Heinz Roth – Was geschah nach 1945?

Was geschah nach 1945Das Echo auf meine seitherigen Veröffentlichungen beweist, wie wenig bekannt manche der von mir zitierten Tatsachen aus der Zeit von 1933-1945 sind und wie wichtig derartige Zusammenfassungen sind. – Aber so wichtig es auch ist, diese Zeit zu beleuchten, so wichtig scheint es mir, die Zeit nach 1945 zu untersuchen und an Hand von Tatsachen aufzuzeigen, was wirklich war und nicht, was heute als Wahrheit dargestellt wird. Wenn auch der zeitliche Abstand heute noch sehr kurz ist, um sich ein endgültiges, abschließendes Urteil bilden zu können,so ist er doch nicht zu kurz, um Tatsachen aneinander zu reihen und um nicht zumindest den Versuch zu unternehmen, Klarheit zu bekommen. Leider werden hier, wie auch zu der Kriegs- und Vorkriegszeit, noch zuviele Dokumente zurückgehalten.

Eine Dame, die sehr genaue Kenntnisse überdie Kriegs- und Vorkriegszeit hat, schrieb mir:

„. . . Ich habe mich . . . niemals zu derheute mit viel Krampf aufrechterhaltenen Meinung bekannt, daß ‚wir Väter und Mütter’ Verbrecher waren, auch ist es mir nicht eine Sekunde in den Sinn gekommen, schuldbewußt meinen Kopf vor irgendjemand inner- oder außerhalb unserer Grenzen zu senken. Es ist mir auch noch niemals jemand begegnet, der es gewagt hat, das von mir zu verlangen. Ich pflege denen, die meine Kenntnisse in Frage stellen, stets folgendes vorzuhalten: Wenn Deutschland und seine Regierung von 1933 bis 1945 tatsächlich so viele Ungeheuerlichkeiten begangen hat, dann ist nichtsleichter, als es uns dadurch zu beweisen, daß man uns die Originaldokumente vorhält, aus denen die Befehle, Taten und Absichten hervorgehen, die man uns vorwirft. Stattdessen hält man die entsprechenden Unterlagen peinlichst vor uns verborgen, nachdem man sie uns gestohlen hat. Das allein genügt doch schon …“

Diese Worte, aus denen eine stolze Sicherheit spricht, sollte sich – so meine ich wenigstens – jeder Deutsche zu eigen machen. „. . . Die Mühlen der Geschichte mahlen langsam, aber sie mahlen und ihre Rechnungen kommen, wie Bismarck einmal sagte, pünktlicher als die der preußischen Oberrechnungskammer. . . „

Daß die „Mühlen der Geschichte“ bereits mahlen, beweist folgende dpa-Meldung aus einer kleinen Zeitung, die mir von einem Leser zugeschickt wurde. Unter der Überschrift: „CHURCHILL WIES FRIEDENSFÜHLER ZURÜCK. London veröffentlicht bisher geheimePapiere über Arbeit des Kriegskabinetts“ berichtet der „Grünberger Anzeiger“ v. 2. 1. 1971:

„London (dpa). Das britische Kriegskabinett unter Winston Churchill wies im Juli und August 1940 mehrere von deutscher und neutraler Seite kommende ‚Friedensfühler’ zurück. Dies geht aus bisher geheimgehaltenen britischen Kabinettspapieren des Jahres 1940 hervor, die jetzt nach Ablauf der vorgeschriebenen 30jährigen Sperre freigegeben wurden.

Während des Frankreich-Feldzuges am 28. Mai sprachen sich danach der damalige Außenminister Lord Halifax und der als Premier zurückgetretene, aber im Kabinett verbliebene Neville Chamberlain dafür aus, man solle Mussolini bitten, die deutschen Friedensbedingungen in Erfahrung zu bringen. DieseBedingungen würden besser sein, solange Frankreich nicht besiegt und die englischen Flugzeugfabriken nicht ausgebombt wären. Der Vorschlag wurde jedoch von Churchill und Attlee zurückgewiesen.

Die freigegebenen Kabinettspapiere Zeigen auf der anderen Seite, daß der deutsche Geschäftsträger in Washington im Juli zweimal ein geheimes Treffen mit dem britischen Botschafter suchte, um mit diesem über ein Friedensangebot zu diskutieren. Hitler, so berichtete der britische Botschafter nach London, wünsche zum Ausdruck zu bringen, daß er trotz seiner Siegeszuversicht England nicht angreifen wolle und Wert auf die Erhaltung des britischen Empire lege. Der Botschafter wurde von London instruiert, den Vorstoß zu ignorieren.

Im August 1940 wies Churchill auf Abraten seines außenpolitischen Beraters Sir Robert Vansittard ein Angebot des schwedischen Königs ab, Friedensgespräche mit Berlin zu vermitteln. In einer Aktennotiz stellte Churchill fest: ‚Die Einmischung des erbärmlichen Königs von Schweden als Friedensmacher – nachdem er Finnland und Norwegen im Stich gelassen hat und völlig im Griff der Deutschen steht – entbehrt nicht ermutigender Aspekte, aber ist absolut widerlich. ‚

In einem langen Memorandum für das  Kabinett begründete Vansittard seine Meinung, daß man nicht an Frieden denken könne, bevor der Nazismus vernichtet sei. In dem Papier heißt es: ’75 Prozent der deutschen Bevölkerung sind immer bereit gewesen, sich zu >bösen Dingen herzugeben, und die anderen 25 Prozent sind am Tage des Gerichts einfach nicht da. Wir kämpfen gegen den Charakter des deutschen Volkes. „

Schon allein nach dieser Meldung (dem kritischen Leser empfehle ich, „Was hätten wir Väter wissen müssen?“ Teil 2, S. 78 u. f. zu vergleichen) dürfte die Behauptung eines fehlenden deutschen Friedenswillens schwer aufrecht zu erhalten sein. Ein Bekannter, dem ich ein Exemplar der Zeitung gab, legte es dem Herausgeber einer Tageszeitung vor. Dieser sagte, daß die dpa-Meldung, von deren Richtigkeit er sich überzeugen wolle, seinen seitherigen Standpunkt vollkommen umwerfen würde.

Da auch mir diese Meldung nicht unwesentlicherscheint, ich sie aber in keiner der mir erreichbaren Zeitungen finden konnte, wäre es nicht uninteressant, zu erfahren, ob noch andere, mir nicht bekannte Blätter sie gebracht haben. In diesem Zusammenhang scheint mir auch ein „Spiegel“-Gespräch mit dem Gouverneur des US-Bundesstaates Alabama, George Wallace, nicht uninteressant. In diesem Interview („Spiegel“ v. 25. 1. 71) sagt Wallaceu. a., S. 97:

„. . . Amerika ist in gewisser Weise mitverantwortlich für den Zweiten Weltkrieg. Denn der hätte sich vermeiden lassen.  . . Der Vertrag von Versailles war ein Racheakt. Man hat den Deutschen diesenVertrag aufgezwungen, was wirklich unfair war. Hätte es diesen Vertrag nicht gegeben, dann hätte es auch keinen Hitler gegeben. . . Ich war ein absoluter Hitler-Gegner, aber in der letzten Konsequenz muß ich sagen: Wir haben gegen den falschen Feind gekämpft. Ich habe immer gesagt, die Deutschen, die Japaner und die Amerikaner hätten zusammen kämpfen müssen. . „

Es ist dies zwar nur die Stimme eines einzelnen – wenn auch führenden -Amerikaners, aber sie zeigt, daß im Ausland manches klarer gesehen wird, als im eigenen Land.

Auch diesen Hinweis bekam ich von einemLeser. Die Fülle der uns überflutenden Zeitungen, Zeitschriften und Bücher ist derart groß, daß ein Einzelner sie nicht mehr bewältigen kann. Aus diesem Grunde bin ich dankbar für jeden Hinweis und sei er auch noch so klein oder besser ausgedrückt: noch so unbedeutend, wenn er nicht im Zusammenhang gesehen wird.

Im Hinblick auf obige dpa-Meldung sind auch nachfolgende Zitate nicht uninteressant:

In der „Deutschen National-Zeitung“ schreibt ein Leser, daß er in der zweiten Märzhälfte des Jahres 1939 nach Polen reiste. Er schreibt u. a. (Nr. 13/71, S. 7):

„. . . fuhr weiter in Richtung Krakau. Im oberschlesisch-galizischen Gebiet hielt ich mich mehrere Tage auf. Mit meinem Quartiergeber kam ich unter anderen in später Nachtstunde in eine Bar. Zu unserem Tisch gesellten sich auch einige polnische Offiziere der dortigen Garnison. In dieser Tischrunde erzählten diese polnischen Offiziere, daß sie den Auftrag hätten, alle Deutschen so lange aus ihren eigenen Häusern zu vertreiben, so lange zu schikanieren, bis Hitler einen Schuß abfeuere, dann gebe es Krieg. „

Vergl. hierzu auch die Aussage des Herrn Wagner über eine Ansprache des polnischen Marschalls Ryds-Smigly, zit. in „Was hätten wir Väter wissen müssen?“ Teil 2, S. 30.

Aus einer mir vorliegenden eidesstattlichen Erklärung über die Aussage eines angesehenen Engländers geht hervor, daß

„der englische Botschafter in Polen 1939 in dem Augenblick, als die Polen bereit waren Hitlers Angebot zu akzeptieren, von seiner Regierung in London den strikten Auftrag erhielt, alles sofort zu unternehmen, damit die Polen Hitlers Vorschlag ablehnen. Es dürfe unter gar keinen Umständen zum deutsch-polnischen Vertrag kommen. „

„Nation Europa“, Heft 5/55, SLS. 1 unter der Überschrift „Churchill verweigerte den Frieden“:

„In der neuen englischen Ausgabe ‚Stalin‘ s Correspondence with Churchill, Attlee, Roosevelt and Truman, 1941 – 1945′ (Lawrence and Wishart, London) findet sich folgende Episode vermerkt:

Ein Prawda-Bericht vom Januar 1944, wonach geheime britischdeutsche Friedensbesprechungen stattgefunden hätten, löste einen Protest Churchills aus:

„Wir haben nie an einen Frieden gedacht, selbst in dem Jahr nicht, indem wir ganz allein standen und mit Leichtigkeit Frieden hätten schließen können, ohne ernstliche Einbuße für das britische Empire, und weitgehend auf Ihre (Stalins) Kosten.“

Und zum Schluß noch ein Zitat aus DDDr. Scheidl’s „Geschichte der Verfemung Deutschlands“, Bd. 2, S. 11:

„Gegen Deutschland und das deutsche Volk wird in der ganzen Welt ein Greuellügen- und Haß-Propagandafeldzug geführt, wie er nach Art, Umfang und Hemmungslosigkeit kein Beispiel in der ganzen Geschichte der Menschheit hat.

Ungeheuerliche Behauptungen werden aufgestellt, um die Deutschen in der ganzen Welt als ein Volk von Verbrechern zu verfemen.

Mein sittliches und wissenschaftliches Gewissen, mein Gefühl für Recht und Wahrheit sind in mir so tief ausgeprägt, daß ich der erste wäre, der sich der Wahrheit beugen und der letzte, der gegen sie ankämpfen würde. Meine Nachforschungen haben aber ergeben, daß diese Greuelbeschuldigungen niederträchtige Verallgemeinerungen, Übertreibungen, Verfälschungen, ja offenkundige schamlose Lügen und Verleumdungen sind, die den einzigen Zweck haben, das deutsche Volk in der ganzen Welt als Verbrechervolk zu verfemen.

Gegen dieses ungeheuerliche Unterfangin der Todfeinde Deutschlands und des deutschen Volkes aber werde ich mich mit der ganzen Kraft meines Herzens und meines Verstandes bis zu meinem letzten Atemzuge zur Wehr setzen. „

Auch jetzt möchte ich wieder betonen, daßich mich streng an den Artikel 5 des Grundgesetzes halte und daß es nicht meine Absicht ist, eine vorgefaßte Meinung zu vertreten.

Odenhausen/Lumda, im Mai 1971

H. Roth

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