Der Völkermord der Tito-Partisanen von 1944 bis 1948

Todesmarsch Bleiburg

Dokumentation
Völkermord der Tito-Partisanen
1944-1948

Herausgeber: Österreichische Historiker- und Arbeitsgemeinschaft
für Kärnten und Steiermark, Graz, 1990

Die Geschichte des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit wird zum überwiegenden Teil von den Siegermächten und den ihnen ergebenen Medien nicht nur in ihren eigenen Ländern, sondern auch – als Folge der massiven Umerziehung – in den besiegten und „befreiten“ Ländern geschrieben. Dabei werden die Kriegsverbrechen und die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die von den Siegern und ihren Satelliten begangen wurden, wohlweislich verschwiegen.

Dieses in seiner Einseitigkeit verzerrte Geschichtsbild wenigstens auf einem Teilgebiet zu korrigieren und im Dienste der geschichtlichen Wahrheit bisher weitgehend Verschwiegenes der Öffentlichkeit bekanntzumachen, ist Aufgabe dieser Dokumentation.

Sie befaßt sich aufgrund von Erlebnisberichten mit einem der größten Verbrechen der Menschheit während und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges: mit der Ausrottung einer Volksgruppe, mit den Grausamkeiten, Bestialitäten und Massenmorden der Tito-Partisanen an schuld- und wehrlosen Menschen, vor allem Frauen, Kindern und gefangenen Soldaten.

Als Grundlage für diese Dokumentation dienten vor allem: Für die Kapitel I bis V: „Ein Volk – ausgelöscht“ von Leopold Rohrbacher. Dieses Buch fußt auf eigenem Erleben des ehemaligen deutschen Skupstina-Abgeordneten und Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Wilhelm Neuner und auf Erlebnisberichten seiner Schicksalsgenossen.

Für das Kapitel VI: „Titostern über Kärnten 1942 -1945“ von Ingomar Pust. Für das Kapitel VII: „Die deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien 1941 – 1949“ von Dr. Erich Maschke, eine halbamtliche wissenschaftliche Dokumentation.

Für die hilfreiche Unterstützung der Arbeit an diesem Buch sei vor allem der Österreichischen Historiker-Arbeitsgemeinschaft für Kärnten und Steiermark und insbesondere den Herren Benno von Gagern, Dr. Maximilian von Czesany, Erich von Kiwisch, Josef Ehrgott und Franz Stourac herzlich gedankt!

Walter Neuner


Einleitung


Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Jugoslawien rund eine halbe Million Menschen deutscher Abstammung, wie sich aus dem Ergebnis der Volkszählung vom 31. März 1931 nachweisen läßt, bei der allerdings nur die Muttersprache, nicht die Abstammung erhoben wurde. Abstammungsmäßig gab es sicher mehr Deutsche; Historiker nehmen die Gesamtzahl mit ungefähr 600.000 an.

Bei den Deutschen in Jugoslawien handelte es sich vor allem um die heute vielfach als „Donauschwaben“ bekannten Nachkommen der noch von der österreichischen Monarchie angesiedelten deutschen Kolonisten, die vor zwei Jahrhunderten in der pannonischen Tiefebene am Mittelauf der Donau in den zwischen Donau, Theiß, Drau, Save und Marosch liegenden und nach der Vertreibung der Türken damals verwüstet und entvölkert zurückgebliebenen Gebieten sich niederließen.

Dazu kamen die Deutsch-Untersteirer, Nachkommen der im 9. Jahrhundert aus Bayern und Franken eingewanderten Kolonisten, die das von den Awaren entvölkert zurückgelassene Gebiet zum Teil besiedelten, die Gottscheer, Nachkommen fränkischer, schwäbischer, tiroler und kärntner Bauern, die im 12. Jahrhundert angesiedelt wurden, und schließlich zerstreut – vor allem in den Städten lebenden – Volksdeutschen in Kroatien und Slowenien.

Die Donauschwaben stammten vorwiegend aus den habsburgischen Erblanden Elsaß und Lothringen und der Pfalz, zum Teil aber auch aus Österreich und anderen, namentlich südwestlichen Ländern Deutschlands. Mit der Aufstückelung der österreichisch-ungarischen Monarchie waren die von den Donauschwaben besiedelten Gebiete an die Nachfolgestaaten Ungarn, Rumänien und Jugoslawien aufgeteilt worden, wobei etwa 600.000 von ihnen an Jugoslawien fielen. Ihre Hauptsiedlungsgebiete waren in Jugoslawien die Batschka, wo allein ein Drittel davon lebte, dann der Jugoslawien zugesprochene Teil des Banates, Syrmien, Slawonien und Baranja. Die Untersteiermark wurde nach dem Ersten Weltkrieg entgegen dem Selbstbestimmungsrecht von der Steiermark abgetrennt und Jugoslawien einverleibt.

Obwohl die anfangs entsprechend dem Minderheitenstatus des Völkerbundes den Volksdeutschen großzügig gewährten Minderheitenrechte in späteren Jahren gedrosselt wurden, blieb das friedliche und einträchtige Zusammenleben der Deutschen mit den übrigen Nationalitäten dieser Gebiete über alle Strömungen, zeitgeistigen Erscheinungen und politischen Geschehnissen hinweg unberührt bestehen, bis diese Gebiete wieder in den Strudel eines neuen Weltenbrandes hineingerissen wurden.

Während des Zweiten Weltkrieges war ganz Jugoslawien von den Truppen Deutschlands und seiner Verbündeten besetzt. Als die deutschen und die ihnen verbündeten Truppen die jugoslawischen Gebiete zu räumen begannen, wurde ein Teil der deutschen Bevölkerung evakuiert. Etwa die Hälfte der Deutschen, die durch Jahrhundeue mit der slawischen Bevölkerung ihres Siedlungsgebietes immer sehr gut ausgekommen und durch Jahrhunderte auf allen Gebieten der Wirtschaft ihre Lehrmeister geworden waren, entzog sich jedoch vielfach auf Anraten der slawischen Bevölkerung den Evakuierungsmaßnahmen und blieb in der alten Heimat.

Anfang Oktober 1944 erreichten die ersten russischen Truppen jugoslawische Gebiete und besetzten in wenigen Tagen zuerst das Banat, dann die Batschka und hatten bis zum Kriegsende auch die Besetzung Syrmiens und Slawoniens abgeschlossen. In den von den russischen Truppen besetzten Gebieten wurde immer gleich auch die Militärverwaltung der serbischen Partisanen eingeführt, die schon am 3. März des nächsten Jahres wieder aufgehoben wurde. Versuche slawischer Bevölkerungskreise, königstreue, serbische Befreiungskomitees zu bilden und die Ausübung der staatlichen Machtbefugnisse in die Hände zu nehmen, wurden in diesen Tagen von der Militärverwaltung der Partisanen-Truppen im Keime erstickt.

Schon gleich nach ihrer Einführung ergriff die Militärverwaltung der Partisanen Titos Maßnahmen, die auf die Absicht schließen ließen, die im Lande verbliebenen Reste der deutschen Bevölkerung auszurotten. Es wurde mit ihnen verfahren, als ob sie Freiwild geworden wären, an dem jeder seinen Blutrausch befriedigen und seinen Sadismus austoben konnte.

Was im einzelnen in dieser Zeit und auch später noch mit deutschen Menschen – aber auch nichtkommunistischen Jugoslawen – in Jugoslawien, in Südkärnten und im steirischen Grenzgebiet geschehen ist, soll Gegenstand dieser Schrift sein. Es muß jedoch vorausgeschickt werden, daß diese Darstellung den Anspruch auf erschöpfende und umfassende Behandlung der überaus grausamen Vorkommnisse nicht erheben will. Es würde Bände füllen, wollte man das alles verzeichnen, was an Grausamkeiten an schuldlosen Menschen nach dem Ende der Kampfhandlungen im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges und bis vier Jahre danach verübt wurde.

Der noch im Lande verbliebene Rest an Volksdeutschen ist zum größten Teil in den 50er Jahren – vor allem in die Bundesrepublik Deutschland – ausgewandert. Es gibt schätzungsweise noch ein paar tausend Volksdeutsche in Jugoslawien, aber sie leben so zerstreut (und fern von ihren Heimatorten), daß von einer deutschen Volksgruppe keine Rede mehr sein kann. Es ist auch keine Angabe über ihre Zahl möglich, weil sie statistisch nicht mehr erfaßt werden. Sie sind auch keine staatsrechtlich anerkannte Minderbeit wie z.B. Magyaren, Albaner, Slowaken und Rumänen. Fazit: Es gibt kein Deutschtum mehr in Jugoslawien.

Über die Zahl der Jugoslawien-Deutschen, die durch Massenerschießungen, sonstige Ermordungsarten, Hunger und Seuchen in den Lagern usw. ums Leben kamen, meldet das Bundesamt für Statistik in Wiesbaden: „Zusammenfassend ist festzustellen, daß die Gesamtverluste der jugoslawien-deutschen Bevölkerung durch Krieg und Nachkriegsereignisse demnach 175.000 Personen betragen, 32,7% des Bevölkerungsstandes von 1939. Davon entfallen auf Wehrmachtssterbefälle etwa 40.000 Mann (7,5%), so daß die Zivilverluste rund 135.800 Personen (25,3%) ausmachen. Die größten Verluste unter der Zivilbevölkerung entstanden unmittelbar nach der militärischen Besetzung der deutschen Siedlungsgebiete durch die Rote Armee bzw. durch die Errichtung der Partisanenverwaltung, und zwar durch Massenerschießungen sowie durch sonstige willkürliche und planmäßige Liquidierungsmaßnahmen.

Die offiziell festgestellte Zahl der in Jugoslawien ums Leben gekommenen Kriegsgefangenen der Deutschen Wehrmacht beträgt 80.000. In dem Buch „Donauschwäbische Zeitgeschichte aus erster Hand“ schreibt der Verfasser Josef Beer:

„Anklagen statt verteidigen – Es sind in der Nachkriegszeit in Jugoslawien viele Bücher über die Kampfzeit der Partisanen und über angebliche Verbrechen der Deutschen (Wehrmacht und Volksdeutsche) veröffentlicht worden; auch wurden und werden laufend in Zeitungsbeiträgen Berichte darüber gebracht. – Bei dieser jugoslawischen Nachkriegsliteratur handelt es sich um mehr als nur Geschichtsfälschung: Man will damit die eigenen Verbrechen überspielen, den Widerstand der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung gegen die Partisanen vergessen machen und zwecks Entlastung der früheren Gegner uns Donauschwaben Schuld zuweisen. Darüber hinaus hat man mit solchen Anschuldigungen gegen uns Forderungen nach Entschädigung begründen wollen. Man ist dabei in Belgrad von der sicher in vielem zutreffenden Annahme ausgegangen, daß man in Bonn über die Geschehnisse in Jugoslawien während der Kriegszeit nicht viel wisse, daher dort leicht mit einem Entgegenkommen durch eine solche Greuelpropaganda rechnen könne.

Der Hauptzweck unserer Dokumentation darf es nicht sein, uns nur mit den erhobenen Anschuldigungen auseinanderzusetzen und uns nur zu verteidigen, sondern wir müssen vielmehr unsere Stimme zur Anklage erheben. Wir klagen das neue jugoslawische Regime unter der seinerzeitigen Führung von Tito folgender von Staats wegen angeordneter Verfolgungs- und Vernichtungsmaßnahmen gegen die deutsche Bevölkerung an. Es sind dies:

1. die bereits am 21. November 1944 gefaßten Beschlüsse, wodurch alle Personen deutscher Abstammung rechtlos und enteignet wurden,

2. die überall planmäßig durchgeführten Massenerschießungen von Männern,

3. die Verschleppung von arbeitsfähigen jüngeren Frauen und Männern nach Rußland,

4. die Internierung aller nach den vielen Ermordungen und Verschleppungen am Leben gebliebenen Deutschen in Konzentrationslagern, wo sie massenweise an Unterernährung, an Seuchen usw. gestorben sind,

5. die für aus der Internierung entlassene Deutsche angeordnete dreijährige Zwangsarbeit,

6. die Verbringung elternlos gemachter oder den Eltern geraubter Kinder zwangsweise in Kinderheime, wo sie ihrem Volkstum entfremdet zu kommunistischen Janitscharen erzogen wurden.

Gleichzeitig klagen wir an einzelne Partisanen oder Nichtpartisanen, die an unseren unschuldigen Menschen Verbrechen begangen, sie getötet, gemartert oder mißhandelt haben. Wir wissen zwar, daß es zur Tatzeit kein Verbrechen war, einen Deutschen zu töten oder zu mißhandeln, denn der Staat hat ja mit seinen Gesetzen Straffreiheit für solche Fälle garantiert. Deutsche durften ja kein Gericht oder staatliche Institutionen zu ihrem persönlichen oder rechtlichen Schutz anrufen. Eine solche Tat bleibt trotzdem ein Verbrechen, auch wenn kein Gesetz dies verboten hatte und kein Gericht sich daher damit befaßt hat.

Wir sind uns dessen bewußt, daß viele, die solche Morde befohlen oder selbst solche Morde ausgeführt haben, heute nicht mehr am Leben sind. Unabhängig davon wäre es sinnlos, an Jugoslawien mit der Forderung heranzutreten, eine Kommission zur Untersuchung dieser Vorgänge einzusetzen. Es bedürfte auch keiner solchen Untersuchung mehr, denn in unseren Händen oder von anderen gesammelt liegt so viel belastendes Material vor, das zu Anklagen und zum Beweis voll und ganz ausreichen würde; es finden sich lediglich keine Gerichte und keine Richter dafür.

Würde man uns das Recht zubilligen, Anklagen wegen Mordes an nächsten Angehörigen zu erheben, so hätte sicher jede einzelne donauschwäbische Familie aus Jugoslawien mehrere solche Klagen vorzubringen. Ich persönlich habe den Tod meiner Eltern, meines sehr alten Großvaters und Tanten in Lagern und die Erschießung meines Bruders nach Kriegsende als deutscher Offizier zu beklagen.

Da haben es die Juden leichter. Ihre in aller Welt tätigen Vertreter brauchen nur einen Schuldigen ausfindig zu machen und schnell hat er ein Verfahren am Hals und wird vom Ausland ausgeliefert. So ist es aber auch bei allen anderen NS-Verbrechen. Niemand findet sich jedoch zuständig, wenn es sich um gegen Deutsche begangene Verbrechen handelt. An dieser Doppelmoral hat sich seit Kriegsende nichts geändert!

Vom Partisanenregime sind aber nicht nur Verbrechen an Deutschen verübt worden, sondern an allen anderen früheren Gegnern. Es war der Verdienst der einzelnen Emigrantengruppen, solche Verbrechen, vor allem Massenmorde aufgedeckt zu haben. Zigtausende Kroaten, Serben und Muselmanen wurden in gleicher Weise scheußlich getötet. Diese Emigranten klagen aber auch die Engländer an, die trotz Protesten diese Menschen an die Partisanen ausgeliefert haben.“


Systematische Ausrottung der deutschen Volksgruppe


Es liegt zuweilen in der Natur des Krieges, daß es hier und da zu Ausschreitungen einzelner Truppenteile oder ihrer Angehörigen kommt. Kriegerische Ereignisse auf dem Balkan und in den Südostländern waren seit eh und je von Geschehnissen begleitet, die mit den Normen des Kriegsrechtes nichts mehr gemeinsam hatten. Dennoch aber wird man kaum von ihnen sagen können, daß sie was anderes als Ausschreitungen waren. Trotz der besonderen Leidenschaftlichkeit und der daraus resultierenden besonderen Häufigkeit derartiger Ausschreitungen im Zusammenhange kriegerischer Handlungen auf dem Balkan, wird man seit der Türkenvertreibung von solchen Vorkommnissen kaum sagen können, daß sie System und von der zentralen Führung der kriegführenden Parteien gewollt oder gar befohlen waren. Sie waren verboten und die obersten Führungsorgane der kriegführenden Parteien haben sich in allen Fällen bisher noch immer und trotz allem zu den Normen bekannt, die sich die europäische Menschheit auch bei Feindseligkeiten recht und schlecht zu beobachten zum Grundsatz gemacht hat.

Nicht so war es bei den Maßnahmen, die seit Oktober 1944 gegen Angehörige der deutschen Minderheit in Jugoslawien ergriffen wurden. Nicht nur, daß sie nicht verboten waren oder daß die verantwortlichen Stellen keinerlei Maßnahmen zu ihrer Abstellung ergriffen, sie geduldet und gebilligt haben, sie scheinen sogar von der obersten Partisanenführung angeordnet worden zu sein. Die Einheitlichkeit und Gleichartigkeit sowohl des Vorgehens als auch die fast immer vollkommen gleich gewählten Umstände, lassen eindeutig auf das Bestehen zentraler Weisungen schließen. Vor allem ist es der AVNOJ (Antifasisticko Vece Narodnog Oslobodjenja Jugolavije – Antifaschistischer Rat der Nationalen Befreiung Jugoslawiens) am 21. November 1944 gefaßte Beschluß ein deutlicher Hinweis dafür, daß auch die Maßnahmen vor diesem Datum von der obersten Partisanenführung gewollt und befohlen waren. Mit diesem Beschluß wurden die vor diesem Tage getroffenen Maßnahmen nicht nur sanktioniert und bestätigt, sondern die Stellung der deutschen Minderheit in Jugoslawien in einer Weise geregelt, daß sie fortgesetzt und intensiviert werden konnten und mußten. Dieser AVNOJ-Beschluß wurde von der später gewählten jugoslawischen Nationalversammlung am 31. Juli 1946 (mit rückwirkender Kraft) zum Gesetz erhoben.

Es enthielt folgende Bestimmungen:

1. Alle in Jugoslawien lebenden Personen deutscher Abstammung verlieren automatisch die jugoslawische Staatsbürgerschaft und alle bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte.

2. Der gesamte Besitz aller Personen deutscher Abstammung – sowohl der bewegliche als auch der unbewegliche – hat als vom Staate beschlagnahmt zu gelten und übergeht automatisch in dessen Eigentum.

3. Personen deutscher Abstammung können weder irgendwelche bürgerlichen oder staatsbürgerlichen Rechte beanspruchen und ausüben noch Gerichte oder staatliche Institutionen zu ihrem persönlichen oder rechtlichen Schutze anrufen.

Mit diesem Gesetze wurden 250.000 Menschen nicht nur jeglichen Besitzes beraubt und für vogelfrei erklärt, es wurden mit ihm auch alle bisherigen Vorkommnisse sanktioniert und für deren Fortsetzung alle Voraussetzungen geschaffen. Damit und mit diesem Tage hat die Regierung Titos für alles, was vor diesem Tage an Angehörigen der deutschen Minderheit und Menschen deutscher Abstammung verübt und in den nächsten Monaten und Jahren mit noch umfassenderen Maßnamen fortgesetzt wurden, alle Verantwortung übernommen.

Der vollen Tragweite dieses Gesetzes wird man sich jedoch erst bewußt, wenn man sich vor Augen hält, was es an Rechten fortan für deutsche Menschen in Jugoslawien nicht mehr gab.

Mit der Beschlagnahmung des gesamten Besitzes wurde die deutsche Bevölkerung, die bisher in der jugoslawischen Wirtschaft, namentlich aber in der Erzeugung landwirtschaftlicher Exportgüter, eine hervorragende Rolle gespielt hat, aus der Wirtschaft des neuen Staates eliminiert und ausgeschaltet. Alles, was Deutsche an diesem Tage in Jugoslawien besaßen, war Eigentum des Staates geworden. Eigentum des Staates waren nicht nur Haus und Feld, es waren dies auch alle in ihrem Besitz befindlichen Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände, ja selbst die auf ihrem Leibe befindlichen Kleidungsstücke. Was ihnen nicht gleich weggenommen und in die Verfügungsgewalt des Staates genommen wurde, blieb nur „als vom Staate an sie ausgeliehen“ in ihrem Gebrauch, konnte zu jeder Zeit weggenommen oder – wie es Zehntausenden dann auch tatsächlich geschehen ist – mit Schlechterem ersetzt werden.

Selbst der deutsche Mensch und sein Leben waren Staatseigentum. Während ihm letzteres zu jeder Zeit genommen werden konnte, war er selbst Objekt staatlicher Ausbeutung geworden, das bestenfalls noch als Träger begehrenswerter Arbeitskraft einigen Wert hatte und vom Staate beliebig eingesetzt und verwendet, aber auch zerstört werden konnte. Er und seine Arbeitskraft konnten vom Staate auch Privaten verpachtet werden. Auch das wurde volle drei Jahre lang mit Hunderttausenden von Menschen gemacht. Er konnte auch anderen Staaten als Arbeitskraft geliefert werden. Er hatte kein Recht auf Zusammenleben mit seiner Familie, kein Recht auf seine eigenen Kinder – sie wurden ihm in tausenden von Fällen auch tatsächlich weggenommen – kein Recht, etwas zu tun und etwas nicht zu tun, kein Recht, hier zu bleiben oder dorthin zu gehen. Er war buchstäblich zu einer rechtlosen Sache geworden, über die der Staat und seine Organe zu jeder Zeit wie etwa über Nutzvieh verfügen konnten.

Seit der Abschaffung der Sklaverei und des Sklavenhandels kennt die Geschichte der Menschheit keinen ähnlichen Fall, der sich von diesem Tage an mit der Rechtslage der Angehörigen der deutschen Minderheit vergleichen ließe. Nie hat es derzeit irgendwo Menschen gegeben, die nichts, aber auch rein gar nichts besitzen durften, die nichts erwerben und nichts an andere übertragen konnten, die keine Geschenke annehmen und keine machen durften, denen selbst hinsichtlich des Genusses der zum Leben nötigen Lebensmittel selbst soviel nicht zugebilligt wurde, daß es zur Erhaltung der physischen Kräfte und des nackten Lebens gereicht hätte, die auch geschenkte Nahrungsmittel und Kleidungsstücke nicht annehmen durften, denen selbst mit Familienangehörigen, geschweige mit anderen, zu sprechen strengstens und oft auch unter Todesstrafe verboten war.

Die auf restlose Vernichtung noch offenkundiger schließen lassende Tendenz beinhaltete aber noch die dritte Bestimmung des Gesetzes, die jedem deutschen Menschen in Jugoslawien das Recht absprach, sich zu seinem persönlichen Schutze der Gerichte oder staatlichen Behörden und Institutionen zu bedienen. Nicht nur, daß Deutsche selbst gegen niemand anderen Klage oder Beschwerde haben erheben können, sie konnten auch keinerlei Dokumente mehr bekommen, und selbst Taufscheine auszustellen, wurde unter Androhung härtester Strafen den kirchlichen Behörden verboten. Nicht einmal besitzen durfte ein Deutscher dergleichen, und wo Dokumente oder Ausweise in seinem Besitze vorgefunden wurden, wurden sie abgenommen und vernichtet. Aber auch bei Gerichten geklagt oder Behörden angezeigt konnte und brauchte er nicht zu werden. Da ihm selbst das Recht abgesprochen wurde, sich zu seinem Schutze der Gerichte oder staatlichen Behörden zu bedienen, war es jedem freigestellt, sich ihm gegenüber nicht nur als Richter, sondern auch als Scharfrichter aufzuspielen. Bei der allgemeinen Tendenz und der durch tausenderlei Maßnahmen ausdrücklichst und unmißverständlich bekundeten Absicht, die Zahl der deutschen Minderheiten selbst durch Mord und Totschlag auf ein je geringeres Ausmaß herabzudrücken, war es kein Wunder, daß von diesem Recht auch ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Wer immer deutsche Menschen quälen, zu Tode foltern, abschlachten oder sonstwie töten wollte, konnte es in dem Bewußtsein tun, ein verdienstvolles Werk und eine nationale Tat vollbracht zu haben. Kein Wunder, daß sich namentlich solche an deutschen Menschen vergriffen, die es in den Jahren und Monaten, als es gegen die deutsche Besatzungsmacht zu kämpfen galt, versäumt hatten, sich ihrer nationalen Verpflichtung zu besinnen und jetzt schnell die Gelegenheit ergriffen, ihre patriotische und kommunistische Gesinnung durch Niedermetzelung und unmenschliche Behandlung deutscher Menschen unter Beweis zu stellen. Diesem Gesetz aber waren nicht nur Männer oder Frauen unterworfen, sondern einfach alle, die deutsche Menschen zu Eltern hatten: Greise, Greisinnen, unschuldige Kinder und Säuglinge, ja selbst die ungeborenen Kinder und alle, die noch geboren werden sollten.

Soweit der mit den AVNOJ-Beschlüssen geschaffene Grundlage zur Vernichtung der deutschen Minderheit in Jugoslawien mit den Vorkommnissen und Schwabenpogromen vor dem 21. November 1944 nicht bereits weitestgehend vorgegriffen war, kann von diesem Tage an von einer in der modemen Geschichte fast beispiellosen Systematik der Ausrottung eines Volkes gesprochen werden. Im großen und ganzen wird von drei Methoden zu sprechen sein:

1. Massenliquldierungen

2. Massendeportierungen

3. Massenausrottung durch Hunger und Zwangsarbeit in den Konzentrations- und Zwangsarbeitslagern. Alle diese drei Methoden wurden zwar schon vor dem 21. November angewendet, doch wurden ihnen nicht alle Deutschen des Landes, sondern nur Teile derselben unterworfen. Von jetzt an aber sollten mit diesen drei Methoden, namentlich aber mit der letzteren, alle Personen deutscher Abstammung erreicht und ausgelöscht werden.


Deutsche Menschen wurden in Massen liquidiert


Die Massenliquidierungen haben nicht erst mit dem 21.November 1944 eingesetzt. Sie folgten dem Einmarsch der russischen Truppen und der Errichtung der Militärverwaltungen durch die Partisanen Titos auf dem Fuße. Was sich in einzelnen deutschen oder mit anderen Nationalitäten von Deutschen mitbewohnten Orten an Grausamkeiten und Bestialitäten abgespielt hat, wird erschöpfend darzustellen wahrscheinlich nie möglich sein. Über dem Schicksal Tausender Männer und Frauen liegt ein undurchdringliches Dunkel, das zu lüften schon insofern schwer fallen wird, als in den langen Jahren des Ausrottungsregimes vielfach auch noch die letzten Augen- und Ohrenzeugen der blutigen Hand einer Regierung zum Opfer gefallen sind, die sogar den Mut besaß, den Ausrottungsprozeß eines ganzen Volkes gesetzlich zu fundieren. Aber auch die Darstellung der bisher bekanntgewordenen oder zumindest von Augenzeugen noch erforschbaren Vorkommnisse würde Bände füllen und die Lebensaufgabe eines größeren, nur mit der Erforschung dieser Dinge betrauten Personenkreises bedeuten. Die Darstellung eines Bruchteiles dieser Vorkommnisse soll im zweiten Teile dieser Schrift geboten werden.

Die Art, wie Massen deutscher Menschen vor dem 21. November 1944 liquidiert wurden, wurde auch nach diesem Datum fortgesetzt. Warum auch nicht? Waren doch gerade mit diesem Gesetze die Vorbedingungen dafür geschaffen worden, daß sie straflos auch aus individuellen persönlichen Motiven all derer fortgesetzt oder ausgeführt werden konnten, die dazu Lust verspürten, deutsches Blut in Strömen fließen zu lassen oder sich in sadistischen Bestialitäten an Einzelnen oder Massen zu ergehen.

Einer objektiven und sachlichen Darstellung zuliebe wird jedoch zugegeben werden müssen, daß die Zahl der bei einzelnen Liquidierungen nach dem Jänner 1945 getöteten Personen in der Regel geringer war als früher, daß Liquidierungen größerer Massen seltener, dafür aber Massakrierungen einzelner häufiger geworden waren.

Die Auslöschung der deutschen Volksgruppe schien schon allzu sicher festzustehen, als daß es noch für nötig befunden worden wäre, über sein eigenes persönliches Bedürfnis an sadistischen Befriedigungen hinaus noch weiterhin deutsche Menschen durch Massenmorde zu töten. Man begnügte sich damit, seinen Blutrausch und Sadismus mehr an Einzelpersonen zu befriedigen.

Über eine besondere Methode der Massenliquidierung berichtet Dr. Nikolaus von Preradovich im „Deutschen Anzeiger“ vom 26. 0ktober 1984:

„Die Tito-Partisanen hatten sich mancherlei Möglichkeiten zurecht gelegt, wie man – in Ihren Augen – unliebsame Mitmenschen vom Leben zum Tode befördert. Eine beliebte Vernichtungsart war jene mit dem ‚Schichttorten- Effekt‘ . Diese Methode der Liquidierung hat zweierlei Vorteile: 1. Ist sie für die Betroffenen besonders unangenehm und 2. kann man größere Mengen von Gegnern unter einem Aufwaschen beseitigen. Die Technik ist folgende: Es muß ein tiefer und breiter Brunnen- oder Bergwerksschacht gefunden werden. Sodann nehme man die erste Partie Deutscher, es können auch Kroaten oder Slowenen sein, und werfe sie in den Schacht. Sodann kommt eine Lage abgezogener Handgranaten, dann wieder eine Schicht Menschen und dann von Neuem eine Schicht Handgranaten – daher der Name ‚Schichttorten-Effekt‘. Und so wirkt man weiter, bis etwa zwei Meter unter dem Brunnen- oder Schachtrand. Damit die obersten Leute, die vielleicht nur verletzt sind, nicht herauskrabbeln können“.


Deutsche Männer und Frauen wurden massenweise in die Sowjetunion verschleppt


Die ersten Massendeportierungen wurden am Heiligen Abend des Jahres 1944 durchgeführt. Es gehört schon was dazu, ausgerechnet den Heiligen Abend als Stichtag für eine Maßnahme zu wählen, die Tausende und Abertausende von Kindern elternlos machen sollte.

In allen Orten der Batschka und des Banates mußten sich an diesem Tage alle deutschen Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren und alle Frauen im Alter von 18 bis 30 Jahren an einem bestimmten Sammelplatz einfinden, wo sie auf ihre gesundheitliche Verfassung und Arbeitsfähigkeit von einer russischen Kommission geprüft, anschließend in Viehwaggons verfrachtet und in unbekannter Richtung abtransportiert wurden. Nur schwangere Frauen und Frauen mit ganz kleinen Kindern wurden nicht mitgenommen.

Mit dem zahlenmäßigen Ergebnis anscheinend unzufrieden, wurde Anfang Jänner eine zweite Aushebung durchgeführt, wobei das Alter bei Frauen auf 35 Jahre hinaufgesetzt und manchenorts auch Frauen mit Säuglingen genommen wurden. Zur Zeit der Durchführung dieser Deportierungen hielten die Partisanen Titos auch einige ungarische Gebiete besetzt und führten auch dort diese Maßnahme durch. In Slawonien und Syrmien hingegen wurde diese Maßnahme nur in wenigen Orten durchgeführt. Die Zahl der auf diese Weise Verschleppten dürfte mit ungefähr 40.000 veranschlagt werden können, zumal aus der Gemeinde Apatin allein über 2.400 Personen deportiert wurden.

Viele Monate herrschte vollkommene Ungewißheit darüber, wo diese Menschen hingekommen sind. Erst in den Sommermonaten des Jahres 1945 sickerte es nach und nach durch, daß sie nach Rußland verbracht worden sein sollen. Nur selten gab es Familien, die in diesen Tagen nicht nur eines ihrer Lieben verloren haben. Was aber zurückblieb, waren Kinder und alte Leute, und nur selten gab es Kinder, die in diesen Tagen nicht beide Eltern verloren haben. Sie waren in den günstigsten Fällen ihren alten Großeltern, meistens aber nur ihren älteren Geschwistern oder entfernten Verwandten überlassen. Nicht selten gab es auch Häuser, in denen nur kleine Kinder zurückgeblieben waren. Ein alter Mann aus Filipovo sammelte an diesem Tage allein 28 Enkelkinder in seinem Hause, die alle Kinder seiner nach Rußland verschleppten Söhne und Töchter waren.


Was waren die Gründe für die Ausrottung der Deutschen?


Die Frage aufwerfen, inwiefern die Maßnahmen der Partisanenregierung Titos gegen die deutsche Bevölkerung des Landes begründet waren, hieße dem Prinzip zustimmen, daß Hunderttausende unschuldigster Menschen auch ohne eigene Schuld liquidiert werden können. Wenn aber dennoch darauf eingegangen werden soll, dann nur deswegen, um auch noch an Hand dieser Begründungen die Verlogenheit und Frivolität eines Regimes zu enthüllen.

Daß sich die deutsche Minderheit Jugoslawiens zum Nationalsozialismus bekannt hat, wurde selbst von der jugoslawischen Regierung noch niemals behauptet und auch nicht als Grund für ihre Maßnahmen gegen das Deutschtum angeführt. Sie hätte schon in dem jugoslawischen Volke für diese Behauptung keinen Glauben gefunden. Sie wußte nur zu gut, wie die mit dem Deutschtum des Landes im gemeinsamen Raume lebenden Teile des jugoslawischen Volkes genauestens wußten, daß die überwiegende Mehrheit der Deutschen nie etwas mit dem Nationalsozialismus zu tun gehabt hat.

Auch mit dem Vorgehen der deutschen Besatzungsmacht dem jugoslawischen Volke gegenüber können die Maßnahmen Jugoslawiens nicht begründet werden. Nicht nur, daß die deutsche Minderheit Jugoslawiens auf diese Dinge nie einen Einfluß gehabt hat, es haben deutsche Männer in tausenden Fällen mit Kopf und Besitz dafür gebürgt, daß sich zu Unrecht verfolgte Serben loyal verhalten werden. Nicht selten sind auch Fälle, wo sich die deutsche Bevölkerung eines Ortes offen auf die Seite der Serben gestellt und sich mit ihnen gegen Übergriffe zu Wehr gesetzt hat. Das alles wußte und weiß man auch in Belgrad, und die Regierung Titos hat ihre Maßnahmen auch nur selten mit dem Verhalten der deutschen Bevölkerung während der deutschen Okkupationszeit begründet. Wie wenig diese Begründung selbst von den Behörden des neuen Jugoslawien ernst gemeint war, zeigt allein schon die Tatsache, daß kein einziger, über den die Maßnahmen der Regierung verhängt wurden, auch wirklich danach geprüft wurde, wie er sich in der Besatzungszeit verhalten hat. Zweifellos befürchtete man, eher gar keinen als nur wenige zu finden, die wirklich hätten schuldig befunden werden müssen. Am häufigsten ist noch davon die Rede gewesen, es sollten die Anhänger des „Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes“ (kulturbundovci) gemaßregelt werden. Abgesehen davon, daß diese Organisation eine rein kulturelle Einrichtung war, daß sie nur gegen den Widerstand der von den Mitgliedern selbst gewählten Leitung während des Krieges durch Eingriffe nationalsozialistischer Stellen gleichgeschaltet und die zur Gleichschaltung eingesetzte Leitung selbst von der jugoslawischen Regierung schon vor der Besetzung Jugoslawiens in Form von Ordensverleihungen anerkannt wurde, war die Zugehörigkeit zum Kulturbund kein maßgeblicher Grund für die Verfolgung.

Es wurden den Ausrottungsmaßnahmen einfach alle deutschen Menschen, gleichgültig ob sie Mitglieder waren oder nicht, unterworfen. Nicht nur die ungeborenen Kinder, selbst die Gegner des Kulturbundes mußten das gleiche Schicksal über sich ergehen lassen. Nicht nur, daß auch solche Deutsche ausgerottet wurden, die gar nicht Staatsbürger Jugoslawiens waren, es wurden sogar alle deutschstämmigen und oft schon seit Generationen mit dem Ungarntum oder Slawentum assimilierten Familien den gleichen Ausrottungsmaßnahmen unterworfen. Ja, selbst die wenigen deutschen Anhänger des Kommunismus bildeten keine Ausnahme. Die Maßnahmen der jugoslawischen Regierung Titos waren im buchstäblichsten Sinne des Wortes solche zur Ausrottung einer ganzen Rasse. Sie waren brutaler, bestialischer und sadistischer als die Ausrottungsmaßnahmen des Dritten Reiches gegen das Judentum.

Das jugoslawische Volk hat die über das Deutschtum des Landes verhängten Maßnahmen nie gebilligt. Es war wie auf allen anderen Gebieten der jugoslawischen Staatsführung allerdings machtlos. Interventionen und Vorsprachen angesehenster Serben und Kroaten konnten bei den verantwortlichen Stellen ebenso wenig erreichen, wie solche von einsichtigen Partisanen. Die Ausrottung des Deutschtums war schon im Sommer 1945 eine so unumstößliche und unabänderlich festgelegte Zielsetzung, daß auch eine von einsichtigen Partisanen angeführte Delegation auf eine Fürsprache zugunsten der Deutschen nur die Antwort bekam, ob denn die Schwaben noch immer nicht alle krepiert seien.

Wie wenig aber die breiten Massen der jugoslawischen Bevölkerung mit den Liquidierungsmaßnahmen der Partisanen zu tun hatten, geht vor allem aus den Tatsachen hervor, daß in unzähligen Fällen nicht nur Frauen, sondern auch Männer bei dem Anblick der ständig im ganzen Lande umhergepeitschten Elendskolonnen in Weinkrämpfe ausbrachen, obwohl sie nur selten einen der Menschen persönlich kannten, deren brutale und unmenschliche Behandlung sie mitansehen mußten. Daß sich immerhin noch 20.000 bis 25.000 gegen ganz unerschwingliche Kopfprämien das Leben retten konnten, daß sich weiter 15.000 bis 20.000 durch Flucht das nackte Leben retten konnten, ist nur der Hilfe der jugoslawischen Bevölkerung aller Nationalitäten zu verdanken. Daß aber auch noch etwa 42.000 in den Todesmühlen am Leben geblieben sind und durch volle dreieinhalb Jahre unmenschlichster Behandlung, bitterster Entbehrungen und gräßlichster Leiden – wenn auch als menschliche Wracks – noch das Leben erhalten haben, ist nur derselben Hilfe vieler tausender Serben, Kroaten, Ungarn, Schokatzen, Bunjewatzen, Slowaken und Russinen (ein ukrainischer Volksstamm) zu verdanken. Zweifellos hätten diese Menschen keinen Finger gekrümmt, wenn ihnen je von den Deutschen des Landes irgend etwas Leids zugefügt worden wäre. Die kleinste Hilfe, wenn auch zu Unrecht verfolgten deutschen Menschen angedeihen zu lassen, barg – einmal entdeckt – lange Zeit für die ganze Familie des Helfenden die Gefahr, auch selbst wie die Deutschen behandelt zu werden. Wer will da noch an das Märchen glauben, daß die deutsche Minderheit des Landes während der Okkupationszeit die nichtdeutsche Bevölkerung des Landes drangsaliert oder sich ihr gegenüber unbotmäßig verhalten hätte?

Für die Ausrottung des Deutschtums in Jugoslawien gibt es allerdings neben dem Rassenhaß einen sehr gewichtigen Grund. So brutal und bestialisch das Ausrottungsregime schon selbst war, so offen wurde er von dem offiziellen Organ der kommunistischen Partei für die ungarische Minderheit der Wojwodina – dem vorwiegenden Siedlungsgebiete auch der ungarischen Minderheit – „Magyar Szo“ schon im Jahre 1945 ausgesprochen. Es hieß dort wörtlich: „Es ist allen Behörden völlig unverständlich, daß man den Schwaben so heiße Krokodilstränen nachweint und viele von ihnen noch mit Lebensmitteln unterstützt. Es ist unbegreiflich, daß die Masse der Bevölkerung nur die strengen Maßnahmen sieht und die Reichtümer nicht bemerken will, die jetzt dem Volke und dem Staate zufließen. Man jammert wegen Kleinigkeiten und sieht nicht das Kapital und die Vermögenswerte der Schwaben, die wir unbedingt haben müssen. Es fiel in der Wojwodina in unsere Hände: 1,800.000 Joch besten Ackerbodens, 70 Prozent der Gesamtindustrie, über 80.000 Häuser, 90 Prozent der Geschäfte usw.“

Das war also der wahre Grund, dessentwegen die „Kleinigkeit“ einer gräßlichen und bestialischen Liquidierung eines ganzen Volkes und Hunderttausender von unschuldigen Frauen, Kindern und Männern durchgeführt wurde. Wenn es überhaupt noch eines Beweises bedürfte, daß die Ausrottung des Donauschwabentums nichts mit Repressalien gegen eine Bevölkerung, die sich während der Besatzungszeit dem jugoslawischen Volke gegenüber feindselig verhalten hat, zu tun hat, so ist dieser Beweis in der Liquidierung der katholischen und evangelischen Priester zu sehen. Gerade ihnen hätte bestimmt am wenigsten der Vorwurf gemacht werden können, sich zum Nationalsozialismus bekannt, die Besatzungsmächte unterstützt und das jugoslawische Volk geschädigt zu haben, oder Angehörige des Kulturbundes gewesen zu sein.

Würden die von Jugoslawien gegen die deutsche Minderheit des Landes ergriffenen Maßnahmen den Charakter von Vergeltungsmaßnahmen oder Repressalien gegen eine Menschengruppe darstellen, die sich während des Krieges auf die Seite des Feindes gestellt hat, hätten zweifellos die Priester davon ausgenommen werden müssen. Gerade aber sie waren die begehrtesten Opfer bei Massen- und Einzelliquidierungen. Bei ihrer Ausrottung hatte man offenkundig dreierlei vor Augen: sie gehörten der Rassengruppe an, die ausgelöscht werden sollte, sie sind die Exponenten einer mit dem Kommunismus nicht zu vereinbarenden Religion und Weltanschauung, sie waren Intellektuelle.

So sind zum Beispiel in der Batschka, die kaum 35 deutschsprachige oder mit Deutsch gemischtsprachige Pfarren hatte, allein 48 katholische Priester der Verfolgung zum Opfer gefallen: 18 wurden getötet, 4 wurden in die Sowjetuuion verschleppt, 17 wurden in Konzentrationslager verbracht und 9 wurden von OZNA (Odelenje zastitu naroda – Abteilung für den Schutz des Volkes – Geheime Staatspolizei) verhaftet und eingesperrt.


Vertreibung und Flucht der Volksdeutschen aus ihrer Heimat


Das verhältnismäßig mildeste Schicksal war den Jugoslawien-Deutschen beschieden, die vor dem Näherkommen der Front, das heißt vor dem Anrücken der sowjetischen Truppen, flüchten konnten, die vom Partisanenregime vertrieben bzw. abgeschoben wurden und schließlich jene, denen die Flucht aus den Lagern gelungen ist. Zur Vertreibung kam es hauptsächlich in Slowenien, teilweise auch in Slawonien, wogegen in den donauschwäbischen Gebieten das System der Internierungslager vorherrschend wurde.

Streit um die Vertreibung der Jugoslawien-Deutschen. Unter diesem Titel behandelt Carl Gustav Ströhm in der Grazer „Kleinen Zeitung“ vom 29.7.1987 zunächst die Auseinandersetzungen zwischen Serbien und Slowenien wegen des Kosovo-Problems und geht dabei von der Kritik aus, die der slowenische Schriftsteller Taras Kermauner in der kommunistischen Laibacher Parteizeitung „Delo“ an der Haltung der Serben gegenüber der albanischen Mehrheitsbevölkerung in der Provinz Kosovo übt. Im Zusammenhang damit schneidet Kermauner auch das Problem der Jugoslawien-Deutschen an, das bis dahin ein Tabu in der jugoslawischen Öffentlichkeit war. Wörtlich schreibt er:

„Keine einzige Nation ist immun vor dem Faschismus – auch die Slowenen nicht. Wir Slowenen rühmen uns, daß wir, so wie die Serben, bis jetzt noch nie einen Völkermord begangen haben. Aber was war dann die Liquidierung der deutschen Minderheit in Slowenien 1945? Und was bedeutete die Endlösung der deutschen Frage im Banat?“

An dieses Zitat schließt Ströhm die Bemerkungen: Der slowenische Autor hat durch die Tatsache, daß er die Frage der Kosovo-Albaner auf die gleiche Stufe mit dem Schicksal der Jugoslawien-Deutschen im Jahr 1945 stellte, in Belgrad einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Die Belgrader Parteizeitung „Borba“ bezeichnete den slowenischen Autor als „Lumpenintelligenzler“, der es wage, „uns in unserem eigenen Land mit der Spucke des Dr. Goebbels zu bespucken“.

Bemerkenswert ist der Umstand, daß die Belgrader Medien- und Parteizeitung „Borba“ nicht viel anders als das Nachrichtenmagazin „Nin“ – sich vor allem an der Frage der aus Jugoslawien vertriebenen Volksdeutschen festbeißen. Weil die Deutschen „so viele Menschen umbrachten und die Ausrottung dreier Rassen (Juden, Slawen, Zigeuner) anstrebten“, sei den Volksdeutschen in Jugoslawien bei ihrer Vertreibung recht geschehen, lautet das Argument. „Nin“ zitiert in diesem Zusammenhang den makabren Ausspruch des sowjetischen Schriftstellers llja Ehrenburg: „Für die Deutschen gibt es keinen Platz unter der Sonne“.


Alle zurückgebliebenen Deutschen wurden in Lager gesteckt


Die allgemeine Internierung aller in ihrer Heimat zurückgebliebenen Deutschen setzte im Dezember 1944 ein und wurde im April 1945 abgeschlossen. Die Lager wurden in drei Gruppen eingeteilt: Zentralarbeitslager, Ortslager und Konzentrationslager für Arbeitsunfähige. In den Zentralarbeitslagern wurden vornehmlich arbeitsfähige Männer zu Gruppen zusammengefaßt und den Arbeiter anfordernden Stellen zur Verfügung gestellt. In den Ortslagern wurde die gesamte deutsche Bevölkerung einer Ortschaft abgesondert. In die Konzentrationslager für Arbeitsunfähige wurden alle deutschen Frauen, Kinder und – vor allem – alte Männer gesteckt, die nicht arbeitsfähig waren. Der Begriff „arbeitsfähig“ war oft sehr weit gesteckt, sodaß auch Frauen – wobei Mütter von ihren Kindern rücksichtslos getrennt wurden – und größere Kinder in Zwangsarbeitslager gebracht wurden.


Die Zwangsarbeitslager


Gleich nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen und der Übergabe der Machtbefugnisse an die Militärverwaltungen der Partisanen begannen diese mit einer schonungslosen Heranziehung der deutschen Bevölkerung zu den verschiedensten Arten von Zwangsarbeit. Während die nichtdeutsche Bevölkerung des Landes davon restlos verschont blieb, wurden die Deutschen rücksichtslos zu den mutwilligst ersonnenen Arbeiten herangezogen. Oft mußten sie Arbeiten verrichten, deren Durchführung nicht nur mit Vernunftsgründen nicht motiviert werden konnte, sondern oft sogar jedem vernünftigen Denken widersprach. Es galt – und diese Absicht war noch die offenkundigste – die körperliche und gesundheitliche Verfassung möglichst vieler deutscher Menschen zu erschüttern und zu zermürben, ihre physischen Widerstandskräfte zu zerstören und ihren moralischen Halt zu erschüttern und damit die Menschen selbst angstvoll und mürbe zu machen. In jedem Ort, in dem es zu diesen Zeiten deutsche Menschen gab, wurden diese zu den schwersten Arbeiten herangezogen. Bei der denkbar schlechtesten Verpflegung und Unterbringung mußten sie unter den schwierigsten Bedingungen Arbeiten schwerster Art verrichten. Ununterbrochen mußten sie den ganzen Tag, der für sie meist schon um 4 Uhr morgens begann, bis in den späten Abend hinein bei einem Stückchen Brot und einer leeren Suppe zu den Mahlzeiten, arbeiten. Einzelne solche Arbeiterpartien sind nach einer gewissen Zeit von anderen abgelöst und auch wieder in ihre Heimat entlassen worden. Dies war vor allem bei Arbeiterpartien der Fall, die unter dem Befehl russischer Militärstellen (Somborer Flugplatz, u.ä.) gestanden haben. Aber auch Zwangsarbeitslager wurden schon in den ersten Tagen der Partisanenverwaltung eingerichtet. Wer einmal in ein solches eingewiesen wurde, ist nicht mehr entlassen worden. Es ist auch vorgekommen, daß von den russischen Stellen entlassene Arbeiterpartien gleich bei ihrer Entlassung in eines der naheliegenden Zwangsarbeitslager eingewiesen oder auf mehrere solche verteilt wurden.

Die kommunalen Verwaltungsorgane, angefangen von den Forst-, Eisenbahn-, Justiz-, Schul- und Sanitätsverwaltungen bis zu den Verwaltungsorganen der Gemeindebehörden, konnten beliebig viel Zwangsarbeiter von den Ortskommandanturen der Partisanen verlangen und bekamen sie geliefert. Das selbe Recht hatten die kommissarischen Leitungen der in staatliche Verwaltung übernommenen industriellen und landwirtschaftlichen Betriebe, die Sicherheitsorgane und überhaupt alle Stellen, die von der öffentlichen Hand geleitet wurden. So entstanden in jedem Ort ein oder auch mehrere dieser Zwangsarbeitslager, die in der Regel in Gaststätten, Schulgebäuden, ehemaligen deutschen Häusern, entlegenen Gehöften (Sallaschen), Lagergebäuden von Fabrikanlagen oder sonstwo untergebracht waren.

Die übergeordneten Militärverwaltungen der Bezirksorte ließen sich aus den Orten des ganzen Bezirkes Zwangsarbeiter liefern, setzten sie zu Arbeiten selbst auch ein, versorgten mit ihnen aber oft auch unterstellte Militärverwaltungen des Bezirkes. Diese stellten sie oft aber auch wieder anderen zur Verfügung. Nicht selten wurden Zwangsarbeiter aber auch gleichgestellten Militärverwaltungen anderer Bezirke und anderen Gebieten abgetreten. Es war ein ewiges Wandern und ein ewiges Marschieren, wobei niemand wußte, wo er in der nächsten Nacht wird hingeführt werden.

Zu Zwangsarbeiten wurden häufig auch an sich arbeitsunfähige Personen, sowohl Männer als auch Frauen, herangezogen. Sie fristeten in den Lagern ein trauriges Leben: blieben sie im Lager, waren sie ununterbrochen allen erdenklichen Schikanen ausgesetzt, wurden geschlagen und oft auch erschlagen. Viele starben an den bei Mißhandlungen erlittenen Verletzungen; gingen sie zur Arbeit, konnten sie schon oft auf dem Wege zur Arbeitsstätte mit dem Marschtempo nicht Schritt halten, wurden verprügelt und dann, schon halb lahm geschlagen, noch zur Arbeit mit Prügeln angetrieben. Solche Personen haben in den Zwangsarbeitslagern nie länger als einige Wochen gelebt

Bei der Heranziehung zu Zwangsarbeiten oder bei Einweisung in ein Zwangsarbeitslager wurde auf die Familienmitglieder des Betroffenen keine Rücksicht genommen. Oft mußten Mütter ganz kleine Kinder mit älteren Geschwistern, oft aber auch allein daheim zurücklassen oder sie zu Bekannten oder Verwandten geben, ohne je zu wissen, ob sie sie jemals wieder sehen werden. Wenn dann auch diejenigen, die sich fremder Kinder angenommen hatten, in ein Lager eingewiesen wurden, hatten sie oft nicht nur mit eigenen, sondern auch noch mit angenommenen fremden Kindern Sorge. Jeglicher Briefwechsel war für Personen deutscher Abstammung verboten, so daß einmal von Kindern getrennte Eltern keine Möglichkeit mehr hatten, ihre Lieben von ihrem Verbleib oder Aufenthalt zu benachrichtigen.

Schon im Herbst 1944 hatte jeder Bezirk, in dem früher Deutsche lebten, ein großes zentrales Zwangsarbeitslager. Als dann am 3. März 1945 die Militärverwaltungen aufgelöst wurden, blieben die Lager in den einzelnen Orten des Bezirkes und bei den verschiedensten staatlichen Verwaltungsstellen (Forst-, Eisenbahn-, Justiz-, Schul- und Sanitätsverwaltungen, Gemeindebehörden, Gehöften, Industrien und dgl.) bestehen, wurden aber von dem Bezirks-Zentral-Zwangsarbeitslager des zuständigen Bezirkes übernommen.

Das Schlimmste bei allen diesen Zwangsarbeitslagern war aber die Gepflogenheit, ihren Belegschaften die Opfer für Massenerschießungen und Einzelliquidierungen zu entnehmen. Vornehmlich solche, deren Kräfte schon verbraucht waren und die nicht mehr arbeiten konnten, waren häufig die Opfer von Massenerschießungen. Hieß es am Tage fleißig und mit den letzen Kräften arbeiten, so war man nie gewiß, ob nicht ein grausamer Tod der einzige Lohn dafür sein wird. Als in der Regel nach einigen Monaten der Partisanenherrschaft die Massenerschießungen nachließen, war es besonders die Gefahr der Folterungen Einzelner, die als ständige Drohung über jedem der Belegschaft schwebte und auch nie ganz entschwand.

Besser war es in den Lagern außerhalb der Bezirksorte, in den sogenannten Arbeitsplatzlagern. Nicht nur, daß die Lagerunterkünfte dort nicht mit Stacheldraht umgeben und trotz schärfster Verbote und härtester Strafen in unbewachten Stunden, vor allem an den Abenden und Nächten, leichter verlassen werden konnten. Es hatten die Verwalter der Stellen und Betriebe, bei denen die Zwangsarbeiter eingesetzt waren, mancherorts auch nicht das Herz, Menschen dermaßen schwere Arbeit verrichten zu lassen und ihnen dafür nur soviel an Nahrungsmitteln zu geben, daß sie gerade noch nicht verhungern mußten. Wem es nicht gelang, in eines dieser Arbeitsplatzlager zu kommen, war mit seinen Kräften bald am Ende und wurde dann in ein Internierungslager abgeschoben. Die Arbeitsplatzlager hatten zwar streng vorgeschriebene Verpflegungssätze, die zwar unterboten aber niemals überboten werden durften. Sie waren schon an sich etwas besser als die in den Bezirks-Zwangsarbeitslagern, da sie aber Vorräten entnommen wurden, die nicht genau erfaßt, sondern nur geschätzt und aus begreiflichen Gründen meist auch sehr unterschätzt waren, bestand für die Verwaltungen der Arbeitsplatzlager kein unüberbrückbares Hindernis, die Verpflegungssätze auch zusätzlich noch zu verbessern. Obwohl Verwaltungen auch von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, gab es aber dennoch reichlich auch solche, die sich aus Übereifer und Haß gegen alles Deutsche an die Maximalsätze hielten, zuweilen diese auch noch von sich aus reduzierten. Solche Lager waren der sichere Untergang für alle, die dort angehalten waren und arbeiten mußten. In den heißen Sommermonaten wären viele dieser Arbeitsplatzlager vollkommen ausgestorben, wenn die Belegschaft nicht aus den Beständen der Bezirks-Zwangsarbeitslager ständig ergänzt und aufgefrischt worden wäre. In die Bezirks-Zwangsarbeitslager wurden oft Frauen zurückgebracht, die vor Schwäche schon nicht mehr aufrecht sitzen, geschweige stehen konnten. Einmal vom Hungerödem gezeichnet, gab es für diese Menschen nur mehr den Tod.

Der ständige Einsatz auf immer neuen Arbeitsplätzen, die häufigen Umgruppierungen von einem Arbeitsplatzlager zum anderen und hunderterlei andere Gründe zu Verschiebungen führten auch noch dazu, daß die Zwangsarbeiter immer ärmer wurden. Manch einer hatte sich von den eigenen und noch von daheim mitgebrachten Kleidungsstücken noch das eine oder andere bessere Stück retten oder über Freunde oder sonst wen beschaffen können. Jedesmal aber, wenn der Arbeitsplatz gewechselt wurde, wurde alles, was noch irgendwie einen Wert hatte, weggenommen. Oft aber wurden versetzte Arbeiterpartien gar nicht mehr in die bisherige Unterkunft zurückgeführt, so daß gleich alles dort liegen blieb und für immer verloren war, was sich einer dort für den Winter aufzubewahren und zu retten bemüht hatte. Wurde eine Arbeiterpartie gar in das Bezirks-Zwangsarbeitslager zurückgeführt, um von dort ausgetauscht oder anderswo wieder eingesetzt zu werden, so wurde ihr sowohl bei der Einlieferung als auch bei dem neuerlichen Verlassen desselben alles weggenommen, was irgendwie wegzunehmen war.

Im zweiten Winter (1945/46) waren die Lagerinsassen mit ihrer Bekleidung in der Regel schon so stark herabgekommen, daß sie nur mehr Lumpen und Fetzen an sich hatten und die zusammenzunähen oder auszubessern, sie weder Zeit noch die nötigen Mittel hatten. Die Beschaffung der letzteren, die gleich das Übertreten einer ganzen Reihe von Verboten darstellte und dementsprechend gefährlich sein konnte, war eine Sorge, die diese Menschen nie verließ. Wo immer etwas ergattert werden konnte, und wenn es nur harte und morsche Plachenstücke waren, wurden sie gesammelt und auf die großen Löcher der Kleidung genäht. Die aufgenähten Flecken waren zuweilen so farbig und schon zu zahlreich, daß von dem ursprünglichen Kleidungsstück nichts oder nur mehr wenig zu sehen war.

Die Zwangsarbeitslager wurden von Militärposten bewacht und mit jeder Arbeitergruppe ging ein Posten mit und führte sie auf den Arbeitsplatz. Überhaupt vollzog sich jede Bewegung Einzelner oder von Gruppen immer nur unter Postenbedeckung. Die Wachen hatten das Verlassen des Lagers zu verhüten, das Betreten des Lagerkreises von anderen Personen zu verhindern und jeden Kontakt mit Personen außerhalb des Lagers zu unterbinden. Diese Aufgaben hatten auch die Begleitposten der Arbeitergruppen. Außerdem war der freien Bevölkerung für jedes Wort, jeden Kontakt oder jeden Versuch, den Lagerinsassen etwas zu geben, die gleiche Behandlung und Einbeziehung unter das Ausrottungsregime angedroht.

Nach der Einführung der Zivilverwaltung am 3. März 1945 mußten die Verwaltungen der Betriebe, die Zwangsarbeiter aus den Lagern verwendeten, an die Lagerverwaltungen einen Pachtschilling in Höhe von 50 bis 110 Dinar pro Tag und Person entrichten und für Unterkunft und Verpflegung der Arbeiter aufkommen. Als Unterkünfte dienten leerstehende Häuser, Gaststätten, Schulräume, Lagerhäuser, u.dgl.m. Die Verpflegung durfte die Maximalsätze nicht überschreiten.

Aber auch Private konnten sich aus den Lagern Arbeitssklaven pachten. So sehr auch damit nichts anderes als die alten Zeiten des Sklavenhandels zurückgekehrt waren, so war diese Einrichtung doch eine solche, die vielen deutschen Menschen das Leben rettete. Die serbische und ungarische Bevölkerung des Landes machte von dieser Möglichkeit häufig Gebrauch und mancher ehemalige Knecht eines deutschen Bauern, ein Haus- oder Feldnachbar rettete einem deutschen Menschen das Leben, indem er vorgab, diesen oder jenen pachten zu wollen, ihn dann zu sich nahm und ihm eine menschliche Behandlung angedeihen ließ.


Die Konzentrationslager für Arbeitsunfähige (Internierungslager)


Die Errichtung von Konzentrationslagern für Kinder, alte und gebrechliche Leute und sonstige Arbeitsunfähige waren das „Geschenk“ für das Nachlassen der Massenliquidierungen. Die Maßnahme wurde im Banate damit eingeleitet, daß der Rest der in den deutschen und gemischtsprachigen Dörfern noch verbliebenen Personen deutscher Abstammung von ihren Heimstätten vertrieben und in die Konzentrations- und Zwangsarbeitslager gestopft wurde. In Werschetz war diese Maßnahme schon am 18. Novernber 1944 – also sechs Tage vor Erbringungder AVNOJ-Beschlüsse – durchgeführt worden und wurde dann nach und nach auf alle anderen Orte ausgedehnt. In der Batschka wurden diese Maßnahmen am 29. November 1944 im südlichen Teil, und zwar mit der Gemeinde Palanka und einigen Gemeinden des Neusatzer Bezirkes eingeleitet. In unregelmäßigen Abständen kamen auch die anderen Orte der Batschka an die Reihe, deren letzte dann im August 1945 die Gemeinde Stanischitsch war. Stanischitsch hatte eine starke serbische Bevölkerung, die immer wieder und beharrlich gegen die Vertreibung der Deutschen Einspruch erhob. Gleichzeitig wurde diese Maßnahme auch in Syrmien und Slawonien durchgeführt, so daß es im September 1945 keine Person deutscher Abstammung mehr gab, die noch in Freiheit gewesen wäre. Meist hatte jeder Bezirk ein Zwangsarbeitslager, in dem die arbeitsfähigen Personen untergebracht waren. Die arbeitsunfähigen Personen wurden in die Konzentrations- und Internierungslager getrieben, die oft für mehrere Bezirke auch gemeinsam waren. Konzentrations- und Internierungslager für Arbeitsunfähige gab es im Banat in Guduritz (Gudurica), Kathreinfeld, (Katarina), Stefansfeld (Supljaja), Molidorf (Molin), Karlsdorf (Banatski Karlovac), Brestowatz (Banatski Brestovac) und Rudolfsgnad (Knicanin); in der Batschka in Jarek (Backi Jarak), Sekitsch (Sekic), Filipovo, Gakovo und Kruschevlje (Krusevlje); in Slawonien in Pisanitza (Pisanica), Valpovo und Tenje.

Oberster Grundsatz aller dieser Lager war, daß kein einziger Lagerinsasse das Lager ohne Veranlassung des Lagerkommandos und nur in Begleitung eines oder mehrerer bewaffneter Posten verlassen durfte, daß jeder Kontakt mit der Zivilbevölkerung unterbunden und verboten war, daß die Verpflegung und Arbeit solche sein mußten, daß je mehr an Erschöpfungen sterben, und daß Versuche, sich durch Betteln zusätzliche Verpflegung zu beschaffen, mit dem Tode bestraft wurden. Sie dienten alle dem stalinistischem Prinzip, daß es besser ist, hundert Unschuldige zu töten, als einen Schuldigen laufen zu lassen. Sie wurden von den Partisanen selbst als „Vernichtungslager“ bezeichnet und waren Todesmühlen im wahrsten und buchstäblichen Sinne des Wortes.

Im Wege systematischer Razzien wurde den Insassen der Zwangsarbeits- und Konzentrationslager alles weggenommen, was nicht unbedingt zur Bedeckung des nackten Körpers nötig war. Schutz vor Kälte oder dergleichen waren keine Gesichtspunkte, die dabei Berücksichtigung gefunden hätten. Geld, Schmuck und alles Verwert – oder Verwendbare und das für die Bedeckung der Körperblöße Entbehrliche wurde weggenommen. Die Verpflegung selbst war eine solche, mit der zu leben vollkommen unmöglich war. Die schwache Verköstigung war keineswegs auf Notverhältnisse des Landes, sondern ausschließlich auf den absolut vorherrschenden Willen zurückzuführen, Tausende und aber Tausende durch Hunger zu vernichten. Das Land hatte zu diesen Zeiten reichlichste Vorräte an Lebensmitteln, die vielfach zu hunderten von Tonnen auch verderben mußten. Das Land konnte sich angesichts der reichen Vorräte zu diesen Zeiten sogar die Rationierung der Lebensmittel ersparen. Die erst 1947 in Jugoslawien eingetretene Lebensmittelknappheit und die in der gleichen Zeit erfolgte Einführung der Lebensmittelrationierung ist ausschließlich auf die ein Jahr vorher erfolgte Kolchosierung der Landwirtschaft der Wojwodina und auf die damit ursächlich zusammenhängenden Mißernten zurückzuführen. Am besten wird die Absicht der Tötung durch Hunger durch das Beispiel des Arbeitsplatzlagers des Somborer Lagers im Partisanenspital beleuchtet. Dort mußten die Lagerinsassen täglich öfter ungeheure Mengen übriggebliebener Speisen wegschütten und Meterzentner von Brot verbrennen, während ihnen leere Suppe ausgefolgt und jedem unter härtester Strafe verboten war, den Zwangsarbeitern auch nur das Geringste von den übriggebliebenen Speisen zu geben. Als Verpflegung gab es täglich zweimal Suppe, in die Weizen, Maisschrot, Gerste, Bohnen oder Erbsen eingekocht waren. Oft aber so wenig, daß die Suppe fast so klar wie Quellwasser war, monatelang oft aber auch nicht einmal das. Brot gab es täglich einmal – aber auch nicht immer – ein Stückchen in der Größe von zwei Zündholzschachteln. Brot und Suppe waren meist ohne Salz, die Suppe meist ohne Fett. Die Sterblichkeit war eine ungeheure. Jeden Tag wurde ein Loch in der Größe eines Wohnzimmers ausgehoben, in das die Toten des nächsten Tages nackt oder in Fetzen eingenäht hineingeworfen wurden. Manche Mutter hat alle ihre Kinder in eines dieser Löcher gefahren, aber noch öfter hat ein Kind seine Mutter und alle Geschwister in eines dieser Löcher geworfen, um dann selbst eines Tages von Bekannten oder Verwandten tot auf die Kleewiese gefahren zu werden, wo die Toten verscharrt wurden. Für die gab es weder Friedhof noch Begräbnis.


Die Auflösung der Lager


Als im Sommer 1948 alle Lager aufgelöst wurden, mußten sich die Arbeitsfähigen zu gewissen Arbeiten verpflichten. Sie wurden staatlichen Betrieben zugeteilt, wo ihre Arbeit bezahlt wurde und ihnen die gleichen Rechte wie allen Werktätigen – allerdings mit Beschränkung der Bewegungsfreiheit – gewährt wurden. Die Arbeitsunfähigen und alle diejenigen, auf deren Arbeitsverpflichtung kein besonderer Wert gelegt wurde, konnten zu Verwandten oder Bekannten gehen oder sich aber auch einen Arbeitsplatz nach eigener Wahl finden. Wem aber ein solches Unterkommen nicht möglich war, wurde in das sogenannte „Altersheim“ in Karlsdorf-Rankovicevo eingewiesen. In Karlsdorf herrschen kaum wesentlich andere Verhältnisse als in den bisherigen Internierungslagern. Bemerkenswert ist, daß Karlsdorf seit 1948 den Namen Rankovicevo trägt. Sein früherer serbischer Name war Banatski Karlovac. Rankovi? ist der Name des höchsten Chefs der OZNA und damit des Mannes, der das Ausrottungsregime für die deutsche Bevölkerung Jugoslawiens ersonnen hat und persönlich für alles das verantwortlich ist, was in Jugoslawien seit dem Herbst 1944 an deutschen Menschen verbrochen wurde. Karlsdorf war die Endstation des Leidensweges der deutschen Minderheit in Jugoslawien, auf dem alle Menschen deutscher Zunge ausgelöscht werden sollten.


Lesen Sie hier alles:

II. IN DER BATSCHKA (1)

1. Systematische Ausrottung nach Vernichtungsbereichen

2. In der Süd- und Südwestbatschka wurden Menschen schlechter als Tiere behandelt

Neusatz
Futok

3. In der Südbatschka entstand die erste Hungermühle

Batschki Jarek
Bulkes
Palanka
Novoselo
Obrowatz
Tscheb
Towarisch
Plavna

4. In der Nord- und Mittelbatschka tobte sich ein Blutrausch aus

Werbaß
Kula
Klein-Ker
Subotitza
Sekitsch-Feketisch

II. IN DER BATSCHKA (2)

5. In der West- und Nordwestbatschka hielt der Tod reiche Ernte

Hodschag
Karavukovo
Milititsch
Batsch
Filipovo

6. Im Apatiner Bezirk brachten Zwangsarbeit und Hunger vielen den Tod

Apatin
Sonta
Sentiwan
Doroslo

7. Im Somborer Bezirk: Sklavenhandel und Endstation des Leidensweges

Sombor
Gakovo-Kruschevlje

Geschäft mit der Flucht

„Freiwillige“ Arbeitsverpflichtungen

Hunger und Seuchen

Kinderschicksale

III. IM BANAT (1)

1. Hier floß unschuldiges Blut in Strömen

Pardanj

2. Im Norden des Banats tobte die Mordlust

Sanad
Kikinda
Nakovo
St. Hubert – Scharlevil – Soltur
Heufeld
Ruskodorf
Beodra
Molidorf

3. Im Nordosten des Banats: Treibjagd auf deutsche Menschen

Cernje
Stefansfeld

III. IM BANAT (2)

4. Im Bezirk Großbetschkerek herrschte tödliches Grauen

Betschkerek
Ernsthausen
St. Georgen
Kathreinfeld

5. Im Südosten des Banats geschahen grauenvolle Untaten

Werschetz
Karlsdorf
Alibunar

III. IM BANAT (3)

6. Im Süden des Banats gab es Blutrausch ohne Grenzen

Kovin
Ploschitz
Mramorak
Homolitz
Startschevo
Bavanischte

7. Im Südwesten des Banats wurde wahllos gemordet

PantschowaEnglische Übersetzung
Brestowatz
Glogau
Kowatschitza
Jabuka

8. Im äußersten Westen des Banats werkte die Hungermühle

Rudolfsgnad

IV. IN SYRMIEN, SLAWONIEN UND DER BARANJA

1. In Syrmien wüteten die Bestien

Semlin
Ruma
Mitrowitz
Vukovar

2. In Slawonien waren Arbeit und Hunger „Zeichen der Milde“

Esseg-Josipowatz
Valpovo
Djakovo
Pisanitza

3. In der Baranja mußten Männer und Frauen Sklavenarbeit leisten

Belmonoschtor

V. SLOWENIEN

1. Untersteirer und Gottscheer erlebten ein grausames Schicksal

a. Untersteiermark
b. Gottschee

2. Auch die volksbewußten Kroaten, Slowenen und Serben fielen nach Kriegsende der grausamen Vernichtung durch die Tito-Partisanen zum Opfer

VI. IN KÄRNTEN UND IN DER STEIERMARK

1. Der Griff über die Grenzen

2. Über 200 Kärntner wurden nach Jugoslawien verschleppt

3. Die Partisanen in der Steiermark; der Mord am „Grenzlandvater“ und die Massengräber im Karwald

VII. DEUTSCHE KRIEGSGEFANGENE

1. Opfer von Verbrechen gegen Menschlichkeit und Völkerrecht

2. Gefangennahme und „Sühnemärsche“

3. Gefangenenlager und Arbeitsbataillone

4. Prozesse und Urteilsvollstreckungen

Literaturverzeichnis

 

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