Polnische Kriegsverbrechen gegen Volksdeutsche

massenhaft erschlagene volksdeutsche

Deutsche Soldaten haben in den Reihen des polnischen Heeres mitgekämpft, solange es überhaupt ein Polen gegeben hat. Im frühen Mittelalter standen sie als Lehnsleute slawischer Fürsten nicht selten gegen ihren eigenen Kaiser. Deutsche Edelleute erhielten große Begüterungen als Lohn dafür, daß sie 1410 bei Tannenberg-Grunwald tapfer gegen die Ordensritter kämpften.

Bei der Ritterschlacht Tannenberg-Grunwald kämpften Deutsche in den Reihen des Polenheeres

Und Polens Kriegführung gegen den Osten ist ohne Beteiligung deutscher Rüstungshandwerker, Festungsbauer, Offiziere und Söldner geradezu undenkbar. Sogar Henryk Sienkiewicz, ein verbissener Deutschenfeind,hat in seinem Roman Mit Feuer und Schwertdie Haltung der deutschen Söldnertruppen anerkannt. Die wenigsten Polen und Deutschen dürften wissen, daß einer der ersten Träger des hohen polnischen Kriegsordens Virtuti Militari ein Deutscher aus Danzig, der Ingenieur Ludwig Metzel, war, der ihn 1792 von König Stanislaus August erhielt.

Mag in früheren Jahrhunderten angesichts der stammlichen und politischen Zersplitterung des Reiches der Kampf Deutscher gegen Deutsche von dem einzelnen nicht als Gewissensnot empfunden worden sein, so mußte er in unserem Zeitalter eines hochentwickelten Volksbewußtseins die wehrfähigen Deutschen in Polenvor die schwersten Entscheidungen stellen. Sie alle waren Nationalisten, fühlten sich unterdrückt, entrechtet und hofften auf die Befreiung aus einer unerträglichen Lage. Dennoch blieb ihnen als Untertanen des faschistischen polnischen Staates nichts anderes übrig, als dem Mobilmachungsbefehl Folge zu leisten. Jede Weigerung hätte den Tod bedeutet.

Morde an volksdeutschen Soldaten

Bemerkenswert ist, daß in allen Aufzeichnungen nicht ein einziges Mal von Sabotageakten die Rede ist. Die volksdeutschen Soldaten hatten einen oder mehrere Aufpasser und konnten daher an derartige Dinge gar nicht denken. In manchen Garnisonen sonderten die Polen sie sofort aus, gaben ihnen keine Uniform, sondern schoben sie unter militärischer Bewachung nach Osten ab, wo sie dann angeblich verwendet werden sollten und tatsächlich auch noch verwendet wurden.

Tatsache ist, daß diese Maßnahme unzähligen Deutschen zum Verhängnis geworden ist. Auf der Flucht gerieten die polnischen Truppenverbände aus- und durcheinander. Feldpolizei und Offiziere griffen oft zur Waffe, um Ordnung zu schaffen. Dabei stießen sie natürlich auch immer wieder auf abgesprengte volksdeutsche Soldaten dieser nach Osten abgeschobenen Trupps, hielten sie für Spione oder Deserteure und knallten sie ohne Umstände einfach nieder.

Oft beherrschten die Deutschen die polnische Sprache nur mangelhaft und fielen gerade dadurch am meisten auf. Außerdem hatte man die polnischen Soldaten derart aufgehetzt, daß sie ihre deutschen „Kameraden“ oft beschimpften, bedrohten und schlugen, auch wenn diese regelrecht eingekleidet waren und ihre Pflicht erfüllten.

Einer der Volksdeutschen, ein Jungbauer Willy Kliemaus Tomnitz (Kr. Krotoschin), hielt dies alles nicht länger aus, sprang aus dem fahrenden Zuge und schlug sich zu Tode. Ein zweiter, der junge Landwirt Georg Grunow aus Groddeck (Westpreußen) wurde, obwohl er schon eingekleidet war, von den polnischen Soldatenmit dem Tode bedroht und ohne jede Veranlassung als Spion für verhaftet erklärt. Da er befürchten mußte, seinen Bestimmungsort nicht lebend zu erreichen, sprang auch er aus dem fahrenden Zuge, rannte zur Weichsel, schwamm durch den Strom und rettete sich auf diese Weise. Zu Ewald Schulz (Roneck b. Hohensalza) sagte ein Offizier: „Wart‘ du Satan, die erste Kugel gehört dir.“ In seinem Berichte heißt es weiter: „Wer als Deutscher in unserer Truppe erkannt war, konnte seines Lebens nicht mehr sicher sein. Beherrschte er die polnische Sprache, dann floh er zu einer anderen Kompanie, bis er auch dortdurch seinen Namen als Deutscher auffiel. Dann ging die Jagd von neuem los.“

Die Deutschen mußten daher alle möglichen Mittel anwenden, um der Ermordung zu entgehen. Sie warfen ihre Militärpapiere weg und legten sich polnische Namen zu, besorgten sich Soldbücher gefallener Polen usw. Auch riefen sie sich gegenseitig mit polnischen Vornamen, um nicht aufzufallen. Richard[?] Ruge (Urbanshof, Kr. Obornik), der gut polnisch spricht, gab sich als Pole aus. Als ihn sein Offizier fragte, ob er ein Verwandter des polnischen Posener Stadtpräsidenten Ruge sei, bejahte er dies und sicherte sich durch diese Notlüge eine gute Behandlung. Otto Herrmann (Trebisfelde, Kr. Kulm) antwortete einem Batterieführer auf eine ähnliche Frage: „Ich bin ein Pole.“ – „Dein Glück“, sagte der polnische Offizier, „wenn du ein Schwab wärst, hätte ich dich hier am nächsten Baum aufhängen lassen.“ Johann Kurzitza (Kattowitz) berichtet, daß in Radomdie Mobilmachungskarten geprüft wurden, ob sie rote oder schwarze Stempel hatten. Die Deutschen, auch er, hatten schwarze und wurden sofort ausgesondert und abtransportiert,wohin, das hat er nie erfahren. Er selbst konnte seine Karte noch rechtzeitig vernichten.

Der Feldwebel Wilhelm Klinksiek (Posen) erweckte inseiner Extrauniform, dank seiner ausgezeichneten polnischen Sprachkenntnisse, den Eindruck bei den Offizieren, er sei ein Pole. Man drückte ihm eine Militärpistole in die Hand, mit der Weisung, 120 volksdeutsche
Soldaten nach Slesin zu eskortieren und erteilte ihm den Befehl, jeden fußkrank oder erschöpft Zurückbleibenden sofort zu erschießen. Danachher tatsächlich viele fußkrank waren und zwar infolge des jeder Beschreibung spottenden polnischen Schuhwerks, hat die kluge Taktik Klinksieks vielen das Leben gerettet. Was nämlich ein polnischer Vorgesetzter in solchem Falle getan hätte, beweist folgender, durch eidesstattliche Aussage belegter Fall:

Adolf Günther (Posen) sah mit eigenen Augen, wie ein polnischer Hauptmann drei volksdeutsche Soldaten, Oberschlesier, erschoß, weil sie mit ihren wundgelaufenen Füßen auf einer Chaussee im Lubliner Lande den Eilmarsch nicht mehr aushielten und sich auf den Rand des Straßengrabens gesetzt hatten, um auszuruhen.

Die Deutsche Lodscher Zeitung vom 27. 9. 1939 berichtet: „In Konstantynow fand in der vergangenen Woche die Bestattung des 33jährigen Teodor Kulisch statt, der als Reservist von der polnischen Heeresleitung einberufen worden war. In Strykow trank Kulisch an einem Brunnen Wasser, als ein polnischerOffizier hinzukam, um gleichfalls seinen Durst zu stillen. Als dieser aber bemerkte, daß ein Deutscher hier vor ihm trank, geriet er derart in Wut, daß er Kulisch mit einem Stich ins Genick niederstreckte. Kulisch war sofort tot.“

Der Hauptschriftleiter Adolf Kargel der ehemaligen Lodscher Freien Presse hat unter Eid den Bericht eines volksdeutschen Soldaten aus Konstantynow wiedergegeben. In dessen Truppe wurden alle Deutschen herausgesucht, an einen Strohschober gestellt und erschossen. Er selbst hatte sich das Soldbuch eines polnischen Soldaten besorgt und kam als einziger mit dem Leben davon.

Am Rande der Staatswälder von Goluchow, nicht weit von der Straße Jezow-Rawa, wurden zusammen mit 20 ermordeten volksdeutschen Zivilisten auch ein „polnischer“ Offizier, Eugen Lenk, ausgegraben. Wie die umwohnende Bevölkerung erzählte, soll Lenk sich geweigert haben, die Zivilisten zu erschießen, wofür ihn dannandere gleich miterschossen! Als diese Nachricht in der Deutschen Lodscher Zeitung erschien, meldete sich beim Schriftleiter Kargel ein Verwandter dieses Lenk, erklärte, jener sei tatsächlich als Offizier eingezogen gewesen und seitdem spurlos verschwunden. Auch hierüber liegt uns eine eidesstattliche Erklärung vor.

Der Volksdeutsche Josef Rastelli, ehem. Vizewachtmeister im poln. 5. Panzerbataillon in Krakau, (jetzt in Kattowitz), erklärt an Eidesstattfolgendes:

In Mylenice war er am 6. 9. 1939 Zeuge, wie in einem Gasthaus zwei volksdeutsche Reservisten ein Glas Bier tranken. Einer verabschiedete sich von dem andern in deutscher Sprache, was anwesende Polen hörten. Sie fielen sofort über den Zurückgebliebenen her, schlugen ihn unmenschlich. Als sich Rastelli für ihn einsetzen wollte, brüllte ihn ein polnischer Oberleutnant an: „Lassen Sie die Finger von dem deutschen Schwein, sonst kann es ihnen auch so gehen.“ Der übel zugerichtetedeutsche „Spion“ wurde dann zum Schluß von einem Polizisten niedergeknallt und auf einer Wiese, unweit der Gaststätte, hinter einer Wassermühle vergraben. Rastelli wartete dann vor dem Gasthause die Rückkehr des zweiten, aus Königshütte stammenden Deutschen ab, und warnte ihn. Mit Tränen in den Augen und kurzen Dankesworten machte dieser sich dann eilig davon.

Paul Frey (Königshütte, Gutenbergstr. 14) war in der Nähe von Lemberg in dem allgemeinen Wirrwarr von seiner Kompanie abgekommen. Da infolgeder deutschen Luftangriffe nur nachts marschiert wurde, konnte das leicht geschehen, und es geschah bei polnischen Soldaten genau so. Als Frey in schlechtem Polnisch bei einer fremden Formation nach seiner Truppe fragte, ergriff man ihn als Spion, versetzte ihm einige Bajonettstiche und schlug ihn so stark auf den Kopf, daß er die Besinnung verlor. Die Polen fesselten ihm Hände und Füße und warfen ihm auf einen Wagen. Ein überraschender deutscher Angriff brachte ihm die Befreiung. Frey schließt seinen Bericht: „Was aus mir geworden, wenn Polen geblieben wäre, das weiß Gott allein.“

Paul Gansel (Bielitz, Schießhausstr. 15) schildert als Augenzeuge, wie hinter Brest-Litowsk zwei deutsche „Spione“ an einen Baum gebunden, mit Benzin begossen und angezündet wurden. Sie verstarben nach einer Stunde unter unsäglichen Qualen.

Frau Linda Teobald, geb. Bayer, aus Andrzejow b. Lodsch (Rokocinska 48), gibt an, ihr Mann, Oskar Teobald, sei in Lodsch am 1. 9. 1939 als Fliegerabwehrsoldat von seinen polnischen Kollegen mit Messern gestochen und aus dem Fenster der Kaserne geworfen worden, wobei er den Tod fand. Die Grabstätte ihresMannes ist ihr bekannt, da sie schon am 2. 9. Kenntnis von dessen Ermordung erhielt. Teobald hinterläßt vier kleine Kinder.

Der Volksdeutsche Georg Demarczyk (Neudeck, Kr. Tarnowitz) vom 12. Inf.-Rgt. (Wadowitz) war ohne jeden Grund als „deutscher Spion“ verschrien und wurde ohne ein Standgericht zum Tode verurteilt. Kurz vor der Vollstreckung des Urteils konnte er entfliehen und entging so dem sicheren Tode.

Franz Styllok (Kostow, Kr. Pleß, Imialinerstr. 72) schildert, wie zwei polnische Feldpolizisten seinen oberschlesischen Kameraden, der wegen eines lahmen Fußes ordnungsgemäß als dienstunfähig entlassen worden war, bei Roszki als „Deserteur“ niederschossen.

Ernst Schendel (Kamke, Kr. Kolmar) machte als noch nicht eingegliederter Reservist mit zahlreichen anderen Volksdeutschen den Rückzug der polnischen Truppen aus Thorn mit. Da sie alle schlecht polnisch sprachen, griff sie die Feldpolizei auf und erklärte ihnen sofort, sie würden als „deutsche Spione“ erschossen werden. Sieverdanken es besonderen Umständen, daß sie diesem Los entgingen.

Volksdeutsche Soldaten mußten sich ganz besonders davor hüten, allein zu gehen, denn das bedeutete meist den Tod. Elfried Franz (Gr. Sibsan,Kr. Schwetz), der als Thorner Sanitäter den Feldzug mitmachte, hat erlebt, daß ein polnischer Offizier drei solche versprengte volksdeutsche Soldaten erschoß, und vermutet, daß es vielen anderen genau so ergangen ist.

Otto Keßler (Deutschwalde, Kr. Hohensalza), polnischer Infanterist, stand schon an der Wand, um erschossen zu werden. Im letzten Augenblick trat sein polnischer Unteroffizier dazwischen und ließ es nicht zu.

Alle diese Verbrechen muß durch die schon pathologisch gewordene Spionenfurcht und durch die von Kriegsausbruch betriebene hemmungslose Deutschenhetze erklärt werden. Es gibt wohl kaum einen von den Zehntausenden volksdeutschen Soldaten, der nicht mindestens einmal die Schlagworte „Niemcy pod mur“ (Die Deutschen an die Wand) gehört hätte. Der Unteroffizier Paul Sültemeyer (Posen) vernahm bei seiner Truppe in Gnesen, es müsse ein „heiliger Befehl“ kommen, alle Deutschen im Regiment zu erschießen. Ihm selbst riefen immer wieder haßerfüllte polnische Soldaten sein Todesurteil zu.

Leutnant Ernst Weiß (Jarotschin), Sanitäter, galt in seiner Truppe als verdächtig und befand sich deshalb oft in der heikelsten Lage.

In anderen Regimentern ging die Parole um: „Wir kämpfen nicht nur gegen die Wehrmacht Hitlers, sondern auch gegen die Deutschen in unseren Reihen.“ War es da ein Wunder, daß die polnischen Soldaten mit wenigen Ausnahmen jedenMaßstab für Recht und Menschlichkeit verloren?

Friedrich Pankratz (Thorn) stellte sich als Ersatzreservist, wurde mehrmals als Spion verhaftet, einmal von einem mitleidigen Polen laufen gelassen, ein zweites Mal beim Abtransport durch Kopfstreifschuß und Bauchschuß verwundet.

Über die Ermordung volksdeutscher Soldaten im polnischen Heere berichtet auch Friedrich Roskamp (Kulmsee, Kulmerstr 14), ferner über die Massenabschlachtung deutscher Zivilisten. „Eigentlich geht es kaum zu beschreiben“, erklärt Roskamp, „denn jede kleine Erinnerung geht einem wie ein kalter Wind durch dieGlieder.“

„Am 10. 9. abends um 7 Uhr wurden“, so schildert Helmut Pavel aus Alt-Boyen, „alle Gefreiten und Unteroffiziere unseres Bataillons zumAppell befohlen. Ich war unter ihnen der einzige Deutsche und als solcher unerkannt. Da sagten uns die Offiziere, wir sollten alle Deutschen in unserer Truppe erschießen, da diese Hunde angeblich alles verrieten. Alle stimmten dem begeistert zu. Ich mußte mich schnellstens durch die Flucht retten. Ob nachher noch Deutsche erschossen worden sind, entzieht sichmeiner Kenntnis.“ Pavel hatte sich in Posen bei dem Inf.-Rgt. 57 gestellt.

Paul Ludwig (Alt-Boyen, Kr. Kosten) machte den Krieg mit und kam bis vor Lemberg. Wie bei vielen anderen, so ist auch bei ihm der Name des Truppenteils schwer zu bestimmen, da in dem allgemein herrschenden Wirrwarr und dem Auflösungsprozeß alles x-mal umgruppiert oder neugebildet wurde. Nachdem er schon schwere Kämpfe mitgemacht hatte, verhaftete man ihn bei Jaroslau plötzlich als „Spion“, zusammen mit zwei Deutschoberschlesiern, mißhandelte sie unmenschlich und sperrte sie bis zum Erschießen in einen Eisenbahnwaggon ein, aus dem die deutsche Wehrmachtsie noch rechtzeitig befreite.

Wilhelm Peter (Hirschdorf, Kr. Schrimm) erfuhr in Warschau als Angehöriger des Inf.-Rgt. 57, daß die Polen viele volksdeutsche Soldaten erschossen hätten.

Am 10. 9. wurden in Kutno 21 militärpflichtige Deutsche, die sich dort beim Bezirkskommando gestellt hatten, ohne jede Beschuldigung erschossen. Da einer von ihnen, Kloke aus Rackwitz, schwerverwundet entkam, weil die Mörder ihn für tot gehalten hatten, kam die unglaubliche Bestialität ans Tageslicht. Die Toten, darunter Schwerdtfeger, Machatschek, Lubnau aus Posen, Lange aus Neutomischel, wurden später ausgegraben und zum Teil in Posen auf dem Ehrenhain beigesetzt.

Was wir hier an Beispielen brachten, genügt, um denGesamtvorgang zu kennzeichnen. Wenn man bedenkt, daß der größte Teil der Wehrpflichtigen einer deutschen Volksgruppe von 1.200.000 Köpfen diese Hölle durchmachen mußte, unddas waren nicht Hunderte, sondern Zehntausende, dann wird man auch den Umfang dieses an volksdeutschen Soldaten verübten Massenmordes ermessen. Leider ist den Toten selbst der Mund verschlossen, und wir können daher bei den meisten kaum feststellen, ob sie von einer deutschen oder polnischen Kugel gefallen sind. Reden können nur die zufälligen Augenzeugen, die Morde gesehen oder selber Mordanschlägen entkommen sind. Es ist in allen Berichten gerecht anerkannt, daß auch vereinzelte Polen und ganze Truppenteile die Scheußlichkeiten verurteilten. Doch konnten einzelne der Massenpsychose gegenüber selten etwas ausrichten. Sie gefährdeten sich dabei selber.

Miterlebte Morde an volksdeutschen Zivilisten

Die in der Geschichte aller Zonen und Zeiten einzigdastehenden Massenmorde an volksdeutschen Zivilisten, an Frauen, Kindern und Greisen sind bereits in zahlreichen Veröffentlichungen beschrieben worden. Dabei interessiert nur die Tatsache, daß in zahllosen Fällen unsere volksdeutschen Soldaten ohnmächtige Zeugen dieser Scheußlichkeiten sein mußten. War schon die Gefahr, jederzeit von vorn oder oben eine deutsche und von hinten eine polnische Kugel zu kriegen, und das Gefühl, auf der falschen Seite der Front stehen zu müssen, ein grausames Schicksal, so steigerte sich das alles zu einer unvorstellbaren Spannung beim Miterleben der an volksdeutschen Zivilisten verübten Greueltaten.

Ganz gleich, ob deutsche Flieger Bomben warfen, deutsche Artillerie schoß oder in Hunderten von Fällen die polnische Organisation nicht klappte, immer suchten sich dann die Polen, um ihre Wut und Enttäuschung abzuladen, einen volksdeutschen Prügelknaben. Der Pole geriet schnell in Aufregung. Er sah deshalb oft Gespenster, schoß auf eigene Truppen und eigene Flugzeuge usw. Natürlich mußte auch dannder erste beste Volksdeutsche, dessen man habhaft wurde, mit seinem Leben dafür büßen.

Wie die Einstellung des polnischen Offizierskorps zu diesen Dingen aussah, schildert der Reserveleutnant Heinz Kottke (Lauterbach bei Pudewitz). Noch vor Ausbruch des Krieges erklärte ein Fähnrich während eines Frühstücks in der Gnesener Offiziersmesse, die Polen müssten nach Überschreiten der deutschen Grenze sogar die Kinder in den Wiegen totschlagen und das deutsche Volk ausrotten. Alle anwesenden höheren Offiziere billigten diese Auffassung ohne Einschränkung. Kein Wunder also, wenn nachher Dinge passierten, für die Begriffe wie Grauenhaftigkeit, Scheußlichkeit, Greuel usw. viel zu schwach sind. Traf das zurückziehende Militär doch auf allen Straßen Trupps internierter deutscher Zivilisten, die die Polizei nach Osten trieb.

