Dänische Verbrechen: 7000 ermordete deutsche Kinder in Flüchtlingslagern

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Manfred Erkel

Tausende von deutschen Kindern – viele davon Kleinkinder, die vor den vordringenden Sowiet-Russen flohen – starben in dänischen Flüchtlingslagern am Ende des Zweiten Weltkrieges. Eine Ärztin, mit einer Mission den Leidensweg der Kinder aufzuzeichnen, hat den liebgewonnenen Glauben von Dänemarks großer Menschlichkeit nach dem Krieg zerstört.

Als die Russen nach Berlin vorstießen flohen tausende von deutschen Familien in Panik. Viele dachten sie seien glücklich Boote besteigen zu können,um sich und ihre Kinder nach Dänemark und damit in Sicherheit zu bringen. Wie sehr sie sich doch irrten!

Ihre Namen waren Heinrich, Helmut und Walter, Gudrun, Karin oder Ingelore. Hunderte von ihnen liegen begraben in der hintersten Ecke von Kopenhagens größtem Friedhof, Vestre Kirkegaard. Man sieht kaum mal einen Trauernden hier.

Einfache Kreuze oder Grabsteine tragen ihre Namen und markieren die Gräber in denen manches Mal soviele wie 12 kleine Leichen zusammen in aller Eile verscharrt wurden. Manchmal wurden sie nur teilweise identifiziert, wie zum Beispiel “Kottmann Kind 7.4.45.” oder “unbekanntes Flüchtlingskind”, geschrieben in jetzt verwitterter Schrift.

Die Geburts- und Todesdaten sind meistens aufgezeichnet aber die Totenregister enthalten kaum andere Einzelheiten. Dennoch, die stillen Zahlen weisen auf ihr tragisches Schicksal hin. Was zum Beispiel geschah mit Adelheid Wandke?

Der Gefahr entflohen, hinein in das Leid.

Klein-Adelheid, war noch nicht zwei Jahre alt als Berlin von der Roten Armee beschossen wurde und die amerikanischen Streitkräfte die Elbe in Magdeburg erreichten. Adelheid hatte Glück. Sie floh noch gerade im letzten Augenblick – sie bestieg eines der letzten Flüchtlingsboote das die Ostsee überquerte und steuerte das anscheinend friedliche Land Dänemark an. Es schien, als sei die Gefahr für sie vorbei.

Unglücklicherweise sah Adelheid nicht das Ende des Krieges. Sie erlebte auch nicht ihren zweiten Geburtstag. Am 21. April 1945 war Adelheid tot. Der 18 Monate alten Lizzy Engel ging es auch nicht besser: 46 Tage nach der Ergebung der deutschen Wehrmacht in Dänemark, am 5. Mai 1945 war auch sie tot.

Adelheid, Lizzy und andere sind, nach der Aufschrift auf den Gräbern zu urteilen, zu den letzten deutschen “Opfern des zweiten Weltkrieges” zu zählen. Es gibt noch viele andere und Kopenhagen ist nicht die einzige, angeblich sichere Stadt Dänemarks, wo sie ihre ewige Ruhe fanden. Es waren ungefähr 10,000 deutsche Kinder unter 5 Jahren, die in dänischen Lagern nach der Befreiung starben, obgleich sie und ihre Familie – wenn sie eine hatten – sich in Sicherheit wähnten.

Eine unausgesprochene Geschichte

Kirsten Lyloff, 64, eine dänische Aerztin und Historikerin hat soeben die bisher unausgesprochene Geschichte dieser unglücklichen und vergessenen Kinder beschrieben. Sie nennt ihren Tod “die größte menschliche Katastrophe im heutigen Dänemark”. Joergen Poulsen, der Direktor des Roten Kreuzes, spricht von einem “dunklen Kapitel” in der dänischen Geschichte, einem Kapitel “worüber wir immer beschämt sein werden”.

Lylloffs mutige Aufzeichnung tut viel, um dänische Legenden von der Menschlichkeit ihrer Nation während des Krieges zu entlarven. Indem sie das Leiden der Kinder aufzeichnete, welche sie “tyske flygtningeborn” nennt, hat sie somit die Debatte eröffnet, um zu zeigen wie willig die dänischen Ärzte und auch die hiesige Bevölkerung waren den deutschen Flüchtlingen zu helfen. Die Antworten, weniger erfreulich als die meisten Dänen es wahrhaben wollen, haben eine Art Gefühlswallung in Dänemark hervorgerufen und haben die Dänen gezwungen — 60 Jahre später – sich mit der Wahrheit ihrer Vergangenheit zu befassen.

In den letzten Wochen des Krieges, zwischen dem 11. Februar und dem 5. Mai 1945 flohen ungefähr 250,000 deutsche Flüchtlinge über die Ostsee, um dem sinkenden deutschen Reich zu entkommen. Die meisten waren von Ostpreußen, Pommern und den baltischen Staaten und flohen vor der Russischen Armee. Es waren zumeist Frauen, Kinder oder alte Menschen. Ein Drittel der Flüchtlinge war jünger als 15 Jahre alt.

Als sie landeten, fanden sie sich nicht in der erhofften Freiheit, sondern am Anfang eines neuen Märtyrertums. Die Flüchtlinge wurden in hunderten von Lagern eingeschlossen – von Kopenhagen bis Jütland, umzäunt von Stacheldraht und bewacht von schwer bewaffneten Aufsehern. Das größte Lager war in Oksboll, an der Westküste Jütlands und enthielt 37,000 Gefangene.

Kinder oder Feinde?

Die Verpflegung war entsetzlich, die Gesundheitspflege miserabel. In 1945 alleine starben mehr als 13,000 Menschen, darunter etwa 7,000 Kinder unter 5 Jahren. Lylloff’s Nachforschung ergab, dass mehr deutsche Flüchtlinge in dänischen Lagern starben “als Dänen während des ganzen Krieges.” Lylloff, jetzt im Ruhestand, und eine langjährige oberste Ärztin, sowie das Haupt der Abteilung für Immunwissenschaft in Hilerod in der Nähe von Copenhagen, untersuchte 6,200 Todesscheine und 6,500 Grabsteine. Das Ergebnis ist eine Doktorarbeit: “Kinder oder Feinde?” und ein erschreckendes Urteil gegen die Mitglieder ihres eigenen Berufes. “Welche Art von Ungeheuer, in der Verkleidung von Menschen waren diese dänischen Aerzte von 1945?” fragt sie.

Lylloff entdeckte, dass die dänische Ärztekammer im März 1945 beschlossen hatte, dass deutsche Flüchtlinge keinerlei medizinische Hilfe bekommen sollten. Im gleichen Monat, das Rote Kreuz verweigerte dagegen zu protestieren, dem Artikel in der Zeitung “Politiken” nach zu urteilen, weil die öffentliche Meinung “gegen die Deutschen” gerichtet war. Das Ergebnis war, dass 80% der kleinen Kinder, die an den Ufern Dänemarks landeten nicht die folgenden Monaten überlebten. Entweder verhungerten sie oder waren unfähig ansteckende Krankheiten ihrer extremen Unterernährung wegen abzuwehren. Es gibt keinerlei medizinische Berichte darüber.

Das einzige was übrig bleibt ist eine endlose Reihe trauriger grauer Grabsteine.

Die Debatte über das dänische Verhalten

Lylloffs Nachforschungen werden nicht verneint, aber die Gründe für das Geschehene werden heftig diskutiert. War es dänischer Haß für alles Deutsche und eine Reaktion gegen die unterdrückenden “Nazi” Besatzungsmächte, wie Lylloff glaubt? Oder war es ein Versuch die Erinnerungen an die eigene Mitarbeit fortzuwischen? “Wir hatten genug damit zu tun selbst zu überleben”, erklärt Arne Gammelgaard, ein Historiker der älteren Generation, um die vernachlässigende Behandlung zu entschuldigen.

Es gab, wie die in 1945 verbreiteten Flugschriften beweisen, auch eine weitverbreitete Angst, dass es sich um eine “neue Art von Invasion” der Deutschen handelte. “Kaum waren die Deutschen gegangen, da schienen sie wieder da zu sein, hunderte von tausenden von ihnen. Nur diesmal hatten sie andere Gesichter”, sagt Lylloff, in einem Versuch die Lage zu erklären. Es wurde daraus eine “Orgie von Haß gegen ein ganzes Volk. Und die Kinder zahlten den Preis dafür.”

http://www.spiegel.de/international/denmark-s-myths-shattered-a-legacy-of-dead-german-children-a-355772.html

Übersetzung von Dagmar Brenne


(Quelle)

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