Wie Roosevelt Deutschland den Bolschewismus ausieferte

Frankling Roosevelt is making a radio press conference.

„Feldmarschall Viscount Montgomery führt in seinen Memoiren aus, die britisch-amerikanischen Armeen, die sich 1944/45 durch Italien nordwärts bewegten, hätten Österreich besetzen und Wien noch vor den Russen erreichen können, falls man seinem Rat gefolgt wäre. Wie Montgomery behauptet, haben die amerikanischen Militärstrategen den Russen in die Hände gespielt, indem sie Truppen aus Italien abzogen, um im August 1944 eine Invasion von Frankreich vom Süden her durchzuführen; dies sei einer der größten strategischen Fehler des Krieges gewesen.“

(AP)

Wenn man die deutsche Macht in Europa von Südosten her aufgerollt hätte und die amerikanisch-britischen Armeen von Bulgarien und Griechenland aus über Jugoslawien und Ungarn in das Herz Europas vorgestoßen wären, wäre den bolschewistischen Armeen dadurch ein Riegel vorgeschoben gewesen. Das Eindringen in die baltischen Staaten, in Polen, Rumänien, Ungarn, die CSSR und in Deutschland wäre den Bolschewiken dadurch verwehrt und unmöglich geworden, und Europa wäre vor dem Würgegriff der Bolschewiken bewahrt geblieben.

Und wenn man schon — unverständlicher- und unverantwortlicherweise — Ost- und Südosteuropa, die baltischen Staaten, Polen, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien, Ungarn und die CSSR den Bolschewiken preisgab, hätte man sie doch unbedingt wenigstens von Mitteleuropa fernhalten müssen. Man mußte die Städte Wien, Prag und Berlin vor den Bolschewiken besetzen. Man tat nicht einmal das, obwohl es ohne weiteres möglich gewesen wäre. Man gebot den amerikanisch-britischen Armeen Halt, um den bolschewistischen Armeen Zeit und Möglichkeit zu geben, diese Städte vor den westlichen Einheiten zu besetzen. Ungeheuerlich, unverständlich und unverzeihlich, eine tödliche politische Unterlassungssünde.

Der britische Feldmarschall Viscount Montgomery geißelt diese verhängnisvolle Politik der USA gegenüber den Bolschewiken in seinen Memoiren (List Verlag, 1958, S. 372 f.):

„Das Wichtigste war, sobald die deutschen Streitkräfte endgültig besiegt waren, dafür zu sorgen, daß wir in Europa zu einem politischen Gleichgewicht kamen, das uns — den westlichen Nationen — half, den Frieden zu gewinnen. Dazu war es notwendig, daß wir uns in den Besitz gewisser politischer Mittelpunkte in Europa setzen mußten, ehe dies die Russen taten — in erster Linie von Wien, Prag und Berlin. Wäre die oberste Leitung des Krieges von den politischen Führern des Westens richtig gehandhabt worden …, so hätten wir alle drei Städte vor den Russen bekommen können. Aber was geschah? Die Möglichkeit, Wien vor den Bolschewiken zu besetzen, schwand dahin, als die Landung in Südfrankreich beschlossen wurde. Die Truppen dafür nahm man Feldmarschall Alexander in Italien weg und bremste dadurch seinen Vormarsch. Kein Wunder also, daß Stalin dem Plan der Landung in Südfrankreich begeistert zustimmte, bekam er doch dadurch die Gewißheit, daß seine Truppen vor den unseren in Wien sein würden.

Was Prag betrifft, so bekam die 3. Amerikanische Armee gegen Ende April die Weisung an der Westgrenze der Tschechoslowakei halt zumachen — aus Gründen, die ich nie verstanden habe. Als ihr schließlich dann im Mai doch erlaubt wurde, die Grenze zu überschreiten, bekam sie, wie Bradley in seinem Buch A Soldier’s Story berichtet, den Befehl, nicht über Pilsen hinaus vorzustoßen, ‚weil die Befreiung der Tschechoslowakei der Roten Armee vorbehalten war‘. Nach Bradleys Ansicht hätte Patton, wenn das Oberste Hauptquartier diesen Befehl nur etwas zurückgehalten hätte,‚ wahrscheinlich in vierundzwanzig Stunden in Prag sein können‘.

