Die Schuld der Alliierten an der Verlängerung des Krieges

„… das Deutsche Reich und die Reichsidee sind seit 75 Jahren der Fluch, der auf der Welt lastet, und wenn wir sie dieses Mal nicht stoppen, dann stoppen sie uns. Der Feind ist das Deutsche Reich und nicht etwa der Nazismus… Jede Möglichkeit für einen Kompromiß ist jetzt passé, und es muß ein Kampf bis zum Ende geführt werden, und zwar bis zum bitteren Ende… Wir haben mehr als genug von (Friedensvorschlägen von) Leuten wie Dahlerus, Goerdeler, Weißauer und Konsorten.”

(Zit. nach Olaf Rose: Der Hetzer – Lord Vansittart und die britische Kriegspropaganda gegen Deutschland 1939-1945.  2004, S. 156.)

Deutsche Friedensbemühungen nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges? Das klingt zunächst befremdlich. Das paßt nicht in das uns vermittelte Bild von den Plänen der NS-Machthaber.

Wir hören seit 1945 permanent, daß Hitler den Krieg gegen den Osten als Kampf um Lebensraum bereits 1923 in seinem Buch „Mein Kampf“ propagiert habe.

Wir hören nie, daß er Mitte der dreißiger Jahre, auf so manches Zitat daraus angesprochen, gestöhnt hat: 

„Hätte ich damals gewußt, daß ich einmal Reichskanzler werden würde, ich hätte das Buch niemals veröffentlicht.”

Wir hören immer, daß er den Angriff auf Polen unter Inkaufnahme der britischen und französischen Kriegserklärung vom Zaun brach und dann mit einer Kette von Überfällen und Kriegserklärungen die Weltherrschaft erringen wollte, deren unverständliche Höhepunkte der Angriff auf die UdSSR am 22. Juni 1941 und die Kriegserklärung an die Adresse der Vereinigten Staaten vom 11. Dezember 1941 waren.

Eine Frage muß sich hier allerdings aufdrängen:

Wie verblendet muß der bis dahin zwar konfliktbereite, aber doch höchst rational vorgehende und über seine militärischen Möglichkeiten sehr genau unterrichtete Hitler gewesen sein, daß er die beiden ressourcenstärksten, aber bis dahin nicht offiziell am Konflikt beteiligten, dafür ganze Kontinente umfassenden Großmächte Rußland und Amerika angriff? (Anmerkung: Dem Leser sei der AufsatzSeit 5:45 wird jetzt zurückgeschossen!unseres Kommentarschreibers “Kurzer” empfohlen!) 

Und das, obwohl er 1940 in Europa zwar 7 Staaten, darunter die stärkste Kontinentalmacht Frankreich, besiegt hatte, das seit Jahrhunderten aber am hartnäckigsten jeder europäischen Hegemonialmacht im Wege stehende England in keiner Weise einem Waffenstillstand oder gar einem Frieden nahegebracht hatte. 

Roosevelt und Churchill tragen nicht nur die Hauptschuld am Ausbruch des zweiten Weltkrieges; sie tragen auch die gleich schwere Schuld an seiner langen Dauer, wie an der ungeheuerlichen Rache-Tragödie am deutschen Volk nach errungenem Sieg. Die Verweigerung eines zeitgerechten Friedens, das Verlangen nach “Bedingungsloser Kapitulation” war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit!

(Anmerkung: Es wird, von der offiziellen Geschichtsschreibung, immer wieder an die Goebbels-Rede im Februar 1943 – “Wollt ihr den totalen Krieg”, erinnert. Diese Rede war die Antwort auf die Forderung der “bedingungslosen Kapitulation”, das muss man wissen! Mehr dazu hier)

Vom ersten Kriegstag an war Deutschland immer zu einem vernünftigen Frieden bereit. Ab 1942 war Deutschland bereits reif und bereit zu einem Frieden unter großen Opfern. Roosevelts Politik und die seiner Morgenthau-Hintermänner war aber auf die Vernichtung Deutschlands gerichtet. Ihre racheverblendete Forderung nach einer „unconditional surrender“, nach einer „bedingungslosen Kapitulation“, verlängerte den Krieg um Jahre. Ja selbst dann, als die deutsche Reichsregierung sich zur bedingungslosen Kapitulation gegen USA und England bereit erklärte und nur die flehentliche Bitte aussprach, die Grenzen des Landes gegen die Überschwemmung durch die asiatisch-bolschewistischen Horden schützen zu dürfen, lehnte Eisenhower diese Bitte brüsk ab.

Er verlangte, daß Deutschland sich auch den Bolschewisten bedingungslos unterwerfen müsse und damit ganz Mitteleuropa der Überflutung und Beherrschung durch die halbasiatischen bolschewistischen Heere preisgebe.

So kam es, daß Deutschland, das schon 1943 zu einem opfervollen, ja bedingungslosen Frieden bereit war, noch durch weitere Wochen einen verzweifelten letzten Widerstand leistete. Den ungeheuren Preis, den Blutzoll für den durch unchristlichen Geist, durch alttestamentarischen Haß, durch unversöhnliche Rachsucht um wenigstens zwei Jahre verzögerten Frieden zahlte nicht allein das deutsche Volk; die ganze Welt und vor allem die USA selbst mußten und müssen noch heute dafür mitzahlen: kostbarstes Leben Hunderttausender, ja Millionen Söhne deutscher und amerikanischer Mütter wäre verschont geblieben; Milliarden-, ja Billionenwerte an Wirtschaftsgütern, die durch diese unnötige Kriegsverlängerung sinn und zwecklos vergeudet und zerstört wurden, Milliarden an unnötigen Kriegskosten wären erspart geblieben, wenn nicht Haß und Rachsucht, sondern christlicher Geist und christliche Gesinnung, Vernunft und Mäßigung damals die Haltung Roosevelts bestimmt hätten.

(Anmerkung: Seit 1932 hatten die Amerikaner keine Auswahl mehr, was die Präsidentschaftswahlen betrifft. Roosevelt war unser Mann; jeder Präsident seit Roosevelt ist unser Mann gewesen.”(Quelle: Harold-Wallace-Rosenthal-Interview – Artikel hier)

Ein eigenes Buch könnte man füllen mit der Darstellung der berufenen und unberufenen Friedensfühler und Friedensbemühungen, die von deutscher Seite aus dauernd und immer wieder ausgestreckt und unternommen und versucht wurden. (mehr dazu hier)

Wenn Roosevelt und Churchill einen Frieden gewollt hätten, der auch für die Westmächte durchaus annehmbar gewesen wäre, war dieser Frieden — man kann sagen vom ersten Tag des Krieges an — immer durchaus möglich. Aber Roosevelt wie auch Churchill wollten die Zerstörung, die Vernichtung Deutschlands. (mehr dazu hier)

Das Friedensangebot von Papens

Der ehemalige deutsche Reichskanzler von Papen machte als deutscher Botschafter in der Türkei im Namen einer maßgeblichen deutschen Gruppe 1944 folgendes Friedensangebot an Roosevelt (Papen, Der Wahrheit eine Gasse, S. 594 f.):

„Präsident Roosevelt müsse sich entscheiden, daß die Fortsetzung des Krieges und die Formel der ‚bedingungslosen Kapitulation‘ folgendermaßen eingeschränkt werde: die im Westen kämpfenden deutschen Streitkräfte würden unter Einstellung der Feindseligkeiten beiderseits nach der Ostfront zu transportieren sein, um zu verhindern, daß die bolschewistischen Streitkräfte Gebiete innerhalb der Reichsgrenzen von 1938 und der mit uns verbündeten Balkanländer besetzten. Der Status müsse in territorialer Hinsicht in den Friedensverhandlungen aufrechterhalten werden. Sollte der amerikanische Präsident sich bereit finden, auf diesen Vorschlag einzugehen, das heißt, im Falle eines Regimewechsels in Deutschland die Forderung nach ‚bedingungsloser Kapitulation‘ fallenlassen, . . . habe der Plan einen ernsthaften Hintergrund.“  (Die ‘eigenständigen’ Friedensvorschläge von Papen’s – ein Verrat am Führer oder mit Wissen Hitler’s? Man muss wissen –  Aus Hitlers Händen nahm Papen im August 1944, nach seiner Rückkehr aus der Türkei, das Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz für seine angeblichen diplomatischen Erfolge in der Türkei entgegen. Beim Tribunal der Sieger in Nürnberg, wurde Papen -Ritter von Malta- freigesprochen!)

Der ehemalige amerikanische Diplomat George H. Earle, der Mittelsmann von Papens, hat in einem Interview im Philadelphia Enquirer vom 30. Januar 1949 über den Fortgang dieser Angelegenheit folgendes berichtet:

„Dieses Angebot wurde durch Kurier dem Präsidenten Roosevelt sofort übermittelt und erläutert. Der Präsident wies es zurück und befahl, daß alle Versuche der Deutschen, zu einer Verhandlung zu kommen, nur durch den militärischen Oberbefehlshaber, General Eisenhower, behandelt werden könnten.“

Von Papen erhielt nie eine Antwort. Damit war dieser Friedensversuch gescheitert und damit die Möglichkeit, den Krieg 18 Monate früher zu beenden. General Eisenhower wäre auch gar nicht in der Lage gewesen, die von Papen geforderte Entscheidung zu fällen, die im höchsten Grade politisch (und nicht militärisch) war.

(Anmerkung: Der eigentliche Kriegsgrund für die Führung der USA … war die Hitlerische Störung einer funktionsfähigen Weltwirtschaft.” (Henry Picker, Hitlers Tischgespräche – Artikel hier)

Mr. Earle erklärte dann weiter, diese Ablehnung (eines Angebotes von so ungeheurer weittragender Bedeutung) habe ihn veranlaßt, selbst nach Washington zu fliegen, um Roosevelt zu einer neuen Prüfung des Angebotes zu bewegen; er sei schon zu jener Zeit überzeugt gewesen, daß Deutschland unterliegen und die siegreichen sowjetischen Armeen später den ganzen Westen bedrohen würden.

Über die Antwort Roosevelts sagt Mr. Earle:

„Der Präsident erklärte mir, daß die Invasion in Frankreich demnächst vom Stapel laufe und daß die Deutschen in wenigen Monaten geschlagen sein würden. Roosevelt meinte, das aus so vielen Völkern mit so unterschiedlichen Sprachen bestehende Rußland, biete keinerlei Grund zu Befürchtungen. Vielmehr werde es sich nach dem Krieg dem Westen in allem anschließen.“ (Anmerkung: In Wahrheit dauerte der Krieg dann noch über 1½ Jahre, um die er bei Annahme des deutschen Angebots verkürzt worden wäre, ganz abgesehen von der damit verbundenen Abwendung der bolschewistischen Gefahr und Bedrohung Europas.)

Auf diese Worte Roosevelts hin habe er, Earle, dem Präsidenten Roosevelt erklärt, wenn es ihm nicht innerhalb einer Woche ausdrücklich untersagt werde, würde er, Earle, dem amerikanischen Volk laut und öffentlich mitteilen, daß die von Präsident Roosevelt verfolgte Politik falsch und verhängnisvoll sei und daß Rußland in der Tat die Hauptbedrohung für die Welt und Amerika darstelle. Der Präsident schrieb unverzüglich und unmißverständlich an Earle:

„Ich untersage Ihnen ausdrücklich, jedwede Information oder Meinung der Öffentlichkeit zu übergeben, die Sie auf Grund Ihrer Dienststellung oder auf irgendeine andere Weise erworben haben könnten, solange Sie im Dienste waren.“

Earle schreibt weiter:

„Präsident Roosevelt befahl außerdem meine Demission als Marineattaché in der Türkei. Er überwies mich dem Navy Departement, das mich als stellvertretender Gouverneur nach Samoa verbannte. Die Absage Roosevelts zerstörte unsere letzte Hoffnung auf eine europäische Regelung.“

Auch das japanische Kapitulationsangebot, das vor dem amerikanischen Angriff auf Okinawa erfolgte, wurde von Roosevelt mit der Begründung abgelehnt: „Sie haben noch nicht genug gelitten.“ Diese Entscheidung Roosevelts kostete die USA noch mehr als 100 Tausend Verwundete und Tote; die Schlacht von Okinawa war eine der blutigsten aller Zeiten.

Die “Bedingungslose Kapitulation” Deutschlands und die Tragödie Alttestamentarischen Hasses

„Die Proklamation der ‚unconditional surrender‘, der bedingungslosen Kapitulation, beraubte die Alliierten eines gesunden, vernünftigen Kriegszieles.“ (Der britische General J. F. C. Fuller)

Die Morgenthau-Leute, die die amerikanische Politik maßgeblich beeinflußten, gaben sich mit einem einfachen Sieg nicht zufrieden. Ihre alttestamentarische Rachsucht beraubte sie jeder vernünftigen Überlegung.

Ihnen ging es nicht nur um einen vollständigen Sieg: Ihnen ging es vor allem um die Befriedigung ihres orientalischen Hasses und ihrer Rachsucht, mochte das Beharren auf einer bedingungslosen Kapitulation den Krieg auch um viele Monate verlängern und diese Kriegsverlängerung noch das Leben von Zehntausenden amerikanischen Söhnen und Milliarden an Kriegskosten erfordern.

Im April 1945 leistete man den vorrückenden westlichen Armeen kaum mehr Widerstand und setzte sich nur mehr gegen die vordringenden Bolschewiken im Osten zur Wehr. Man veranstaltete in den bedrohten Gegenden Deutschlands und Österreichs Bittgottesdienste, um vom Himmel zu erflehen, daß das Land von den Amerikanern und Engländern vor den Bolschewiken besetzt werde.

Entsetzen faßte die Deutschen, als die Amerikaner und Briten ihren Armeen an der Elbe und an der Enns Halt geboten, damit den Bolschewiken Wien, Berlin und der ganze deutsche Osten zur Besetzung, zur Plünderung und Schändung überlassen bliebe. Tatenlos sahen die Amerikaner und Engländer an der Elbe und an der Enns zu, wie Deutschland und Österreich von den Bolschewiken überschwemmt wurden.

Deutschland war bereit, vor Amerikanern und Engländern bedingungslos zu kapitulieren, nicht aber vor den Bolschewiken. Würde man vor den Bolschewiken kapitulieren, dann geschah im Osten das Unausdenkbare und Unvorstellbare: dann fielen dort Hunderttausende deutscher Soldaten in die Hände der Bolschewiken; dann gerieten alle Flüchtlinge, die jetzt in panischer Angst vor den Bolschewiken nach dem rettenden Westen hetzten, in die Hand der Bolschewiken. (mehr dazu hier)

Was aber dann mit den Männern und Frauen geschehen würde, wußte man. Hätte man der Ostfront den Befehl gegeben, die Waffen vor den Bolschewiken niederzulegen, sie hätte es gar nicht tun können; denn niemand hätte begriffen, nicht die Soldaten und nicht die Zivilisten, daß man die Frauen und Mädchen der grauenhaften Schändung durch die asiatischen Horden, und die Männer und Soldaten der Gefangennahme durch die Bolschewiken und damit einem unausdenkbar grauenvollen Schicksale in den Eiswüsten Rußlands und den sibirischen Bergwerken ausliefern könne.

Man mußte versuchen, die westlichen Alliierten zu bewegen, für die Kapitulation vor den Bolschewiken wenigstens eine Frist von einer oder zwei Wochen zu geben, in der man im Osten von der Zivilbevölkerung zurücknehmen konnte, was in dieser Frist noch zurückzunehmen war.

Die Verhandlungen mit den Engländern

Zum Führer der Unterhändler, die man mit dem deutschen Kapitulationsangebot zu dem britischen Oberkommandierenden, Montgomery, schickte, wurde der damalige Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, Generaladmiral von Friedeburg, bestimmt.

Das schriftliche Kapitulationsangebot vom 3. Mai 1945 enthielt im wesentlichen folgende Punkte:

1. Die deutschen Armeen stellen jede Kampfhandlung im Westen ein.

2. Die Oberbefehlshaber der westlichen Armeen werden gebeten, der heimatlosen, vor den Bolschewiken fliehenden deutschen Zivilbevölkerung die Flucht in das von den westlichen Armeen besetzte Deutschland zu gestatten.

3. Die Oberbefehlshaber werden gebeten, den waffenlosen, den westlichen Armeen sich ergebenden deutschen Soldaten die Übernahme in die westliche Kriegsgefangenschaft zu gestatten.

Der britische Feldmarschall anerkannte die schwerwiegenden deutschen Gründe und ging auf eine teilweise Kapitulation, auf die Kapitulation gegenüber den britischen Armeen, ein. Er ließ bei den Kapitulationsverhandlungen durchblicken, man werde stillschweigend dulden, deutschen, aus dem Osten kommenden Soldaten, die sich britischen Truppen ergeben wollten, die Überschreitung der britischen Demarkationslinie zu gestatten. Über die Frage, ob auch die Zivilbevölkerung aus dem Osten nach dem Westen flüchten und die Demarkationslinie überschreiten dürfe, wollte Montgomery nicht sprechen.

Am 4. Mai 1945 um 19.40 Uhr unterzeichneten Montgomery und die deutschen Unterhändler diese bedingungslose Kapitulation gegenüber den britischen Armeen. Am 5. Mai 1945 um 8 Uhr früh schwiegen an diesen Frontabschnitten alle Waffen.

Montgomery, der britische Feldmarschall, schildert in seinen Memoiren den Vorgang der Kapitulation (S. 376 ff.):

„Am 3. Mai schickte Feldmarschall Keitel mit Zustimmung von Admiral Dönitz eine Delegation in mein Hauptquartier, um Verhandlungen wegen einer Kapitulation einzuleiten. Sie traf um 11.30 Uhr ein und bestand aus Generaladmiral von Friedeburg, dem Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, General Kinzel, dem Chef des Stabes von Feldmarschall Busch, dem Oberbefehlshaber der deutschen Truppen an meiner Nord- und Westflanke, Konteradmiral Wagner und Major Freidel, einem Generalstabsoffizier. Zu diesen vier kam dann später noch ein weiterer Generalstabsoffizier, Oberst Pollek, hinzu. Sie wurden bis vor meinen Wohnwagen geführt, so daß sie gerade unter der englischen Flagge standen, die stolz im Winde flatterte. Ich ließ sie zunächst ein paar Minuten warten, dann trat ich aus meinem Wohnwagen und ging auf sie zu. Sie legten, unter der Flagge stehend, alle die Hand an die Mütze. Es war ein denkwürdiger Augenblick: Die Deutschen kamen, um sich zu ergeben — der Krieg war zu Ende . . .

Ich fragte meinen Dolmetscher: ‚Wer sind diese Leute?‘ Er sagte es mir. Dann fragte ich: ‚Was wollen sie?‘ Admiral von Friedeburg las mir einen Brief von Feldmarschall Keitel vor, in dem er mir die Übergabe der drei deutschen Armeen anbot, die sich zwischen Berlin und Rostock vor den Russen zurückzogen. Ich lehnte es ab, dies in Erwägung zu ziehen, und sagte, diese Armeen sollten sich den Russen ergeben, fügte aber hinzu, wenn deutsche Soldaten mit erhobenen Händen auf meine Front zukämen, würden sie automatisch zu Kriegsgefangenen gemacht werden. Von Friedeburg sagte, es sei undenkbar, sich den Russen zu ergeben, da sie unzivilisierte Menschen seien, die die deutschen Soldaten sofort zur Zwangsarbeit nach Rußland schicken würden.

Ich erwiderte ihm, all das hätten die Deutschen bedenken sollen, ehe sie den Krieg anfingen und besonders ehe sie im Juni 1941 die Russen überfielen. (Anmerkung: Verweis auf die jüdische Kriegserklärung vom 24. März 1933 – mehr dazu hier).

Von Friedeburg brachte dann ihre Sorgen um die Zivilbevölkerung in Mecklenburg zur Sprache, die von den Russen überrannt würde, und sagte, sie würden gerne die Frage erörtern, wie man sie retten könnte. Ich erwiderte, Mecklenburg gehöre nicht zu meinem Gebiet, und alle Fragen, die sich dort ergäben, müßten mit den Russen erörtert werden. Sie müßten verstehen, sagte ich, daß ich es ablehnen müsse, irgend etwas zu diskutieren, das mit der Lage östlich meiner Front zwischen Wismar und Dömitz zu tun habe; sie müßten sich mit diesen Fragen an die Russen wenden . . . Dann brachten sie ihre Sorgen wegen der Zivilbevölkerung in den Gebieten an meiner Westflanke vor und sagten, sie würden gerne mit mir einen Plan vereinbaren, nach dem sich ihre Truppen langsam vor meinen Streitkräften zurückziehen könnten. Das lehnte ich ab.“

Montgomery gab seine Forderungen und Entscheidungen der deutschen Delegation wie folgt bekannt:

„1. Alle Angehörigen der deutschen Streitkräfte, die von Osten her zu den Briten kommen und sich ergeben wollen, werden zu Kriegsgefangenen gemacht werden. Die Briten sind jedoch nicht in der Lage, die Übergabe einer ganzen deutschen Armee anzunehmen, die im Kampf gegen die Russen steht.

2. Erörterungen über die Lage der Zivilbevölkerung sind nicht möglich.

3. Alle deutschen Truppen in Holland, Friesland (einschließlich der Inseln und Helgoland), Schleswig-Holstein und Dänemark legen die Waffen nieder und ergeben sich bedingungslos. Sobald die Übergabe vereinbart ist, ist Montgomery bereit, über die Art und Weise der Besetzung dieser Gebiete, die Behandlung der Zivilbevölkerung usw. zu verhandeln.

Von Friedeburg erklärte, er könne darüber nicht bestimmen, dagegen hätte er sehr gern sofort eine Vereinbarung wegen der Zivilbevölkerung getroffen; doch das lehnte ich ab. Ich erklärte dann, wenn die Deutschen sich weigerten, ihre Truppen in den von mir genannten Gebieten bedingungslos zu übergeben, würde ich den Befehl geben, die Kampfhandlungen fortzusetzen; dann würden noch viel mehr deutsche Soldaten getötet werden und möglicherweise auch Zivilisten durch Artillerie und Luftangriffe ums Leben kommen.

Ich zeigte ihnen schließlich auf der Karte die gegenwärtige Lage an der ganzen Westfront. Sie hatten davon offenbar keine Ahnung und waren sehr bestürzt . . . Anscheinend waren sie jetzt so weit, daß ich sie ohne Schwierigkeiten dahin hätte bringen können, meine Forderungen anzunehmen. Aber, dachte ich, vielleicht wird zunächst eine Mittagspause das Richtige sein, damit sie Zeit hatten, über meine Worte nachzudenken. Ich schickte sie daher in ein Zelt, wo sie zu Mittag essen konnten; nur einer meiner Offiziere sollte dabeisein.

Von Friedeburg liefen während des Essens die Tränen über das Gesicht, und von den andern sagte kaum einer ein Wort. Nach dem Essen ließ ich sie wieder rufen. Diesmal fand aber die Unterredung in meinem Sitzungszelt statt, wo die Lagekarte auf dem Tisch lag. Ich begann die Besprechung damit, daß ich ihnen ein Ultimatum stellte — Sie waren wohl auch von der Hoffnungslosigkeit ihrer Lage überzeugt, erklärten aber, sie hätten keine Vollmacht, meinen Forderungen zuzustimmen. Immerhin waren sie bereit, Feldmarschall Keitel die bedingungslose Übergabe aller Truppen gemäß meiner Forderung zu empfehlen. Zwei von ihnen wollten zum OKW zurückfahren, mit Keitel sprechen und sein Einverständnis mitbringen

. . . Tatsächlich fuhr dann von Friedeburg selbst mit Freidel im Wagen nach Flensburg. Durch Hamburg und bis in die deutschen Linien wurden sie von Oberstleutnant Trumbull Warren, meinem kanadischen Adjutanten, geleitet. Ich hatte ihnen gesagt, sie müßten bis 6 Uhr nachmittags des nächsten Tages, des 4. Mai, wieder in meinem Hauptquartier sein. Kinzel und Wagner blieben da. Ich war überzeugt, daß von Friedeburg mit der Vollmacht zum Unterzeichnen zurückkommen werde. Ich beschloß daher, am 4. Mai um 5 Uhr nachmittags die Pressevertreter zu empfangen, um ihnen die Ereignisse der letzten Tage zu schildern und ihnen zu sagen, was ich mir von dem Abend erhoffte . . . Von Friedeburg und Freidel kamen zurück, während die Pressekonferenz noch im Gang war . . .

Ich sagte daher noch zu den Pressevertretern, sie könnten alle in das große Zelt mitkommen, um bei der Schlußszene zugegen zu sein. Die deutsche Delegation stand wieder unter der Flagge vor meinem Wohnwagen. Ich nahm von Friedeburg mit in den Wagen, um zunächst mit ihm allein zu sprechen. Ich fragte ihn, ob sie die Übergabebedingungen so, wie ich sie forderte, uneingeschränkt unterschreiben würden. Er war sehr niedergeschlagen, erklärte sich aber dazu bereit. Daraufhin bat ich ihn, wieder zu den anderen zu gehen. Es war jetzt kurz vor 6 Uhr.

Ich gab daher den Befehl, daß die feierliche Unterzeichnung sofort stattfinden solle. Ich hatte zu diesem Zweck ein besonderes Zelt aufstellen und mit Kabelanschlüssen für die Aufnahmemikrophone ausstatten lassen.

Vor den Augen der Soldaten, Kriegsberichterstatter und Fotografen, denen man die freudige Erregung ansah, gingen die Mitglieder der deutschen Delegation hinüber zu dem Zelt. Sie waren sich klar darüber, daß dies das Ende des Krieges war.

Ich hatte die Übergabe-Urkunde schon fertig. Die Einrichtung des Zeltes war ganz schlicht; eine Tischplatte auf Böcken mit einer wollenen Kommißdecke, darauf ein Tintenfaß und ein gewöhnlicher Federhalter, wie man sie in jeder Kantine um 2 Pence kaufen konnte. Auf dem Tisch zwei Mikrophone des englischen Rundfunks. Als ich eintrat, erhoben sich die Deutschen. Dann setzten wir uns alle um den Tisch.

Die Deutschen waren verständlicherweise nervös. Einer von ihnen nahm eine Zigarette heraus, um sich zu beruhigen. Aber als ich ihn ansah, nahm er die Zigarette wieder weg. In aller Öffentlichkeit, im Beisein der Pressevertreter und anderer Zuschauer, verlas ich dann in diesem Zelt in der Lüneburger Heide auf englisch die Kapitulationsurkunde. Ich fügte noch hinzu, falls die deutsche Delegation diese Urkunde nicht sofort und ohne Einwände hinsichtlich der Folgen ihrer Kapitulation unterzeichne, würde der Kampf weitergehen.

Dann rief ich die einzelnen Mitglieder der Delegation nacheinander bei Namen auf, um das Dokument zu unterschreiben — sie taten es ohne ein Wort des Einspruchs. Als letzter unterschrieb ich selbst im Namen von General Eisenhower.

Die Urkunde war in englischer Sprache abgefaßt. Ich übergab jedoch der Delegation einige Ausfertigungen auf deutsch. . .

Von den vier Deutschen, die am 3. Mai 1945 in meinen vorgeschobenen Gefechtsstand in der Lüneburger Heide kamen, lebt heute nur noch einer. Es ist Konteradmiral Wagner, der jetzt stellvertretender Chef der Marineabteilung im deutschen Bundesverteidigungsministerium ist. Die anderen drei starben eines gewaltsamen Todes: von Friedeburg hat sich vergiftet, Kinzel hat sich erschossen und Freidel kam bald danach durch einen Autounfall ums Leben . . .

Die politische Forderung einer‚ bedingungslosen Kapitulation‘ war meiner Ansicht nach, ein großer Fehler.“


(Quelle)

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