Holocaust und Pornographie in Israel

Vera Alexander am 6. August 1961 beim Eichmann-Prozeß: „So sah eine Inspektion aus.“ („This is how an inspection looked“)

Der Eichmann-Prozeß setzte den sogenannten Holocaust auf die Agenda. Im Schatten dieses Verfahrens blühte das Stalag-Genre auf und Israel erlebte eine Welle pornographischer Groschenromane, die in deutschen Lagern spielten.

Sogenannte „Stalag“-Hefte wurden in den 60er Jahren in Israel zu Hunderttausenden verkauft und brachen damit alle Rekorde.

Die immer wiederkehrenden bürokratisch-grauen und dennoch sadistischen Charaktere der Lagerkommandanten wurden Adolf Eichmann nachempfunden. Weitere Personen, die die Phantasie der produktiven Autoren beflügelten, waren Ilse Koch, das „Miststück von Buchenwald“, die Oberaufseherin in Auschwitz-Birkenau Irma Grese – und Leni Riefenstahl.

Ein israelisches Gericht hatte im Jahr 1962 den Vertrieb eines Taschenbuchs mit dem Titel „Ich war Oberst Schultzes Hündin“ verboten. Das Buch handelt davon, wie ein SS-Offizier eine französische Insassin eines Gefangenenlagers, die ihm eine Ohrfeige gegeben hat, foltert. Ein Reporter beschrieb es als

„das schrecklichste Buch, das jemals auf Hebräisch erschienen ist“.

Der Prozeß ereignete sich auf dem Höhepunkt der Welle der sogenannten Stalag-Romane, die parallel zum Eichmann-Prozeß das Land erfaßt hatte. Hunderte dieser Groschenromane wurden in hohen Auflagen an Kiosken im ganzen Land verkauft.

Der israelische Dokumentarfilm „Stalags – Holocaust und Pornografie“ von Ari Libsker widmet sich ausführlich diesem Phänomen. „Stalag 13“ war das erste Buch, das 1961 dem Genre seinen Namen gab (und selbst von Billy Wilders Film „Stalag 17“ von 1953 inspiriert war). Sein unerwarteter Erfolg provozierte die serielle Produktio

n von Stalag-Geschichten, deren Plot im großen und ganzen immer derselbe war: Ein alliierter Soldat, meist ein amerikanischer Pilot, wird gefangengenommen und in einem deutschen Stammlager interniert, das von sadistischen weiblichen SS-Offizieren regiert wird. Der Gefangene wird gedemütigt, sexuell mißbraucht und vergewaltigt. Doch die Geschichte nimmt ein gutes Ende: Der Soldat kann sich befreien und ist nun selbst derjenige, der die SS-Frauen sexuell ausbeutet und bestraft.

Die Illustrationen auf den Einbänden waren Adaptionen aus amerikanischer Pulpliteratur. Die Autoren waren allesamt Israelis, schrieben aber unter englischen Pseudonymen wie Mike Baden, Archie Berman oder Mike Longshot, die gleichzeitig die Helden der Geschichten waren.

In gewisser Hinsicht bedienten die Stalags auf ihre Weise auch ein zionistisches Narrativ: Juden waren der zionistischen Lehre zufolge schon immer verfolgt und ermordet worden, weil sie nicht in ihrem eigenen Staat lebten. Man kann daher den vergewaltigten und erniedrigten amerikanischen Piloten der Stalags als Platzhalter für den in der Diaspora lebenden Juden begreifen. Es ist außerdem ein bekanntes Phänomen, daß Opfer sich manchmal mit Tätern identifizieren und diese Identifikation auch sexuell aufgeladen werden kann.

Obwohl hunderttausende von Kopien einzelner Ro

mane zwischen 1961 und 1963 verkauft wurden, wollte die israelische Gesellschaft nicht gerne an die Stalags erinnert werden.

Die Filmdokumentation versteht die Stalags letztlich nur als Anlaß, über die „bizarre Art“ der Vermittlung des Holocausts in Israel heute nachzudenken. Einen immer noch kanonisierten Vorläufer der Stalags erkennt Filmemacher Ari Libsker nämlich in K. Zetnik. Unter diesem Pseudonym schrieb Jechiel Feiner-Dinur, der während seiner dramatischen Aussage im Eichmann-Prozeß, in der er Auschwitz poetisch als anderen Planeten beschrieb, in Ohnmacht fiel. Bereits wenige Monate nach seiner Befreiung aus Auschwitz-Birkenau hatte er den Roman „Salamandra“ über die Lager geschrieben, der bis heute zum Schulstoff gehört.

Libskers Film berührt die Frage, wie noch heute jungen Leuten von schlecht informierten Lehrern der Holocaust vermittelt wird.

Libsker zeigt etwa israelische Schulklassen in Auschwitz, deren Lehrerin mit einem gewissen Genuß am Horror von „hübschen jüdischen Frauen“ spricht, die im sogenannten „Vergnügungsblock“ angeblich deutschen SS-Leuten und Soldaten als „Feldhuren“ zur Verfügung standen, von denen K. Zetniks späteres Buch „Puppenhaus“ erzähle.

Eine dreiste Lüge: Derartiger Kontakt zu Juden wa

r jedem Deutschen streng verboten.

Das Buch „Die Wohlgesinnten“ von Jonathan Littell, schreibt der Kulturwissenschaftler Eli Eshed, sei ein moderner Stalag“. Sowohl Littell als auch Jechiel Dinur, selbst „Holocaust-Überlebender“ und der erste israelische Autor, der sich gleich nach dem Krieg mit dem Holocaust auseinandersetzte, vermischten Zeugenaussage und Dichtung. Unter dem Pseudonym K. Zetnik veröffentlichte Dinur seine zum Teil wild ausgeschmückten Erinnerungen an die Schrecken in Auschwitz, darunter Schilderungen über KL-Bordelle, in denen jüdische Frauen brutal dazu gezwungen wurden, den deutschen Offizieren sexuelle Dienste zu leisten.

„Es ist längst belegt, daß es in den Freudenhäusern der Lager keine Jüdinnen gab“,

stellt Libsker richtig. Die Lagerbordelle waren ohnehin nur für die Funktionshäftlinge da, nicht für die Wachmannschaft. Littells „Die Wohlgesinnten“ nennt er ein „infantiles Buch“, das auf die Weltanschauung des Autors schließen läßt, wenn es „Kitsch, Sex und Tod mit Nationalsozialismus und den Schrecken des Holocaust vermischt“.

Der junge Regisseur prangert die „morbide Fa

szination und Ignoranz“ der Erzieher an, die mit den „pornografischen Schilderungen den Schülern die Gehirne waschen“.

In seinem Dokumentarfilm zeigt Libsker eine Lehrerin, die in Auschwitz einer israelischen Mittelstufenklasse erklärt, wo genau das Freudenhaus gewesen sei, und dann entsprechende Auszüge aus dem Buch K. Zetniks vorliest, das auf dem Lehrplan für Mittelschulen steht.

„Ich fürchte, daß in ein paar Jahren eine andere Lehrerin vor den Krematorien steht und Auszüge aus den ,Wohlgesinnten‘ von Littell liest.“

Darstellung der „Nazi-Amazonen“

 

Nazi-Exploitation-Filme

Besonders die Schutzstaffel, Gestapo und deutsche Konzentrationslager mit Nazi-Amazonen sind häufig Elemente in Exploitationfilmen, die sich durch eine reißerische Anreicherung u. a. mit Sex und Gewalt auszeichnen.

Sie erlebten ihre Blüte in den 1960er bis 1980er Jahren. Einer der ersten erfolgreichen Filme dieser Gattung mit Thematik Drittes Reich war der 1969 erschienene VS-amerikanische Frauengefängnisfilm „Love Camp 7“, bei dem die weiblichen Insassen eines KL die (teilweise sadomasochistischen) Gelüste deutscher Offiziere befriedigen müssen. Der Film zeigt meistens frontale Aktaufnahmen. Im Jahr 1974 erschien der wohl populärste Nazi-Exploitationfilm „Ilsa, She Wolf of the SS“ („Die Hündin von Liebeslager 7“), der von der SS-Aufseherin Ilsa erzählt, die als Kommandantin das Regiment über ein deutsches Konzentrationslager im Jahre 1945 führt und ihre Gelüste u. a. bei wissenschaftlichen Tests an weiblichen wie an männlichen Insassen auslebt. Die triebhafte Frau wird von der vollbusigen und oft nackten Dyanne Thorne gespielt. Der Charakter ist an Ilse Koch angelehnt, ähnliche Filme mit Ilsa spielen aber auch in stalinistischen Gulags und in Arabien. Ein weiterer Film ist „Women’s Camp 119“ aus dem Jahr 1977.


Quelle

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