrecher dachten, was die Opfer, weiß man nicht.

Viehisch zerrte man Geteerte in die Kähne, Frau und Kind, legte Feuer an die Körper, alles and’re tat der Wind.

Auf den Kähnen, auf den Booten wurde schnell die Hölle frei; Menschen brannten wie die Fackeln, schrill verhallte Schrei auf Schrei.

Die Pistole auf die Brust gesetzt

“Gegen neun Uhr kam ein russischer Offizier mit einigen Soldaten. Der Offizier sprach in gutem Deutsch: ‘Oh, so viele Kinder, ein richtiger Kindergarten … Nun benötige ich eine Frau zum Waschen’, wandte er sich an mich. Da ich ein Kind der Familie auf dem Arm hatte, nahm er schließlich ein 18jähriges Mädchen mit, das nach einer halben Stunde verweint zurückkam. Man hatte ihr die Pistole auf die Brust gesetzt.

Bald nach ihrer Rückkehr erschienen etwa 20 reichlich verschmutzt aussehende russische Soldaten mit Barten und in Pelzen. Obwohl der russische Offizier dem Mädchen versprochen hatte, sie zu schützen, wenn sie ihm zur Verfügung stehen würde, mußte sie mit diesen Russen mitkommen …

Laufend kamen Russen zu uns herein. Wir lebten in einer dauernden Angst, was weiter mit uns geschehen würde. Eine Mutter ging freiwillig mit den Russen, damit ihre Tochter verbleiben konnte … Gegen Abend schafften die Russen Stroh in den Keller, brachten Schnaps mit und holten sich Frauen und Mädchen aus unserer Mitte … Wie ein Schreck fiel es uns auf, als laut in der Nacht ein Vater rief, dem man die Tochter wegholte: ‘Herr erlöse uns, selbst durch eine Granate!’ Die Tochter beruhigte ihren Vater. Sie wollte sich opfern, wenn nur ihre Familie in Ruhe gelassen würde. Sie war erst 16 Jahre alt …

Eine Mutter mußte mit einer Kerze leuchten und zusehen, wie man sich an ihrer zwölfjährigen Tochter verging …

Keine Frau war mehr sicher vor ihnen. Man riß ihr einfach die Kleider herunter …”

Maschinenschriftlicher Bericht der Frau G. K., die um Verschweigen ihres Namens bittet, aus Königsberg-Charlottenburg vom August 1951 (mit eigenhändiger Unterschrift), 31,5 Seiten, BArch, Ost-Dok 1 2/20, S. 364-395, in: Vertreibung, S. 165ff.

Debakel

Kinder wurden in Flüssen ertränkt, Greise hat man in Gruben versenkt, Mädchen wurden an Panzer gebunden, Frauen teuflisch zu Tode geschunden:

Fesseln und Foltern und Biegen und Brechen, Hauen und Höhnen und Stoßen und Stechen sind heut’ in Mode und mehr als ein Makel: Sie sind der Menschheit Debakel.

Mädchen starben durch Männergewalt, Kinder wurden im Leben nicht alt, Greise sind unter Prügeln geendet, Frauen hat man als Leichen geschändet:

Schneiden und Scheren und Brennen und Binden, Martern und Morden und Schlagen und Schinden sind heut’ in Mode und mehr als ein Makel:

Sie sind der Menschheit Debakel.

Das Genick zerschlagen

“Gemordet haben sie unzählige Menschen, den zweiten Tag gleich unseren Erzpriester Dr. Ad. Moepert in der Pfarrwohnung, weil er die Ordensschwestern, sieben ältere Graue Schwestern, vor dem Vergewaltigen schützen wollte. Mit den Maschinenpistolen haben sie ihm das Genick zerschlagen. Frauen, die zu den Fenstern hinaussprangen, um sich vor den Bestien zu schützen, haben sie nachgeschossen (viele waren verwundet) …

Wir Frauen mußten früh um sechs Uhr zur Arbeit antreten, dann ging es los an die Arbeit, meist Mißhandlungen, oft wurden wir jüngeren, ich war seinerzeit 40 Jahre, weggeholt für die Offiziere und auch andere Bestien zum Vergewaltigen, aber wie, gleich immer fünf bis sechs Kerle; dann in der Nacht schliefen wir nie, da ständig Russen durch Kanth kamen … Eine Nacht, es war, glaube ich, Ende Februar, wurden drei Frauen, darunter ich, in ein Lazarett von zwei Russen geholt, dort lagen in etwa 15 Betten leicht Verwundete, dort wurden ich und eine Frau K. und eine Frau S. von einem Bett zum anderen geworfen vor die Bestien, dort haben sie uns von einem Banditen zum anderen vergewaltigt, bis wir nichts mehr wußten, uns schwer angebrüllt und dann die Treppe heruntergestoßen, daß ich völlig erledigt war, nicht mehr sprechen und denken konnte. In der Nacht habe ich mich mit Quadronax vergiftet (ca. zehn Pillen), bin nach drei Tagen leider wieder zur Besinnung gekommen.”

Bericht der Frau G. F. aus Kanth, Kreis Breslau. Verfasserin bat um Verschweigen ihres Namens, BArch, Ost-Dok. V/122, in: Ahrens, S. 184.

Diskriminierung

Eine Frau, die vergewaltigt wurde, die man oft und unerbittlich nahm, kann den Schmerz und Kummer nicht vergessen, als sie fast verging vor Schmach und Scham.

Ausgeliefert dem Gelüst von Siegern, war sie wehrlos, hilflos, vogelfrei, fremde Männer standen plötzlich Schlange und ergötzten sich an ihrem Schrei.

Viele Frauen, bis aufs Blut gepeinigt, brachte die brutale Schändung um; wer sie ohne Krankheit überlebte, blieb nach der Vertreibung still und stumm.

