Die Rheinwiesenlager – Augenzeugen berichten

Die Rheinwiesenlager – Der geplante Tod

https://i.ytimg.com/vi/Z3bmKhBKZO8/mqdefault.jpgNach Überquerung des Rheins im März 1945 beginnen die Amerikaner auf Weisung Eisenhowers, entlang des westlichen Rheinufers  für die deutschen Gefangenen Lager anzulegen. Weiträumige Flächen werden beschlagnahmt,  mit Stacheldraht umzäunt und die Gefangenen in täglich wachsender Zahl  hineingetrieben, darunter Verwundete und Amputierte. Frauen, Kinder und alte Leute.

Lager am Rhein entstehen bei:

Alzey, Andernach, Bad Kreuznach, Biebelsheim, Böhl, Bretzenheim, Büderich, Büdesheim, Dietersheim, Diez, Hechtsheim, Heidesheim, Ingelheim, Koblenz, Koblenz-Lützel, Ludwigshafen, Ludwigshafen-Rheingönheim, Mainz, Mainz-Kastel, Mainz-Zahlbach, Mannheim, Mannheim-Käfertal, Mannheim-Sandhofen, Mannheim-Schönau, Mannheim-Waldhof, Miesenheim, Plaidt, Remagen, Rheinberg, Rheinheim, Schwarzenborn, Siershan, Sinzig, Trier, Urmitz, Wickrathberg, Winzenheim

Nach Kriegsende am 8. Mai 1945 werden  auch auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen die sich ergebenden deutschen Soldaten  gefangen genommen. Täglich  treffen nun Landser  in verschlossenen Viehwaggons und auf Lastwagen zusammengepfercht ein, um  dann  wie Müll hinter die Stacheldrahtzäune  gekippt zu werden. Manche der Gefangenen  sind schon jetzt nicht mehr am Leben.

Dazu kommen alle die, welche vor den Russen in den Westen  fliehen, weil sie sich von den Westmächten eine menschlichere Behandlung erhoffen.

Zusätzlich wurden auch Zivilisten, die in der Partei, im Staat oder in der Wirtschaft führende Stellungen innehatten, unter ‚automatic arrest‘ gestellt und ohne Verfahren mit den Kriegsgefangenen in die Lager getrieben.

Mit weiterem Vordringen der Alliierten nach Osten legen die Amerikaner  noch zahlreiche weitere Gefangenenlager auf deutschem Boden an.

Lager entstehen bei:

