Die Volksdeutschen in Kroatien

Jahrbuch der Deutschen Volksgruppe in KroatienAn der kroatischen Banschaft (Teilrepublik) des Königreiches Jugoslawien wurde jede von deutscher Seite unternommene kulturelle oder parteipolitische Betätigung von den groß-serbischen Behörden mit doppelten Mißtrauen beobachtet, da die dort lebenden Deutschen meist die in scharfer Opposition zur Regierungspolitik stehende „Kroatische Bauernpartei“ wählten und einzelne deutsche auch für diese Partei kandidierten (die kroatisch-republikanische Bauernpartei gab für die deutschen Wähler und Mitglieder die Wochenzeitschrift „Freies Heim“ heraus).

Der seit der Gründung des Königreiches Jugoslawien schwelende Antagonismus zwischen Serben und Kroaten, der mit dem Attentat auf den kroatischen Führer der Bauernpartei Stjepan Radic in dem Parlament in Belgrad (20. 6. 1928) seinen Höhepunkt fand, drohte zum Zerfall des Staates zu führen. Daher hob König Alexander durch den Staatsstreich vom 6. 1. 1929 die Verfassung auf und setzte ein Militärkabinett unter General Zivkovic ein. Die Königsdiktatur brachte ein Verbot aller Parteien mit sich, die ausschließlich auf der Grundlage einer Nationalität aufgebaut waren. Das richtete sich zwar vornehmlich gegen die kroatischen Autonomiebestrebungen und schuf unter den Kroaten nachhaltige Erbitterung. Ebenso aber bedeutete dieses Verbot auch das Ende der „Partei der Deutschen“, die nicht wieder zugelassen wurde.

Die militärischen Erfolge des Dritten Reiches und sein zunehmender Druck auf das Königreich Jugoslawien brachte die Verantwortlichen serbischen Politikerin eine immer schwierigere Situation. Sie mußten versuchen, einerseits auf die unter den Serben und Slowenen vorherrschende proallierte Stimmung Rücksicht zunehmen und andererseits außenpolitisch so zu taktieren, daß sie die benachbarten Achsenmächte nicht mißtrauisch machte, oder in ihren Sog geriet. Als Hitler den Entschluß faßte, den italienisch-griechischen Konflikt noch vor dem geplanten Rußlandfeldzug militärisch durch deutsche Hilfe zu entscheiden, konnte das Königreich Jugoslawien die Taktik des Lavierens nicht mehr fortsetzen. Regierungschef Cvetkovic entschloß sich, dem Dreimächtepakt beizutreten, ein Entschluß, der die achsenfeindliche serbische Opposition unter General Simovic sofort zur Gegenreaktion bewog. Cvetkovic und sein Außenminister Cincar-Markovic wurden am Tag ihrer Rückkehr von der Vertragsunterzeichnung verhaftet. Die Regierungsgeschäfte übernahm General Simovic. König Peter, der Sohn des von den kroatischen Ustascha in Marseille ermordeten König Alexander, wurde für volljährig erklärt und bestieg als Peter II. den Thron. Die Freudenbekundungen der serbischen Bevölkerung Belgrads nach dem Staatsstreich ließ offenbar werden, wie unpopulär die Anlehnung an die Achsenmächte war.

Die offiziell mit der Betreuung der deutschen Volksgruppen (1941 in Kroatien: 199042 Personen) beauftragten reichsdeutschen Institutionen, wie z.B. das Deutsche Auslands-Institut in Stuttgart, enthielten sich zwar gemäß den offiziellen außenpolitischen Richtlinien einer all zu starken Beeinflussung des Jugoslawiendeutschtums, wogegen jedoch andere, mit diesen konkurierende Stellen, vornehmlich die SS, ihre ideologischen und machtpolitischen Ziele durchzusetzen versuchten.

Nach dem Militärputsch vom März 1941 entstand eine neue Lage. Die durch den Staatstreich ausgelösten nationalen Ressentiments wirkten sich schon hier und da gegen die Deutschen aus. Bereits während der Kundgebungen am 27. März 1941 war es in Belgrad zu Zwischenfällen gekommen, von denen Deutsche und reichsdeutsche Institutionen, z.B. das deutsche Reisebüro, betroffen wurden.

Um die deutsche Minderheit in Jugoslawien gegenüber Repressalien seitens der jugo-serbischen Machthaber zu schützen, schränkte die Volksgruppenführung die volkspolitische Tätigkeit ein, damit sie in dem von serbisch-nationalen Leidenschaften aufgewühlten Land von sich aus keine Handhabe zum Vorgehen gegen die deutsche Bevölkerung bot. Die seit den letzten Märztagen schwellende Unruhe konnte sich indessen nicht mehr eindämmen.

Seit der Aktion der serbischen Oppositionsgruppen um Simovic trieb die Entwicklung im Königreich Jugoslawien schnell auf eine Krise in den Beziehungen zum Reich hin. Dennoch waren es nicht primär die deutsch-jugoslawischen Beziehungen, sondern die Mißerfolge der italienischen Streitkräfte in Griechenland, welche das militärische Eingreifen Deutschlands herbeiführten. Den auslösenden Moment des Simovic-Putsches ausnutzend, entschloß sich Hitler zum Losschlagen.

Am 5. April 1941 begann der Feldzug. Starke Panzertruppen unter Generaloberst von Kleist, motorisierte Verbände, Infanterie- und Gebirgsdivisionen, ebenfalls unterstützt von einem Panzerkorps unter Generaloberst von Weichs, und Truppen der 12. Armee unter Generalfeldmarschall List stießen aus dem Norden und von Bulgarien her nach Jugoslawien ein.

Am 6. April bombardierte die Luftwaffe pausenlos Belgrad. Das „jugoslawische“ Heer vermochte die Angriffskeile der deutschen Verbände nirgends aufzuhalten. Am 17. April wurden nach dem Rücktritt des Oberbefehlshabers Simovis Waffenstillstandsverhandlungen eingeleitet, am Tag darauf trat die Bedingungslose Kapitulation in Kraft. Er bedeutete zugleich de facto das politische Ende des Königreiches Jugoslawien.

Die Volksdeutschen im waffenfähigen Alter gerieten in den Tagen vor und nach Kriegsausbruch in einen tiefen inneren Zwiespalt. Befolgung des jugo-serbischen Gestellungsbefehls und damit Kampf gegen die deutschen Truppen oder Vermeidung des Kriegsdienstes durch Flucht oder im Versteck – das war für viele die Alternative. Sich dem jugoslawischen Militärdienst zu entziehen, hatte auch eine vom OKW der „volksdeutschen Mittelstelle“ (VOMI) übermittelte Führerweisung gefordert. Die Mehrheit der volksdeutschen Dienstpflichtigen, wie auch die kroatischen Einheiten, liefen z.T. noch vor der Feindberührung zu den deutschen Truppen über.

Inmitten der überhitzen Atmosphäre dieser ersten Apriltage wurden die verantwortlichen Männer der volksdeutschen Gemeinden und der Volksgruppenleitung in tragische Verhängnisse verstrickt.

Für die Deutschen, die von der jugo-serbischen Soldateska als Geiseln genommen wurden, war unmittelbar Gefahr für Leib und Leben heraufbeschworen worden. In den kroatischen Ländern wurden daher bewaffnete Streifen gebildet, die häufig von den Mitgliedern der halbmilitärischen „Deutschen Mannschaft“ gestellt wurden. In Osijek, beim Kampf um die Hauptpost und bei der Verteidigung der beiden Drau-Brücken, in Vukovar, … griffen bewaffnete Einsatztrupps der „Deutschen Mannschaft“ im Rücken der Front ein und nutzten die Auflöseerscheinungen unter den zurückflutenden Truppen aus.