So entstand die große Dunkelziffer, sie wird niemals zu erhellen sein, wieviel Frauen nach der Schändung starben, weiß man nicht, das weiß nur Gott allein.

Young Woman

Abhacken der Finger

“Auf Befehl des Dorfschulzen mußte ich mit allen übrigen weiblichen Personen ab 1. Februar 1945 sämtliche herumliegenden Toten sammeln. Dann mußten wir Massengräber ausschaufeln … Noch vorhandene Uhren und Eheringe wurden von den Russen den Toten abgenommen. Dies geschah kurzerhand durch Abhacken der Finger.

Mehrere Tage mußten wir Schützengräben zuschütten. In dieser Zeit holten uns die Russen sämtliche Möbelstücke aus dem Haus.

Am 13. Februar wurde meine Mutter in Gegenwart meiner damals zwölfjährigen Schwester vergewaltigt. Meine Schwester und ich sprangen aus dem Fenster und flüchteten durch den Garten über die Felder in den 300 m entfernt gelegenen Wald. Die Russen schossen hinter uns her, trafen uns aber glücklicherweise nicht.

In Annafeld wurden die meisten Frauen vergewaltigt. Viele brachten Tage und Nächte auf dem Friedhof zu. Niemand getraute sich mehr nach Hause, da bekannt war, daß die Russen viel[en] von Deutschen zurückgelassenen Schnaps gefunden hatten und sinnlos betrunken umherschweiften.”

Maschinenschriftlicher Bericht der Frau Ella Schröter aus Zdunska Wola, Wartheland (mit eigenhändiger Unterschrift) vom 26. Sep- tember 1952, 3,25 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/108, S. 34 – 37, in: Vertreibung, S. 225f.

Terror

Die Tage der “Befreiung” war’n eine böse Zeit, es herrschten Tod und Trauer durch nackte Grausamkeit.

Es wurde vergewaltigt, geschändet im Akkord, geschunden und geschlagen, gemartert bis zum Mord.

Wer Blut vergießt im Rausche, ist schlimmer als ein Tier, er trinkt den Schnaps aus Flaschen als Blutrausch-Elixier.

Man hat auch Wickelkinder “befreit” am 8. Mai: Kein Mensch kennt ihre Gräber, verhallt ist jeder Schrei.

Grausame Bilder 

“Als wir in die Stadt Rhein kamen, wurden die Trecks angehalten. Dann kamen auf unsere Wagen ein paar Russen, die zogen Schuhe, Uhren sowie Ringe aus und durchsuchten unsere Koffer, die sie einfach zerschnitten. Vielen Familien wurden die Pferde abgenommen, so daß sie die Wagen stehenlassen mußten und gezwungen waren, zu Fuß zu gehen. Unterwegs begegneten uns grausame Bilder. Ausgezogene und vergewaltigte Frauen und Mädchen lagen im Straßengraben. Jedes Stückchen wurden wir kontrolliert und ausgeplündert.

Als wir nach Nikolaiken kamen, bot sich uns dort ein furchtbares Bild. Kilometerweise lagen die Trecks dort mit Frauen und Kindern sowie alten Leuten ermordet in den Straßengräben. Es war furchtbar. In den Dörfern, wo wir vorbeikamen, war alles still und ausgestorben …

In Allenstein hielt der Transport, dann hieß es: “Deutsche Schweine raus!” Als man fragte, wo sie uns hinbringen, antwortete man: “Zum Roten Kreuz.”

Die Enttäuschung war groß. Wir wurden in eine Garage geführt, wo man die Türen verschloß. Dann kamen Russen und Polen und durchsuchten unser Gepäck und stahlen, was ihnen gefiel. Nahmen Frauen und Mädchen, es hieß: ‘Fünf Minuten arbeiten’. Die wurden dann vergewaltigt. Dann führten sie uns zum Transport. Dann hieß es: ‘Deutsche Schweine rein, sonst erschießen wir euch.’”

Maschinenschriftlicher Bericht mit eigenhändiger Unterschrift der Elfriede Pfoegel aus Valenzinnen, Kreis Johannisburg, 2 Seiten, BArch, Ost.-Dok. 2/19, S. 12-13, in: Ahrens, S. 66ff.

Woman Knitting

Diktatur

Der Krieg ist immer ein Verbrechen und zwingt die Völker in die Knie; doch wie sich Siegermächte rächen, das gab es auf der Welt noch nie.

Man läßt sogar die Unschuld leiden und jagt sie aus dem Land heraus, ob Frau, ob Kind, sie müssen scheiden von Grund und Boden, Hof und Haus.

Und klagten sie auch vorm Gerichte das Elend der Vertrieb’nen an, das größte in der Weltgeschichte, kein Richter ihnen helfen kann. [*germanvictims: Die Deutschen sind nicht erlaubt ein einziges Kriegsverbrechen der Alliierten bei Gericht anzuklagen!]

Besiegte darf der Haß vertreiben, geschlag’nen Völkern geht es schlecht, so ist es und so wird’s auch bleiben: Wer letztlich siegt, hat immer Recht.

Sie bekamen nichts mehr zu essen

“Wie üblich teilte ich zuerst die Marken aus für die Wassersuppe, dann wollte ich nach den alten, elenden Menschen schauen und zählen, wie viele Portionen dort hingebracht werden mußten. Ich fand die Tür weit offenstehen, und wie ich nun in den Raum hineinschaute, sah ich, daß er ganz leer war. Hin und wieder lagen ein paar Lumpen herum. Was ist hier geschehen? Wo sind die 40 Menschen geblieben? Mir schwanden für einen Augenblick die Sinne.