Aalen, Baden-Württemberg, Adelsdorf, Bayern, Aigen, Böhmerwald, Alsdorf, Nordrhein-Westfalen, Altenstadt, Bayern, Amberg, Bayern, Ansbach, Bayern, Artern, Bezirk Halle, Aschaffenburg, Bayern, Asperg, Baden-Württemberg, Auerbach, Bayern, Augsburg-Oberhausen, Bayern, Babenhausen, Hessen, Bad Aibling, Bayern, Bad Hersfeld, Hessen, Bad Homburg, Hessen, Bad Mergentheim, Baden- Württemberg, Bad Nauheim, Hessen, Bad Reichenhall, Bayern, Bad Salzschlirf, Hessen, Bad Tölz, Bayern,  Bad Wildungen, Hessen, Bamberg, Bayern, Bebra, Hessen, Berchtesgaden, Bayern, Berlin-Lichterfelde, Berlin-Wannsee, Berlin-Zehlendorf, Bischofswiesen, Bayern, Brilon, Bobingen. Bayern, Bremerhaven-Weddewarten, Bruchsal, Baden-Württemberg, Bruck, Bayern, Burgau, Bayern, Burghausen, Bayern, Butzbach, Hessen, Coburg, Bayern, Dachau, Bayern, Darmstadt, Hessen, Ebensee, Oberösterreich, Elsenfeld, Bayern, Ens an der Ens, Österreich, Erding, Bayern, Erlangen, Bayern, Eschborn, Hessen, Eschwege, Hessen, Falkenstein, Hessen, Feucht, Hessen, Flossenbürg, Bayern, Frankenberg, Bezirk Chemnitz, Frankenberg, Hessen, Frankfurt, Main, Frankfurt-Niederrad, Frankfurt-Zeilsheim, Frauendorf, Bayern, Freising, Bayern, Friesdorf, Nordrhein-Westfalen, Fürstenfeldbruck, Bayern, Fürth, Bayern, Gabersee, Bayern, Garmisch-Partenkirchen, Bayern, Gars, Bayer, Gemünden, Bayern, Gießen-Wieseneck, Hessen, Glasenbach, Salzburg, Göggingen, Bayern, Göppingen, Baden-Württemberg, Golling, Salzburg, Gotha, Thüringen, Griesheim, Hessen, Großauheim, Hessen, Haar, München, Haid, Oberösterreich, Hallein, Salzburg, Hammelburg, Bayern, Happurg, Bayern, Hausham, Bayern, Heilbronn, Baden-Württemberg, Heimbach, Hessen, Herborn, Hessen, Herrsching, Bayern, Hersbruck, Bayern, Hessisch-Lichtenau, Hessen, Hintersee, Salzburg,  Hirschberg, Hessen, Hof, Bayern, Hof-Moschendorf, Bayern, Hohenbrunn, Bayern, Hundstadt, Hessen, Ingolstadt, Bayern, Ipsheim, Bayern, Kamp-Lintfort, Nordrhein-Westfalen, Kaprun, Salzburg, Karlsfeld, Bayern, Karlsruhe, Katzenfurt, Hessen, Kaufbeuren, Bayern, Kesterbach, Hessen, Kleinmünchen, Oberösterreich, Königstein, Hessen, Korbach, Hessen, Lambach, Oberösterreich, Landsberg, Bayern, Landshut, Bayern, Langenzenn, Bayern, Langlau, Bayern, Limburg, Hessen, Linz, Oberösterreich, Linz-Wegscheid, Lohr, Bayern, Ludwigsburg, Baden-Württemberg, Maisach, Bayern, Manching, Bayern, Marburg, Hessen, Markt Bibart, Bayern, Memmingen, Bayern, Mittenwald, Bayern, Mohlsdorf, Thüringen, Moosburg, Bayern, Münchberg, Bayern, München, München-Allach, München-Daglfing, München-Freimann, Münster, Natternberg, Bayern, Naumburg/Saale, Sachsen-Anhalt, Neumarkt, Bayern, Neustadt, Hessen, Neu-Ulm, Bayern, Nieserroden, Baden-Württemberg, Nürnberg, Nürnberg-Erlenstegenm Nürnberg-Langwasser, Oberdachstetten, Bayern, Oberursel, Hessen, Oberursel-Hohemark, Ochsenfurt, Bayern, Ochsenpferch, Baden-Württemberg, Peuerbach, Oberösterreich, Planegg, Bayern, Plankstetten, Bayern, Plattling, Bayern, Possenhofen, Bayern, Pupping, Oberösterreich, Recklinghausen, Nordrhein-Westfalen, Regensburg, Bayern, Reinhartshausen, Bayern, Rockenberg, Hessen, Rosenheim, Bayern, Roth, Bayern, Salzburg, Salzburg Gnigl, Sankt Gilgen, Salzburg, Schliersee, Bayern, Schnuttenbach, Bayern, Schwabach, Bayern, Schwabmünchen, Bayern, Schwäbisch-Hall, Baden-Württemberg, Schweiklberg, Bayern, Stadt Allendorf, Hessen, Stein, Bayern, Stephanskirchen, Bayern, Steyr, Oberösterreich, Straubing, Bayern, Stuttgart-Zuffenhausen, Sulzbach-Rosenberg, Bayern, Tann, Bayern, Teugn, Bayern, Trostberg, Bayern, Tutzing, Bayern, Ulm, Vilshofen, Bayern, Weiden, Bayern, Wels, Oberösterreich, Wendelhöfen, Bayern, Werneck, Bayern, Wickelskreuth, Bayern, Wien, Wiesbaden-Dotzheim, Wiesloch, Baden-Württemberg, Wolfratshausen, Bayern, Würzburg, Würzburg-Heidingsfeld, Wuppertal, Zell am See, Salzburg, Ziegenhain, Hessen

Die nichtrheinischen Lager werden meist nach einiger Zeit aufgelöst und die Insassen an der Rhein gebracht. Es ist davon auszugehen, daß sich schließlich fünf bis sechs Millionen Deutsche in den US-Lagern am Rhein  befinden.

Den Zuständen entsprechend kommt es bald nach Einrichtung der Rheinwiesenlager zum Massensterben.

Bacque schreibt:

In Lagern entlang an den Ufern des Rheins verzeichneten die Armeeärzte vom 1. Mai bis zum 15. Juni 1945 eine erschreckende Sterblichkeitsrate, achtzigmal so hoch wie alles, was sie je in ihrem Leben gesehen hatten. Tüchtig und gewissenhaft  registrierten sie die Todesursachen: so und so viele starben an Ruhr und Durchfall, so und so viele an Typhus, Starrkrampf, Blutvergiftung,, alles in Zahlen, die unglaublich seit dem  Mittelalter  waren. Die medizinische Terminologie selbst reicht nicht mehr ganz aus angesichts der Katastrophe, deren Zeugen die Ärzte wurden. So wurden Todesfälle infolge von Abmagerung und Erschöpfung registriert. […] Herzkrankheit und Lungenentzündung.

(Bacque, a.a.O., S. 78 f.)

Allmorgendlich  werden die Toten  aus den Lagern abtransportiert, um in Massengräbern versenkt zu werden.

Ein Zeitzeuge schreibt:

Die Leichen der Verhungerten wurden täglich auf Karren weit außerhalb der Lager in vorbereitete lange Gruben gekippt und in fünf Lagen und langen Reihen aufgeschichtet. Nach Verfüllung mit dem zuvor ausgebaggerten Erdreich erfolgte die Planierung der Massengräber.

Willi Griesheimer, Die Hölle der amerikanischen Kriegsgefangenschaft, Eigendruck, S. 2

Dazu kommen all die Toten, die in dem unergründlichen Schlamm oder in den Latrinen versinken, ohne geborgen zu werden. Aus dem Lager Büderich wird berichtet:

„Man schätzte die Verschütteten auf etwa 230 pro Nacht. Niemand konnte die Menschen ausgraben, keiner war registriert worden. Mit Bulldozern ebneten die Amerikaner die Gruben mitsamt den Toten ein […]“

s. Lager Büderich, Paul Jäger

Bacque weist anhand  von Dokumenten und  von Zeugenaussagen  nach, daß in den amerikanischen und später in den französischen Gefangenen- und Arbeitslagern zusammen 800 000 bis eine Million Menschen zu Tode gekommen sind. Ca. drei Viertel der Toten lastet Bacque  den Amerikanern an, also an die 750 000:

Die Zahl der Opfer liegt zweifellos bei mehr als 800 000, beinahe mit Sicherheit bei mehr als 900 000 und durchaus wahrscheinlich bei mehr als einer Million. Die Ursachen ihres Todes wurden wissentlich geschaffen von Armee-Offizieren, die über genügend Lebensmittel und andere Hilfsmittel verfügten, um die Gefangenen am Leben zu erhalten. Hilfe-Organisationen, die versuchten, den  Gefangenen in den amerikanischen Lagern zu helfen, wurde die Erlaubnis  dazu von der Armee verweigert. Das alles wurde  damals verheimlicht und dann unter Lügen verdeckt……..Akten sind vernichtet, geändert oder als geheim unter Verschluß gehalten worden. Dies geht bis auf den heutigen Tag so weiter.

(Bacque, a.a.O., S.11)

Die US-Geschichtsschreibung dagegen spricht lediglich von ca. 5000 Toten der Rheinwiesenlagern. Die offizielle Geschichtsschreibung in Deutschland schließt sich an: 5000 Lagertote, höchstens 10 000, auf keine Fall mehr!

Das hieße, daß  von  den  fünf bis sechs Millionen  Gefangenen, die durch die Rheinwiesenlager gegangen sind, nur 0.1% die  im Ursinne mörderischen  Umstände nicht überstanden habe. Eine Todesrate von 0,1% aber entspricht einer Todesrate von Menschen, die unter normalen Bedingungen leben. Für die Rheinwiesenlager ist eine solch niedrige  Todesrate  ausgeschlossen.

Überdies ist  trotz aller Nachforschungen noch immer der Verbleib von über einer Million Kriegsteilnehmern des II. Weltkrieges ungeklärt.  Man spricht von der vermißten Million, s. auch die Mitteilung des Suchdienstes des Roten Kreuzes:

„Auch über 50 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges werden immer noch 1,4 Millionen Deutsche vermißt.“

http://www.stolp.de/DBStolp/DBMenue/Rotes_Kreuz.htm

Bis vor der sog. Wende wurden die Verschollenen   den Russen angelastet. Nun aber haben die Russen ihre Archive geöffnet, welche  zumindest seit 1946 über  Gefangenenschicksale unerwartet detailliert Auskunft geben.  Ca. 100 000 Vermißtenschicksale  konnten geklärt werden. Man vermutet überdies, daß im Laufe des Jahres 1945 etwa 200 000 Deutsche in den Weiten Rußlands namenlos zu Tode gekommen seien. Die vermißte Million bleibt.

Warum sind die Kriegsverbrechen der Rheinwiesenlager noch immer ungesühnt?

Warum liegen unsere Väter und Großväter noch immer ungeborgen in Massengräbern und in den Schlammlöchern und Latrinen am Rhein?

Warum wagen die Besiegten selbst nach einem halben Jahrhundert noch immer nicht, die eigenen Toten zu berühren?

Warum lassen die Besiegten sich noch immer die Trauer verbieten?

Warum ist es noch immer  eine fast kriminelle Handlung, die Toten der Rheinwiesen zu ehren?

Es ist,  als läge ein Fluch nicht nur über den Todeslagern am Rhein, sondern über  dem ganzen Land, in welchem die Toten vergebens nach den Lebenden rufen.

Wie lange noch?


(Quelle)

Advertisements

Schreiben Sie gerne einen Kommentar, welcher dieses Thema ergänzt

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: