Der Judenstern – Kareski & Canaris

Aus:
Historische Wahrheiten Nr. 10

Dipl. Pol. Udo Walendy

JudenshirtDr. Erwin Goldmann, ein aufrechter „Wanderer zwischen zwei Völkern“ – dem deutschen und dem jüdischen – berichtet in seinem Buch „Zwischen zwei Völkern – Ein Rückblick, Erlebnisse und Erkenntnisse“, Königswinter 1975, S. 129 – 133 von einem Erlebnis, das ohne Kenntnis vieler anderer Zusammenhänge geradezu phantastisch anmutet, dennoch aber geschehen und erklärlich ist, wenn man die Intensität und Methodik zionistischer Weltpolitik in den Jahren von 1919 – 1939 kennt. Die Meinung der deutschen Juden bzw. Juden in Deutschland spielte für jene Kreise keine Rolle, man setzte sich darüber hinweg. Man verstand inzwischen die verfügbaren Macht- und Einwirkungsmittel auf die Weltmeinung zur „Steuerung der äußeren Ereignisse“ einzusetzen, die weit mehr Aussicht auf Erfolg für das zionistische Endziel – die Schaffung des jüdischen Staates in Palästina – versprachen, als Appelle an die Einsicht der verstreut lebenden Juden, sich freiwillig zur Einreise nach Palästina zu entschließen. Dr. Erwin Goldmann schreibt:

»Im Jahre 1938 erzählten mir Gestapo-Beamte bei einer der häufigen Rücksprachen wegen der Angelegenheit meiner Schutzbefohlenen, in Berlin habe bei den zuständigen Stellen ein Direktor Georg Kareski als überzeugter Zionist wiederholt den Vorschlag gemacht, das Tragen eines Judensterns einzuführen. Da mir klar war, zu welchem Unglück in verschiedener Hinsicht eine solche Maßnahme führen müßte, rief ich ihn sofort in Berlin an, ließ alle beruflichen Verpflichtungen unbeachtet und war bereits am übernächsten Tag zu der mit ihm verabredeten Zeit in seiner Wohnung. … Da ich Kareski am Fernsprecher den Grund meiner Bitte um eine Unterredung gesagt hatte, war ich schon durch den Ton seiner Antwort auf allerhand gefaßt. Meiner ganzen Art hätte es entsprochen, auf den Tisch des ungeheizten Zimmers, in dem man mich ohne Entschuldigung mehr als eineinhalb Stunden warten ließ, einen Zettel mit herzlichen schwäbischen Grüßen zu legen und wieder heimzufahren. Was sich dann aber bei dem Zwiegespräch an gegensätzlichen Meinungen entwickelte, war so, daß man wirklich nicht wußte, wer wen gerne zuerst erschossen hätte, obwohl wir beide sehr bald menschlich wegen unserer Offenheit Achtung vor einander bekamen. Weiterhin war für mich wesentlich, daß ich schon immer überzeugte und entsprechend handelnde Zionisten hochgeschätzt habe. Kareski hat deshalb auch die Nürnberger Gesetze von 1935 ehrlich bejaht und sah in ihnen einen Weg zu einer klaren Trennung der beiden Völker -bei Berücksichtigung ihres Eigenlebens.

Nach seinen Angaben hat er das Goebbels schon gegen Ende 1935 bestätigt. Was mich damals tief bewegte, war die Überlegung, wie schwer das Tragen eines Judensterns für viele werden würde, die nicht solch vorbehaltlos völkischen Standpunkt teilen könnten. Am 28. Oktober 1939 wurde dann die von Kareski mitempfohlene Maßnahme für das General-Gouvernement befohlen und am 15. September 1941 für das ganze Reich.

Kareski hielt seinen und seiner Freunde Standpunkt ohne Rücksicht auf Andersdenkende für richtig und würdig. Als die Sprache auf die nicht-arischen Christen kam, zuckte Kareski die Schultern: „Was haben wir uns um Euch Gojims zu kümmern“ – Er gab außerdem zu, daß die Sonderbestimmungen für jüdische Frontkämpfer  nicht zuletzt auf Ansuchen jüdischer Kreise beseitigt worden seien. Das ist mir später auch im Württembergischen Innenministerium amtlich bestätigt worden….

Trotz völlig anderer Charakterwerte im Vergleich mit dem Ehrenmann Kareski muß hier an die bekannt zwielichtige Persönlichkeit des Admirals Canaris gedacht werden. Einerseits ist richtig, daß er – was damals nur gerüchteweise bekannt war, mir aber während der Internierung von Dr. Hjalmar Schacht bestätigt wurde – vielen Juden auf verschiedenartigste Weise zu einer Ausreise verholfen hat. Andererseits war er es, der bei Hitler selbst die Einführung des Judenstern mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln durchdrückte. Beim SD habe ich erfahren, daß er das gegen den Rat von Dr. Goebbels und vielen anderen maßgebenden Persönlichkeiten der Regierung, Partei, Wehrmacht und Polizei selbst unter Mißachtung der Weltmeinung -erreichen konnte.

Nachträglich kam ich zu der Überzeugung, daß Canaris nach all dem, was ich von ihm gehört und gelesen habe, bei seinem Doppelspiel bis 1944 absichtlich die Abscheu der Welt gegen Deutschland geschürt hat. Jedes Mittel, ohne Rücksicht auf etwa Betroffene war dem Admiral und seinen Gesinnungsgenossen bei ihrem Tun recht. Kareski und Canaris haben sich in der Frage des Judensterns aus völlig verschiedenen Gründen und auf völlig verschiedenen Wegen eingesetzt.«


Canaris, Wilhelm, Admiral, Chef der dt. Abwehr, *1.1.1887 Aplerbeck/Westfalen, † 9.4.1945 Flossenbürg. Der Sohn eines Hüttendirektors trat nach Besuch des Realgymnasiums 1905 in die Kriegsmarine ein und war im 1. Weltkrieg im Geheimauftrag des Admiralstabs in Spanien und als Kapitänleutnant U-Bootkommandant im Mittelmeer. Er beteiligte sich an der Bildung von Einwohnerwehren und sprach sich für den Kapp-Putsch aus. 1924-28 war er in der Marineleitung tätig und wurde 1932 zum Kapitän zur See befördert. Am 1.1.1935 wurde er Chef der Abwehrabteilung im Reichswehrministerium, am 1.5.1935 Konteradmiral und im März 1938 Chef des Amtes Ausland der Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht. Canaris, deutsch-national gesinnt und Verehrer Francos, durchschaute bald die Ziele des Nationalsozialismus und stand nach der Fritschkrise (1938) im Zentrum eines Widerstandskreises in seinem Amt. Zusammen mit Oster pflegte er Kontakte zu ~ Beck und verhalf zahlreichen polit. Verfolgten zur Flucht ins Ausland. Canaris‘ Doppelspiel fand mit seiner Amtsenthebung im Februar 1944 nach dem Überlaufen eines seiner Agenten in der Türkei zu den Engländern ein Ende. Das Reichssicherheitshauptamt übernahm die Abwehr. Drei Tage nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler, an dessen Vorbereitung und Durchführung er nicht beteiligt war, wurde Canaris verhaftet, einem SS-Standrechtsverfahren unterzogen, verurteilt und im KZ Flossenbürg gehängt.


(Quelle)

 

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