Ich ging zurück zur Küche, die Frauen standen am Kessel und wollten wissen, wieviel Essen sie rüberbringen sollten, aber als sie mich sahen, schauten sie mich ganz entsetzt an, ich soll kreidebleich gewesen sein. Da sagte das polnische Milizmädel: ‘Was ist geschehen, wie siehst du aus?’ Ich antwortete nichts, sondern brach in dem Moment am Tisch zusammen. Da kam sie noch zu mir und fragte, ob ich etwa in der Eckbaracke war: ‘Was ist denn nun dabei, wenn man diese alten stinkenden Deutschen verschwinden läßt. Es ist kein Platz da, nichts zum Essen, fort mit dem Zeug.’ …

60 Frauen wurden herausgebracht. Sie wurden alle in den kleinen Raum gesperrt, bekamen nichts mehr zu essen … Als wir am Morgen des zweiten Osterfeiertages durch das Lager marschierten, war mein erster Blick nach dem großen Balken. Er war fort! Die Tür weit offen, der Raum leer! 60 Menschen waren wieder über Nacht erschossen worden.”

Bericht der Ordensschwester Martha S. aus Bromberg, 2 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/51, S. 235-236, in: Ahrens, S. 139.

Die Eckbaracke

Wer mürb’ war, krank und kräftelos durch Strafen und Geplacke, den steckte man am gleichen Tag in eine Eckbaracke.

Wer in die Eckbaracke kam, der wurde schnell vergessen, er war schon tot vor seinem Tod: Es gab nichts mehr zu essen.

Ein Balken schloß die Bohlentür, und hinter ihr da lagen geschwächte Frauen, rettungslos, von Peitschen wund geschlagen.

Man holte sie des Nachts heraus, und Tränenströme flossen: Sie wurden nackt am Grabenrand von hinterrücks erschossen.

Die Kleider vom Leibe gerissen

“Uns in den Dünen [die Einwohner des Dorfes Groß Garde, Kreis Stolp in Pommern, waren in Fischerhütten an der Ostsee geflüchtet] überraschte am anderen Tage – sonntags – ein Reitertrupp. Mit vorgehaltenem Gewehr verlangten sie ‘Urre, Urre’ und andere Wertgegenstände. Und damit begann das Martyrium um uns deutsche Frauen.

Nachts saßen wir alle zusammengepfercht in einem kleinen Raum. Die Hütten mit unseren mitgebrachten Sachen (Betten, etwas Wäsche usw.) mußten wir den betrunkenen johlenden Russen überlassen. Niemand wagte, sein Gesicht zu zeigen, alle Augenblick erschien ein Russe und wollte junge Mädchen und Frauen herausschleppen … In einer Nachbarhütte wurden den Frauen und Mädchen die Kleider vom Leibe gerissen und sie vergewaltigt. Unsere Angst war unbeschreiblich. Am anderen Morgen mußten wir – ohne Gepäck – nach Hause gehen. Der Heimweg war fürchterlich. Alle Augenblick kam uns ein frischer Trupp Russen entgegen und befahl: ‘Halt!’ Alles, was wir noch besaßen wie Handtaschen, Handschuhe, Brieftaschen, Geld usw. wurde uns weggenommen. Wir mußten immer so lange stehen bleiben, bis sich die Russen Frauen und Mädchen aus unserer Kolonne herausgesucht und sie am Wegesrand vergewaltigt hatten. Mit Kolbenschlägen und Fußtritten wurden die Frauen dazu gezwungen … So mußte auch ich erleben, daß meine damals 14jährige Tochter von betrunkenen Offizieren vergewaltigt wurde. Alles Bitten und Flehen, alles Weinen nutzte nichts, mit Ohrfeigen und Würgen zwang man sie dazu. Es war herzzerreißend für mich.”

Handschriftlicher Bericht der Frau Sophie Charlotte Müller aus Groß Garde, Kreis Stolp in Pommern, undatiert, eigenhändige Unterschrift, 11,5 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/153, S. 682-693, in: Vertreibung, S. 235f.

Vae victis

Was weiß man schon von Deutschen, von Greis und Frau und Kind, die nach dem Krieg der Völker durch Haß gestorben sind?

Was weiß man schon von Deutschen, von Greis und Kind und Frau, die man zu Tode quälte in öffentlicher Schau?

Was weiß man schon von Deutschen, von Frau und Kind und Greis? Es ist doch viel bequemer, wenn man nichts davon weiß.

Was weiß man schon von Deutschen, die man ermordet hat? Es finden nie Prozesse für die Besiegten statt.

Mit dem Gummiknüppel geschlagen 

“Gleich am ersten Tage wurden wir von einem russischen Offizier mit dem Gummiknüppel geschlagen. Meine 80jährige Mutter bekam einen Schlag über das Gesicht und einen Schlag über die Hände … In Langhut verlebten wir, ca. 25 Frauen, eine furchtbare Nacht, denn die Vergewaltigungen nahmen kein Ende. Ein alter Mann wurde von den Russen abwechselnd die ganze Nacht geschlagen … Frau Sadowski, 81 Jahre alt, lag in ihrer Wohnung (Altersheim); scheinbar der Lage nach ist sie vergewaltigt worden, und dann wurde ihr ein Eisenstab in die Scheide eingeführt … Erschossen wurden Frau Kaminski, Gottlieb Schleiser, Herr Pajonk, Jendral und Sohn und Henni Jendral.

Vergewaltigungen waren monatelang am laufenden Band, da könnte ich unzählige angeben. Meine Cousine, Frau Ida Stach geb. Skischally, wurde zum Vergewaltigen geholt. Ihre drei Kinder klammerten sich an die Mutter, da wurden sie von ihr losgerissen und auf das Straßenpflaster geworfen. Ein zehnjähriges Mädchen aus Schuttchen wurde vergewaltigt. Eine Frau erzählte mir, sie wurde vergewaltigt, elf Russen standen Schlange, beim siebenten verlor sie die Besinnung.”

Erklärung der Frau Maria Loch aus Gedwangen, Kreis Neidenburg, vom 10. Juni 1951 (mit Beglaubigungsvermerk), 0,5 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/28, S. 38, in: Vertreibung, S. 222f.