Berlin ging uns schon im August 1944 verloren, als wir es nach dem Sieg in der Normandie unterließen, einen vernünftigen Operationsplan aufzustellen. Die Amerikaner konnten es nicht verstehen, daß es wenig nützte, den Krieg militärisch zu gewinnen, wenn wir ihn politisch verloren. Die Folgen dieses merkwürdigen Standpunktes haben wir vom Tage der deutschen Kapitulation an zu tragen gehabt und tragen sie heute noch … Mir wurde schon im Herbst 1944 klar, daß die Art, wie man die Dinge anpackte, sich weit über das Kriegsende hinaus auswirken würde; ich hatte damals den Eindruck, daß wir auf dem besten Wege waren, unsere Sache zu‚ verpfuschen‘ — und ich glaube, das taten wir.“

Roosevelt erfüllte den Bolschewiken alle ihre Wünsche, weil sie ihm wichtig und unentbehrlich für die Verwirklichung seiner Rache- und Vernichtungspläne gegenüber Deutschland waren. So lieferte er nicht nur ganz Ost- und Südosteuropa der bolschewistischen Herrschaft aus; es entsprach auch seinen Racheplänen, daß Deutschland den bolschewistischen Horden preisgegeben und von ihnen überschwemmt werde. So spielte Roosevelt den Bolschewiken sowohl Wien wie Prag und Berlin in die Hände, was Montgomery und viele Einsichtige schon damals offen „als einen der größten Fehler des Krieges“ bezeichneten.

Eisenhower war der letzte, der Roosevelt gegenüber seine warnende Stimme erhoben hätte, auch wenn er das Verhängnisvolle dieser Politik erkannt hätte. Eisenhower war das willfährigste und blinde Werkzeug für die Realisierung von Roosevelts Morgenthau-Racheplänen.

Noch am 15. September 1944 hatte Eisenhower in seinem Brief an den britischen Feldmarschall Montgomery geschrieben (Memoiren, S. 311):

„Unser Hauptziel ist selbstverständlich Berlin … Meiner Ansicht nach besteht kein Zweifel darüber, daß wir alle unsere Energie und alle unsere Mittel für einen schnellen Vorstoß auf Berlin einsetzen müssen … dazu die Gebiete der Ost- und Nordseehäfen Kiel, Lübeck, Hamburg, Bremen … weiter die Gebiete von Hannover — Braunschweig und Leipzig — Dresden. Sie sind sowohl industriell als auch versorgungsmäßig von Bedeutung.“

Als aber Roosevelt Berlin den Russen preisgab, stimmte Eisenhower diesem ebenso militärisch verhängnisvollen wie politisch wahnsinnigen Plan widerspruchslos sofort zu. Am 31. März 1945 sandte er folgenden Funkspruch an den überraschten Montgomery (Memoiren, S. 372):

„Sie werden bemerkt haben, daß ich Berlin überhaupt nicht erwähnt habe. Dieser Ort ist für mich nur noch ein geographischer Begriff, und ich habe für derlei noch nie Interesse gehabt.“

Diese verhängnisvolle Sinnesänderung kommentiert Montgomery in seinen Memoiren mit den Worten:

„Es war zwecklos, diese Angelegenheit von mir aus weiterzuverfolgen. Wir hatten schon so viele Auseinandersetzungen über entscheidende Fragen gehabt; außerdem — es war dafür sowieso fast zu spät.“

Wie anders würde die Lage in Europa heute aussehen, wenn nicht Haß, sondern politische Vernunft die Politik Roosevelts und die militärischen Aktionen Eisenhowers bestimmt hätten.