In den Wiener Verhandlungen vom 20. Bis 22. April wurden dann die Gebietsteilung Jugoslawiens und die Annexionen der einzelnen Mächte festgelegt. Das Reich erhielt vom nördlichen Slowenien die Oberkrain und die früheren kärntner und steirischen Gebiete der Donaumonarchie, während Italien außer der Unterkrain den dalmatinischen Inseln auch einen Teil der kroatischen Küste beanspruchte. Ungarn gliederte sich die Murgebiete und die westliche Woiwodina ein. Bulgarien erhielt das jetzige Mazedonien.  Ein Streifen Westmazedoniens ging an das mit Italien in Personalunion verbundene Großalbanien. In  Cetinje proklamierte eine „Konstituierende Nationalversammlung“ am 12. Juni 1941 die Unabhängigkeit eines ebenfalls eng mit Italien liierten Montenegros. Restserbien unterstand deutscher Militärverwaltung. Der Unabhängige Staat Kroatien wurde in seinen historischen Grenzen bestätigt und die am 10. 4. 1941 ausgerufene Staatsgründung anerkannt. Dieser Umstand wird oft völlig ignoriert, da fälschlicher Weise immer davon die Rede ist, Kroatien sei eine Installation des Deutschen Reiches gewesen.

Dr. Ante Pavelic nahm nach Amtsantritt sogleich Verhandlungen mit den Vertretern des Kroatiendeutschtums Verhandlungen über die Rechtsstellung der volksdeutschen Staatsbürger auf. Als erstes Zeichen des Entgegenkommens wurde der Rechtsanwalt Dr. Jakob Elicker zum Großgespan (ähnlich einem Ministerpräsidenten)der fast ganz Syrmien umfassenden Großgespannschaft Vuka ernannt. Das erste Gesetz vom 21. 6. 1941 erklärte die deutsche Volksgruppe zur juristischen Person öffentlichen Rechts und garantierte ihren Angehörigen die Gleichstellung mit Kroaten auf dem Gebiet des öffentlichen und privaten Lebens, sowie die „uneingeschränkte Erhaltung ihres deutschen Volkstums und der ungehinderten Bekenntnis zu ihrer nationalsozialistischen Weltanschauung“. Am 31. 7. 1941 wurde der Volksgruppe die Gründung einer Einsatzstaffel im Rahmen der kroatischen Ustascha gestattet, die dem kroatischen Generalstab unterstellt war.

SS-Sturmbannführer der Reserve Branimir Altgayer , SA-Obergruppenführer Siegfried Kasche, Poglavnik dr. Ante Pavelić

Die Rechtsstellung des Volksgruppenführers  Branimir Altgayerwurde am 30. 10. 1941 bestimmt, indem er Amt und Befugnisse eines Staatsdirektors zugesprochen erhielt. In den inneren Angelegenheiten der Volksgruppe sprach das Dekret vom 30. 10. 1941 Altgayer „das Verordnungsrecht im Rahmen der Gesetze zu“ (Art. 4) und überließ ihm damit den ganzen Bereich des politischen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens der Kroatiendeutschen zur rechtlichen Ordnung.

Die sprachliche Regelung gestattete den Gebrauch im öffentlichen Leben in Wort und Schrift; in Verwaltungseinheiten mit mehr als zwanzig Prozent deutscher Bevölkerung galten Kroatisch und deutsch als gleichberechtigte Amtssprachen und öffentliche Bekanntmachungen, Aufschriften, Formulare, usw. waren doppelsprachig zu halten; in Distrikten mit mehr als zehn Prozent deutscher Bevölkerung durften die Deutschen ihre Sprache im Amtsverkehr gebrauchen. In deutschen Siedlungen sollten möglichst volksdeutsche Beamte verwendet werden, wie es die Verfügung über die Deutschen Angehörigen des öffentlichen Dienstes (Art. 5) forderte. Ihre Anstellungsgesuche unterlagen der Beurteilung der Volksgruppenführung und des Ustascha-Hauptquartieres; beim Amtseid versprachen sie „dem deutschen Volkstum und dem Führer sowie dem Staat Kroatien und dem Poglavnik“ die treue zu halten. Nur im Einvernehmen mit dem Volksgruppenführer konnten sie versetzt, suspendiert, pensioniert und entlassen werden.

