Das Massaker von Swinemünde

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Zu den unbestreitbaren Kriegsverbrechen der Alliierten zählte der Bombenholocaust gegen die deutsche Zivilbevölkerung. Die Gesamtzahl der Deutschen, die dem alliierten Bombenterror zum Opfer fielen wird auf bis zu einer Million geschätzt. Anscheinend ist es eine deutsche Eigenart, die eigenen Opfer möglichst herabzurechnen, wenn man sich überhaupt ihrer erinnert, während die der Anderen überhöht werden.

In den meisten zeitgenössischen Abhandlungen, vor allem in den für ein breites Publikum bestimmten Massenmedien, wird – in Verkehrung der historischen Wirklichkeit – der deutschen Führung sogar die Schuld an der Entmenschlichung dieser Kriegführung gegeben und die furchtbare Zerstörung der deutschen Großstädte als berechtigte Reaktion der Alliierten auf die angeblichen deutschen Terrorangriffe auf Warschau, Rotterdam, London und Coventry gegeben.

Doch das stellt die historische Wirklichkeit geradezu auf den Kopf.

Tatsache ist, das Großbritannien bereits in den zwanziger und dreißiger Jahren den Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung plante, ab Mitte der dreißiger Jahre den Bau der dafür notwendigen Bomber begann und die entsprechende Strategie entwickelte.  Die USA beteiligten sich ebenfalls seit 1936 an der Herstellung von Langstreckenbombern, so daß sie mit dem Kriegseintritt 1941 sowohl in Europa wie im Fernen Osten gegen Japan die Städte mit Flächenbombardements belegen konnten. Dagegen sah die deutsche Luftkriegsstrategie Flugzeuge als taktische Hilfsmittel zur Unterstützung der Bodentruppen vor, wie es zum Beispiel in den neu entwickelten Sturzkampfbombern (Stukas) zum Ausdruck kam.

In den Anweisungen für den Luftkrieg wurde ausdrücklich nur der Angriff auf militärische Ziele befohlen und die Bombardierung ziviler Einrichtungen untersagt.

Es ist längst nachgewiesen, daß die deutschen Angriffe auf das zur Festung erklärte Warschau im September 1939 und auf Rotterdam im Mai 1940 militärischen Zwecken galten, beide Städte vorher zur Vermeidung der Angriffe zur Übergabe aufgefordert waren, die zunächst nicht erfolgte, und die Wehrmacht die Zivilbevölkerung aufgefordert hatte, die von Bodentruppen angegriffene Stadt zu verlassen. Für London und Coventry gilt, daß schon vorher britische Flugzeuge mehrfach Berlin angegriffen hatten und daß bei beiden Städten der deutsche Angriff nicht der Zivilbevölkerung galt, sondern den Docks an der Themse sowie den wichtigen Rüstungsfabriken in Coventry.

Als der britische Luftmarschall Arthur Travers Harris, besser bekannt als „Bomber-Harris“, 1942 den Oberbefehl über die britische Luftflotte übernahm, wurde das ganze Ausmaß der Flächenbombardements und ihre furchtbare Steigerung deutlich. Das Ziel der Alliierten war, die Moral der deutschen Zivilisten zu brechen, was trotz großer Opfer nicht gelang. Eher erreichten sie das Gegenteil, indem sie die Deutschen zu einer vorher nicht gekannten Schicksalsgemeinschaft zusammenschweißten, die trotz der fast täglichen Angriffe, 1944 die Rüstungsherstellung noch steigern konnte, als auch an der Front bei der Verteidigung der Heimat zum Staunen der Welt nicht zusammenbrach.

Der Massenmord von Swinemünde

Unter den kaum erwähnten oder ganz verschwiegenen Massenmorden an der deutschen Zivilbevölkerung, nimmt die Stadt Swinemünde eine besondere Rolle ein.  Dieser kleine beschauliche Badeort kann ebenso wie Dresden und Pforzheim, als Gipfel der Grausamkeit, und als Sinnbild des Hasses der Sieger gesehen werden. Dennoch ist dieser Massenmord kaum einem Deutschen bekannt. Auch deshalb ist es unsere Pflicht, ihrer zu gedenken.

Im März 1945 hielten sich in der Stadt mit ihren 30.000 Einwohnern zusätzlich etwa 100.000 Flüchtlinge auf. Die Stadt hatte 32 überfüllte Flüchtlingslager, und auf dem Bahnhof standen vollgestopfte Lazarett- und Flüchtlingszüge zur Abfahrt bereit. Konteradmiral Conrad Engelhard, der im Auftrag von Großadmiral Karl Dönitz die Rettungsaktionen aus dem Osten über die See leitete, hatte Swinemünde, weil es nahe bei den Einschiffungshäfen lag und dabei für die anglo-amerikanischen Bomber mit einem weiten Anflugweg verbunden war, zum Anlandehafen für die vielen Flüchtlingsschiffe aus Ost- und Westpreußen ausgewählt. So fuhren zwischen dem 4. und 9. März allein 10 Geleite aus Ostpreußen nach Swinemünde.

Als am 12. März 1945 am Vormittag erst gerade 14 Schiffe aus Stolpmünde eingetroffen waren und der Hafen von Menschen überquoll, die die Schiffe verlassen wollten und unter denen auch die gerade kurz vorher rund 900 Geretteten der „Wilhelm Gustloff“ waren, hatte die 8. US-Luftflotte ab 12.06Uhr bis 12.58 Uhr verheerende Bombenangriffe auf die Schiffe und Menschenmassen angesetzt. Doch dieser Angriff ist auf Wunsch der Roten Armee erfolgt, die bereits 30 Kilometer vor Swinemünde stand, da sie selbst zu solch einem Flächenbombardement technisch nicht in der Lage war. Der unmittelbare Anlaß war die Verlegung der Kampfgruppe 2 der deutschen Kriegsmarine von Gotenhafen nach Swinemünde am 7. März 1945. Dieser Verband bestand aus den Panzerkreuzern “Admiral Scheer”, “Lützow” und mehreren Zerstörern und Torpedobooten. Durch seine schwere Schiffsartillerie besaß er eine erhebliche Kampfkraft und sollte in den Kämpfen entlang der pommerschen Küste von Swinemünde aus den Heerestruppen durch Landzielschießen gegen die weit überlegene Rote Armee Entlastung verschaffen.

Mit 671 Bombern und 412 Begleitjägern nahm die 8. US-Luftflotte das Stadtzentrum und den Hafen von Swinemünde zum Ziel. Bei Beginn des überraschenden Fliegeralarms versuchten die Flüchtlingsschiffe, den Hafen zu verlassen. Doch viele wurden dennoch versenkt. Allein im Hafenbecken sanken dreizehn Schiffe voller Flüchtlinge, unter ihnen die „Jasmund“, „Hilde“, „Ravensburg“, „Heiligenhafen“ und auch Androß. Allein auf dem Flüchtlingsschiff „Androß“, welches von drei Bomben getroffen wurde, kamen 570 Menschen ums Leben, überwiegend Frauen und Kinder.

Den US-Piloten war bekannt, daß Zigtausende Flüchtlinge in den am Strand angrenzenden Kurparks kampierten und setzten deshalb viele „Baumkrepierer“ als Bomben ein. Diese hatten Berührungszünder, die die Bomben detonieren ließen, wenn sie die Baumäste in einigen Metern Höhe berührten, so daß ihre Splitterwirkung auf die darunter befindlichen Menschen um ein Vielfaches höher war. So konnten viele Tote nicht mehr identifiziert werden, weil sie von den „Baumkrepierern“ zerfetzt worden waren. Augenzeugen berichten, daß selbst in den Bäumen brennende Leichenteile hingen. Die abgeworfenen 1609 Tonnen Spreng- und Splitterbomben forderten nach offiziellen Angaben 23.000 Todesopfer, andere Quellen geben 28.000 als Gesamtopferzahl an, von denen nur 1667 identifiziert werden konnten.

Während deutsche Heerführer von den Siegern verurteilt und viele von ihnen den Tod am Strang fanden, wurde „Bomber-Harris“, nach Kriegsende für den Massenmord am deutschen Volk noch geadelt und man hat ihm Jahrzehnte später ein Denkmal vor einer Kirche in London gewidmet.

Auch das „Massaker von Swinemünde“, wie es der Historiker Jörg Friedrich nennt, ist bis heute ungesühnt.


(Quelle)

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