Es war nur ein Glück, daß es Montgomery, dessen Hirn weniger von Haß vernebelt war, mit einem Vorsprung von nur sechs Stunden gelang, wenigstens Dänemark und Schleswig-Holstein vor dem Zugriff der Bolschewiken zu retten.

„Schließlich gelang es uns dann doch noch, vor den Russen dazusein. Am 2. Mai erreichten wir die Ostsee bei Wismar und Lübeck und versperrten dadurch — mit einem Vorsprung von nur sechs Stunden — den Russen den Weg nach Dänemark und Schleswig-Holstein.“

(Memoiren, S. 374)

Wie verblendet die Vernichtungspolitiker in den USA auch nach dem Tod Roosevelts waren, zeigt ihr Verhalten nach der Kapitulation Deutschlands. Man hätte nun annehmen sollen, daß die Westmächte — nachdem sie das Eindringen der Bolschewiken in Deutschland, ins Herz Europas, so sehr begünstigt und ermöglicht hatten — nunmehr wenigstens jene deutschen Gebiete in der Hand behalten würden, die ihre Armeen zur Zeit der Kapitulation besetzt hielten.

Nicht einmal das taten die USA.

Die Engländer waren fest entschlossen, die von ihnen besetzten deutschen Gebiete als Faustpfand dafür in der Hand zu behalten, daß die Bolschewiken sich ihrerseits an ihre in Potsdam und Jalta übernommenen Verpflichtungen halten würden.

Aber schon beim ersten Zusammentreffen der vier Alliierten bei der Eröffnungssitzung des Berliner Kontrollrates am 5. Juni 1945 in Berlin forderte General Schukow als Vertreter der Bolschewiken energisch den Abzug der britischen und amerikanischen Armeen aus jenen deutschen Gebieten, die schon früher den Bolschewiken zugesagt worden waren.

Montgomery schreibt darüber in seinen Memoiren (S. 422 ff.):

„Schukow vertrat den Standpunkt,… daß die westlichen Alliierten die Teile der russischen Zone, die sie noch besetzt hielten, den Russen zu übergeben hätten — mit anderen Worten, wir sollten uns sofort auf die Zonengrenzen zurückziehen, die auf der Jalta-Konferenz vereinbart worden waren. Während der Kämpfe in den letzten Wochen des Krieges waren die englischen und amerikanischen Truppen tatsächlich weit über diese Grenze nach Osten vorgestoßen. Ich wies darauf hin, daß vorher noch eine ganze Anzahl Überschneidungsfragen zu klären seien… Anschließend suchte ich sofort Eisenhower in seiner Villa auf, um mit ihm über meine Unterhaltung mit Schukow und die Schwierigkeiten zu sprechen, mit denen wir nach Schukows Äußerungen rechnen mußten. Offenbar würde eine Zusammenarbeit mit den Russen erst möglich sein, wenn wir uns in unsere Zonen zurückgezogen hatten. Die Grenzen dieser Zonen waren schon am 22. September 1944 von der Europäischen Beratenden Kommission festgelegt und von den drei Regierungen gebilligt worden. Auf der Jalta-Konferenz hatten dann Churchill, Truman und Stalin am 11. Februar 1945 folgende Erklärung abgegeben:

‚Nach dem vereinharten Plan werden die Truppen der drei Mächte getrennte Zonen in Deutschland besetzen. Für die gemeinsame Verwaltung und Kontrolle sieht der Plan eine gemeinsame Zentrale Kontrollkommission vor, die aus den Obersten Befehlshabern der drei Mächte mit dem Sitz in Berlin bestehen wird.‘

Trotz dieser internationalen Absprachen betrachtete aber die britische Regierung die De-facto-Besetzung großer Teile der den Russen zugesprochenen Zone durch englische und amerikanische Armeen als wichtiges Faustpfand, um dafür von der Sowjetregierung eine befriedigende Lösung verschiedener noch offener Fragen einzuhandeln: unserer Politik gegenüber Deutschland und seiner Behandlung als wirtschaftliches Ganzes, des Polen-, Balkan- und Österreich-Problems so wie anderer damit zusammenhängender Fragen. In diesem Sinne war ich in London vor meiner Abreise nach Berlin instruiert worden. Ich wußte daher, daß der Premierminister [Churchill] größten Wert darauf legte, daß die englischen und amerikanischen Armeen an den augenblicklichen, am Tage der Kapitulation erreichten Grenzen stehenblieben bis zu der bevorstehenden Konferenz der Regierungschefs in Potsdam, bei der diese und andere Fragen erörtert und geregelt werden sollten.