Der Volksdeutsche Franz Styllok, Soldat des Inf.-Rgt. 23 in Wladimir Wolynsk, wohnhaft in Kostow (Kr. Pleß) schildert, wie er am 14. 9. 1939 in Cholm (Woiw. Lublin) die Erschießung von ungefähr 100 deutschen Zivilisten, darunter Frauen und Kinder bis zu 1 Jahre, mit ansah. Das Massengrab soll sich bei der Cholmer Vorstadt Nowiny befinden. Es wurden Menschen mit verscharrt, die noch lebten. Die Erschießung nahmen Polizisten und Gefängnisaufseher vor. Die Angaben Stylloks sind inzwischen durch weitere Feststellungen bestätig worden.

Ergreifend schildert der Unteroffizier Paul Sültemeyer, wie er in der polnischen Truppe, zusammen mit anderen volksdeutschen Soldaten, auf einer kongreßpolnischen Straße marschierte:

„Ein unsagbar trauriges Bild bot sich uns während des Marsches. In langen Kolonnen standen internierte deutsche Zivilisten, Männer, Frauen und Kinder, Knaben und Mädchen, oft nur notdürftig bekleidet, mit zerfetztem Schuhwerk oder barfuß, verdreckt und todmüde am Wege. Von Polizisten und halbwüchsigen Burschen wurden sie bewacht. Unsere vorbeiziehende Truppe gab ihrem Haß durch gemeine Beschimpfungen und brutale Mißhandlungen Ausdruck. Ich hätte am liebsten mit dem Kolben auf diese Bestien losschlagen mögen. Aber ich hätte damit ja die Lage nur noch verschlimmert. Mir und meinen volksdeutschen Kameraden blutete das Herz, und Tränen der Wut kamen uns in die Augen. Da standen nun die Wehrlosen, zum Teil mit Drähten,Stricken oder Fesseln aneinandergekettet und mußten, ohne sich zu rühren,Kolben- und Stockschläge, Fußtritte und Steinwürfe erdulden. Ich dachte sogleich an meinen Vater, der ja auch dabei sein mußte, suchte ihn lange, aber fand ihn wohl infolge der anbrechenden Dunkelheit nirgends. Am nächsten Morgen lagen Wege und Felder voller Leichen dieser volksdeutschen Internierten. Und ich trug die Uniform dieser Mörderbande! Das Blut stieg mir bei dem Anblick zu Kopfe. Erst nach dem Kriege erfuhr ich, daß tatsächlich auch mein internierter Vater in jener Gegend ermordet wurde…“

Augenzeuge einer viehischen Mordtat wurde auch der schon einmal erwähnte Herbert Ruge, der bei den Polen als einer der ihren galt. Hinter Kutno hielt seine MG.-Kompanie einen des Weges kommenden deutschen Greis an. Man verhaftete den Alten und ließ ihn neben dem MG.-Wagen, auf dem Ruge saß, herlaufen, was er keuchend und weinend tat. Ein Soldat trieb ihn von oben her immer mit dem Kolben an und mißhandelte ihn. Als Ruge anregte, den Greis doch laufen zu lassen, statt ihn zu quälen, beschimpfte man ihn, daß er „dem deutschen Schwein“ helfen wolle. Nach 3½ Stunden Marsch war der Alte am Ende seiner Kräfte. Nun führte ihn der Soldat an einen See, band ihm die Hände auf dem Rücken zusammen und während noch der kniende Greis laut das Vaterunser betete, hielt der Mörder ihm das Gewehr an die Schläfe und drückte ab. Dann band er einen Stein an der Leiche fest und warf sie in den See. Ruge schreibt: „Für mich war dieser Mord das Schrecklichste, was ich bisher im Leben gesehen habe.“ Daß der Alte völlig harmlos war, unterlag keinem Zweifel.

Die aus allen Teilen des ehemaligen Polen zugegangenen Berichte enthalten eine Unmenge ähnlicher Schilderungen. Entsetzlich sind die Schilderungen der großen Blutbäder in Bromberg, im Kreise Hohensalza und in anderen Gegenden. Worauf es hier abschließend ankommt, ist die Feststellung, daß Tausende volksdeutscher Soldaten Augenzeugen irgendwelcher Greueltaten ihrer polnischen „Kameraden“ sein mußten. Vielen hat man die Erlebnisse nachher angesehen. Sie waren verfallen, seelisch erschüttert und vielfach ergraut.

Wie Volksdeutsche den polnischen Rückzug erlebten

Während des Rückzuges wurde dauernd „organisiert“. Der Rechnungsunteroffizier und Zahlmeister Lothar Mielcarek (Posen) erlebte beim Rückzuge, wie plötzlich ein ihnen wildfremder polnischer Oberst, ohne die Führer der anderen Formationen zu fragen, aus allen Waffengattungen einen Stoßtrupp gegen die vordringenden Deutschen zusammenstellen wollte und zwar mit schußbereitem Karabiner. Was dabei herauskam, sah ergötzlich aus: Der eine barfuß, der zweite in unterwegs gestohlenen Halbschuhen, der dritte mit, der vierte ohne Mütze oder Helm usw. Schließlich weigerte sich dieses Sammelsurium von Kriegern, gegen die Deutschen zu ziehen, so daß der „kühne“ Plan des Herrn Obersten scheiterte.

Ein besonderes Kapitel waren Verpflegung und Löhnung. Überall da, wo man nach der Einberufung die Deutschen gleich absonderte, kümmerte sich kein Mensch darum, ob sie etwas zu essen hatten oder nicht. Oft ging es aber den Polen selbst auch nicht anders. Ein volksdeutscher Kamerad berichtet, er hätte in 20 Tagen einmal warmes Mittagessen und einmal ein halbes Brot erhalten. Seine polnischen „Kameraden“ klauten, raubten und requirierten, um satt zu werden oder fraßen auf denFeldern rohe Mohrrüben, Kartoffeln und Runkeln. Er selbst mußte genau dasselbe tun, denn an Löhnung hatte er für 3 Wochen 1,80 Zloty erhalten. Erkennungsmarken hatten wohl neun Zehntel der polnischen Armee nicht.

Nicht selten fällen die Berichte der Volksdeutschenein vernichtendes Urteil über die Haltung polnischer Offiziere. In zahlreichen Fällen waren sie es, die sich in vorher schon bereitgehaltenen Zivilsachen als erste aus dem Staube machten. Sie traktierten ihre Mannschaft mitunter mit Knüppel und Reitpeitsche, versetzten ihnen Tritte in das Gesäß oder gar in den Leib, tischten lächerliche Lügen und Siegesmeldungen auf und führten ihre Truppe schlecht. Wo nachher solche Offiziere in Gefangenschaft gerieten, bezogen sie nicht selten Prügel von ihrer eigenen Truppe.

Nicht ohne Kopfschütteln liest man in diesen Berichten, daß schwerverwundete sich am Straßenrande quälten, während Offiziere in Autos, in Begleitung hübscher Sanitäterinnen oder anderer Damen, einfach vorbeifuhren. Mit besondererEmpörung schildert ein Kamerad, wie ein Offizier einen stark blutenden Verwundeten rücksichtslos vom Wagen warf, um selber schneller fliehen zu können. Kaum glaublich klingt es, daß in so vielen Fällen Offiziere ihre Mannschaft mit Bajonetten gegen die deutschen Tanksschickten, da diese ja doch nur aus Holz oder Pappe wären. Aber alles, was in Kurt Lücks Buch an Dingen dieser Art zu lesen ist, ist lautere Wahrheit.

Wie aus den veröffentlichten Berichten klar hervorgeht, lag nichts so fern, als in öder Schwarzweißmalerei alles am polnischen Soldaten schlecht zu machen, hat doch auch der Führer in seiner großen Danziger Rede anerkannt, daß der einfach polnische Soldat an vielen Stellen tapfer gekämpft hat. Schlecht waren Führungund Organisation. Nie ist wohl ein Volk kläglicher geführt und belogen worden, wie das polnische vor und im September 1939.

Die Haltung, der volksdeutschen Kameraden in der für sie so schwierigen Lage zeigten, war anständig. Sie haben oft Unheil nicht verhindern können, weil jedes Eintreten die Polen nur noch zu größeren Untaten gereizt hätte. Und wenn sie den blutrünstigen polnischen Sadisten gegenüber oft ihr deutsches Volkstum tarnten, dann mit gutem Recht. Diese Tarnung erforderte gewöhnlich mehr Geistesgegenwart und Mut, als ein ratloses Sichergeben in das drohende Schicksal.

Am Ende stand für das polnische Heer die Kriegsgefangenschaft, damit endete auch die polnische Schreckensherrschaft für die ehemaligen Reichsdeutschen in Polen.

Die Zahl der im polnischen Heere ermordeten, gefallenen, verwundeten volksdeutschen Soldaten geht hoch in die Tausende. Viele gerieten in russische Gefangenschaft, wurden in Litauen, Rumänien und Ungarn interniert, kamen zurück und erfuhren, daß ihre Angehörigen inzwischen getötet worden waren. So erging es, um einen besonders erschütternden Fall zu nennen, dem aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten E. Schmolcke aus Rackwitz. Die Polen hatten, während er einberufen war, seinenschwer weltkriegsbeschädigten Vater, seine Mutter, 18jährige Schwester und sein 1½ jähriges Brüderchen verschleppt und alle ermordet.

Die an Kurt Lück eingesandten Berichte stammen zum größten Teile von Mitgliedern des volksdeutschen Posener Selbstschutzes, der nach derBefreiung des Warthelandes unter der Leitung von Führern entstand.

Lücks Appell an seine Leser: „Seht, so erging es uns, als die Polen Gewalt über unsere Heimat hatten. Vergeßt das nicht! Seid einig und werdet zu jener kämpferischen, nationalsozialistischen Gemeinschaft, die für alle Zeiten die Freiheit kommender Geschlechter gewährleistet. Nie mehr komme der Fluch über uns, gegen Brüder kämpfen zu müssen. Uns an der Grenze soll daher niemand übertreffen an Einsatzbereitschaft für die Heimat, an Liebe zu Führer und Reich.“

Kurt Lück , geboren am 28. Dezember 1900 in Kolmar,Provinz Posen, gefallen am 5. März 1942 bei Orsza, Weißrussland , war ein deutscher Volkskundler, Minderheitenaktivist der Volksdeutschen in Polen und SS-Obersturmbannführer.Das sich „Bruder gegen Bruder“ an einer innerdeutschen Grenze einmal gegenüberstehen würden, erlebte er nicht mehr.

Polnische Vernichtungspolitik gegen Volksdeutsche

Zur Einleitung muß man noch mal die Situation nach dem 1.WK verdeutlichen, wo der aschistische Diktator Pilsudski sofort in den nichtpolnischen Gebieten damit begann eine ethnische Slawisierung anzukurbeln. Während in den ehemaligen deutschen Provinzen Posen und Westpreußen bis 1920 1.200.000 Deutsche gelebt hatten, sank diese Zahl nach 10-jähriger Polenherrschaft auf 350.000. Die ländliche deutsche Bevölkerung dieser Gebiete hatte 55 Prozent ihres Bestandes, die städtische 85Prozent verloren.

Die Beschlüsse des allslawischen Kongresses von Prag 1848 – wonach in hundert Jahren die slawische Volksgrenze Stettin-Triest erreicht werden sollte – näherte sich bereits damals ihrer Verwirklichung. Unaufhörliche und geradezu wahnsinnige Gebietsforderungen auf Kosten Deutschlands und anderer Nachbarn wurden von den polnischen Chauvinisten gefordert.Von Anfang an stand Pilsudskis faschistisches Polen fürExpansion und das mit beabsichtigter Hilfe dekatender westlicher Politiker. Sein Nichtangriffspakt mit Deutschland war ausschließlich ein taktischer Vertrag, um später selbst den beabsichtigten Kriegsbeginn gegen Deutschland zu bestimmen. Außer gegen Deutschland hat dieser Marschall gegen jeden seiner Nachbarn Krieg geführt und zwar durchgehend erfolgreich. Bevor er aber Deutschland angehen konnte, was sein Ziel war, starb er 1935.

Nach Ende des 1.Weltkriegs begann also sogleich einKrieg nach dem anderen, ein Genocidium gegen Deutsche und Ukrainer, ein unerbittlicher Kampf gegen alle Minderheiten in Polen. Damals schrieb der italienische Ministerpräsident und Polenfreund: „Nicht die polnische Nation hat sich konstituiert, man hat einen polnischen Militärstaat geschaffen, dessen Hauptaufgabe darin liegen soll, auf Deutschlands Zerfall hinzuarbeiten. Nicht das polnische Polen ist entstanden, sondern ein riesiger Staat, der so wie er da ist, nicht lange leben kann.“ Was für eine treffende Analyse! Die Polen lebten zu Pilsudskis Zeiten nachweisbar mit allen Nachbarn – wie auch mit ihrenMinderheiten – in Zank und Feindschaft!

Höhepunkte des Deutschenhaßes war die Zeit von Märzbis September 1939. Im März 1939 wurde zwecks wirtschaftlicher Ausschaltung der stets loyalen deutschen Volksgruppe in fast allen polnischen Zeitungen dieser Boykottaufruf veröffentlicht: „Die Deutschen in Polen heben den Kopf. Aufgrund dieser Provokation muß die polnische Allgemeinheit den illoyalen Bürgern eine entsprechende Abfuhr erteilen.“ Die Maßnahmen daraus:

Diejenigen Polen, die in deutschen Geschäften kaufen oder deutsche Lokale aufsuchen, werden öffentlich gebrandmarkt. Alle polnischen Firmen müssen ausschließlich polnische Jugend und polnische Arbeiter beschäftigen. Eine Repressalie die auch die Tschechen in den annektierten sudetendeutschen Gebieten aufzogen.

Alle Schreiben, die an die Behörden, Büros und Firmen in deutscher Sprache abgefaßt werden, müssen unbeantwortet bleiben.

Es wurde sich zum Ziel gesetzt: Das Verbot des Erwerbs von Grundstücken oder von Konzessionen durch Deutsche; die Aberkennung aller Staatsaufträge und Aufträge der Kommunalbehörden an deutsche Firmen.“

Aus der Berichterstattung einer einzigen deutschen Zeitschrift, der Augustausgabe 1939 des Thorner Ordenskreuzes, ist ersichtlich, welches wütende Inferno im Sommer 1939 über die Volksdeutschen hereingebrochen war, das in Anbetracht seiner Ausmaße als Beginn eines Genocid betrachtet werden kann.

Diese Überschriften werden die Untaten von damals in der Geschichte niemals zum Erlöschen bringen:

„Offener Terror… deutsche Schulen und Ferienkolonien geschlossen… deutsches Kirchengut beschädigt… deutsche Betriebe geschlossen… Verbote… Verhaftungen… Entlassungen… ein ganzes deutsches Dorf ausgesiedelt… Kirchenglocken mundtot gemacht… Friedhofsfrevel… Steine gegen die Kirche…“

Der polnische Publizist Studnicki erinnerte sich anfolgende Tatsachen:Das polnische Konzentrationslager Chodzen – eine ehemalige Zuckerfabrik zwischen Wloclawek und Kutno – in dem in den ersten Septembertagen 1939 ca. 7.000 verschleppte Volksdeutsche – darunter Frauen und Kinder, Greise und Krüppel – inhaftiert waren.

Für die Zeit der Gewaltverbrechen von April bis September 1939 gibt es keinen besseren und vor allem glaubwürdigeren Zeugen als den unvergessenen Posener Volkstumsforscher Dr. Kurt Lück, die damals in Polen hingemordeten Volksdeutschen in seinen Büchern „Marsch der Deutschen in Polen „und „Volksdeutsche Soldatenunter Polens Fahnen“ verewigte.

Kurt Lück berichtet: „In den Monaten vom März bis September 1939 überschlug sich die Polenpresse geradezu in ihren Haßpredigten gegen alles Deutsche und gegen das Reich. So flogen bald Steine in deutsche Fensterscheiben und Häuser, bald wurden friedliche Bürger und Bauern von Banden überfallen und deutschsprechende Frauen und Kinder geschlagen. Zu Tausenden wanderten unsere Volksgenossen in die Kerker, unschuldig und unter den fadenscheinigsten Gründen. Tausende von Strafmandaten schneiten in die deutschen Wohnungen, Ausweisungsbefehle, anonyme Drohungen usw. Die staatsgewollte Slawisierung der deutschen Gebiete wurde geradezu hysterisch umgesetzt.

Folgende Maßnahmen wurden beschlossen: 1. Allen in der Volkstumsarbeit tätig gewesenen Deutschen Spionage und Verschwörung anzudichten, um sie verhaften und erschießen zu können 2. alle Internierten, die auf dem Marsch nach Osten wegen Erkrankung oder aus Schwäche nicht mehr weiterkonnten, niederzuschießen, sobald ihr Transport Schwierigkeiten für die Begleitmannschaften verursachen würde 3. im Falle des Anrückens deutscher Truppen ganze Arbeit zu leisten, d. h. alle Internierten zu erschießen; 4. den Erschossenen und Erschlagenen alle Erkennungsgegenstände abzunehmen.“

Bis zum Kriegsbeginn waren schon weit über 50000 Volksdeutsche inhaftiert. Aus Oberschlesien transportierten die Polen ungefähr 180 Männer und 20 Frauen auf der Bahn bis Wadowice. Von dort marschierten diese überMyslenice, Bochnia, Tarnow und Zamosc und dann gings weiter auf der Bahn bis Zapytow in Wolhynien, wo sie von deutschen Truppen befreit wurden.

Aus Ostschlesien und dem Gebiet bei Biala ging ein Transport von 500 Männern und Frauen, darunter 13 Männner und eine Frau aus dem Dorfe Alzen, nach dem berüchtigten KZ Bereza Kartuska.

Deportationszüge 1-7 von Volksdeutschen in polnische KZs

Der Zug eins, der die Internierten von Samter, Birnbaum, Neutomischel, Wollstein usw. in Posen zusammenfaßte, und der sich über Wreschen, Stralkowo, Sompolno, Kutno bis Zychlin und Gombin zu Fuß ostwärts bewegte, zählte rund 300Mann, von denen nach und nach in Schwersenz, Wreschen, Schlesin, Wierzbin, Klodawa und Kutno etwa 120 Mann erschlagen wurden.

Der erste der Züge zwei bis vier, die die Internierten von Lissa, Schmiegel, Kosten, Moschin, Schrimm, Schroda, von Rawitsch, Gostin und von Jarotschin zusammenfaßte, zog am 2. September ostwärts über Peisern bis Warthbrücken (Kolo) und Turek. Die anderen beiden zogen am 3. und 4. September von Schroda über Peisern nach Warthbrücken, Kutno, Lowitsch und Gombin. Diese drei Züge zählten insgesamt 1.200 Mann, von denen nach und nach in Schrimm, Gora, Tulischkow, Tarnowa, Wladyslawow rund 400 Mann ermordet auf der Strecke blieben. Der Rest entging mit Mühe und Not dem gleichen Schicksal. Der Zug fünf umfaßte die Internierten aus Obornik, Scharnikau, Kolmar, Wongrowitz, Rogasen, Schokken, Murowana, Goslin, Gnesen, usw. In einer Stärke von ungefähr 600 Mann zog er über Konin, Warthbrücken, Kutno, Lowitsch bis vor die Tore Warschaus. 440 Deutsche überlebten diesen Transport nicht!

Der sechste Zug mit Internierten aus Jarotschin undUmgebung hatte in Viehwagen auf der Bahn einen qualvollen Transport bis ins KZ Bereza Kartuska durchzumachen. Dort kamen ebenfalls viele ums Leben.

Der siebte Zug bewegte sich auf der Bahn, dann zu Fuß in östlicher Richtung nach Warschau. Es handelte sich um Volksdeutsche, die schon vor Ausbruch des Krieges unter den lächerlichsten Vorwänden verhaftet worden waren. Auch dieser Trupp hatte Verluste. Wenn nicht die Wehrmacht die Reste der Züge befreit hätte, dann wären auch diese noch ermordet worden.

Ein kleinerer Zug aus Gnesen wurde auf der Bahn über Hohensalza, Kruschwitz, Kutno, Zychlin gebracht und marschierte dann zu Fuß weiternach Lowitsch und Ilow. In dem deutschen Dorf Golowka Dolna wurden die Verschleppten von deutschen Truppen befreit. Eine zweite größere Gruppe aus der Gnesener Gegend hatte entsetzliche Verluste. Von ungefähr 700 Internierten sind nur ein Zehntel zurückgekehrt. Aus Westpreussen und den Raum Bromberg mündeten fast alle Verschlepptenzüge bei Lowitsch.

Aus der Weichselniederung im ehemaligen Kongreßpolen führten die Polen vier verschiedene Transporte nach Osten. Den ersten wiederum ins KZ Bereza Kartuska, den zweiten bis nach Wolhynien in die Gegend von Kostpol, den dritten nach Sochatschew und Blonia, den vierten nach Sochatschew.

Aus Lodsch(Litzmannstadt) gingen zwei große Transporte, teils auf der Bahn, teils zu Fuß über Warschau, Minsk und Stoczek, wo die Wehrmacht sie befreite.Aus Wolhynien und Galizien gingen mehrere Transporte ins KZ Bereza Kartuska.

Die polnischen Konzentrationslager

Gleich zu Beginn der Versailler Eigenstaatlichkeit Polens nach dem ersten Weltkrieg wurden folgende zwei Konzentrationslager für Deutsche in Polen errichtet:

Szcypiorno, im Posener Gebiet, errichtet 1918

Stralkowo, auch im Posener Gebiet, errichtet 1919

In diese Lager wurden ca. 16.000 Deutsche eingesperrt. Diese beiden Lager waren die ersten KZs in Europa.

Von 1920-1939 haben über eine Million Deutsche zwangsweise Polen verlassen müssen, und zwar nicht selten fluchtartig.

Zu Pilsudskis Zeit wurden dazu noch folgende Konzentrationslager in Polen für Deutsche und Ukrainer, aber auch für politische Gegner und polnische Oppositionelle errichtet:

Bereza Kartuska (Galizien), errichtet 1926

Brest Litowsk, errichtet ebenfalls 1926.

In der Zeit von März bis September 1939, also noch vor Beginn des 2. Weltkrieges (am 1.9.1939) wurden in Polen mehr als 50.000 Deutsche interniert und waren schweren Mißhandlungen ausgesetzt.

Im Jahre 1939 errichtete Polen folgende bekannte Konzentrationslager neben einigen kleineren KZs für Deutsche:

Chodzen, eine ehemalige Zuckerfabrik zwischen Leslau und Kutno. Hier wurden in den ersten Septembertagen 1939 etwa 7.000 Deutsche – verschleppte Volksdeutsche – , darunter Frauen und Kinder sowie Greise und auch Krüppel inhaftiert und malträtiert.

Bromberg

Den Höhepunkt der polnischen Deutschen-Verfolgung bildeten die viehischen Morde an den Volksdeutschen am 3. September 1939 hauptsächlich in Bromberg mit zunächst „nur“ 5.437 erfaßbaren Opfern. Diese Schandtaten sind als „Bromberger Blutsonntag“ in die Geschichte eingegangen.

Im August/September 1939 veranlaßten die polnischenBehörden die Einsammlung von unzähligen Volksdeutschen aller Altersgruppen, Männer wie Frauen und setzten sie in schier endlosen Todesmärschen nach Kutno, Lowitsch, Warschau, Sochaczew, Blonia, Kostpol und quer durch Wolhynien und Galizien nach Bereza-Kartuska in Bewegung.

Im Jahre 1945 kamen folgende polnische Konzentrationslager im altpolnischen Gebiet sowie in den deutschen Ostgebieten hinzu:

Potulice bei Bromberg in Westpreußen (wurde erst 1949/50 aufgelöst)

Lamsdorf bei Falkenbergin, Oberschlesien. In diesem KZ wurden allein 6.048 Deutsche (Volksdeutsche) von insgesamt rund 8.000 auf unmenschliche Weise in den Jahren 1945/46 von den Polen umgebracht. Die Leiden der Deutschen in diesem Lager sind unter dem Begriff „Die Hölle von Lamsdorf“ bekanntgeworden.

KZ Tost bei Gleiwitz in Oberschlesien
KZ Myslowitz, ebenfalls in Oberschlesien
KZ Granowo bei Lissa
KZ Sikawa bei Lodz(Litzmannstadt)
KZ Jaworzno bei Tschenstochau.

Es gab noch eine Reihe weiterer weniger bekannter polnischer Vernichtungslager für Deutsche in dem kongreßpolnischen Gebiet bzw. in den deutschen Ostgebieten, wie z.B. KZ Quellengrund und KZ Kreuzberg in Oberschlesien.

Das Bundesarchiv in Koblenz hat für das Gebiet östlich der Oder und Neiße die erschreckende Zahl von 1.255 KZs in Polen ermittelt, abgesehen von 227 Gefängnissen, in denen Gewalttaten an unschuldigen Deutschen begangen wurden. Insgesamt sind in den Jahren von 1945 – 1947 ca 2.3Millionen Deutsche auf der Flucht aus den Oder-Neiße-Gebieten, in polnischen Vernichtungs- und Konzentrationslagern und in polnischen Gefängnissen „gestorben“, und zwar nur deshalb, weil sie Deutsche waren. Diese Aufstellung ist das Ergebnis der Auswertung zahlreicher Quellen deutscher und internationaler Herkunft.

Die unzähligen polnischen Gewalttaten und politischen Morde gegenüber Volksdeutschen durch polnische Terroristen, die nicht in berüchtigten Massenlagern und Gefängnissen durchgeführt worden sind, sondern heimlich und „geräuschlos“ vor sich gingen, sind zahlenmäßig gar nicht zu erfassen.

Buchtipp zum Beitrag:

* Gebundene Ausgabe: 318 Seiten
* Verlag: Arndt (Januar 1999)
* Sprache: Deutsch
* ISBN: 3887411544

Der Tod sprach polnisch. Dokumente polnischer Grausamkeiten an Deutschen 1919-1949

Zitat:

Vertreibungsverbrechen

Neben den polnischen Übergriffen seit 1919in Posen, Westpreußen und Oberschlesien und den Massakern des Jahres 1939, die als „Bromberger Blutsonntag“ in die Geschichte eingegangen sind, nehmen die polnischen Vertreibungsverbrechen und die Quälereien in polnischen Nachkriegs-KZs in diesem Werk breiten Raum ein. Mit neuen, bisher unbekannten grausamsten Dokumentarfotos von hingeschlachteten Deutschen wird die Bilanz des Schreckens belegt, den polnische Fanatiker in diesem Jahrhundert immer wieder unschuldigen deutschen Zivilisten – oft Frauen und Kindern – zufügten.

Die Vorgänger-Ausgabe:

* Gebundene Ausgabe: 408 Seiten
* Verlag: Arndt; Auflage: (Nachdruck der Ausgabe von 1940) (1995)
* ISBN: 3887411781

Dokumente polnischer Grausamkeiten. Verbrechen an Deutschen 1919-1939 nach amtlichen Quellen.

Der dokumentierte polnische Terror

Zur Einleitung muß man noch mal die Situation nach dem 1.WK verdeutlichen, wo Pilsudski sofort in den nichtpolnischen Gebieten damit beganneine ethnische Slawisierung anzukurbeln. Während in den ehemaligen deutschen Provinzen Posen und Westpreußen bis 1920 1.200.000 Deutsche gelebt hatten, sank diese Zahl nach 10-jähriger Polenherrschaft auf 350.000. Die ländliche deutsche Bevölkerung dieser Gebiete hatte 55 Prozent ihres Bestandes, die städtische 85 Prozent verloren. Die Beschlüsse des allslawischen Kongresses von Prag 1848 – wonach in hundert Jahren die slawische Volksgrenze Stettin-Triest erreicht werden sollte – näherte sich bereits damals ihrer Verwirklichung. Unaufhörliche und geradezu wahnsinnige Gebietsforderungen auf Kosten Deutschlands und anderer Nachbarn wurden von den polnischen Chauvinisten gefordert.Von Anfang anstand Pilsudski für Expansio und das mit beabsichtigter Hilfe dekatender westlicher Politiker. Sein Nichtangriffspakt mit Deutschland war ausschließlich ein taktischer Vertrag, um später selbst den beabsichtigten Kriegsbeginn gegen Deutschland zu bestimmen. Außer gegen Deutschland hat dieser Marschall gegen jeden seiner Nachbarn Krieg geführtund zwar durchgehend erfolgreich. Bevor er aber Deutschland angehen konnte, was sein Ziel war, starb er 1935.

Nach Ende des 1.WK begann also sogleich ein Krieg nach dem anderen, ein Genocidium gegen Deutsche und Ukrainer, ein unerbittlicher Kampf gegen alle Minderheiten in Polen. Damals schrieb der italienische Ministerpräsident und Polenfreund: „Nicht die polnische Nation hat sich konstituiert, man hat einen polnischen Militärstaat geschaffen, dessen Hauptaufgabe darin liegen soll, auf Deutschlands Zerfall hinzuarbeiten. Nicht das polnische Polen ist entstanden, sondern ein riesiger Staat, der so wie er da ist, nicht lange leben kann.“ Was für eine treffende Analyse! Die Polen lebten zuPilsudskis Zeiten nachweisbar mit allen Nachbarn – wie auch mit ihren Minderheiten – in Zank und Feindschaft!

Höhepunkte des Deutschenhaßes war die Zeit von Märzbis September 1939. Im März 1939 wurde zwecks wirtschaftlicher Ausschaltung der stets loyalen deutschen Volksgruppe in fast allen polnischen Zeitungen dieser Boykottaufruf veröffentlicht: „Die Deutschen in Polen heben den Kopf. Aufgrund dieser Provokation muß die polnische Allgemeinheit den illoyalen Bürgern eine entsprechende Abfuhr erteilen.“

Bereits 1936 hat das Innenministerium des faschistischen Polen „Richtlinien zur Behandlung der deutschen Minderheit in Polen erlassen“. Diesem ersten Akt von verbrecherischen Staatsterrorgegen die ehemaligen Reichsdeutschen folgte vom sogenannten „Ausschuß für Nationalitätenfragen“ am 19.Dezember 1938 eine drastische Verschärfung. Es wurde nur ein Jahr nachder „Minderheitenerklärung“ eine „radikale Lösung der deutschen Minderheitenfrage“ angestrebt. Es war nichts anderes als ein Vernichtungsbeschluß gegenüber den Deutschen in Polen.

Die Maßnahmen daraus:

Diejenigen Polen, die in deutschen Geschäften kaufen oder deutsche Lokale aufsuchen, werden öffentlich gebrandmarkt.

Alle polnischen Firmen müssen ausschließlich polnische Jugend und polnische Arbeiter beschäftigen.

Alle Schreiben, die an die Behörden, Büros und Firmen in deutscher Sprache abgefaßt werden, müssen unbeantwortet bleiben.

Es wurde sich zum Ziel gesetzt:

Das Verbot des Erwerbs von Grundstücken oder von Konzessionen durch Deutsche; die Aberkennung aller Staatsaufträge und Aufträge der Kommunalbehörden an deutsche Firmen.“

Aus der Berichterstattung einer einzigen deutschen Zeitschrift, der Augustausgabe 1939 des Thorner Ordenskreuzes, ist ersichtlich, welches wütende Inferno im Sommer 1939 über die Volksdeutschen hereingebrochen war, das in Anbetracht seiner Ausmaße als Beginn eines Genocid betrachtet werden kann.

Diese Überschriften werden die Untaten von damals in der Geschichte niemals zum Erlöschen bringen:

„Offener Terror… deutsche Schulen und Ferienkolonien geschlossen… deutsches Kirchengut beschädigt… deutsche Betriebe geschlossen… Verbote… Verhaftungen… Entlassungen… ein ganzes deutsches Dorf ausgesiedelt… Kirchenglocken mundtot gemacht… Friedhofsfrevel… Steine gegen die Kirche…“

Der polnische Publizist Studnicki erinnerte sich anfolgende Tatsachen: Das polnische Konzentrationslager Chodzen – eine ehemalige Zuckerfabrik zwischen Wloclawek und Kutno – in dem in den ersten Septembertagen 1939 ca. 7.000 verschleppte Volksdeutsche – darunter Frauen und Kinder, Greise und Krüppel – inhaftiert waren.

Für die Zeit der Gewaltverbrechen von April bis September 1939 gibt es keinen besseren und vor allem glaubwürdigeren Zeugen als den unvergessenen Posener Volkstumsforscher Dr. Kurt Lück, die damals in Polen hingemordeten Volksdeutschen in seinen Büchern „Marsch der Deutschen in Polen „und „Volksdeutsche Soldatenunter Polens Fahnen“ verewigte.

Kurt Lück berichtet:“ In den Monaten vom März bis September 1939 überschlug sich die Polenpresse geradezu in ihren Haßpredigten gegen alles Deutsche und gegen das Reich. So flogen bald Steine in deutsche Fensterscheiben und Häuser, bald wurden friedliche Bürger und Bauern von Banden überfallen und deutschsprechende Frauen und Kinder geschlagen. Zu Tausenden wanderten unsere Volksgenossen in die Kerker, unschuldig und unter den fadenscheinigsten Gründen. Tausende von Strafmandaten schneiten in die deutschen Wohnungen, Ausweisungsbefehle, anonyme Drohungen usw. Die staatsgewollte Slawisierung der deutschen Gebiete wurde geradezu hysterisch umgesetzt.

Folgende Terrormaßnahmen wurden beschlossen:

1. Allen in der Volkstumsarbeit tätig gewesenen Deutschen Spionage und Verschwörung anzudichten, um sie verhaften und erschießen zu können 2. alle Internierten, die auf dem Marsch nach Osten wegen Erkrankung oder aus Schwäche nicht mehr weiterkonnten, niederzuschießen, sobald ihr Transport Schwierigkeiten für die Begleitmannschaften verursachen würde

3. im Falle des Anrückens deutscher Truppen ganze Arbeit zu leisten, d. h. alle Internierten zu erschießen; 4. den Erschossenen und Erschlagenen alle Erkennungsgegenstände abzunehmen.

Bis zum Kriegsbeginn waren schon weit über 50000 Volksdeutsche inhaftiert. Aus Oberschlesien transportierten die Polen ungefähr 180 Männer und 20 Frauen auf der Bahn bis Wadowice. Von dort marschierten diese überMyslenice, Bochnia, Tarnow und Zamosc und dann gings weiter auf der Bahn bis Zapytow in Wolhynien, wo sie von deutschen Truppen befreit wurden. Aus Ostschlesien und dem Gebiet bei Biala ging ein Transport von 500 Männern und Frauen, darunter 13 Männner und eine Frau aus dem Dorfe Alzen, nach dem berüchtigten KZ Bereza Kartuska.

Aus den Posener Raum gingen folgende Züge ab:

Der Zug eins, der die Internierten von Samter, Birnbaum, Neutomischel, Wollstein usw. in Posen zusammenfaßte, und der sich über Wreschen, Stralkowo, Sompolno, Kutno bis Zychlin und Gombin zu Fuß ostwärts bewegte, zählte rund 300Mann, von denen nach und nach in Schwersenz, Wreschen, Schlesin, Wierzbin, Klodawa und Kutno etwa 120 Mann erschlagen wurden.

Der erste der Züge zwei bis vier, die die Internierten von Lissa, Schmiegel, Kosten, Moschin, Schrimm, Schroda, von Rawitsch, Gostin und von Jarotschin zusammenfaßte, zog am 2. September ostwärts über Peisern bis Warthbrücken (Kolo) und Turek. Die anderen beiden zogen am 3. und 4. September von Schroda über Peisern nach Warthbrücken, Kutno, Lowitsch und Gombin. Diese drei Züge zählten insgesamt 1.200 Mann, von denen nach und nach in Schrimm, Gora, Tulischkow, Tarnowa, Wladyslawow rund 400 Mann ermordet auf der Strecke blieben. Der Rest entging mit Mühe und Not dem gleichen Schicksal.

Der Zug fünf umfaßte die Internierten aus Obornik, Scharnikau, Kolmar, Wongrowitz, Rogasen, Schokken, Murowana, Goslin, Gnesen, usw. In einer Stärke von ungefähr 600 Mann zog er über Konin, Warthbrücken, Kutno, Lowitsch bis vor die Tore Warschaus. 440 Deutsche überlebten diesen Transport nicht!

Der sechste Zug mit Internierten aus Jarotschin undUmgebung hatte in Viehwagen auf der Bahn einen qualvollen Transport bis ins KZ Bereza Kartuska durchzumachen. Dort kamen ebenfalls viele ums Leben.

Der siebte Zug bewegte sich auf der Bahn, dann zu Fuß in östlicher Richtung nach Warschau. Es handelte sich um Volksdeutsche, die schon vor Ausbruch des Krieges unter den lächerlichsten Vorwänden verhaftet worden waren. Auch dieser Trupp hatte Verluste. Wenn nicht die Wehrmacht die Reste der Züge befreit hätte, dann wären auch diese noch ermordet worden.

Ein kleinerer Zug aus Gnesen wurde auf der Bahn über Hohensalza, Kruschwitz, Kutno, Zychlin gebracht und marschierte dann zu Fuß weiternach Lowitsch und Ilow. In dem deutschen Dorf Golowka Dolna wurden die Verschleppten von deutschen Truppen befreit. Eine zweite größere Gruppe aus der Gnesener Gegend hatte entsetzliche Verluste. Von ungefähr 700 Internierten sind nur ein Zehntel zurückgekehrt.

Aus Westpreussen und den Raum Bromberg mündeten fast alle Verschlepptenzüge bei Lowitsch. Aus der Weichselniederung im ehemaligen Kongreßpolen führten die Polen vier verschiedene Transporte nach Osten. Den ersten wiederum ins KZ Bereza Kartuska, den zweiten bis nach Wolhynien in die Gegend von Kostpol, den dritten nach Sochatschew und Blonia, den vierten nach Sochatschew.

Aus Lodsch(später Litzmannstadt) gingen zwei große Transporte, teils auf der Bahn, teils zu Fuß über Warschau, Minsk und Stoczek, wo die Wehrmacht sie befreite.

Aus Wolhynien und Galizien gingen mehrere Transporte ins KZ Bereza Kartuska. Das ganze Geschehen um das Bromberger Massaker wurde bereits behandelt.

Am 25. August 2005 schloß in der Kommunalen Galerieder Stadt Darmstadt die erste Präsentation der Ausstellung „Größte Härte … Verbrechen der Wehrmacht in Polen“ ihre Pforten, um nun auf ihrem weiteren Weg durch die Republik in Bonn präsentiert zu werden. In Polen wird die polnischsprachige Fassung der Ausstellung bereits seit September 2004 gezeigt. Der deutsche Ausstellungsleiter Jochen Böhler promovierte im Dezember 2004 an der Universität zu Köln bei Jost Dülffer über dieses Thema, wobei er sich aber weitestgehend aus zahlreichen polnischen Regionalstudien bediente.

Kernthese der eng vom Darmstädter Deutschen Poleninstitut betreuten Ausstellung, die zusammen mit polnischen Wissenschaftlern am Deutschen Historischen Institut (DHI) in Warschau erarbeitet wurde, ist nach Böhler, der ebenfalls am DHI beschäftigt ist, „den deutschen Überfall auf Polen auch als Auftakt zum Vernichtungskrieg zu bezeichnen“. Damit solle einer „Legende“ widersprochen werden, welcherlaut Reemtsmas Schau über den „Vernichtungskrieg der Wehrmacht“ Vorschub geleistet worden sei. Denn diese habe kolportiert, daß ein verbrecherischer Charakter in der Kriegführung der Wehrmacht erst nach dem Angriff auf die Sowjetunion zum Prinzip geworden sei. So behauptet Böhler, es sei schließlich „allgemein bekannt“, daß „überall im Lande Brandstiftungen und Erschießungen durch reguläre Einheiten des deutschen Heeres stattfanden, denen ebenfalls Tausende polnische und jüdische Zivilisten sowie Kriegsgefangene zum Opfer fielen“.

Um diese Ausstellung als Beitrag zu den „geschichtspolitischen Kontroversen über die Täter- und Opferrolle der Deutschen im Zweiten Weltkrieg“ zu plazieren, die von der „nachfolgenden Vertreibung der Deutschen überschatten“ werde, hat sich folgerichtig auch das Warschauer Institut des nationalen Gedenkens daran beteiligt.

Proteste der Wehrmacht können dokumentiert werden

Sollten aber tatsächlich sechzig Jahre deutsche Militärforschung etwas übersehen haben? Daß ab Ende September im Sinne der von Reinhard Heydrich angeordneten „Flurbereinigung“ Sondereinheiten der SS, Ordnungspolizei und Danziger Gestapo polnische Intellektuelle liquidierten, war seit langem bekannt. Obwohl die zahlreichen Massaker der polnischen Armee, paramilitärischer Verbände und auch gewöhnlicher Zivilisten an den Volksdeutschen zu Kriegsbeginn für starke Erbitterung im Heer sorgten, können jedoch die scharfen und nachhaltigen Proteste der Wehrmachtführung wie aucheinfacher Soldaten und Unterführer bestens dokumentiert werden. Als besonderes Beispiel „größter Härte“ wird abermals die als Terrorangriff bezeichnete Bombardierung der Grenzstadt Wielun herausgehoben, die der Luftkriegsexperte Horst Boog in dieser Zeitung als eindeutig „taktischen Luftangriff im Frontbereich“ qualifizierte (JF 40/04).

Genau in der Ausklammerung dieser Fakten sowie der Nichtberücksichtigung dieser polnischen Verbrechen liegt der wesentliche Schwachpunkt der Ausstellung. Böhler folgt komplett der alten, erledigten Diversionsthese (nach der Volksdeutsche auf polnische Armeeverbände geschossen hätten und damit Opfer einer gerechtfertigten „Gegenwehr der polnischen Truppen wurden) und ist sich auch nicht zu schade dafür, die ermordeten Volksdeutschen von Bromberg und Umgebung am 3. September 1939 (dem Tag der Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs an das Deutsche Reich) auf einhundert bis dreihundert herunterzurechnen. Dabei hat der westpreußische Historiker Hugo Rasmus in jahrzehntelanger Arbeit ohne Widerspruch der polnischen Kollegen (zum Beispiel Wlodzimierz Jastrerebski) akribisch die Opferzahl nur aus Bromberg mit 981 Ermordeten ermittelt.

Bei der Schilderung der Vorgänge Anfang September 1939 folgt die Ausstellung komplett und uneingeschränkt der polnischen Diktion. Die Ausstellungsmacher begnügen sich mit einer analysefreien Aneinanderreihung einer deutschen Gewalttat gegen Polen an die andere. Dank der Nichtberücksichtigung maßgeblicher Standardwerke und der Ergebnisse der Posener Gräberzentrale, die wissenschaftlich fundiert die tausendfachen Übergriffe und Morde an der deutschen Minderheit in Polen gleich zu Beginn des Krieges dokumentiert, erstrahlt das Bild der polnischen Feinde der Wehrmacht in betäubender Makellosigkeit. Entgegenstehende Forschungsmeinungen werden ignoriert, Zahlenkaskaden nur mit polnischen Forschungsergebnissen belegt.

Mit der Wahrheit, die wir uns im deutsch-polnischenVerhältnis schuldig sein sollten – so die Ausstellungsmacher -, hat ihre Methode kaum mehr etwas zu tun. Hier wird eine Ausstellung publiziert, die den Leidensweg der Volksdeutschen im polnischen Machtbereich im September 1939 völlig ignoriert. Plakate, Ton und Tenor verraten eine Selbstgerechtigkeit, die ebenso abwegig wie töricht ist.

Mit der Zuspitzung des deutsch-polnischen Konfliktes ab dem März 1939 geriet die deutsche Volksgruppe in Polen zunehmend in Bedrängnis. Die Haltung des polnischen Staates und der polnischen Bevölkerung wurde immer feindseliger undartete in den Sommermonaten vor Kriegsbeginn 1939 in offene Verfolgung (71 ermordete Volksdeutsche sowie 70.000 volksdeutsche Flüchtlinge vor Kriegsausbruch) aus.

Den Höhepunkt der Leidenszeit brachte der Kriegsausbruch. (Der Sender Warschau funkte ununterbrochen den geheimnisvollen Befehl: „Uwaga! Uwaga! Instrukcje K 03031 wykonac! – Achtung! Achtung! Die Dienstanweisung K 03031 ausführen!) Der Begriff „Bromberger Blutsonntag“ umfaßt alle Pogrome an Volksdeutschen in Polen im September 1939, auch das Blutbad unter den volksdeutschen Weichselbauern unddie Ausrottung der gesamten männlichen volksdeutschen Bevölkerung in Slonsk an der Weichsel und Dembina in Mittelpolen.

Diese deutsche Inselsiedlung Dembina zählte etwa zehn deutsche Bauerngehöfte. Vermutlich wurden die fremden polnischen Soldaten durch Polen aus den Nachbardörfern genauestens darüber aufgeklärt, wessen Söhne in den letzten Monaten nach Deutschland geflohen waren. Am 11. September begann das Morden. Alle Männer, die nicht vorher geflohen waren, wurden getötet – durch reguläre polnische Armeeeinheiten. Am 30. September gruben volksdeutsche Bauern, die sich zum Tatzeitpunkt versteckt gehalten hatten, zusammen mit Wehrmachtsoldaten das Massengrab aus – die meisten Ermordeten wiesen grausame Bajonettstiche auf. Der Kirchendiener von Moosburg gab später im Posener Tagblatt (25. April 1940) einen erschütternden Bericht darüber ab. Am Sonntag, dem 3. September 1939 erreichten die Verschleppungsmärsche ihren Höhepunkt.

Für die deutschen Bewohner Polens begann das bishertraurigste Kapitel ihrer Geschichte mit den ungeheuren Blutopfern in den ersten Septembertagen 1939 bis zum Einmarsch der deutschen Truppen. Beispiele wie diese eindeutigen Kriegsverbrechen finden in „Größte Härte …“ keine Berücksichtigung. So werden die inder Ausstellung präsentierten Beispiele von der Verfolgung und Liquidierung „polnischer Partisanen“, die man seitens der siegreichen Deutschen – berechtigterweise oder oft auch zu Unrecht – dieser Mordtaten bezichtigte, ohne einen Kausalzusammenhang gezeigt.

Todesmärsche finden keine Erwähnung in der Ausstellung

Unter der Einwirkung einer antideutschen Propagandaund einer künstlich erzeugten Spionen- und Diversanten-Psychose fanden mehr als 5.000 Volksdeutsche den Tod. Massenerschießungen durch das polnische Militär fanden auch in Wierzbie bei Sompolno, Tarnowo bei Turek statt. Todesmärsche, unvorstellbare Verstümmelungen und Mißhandlungen, mittelbar von der polnischen Armeeführung und den Behörden in Kauf genommen, sind den Ausstellungsmachern keine Erwähnung wert. Daß dies geschah, bevor sich das NS-Regime mit seinen Verbrechen etablieren konnte, bleibt ausgeblendet. Es war also eine Zeit, in der sich noch niemand in Polen auf die Untaten des deutschen Unrechtsregimes berufen und behaupten konnte, aus Rache blind zu handeln.

Auch dürfte eine Ausstellung zum September 1939 dasVerhalten der zurückflutenden polnischen Armee nicht unberücksichtigt lassen. Am Mittwoch, dem 13. März 1940 titelte der Ostdeutsche Beobachter in Posen: „Polnische Morde an volksdeutschen Soldaten. Eidesstattliche Erklärung eines Nationalpolen: eine einzige Kompanie erschoß dreißig Volksdeutsche aus ihren eigenen Reihen.Insgesamt sind bisher 5.200 von den Polen eingezogene Deutsche als vermißt festgestellt.“

Obwohl die Presse im Nationalsozialismus dem Auftrag des Propagandaministeriums oft willfährig folgte, muß diese Zahl dennoch stutzig machen, steht sie doch im Kontrast zu den offiziell von Hitler zu propagandistischen Zwecken stets behaupteten 58.000 Opfern unter den Volksdeutschen.

So gab Pawel Pawliczak aus dem polnischen Infanterieregiment 58, 9. Ersatzkompanie, vor der Zentrale für Gräber ermordeter Volksdeutscher in Posen eine eidesstattliche Erklärung ab, in der er ausführlich die Ermordung von dreißig Kameraden und auch Zivilisten auf Befehl der Kompanieoffiziere schilderte, die als Angehörige der deutschen Minderheit in der polnischen Armee dienten. „Auf dem Rückmarsche nachWarschau wurden dann noch weitere Deutsche aus unserer Truppe erschossen. Zusammen mögen es ungefähr zwanzig gewesen sein. Ich war bei allen Erschießungen Augenzeuge, doch wurde ich selbst nie zum Erschießen abkommandiert. Untersuchungen und Standgerichte haben nicht stattgefunden. ‚Co szwab, to szpieg, nie potrzebuje zyc‘, – Wer ein Deutscher ist, ist ein Spion und braucht nicht zu leben, das war die Begründung für die Erschießung. Ferner hat unsere Truppe auf dem Marsche regelmäßig jeden Deutschen erschossen, der Zivilkleidung anhatte. Wenn ich mich nicht irre, so sind allein von meinerKompanie mehr als zehn solcher Zivilisten erschossen worden. (…) In der Nähe vonWarschau habe ich mit eigenen Augen gesehen, daß vier Deutsche, ein Mann, eine Frau undzwei Kinder mit den Zungen an den Tisch genagelt waren.“

Eine wissenschaftliche Fundierung vermißt man oft

Von der Posener Gräberzentrale wurde festgestellt, daß von den mehr als 5.200 verschollenen volksdeutschen Soldaten (ihre Militärpässe wurden mit einem roten Stempel gekennzeichnet) die Mehrzahl von ihren eigenen „Kameraden“ erschossen worden sein muß. So hat nach dem Zeugnis des Lehrers Otto Leischner aus Slonsk selbst der in deutscher Gefangenschaft befindliche General Wladislaw Bortnowski (Befehlshaber der Armee „Pomorze“ – er starb 1966 in einem Krankenhaus bei New York) erklärt: „Alle Deutschen müssen ausgerottet werden“.

Unstreitig sind auch von der Wehrmacht im September1939 Einzelverbrechen verübt worden, deren Ursache nichts mit den vorherigen Übergriffen an Deutschen zu tun gehabt haben. Allzu oft vermißt man aber eine wissenschaftliche Fundierung der geschildeten Fälle. In der Regel werden die deutschen Verbrechen so dargestellt, als folgten sie einem von der Wehrmachtsführung angeordneten gängigen Prinzip, dessen stichhaltigen Beleg man jedoch vergeblich erwartet.

Grundsätzlich ist die Veröffentlichung von Kriegsverbrechen für die Nachwelt von Nutzen, um die Abscheulichkeit des Krieges an sich deutlichzu machen. Wenn aber über Verbrechen der Wehrmacht berichtet wird, muß auch das Verhalten des militärischen Gegners bildlich und textlich in der Ausstellung manifestiert werden, denn schließlich werden gerade durch die Ausstellung „Größte Härte“ nach Reemtsmaschem Vorbild viele eher unbedarfte Schulklassen durchgeschleust. Nur eine objektive Darstellung kann tatsächlich der Verständigung und Aussöhnung dienen.

„Schlagt die Deutschen nieder, wo ihr sie trefft!“

Eine unbeachtete Quelle mit historischem Sprengstoff: Die Posener Gräberzentrale über die Morde an Volksdeutschen in Polen 1939 von Markus Krämer

„Es ist eines Mitglieds des Deutschen Bundestages unwürdig, Legenden aus dem rechtsradikalen Milieu zu verbreiten. Mit ihrer Verdrehung von Täter-Opfer-Bildern gibt Frau Steinbach den Vorwürfen recht, sie betreibe Geschichts-Revanchismus.“ Mit viel Schaum vor dem Mund verurteilte jüngst die Bundestagsfraktion der Grünen die Aussage Erika Steinbachs im Deutschlandfunk: „Ohne Hitler, ohne den Nationalsozialismus hätten all die Wünsche, Deutsche zu vertreiben, die es in der Tschechoslowakei schon davor gegeben hat, die es in Polen schon davor gegeben hat, niemals umgesetzt werden können. Hitler hat die Tore aufgestoßen, durch die andere gegangen sind, um zu sagen, jetzt ist die Gelegenheit, die packen wir am Schopfe.“ Diese Aussage könne durch keinen Historiker belegt werden, wußte der europapolitische Sprecher, Rainder Steenblock, ganz genau.

Tatsächlich lassen sich gewiß Historiker finden, die derart wenig über das deutsch-polnische Verhältnis oder die Außenpolitik Warschaus vor 1939informiert sind, um mit gleicher Verve die von Streinbach ausgesprochene Selbstverständlichkeit zu verurteilen. Diese Historiker werden auch ungläubig mit dem Kopf schütteln, sollte man ihnen die konsequente „Entdeutschungspolitik“ nach 1919 vor allem in den Westgebieten des jungen polnischen Staates oder die Unterdrückung, Verfolgung und schließlich der Ermordung der Volksdeutschen nach dem 1. September 1939 beschreiben. Zumindest die aktuelle Forschungsarbeit zu diesem Zeitabschnitt, die entgegen der Untersuchung deutscher Kriegsverbrechen in Polen nach 1939 keine Regalmeter beanspruchen kann, könnte einen zaghaften Aufschluß über die Ahnungslosigkeit der von den Grünen konsultierten Historiker geben. Anhand von seit Jahrzehnten weitgehend verwaisten Dokumenten der Posener Gräberzentrale sei hier ein signifikantes Beispiel angeführt.

Um die 5.000 Volksdeutsche wurden von Polen ermordet

Anfang 1939 ließ die polnische Regierung Listen aller Deutschen innerhalb Polens aufstellen, die im Falle eines Krieges zu verhaften wären. Presse, Rundfunk und die Führer der polnischen Parteien hatten schließlich propagandistisch die Überzeugung genährt, daß die Angehörigen der deutschen Minderheit Staatsfeinde seien, ungeachtet der Tatsache, daß viele Volksdeutsche bereits dienstpflichtig in die seit April 1939 teilmobilisierte polnische Armee eingezogen worden waren. Auch zahlreiche polnische Geistliche fielen lautstark in diesen Chor der Verleumdung ein. Am 20. August 1939 rief schließlich der oberschlesische Woiwode Micha Graczyñski dem Verband der Aufständischen Polensin öffentlicher Versammlung die Worte zu: „Schlagt die Deutschen nieder, wo ihr sie trefft!“

Diese Parole wurde der schreckliche Leitsatz für das Inferno der letzten Wochen vor Kriegsausbruch und danach. Am 25. August 1939, also vor Kriegsausbruch, beganndie Verhaftung und Verschleppung von 15.000 Deutschen ins Landesinnere. Mehr als 5.000 Volksdeutsche fanden bei den Verschleppungen und örtlichen Massakern ab dem 3. September – vor allem im Korridorgebiet und in Westposen – den Tod.

Bluttaten an Deutschen bei Beginn des Krieges bis zum Einmarsch der Wehrmacht waren in ganz Polen zu verzeichnen. Allerdings lassen sich mehrere Schwerpunkte der Ausschreitungen erkennen. Besonders die aus dem Gebiet von Posen und dem „Korridor“ kommenden Verschlepptenzüge in den Raum zwischen Sompolno und Kutno, wo bis Mitte September polnische Truppenverbände eingeschlossen waren, sind grausamer Verfolgung und Ermordung der in einem erbitterten Abwehrkampf stehenden polnischen Soldaten ausgesetzt gewesen. Neben den bekannten blutigen Ereignissen in Bromberg (981 Ermordete) registrierte man im Nachbarkreis Hohensalza 471 Ermordete. Im Posener Gebiet ragen der Kreis Obornik mit 215 Toten und Vermißten, der Kreis Kosten mit 153 und der Kreis Wreschen mit 96 Opfern hervor. Hoch war die Zahl der ermordeten Volksdeutschen auch unter den Deutschen in Mittelpolen. Hier wurden besonders die Kreise Nieszawa mit 165 und Lipno mit 80 Toten und Vermißten getroffen. Hohe Verluste unter den Deutschen gab es außerdem in den Kreisen Sochaczew (154), £ód (97), £ask (40), Gostynin( 34) – dort existierten viele deutsche ländliche Siedlungen.

Bis heute gehört die Opferzahl dieser Massaker zu den neuralgischen Punkten im deutsch-polnischen Verhältnis, obwohl deutscheSchulbücher den Septembermorden seit langem keine Aufmerksamkeit schenken. Immer wieder begegnet man statt dessen in der historischen Forschung Verdrehungen von Tatsachen oder der Minimierung der deutschen Opferzahl bei der Darstellung der Ereignisse um den“Bromberger Blutsonntag“. Das Andenken der Opfer jener Septembertage 1939 hat dadurch schwer gelitten, daß man ihre Zahl durch jene „Sprachregelung“ des Reichspropaganda-Ministeriums vom 7. Februar 1940 von über 5.000 Toten auf 58.000 mehr als verzehnfacht hat. Als der Nationalsozialismus zusammengebrochen war, brach auch diese Fälschung zusammen. Der Fluch der falschen Zahl durch die Verzerrungen der nationalsozialistischen Propaganda gab beflissenen deutschen Historikern, insbesondere aber der polnischen Geschichtsdarstellung den Vorwand, nun alles als Fälschung zu bezeichnen, was im Zusammenhang mit den Septembermorden ermittelt und veröffentlicht worden ist.

Durch die Eigeninitiative des volksdeutschen Historikers Kurt Lück wurde Anfang Oktober 1939 in Posen die Zentrale für die Gräber der ermordeten Volksdeutschen in den eingegliederten Ostgebieten eingerichtet. Ihr Sitz war am Kaiserring, einem Teil des breiten Posener Parkgürtels in einem kleinen Landhaus. Lücksollte bei Kriegsausbruch wie andere deutsche Intellektuelle von den Polen verschleppt und sogar exekutiert werden, doch er konnte dank seiner Sprachkenntnisse fliehen und sich bis zum Einmarsch der deutschen Truppen verborgen halten.

Da der 1900 in Kolmar/Provinz Posen geborene Lück zu den wenigen wissenschaftlichen Honoratioren gehörte, die in Posen zur Stelle waren, als die Wehrmacht einmarschierte, wurde ihm die Leitung der dortigen Geschäftsstelle der Volksdeutschen übertragen, außerdem initiierte er die Gründung der Gräberzentrale (GZ).Hier leitete er die Untersuchungen über die Verschleppungen und Ermordungen der Volksdeutschen und sammelte dabei das Material für die beiden Publikationen „Marsch der Deutschen in Polen“ und „Volksdeutsche Soldaten unter Polens Fahnen“, in denen er das tragische Schicksal vieler Volksdeutscher enthüllte. In einem Gespräch mit dem Journalisten Heinz Bürgervom NS-Parteiblatt Völkischer Beobachtererläuterte Lück seine Vorgehensweise und bezog Stellung zu einer ersten Opferbilanz. Danach wurden alle neu geschaffenen Landratsämter aufgefordert, statistisches Material über die Vermißtenzahl und deren Namen ausDörfern, Städten und Kreisen zu übersenden. Zusammen mit seinen Mitarbeitern, einemDr. Schmidt aus Breslau und Pfarrer Lic. Karl Berger, beabsichtigten sie auch, die Ermordeten und in Massengräbern Verscharrten anständig zu begraben und den Angehörigen Gewißheitüber deren Schicksal zu geben. Berger verwies aber darauf, daß bei ihren „Bergungsfahrten“ bis zum Stillstand der Grabungsaktionen wegen des Einbruchs schweren Frostes im Winter 1939/1940 die Zuordnung von Namen und Herkunft sehr schwierig gewesen sei. Die oft schrecklich verstümmelten Toten seien ausnahmslos bestohlen worden – auch die Papiere fehlten meistens. Nur anhand von Stoffproben oder signifikanter Kennzeichen konnten Angehörige in einigen Fällen die Identität klären.

Bis zum 20. Dezember 1939 waren allein von Posen aus 26 Suchexpeditionen unternommen worden. Dabei konnten allein im Gebiet Westposen 455 Ermordete geborgen und bestattet werden. 285 Tote wurden zweifelsfrei identifiziert. Bei der Bestimmung der Todesursache untersuchten Mediziner die Schußwunden nach Hinweisen (Einschußstelle und -winkel, Entfernung, Schmauchspuren etc.), ob das Opfer exekutiert wurde. Wertvolle Beweismittel waren dabei auch Augenbinden, Fesseln oder Projektile, die darauf hinwiesen, wie ein Opfer getötet worden ist. Lück konstatierte, daß man die meisten Vermißten wohl der Zahl der Toten hinzurechnen werden müsse.

Für die ehemalige preußische Provinz Posen ergaben sich allein aus den Listen bis zum 20. Dezember 1939 1.500 Tote (Ende Januar 1940 bereits 1.888 Tote) und Vermißte, aus Westpreußen ungefähr 2.000 Tote. Die Dokumentensammlung des Auswärtigen Amtes (Weißbuch Nr. 1) meldet schließlich Ende Dezember 1939 5.437 Ermordete. Diese Zahlenangaben sollten sich sowohl in der Abschlußbilanz der Gräberzentrale im Mai 1942 als auch durch die Untersuchungen des Bundesarchives 1969 sowie durch weitergehende Untersuchungen der Landeskundlichen Kommission für das Deutschtum in Posen und Polen bestätigen. Lücks damalige Zahlenprognose für andere Gebiete in Polen („Kongreßpolen“, Galizien, Wol-hynien und Ostoberschlesien) erwiesensich später als zu hoch gegriffen. Aus dem vorliegenden Tatsachenmaterial ging aber mit eindringlicher Klarheit hervor, daß sich die Internierung, Verschleppung und Ermordung der Volksdeutschen in ganz Polen unter den gleichen äußeren Umständen abspielte. Überall wurden die gleichen konstruierten Vorwürfe vorgebracht: Spionage, Beschießung, Sabotage.