Liquidation

Es ist ein Los des Leidens, es ist ein bitt’rer Schluß, wenn man, durch Krieg entrechtet, sein Land verlassen muß.

Es mußten alle gehen, ob Frau, ob Kind, ob Greis: Sie wurden ausgestoßen aus ihrem Heimatkreis.

Das Trauma der Vertreibung drückt Geist und Seele schwer, so, wie es war zu Hause, so wird es nimmermehr.

Der Osten wurde Fremde und fremd das Elternhaus, es sterben deutsche Völker im Deutschen Osten aus.

Geprügelt und in den Arrest geworfen 

“In der zweiten Dezemberhälfte brachen im Lager Krankheiten aus, Ruhr und Flecktyphus. Täglich starben 120, 180 und 200 Personen. Die armen, matten und kranken Menschen wurden abgesondert in eine Baracke gebracht, wo sie gewöhnlich nach ein bis zwei Tagen starben. Die Leichen wurden auf die Straße gebracht. Dort wurden sie auf einen Wagen geworfen, und wenn der Wagen voll war, wurden sie von Frauen weggeführt.

Wenn sich jemand krank meldete oder vor Entkräftung nicht mehr arbeiten konnte, wurde derjenige geprügelt und in den Arrest geworfen. Der Kommandant Bulatovic erklärte, sie mögen krepieren, da es nur faschistische Simulanten seien. Der Zimmerälteste mußte dem Kommandanten auch täglich die Todesfälle melden. Der Kommandant Bulatovic pflegte auf diese Meldung hin zu sagen: ‘Was, nur die paar 100 sind krepiert, ich wollte, daß du schon der Letzte wärest!’ Alle Lagerhäftlinge, die einst Beamte und Beamtinnen waren, mußten mit den Händen die Klosetts der Partisanen reinigen und den Kot mit den Händen ungefähr 50 Meter weit zum Düngerhaufen tragen. Mit den kotigen Händen mußten sich diese auch gegenseitig frisieren, wobei sie von den Partisanen verhöhnt wurden. Hätten sie sich geweigert, so wären sie erschossen worden.”

Maschinenschriftlicher Bericht des Bäckers Johann Fischer aus Kubin (Kovin, Banat, Jugoslawien) vom 19. Juli 1947, 8,25 Seiten, eigenhändige Unterschrift, BArch, Ost-Dok. 2/392, S. 5-13, in: Ver- treibung, S. 304.

Junge FrauPogrome

Was hat man mit Frauen und Mädchen gemacht, zur Zeit der “Befreiung”, am Tag und bei Nacht?

Sie wurden geschändet, sie wurden verprügelt, sie wurden ertränkt, man hat sie geschlagen, man hat sie erstochen, man hat sie gehenkt.

Was hat man mit Knaben und Greisen gemacht, zur Zeit der “Befreiung”, am Tag und bei Nacht?

Sie wurden gemartert, sie wurden verstümmelt, sie wurden entmannt, man hat sie erschossen, man hat sie zertrampelt, man hat sie verbrannt.

Völkerrechtswidrige Gewalttaten

“Es handelt sich bei den Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen durch sowjetische Soldaten und Offiziere nicht etwa um Einzelfälle, sondern um ein Massenvergehen. Sie sind als eine der grauenhaftesten völkerrechtswidrigen Gewalttaten zu verzeichnen. Sie haben in massenhaftem Ausmaß bei und nach der Besetzung der östlichen Reichsgebiete stattgefunden, auch in den Kreisen, die erst nach der Kapitulation der Wehrmacht besetzt wurden.

Fast allerorts sind sie durch Soldaten und Offiziere der sowjetischen Nachschubformationen verübt worden, vielfach bereits bei deren Begegnung mit Trecks auf den Landstraßen. Sie vollzogen sich oft in brutalster und schamlosester Weise, insbesondere wenn die Täter unter Alkoholeinfluß standen. Nicht verschont blieben Schwangere, Minderjährige, Insassen von Altersheimen, Schwestern von Krankenhäusern und in Klöstern.

Viele Frauen mußten in vielfacher Folge nacheinander Vergewaltigungen erdulden, selbst bis zur Todesfolge. Auch wurden Frauen nach den Vergewaltigungen getötet und ihre Leichen in sadistischer Weise geschändet.”

Forschungsergebnisse namhafter Historiker, in: Vertreibung, S. 32f.

Dekadenz

Die Deutschen feiern den 8. Mai; doch viele Mütter sind nicht dabei: Sie wurden von ihren Eltern befreit, die Eltern waren alt, sie wurden von ihrer Würde befreit, man nahm sie mit Gewalt,

sie wurden von ihren Kindern befreit, man schlug sie einfach tot, sie wurden von ihrer Heimat befreit, vom letzten Stückchen Brot.

Die Deutschen feiern den 8. Mai; doch viele Frauen sind nicht dabei: Sie wurden von ihrer Ehre befreit, man nahm sie ihnen weg, sie wurden von ihrer Habe befreit, man warf sie in den Dreck, sie wurden von ihrem Blute befreit, geschlachtet wie das Vieh,

sie wurden von dieser Erde befreit: Ermordet hat man sie!

Es wurde alles zerschlagen

“Schon 300 Jahre vor der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahre 1143 … wurde das wüste Land durch Entwässern der Sümpfe urbar gemacht und in Ackerboden verwandelt. Welche Gefühle uns bewegten, als wir unsere angestammte Heimat verlassen mußten, kann nur derjenige ermessen, der dasselbe erlebt hat! …

Das Vorwärtskommen war sehr schwer und der Treck grauenhaft, weil alle Wege durch steckengebliebene Fuhrwerke und Schneeverwehungen unpassierbar geworden waren. Dazu zeigte das Thermometer 20 Grad Celsius unter Null … Gegen elf Uhr abends hörten wir ganz dicht hinter uns die ersten Panzerschüsse der Russen. Es waren etwa 25 Panzer auf den Gutshof gefahren, die wahllos in die Wagen hineinschossen. Es entstand eine grauenhafte Panik. Die wenigen Männer wurden erschossen, die Frauen vergewaltigt, Kinder geschlagen und von den Müttern getrennt. Aus dem Gutshof hörten wir das nicht mehr menschliche Schreien der Frauen. Es wurde alles zerschlagen, Spiegel, Lampen, Geschirr usw. Als die Schießerei etwas nachgelassen hatte, fing das Plündern an. Auf diesen ersten russischen Panzern befanden sich auch viele russische Frauen. Diese stahlen alles von unseren Wagen und zogen uns deutschen Frauen die Kleider aus – bei 20 Grad Kälte! Als es etwas ruhiger geworden war, fand ich meinen Sohn, meine Schwiegertochter und meine beiden Enkelkinder im Alter von neun und elf Jahren erschossen im Schnee liegend.”

Maschinenschriftlicher Bericht der Frau Eva Jahntz, Gut Palczyn, Kreis Hohensalza/Wartheland, (mit eigenhändiger Unterschrift) vom 25. Mai 1950, 3 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/13, S. 9-10, in: Vertreibung, S. 227f. 

Phänomen

Befreit von der Erde, von Kirche und Haus jagte man Menschen ins Nichts hinaus.  Befreit von der Heimat, vom Kind bis zum Greis, darbten die Menschen in Schnee und Eis.

Befreit von der Würde, gequält und bedroht, litten die Frauen in Todesnot.  Befreit von den Städten, zerbombt, Schlag auf Schlag, feiern Besiegte: “Befreiungstag”.

Planmäßig ermordet

“Als im Oktober 1944 russische Verbände in der Gegend Gr. Waltersdorf (südostwärts Gumbinnen) die deutsche Front durchbrachen und vorübergehend bis Nemmersdorf vorstießen, wurde in einer größeren Anzahl von Ortschaften südlich Gumbinnen die Zivilbevölkerung – z. T. unter Martern wie Annageln an Scheunentore – durch russische Soldaten erschossen. Eine große Anzahl von Frauen wurde vorher vergewaltigt. Dabei sind auch etwa 50 französische Kriegsgefangene durch russische Soldaten erschossen worden. Die betreffenden Ortschaften waren 48 Stunden später wieder in deutscher Hand. Die Vernehmung lebengebliebener Augenzeugen, ärztliche Berichte über die Obduktion der Leichen und Fotografien der Leichen haben mir wenige Tage später vorgelegen.”1

“Am Straßenrand und in den Höfen der Häuser lagen massenhaft Leichen von Zivilisten, die augenscheinlich nicht im Lauf der Kampfhandlungen durch verirrte Geschosse getötet, sondern planmäßig ermordet worden waren. Unter anderem sah ich zahlreiche Frauen, die man, nach der Lage der verschobenen und zerrissenen Kleidungsstücke zu urteilen, vergewaltigt und danach durch Genickschuß getötet hatte; z. T. lagen daneben die ebenfalls getöteten Kinder.”2

1 Bericht des ehemaligen Generalmajors Erich Dethleffsen, BArch, Ost-Dok. 2/13, S. 31-33, in: de Zayas, S. 80f;

2 Maschinen-schrifllicher Bericht mit eigenhändiger Unterschrift des Dr. phil. Heinrich Amberger, 2 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/13, S. 9-10, in: de Zayas, S. 81.

Befreiung

Von Haus und Hof und Heim befreit, zog Treck um Treck durchs Land, in steter Furcht bei Tag und Nacht vor Mord und Raub und Brand.

Es wurden viele deutsche Frau’n, als die Befreiung kam, von ihrem letzten Hemd befreit, wenn man sie schändlich nahm.  Die Kinder hat man nicht verschont, ihr Blut war kindlich rot, die meisten wurden schnell befreit: Man schlug sie einfach tot.

Die Toten hat man nicht gezählt, sie waren ja befreit von Schmerzen, Ängsten, Qual und Pein in der Befreiungszeit.

Im Grab erschossen

“So wurden mein Vater Edmund Bauer, 86 Jahre alt, Frau N. Fritz, 82 Jahre alt, N. Jacker, die Frau des Schornsteinfegers (sie hatte kranke Füße) auf dem Wege beim Ausgang der Ortschaft erschossen. Sie wurden am Schinterfriedhof (Schinter ist Wagenmeister-Abdeckerei) begraben. Frau N. Fritz war nicht gleich tot und wurde lebendig begraben … Die alte Frau hat die Partisanen gebeten, sie nicht wieder lebendig zu begraben, sondern vorher zu erschießen, was auch geschah … Außer den deutschen Männern und Frauen aus Alibunar wurden auch deutsche Frauen und Männer aus den nicht deutschen Ortschaften unseres Bezirkes erschossen, insgesamt 80 Personen. Sie wurden alle am sogenannten Schinterhof erschossen und begraben. Sie mußten sich selbst das Grab graben und wurden in Gruppen zu zehn Personen zusammengebunden, auf ein quer über das Grab gelegtes Brett gestellt und erschossen. Die ersten haben vielfach die letzten der Gruppe mit sich hinuntergerissen, die dann im Grab erschossen wurden. Es mußten sich alle Frauen und Männer ganz entkleiden und wurden so erschossen. Da sich die Frauen weigerten, sich auszuziehen, wurden sie mit Benzin begossen und in den an ihrem Leib brennenden Kleidern erschossen.”

Maschinenschriftlicher Bericht der Frau Klara Knoll aus Alibunar in Jugoslawien mit eigenhändiger Unterschrift, 4 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/386, S. 1-4, in: Ahrens, S. 303f.

Exekution

Man kann ihn nicht beschreiben, den Hang zur Grausamkeit: Millionen Zivilisten hat man zum Tod befreit.

Sie konnten sich nicht wehren und starben, Schlag auf Schlag, im Sommer und im Winter, auch am “Befreiungstag”.

Es wurde vergewaltigt, erdrosselt und gehenkt, erschlagen und gekreuzigt, erstochen und ertränkt.  Man hat Millionen Frauen befreit am 8. Mai:

Kein Mensch kennt ihre Gräber, verhallt ist jeder Schrei.

Aeltere Frau

Die 30jährige Frau sah wie eine 60jährige aus

“Auf unserem Grundstück angelangt, stellten wir unsere Räder ans Haus und begaben uns in die Küche. Beim Anblick der Küche und Stube, wir sind nur eine halbe Minute im Haus gewesen, packte uns das Grauen, denn es war alles Geschirr in kleinste Stücke zerschlagen. Auch im Hof lagen die gefüllten Weckgläser zerschlagen am Boden …

Im Pfarrhaus erfuhren wir, was in den zwei Tagen, am 13. und 14. Februar, an unseren Landsleuten im Mitteldorf begangen worden ist. Sämtliche Frauen und Mädchen, bis auf meine Tochter Ella und die 15jährige Inge Groß, sind vergewaltigt worden.

Das schaurigste Verbrechen ist wohl an der Lehrerin Kalame und deren 85jähriger Mutter begangen worden. Die Lehrerin wurde in ihrer Wohnung (bei Hoffmann am Teich) von den Russen erschlagen, die alte Mutter aus dem Bett geholt, auf einen Stuhl gesetzt, ringsherum Stroh getan und ihr zu Füßen die erschlagene Tochter gelegt.

In diesem Zustand fanden deutsche Sanitäter am Freitag, dem 16. Februar, die halberstarrte Mutter. Dieselbe hatte drei Tage und drei Nächte ohne Nahrung in der kalten Stube zugebracht. Dieselbe wurde dann von der Frieda Denzer und mehreren Soldaten nach dem Pfarrhaus und zu Bett gebracht. Das Haus des Hoffmann wurde zusammengeschossen, die Lehrerin Kalame, welche in den Balken hing, im Juni erst heruntergeholt. Gleichfalls ein schwerer Fall, begangen an der Ehefrau des Färbers Bruno Apel: Die Russen der abgeschossenen Panzer müssen in das Haus des Apel eingedrungen sein und haben Frau Apel viehisch vergewaltigt. Am Freitag nachmittag brachten zwei Frauen dieselbe nach dem Pfarrhaus. Die 30jährige Frau sah wie eine 60jährige aus.

Beglaubigte Abschrift eines Berichts des Robert Langner aus Benau, Kreis Sorau in Brandenburg, vom 31. August 1952, 6,25 Seiten, BArch, Ost-Dok. 2/167, S. 6-12, in: Vertreibung, S. 250f.

Moral

Die Ost-, Sudeten-, Balkandeutschen, die mußten ihn ertragen, den 8. Mai des Untergangs in bösen Schicksalstagen.

Sie wurden alle vogelfrei, die Mädchen, Mütter, Frauen, der schlimmsten Willkür ausgesetzt, erlebten sie das Grauen.

Die Kollektivschuld wurde Maß, das Leben Pein und Bürde, man nahm den Frauen, jung und alt, den Schutz der Menschenwürde.

Man schlug sogar den Säugling tot, verschweigt die Tatberichte, vertuscht millionenfachen Mord: Der Sieger schreibt Geschichte.

Es gibt für uns nichts Lustigeres als deutsche Leichen

“Wir wissen alles. Wir erinnern uns an alles. Wir haben begriffen: Die Deutschen sind keine Menschen. Von nun an ist das Wort “Deutscher” für uns der allerschrecklichste Fluch. Von nun an entladet das Wort “Deutscher” das Gewehr. Wir werden nicht reden. Wir werden uns nicht empören. Wir werden töten. Wenn du im Laufe des Tages einen Deutschen nicht getötet hast, ist dein Tag verloren. Wenn du denkst, daß dein Nachbar für dich einen Deutschen tötet, dann hast du die Bedrohung nicht erkannt. Wenn du den Deutschen nicht tötest, wird der Deutsche dich töten. Er holt deine Nächsten und wird sie in seinem verfluchten Deutschland quälen. Wenn du den Deutschen nicht mit der Kugel töten kannst, töte den Deutschen mit dem Seitengewehr. Wenn es auf deinem Frontabschnitt ruhig ist, wenn du auf den Kampf wartest, töte den Deutschen vor dem Kampf. Wenn du den Deutschen leben läßt, wird der Deutsche einen russischen Menschen erhängen und eine russische Frau schänden. Wenn du einen Deutschen getötet hast, töte noch einen – es gibt für uns nichts Lustigeres als deutsche Leichen.

Zähle nicht die Tage! Zähle nicht die Wersten! Zähle nur eins: die von dir getöteten Deutschen. Töte den Deutschen! – das bittet die alte Mutter. Töte den Deutschen! – das fleht das Kind. Töte den Deutschen! – das ruft die Heimaterde. Verfehle nicht das Ziel. Laß ihn nicht entgehen. Töte!”

Abschnitt aus dem 1. Teil des Buches von Ilja Ehrenburg [*gv: JUDE]  “Vojna” (Der Krieg). April 1942 bis März 1943, Moskau 1943, zit. nach: de Zayas, S. 80 gegenüber (russischer Text), S. 84 (deutsche Übersetzung).

Requiem

Frauen waren Opfer, keine Täter, ob im Krieg, im Frieden, früh und später: Schlagen, Würgen, Schänden, Angst und Not brachten Frau’n und Mädchen schlimmen Tod.

Viele hat die Mordgier, haßgestaltigt, bis zum letzten Atem vergewaltigt, hat sie abgeschlachtet und gehenkt, ausgepeitscht, gekreuzigt und ertränkt.

An den Wegen steh’n die alten Linden, Massengräber wird man kaum noch finden, Wind und Wolken, ohne Rast und Ruh, deckten mit der Erde alles zu.

Jeder sollte an die Unschuld denken und den Opfern seine Achtung schenken, liegt ihr Grab auch noch so fern und weit: Gott ist Hoffnung, Gott ist Ewigkeit.

Junges Maedchen

Gewalttaten und Unmenschlichkeiten 

“Opfer der Gewalttaten und Unmenschlichkeiten wurden nicht etwa bestimmte Personengruppen, sondern Deutsche aller Bevölkerungskreise. Betroffen wurde die in ihrem Heimatgebiet verbliebene deutsche Bevölkerung in ihrer Gesamtheit …

Die vorliegende Dokumentation beschränkte sich auf Schätzungen der Zahl der Todesopfer von Vertreibungsverbrechen als Folge von Gewalttaten und Unmenschlichkeiten. Das Ergebnis darf jedoch nicht vergessen lassen, daß eine weitaus höhere Zahl von Deutschen Opfer von Gewalttaten – wie Vergewaltigungen und Mißhandlungen – geworden ist, die nicht unmittelbar zum Tode führten.”

Forschungsergebnisse namhafter Historiker, in: Vertreibung, S. 53f

Schwarzes Kapitel

Kein Sadist kann schlimmer handeln, nicht einmal Marquis de Sade, als der Sieger, rauschbesessen, es am End’ des Krieges tat.

Opfer wurden Frau’n und Mädchen, ob sie achtzig oder acht. Viele hat man nach der Schändung unbarmherzig umgebracht.

Überall auf deutschem Boden triumphierten Haß und Gier, Frauen wurden vergewaltigt, so als war’ der Mensch ein Tier.

Opfer möchten es verdrängen, auch die Sieger, unbeugsam, die Betroffnen möchten schweigen; denn zu groß ist ihre Scham.


Bibliographie

Die zitierten Augenzeugenberichte, Erinnerungen und Dokumente der Vertreibung der Deutschen aus Ostdeutschland, dem Sudetenland und Ost-Mitteleuropa entstammen zumeist einer umfangreichen Dokumentation, die das Bundesarchiv im Auftrag der Bundesregierung in den fünfziger Jahren erstellte und in einer mehrbändigen Dokumentation zwischen 1954 und 1961 veröffentlichte, die allerdings nur einen kleinen Ausschnitt der insgesamt 10.000 Erlebnisberichte, 18.000 Gemeindeschicksalsberichte und ca. 12.000 Einwohnerlisten beinhaltete.

1969 beauftragte die Regierung der Großen Koalition das Bundesarchiv erneut, einen zusammenfassenden Bericht der Vertreibung und Vertreibungsverbrechen zu erstellen, der allerdings 1974 unter der SPD/FDP-Koalition nicht mehr erscheinen konnte. Erst 1982 zur Publikation freigegeben, nahmen sich verschiedene Verleger und Herausgeber dieses Berichts, der lange vergriffenen (1984 als Taschenbuch wiederaufgelegten) Dokumentation und bislang unveröffentlichter Quellen an, um diese der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Der Autor zitiert aus folgenden Publikationen, die unter dem Autorennamen bzw. dem ersten Wort des Titels angemerkt sind:

Ahrens, Wilfried: Verbrechen an Deutschen. Dokumente der Vertreibung, Arget 1984

Chiodo, Marco Picone: Sterben und Vertreibung der Deutschen im Osten 1944-1949. Die Vorgänge aus der Sicht des Auslands, Frank- furt/M. -Berlin 1993 

Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mittel- europa. In Verbindung mit Adolf Diesterkamp, Rudolf Laun, Peter Rassow und Hans Rothfels bearbeitet von Theodor Schieder. Hrsg. vom Bundesministerium für Vertriebene, München, 1984

Kopelew, Lew: Aufbewahren für alle Zeit, (erste Auflage 1976) Göttingen 1996

Vertreibung und Vertreibungsverbrechen 1945-1948. Bericht des Bundesarchivs vom 28. Mai 1974. Archivalien und ausgewählte Erlebnisberichte. Hrsg. von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn 1989

Zayas, Alfred M. de: Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen. Vorgeschichte, Verlauf, Folgen, Frankfurt/M. – Berlin 1988

Die Gemäldewiedergaben stammen aus den Zeitschriften “Die Kunst”, “Kunst im Deutschen Reich”, “Kunst dem Volk” und aus dem Archiv des Verlages. Wir danken allen Rechteinhabern für die freundliche Erlaubnis zur Reproduktion. In den Fällen, in denen die Inhaber der Rechte trotz aller Bemühungen nicht festzustellen oder erreichbar waren, verpflichtet sich der Verlag, rechtmäßige An- sprüche im üblichen Rahmen abzugelten. 


Stimmen des Auslands

“Die Russen … jagten die einheimische Bevölkerung vom Erdboden in einer Art, die seit den Tagen der asiatischen Horden kein Beispiel hat.”

George F. Kennern, US-Diplomat

“Aus ihrem Verhalten merkte man sehr bald, daß die Russen, obschon gute Kämpfer, tatsächlich unzivilisierte Asiaten waren, die noch nie eine Kultur gekannt hatten, die der des übrigen Europa vergleichbar war. Ihre Einstellung war in jeder Hinsicht völlig verschieden von unserer, und ihr Benehmen, besonders gegenüber den Frauen, widerte uns an.”

Bernard L. Montgomery, britischer Feldmarschall

“Als die ersten russischen Truppen in Berlin einmarschierten, behandelten sie die Zivilbevölkerung mit tiefer Verachtung und setzten ihren Willen durch, um ihren Stolz und ihre Begierde mit rücksichtsloser Unbeherrschtheit zu befriedigen. In vielen Fällen war ihr hemmungsloses Treiben mit dem der barbarischen Horden des Dschingis-Khan zu vergleichen.”

Frank A. Klating, US-General

“Die Katastrophe, die über dies Gebiet mit dem Einzug der sowjetischen Truppen hereinbrach, hat in der modernen eu- ropäischen Geschichte keine Parallele.

Es gab weite Landstriche, in denen, wie aus den Unterlagen ersichtlich, nach dem ersten Durchzug der Sowjets von der heimischen Bevölkerung kaum noch ein Mensch – Mann, Frau oder Kind – am Leben war, und es ist einfach nicht glaubhaft, daß sie allesamt in den Westen entkommen wären.” 

George F. Kennan, US-Diplomat 

Das Schweizerische Rote Kreuz spricht von 18,1 Millionen Deutschen in den Gebieten, die durch die Vertreibung betroffen wurden. Diese Zahl schließt die Deutschen aus Ostpreußen, Danzig, Memel, Niederschlesien, Oberschlesien, Brandenburg, Pommern, Westpreußen, Posen, Warthegau, dem Sudetenland und die Deutschen aus Jugoslawien und Rumänien ein, nicht aber die Deutschen aus Rußland. Das sind über drei Millionen Menschen mehr als Dänemark, Schweden, Finnland und Luxemburg zusammen an Einwohnern haben.

Das Schweizerische Rote Kreuz im September 1949

“Sofern das Gewissen der Menschheit jemals wieder empfindlich werden sollte, werden diese Vertreibungen als die unsterbliche Schande aller derer im Gedächtnis bleiben, die sie veranlaßt oder sich damit abgefunden haben … Die Deutschen wurden vertrieben, aber nicht einfach mit einem Mangel an übertriebener Rücksichtnahme, sondern mit dem denkbar höchsten Maß an Brutalität.”

Victor Gollancz, englischer Verleger

“Das Prinzip der kollektiven Schuld, das einer der Gründe für die kollektive Vertreibung war, ist ein unmoralisches Prinzip … Viele haben sich vom Bazillus des Bösen anstecken lassen. Sie haben Menschen nicht aufgrund erwiesener Schuld vertrieben, sondern als Menschen eines bestimmten Volkes. Vielen unschuldigen Menschen, besonders Frauen und Kindern, ist dadurch unendliches Leid zugefügt worden.”

Vaclav Havel, Präsident der tschechischen Republik, Dramatiker

“Niemals in der Weltgeschichte, weder während der Antike, des Mittelalters, noch im Dreißigjährigen Krieg hat man eine solch barbarische Kriegführung erlebt, und niemals ist ein besiegter Feind mit größerer Grausamkeit behandelt worden.”

Sven Hedin, schwedischer Asienforscher

Nemmersdorf 1944

Von den Rotarmisten ermordete Frauen und Kinder 

“In den westlichen Ländern ist die Tragödie der Massenvertreibung kaum beachtet worden und doch handelt es sich hier um die härteste Bestrafung in verschiedenen Formen, vor allem um den Verlust der Heimat, aus der die Menschen vertrieben wurden.”

Robert Murphy, US-Botschafter

“Es haben zwischen neun und 13 Millionen Deutsche nach Einstellung der eigentlichen Kampfhandlungen ihr Leben verloren.

Da sind die 1,4 bzw. 1,7 Millionen “Kriegsgefangenen”, da sind die mindestens 2,1 Millionen nachgewiesenen Vertreibungsopfer und da sind die mindestens fünf Millionen Zivilisten, die außerhalb der Lager in allen vier Besatzungszonen ums Leben gekommen sind.”

James Bacque, kanadischer Historiker

“Durch die Potsdamer Vereinbarung wurde die Regierung der Vereinigten Staaten unbeabsichtigt zum Mitverantwortlichen für den massenhaften Hungertod, besonders in Deutschland – gegen das geltende humanitäre Prinzip des Völkerrechts, wonach immer dem Sieger die Verantwortung zufällt, nach besten Kräften die unschuldigen Opfer der Besiegten zu schützen.”

Charles W. Vursell, US-Abgeordneter

“Es ist gegen die Menschenrechte, Millionen Menschen aus ihren Heimstätten, Kirchen, Friedhöfen und von dem durch die Arbeit ihrer Vorfahren fruchtbar gemachten Boden zu vertreiben.”

Papst Pius XII.

“Die Welt weiß alles über das, was die Deutschen getan haben; sie weiß aber nichts über das, was den Deutschen angetan worden ist.”

James Bacque, kanadischer Historiker 

“In Osteuropa werden jetzt von unseren Verbündeten Massen- deportationen in einem unerhörten Ausmaß durchgeführt, und man hat ganz offensichtlich die Absicht, viele Millionen Deutsche auszulöschen, nicht durch Gas, sondern dadurch, daß man ihnen ihr Zuhause und ihre Nahrung nimmt und sie einem langen schmerzhaften Hungertod ausliefert.”

Bertrand Russell, britischer Nobelpreisträger

“In schlimmer Weise vergeht man sich gegen das Recht des ge- schichtlich Gegebenen und überhaupt gegen jedes menschliche Recht, wenn man Völkerschaften das Recht auf das Land, das sie bewohnen, in der Art nimmt, daß man sie zwingt, sich anderswo anzusiedeln.

Daß sich die Siegermächte am Ende des Zweiten Weltkrieges dazu entschlossen, vielen hunderttausend Menschen dieses Schicksal, und dazu noch in der härtesten Weise, aufzuerlegen, läßt ermessen, wie wenig sie sich der ihnen gestellten Aufgabe einer gedeihlichen und einigermaßen gerechten Neuordnung der Dinge bewußt waren.”

Albert Schweitzer, elsässischer Missionsarzt und Theologe


Nemmersdorf Vergewaltigt und Hingeschlachtet


(Quelle)

Advertisements

Schreiben Sie gerne einen Kommentar, welcher dieses Thema ergänzt

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: