Die Luftangriffe auf Kassel am 22. Oktober 1943

[…] Die einzigen guten Deutschen sind die toten Deutschen; lasst jetzt die Bomben auf Deutschland regnen.

(1942, der Jude Lord Vansittart, Apostel des Hasses, in “Neuf mois au gouvernment” – La Table Ronde, 1948)

Prolog:

„Unser eigentliches Ziel waren immer die Innenstädte. Die Zerstörung von Industrieanlagen erschien uns stets als eine Art Sonderprämie“

(Arthur Bomber-Harris)

Eine der großen Geschichtslügen, die Deutschen hätten mit dem Luftterror begonnen, ist historisch schon lange widerlegt. Bereits 1939 erfolgten sieben Luftangriffe der RAF auf Nordwestdeutschland. Am 10./11. Mai 1940 wurde die Innenstadt von Mönchengladbach angegriffen. Entgegen dem Völkerrecht  wurden danach auf Befehl der Kriegsverbrecher Churchill, Roosevelt, Stalin und Konsorten durch den alliierten Bombenterror gezielt die Wohnbezirke aller deutschen Städte mit 50.000 und mehr Einwohnern in Schutt und Asche gelegt; unersetzliche Kulturgüter geplant vernichtet und etwa 1 Million Zivilisten grausam ermordet, darunter über 54.000 Kinder unter 14 Jahren.

„… ich will nicht den Kampf gegen Frauen und Kinder führen. Ich habe meiner Luftwaffe den Auftrag gegeben, sich auf militärische Objekte bei ihren Angriffen zu beschränken“

(Adolf Hitler in seiner Rede vor dem Reichstag am 1. September 1939)

Entsprechend diesem Befehl richteten sich die deutschen Luftangriffe auf Warschau im September 1939 und Rotterdam 1940  ausschließlich gegen militärische Ziele als Teil eines Feldzugs. Im Fall von Warschau wurde der Zivilbevölkerung 9 Tage Zeit gegeben, die Stadt zu verlassen, falls das polnische Militär die Stadt nicht freiwillig übergäbe. Der Angriff auf Rotterdam im Mai 1940 erfolgte, weil der niederländische Stadtkommandant die Kapitulationsaufforderung ablehnte. Das Bombardement von Coventry vom 14. November 1940 galt den im Stadtzentrum gelegenen Rolls-Royce Flugzeugmotorenwerken und zahlreichen kleineren Rüstungsbetrieben.


Die Terrorangriffe auf Kassel

Kassel gehört neben Dresden, Hamburg, Pforzheim und Darmstadt zu den deutschen Städten mit den höchsten Opferzahlen durch alliierte Luftangriffe. Den schwersten Luftangriff erlebte die Stadt am 22. Oktober 1943 im Rahmen der britischen Area Bombing Directive.

Angriffsziel

Während des Zweiten Weltkrieges bildete Kassel mit den dort ansässigen Henschel-Werken ein wichtiges Rüstungszentrum, insbesondere für Lokomotiven (BR 52), Panzer („Tiger”) und Lastwagen. Die 1936 gegründete Henschel-Tochterfirma Henschel Flugmotorenbau G.m.b.H. (HFM) stellte im Lohwald bei Altenbauna (heutiges Volkswagenwerk Kassel in Baunatal) Flugmotoren her. Die Gerhard-Fieseler-Werke waren an drei Standorten am Rande der Stadt im Flugzeugbau tätig. Bei den Luftangriffen des 22. Oktober 1943 wurden allerdings nicht Techniken des gezielten Angriffs auf Rüstungsbetriebe, sondern die Technik des Flächenbombardements der Stadt angewandt. Durch die dichte Bebauung im Altstadtbereich mit den leicht Feuer fangenden Fachwerkhäusern rückte Kassel bereits früh in die Liste der Städte, für die ein Brandbombenangriff besonders geeignet erschien.

Die dichte Fachwerkbebauung wurde leicht Raub der Flammen. Hier Haus Klosterstraße 11

Der Angriff vom 22./23. Oktober 1943

Bei einem ersten Angriff am 3. Oktober 1943 trafen die anfliegenden Bomberverbände auf eine geschlossene Wolkendecke. Außerdem herrschte starker Westwind, so dass die Leuchtmarkierungen nach Osten abgetrieben wurden und nur die nördlichen Außenbezirke sowie die Fieseler-Werke getroffen wurden. Die umliegenden Gemeinden Kassels erlitten teils gewaltige Schäden (u.a. Vellmar, Heckershausen, Sandershausen).

Am Nachmittag des 22. Oktober starteten erneut 569 Bomber in England und erreichten gegen 20:45 Uhr die Stadt. Aufgrund von Ablenkungsmanövern wie dem Abwurf von Markierungsbomben über Frankfurt und dem Setzen von sogenannten Christbäumen über Köln wurde in Kassel erst sehr spät Luftalarm ausgelöst.

Wie etwa ein Jahr später beim Luftangriff auf Darmstadt kam eine Fächertaktik zum Einsatz. Dabei markierten die Bomberverbände das Zielgebiet rund um den Martinsplatz in Form eines Viertelkreises, um so ein präziseres Bombardement zu erreichen und somit die Zerstörungen zu maximieren. Nach diesem Setzen der Leuchtmarkierungen (im Volksmund „Christbäume“ genannt) begann dann der eigentliche Angriff, dem innerhalb von 22 Minuten die gesamte mittelalterliche Altstadt zum Opfer fiel. Zuerst wurden tausende Sprengbomben sowie hunderte schwerer Luftminen abgeworfen. Durch die Druckwellen der Explosionen wurden Dächer, Fenster und Türen aufgerissen. Danach wurden mehr als 420.000 Stabbrandbomben über dem Stadtgebiet abgeworfen, die nun in die aufgerissen Dachstühle der zumeist aus Fachwerk bestehenden Häuser fielen und diese innerhalb kürzester Zeit in Vollbrand versetzten. Da Kassel etwa 150 Kilometer von der nächstgrößeren Stadt entfernt liegt, waren die auf sich selbst gestellten eigenen Feuerwehren viel zu schwach, um ordentlich löschen zu können und völlig überfordert. Statistiken folgend wurden auf jeden Quadratmeter zwei Brandbomben abgeworfen, was zu einem Feuersturm führte. Erst 45 Minuten nach dem Angriff erreichte dieser seinen Höhepunkt und wurde für viele Bewohner in den Kellern zur tödlichen Falle.

Durch die Zerstörung der Befehlsstelle des Luftwarndienstes konnte keine Entwarnung gegeben werden. Der Nachrichtenverkehr zwischen den Stadtteilen war bereits eine halbe Stunde nach Angriffsbeginn zusammengebrochen. Die Menschen blieben so in ihren Kellerräumen sitzen. Weil vorsorglich Verbindungen mittels Mauerdurchbrüchen zwischen allen Kasseler Innenstadtgebäuden geschaffen worden waren, verblieben noch letzte Fluchtmöglichkeiten. Da allerdings die gesamte Altstadt in Brand gesetzt wurde, entkamen die meisten Altstadtbewohner dem Inferno nicht mehr. 25 Lancaster-Bomber und 18 Halifax-Bomber kehrten nicht mehr zu ihren Stützpunkten zurück.

Ausmaß der Zerstörung

Beim Angriff auf Kassel kamen nach ersten Schätzungen über 10.000 Menschen ums Leben. Diese Zahl wurde später auf rund 7000 gesenkt. Während in den äußeren Stadtbezirken 80 Prozent aller Wohnhäuser zerstört waren, wurde die Altstadt mit rund 97-prozentiger Zerstörung geradezu eingeäschert. Auf Luftbildaufnahmen brannte die Stadt nach weiteren sieben Tagen immer noch. Auf jeden Einwohner kamen 48 Kubikmeter Schutt.

Die zuständige Gaubehörde für Kassel hatte die Bevölkerung nur unzureichend informiert und bereits vor dem Angriff baupolitische Fehler begangen. Am deutlichsten zeigte sich dies an der hohen Anzahl von Menschen, die in ihren Kellern nicht erschlagen wurden, sondern erstickten. Durch das durchgehende Kellersystem unter der Stadt war es zu chaotischen Zuständen gekommen, da viele Bewohner keine Ausgänge zur Oberfläche fanden und sich in den engen Räumen und Gängen verirrten. Weiterhin sollten sie sich selbst an der Brandbekämpfung beteiligen, obwohl die in der Stadt Zurückgebliebenen, zumeist Frauen und Kinder, größtenteils noch nie eine Einführung in Krisenfälle wie einen Luftangriff erhalten hatten.

Auch die Industrieanlagen hatten schwere Produktionsausfälle zu verzeichnen. So fiel beispielsweise im Fieseler-Flugzeugwerk eine komplette Monatsproduktion an Flugzeugen aus, im Flakmunitionswerk rund ein Drittel der gesamten Produktionsmenge über die nächsten Monate. Die Industrie erreichte erst im März 1944 wieder ihren alten Auslieferungsplan.

Wiederaufbau

Die ersten Pläne zum Wiederaufbau Kassels nach dem Krieg fußten auf Plänen zur Umgestaltung Kassels zur nationalsozialistischen Gauhauptstadt Hessen-Nassaus aus den 1930er Jahren. Die Ausstellung „Kassel baut auf“ führte 1946 zu einem Eklat, nachdem der zur SPD gewechselte Stadtbaurat in der Ausstellung alte Pläne zum Umbau zur Gauhauptstadt präsentierte, wobei der Begriff „Gauhauptstadt” nur überklebt war.

Im Jahr 1947 wurde ein Wettbewerb „Bebauungsvorschlag zum Wiederaufbau der Stadt Kassel“ durchgeführt. Den ersten Preis erhielt Hans Högg, dessen Plan den weitgehenden Erhalt der bisherigen städtischen Strukturen vorsah. Dazu kam es jedoch nicht, sondern die verbleibenden Reste der historischen Bebauung wurden weitestgehend abgeräumt. Unter dem Schlagwort „Autogerechte Stadt“ sollte Kassel, das einstmals als eine der schönsten Städte Europas beschrieben wurde, zu einer modernen Metropole ausgebaut werden. Es gab kaum Bemühungen, historische Bausubstanz zu konservieren oder zu rekonstruieren. Dies hatte seinen Ursprung auch in den Bestrebungen der Moderne, welche die aus dem Mittelalter stammenden Stadtstrukturen, und damit auch die hygienischen und sozialen Zustände in den Altstädten der Jahrhundertwende durch Konzepte wie die Gartenstadt zu überwinden suchten. Die Trümmer der Innenstadt wurden am Rosenhang an der Karlsaue aufgeschüttet, wodurch sich sein Profil deutlich veränderte. Abgesehen von den hölzernen Fachwerkhäusern der Altstadt wurden viele Baudenkmäler erst ein Opfer des Wiederaufbaus und nicht der Kriegshandlungen, die sie beschädigt aber nicht vollständig vernichtet hatten. Dies betrifft vor allem das Staatstheater und das klassizistische Nahl’sche Haus, dessen Wiederaufbau bereits begonnen hatte, dann aber dem Bau der Treppenstraße doch noch weichen musste.


(Quelle)

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