Am 10. Januar 1940 veröffentlichte Lück eine Zwischenbilanz im Ostdeutschen Beobachter für die ehemalige Provinz Posen: Unter den 1.030 einwandfrei nachgewiesenen Todesopfern befanden sich 70 weibliche Personen, von denen die jüngste 15 Jahre und die älteste 79 Jahre alt war. Weitere 858 Personen,davon 26 Frauen galten ebenso wie 244 volksdeutsche Soldaten in der polnischen Armee als vermißt. Insgesamt ergab das die Opferzahl von 2.132 nur für die ehemalige preußische Provinz Posen.

Kein Historiker forscht über den Posener Aktenbestand

Die seriösen Forschungsergebnisse von Lück wurden allerdings durch die berüchtigte „Sprachregelung“ des Reichspropaganda-Ministeriums aus dem Februar 1940 konterkariert, durch die die Zahl von 5.437 Ermordeten im WeißbuchNr. 1 nun in der von Hans Schadewald herausgegebenen zweiten Auflage des Weißbuches (Die polnischen Greueltaten an den Volksdeutschen in Polen, Berlin 1940, die erweiterte zweite Auflage erschien unter dem Titel: Dokumente polnischer Grausamkeit) verzehnfacht wurde. Nun war die Rede von 58.000 vermißten und ermordeten Volksdeutschen. Vondiesen 58.000 seien 12.857 (die Genesis dieser präzisen Zahl ist ungeklärt) mit Sicherheit identifizierte Ermordete. Die Zahl von 13.000 Ermordeten hielt auch der Generalreferent und Neffe Arthur Greisers, Gauleiter des Warthelandes, in seinen völlig unbeachteten Memoiren (Harry Siegmund: Rückblick. Erinnerungen eines Staatsdieners in bewegter Zeit. Kiel 1999) für durchaus möglich. Daß die Zahl von 58.000 nichts mehr mit der Wirklichkeit gemein hatte, war damals allen nur halbwegs eingeweihten Volksdeutschen bekannt, was allerdings Buchautoren bis heute nicht daran hindert, in rührender Naivität diese absurde Zahl immer wieder aufzugreifen.

Die Gräberzentrale mußte ihre Arbeit im Mai 1942 einstellen – kurz zuvor, am 5. März 1942 war Kurt Lück bereits als Dolmetscher an der Ostfront gefallen. Die unvollständige Abschlußbilanz sah folgendermaßen aus: Insgesamt waren 7.004 Karteikarten (darunter auch für Russen, Polen und Ukrainer) angelegt worden; nach Bereinigung der Kartei verblieben 3.453 Tote und 2.339 Vermißte. Lücks Prognose aus dem Jahr 1939, daß von diesen niemand mehr zurückkommen sollte, erfüllte sich übrigens. Trotz allem muß die Bilanz als unvollständig angesehen werden. Ein Datenabgleich mit der Wehrmachtsuntersuchungsstelle (WUst) sowie der Danziger Vermißtenstelle des RotenKreuzes (Veröffentlicht in Danziger Neueste Nachrichten vom 15. Oktober 1939) wurde beispielsweise nicht vorgenommen.

Der Historiker Hugo Rasmus vermerkt dazu völlig zutreffend: „Spätere Todeserklärungen durch Gerichte konnten danach nicht mehr registriert werden. Erheblich dürfte die Zahl der unbekannt gebliebenen und der nicht aufgefundenen ermordeten Deutschen sein, die in der Gräberzentral-Kartei kaum registriert worden sein dürften. Es ist zweifelhaft, ob die nicht identifizierten Toten, die lediglich eine Bergungs-Nummer erhielten, in der übermittelten Kartei der GZ enthalten sind.“ (Pommerellen/Westpreußen 1919-1939, München 1989)

Bei der überstürzten Flucht von Gauleiter Greiser und seinem Stab am 20. Januar 1945 vor der anrückenden Roten Armee verblieb der umfangreiche Aktenbestand und die Kartei der GZ in Posen. Durch Vermittlung des polnischen Historikers Henryk Altman vom polnischen West-Institut gelangte eine Kopie der Kartei 1959 ins Bundesarchiv. Der umfangreiche Aktenbestand der Zentrale für die Gräber der ermordeten Volksdeutschen in den eingegliederten Ostgebieten kann heute aber auch problemlos im Staatsarchiv Posen (Archiwum Pañstwowe w Poznaniu) eingesehen werden, ein Findbuch (Nr. 303) erleichtert das präzise Arbeiten. Bis heute hat allerdings kein deutscher Historiker die mehr als 500 Archiveinheiten durchgesehen.

Durch Initiative der Zeitschrift Der Westpreußewurden in den fünfziger Jahren Erlebnisberichte gesammelt, diese vier Aktenbände sind heute im Bundesarchiv (Kennung Ost, Dok 7) zu finden. Aus diesen Erlebnisberichten, der Kartei der GZ sowie der Befragung von 6.000 noch lebenden Zeitzeugen errechnete das Bundesarchiv 1969 eine Opferzahl von mindestens 3.841 Personen, wobei jeder Mordfall immer durch zwei Zeugen bestätigt werden mußte. Es handelt sich hier also um den absolut niedrigsten gesicherten Wert. Dieser Zahl stimmte selbst der am polnischen Westinstitut tätige Historiker Karol Marian Pospieszalski in seinem Werk „Sprava 58.000 Volksdeutschow“ (Posen 1959) zu. Allerdings wurde an der Arbeit des BA Kritik laut, da Zeitungsberichte nur bis zum 15. November 1939 ausgewertet wurden.

Vor mehr als 35 Jahren hat die Historisch-Landeskundliche Kommission für Posen und das Deutschtum in Polen die umfassende und abschließende Untersuchung über das Schicksal der deutschen Volksgruppe im September 1939 angekündigt. Obwohl sie schon 1971 veröffentlicht werden sollte, ist sie bis heute nicht abgeschlossen. Mehrere an der Arbeit beteiligte Historiker (Gotthold Rhode, Richard Breyer, August Müller, Julius Krämer und Wolfgang Kohte) sowie beinahe alle Zeitzeugen sind nun inzwischen über diesen langen Zeitraum verstorben. Eine aus diesen Forschungen hervorgegangene Kurzfassung (Peter Aurich: Der deutsch-polnische September, Bonn 1969)erlebte immerhin drei Auflagen, konzentrierte sich aber ähnlich wie die Weißbücher fast ausschließlich auf das „Korridorgebiet“ und Posen und ließ viele Opfer ausanderen Teilen Polens oder der Armee unberücksichtigt. Das Werk wurde deshalb von volksdeutschen Zeitzeugen heftig kritisiert. 1997 hat sich die Kommission schließlich in „Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen“ umbenannt und das Projekt seitdem nicht weiter verfolgt.

Forschungsschwerpunkt deutsche Verbrechen 1939

Die Hauptarbeit an der geplanten Veröffentlichung übertrug Gotthold Rhode (1916-1990) im Jahr 1971 August Müller, der zu diesem Zeitpunkt bereits 76 Jahre alt war. Nichtsdestotrotz machte sich der ehemalige Oberschulrat des Regierungsbezirkes Bromberg mit Eifer an die Arbeit. Müller konnte noch viele Zeitzeugen befragen und ermittelte akribisch die in den siebziger Jahren feststellbare Zahl der Ermordeten.

Dabei handelte es sich natürlich nur um die Zeugen,die zwischenzeitlich nicht verstorben, gefallen oder der Vertreibung 1945 und danach zum Opfer gefallen waren. Auch Überlebende in der DDR und in Polen Verbliebene konnten nicht befragt werden. Seine hand- und maschinenschriftlich vorliegenden Forschungsarbeiten ruhen heute unbeachtet in der Dokuments-Sammlung des Herder-Institutes in Marburg. Bis in seine letzten Lebensjahre arbeitete er unermüdlich an der geplanten „Dokumentation der Ereignisse des September 1939 in Polen“. Aufgrund von Krankheit mußte Müller1985 seine Arbeit de facto beenden, zu einem Gesamtbericht kam der über 90jährige nichtmehr. Er verstarb am 24. April 1989 – seine wertvollen Arbeitsergebnisse sind erst seit einem Jahr zugänglich.

Müller konnte noch insgesamt 4.332 Ermordete und Vermißte Namen für Namen akribisch belegen, womit er wohl die Mindestzahl der Opfer festgesetzt haben dürfte. Inklusive der Dunkelziffer geht auch das Bundesarchiv von mindestens 5.000 Opfern aus, welche die Osteuropa-Historikern Gotthold Rhode und Jörg Konrad Hoensch ebenfalls häufig anführten. Abweichend von dieser Zahl kursieren auch andere Untersuchungen. So hatte ein A. Jaeschke, selbst Volksdeutscher aus Westpreußen, bis in die achtziger Jahre auf privater Basis eine Totenkartei von 5.997 Namen zusammengetragen. Ein Abgleich mit August Müller führte allerdings zur Streichung einiger Doppelungen. Auch die Aussage des damaligen Chefermittlers des Reichskriminalpolizeiamtes, Bernd Wehner, führt zu einer höheren Zahl. In einer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft Mannheim am 20. Mai 1964 sagte Wehner aus, „daß die Gesamtzahl der Getötetenbei 6.300 gelegen hat“.

Gegenwärtig ruhen alle Anstrengungen deutscher Osteuropahistoriker mehr bei der Aufarbeitung der „Verbrechen der Wehrmacht in Polenim September/Oktober 1939“, wobei besonders das Deutsche Historische Institut in Warschau (DHI) nahtlos an den Arbeitsschwerpunkt polnischer Historiker anknüpft. Eine gleichnamige Schau („Größte Härte …“) tourt seit September 2005 durch deutsche und polnische Städte, wo nach dem Vorbild der Reemts-maschen Wehrmachtsausstellung ganze Schulklassen durchgeschleust wurden. Der DHI-Historiker Jochen Böhler, der die Ausstellung mitkonzipiert hat, berücksichtigt in seinem Begleitbuch die Massaker an den deutschen Zivilisten – immerhin der erste völkerrechtswidrigeÜbergriff im Zweiten Weltkrieg großen Ausmaßes – in einer Fußnote auf der Seite 165. Die Opferzahl unter den Volksdeutschen gibt Böhler mit 2.000 an.“

Eine unbeachtete Quelle: die Posener Gräberzentrale zu den deutschen Opfern im Sommer 1939 in Polen

Quelle: F.W.Hohenstein aus Deutschland in Geschichte und Gegenwart

Zwanzig Jahre lang hatte die ZwischenkriegsrepublikPolen eine konsequente Entdeutschungspolitik betrieben, vor allem in den Westgebieten — ungleich härter, als es umgekehrt je der Fall gewesen war. Anfang 1939 ließ die polnische Regierung Listen aller Deutschen aufstellen, die im Falle eines Krieges zu verhaften seien. Presse, Rundfunk und die Führer der polnischen Parteien hatten schließlich die Bevölkerung Polens zur Überzeugung gebracht, daß alle Angehörigen der deutschen Minderheit Staatsfeinde und damit vogelfrei seien, obwohl ihre dienstpflichtigen Männer inzwischen eingezogen und in die polnische Armee eingereiht waren.

Leider stimmten zahlreiche polnische Geistliche besonders lautstark in diesen Chor der Verleumdung ein. Stimmen der Nächstenliebe und christlicher Toleranz waren nur allzu selten.

Am 20. August 1939 rief der oberschlesische WoiwodeGrazynski dem Verband der Aufständischen Polens in öffentlicher Versammlung die Worte zu: »Schlagt die Deutschen nieder, wo ihr sie trefft!«Diese Parole wurde der schreckliche Leitsatz für das Inferno der letzten Wochen vor Kriegsausbruch und danach. Am 25. August 1939, also vor Kriegsausbruch, begann die Verhaftung und Verschleppung von 15 000 Deutschen ins Landesinnere. Mehr als 5000 Volksdeutschefanden bei den Verschleppungen und örtlichen Massakern— vor allem im Korridorgebiet und in Westposen – den Tod.

Bis heute gehört die Opferzahl zu den neuralgischenPunkten im deutsch-polnischen Verhältnis. In sämtlichen deutschen Schulbüchern wird den Septembermorden keine Aufmerksamkeit geschenkt. Immer wieder begegnet manin der Zeitgeschichtsforschung Verdrehung von Tatsachen, wenn es darum geht, die Geschehnisse Anfang September 1939 in der damaligen Republik Polen darzustellen, die Verschleppungen und Ermordungen deutscher Menschen zu vertuschen. Von der Minimierung der Opferzahl bis zur Übernahme der grote-steen NS-Darstellung von 58 000 Ermordeten reicht die Spannweite der Darstellungen.

Das Andenken der Opfer jener Septembertage 1939 hatdadurch schwer gelitten, daß man ihre Zahl verzehnfacht hat. Ein Unheil ist durch jene >Sprachregelung< des Reichspropaganda-Ministeriums vom 7. 2. 1940 angerichtetworden, durch die die Zahl von über 5000 Toten auf 58 000 erhöht wurde. Als der Nationalsozialismus zusammengebrochen war, brach auch diese Fälschung zusammen. Jetzt setzte der Fluch der falschen Zahl ein. Er gab beflissenen deutschen Historikern und der polnischen Seite die Möglichkeit, nun alles als Fälschung zu bezeichnen, was im Zusammenhang mit den Septembermorden ermittelt und veröffentlicht wurde. Jetzt wurde nicht nur die Ermordung der 58 000 Deutschen als unwahr hingestellt, sondern auch die Ermordung der 5000 Volksdeutschen geleugnet.Im folgenden soll auf die Verzerrungen der nationalsozialistischen Propaganda hingewiesen und in Verteidigung der Opfer aus den Reihen der deutschen Volksgruppe die annähernd richtige Zahl herausgestellt werden.

Durch die Eigeninitiative des Volksdeutschen Historikers Dr. Kurt Lück wurde Anfang Oktober 1939 in Posen die Zentrale für die Gräber der ermordeten Volksdeutschen in den eingegliederten Ostgebieteneingerichtet. Ihr Sitz war am Kaiserring, einem Teil des breiten Posener Parkgürtels, in einem kleinen Landhaus.

Ad personam: Bei Kriegsausbruch sollte Lück wie andere führendedeutsche Männer von den Polen verschleppt werden, doch konnte er fliehen und sich in einer abgelegenen Siedlung verbergen. Schließlich doch noch von einem polnischen Soldatentrupp aufgespürt und zur Exekution abgeführt, konnte er sich dank seiner Sprachkenntnisse und seiner psychologischen Kenntnis der Polen herausreden und bis zum Einmarsch der deutschen Truppen verborgen halten.

Da Lück zu den wenigen führenden Männern gehörte, die in Posen zur Stelle waren, als die Wehrmacht einmarschierte, wurde ihm die Leitung derGeschäftsstelle der Volksdeutschem in Posen übertragen, außerdem regte er die Gründung der Gräberzentralean. Hier leitete der 1900 in Kolmar/Provinz Posen zur Welt Gekommene die Untersuchungen über die Verschleppungen und Ermordungen der Volksdeutschen und sammelte dabei das Material für die beiden Publikationen Marsch der Deutschen in Polenund Volksdeutsche Soldaten unter Polens Fahnen, in denen er das tragische Schicksal vieler Volksdeutscher enthüllte, die zugrunde gegangen waren.

In einem Gespräch mit dem Journalisten Heinz Bürger(VB) erläuterte Lück seine Vorgehensweise und bezog Stellung zu einer ersten Opferbilanz. Zunächst wurden alle neu geschaffenen Landratsämter aufgefordert, statistisches Material zu übersenden, wie viele Vermißte es in jedem Dorf, in jeder Stadt, in jedemKreis gab und wie sie hießen. Lück und auch seine engen Mitarbeiter, Dr. Schmidt (Breslau)und Pfarrer Lic. Berger,9 wiesen auf die Notwendigkeit hin, ermordeten Volksdeutschen, die wie Hunde verscharrt worden waren, ein anständiges Grab zu verschaffen und den AngehörigenGewißheit zu geben. Pfarrer Berger verwies in diesem Zusammenhang auf die Bergungsfahrten, die bis zum Einbruch schweren Frostes durchgeführt worden waren. Wenn die Ermordeten, die, irgendwo auf einem Acker am Waldrand oder an einer Mauer verscharrt, nach oft schwierigen Suchen gefunden worden waren, war es oft schwer, ihre Namen und ihre Herkunft ausfindig zu machen.

Die oft schrecklich verstümmelten Toten waren ausnahmslos bestohlen worden – auch die Papiere fehlten meistens. Anhand von Stoffproben und sonstigen Kennzeichen, die nach einer sorgfältigen Reinigung ausgestellt wurden, ferner anhand genauer Beschreibungen und einer Erkennungsmarke konnte die Identität der Toten dann mit Hilfe ihrer Verwandten festgestellt werden. Wertvolle Beweismittel waren unter anderem Augenbinden, Kugeln und Fesseln, die darauf hinwiesen, wie ein Opfer getötet wurde. Einzel- und Massengräber lieferten entscheidende Beweise für die Verfolgung von Kriegsverbrechen, insbesondere jene, bei denen es um außergerichtliche Exekutionen (hierin jedem Falle) und Angriffe gegen Zivilpersonen ging. Bis zum 20. Dezember 1939 sind allein von Posen aus 26 Suchexpeditio-nen unternommen worden. Dabei konnten 455 Ermordete geborgen und bestattet werden. 285 Tote wurden zweifelsfrei identifiziert. (Die Zahl bezieht sich auf Westposen.) Die Todesursache zu bestimmen ist eine komplexe Wissenschaft. Ein Experte, der eine Schußwunde untersucht, kann bestimmen, wo eine Person erschossen wurde, aus welcher Entfernung und in welchem Winkel die Kugel eintrat – alles Hinweise darauf, ob jemand hingerichtet wurde oder nicht.

Lück stellte fest, daß die meisten Vermißten der Zahl der Toten hinzurechnen seien. Für die alte Provinz Posen ergaben sich aus den Listen 1500 Tote (Ende Januar 1940 allerdings bereits 1888 Tote) und Vermißte, für das Korridorgebiet ungefähr 2000 Tote. Die Doku-mentensammlung des Auswärtigen Amtes Weißbuch Nr. 1 meldete dann Ende Dezember 1939: 5437 Ermordete. Diese Zahlenangaben sollten sich sowohl in der Abschlußbilanz der Gräberzentrale im Mai 1942 als auch durch die Untersuchungen des Bundesarchivs 196911 sowie durch weitergehende Untersuchungen (die unveröffentlicht blieben wegen des Todes des Bearbeiters) der Landeskundlichen Kommission für das Deutschtum in Posen und Polen bestätigen. Lücks Zahlenangabe (es lag erst wenig Material vor) für Kongreßpolen, Galizien, Wolhynien und Ostoberschlesien erwies sich später als zu hoch gegriffen. Zu den vorsichtigen Zahlenangaben siehe die vom Autor dieser Zeilen neugeschriebene Statistik nach den Unterlagen von Dr. Müller.

Aus dem vorliegenden Tatsachenmaterial ging mit eindringlicher Klarheit hervor, daß sich die Internierung, Verschleppung und Ermordung der Volksdeutschen im ganzen Land unter den gleichen äußeren Umständen abspielten. Überall wurden die gleichen konstruierten Vorwürfe vorgebracht: Spionage, Beschießung, Sabotage.Am 9. Januar 1940 veröffentlichte Lück eine Zwischenbilanz im Ostdeutschen Beobachter für die ehemalige Provinz Posen: Unter den 1030 einwandfrei als tot nachgewiesenen Opfern (weitere 858 galten als vermißt und 244 vermißte Volksdeutsche Soldaten – also insgesamt 2132 Opfer nur für die alte Provinz Posen, Stand Ende Januar 1940) befanden sich 70 weibliche Personen, von denen die jüngste 15 Jahre und die älteste 79 Jahre alt war. 26 weitere Frauen, die verschleppt worden waren, galten als vermißt.

Die Altersgliederung der Volksdeutschen männlichen Geschlechtes sah folgendermaßen aus:

Kinder bis zu drei Jahren: 3

Männer von 17 bis 60 Jahren: 894

Greise von 61 Jahren bis 86 Jahren: 47

In keinem Fall erfolgten standrechtliche Erschießungen, denen ein Gerichtsverfahren vorangegangen wäre.Vielmehr handelte es sich um einen von höchsten polnischen Behörden monatelang vor Kriegsausbruch organisierten Terror.

Tatsächlich machten polnische Armeeverbände es bei den in die Nähe von Warschau gelangten Verschleppungszügen so, daß sie wahllos Handgranaten in die Reihen der Volksdeutschen warfen oder mit Maschinengewehren hineinschossen.

Ein hoher Prozentsatz der Leichen wies außer Schußverletzungen auch Spuren von Schlägen mit stumpfen Gegenständen sowie Spuren von Stichen auf.

Das Posener Tageblatt über neue Opferfunde an Volksdeutschen!