Ich wußte aber auch, daß die amerikanische Regierung anders darüber dachte. Obwohl auch sie gern eine Regelung der deutschen und österreichischen Probleme vor dem Abzug der amerikanischen Armee erreicht hätte, war sie nicht geneigt, weitere Fragen, wie die die Polen und den Balkan betreffenden, damit zu verquicken. Auch wollte sie keine Zusicherung geben, daß ihre Truppen bis zu dem Treffen der Regierungschefs stehenbleiben würden; sie hatte vielmehr erklärt, wenn die Russen auf einer sofortigen Durchführung des Zonenabkommens bestünden, wolle sie die Räumung nicht auf die lange Bank schieben.

All dies schien mir wenig erfreulich. Ich besprach die abweichenden Ansichten unserer Regierungen mit Eisenhower. Sein Standpunkt aber war, wir müßten das einmal gegebene Wort halten. Andernfalls würden wir uns jeder Möglichkeit berauben, zu einer freundschaftlichen Zusammenarbeit mit den Russen zu gelangen … Auf der anderen Seite, sagte ich, sei ich natürlich an die Weisungen meiner Regierung gebunden. Wenn die Frage zur Sprache käme, würde ich daher erklären, es sei Sache der Regierungschefs, darüber zu entscheiden … Doch Schukow ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, daß mit dem Aufbau des Kontrollapparates erst begonnen werden könne, wenn die englischen und amerikanischen Streitkräfte die von ihnen besetzten Teile der russischen Zone verlassen hätten. Bis dahin seien nicht einmal vorbereitende Arbeiten der Stellvertreter oder Stäbe möglich …

Eisenhower stellte in seiner Schlußansprache fest, … daß die Russen nicht bereit seien, in Kontrollratsdingen‚ mitzuspielen‘, solange die englischen und amerikanischen Streitkräfte nicht in ihre Zonen zurückgekehrt seien …

Eine zentrale Kontrolle und Verwaltung von Deutschland war damit vorerst unmöglich. Ich berichtete entsprechend meiner Regierung und fügte hinzu, meines Erachtens müßten wir uns sofort in die vereinbarten Zonen zurückziehen. Hätten wir Wien, Prag und Berlin vor den Russen genommen, was durchaus möglich gewesen wäre, so wäre unsere Stellung wahrscheinlich jetzt ganz anders gewesen. Aber so mußten wir jetzt — zum erstenmal — für unsere Unterlassungssünden büßen. Militärische Gründe dafür, zu bleiben, wo wir waren, gab es nicht, dagegen sprachen viele politische Gründe für den Abzug der Truppen — zum mindesten der, daß wir sonst mit der gemeinsamen Verwaltung des eroberten Deutschland nicht einmal anfangen konnten.

Der Premierminister Churchill stimmte meiner Ansicht nicht zu; er war vielmehr, wie schon gesagt, der Meinung, wir sollten stehenbleiben, bis die Russen zugänglicher würden. Dabei erinnere ich mich an eine Unterhaltung mit Eisenhower über dieses Thema, als ich 1946 bei ihm in Washington zu Besuch war. Er war damals Chef des Generalstabes der amerikanischen Armee und ich der englischen. Bei nachträglicher Betrachtung meinte er, wären wir stehengeblieben, so hätten die Russen wohl schließlich nachgegeben; und hätten sie mit Gewalt versucht, uns hinauszuwerfen, so hätten wir eben mit ihnen kämpfen müssen.“


Quelle:

Geschichte der Verfremdung Deutschlands
BAND 6
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