Die Luftangriffe auf Leipzig am 20./21. Oktober 1943

[…] Die einzigen guten Deutschen sind die toten Deutschen; lasst jetzt die Bomben auf Deutschland regnen.

(1942, der Jude Lord Vansittart, Apostel des Hasses, in “Neuf mois au gouvernment” – La Table Ronde, 1948)

Prolog:

„Unser eigentliches Ziel waren immer die Innenstädte. Die Zerstörung von Industrieanlagen erschien uns stets als eine Art Sonderprämie“

(Arthur Bomber-Harris)

Eine der großen Geschichtslügen, die Deutschen hätten mit dem Luftterror begonnen, ist historisch schon lange widerlegt. Bereits 1939 erfolgten sieben Luftangriffe der RAF auf Nordwestdeutschland. Am 10./11. Mai 1940 wurde die Innenstadt von Mönchengladbach angegriffen. Entgegen dem Völkerrecht  wurden danach auf Befehl der Kriegsverbrecher Churchill, Roosevelt, Stalin und Konsorten durch den alliierten Bombenterror gezielt die Wohnbezirke aller deutschen Städte mit 50.000 und mehr Einwohnern in Schutt und Asche gelegt; unersetzliche Kulturgüter geplant vernichtet und etwa 1 Million Zivilisten grausam ermordet, darunter über 54.000 Kinder unter 14 Jahren.

„… ich will nicht den Kampf gegen Frauen und Kinder führen. Ich habe meiner Luftwaffe den Auftrag gegeben, sich auf militärische Objekte bei ihren Angriffen zu beschränken“

(Adolf Hitler in seiner Rede vor dem Reichstag am 1. September 1939)

Entsprechend diesem Befehl richteten sich die deutschen Luftangriffe auf Warschau im September 1939 und Rotterdam 1940  ausschließlich gegen militärische Ziele als Teil eines Feldzugs. Im Fall von Warschau wurde der Zivilbevölkerung 9 Tage Zeit gegeben, die Stadt zu verlassen, falls das polnische Militär die Stadt nicht freiwillig übergäbe. Der Angriff auf Rotterdam im Mai 1940 erfolgte, weil der niederländische Stadtkommandant die Kapitulationsaufforderung ablehnte. Das Bombardement von Coventry vom 14. November 1940 galt den im Stadtzentrum gelegenen Rolls-Royce Flugzeugmotorenwerken und zahlreichen kleineren Rüstungsbetrieben.


Die Luftangriffe auf Leipzig

Den ersten schweren Flächenangriff erlebte Leipzig in der Nacht des 20./21. Oktober 1943. Über 350 viermotorige Lancaster-Bomber waren in dieser Nacht zu einer ersten größeren Angriffsoperation gegen Leipzig gestartet. Doch die dichte Bewölkung und ungünstigen Sichtbedingungen ließen diese Operation scheitern. Obwohl 270 Besatzungen vermuteten, einen Bombenabwurf im Zielgebiet durchgeführt zu haben, ging das Hauptquartier des britischen Bomber Command wohl zu Recht von einem wenig erfolgreichen Angriff aus. Die britischen Maschinen warfen ihre Bombenlast nicht wie geplant über dem Leipziger Stadtkern ab, sondern trafen besonders die äußeren Stadtteile, darunter Stötteritz und Paunsdorf. Trotzdem wurden im Stadtgebiet nach dem Angriff durch die Luftschutzreviere 6.250 Schadstellen registriert, darunter am Hauptbahnhof, im grafischen Viertel und im Klinikviertel. Von 20 verschütteten Personen konnte nur eine lebend geborgen werden. Bei diesem Angriff waren 40 Todesopfer und fast 200 Verletzte zu beklagen.

Mit einem erneuten Angriff auf Leipzig sollte der Misserfolg des britischen Angriffes vom Oktober 1943 wettgemacht und die Bevölkerung in Sachsen, das als Auffangraum” für die Berliner Ausgebombten angesehen wurde, getroffen werden.

Den Besatzungen von insgesamt 527 Maschinen – 307 viermotorige Lancaster- und 220 Halifax-Bomber – wurde vor dem Start der Angriffsbefehl und das Ziel bekannt gegeben: “Haddock” – das Stadtgebiet von Leipzig in Verbindung mit den dortigen Eisenbahn- und Industrieanlagen. In die Bombenschächte kam eine genau berechnete Mischung von Spreng- und Brandmunition, wie sie für Flächenangriffe zu dieser Zeit typisch war: rund 50% Sprengmunition, rund 50% Brandbomben.

Die Bomberverbände flogen nach einer Täuschung der deutschen Luftverteidigung, in den vorausgegangenen Nächten war Berlin mehrfach angegriffen worden, so dass auf Grund der ähnlichen Flugroute mit einem neuerlichen Angriff auf die Reichshauptstadt gerechnet wurde, mit über 500 Maschinen in drei eng aufgeschlossenen Wellen – einem “Bomberstrom” – zwischen 3.50 Uhr und 4.25 Uhr das Leipziger Stadtgebiet an. Obwohl die Stadt auch in dieser Nacht wiederum von einer dichten Wolkendecke überzogen war, konnten die Radarbeobachter in den “Pfadfindern” das Stadtbild Leipzigs auf ihren Bildschirmen lokalisieren. Sie kennzeichneten es mit farbigen Himmels- und Bodenmarkierungen, die als weithin sichtbare Leuchtzeichen am Himmel über Leipzig standen. Die Bevölkerung nannte sie “Tannenbäume” bzw. “Christbäume”. Die nachfolgenden Maschinen zielten auf diese Farbmarkierungen, so folgte Bomberwelle auf Bomberwelle. Die ersten Bomben fielen um 3.58 Uhr auf Leipzig. Innerhalb kürzester Zeit prasselten große Mengen an Brand-, Minen- und Sprengbomben, darunter mehr als 90.000 Stabbrandbomben 4 lb (1,7 kg) sowie über 17.000 Flüssigkeitsbrandbomben 30 lb (14 kg), auf das Stadtgebiet. Durch den konzentrierten Brandbombenabwurf entstanden mehrere Flächenbrände, die sich in der Altstadt vereinigten.

Der Leipziger Feuerwehr und den aus umliegenden Orten herangeführten Löschkräften war es in den frühen Morgenstunden des 4. Dezember 1943 nicht mehr möglich, den Schwerpunkt des Angriffs auszumachen, da mehr als 5.000 Brandherde in allen Stadtteilen festgestellt worden waren. Doch vor allem die im Stadtzentrum und in der historischen Altstadt vorherrschende dichte Bebauung begünstigte die rasche Ausbreitung der Brände. Die Hauptverkehrsstraßen waren durch Bombentrichter unbefahrbar, schwere Minenbomben (“Luftminen”, “Litfasssäulen”) hatten ganze Straßenzüge durch den gewaltigen Luftdruck zerstört, was den Flammen Nahrung gab und wichtig Straßen mit Schuttmassen und Trümmern blockierten. Die Heranführung von Hilfsmannschaften und Löschkräfte verzögerte sich dadurch erheblich, teilweise war kein Durchkommen mehr möglich

Die der Stadtverwaltung bereits zu Kriegsbeginn bekannten Unzulänglichkeiten im Feuerlöschwesen hatten verhängnisvolle Auswirkungen, die zum Zusammenbrechen der Wasserversorgung führten oder den Einsatz auswärtiger Löschmittel verhinderten. Trotz des tatkräftigen Eingreifens der Hausbewohner und des aufopferungsvollen Bemühens der Einsatz- und Löschkräfte weiteten sich einzelne Dachstuhlbrände zu Häuserbränden aus, das Feuer erfasste ganze Straßenzüge und schließlich standen ganze Stadtviertel vollständig in Flammen. Ungefähr zwei Stunden nach den letzten Bombenabwürfen, am frühen Morgen des 4. Dezember 1943, brannte die gesamte Innenstadt und es kam, ähnlich wie schon in den Monaten zuvor in Wuppertal, Hamburg und Kassel, zu einem “Feuersturm”, der starke Bäume umknickte, Autos umwarf, Feuerlöschleitungen auf Bäume und Hochspannungsleitungen schleuderte, sowie Menschen über Straßen und Plätzen hinweg wirbelte. Zahlreiche Personen wurden dadurch schwer verletzt oder sogar getötet. Viele ältere Leipziger erinnern sich noch heute daran, dass Tage nach dem Angriff über der Innenstadt und den am stärksten betroffenen Stadtteilen beißender Rauch aufzog, Brandherde immer wieder aufflackerten und alles von Asche und Ruß überzogen war.

Obwohl zahlreiche Einzelbrände sich zu einem örtlich begrenzten, orkanartigen “Feuersturm” vereinigten, erscheint es fast als Wunder, dass die Zahl der Todesopfer mit mindestens 1.815 Toten und fast 4.000 Verletzten nicht höher war.

Die britischen Bomberverbände erlitten Verluste. Den deutschen Nachtjägern und der Flak im Raum Leipzig gelang in den frühen Morgenstunden des 4. Dezember 1943 der Abschuss von drei Maschinen über dem Zielgebiet. Doch die schwersten Verluste entstanden auf dem Rückflug, als der Bomberstrom in die stark verteidigte Flakzone im Raum Frankfurt am Main geriet. Die Flakbatterien, die zu dieser Zeit vor allem mit 15- und 16-jährigen Luftwaffenhelfern besetzt waren, holten in dieser Nacht etwa 20 viermotorige Bomber vom Himmel. Insgesamt verlor das Bomber Command 24 Maschinen mit über 160 Besatzungsmitgliedern, von denen die Mehrzahl beim Absturz ihrer Bomber getötet wurden.

Die im Stadtgebiet kaum noch einzudämmenden Brände sowie zahlreiche Spreng- und Minenbombentreffer beschädigten oder zerstörten innerhalb weniger Stunden etwa 13.500 Gebäude, darunter Schulen, Krankenhäuser und Lazarette. Von den ehemals vorhanden 34.819 Leipziger Gebäuden wurden 3.450 total zerstört, 850 schwer oder mittelschwer sowie 9.200 leicht beschädigt. Dadurch waren 45.000 Haushalte betroffen; rund 131.000 Menschen galten unmittelbar nach dem Luftangriff als obdachlos – etwa 1/5 der damaligen Stadtbevölkerung Leipzigs.

Der Gebäudekomplex der Universität am Augustusplatz wurde am 4. Dezember 1943 beinahe vollständig zerstört.

In einem Großteil der Straßen wurde die historisch gewachsene Bausubstanz und das städtebauliche Gefüge derartig umfassend zerstört, dass bei dem Wiederaufbau in der frühen Nachkriegszeit der völlige Abbruch erfolgen musste. Zu diesen Bereichen gehörten der Brühl, die Burgstraße, die Große Fleischergasse, die Reichsstraße, die Katharinenstraße oder der Matthäikirchhof. Am Neumarkt fielen die letzten prunkvollen Barockhäuser Leipzigs dem Angriff zum Opfer. Mehrere Gebäude wie die Johanniskirche oder die Alte Buchhändlerbörse brannten völlig aus.

Weniger betroffen war der Leipziger Hauptbahnhof, wo es zwar totalen Glasbruch, aber nur geringe Schäden an den Gleisanlagen gab und der Zugverkehr kurzfristig über die Vorortbahnhöfe geleitet wurde. Wenige Monate später, am 7. Juli 1944, wurde die gewaltige Bahnhofshalle bei einem Angriff von über 400 US-amerikanischen Maschinen auf Ziele im Raum Leipzig fast vollständig zerstört.

Das Gewandhaus, errichtet 1881-84, gehörte zu den namhaftesten Konzerthäusern in Deutschland. Es fiel am 20.Februar 1944 einem Bombenangriff zum Opfer.

Ein erschreckendes Bild boten am 4. Dezember 1943 dagegen die Kultureinrichtungen sowie Krankenhäuser und Wissenschaftsbetriebe, darunter die Leipziger Universität mit schwersten Zerstörungen an allen 78 Lehr- und Klinikgebäuden. Das Alte Theater, das Schauspielhaus, der berühmte Kristallpalast, die Stadtbibliothek sowie 17 Leipziger Schulgebäude versanken in Trümmern. Nahezu das gesamte grafische Viertel, das damalige Zentrum deutscher Buch- und Druckkultur, ging in seiner Bausubstanz und Druckkapazität verloren.

Ruine des Buchhändlerhauses mit dem Sitz des Börsenverbandes. Fast das gesamte grafische Viertel, Zentrum der deutschen Buch- und Druckkultur, fiel in Schutt und Asche.

In der Nacht vom 19. auf den 20. Februar 1944 holte das Bomber Command zum nächsten großen Schlag gegen Leipzig aus. Über 820 viermotorige Maschinen starteten zu einem erneuten Flächenangriff auf die Stadt. Für die Engländer war dieser Angriff jedoch nur wenig erfolgreich. Aus der Sicht der britischen Militärs stand der Einsatz in keinem Verhältnis zu den erzielten Sachschäden und Personenverlusten in Leipzig, die als gering eingestuft wurden. Das Bomber Command verlor demgegenüber 78 Maschinen durch Flak und deutsche Nachtjäger. Es war nicht nur der letzte gegen Leipzig gerichtete britische Großluftangriff, sondern auch eine der verlustreichsten Operationen im gesamten Kriegsverlauf. Am Tag nach dem britischen Flächenangriff in der Nacht des 20. Februar 1944 wurde Leipzig im Zusammenhang mit der gegen die deutsche Luftrüstung gerichteten Operation “Big Week” erstmalig von einem größeren Verband amerikanischer Bomber angegriffen.

Europas größter Kopfbahnhof, 1915 in Betrieb genommen, am 4. Dezember 1943 beschädigt, am 7. Juli 1944 erhielt er einen Volltreffer

Von diesem Tag an bis in den Monat Juli 1944 hinein unternahm die 8. US-Luftflotte immer wieder gezielte Bombenangriffe auf Luftrüstungsbetriebe und Flugzeugwerke in und um Leipzig. Insgesamt waren in diesem halben Jahr über 2.000 US-amerikanische Maschinen an Luftangriffen auf Leipzig beteiligt. Dass dabei auch Wohnbezirke der Zivilbevölkerung getroffen wurden, war in den US-amerikanischen Planungsstäben bekannt und wurde in Kauf genommen.

Am 27. Februar 1945 starteten über 700 US-amerikanische B-17 – Bomber zu einem geschlossenen Angriff auf die Eisenbahnanlagen und den Hauptbahnhof in Leipzig. Erst fünf Wochen später griffen am 6. April 1945 wieder rund 320 Maschinen der 8. US-Luftflotte erneut den Hauptbahnhof und Rangierbahnhöfe in Leipzig an. In den letzten Kriegstagen meldete sich das britische Bomber Command zurück. Am 10. April 1945 bombardierten 230 Maschinen des Bomber Command zwei Bahnhöfe auf Leipziger Stadtgebiet. In der darauffolgenden Nacht unternahm ein Verband von 95 Maschinen einen letzten schweren britischen Luftangriff auf Leipzig, um den Verschiebebahnhof in Wahren zu zerstören.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden zwischen August 1942 und 10. April 1945 insgesamt 24 Luftangriffe gegen Leipzig geflogen, die über 5.000 Todesopfer forderten. Unter den Toten fanden sich neben Leipziger Einwohnern auch Wehrmachtsangehörige, ausländische Arbeitskräfte, Kriegsgefangene sowie Flüchtlinge, sicher aber auch KZ-Häftlinge in den Lagern der bombardierten Rüstungswerke.


(Quelle)

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