Lücks seriöse Forschungsergebnisse wurden allerdings durch die berüchtigte Sprachregelung des Reichspropaganda-Ministeriums vom 7. 2. 1940 konterkariert, durch die die Zahl von 5437 Ermordeten (Stand November 1939 und bis Ende Januar 1940 nur leicht gestiegen, wegen des starken Winters ruhten weitgehend die Grabungsaktionen) im Weißbuch Nr. 1 jetzt in der 2. Auflage des Weißbuches (Hans Schadewald (Hg), Die polnischen Greueltaten an den Volksdeutschen in ‚Polen, Berlin 1940 – Die erweiterte 2. Auflage erschien unter dem Titel:Dokumente polnischer Grausamkeil) auf 58000 verzehnfacht wurden. Die 2. Auflage ging jetzt auf höhere Weisung von 58 000 Vermißten und ermordeten Volksdeutschen aus. Von diesen 58 000 seien 12 857 (die Entstehung dieser genauen Zahl ist ungeklärt) mit Sicherheit identifizierte Ermordete. Die Zahl von 13 000 Ermordeten hielt auch der Generakeferent und Neffe von Gauleiter Greiser in seinen Memoiren (Harry Siegmund, Rückblick. Erinnerungen eines Staatsdieners in bewegter Zeit, Kiel 1999, S.196) für durchaus möglich. Daß die Zahl von 58 000 nichts mehr mit der Wirklichkeit gemein hatte, war damals unter den Volksdeutschen Eliten durchaus bekannt, was allerdings Amateur-Historiker bis heute nicht daran hindert, in rührender Naivität diese absurde Zahl aufzugreifen.

Die Gräberzentrale mußte ihre Arbeit im Mai 1942 einstellen — zu diesem Zeitpunkt war Dr. Lück bereits als Dolmetscher an der Ostfront gefallen (5. 3. 1942). Ihre unvollständige Abschlußbilanz sah folgendermaßen aus: Insgesamt waren 7004 Karteikarten (darunter auch für Russen, Polen und Ukrainer) angelegt worden. Nach Bereinigung der Kartei verblieben 3453 Tote und 2339 Vermißte (von diesen kehrte niemand zurück). Trotz ihres aufopferungsvollen Bemühens muß die Bilanz als unvollständig angesehen werden. Ein Datenabgleich mit der Wehrmachtuntersuchungs-Stelle(WUST) sowie der Danziger Vermißtenstelle des Roten Kreuzes (siehe Danziger Netteste Nachrichten vom 15. Oktober 1939) wurde nicht vorgenommen.

Hugo Rasmus vermerkt dazu in seiner vorzüglichen Studie Pommerellen/ Westpreußen 1919-1939 (S. 143) völlig zutreffend: »SpätereTodeserklärungen durch Gerichte konnten danach nicht mehr registriert werden. Erheblich dürfte dieZahl der unbekannt gebliebenen und der nicht aufgefundenen ermordeten Deutschen sein, die in der Gräberzentral-Kartei kaum registriert worden sein dürften. Es ist zweifelhaft, ob die nicht identifizierten Toten, die lediglich eine Bergungs-Nr. erhielten, in der übermittelten Kartei der GZ enthalten sind.«

Bei der feigen Flucht von Gauleiter Greiser und seines Stabes am 20. Januar 1945 vor den anrückenden sowjetischen Armeen verblieb der umfangreiche Aktenbestand und die Kartei in Posen. Durch Vermittlung des polnischen HistorikersAltman vom polnischen West-Institut gelangte eine Kopie der Kartei 1959 ins Bundesarchiv.

Der umfangreiche Aktenbestand >Zentrale für die Gräber der ermordeten Volksdeutschen in den eingegliederten Ostgebieten kann heute problemlos im Staatsarchiv Posen eingesehen werden, ein Findbuch erleichtert das präzise Arbeiten. Bis heute hat kein deutscher Osthistoriker die mehr als 500 Archiveinheiten durchgesehen.

Untersuchungen nach Kriegsende

Durch Initiative der Zeitschrift Der Westpreuße(die heute jedes Interesse an den Volksdeutschen Opfern verloren hat) wurden in den fünfziger Jahren Erlebnisberichte gesammelt, diese vier Aktenbände sind heute im Bundesarchiv unter der Kennung Ost Dok. 7zu finden. Aus diesen Erlebnisberichten, der Karteider GZ sowie der Befragung von 6.000 noch lebenden Zeitzeugen errechnete das Bundesarchiv 15/1969 (an der Arbeit des Bundesarchivs wurde Kritik laut, da Zeitungsberichte nur bis zum 15. 11. 1939 ausgewertet wurden) eine Opferzahl von mindestens 3.841Personen (jeder Mordfall durch zwei Zeugen bestätigt).

Es handelt sich hier um den absolut untersten Wert.
Seit mehr als 35 Jahren ist nun von der Historisch-Landeskundlichen Kommission für Posen und das Deutschtum in Polendie umfassende und abschließende Untersuchung überdas Schicksal der deutschen Volksgruppe vom September 1939 angekündigt. Obwohl sie schon 1971 (!) veröffentlicht werden sollte, ist sie bis heute nicht abgeschlossen worden.

Mehrere an der Arbeit beteiligte Historiker (Prof. Rhode, Dr. Breyer, Dr. Müller, Dr. Krämer, Dr. Kohte) sowie alle Zeitzeugen sind nun inzwischen über diesen langen Zeitraum verstorben. Eine aus diesen Forschungenhervorgegangene Kurzfassung (Peter Aurich, Der deutschpolnische September, Bonn 1969) erlebte immerhin drei Auflagen, konzentrierte sich aber ähnlich wie die Weißbücher zu 95 Prozent auf Korridorgebiet und Posen. Das Werk wurde auch bei Erscheinen von betroffenen Volksdeutschen Zeitzeugen heftig kritisiert.

Die Hauptarbeit an der geplanten Veröffentlichung übertrug Prof. Dr. Rhode 1971 Dr. August Müller, der zu diesem Zeitpunkt bereits 76 Jahre alt war.

Nichtsdestotrotz machte sich der ehemalige Oberschulrat des Regierungsbezirkes Bromberg mit Eifer an die Arbeit. Müller konnte noch viele Zeitzeugen (dabei handeltees sich allerdings nur um den Teil der Zeugen, die zwischenzeitlich nicht verstorben, nicht gefallen waren oder die Vertreibung überlebt hatten; (Überlebende in der DDR und in Polen Verbliebene konnten nicht befragt werden) zu befragen und ermittelte akribisch die noch in den siebziger Jahren festzustellende Zahl der Ermordeten.

Seine handschriftlich und maschinenschriftlich vorliegenden Forschungsarbeiten ruhen heute in der Dokumenten-Sammlung des Herder-Institutes Marburg. Bis in seine letzten Lebensjahre arbeitete er unermüdlich an der geplanten Dokumentation der Ereignisse des September 1939 in Polen. Wegen Krankheit musste August Müller 1985 seine Arbeit praktisch beenden. Zu einem Ge-samtbericht kam der über Neunzigjährige nicht mehr. Er verstarb am 24. April 1989 in Bad Schwartau — seine wertvollen Arbeitsergebnisse sind erst seit einem Jahr zugänglich.

Dr. Müller konnte noch insgesamt 4.332 Ermordete und Vermisste ( Namen für Namen akribisch belegt ) Anfang der achtziger Jahre feststellen.

Die von Müller ermittelte Zahl der Ermordeten weicht nur geringfügig vom Ergebnis des Bundesarchivs von 1969 ab. Insgesamt ist somit die Mindestzahl der ermordeten Volksdeutschen in den ersten Kriegstagen auf 4.332 Menschenleben festzusetzen. Man beachte in diesem Zusammenhang nochmals den Verlust vieler Zeitzeugen, unersetzlicher Archivbestände – so sind die Akten der WUST vor Rückgabe an die bundesdeutschen Archivbehörden nochmals gesäubert worden. Generell hat es auch die WUST versäumt, in ihren Denkschriften die Zahl der ermordeten Volksdeutschen annähernd festzustellen. Einschließlich der Dunkelziffer gehtauch das Bundesarchiv von mindestens 5.000 Opfern aus – diese Zahl wird häufig von deutschen Osteuropa-Historikern (Prof. Rhode/Prof.Hoensch) genannt.

Man beachte in diesem Zusammenhang, daß der damalige Chefermittler des Reichskriminalpolizeiamtes, Dr. Bernd Wehner, in einer Vernehmung durch die Staatsanwalt-schaft Mannheim am 20. 5. 1964 erklärte,»daß die Gesamtzahl der Getöteten bei 6.300 gelegen hat«.

Bluttaten an Deutschen bei Kriegsbeginn bis zum Einmarsch der Wehrmacht waren in ganz Polen zu verzeichnen. Allerdings lassen sich mehrere Schwerpunkte der Ausschreitungen erkennen. Besonders schweren Massakern waren die aus dem Gebiet von Posen und dem Korridor kommenden Verschlepptenzüge ausgesetzt, die im Raum zwischen Sompolno und Kutno marschierten, wo polnische Truppenverbände eingeschlossen waren. Dies bleibt in der neuen Ausstellung »Größte Härte« selbstverständlich unerwähnt. Die zu Tausenden zählenden Verschlepptenkolonnen waren hier Haß und Vergeltung der in einem erbitterten Abwehrkampf stehenden polnischen Soldaten ausgesetzt.

Neben den bekannten blutigen Ereignissen in Bromberg (981 Ermordete) registrierte man im Nachbarkreis Hohensalza, 471 Ermordete.
Im Posener Gebiet ragen der Kreis Obornik mit 215 Toten und Vermißten, der Kreis Kosten mit 153 und der Kreis Wreschen mit 96 Opfern hervor.

Hoch war die Zahl der ermordeten Volksdeutschen auch unter den Deutschen in Mittelpolen. Hier wurden besonders die Kreise Nieszawa mit 165 und Lipno mit 80 Toten und Vermißten getroffen.

Allein in dem 1606 gegründeten deutschen Dorf Schlonsk in der Weichselniederung bei Ciechocinek wurden 38 Personen, darunter ein Junge von 15 Jahren ermordet. Hohe Verluste unter den Deutschen in Mittelpolen gab es außerdem in den Kreisen Sochaczew 154 , Lodsch 97, Lask 40, Gostynin 34 – in diesen Kreisen existierten viele deutsche ländliche Siedlungen.

Die landeskundliche Kommission für Posen und das Deutschtum in Polen hat sich mittlerweile umbenannt – ihr Interesse am Schicksal der Volksdeutschen Opfer ist aber dadurch nicht gestiegen.

Es bleibt festzustellen, daß mit diesen Ausschreitungen gegen die wehrlosen und friedlichen Volksdeutschen die Brutalisierung des Krieges in Polen ihren Anfang nahm. Die Mitschuld an diesen, die ganze weitere Entwicklung aufs schwerste belastenden Hassausbrüchen trugen die alles Maß übersteigende Hetze der polnischen Presse in den letzten Monaten vor dem September 1939 sowie die Gerüchtemacherei, alle Deutschen wären Angehörige einer Fünften Kolonne, einer Spionage- und Sabotageorganisation.

KZ Bereza Kartuska

In ganz Polen wurden am 1. September Angehörige fremder Nationalitäten interniert und nach dem sogenannten Isolierungslager Bereza Kartuska, etwa 100 Kilometer östlich von Brest-Litowsk verschleppt. Bereza war bis zu diesem Zeitpunkt Besserungsanstalt für Schwerverbrecher und politische Gefangene; mehr wußte niemand in ganz Polen von dieser Anstalt. Der Kommandant des Lagers hatte jede Vollmacht und war nur dem Innenminister verantwortlich. Die Sträflinge saßen für unbestimmte Zeit fest. Wenn es einem von ihnen gelang, die Anstalt lebend zu verlassen, mußte er sich zu völligem Stillschweigen verpflichten. So kam es, daß die Welt nichts davon erfuhr, mit welcher Grausamkeit in Polen, das sich oft als Beschützer der Christenheit aufgespielt hatte, mit Menschen umgegangen wurde.

In dieses Lager, über dem der Atem des Todes wehte,ergoß sich aus dem Mosaikstaat der Strom der Internierten, deren einziges Verbrechen darin bestand, sich zu einem fremden Volkstum zu bekennen. Für etwa 6.000 Reichs- und Volksdeutsche, Danziger Staatsbürger, Litauer, Ukrainer und Weißrussen begann mit dem 1. September ein beispielloser Leidensweg. Der unerhörte Vormarsch der deutschen Truppen brachte ihnen am 18. September die Freiheit. Was diese Menschen erlebt hatten, stempelt Bereza zu einem Schandfleck für Polen und die ganze zivilisierte Welt.

In Warschau wurden am 1. September 112 Reichs- und Volksdeutsche sowie Danziger verhaftet. Fast die Hälfte von uns waren Frauen. Unter ihnen befand sich eine vierundachtzigjährige Greisin. Stundenlang saßen wir in den verwanzten und verlausten Arrestlokalen der Stadt zwischen allerlei Gesindel. In den Abendstunden schaffte man uns mit Autos in das Untersuchungsgefängnis. Es begannen endlose Verhöre, die sich bis früh 8 Uhr hinzogen. Wir mußten die Nacht unter scharfer Bewachung, die meisten stehend, in dem Korridor zubringen. Nachher wurden wir in den unterirdischen Zellen des Gefängnisses eingesperrt. Die Fenster blieben wegen deutscher Luftangriffe geschlossen. Einige bekamen Ohnmachtsanfälle. Wir erhielten keinerlei Verpflegung. Am späten Nachmittag wurden wir auf Lastautos verladen und auf den Westbahnhof transportiert. Jeder Fluchtversuch wurde mit dem Tode bedroht. Zur Unterstreichung dieser Drohung luden die Polizisten vor unseren Augen die Karabiner, wobei sie sich gegenseitig behilflich sein mußten. In drei Viehwagen traten wir, Männer und Frauen getrennt, die Reise an. Ein Ziel wurde uns nicht angegeben. Verpflegung während der Fahrt erhielten wir nicht. Einige von uns hatten Brot, das wir teilten. Dazu tranken wir Wasser, das wir auf zwei Stationen erhielten. Als wir nach zwei Tagen Brest erreichten, ahnten wir, daß es nach dem berüchtigten Bereza Kartuska ging. Wir hatten uns nicht verrechnet. Völlig entkräftigtlangten wir am 4. September auf dem Bahnhof Bereza an. Nach einem Fußmarsch von 6 Kilometern erreichten wir die Strafanstalt. Da wir aber doch nur interniert waren, hofften wir und besonders die Reichsdeutschen auf eine anständige Behandlung. Alle von uns waren überrascht durch die jedem Völkerrecht hohnsprechende Niedertracht, die einsetzte, als sich das Tor der Strafanstalt hinter uns schloß. In Doppelreihen standen wir vor dem endlosen Zaun des Lagers. Plötzlich hob der uns empfangende Kommandant Kommissar Kurhanski die Hand. Ein Polizeileutnant kommandiert: Laufschritt, marsch marsch! Die hinter uns stehenden Polizisten hieben auf dieses Kommando mit Gummiknüppeln und Stöcken auf uns ein und trieben uns durch das Tor. Es begann ein Spießrutenlaufen entlang der etwa 100 Meter langen Front des Kasernenblockes I. Dicht hintereinander stand eine Kette von Polizisten, die unbarmherzig auf uns einschlug.

Vor der Bäckerei hatten die Sträflinge Aufstellung genommen, die mit Keulen hineinschlugen, wo sie trafen. Man trieb uns in einen durch Drahtverhaue begrenzten quadratischen Platz hinein, der durch Drahtzäune invier Rechtecke geteilt war. Dort mußten wir uns mit unserem Gepäck in einer Reihe flach aufdie Erde werfen. Uns gegenüber lag eine Gruppe ukrainischer Bauern, die uns angsterfüllt anstarrten. Ein tiefes Atmen und Stöhnen ging durch die Reihen. Als wir es wagten, den Kopf zu heben, blickten wir in die Mündung von Maschinengewehren, die auf zwei Ecktürmen postiert waren. Die Augen des vor mir liegenden Ukrainers waren voll abgrundtiefen Hassesauf einen Polizisten gerichtet, der mit dem Gummiknüppel die Reihen der Liegenden ausrichtete. Die Sonne brannte unbarmherzig herab. Wir hatten quälenden Durst. Nach einer halben Stunde durften wir aufstehen. Alle Wertsachen, Geld, Messer und sonstige Gegenstände wurden uns abgenommen. Wir durften nur unseren Anzug behalten, ein Hemd, ein Handtuch und eine Decke, soweit wir diese Sachen überhaupt besaßen. Da viele von uns von der Straße oder vom Büro weg verhaftet worden waren, hatten sie nichts als das, was sie auf dem Leibe trugen. Dieser oben geschilderte Empfang wiederholte sich in der Folgezeit täglich mehrere Male. Wir sahen, wie im christlichen Polen Pastoren, Popen und sogar katholische Geistliche mißhandelt wurden. Greise, die unter den Schlägen ihrer Henker zusammengebrochen waren, warf man mit einem „Verrecke, du Hund“ an den Zaun. Ein silberhaariger Wolhyniendeutscher, der nach Wasser lechzend am Drahtverhau lag, wurde vom Lagerkommandanten Kurhanski vor einigen tausend Augenpaaren mit der Reitpeitsche mißhandelt.

Wir schliefen auf Holzpritschen, zwischen deren Brettern große Zwischenräume waren. Die Kanten schnitten schmerzhaft ins Fleisch. Deshalb zogen wir es vor, auf dem Betonfußboden zu schlafen. Decken bekamen wir nicht. Unsere Sachen zogen wir niemals aus. Alle Bitten und Beschwerden wurden mit dem Gummiknüppel beantwortet.

Berufungen, wie sie im Internierungsbefehl vorgesehen waren, wurden hohnlachend abgewiesen. Am nächsten Morgen, 4 Uhr früh, wurden wir auf den Kasernenhof hinausgetrieben. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und wir schlotterten vor Kälte. Dann begann das Exerzieren, das den ganzen Tag lang durchgeführt wurde. Jede Übung wurde bis zur völligen Erschöpfung wiederholt. Wir mußten stundenlang in Kniebeuge stehen, oder die Arme seitwärts halten. Alte Männer, die die unmenschlichen Quälereien nicht aushielten, wurden mit dem Gummiknüppel wieder auf die Beine gebracht. Besonders beliebt waren Auf- und Niederübungen, worauf wir den Kasernenhof kriechend durchqueren mußten, dabei hagelte es Fußtritte ins Kreuz. Zur Überwachung der Übungen wurden Schwerverbrecher auf uns losgelassen, die sich mit ihren Meistern, den Polizisten, in Mißhandlungen und unflätigsten Schimpfworten überboten.

Unsere einzigen Erholungen waren die Fliegeralarme,die sich in der letzten Zeit unseres Aufenthaltes einige Male täglich wiederholten. Dannmußten wir uns platt auf die Erde werfen und hatten Ruhe vor unseren Peinigern. Besonders Freude machte uns ein deutscher Flieger, der eine in der Nähe liegende Bahnlinie mit Bomben belegte. Sämtliche Polizisten, die alle für sich den Titel „Kommandant“ beanspruchten, rannten wie die Hasen davon und ließen uns allein auf dem Kasernenhof.

Es war streng verboten, bei Fliegeralarm den Kopf zu heben. Wir taten es natürlich doch. Aber wehe dem, der dabei erwischt wurde. Dann gab es regelmäßig Rippenbrüche und Nierenschläge. Nach einigen Tagen Exerzierübungen auf dem staubbedeckten Kasernenhof waren wir vollkommen verdreckt. Wir hatten entsetzlich unter Durst zu leiden. Da stellte man uns Eimer mit Wasser auf den Hof. Sehnsüchtig schauten wir auf das erfrischende Naß. Als wir aber kein Wasser erhielten, brachen plötzlich aus den Reihen einige Leute und stürzten sich auf den Eimer. Im Nu waren die Polizisten und Sträflinge da und hielten die Leute fest. Man stellte sie in einer langen Reihe auf und mißhandelte jeden von ihnen unbarmherzig mit einem Gummiknüppel. Erst dann bekamen wir je Mann ein Töpfchen Wasser. Etwas später gab es Suppenwasser, oder Wassersuppe, wie man will. Je zwei Mann erhielten eine Schüssel von dem Getränk, das wir heißhungrig mit einem Löffel, auf dem „100 Jahre Gesundheit“ stand und den wir uns zum Andenken mitgenommen haben, ausaßen.

Am Nachmittag erhielten wir dasselbe Gesöff noch einmal. Das war unsere Verpflegung. Wir hungerten von Mahlzeit zu Mahlzeit. Vom sechsten Tage unseres Aufenthalts bekamen wir regelmäßig Brot, das auf eine raffinierte Weise vonden Polizisten verteilt wurde. Unser Saal erhielt drei runde Brotlaibe je 2 Kilogramm, so daßein Brot auf 20 Mann kam. Das Brot war nicht geteilt. Wir hatten keine Messer. Man rechnete offenbar damit, daß es bei dem Heißhunger, der in unseren Gedärmen wütete, zu Streitigkeiten bei der Verteilung kommen würde, die auch tatsächlich in einigen Sälen ausbrachen. Auf unserm Saal hatte jemand einen alten Löffel, mit dem sorgfältig jedes Brot in zwanzig Teile geschnitten wurde, während 60 Mann wie hungrige Wölfe jede Bewegung des Mannes verfolgten. Nach zwei Wochen stellten sich Schwindelgefühle und Ohnmachtsanfällebei uns ein. Sechs internierte Ärzte liefen von Saal zu Saal. Immer wieder stellten sie fest, daß die Leute vor Hunger zusammengebrochen waren. Nachdem einige Ärzte bei Interventionen um bessere Verpflegung mit dem Gummiknüppel mißhandelt worden waren, schwiegen auch sie. Dann stellten sich die ersten Ruhrerkrankungen ein, da die sanitären Verhältnisse jeder Beschreibung spotteten.

Es ist unmöglich, all die grausamen Mißhandlungen, die sich auf dem Kasernenhof vor den Augen Tausender abspielten, hier im einzelnen wiederzugeben. Es gab Polizisten, die kalt berechnend ihre Schläge setzten und andere, die sich ihrem grausamen Geschäft mit sadistischer Freude hingaben. Es gab unter ihnen Spezialisten für Nieren- und Kopfschläge. Einige schlugen nur mit dem Gummiknüppel, andere mit Stöcken, die den Krüppeln abgenommen wurden und sogar mit dünnem Eisendraht. Wahre Bestie war der Polizist Stempien, der z. B. beim Transport von schweren Glasplatten 4 Mann mit dem Knüppel niederschlug und dessen Ankunft auf dem Kasernenhofvon den Internierten mit Zittern hingenommen wurde.

Unter den Internierten befanden sich 80 Krüppel, die im Saal 9 des Blockes I untergebracht waren. 44 von ihnen waren über sechzig Jahre alt. Die Krüppel wurden mit dem Gummiknüppel gezwungen, stundenlang aufrecht zu stehen. In ihrem Saal herrschte ein furchtbarer Gestank, da die Fenster verschlossen waren und der in dem Zimmer befindliche Kübel nicht entleert werden durfte. Unter den Insassen dieses Saales befanden sich Leute mit offener Lungenentzündung und schweren Rippenbrüchen. Sie erfuhren keinerlei ärztliche Behandlung. Immer hieß es: „Verreckt.“ Die internierten Frauen wurden zu den schwersten Arbeiten in der Kommandantur herangezogen. Es wurden keinerlei Rücksichten genommen. Auch sie erhielten Stockschläge. Einzelne Frauen erlitten Nervenzusammenbrüche. Allen wurde das Haar kurz gestutzt. Bei der Desinfizierung wurden die Frauen gezwungen, sich vor den Polizisten zu entkleiden.

Es wird wohl nie festgestellt werden können, wieviele Menschen in den Krallen der Bluthunde von Bereza ihr Leben lassen mußten. Was sich in den Karzern des Lagers, die tief unter der Erde lagen, abspielte, ist in ewigesDunkel gehüllt. Alle wichtigen und belastenden Papiere wurden von den abziehenden Polizisten auf Befehl Warschaus verbrannt.

Die Polizisten erzählten uns, daß die Polen bei einem Durchbruch in Ostpreußen und Oberschlesien 30.000 Gefangene gemacht hätten. Aberschon am nächsten Tage merken wir, daß die Sache faul steht. Der Sträfling 2250 erklärt, daß es an der Front „dreckig“ gehe. Sträflinge und Polizisten lassen uns ihre Wut fühlen. Die Suppe wird immer dünner und schließlich fast reines Wasser. Wir dürfen nicht mehr auf den Hof und werden durch stundenlanges Strammstehen in den Sälen gequält.

Die Sträflinge werden bis auf 48 Mann entlassen und zum Militär einberufen.

Am 16. September werden drei unserer Kameraden aus dem Saal herausgeholt. Alle drei sind Beamte der Warschauer Seidenfabrik „Schlicht“. Ihnen wird vorgeworfen, vom Dach des Hauptgebäudes aus Lichtsignale gegeben zu haben. Sie werden stundenlang verhört und geschlagen. Der Direktor Kopiera erhält 118 Schläge mit dem Gummiknüppel, bis er besinnungslos wird. Er wird mit Wasser übergossen und weitergeschlagen.

Nachdem die drei Beamten von zwei Sträflingen mit Fußtritten bearbeitet worden sind, werden sie in den Karzer gesteckt. Am 17. Septemberabends wird der auf unserem Saal liegende Kantor der evangelischen Kirchengemeinde in Grodno, Robert Wegner, aus unserm Saal geholt. Um 12 Uhr nachts erhalten die Polizisten in einem von einigen internierten Frauen belauschten Telefongespräch aus Warschau den Befehl, Bereza sofort zu verlassen.Sie bekommen den Auftrag, alle Schmucksachen und das Silber mitzunehmen. Den Polizisten brennt der Boden unter den Füßen. Es herrscht ein unbegreifliches Durcheinander. Die Polizisten raffen alles, was an Wertsachen und Silbergeld in ihre Hände fällt, zusammen und verlassen in Autos die Strafanstalt. Am frühen Morgen des 18. September hören wir einen ungewöhnlichen Lärm in den Korridoren der Anstalt. Die Tür unseres Saales wird aufgerissen, jemand schreit hinein: „Ihr seid frei!“ Das Märchen von der sogenannten „Fünften Kolonne“ Quelle: Der Westpreusse

Es wird wenige Deutsche geben, die sich, wenn der Kalender den Monat September anzeigt, nicht jener Tage des Jahres 1939 erinnern, die den Beginn des 2. Weltkrieges brachten. Gleichzeitig mit den Meldungen über den Verlauf derKampfhandlungen trafen auch die Nachrichten ein, die über die schweren Verluste derdeutschen Volksgruppe in Polen Auskunft gaben.

In der immer stärker werdenden Hetze, die deutsche Schuld an vielen Ereignissen seit 1933 anzuerkennen, wird ebenso das Bestreben immer deutlicher, auch die Vorgänge, die zur Tötung Volksdeutscher in Polen geführt haben, auf deutsche Schuld zurückzuführen. Die polnische Propaganda arbeitet dabei auf Hochtouren, um das deutsche Schandmal der Ermordung von Tausenden von unschuldigen deutschen Zivilisten — Männern, Greisen, Frauen und Kindern — von der Stirn des polnischen Volkes zu waschen.

Wie „Der Westpreuße“ schon in Nr. 19 berichtete, ist in Polen ein Buch erschienen, das sich mit der Rolle der deutschen Volksgruppe beschäftigt. Es hat den Titel „V. Kolumna na Pomorzu Gdanskim“ | (Die 5. Kolonne in Westpreußen). Der Verfasser heißt Severyn Osinski, ein Historiker kommunistischer Schule.

Der Begriff der 5. Kolonne entstammt der Zeit des spanischen Bürgerkrieges. Einer der gegen die Sozialisten kämpfenden Generale Francos hatte über den Rundfunk den Vormarsch gegen Spaniens Hauptstadt angekündigt. Die 1. Kolonne, sosagte er, käme aus Norden, die 2. aus Nordwesten, die 3. Kolonne aus Südwesten und die 4. aus dem Osten. Eine 5. Kolonne sei aber bereits in Madrid, keiner werde sie erkennen, aber sie werde fürchterlich aufräumen.

Seit dieser Zeit existiert „das Gespenst von der 5.Kolonne“.

Sie hat keine Erkennungszeichen, greift ein, verschwindet wieder, taucht auf, treibt aber auch „psychologische Kriegführung“, untergräbt den Widerstandswillen, streut Gerüchte aus, bringt Verwirrung unter die Kämpfenden und unter die Zivilbevölkerung.

Genauso haben die polnischen Zeitungen vor Ausbruchdes Krieges die Aufgabe der deutschen Volksgruppe, die ihr von Hitler zu geschrieben worden sein soll, geschildert und ihr „diversante Tätigkeit“ prophezeit. „Mit der deutschen Wehrmacht kann die polnische Armee fertig werden, aber da gibt es noch die deutsche Minderheit in Polen, das ist die fünfte Kolonne Hitlers, das ist die Gefahr!“ So wurde die polnische Bevölkerung zur Wachmkeit aufgerufen, zu „schneller Reaktion“ aufgehetzt. Und der Erfolg blieb nicht aus. Als z.B. die ersten polnischen Truppen auf dem Rückzug fluchtartig Bromberg durchquerten, stand für jeden Polen fest: Daran kann nur die 5. Kolonne Schuld haben. Die Deutschen haben geschossen. Verhaftungen folgten. Wozu abführen? Gleich erschießen! Viel zu viel unverantwortliche Menschen waren damals mit Waffen versehen worden und konnten von diesen ungehindert Gebrauch machen. Sie suchten sich ihre Opfer wo sie wollten: In den Wohnungen der Deutschen, auf den Straßen, inden Wäldern, in den Dörfern. Hunderte von unschuldigen Mensehen haben daran glauben müssen. Der Ehrenfriedhof in Bromberg allein wies fast 1000 Gräber auf.

In den einzelnen Dorfgemeinden, über das Land verstreut, befinden sich weitere zahllose Gräber. Bei den Verschleppungsmärschen sind ebenfalls Hunderte unserer Landsleute ums Leben gekommen. In den wenigen Tagen bis zur Befreiung durch deutsche Truppen haben ca. 5000 deutsche Zivilisten ihr Leben lassen müssen.

Kaum war der Feldzug beendet, da setzte der große Schrecken in den Kreisen der pol-nischen Bevölkerung ein. Was haben wir da getan? Welch ein Makel befleckt das polnische Ansehen! Als erstes begann das Informationsministerium der polnischen Exilregierung in London Material zu sammeln, um die Niederlage der polnischen Armee zu rechtfertigen. Wer war schuld an dieser — nur für die Polen — unerwarteten Niederlage? Natürlich nur die deutsche Volksgruppe in Polen. So erschien dennauch schon 1940 ein Buch in London mit dem Titel „The German fifth Column in Poland“, das eine Sammlung angeblicher Zeugenaussagen über die Tätigkeit der 5. Kolonne enthält.

Diese Zeugenaussagen sind aber nicht mit Namen bezeichnet, sondern nur mit Initialen, Anfangsbuchstaben, und dem militärischen Rang, so z. B. „Major U. K. oder Hauptmann I. B.“ und mit solchem Signum versehen erscheinen dann die albernsten Behauptungen die man sich denken kann, wie u. a.:

1. Den deutschen Fliegern seien mit Spiegeln und weißem Zeug, mit Taschenlampen, mit Rauch oder mit „planmäßig geschnittenem Gras“ oder mit der „besonderen Aufstellung von Heuhürden“ Zeichen gegeben

2. Waschwasser sei mit Senfgas verseucht worden usw.

Diese Behauptungen waren so absurd, daß man von deutscher Seite darauf einzugehen für unnötig hielt. Und was ist der Erfolg? Diese albernen, absurden Behauptungen machen noch heute durch polnischen Publikationen die Runde, die sich mit den Septemberereignissen befassen. Auch Osinski zitiert sie heiter darauf los und tarnt sich wissenschaftlich. Es hindert ihn nicht, sogar Polizeiakten als „Beweise“ für einhistorisches Werk zu benutzen. Es handelt sich um die Meldungen von Gendarmen und Kleinstadtpolizisten…

Wer wüßte nicht, wie solche Meldungen entstehen! Der Gastwirt Rogalski ruft den Posterunek von der Polizei zu sich — hier trink noch einen! — und flüstert ihm zu, beim deutschen Gastwirt und Konkurrenten, Pasiakrew, beim Kunkel, haben doch die Bauern nach einer Versammlung das Horst-Wessel-Lied gesungen.  … Der Polizist notiert sich das, meldet es dem Landrat, der der Wojewodschaft, und diese dem Innenministerium. Dort allein scheint man noch etwas klaren Kopf behalten zu haben, was durch Aktenvermerke, wie „Idiotie“, „Albernheit“ — Osinski zitiert diese Vermerke — deutlich wird. Osinski zitiert sie allerdings, um die damalige „Sanacja“-Regierung bloß zu stellen, weil diese so weltfremd gewesen sei und die deutsche Gefahr nicht erkannt habe.

Das Zitierungskarussell der polnischen Historiker zieht seine Kreise und so geht es lustig rundherum und es entsteht eine „umfassende Literatur“ über die angeblichen Verbrechen der deutschen Volksgruppe in Polen. Und von deutscher Seite geschieht nichts, um dieserVerleumdungskampagne etwas entgegen zu setzen.

Wir wissen, daß vielerlei Untersuchungen von deutscher Seite angestellt worden sind, um die Ursachen und den Verlauf der Septemberereignisse 1939 zu klären. Wir kommen mehr und mehr zu der Überzeugung, daß diese Untersuchungen sicherlich schon in Buchform veröffentlicht worden wären — wenn eine deutsche Schuld, zum Beispiel am Bromberger Blutsonntag, hätte nachgewiesen werden können. Es ist eine anerkennenswerte Tatsache, daß der Historiker Hanns von Krannhals seine Feststellungen zur Frage der Existenz einer 5. Deutschen Kolonne in Polen wenigstens in Form einerArtikelserie herausgebracht hat. Sonst aber ist nichts geschehen, um die polnischen Behauptungen zu widerlegen.

Auch das Buch von Osinski bringt keinerlei Beweise für die Tätigkeit einer militärischen Diverson gegen Polen. Seine Ausführungen sind für uns nur deshalb interessant, weil er die deutschen Klagen bezüglich der Schikanierung des deutschen Schulwesens, der politischen Aspekte der Agrar-Reform bestätigt und einen Blick hinter die Kulissen der ministeriellen Minderheitenpolitik Warschaus gestattet. „Politische Betätigung innerhalb der deutschen Volksgruppe als Diversantentum“ oder als „5. Kolonne“ zu bezeichnen hat sich längst als das bewiesen, was das Warschauer Innenministerium klar erkannt hatte — als „Idiotie“. Daß die deutschen und die polnischen Ansichten über die Verluste der deutschen Zivilbevölkerung in jenen Septembertagen gar nicht so weit auseinandergehen, weist der holländische Historiker und General Louis de Jong in seinem Buch „Die deutsche fünfte Kolonne im 2. Weltkrieg“ (Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1959) nach.  Dort heißt es auf Seite 57:

„Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, daß von den 750 000 bis 1 Mill. Volksdeutschen in Polen mehrere tausend während der Panik vor der 5.Kolonne ihr Leben verloren haben.“

Einige tausend… als wenn das ein Pappenstiel wäre! Wer will uns also verübeln, daß wir in diesen Septembertagen dieser Toten gedenken?

Der Text des Mediziners Hennigtransportiert sicherlich richtige Grundgedanken – enthält aber einen massiven Fehler (der Text von ihm wurde ja schon mehrfach gedruckt u.a. auch in den UN).

Er schreibt: „Dt. griff erst ein, als schon Tausendevon Deutschen in den den geraubten
Gebieten ermordet waren…“ Das ist eindeutig falsch: die Zahlen der ermordeten Volksdeutschen im polnischen Machtbereich vor dem 1. September 1939 schwanken zwischen 12 und 68.

Das NS-Parteiblatt „Vökischer Beobachter“ gab 35an; (Anm.: In welcher Ausgabe?) Prof. Dr. Loesch in seinem Buch: Verlustliste des Deutschtums in Polen, Berlin 1940 – zwölf ermordete Volksdeutsche.

Ich hatte in dieser Angelegenheit Hennig mehrfach angeschrieben – mit ausführlichen Belegen. Er antwortete nie. Er soll besser bei der Medizin bleiben. Durch maßlose Übertreibungen entwertet er seinen Artikel total!

Im übrigen waren A.H. die Volksdeutschen völlig egal – das bestätigen die deutschen Volksgruppenführer wie wie Dr. Kohnert, Senator Wiesner u.a.m.

Der Angriff auf Polen war im April 39 beschlossene Sache, daran ändert auch die Tatsache nix, dass Polen Führung selbst sehr angriffslustig war und die Volksdeutschen brutalst ab April unterdrückte und knutete!

(Anm.: Es wurde einzig der Beitrag in die richtige Kategorie verschoben und formatiert – der Inhalt jedoch nichtverändert.)

© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. http://www.jungefreiheit.de36/07 31. August 2007

Die geplanten Pogrome

Posener Akten belegen, daß die Übergriffe gegen die deutsche Minderheit nach dem 1. September 1939 politisch kalkuliert waren

Markus Krämer

Pflicht jedes Kombattanten ist es, seinen nächsten Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten und Kollegen einzuprägen, daß Polen eine Großmacht ist, daß sie die Aufgabe hat, eine historische Mission unter den slawischen Völkern zuerfüllen, sowie daß Polen niemand seiner Nachbarn fürchtet und daß es in jedem Augenblick bereit ist zum Abweisen eines Angriffes, der es abgesehen hätte auf die Ganzheit der Grenze, die durch unsere Soldaten der Republik Polen geschmiedet worden ist. Jeder Kombattant muß wissen, daß im Falle eines Krieges in Verteidigung der Grenzen unseres Vaterlandes nicht nur unser geliebtes Heer, sondern das ganze polnische Volk, Greise, Frauen, Kinder überhaupt alle, die dem Vaterlande, wenn auch mit der geringsten Tat dienenkönnen, kämpfen werden.“ Diese geheime Anordnung des Sejm-Abgeordneten und PosenerWojewoden Józef Głowacki, der gleichzeitig Vorsitzender der Föderation der polnischen Verbände der Vaterlandsverteidiger war, galt in der aufgeheizten Phase der sich anbahnenden Krieges gegen das Deutsche Reich im März 1939 den teilweise paramilitärischen Organisationen (Verband polnischer Legionäre, Verband der großpolnischen Aufständischen etc.) in den Westgebieten Polens, denen allein in der Stadt Posen 12.500 Mitglieder angehörten.

Als die oben angeführte Befehlsinstruktion zwei Monate später öffentlich bekannt wurde, hatte Polen die Teilmobilmachung (26. März) bereitsdurchgeführt und die Truppen in Oberschlesien und im „Korridor“ eingesetzt. Die Anordnung, die sich bis dahin hauptsächlich gegen einen potentiellen Kriegsgegner richtete, wurde nun erweitert um die „Instruktion K 03031“, die die Verhaftung der bereits listenmäßig erfaßten Deutschen, ihre Verschleppung und Ermordung anordnet: „Pflicht eines jeden Kombattanten ist es, sorgfältig und aufmerksam die nationalen Minderheiten, die auf polnischem Gebiet wohnen, zu beobachten und jeden polnischen Staatsbürger, der einer Verschwörung gegen die Gesamtheit der Republik Polen verdächtig ist, sofort der Polizei oder den Militärbehörden zu übergeben.“

Damit wurde gleichzeitig eine flächenmäßige Drangsalierung und Unterdrückung der deutschen Minderheit – als Volksdeutsche bezeichnet- eingeleitet. Begleitend verschärfte sich eine massive Propaganda der national-polnisch geprägten katholischen Kirche, der nationalistischen Presse und paramilitärischer Kampfverbände gegen die Volksdeutschen, die von staatlichen Stellen durch Repressionsmaßnahmen gegen deutsche Institutionen und Vereine und Enteignungen deutschen Besitzes keinerlei mäßigenden Einfluß erfuhr.

Das feindselige Klima und die offizielle Entrechtung bewirkte in den folgenden Monaten eine Panik und Massenflucht vieler Deutscher über die „grüne Grenze“ ins Deutsche Reich – allein bis zum 3. August 1939 flüchteten 77.000 Menschen. Ab Mitte August steigerte sich die Unterdrückung der Volksdeutschen zum offenen Terrorder Aufständischenverbände und des Westverbandes in Verbindung mit dem Militär und denBehörden. Letztere organisierten Massenverschleppungen von den Grenzgebieten in den polnischen Osten. In den oberschlesischen Städten Bielitz und Kattowitz forderten Bombenanschläge auf deutsche Häuser mehrere Todesopfer. Deutsche Gehöfte in Posen, Westpreußen und Oberschlesien wurden angezündet und die Bewohner ermordet. In denoberschlesischen Gruben und den Industriebetrieben von Teschen, Bielitz und Łódźwurden Deutsche wegen ihrer Volkszugehörigkeit entlassen.

Am 1. September griff die deutsche Wehrmacht ohne Kriegserklärung Polen an. Der heute gern gebrauchte Terminus „Überfall“ ist wegen der politischen Zuspitzung zwischen Deutschland und Polen und der drei Tage zuvor (29. August) erfolgten Generalmobilmachung der polnischen Armee sowohl als militärischer Terminus wie auch als historische Einordnung dennoch unpassend und tendenziös. Die Übergriffe gegen die deutsche Minderheit erfolgten nun in einer offenen und mörderischen Art und Weise. Allein in und um die Stadt Bromberg wurden am 3. September – bei einer deutschen Gesamtbevölkerung des Kreises Anfang 1939 von etwa 23.000 Menschen – 981 Deutsche getötet. Sowohl die deutsche Propaganda, die danach die mörderischen Übergriffe mit dem Begriff „Bromberger Blutsonntag“ in der deutschen Öffentlichkeit auf diese Region projizierte, als auch polnische Historiker, die nach 1945 die Übergriffe bis in die neunziger Jahre mit „Schüssen auf die durch Bromberg zurückziehenden polnischen Truppen“ begründeten, blendeten aus, daß es im gesamten bis 1919 zum Deutschen Reich zugehörigen Gebiet – Provinz Posen, Westpreußen und Oberschlesien – und darüber hinaus zu Mordtaten gekommen ist, die federführend nicht von den Hauptkräften der polnischen Armee, sondern meist von den in polnische Ersatzbataillone überführten paramilitärischen Einheiten geschahen. Ausgerechnet diese waren Empfänger der Instruktionen des Posener Wojewoden im Frühjahr 1939.

Folgt man den Untersuchungen, erstreckt sich der Raum der Pogrome gegen die Deutschen auf weite Teil der früheren Provinz Posen. Besonders hart traf es die deutsche Minderheit im Gebiet zwischen Bromberg, Thorn und Hohensalza und der Wojewodschaft Posen – so in Obornik an der Warthe und Kosten südwestlich und Wreschen östlich von Posen. Allerdings gab es bezeichnenderweise Ausnahmen, so in den grenznahen Kreisen Samter, Birnbaum und Rawitsch. Dort ignorierten die polnischen Behörden weitestgehend antideutsche Weisungen, zudem verhinderte das schnelle Vorstoßen der Wehrmacht auch Übergriffe von Angehörigen der polnischen Armee, die beispielsweise bei ihrem Rückzug in Schubin im Netzedistrikt südwestlich von Bromberg Blutbäder in mehreren Dörfern anrichtete. Auch die Einwohner des ebenfalls grenznahen Lissa hatten weniger Glück. Dort spielten sich schreckliche Szenen in den Straßen ab, wo ein aufgebrachter Mob Deutsche in den Straßen lynchte. Viele aus ihren Heimatorten verschleppte Volksdeutsche wurden Opfervon Massakern in Mittelpolen, wo sie versprengte und zurückdrängende Einheiten der polnischen Armee zuerst ausraubten und dann ermordeten.

Spätere Ermittlungen – auch gestützt auf Augenzeugenberichte der in diesen Gebieten lebenden Polen – ermöglichten es den deutschen Truppen, die vielen nur oberflächlich verscharrten Toten zu bergen. Neben den auf Reservisten gestützte Verbänden – besonders auffällig war das praktisch eine Blutspur ziehende 2. Bataillon der Obrona-Narodowa-Posen, dessen Kommandeur Hauptmann Cichon sowie fünf Offiziere und zehn Soldaten am 24. Januar 1941 durch ein Sondergericht in Posen zum Tode verurteilt wurden – waren aber auch reguläre, aus aktiven Soldaten bestehende Verbände der polnischen Armee an diesen Kriegsverbrechen beteiligt, wie die Untersuchungen ergaben.

Der aus dem damals russischen Mittelpolen (Lindhof,Kreis Leipa) stammende Historiker August Müller (1895-1989) ermittelte in einer groß angelegten, aber niemals vollendeten Dokumentation der Historisch-Landeskundlichen Kommission für Posen und das Deutschtum in Polen, deren Erfassung er von dem renommierten Historiker Gotthold Rhode übernahm, etwa 5.000 ermordete Volksdeutsche in Polen (JF 39/06).

Obwohl diese Tatsachen mittlerweile selbst bei polnischen Historikern kaum mehr geleugnet werden, kommt die am 1. September (bis zum 13. Januar 2008) im Nürnberger Dokumentationszentrum Reichsparteigelände präsentierte Ausstellung „‚Größte Härte …‘. Verbrechen der Wehrmacht in Polen im September/Oktober 1939“ ganz ohne Hinweis auf diese völkerrechtswidrigen Exzesse aus, die – zum Vergleich – die Opferzahl des die Welt verändernden 11. September 2001 bei weitem überstiegen. Ausstellungsleiter ist Jochen Böhler, der mit der Arbeit „Auftakt zum Vernichtungskrieg. Die Wehrmacht in Polen“ am 15. Dezember 2005 bei Jost Dülfer in Köln promovierte (JF 10/06). In seinem weitverbreiteten Werk, mittlerweile auch kostenlos bei der Bundeszentrale für politische Bildung erhältlich, transportiert Böhler mehrere Grundthesen: Die Wehrmacht habe in Polen 1939 einen Vernichtungskrieg geführt, während die polnische Armee keine Kriegsverbrechen verübt habe, sondern hauptsächlich die Rolle als Opfer deutscher Kriegsverbrechen habe erfahren müssen.

Dokumente werden dazu bewußt einseitig interpretiert und selektiert, Belege, die Verbrechen der polnischen Armee und paramilitärischer Einheiten eindeutig nachweisen, unterschlagen, diktatorische Maßnahmen der polnischen Regierung verschwiegen oder beschönigt, ebenso der Massenmord an den Volksdeutschen. In einer Fußnote des Buches werden die nachweislich 981 Opfer des „Bromberger Blutsonntags“ in der Region Bromberg von Böhler auf unter einhundert heruntergerechnet (siehe auch die Besprechung auf Seite 15). Die vom Deutschen Historischen Institut Warschau (DHI), dessen Angestellter Böhler ist, und dem Polnischen Institut des Nationalen Gedenkens konzipierte Ausstellung (Eintritt ist frei) transportiert in Kurzform die wesentlichen Aspekte seines Werkes, welches im Grunde genommen eine Zusammenfassung eines nationalchauvinistischen polnischen Standpunktes in deutscher Sprache ist.

Die in ihrer Tragweite keine Verhältnismäßigkeit einhaltenden „Sühnemaßnahmen“ von Milizen wie dem Volksdeutschen Selbstschutz unter seinem Kommandanten Ludolf von Alvensleben, die nach dem siegreichen Vorrücken derWehrmacht Jagd auf Mörder an Volksdeutschen machten und dabei auch viele Unschuldige vertrieben und ermordeten, werden ohne Differenzierung der Wehrmacht zugeschrieben.

Um die These des vorsätzlichen Vernichtungskrieges nicht zu gefährden, wird bei den auch von der Wehrmachtsgerichtsbarkeit vorgenommenen Verfolgungen der polnischen Mordbanden ihr strafrechtlicher Impetus – nämlich die Pogrome des September 1939 mit ihren tausendfachen Opfern – bequemerweise ausgeblendet. Selbst bekannte Quellen, die zum Beispiel die Maßnahmen der Wehrmacht gegenüber den Kriegsverbrechen des Selbstschutzes belegen könnten, werden unterschlagen. Dabei hat zum Beispiel von Alvensleben sich in einem persönlichen Schreiben an den Reichsführer der SS über die zu „zaghaften“ Ermittlungs- und Untersuchungsbemühungen beschwert:“Die Arbeit macht, Reichsführer, wie Sie sich ja denken können, eine riesige Freude.(…) Leider wird nicht so durchgegriffen, wie es nötig wäre, und zwar liegt das an den sogenannten Kriegsgerichten und an den Ortskommandanten der Wehrmacht, die Reserveoffiziere und aufgrund ihrer bürgerlichen Berufe zu schwach sind.“

Auf unter einhundert Opfer heruntergerechnet Aus einem Bericht von Heinrich Julius Rotzoll aus Goch (früher Königsberg) erfahren wir: „Das Heeres-Artillerie-Regiment 57 aus Königsberg/Preußen wurde Mitte August 1939 an die von Polen gefährdete Grenze gelegt. Wir bezogendie Bereitstellung bei Garnsee, Kreis Neidenburg/Ostpreußen. Die Stellung meiner Batterielag in einem Maisfeld. In diesem Raum war bereits seit Wochen die Arbeit auf den Feldern zum Lebensrisiko geworden. Bis in 7 km Tiefe in ostpreußisches Reichsgebiet fielen aus Polen sengende und mordende Kavallerietrupps ein. Dieses begann bereits seit Juli 1939. Soweit das Auge reichte, konnte man in den Abendstunden Rauch und Feuer sehen. Die brennenden Häuser und Dörfer wurden von polnischen Kavallerietrupps provokatorisch angesteckt. Wer sich von der Bevölkerung aus den brennenden Häusern ins Freie rettete oder das Feuer löschen wollte, wurde niedergemacht. Um diesen Umtrieben Einhalt zugebieten, erhielt meine Batterie am 23. August 1939 den Befehl, ein Jagdkommando aufzustellen. Als Wachtmeister bekam ich das Kommando unterstellt und auch den Einsatzbefehl. Am ersten Tage des Einsatzes war unser motorisierter Stoßtrupp eine halbe Stunde zu spät in den Einsatz gekommen – eine mordende polnische Schwadron rast bereits in Richtung der schützenden Grenze. Die Spuren waren grausam: in den Feldwegen und auf den Feldern fanden wir Leichen von deutschen Bauern. Diese waren mit Säbeln zerfetzt oder erschossen worden…“

“Als unsere Einheit am 1. September 1939 um 5 Uhr zum Sturmangriff überging, fanden wir jenseits der polnischen Grenze frische Gräber von deutschen Zivilisten. Auch blutige und zerfetzte Kleidungsstücke von Zivilisten lagen auf Wegen und Straßenrändern herum. Auch von polnischen Kriegsgefangenen bekamen wir die Bestätigung, daß provokatorische Angriffe auf die Zivilbevölkerung auf deutschem Reichsgebiet vor dem 1. September 1939 befohlen worden sind…“

Vorspiele der Vertreibung

Im Fall Polens ist es schwer zu sagen, wann die Vertreibung angefangen hat. Immerhin wurde vor dem Zweiten Weltkrieg etwa eine Million Deutscher veranlaßt, das Land zu verlassen, die meisten davon in den zwanziger Jahren(1). Als die Tschechoslowakei im September 1938 das gemischt-nationale Olsagebiet an Polen abtreten mußte, verließ angesichts der unwirtlichen Behandlung durch die neuen Landesherren von den 17 000 Deutschen dieser Provinz über ein Drittel binnen elf Monaten fluchtartig seine angestammten Wohnsitze(2). Am Vorabend des Krieges zählte man 70 000 Deutsche aus Polen in den Flüchtlingslagern im Reich, nicht gerechnet weitere Tausende in Privatunterkünften(3). Ursache des Exodus war die extrem nationalistische Minderheitenpolitik Warschaus. Der führende nationaldemokratische Politiker Stanislaw Grabski erklärte im Oktober 1919 im Hinblick auf die Deutschen in den neuerworbenen Gebieten, das „fremde Element“ müsse von „14 oder sogar 20 v. H. auf 1 1/2 v. H.“ herabgedrückt werden (in Wirklichkeit gab es dort 35,4% Deutsche). In der Wahl der Mittel war man nicht kleinlich. Als Unterrichtsminister drückte Grabski zunächst die Zahl der deutschen Schulen, während seine Kabinettskollegen dafür sorgten, daß das Erbrecht für Deutsche in einem breiten Grenzstreifen nicht mehr galt (Grenzzonengesetz), daß deutsche Bauernhöfe massenhaft enteignet undzwangsgeräumt wurden, von den tausendfach verfügtenAusweisungen und denübrigen Methoden der administrativen Diskriminierung ganz zu schweigen. In den Archiven des Völkerbunds in Genf lagern 20 Kästen mit Protesten und Petitionen ausgewiesener Deutscher aus der Vorkriegszeit(4). Polen wurde so oft von internationalen Gremien und Gerichten wegen des Bruchs des Minderheitenschutz-Abkommens vom 28.7.1919 verurteilt, daß es sich schließlich 1934 von diesem Abkommen einseitig lossagte(5). Ähnlich erging es der Bevölkerung der weißrussischen, litauischen und ukrainischen Gebiete, die nach dem Ersten Weltkriegzu Polen gekommen waren. Über 1,5 Millionen Weißrussen hatten 1923 nur noch 37 Volksschulen; die Zahl der ukrainischen Volksschulen wurde von über 2600 auf 500 im Jahr 1931 heruntergedrückt, Militärsiedlungen wurden angelegt und Befriedungsaktionen der polnischen Armee mit beispielloser Brutalität durchgeführt; allein in der WojwodschaftLublin z. B. zählte man in einem Jahr 114 zerstörte ukrainische Kirchen. Die weißrussische Führungsschicht begann daraufhin zum Kommunismus, die ukrainische zum Nationalismus zu tendieren(6).

Die ersten größeren Blutopfer forderte der sog. dritte polnische Aufstand in Oberschlesien im Mai und Juni 1921. Dabei handelte es sich um den polnischen Versuch, entgegen dem Ergebnis der international überwachten Volksabstimmung in Oberschlesien vollendete Tatsachen durch militärische Okkupation zu schaffen. Die Aktion war überwiegend von Freischärlern aus Polen und nicht von der polnischen Minderheit in Oberschlesien getragen. Die Operation wurde inoffiziell, aber tatkräftig von der Warschauer Regierung unterstützt. „Die Grenze zwischen Polen und Oberschlesien ist so frei passierbar wie unsere London Bridge“, schrieb am 10. Mai 1921 die Times. In dieser Zeit ereigneten sich zahlreiche Morde und Greueltaten an der deutschen Zivilbevölkerung (7). Liest man heute z. B. die „Denkschrift der Deutschen Parteienund Gewerkschaften des Kreises Hindenburg O. S. über den 3. Polen-Aufstand“ vom Jahr 1921, so glaubt man an manchen Stellen eine Miniaturausgabe der Ereignisse von 1945 vor sich zu haben.

Am 15. Mai 1927 meldete man aus Rybnik pogromähnliche Ausschreitungen gegen Deutsche(8). Als ab April/Mai 1939 die deutschpolnischen Beziehungen immer schlechter wurden, kam es vereinzelt zu Morden an Volksdeutschen (Personen deutscher Abstammung und Muttersprache, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen). Allerdings hatte der Terror nicht das Ausmaß, wie es die NS-Propaganda späterbehauptete(9). Immerhin gab es Dörfer, in denen fast alle deutschen Häuser demoliert waren; in einigen ländlichen Gebieten übernachtete man aus Angst vor nächtlichen Überfällen in Wäldern und Feldern; deutschsprachige Zeitungen wurden in rascher Folge beschlagnahmt, eskam zu Massenentlassungen deutscher Arbeiter, und deutscheKirchgänger und Schulkinder lebten in dauernder Furcht, unterwegs verprügelt zu werden(10). Wer geglaubt hatte, es könne nicht mehrviel schlimmer werden, wurde nach Ausbruch des Krieges eines Besseren belehrt. Bereits mehrere Monate vor dem Krieg hatten Rundfunk und Presse -mit Ausnahme der Linkspresse – einen nationalistischen Propagandafeldzug gegen die Minderheiten geführt, der in der Feststellung gipfelte, „daß im Kriegsfalle kein einheimischer Feind lebend entrinnen wird“. Die Rede von einer bevorstehenden „Bartholomäus-Nacht“ ging um, und wohlmeinende Polen warnten deutsche Nachbarn, sich im Kriegsfallauf das Schlimmste gefaßt zu machen. Schon vor Kriegsbeginn wurden zwei große Konzentrationslager – vor allem für Angehörige der deutschen und ukrainischen Führungsschicht-eingerichtet, und am 1. September 1939 begann dann die angekündigte „Jagd auf Deutsche“ (Polowanie na Niemcow)(11). Bei den Ereignissen rund um den „Bromberger Blutsonntag“ vom 3.9.1939, die im westlichen Polen etwa 5000, imganzen Land zwischen 6000 und 7000 Todesopfer(12) forderten, hat man immerhin den ersten Massenmord in der deutsch-polnischen Zeitgeschichtevor sich. Der Schwerpunkt dieses großen und z. T. sehr grausamen Pogroms lag im sog. polnischen Korridor, d. h. in dem Landstrich, den Polen im Versailler Vertrag als Zugang zum Meer erhalten hatte. Epizentrum war die Stadt Bromberg, aber auch aus dem Raum Lodz meldete man blutige Ausschreitungen(13). Das Geschehen ist nicht nur durch die Ermittlungen der Wehrmacht-Untersuchungsstelle und mehrere tausend Aussagen überlebender Deutscher, sondern auch durch die beigezogenen ausländischen Pressevertreter und Arzte zuverlässig bezeugt (14). Die meisten Morde wurden von Militär, Polizei und paramilitärischen Jugendeinheiten verübt(15), nur ein geringerer Teilvon aufgehetzten Zivilisten.

Der Ablauf war meistens der gleiche. Es begann regelmäßig mit Verhaftung wegen Verdachts der Spionage und subversiver Tätigkeit oder mit Verschleppung ohne Angabe von Gründen. Die bisherigen Forschungen haben aber kaum Anhaltspunkte für die genannten Vorwürfe ergeben(16). Willkürliches Erschießen oder Erschlagen von Angehörigen der Minderheit standen oft am Ende der Maßnahmen, und auch Vergewaltigungen häuften sich. Kleine Dörfer im Grenzgebiet verloren bis zu 50% ihrer Bevölkerung.

1 Alfred Bohmann: Menschen und Grenzen, Bd. 1, Strukturwandel der deutschen Bevölkerung im polnischen Staats- und Verwaltungsgebiet (Köln 1969), S. 37 ff; Gerhard Ziemer: Deutscher Exodus (Stuttgart 1973), S. 36 f.; Statistisches Bundesamt: Die deutschen Vertreibungsverluste (Wiesbaden 1958), S. 271 ff, besonders S. 284 ff; Helmut Fechner (Hrsg.): Deutschland und Polen 1772-1945 (Würzburg 1964), S.159 ff, S. 114ff; Alfred M. de Zayas: Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen (München 1977), S. 27 ff; Theodor Bierschenk: Die deutsche Volksgruppe in Polen (Kitzingen/Main, 1954), S. 9 f; Albin Eissner: Polnische Annexionen nach dem Ersten Weltkrieg in: Außenpolitik, 1962, S. 52 ff

2 Statistisches Bundesamt a.a.O., Bohmann a.a.O., S. 38 ff

3 Statistisches Bundesamt a.a.O., S. 285; Bierschenk a.a.O., S. 351

4 Zayas, a.a.O., S. 28 f. 204; Eissner, a.a.O., S. 52; Statistisches Bundesamt a.a.O., S. 285; Hans Roos: Die Geschichte der polnischen Nation 1918-1978 (Stuttgart 1979), S. 134, 59

5 Zayas, a.a.O., S. 29

6 Zum Gesamtkomplex vgl. Fechner a.a.O., S. 162 f; Roos a.a.O., S. 135, 138; Gotthold Rhode: Kleine Geschichte Polens (Darmstadt 1965), S. 482

7 Fechner, a.a.O., S. 149; Dominique Venner: Söldner ohne Sold – die
deutschen Freikorps 1918-1923, S. 275 f; Karl Hoefer: Oberschlesien in
der Aufstandszeit (Berlin 1938), S. 108; Roos, a.a.O., S. 91

8 Bohmann, Menschen und Grenzen, Bd. 1, a.a.O., S. 38

9 Alfred M. de Zayas/Walter Rabus: Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle (München 1979), S. 249 ff., 36

10 Roos, a.a.O., S. 500; Bierschenk, a.a.O., S. 319ff.

11 Peter Aurich: Der deutsch-polnische September 1939 (München, Wien 1970) S. 48 f, 82; Bierschenk a.a.O., S. 319, 348 ff. 353; Frankfurter Allgemeine vom 31.8.1979

12 Zayas/Rabus, a.a.O., S. 244 schätzen „wenigstens 4000-5000“ und zitieren die Untersuchungen der Wehrmacht-Untersuchungstelle, die 3500-5000 ergeben haben. – Die „Posener Zentralstelle für die Gräber ermordeter Volksdeutscher“ enthält 5490 Karteikarten für Tote und Vermißte, vgl. Zayas/Rabus, S. 37. – Das Auswärtige Amt in Berlin sprach im November 1939 von „etwa 5400 Morden“, vgl. Martin Broszat, Nationalsozialistische Polenpolitik (Frankfurt/M., Hamburg 1967), S. 51. -Hans Roos: Die Geschichte der polnischen Nation 1918-1978 (Stuttgart 1979) spricht auf S. 168 von etwa 7000 Toten. Gelegentlich wird sogardie Zahl 10 000 genannt.

Die Divergenzen ergeben sich daraus, daß die deutschen Untersuchungen zunächst die sowjetische Besatzungszone Polens nicht berücksichtigen konnten. Durch Einbeziehung dieses Gebietes erhöht sich die Verlustzahl.


(Quelle)

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