Die Neuordnung des Schulwesens gab der Volksgruppe nicht die vollständige Schulautonomie, sondern unterstellte es einer eigenen Abteilung im kroatischen Unterrichtsministerium, in der die Lehrpläne und Unterrichtsbücher ausgearbeitet wurden. Zu ihrem Leiter wurde auf Vorschlag Altgayers der ehemalige Rektor des deutschen Realgymnasiums in Zagreb, H. Kühn, ernannt. Die Schulen blieben staatliche Institutionen, wenn ihnen auch in denkbar großzügiger Weise Raum zur Entfaltung gewährt wurde. Die Aufnahme der Kinder erfolgte ohne weitere Formalität auf Grund des von der Volksgruppe ausgestellten „Volkszugehörigkeitsausweises“. In Orten, wo im Umkreis von 8 km mindestens 20 schulpflichtige deutsche Kinder lebten, mußte eine deutsche Volksschule errichtet werden; gab es nur 10 deutsche Kinder, so sollten Behelfsschulen, bei weniger als 10 deutschen Kindern sogenannte „Schulstützpunkte“ für deutsche Wanderlehrer errichtet werden. Außerdem war es der Volksgruppe in Abstimmung mit dem Unterrichtsministerium gestattet, „auf eigene Kosten“ Schulen und Lehrkräfte zu unterhalten, während diese sonst als Beamte des kroatischen Staates besoldet wurden. Bis 1944 umfaßte das deutsche Schulwesen ca. 300 Volks- und Behelfsschulen, eine Lehrerbildungsanstalt in Osijek, zwei  Realgymnasien in Osijek und Ruma, eine Handelsakademie in Zemnun, acht Hauptschulen, sowie die private evangelische Oberrealschule in Zagreb.

Am 8. Mai 1941 bereits erließ Altgayer nach dem „unbedingten Führerprinzip“ vorläufige Organisationsbestimmungen, in denen die verschiedenen Ämter der Volksgruppenführung mit dem Sitz in Osijek und die Dienststellen für die Verbindung zur kroatischen Regierung eingeführt wurden. Das deutsche Siedlungsgebiet wurde in Kreise unter Kreisleitern und Ortsgruppen unter Ortsleitern eingeteilt, während in Ortschaften mit weniger als zehn deutschen Familien sogenannte „Stützpunkte“ eingerichtet wurden. In der „Landesbauernschaft“ und der „Gemeinschaft der gewerblichen Wirtschaft“ entstanden berufsständische Institutionen, in denen Mitgliedschaft Pflicht war; sozialpolitische Aufgaben oblagen der nach dem Vorbild der „Arbeitsfront“ gegliederten „Deutschen Arbeitsgemeinschaft“. Infolge der Zerschlagung des jugo-serbischen Staates kam es auch zu einer Umorientierung des kroatischen des kroatiendeutschen Genossenschaftswesens, das fortan in Osijek seine Spitze im „Hauptverband der deutschen bäuerlichen und gewerblichen Genossenschaften in Kroatien“ besaß. Dieser umfaßte im Frühjahr 1942 ca. 300 Genossenschaften.

Als „politische Ausleseorganisation“, die als der „einzige und alleinige politische Willensträger der Deutschen Volksgruppe“ gelten wollte, wurde die „Nationalsozialistische Deutsche Gefolgschaft in Kroatien (NSDGK)“ ins Leben gerufen, der z.B. alle Dienststellenleiter der Volksgruppe angehören mußten. Außer der „Deutschen Mannschaft“, einer die Männer zwischen dem 18. Und 45. Lebensjahr umfassenden, militärisch gegliederten Organisation, der „Deutschen Frauenschaft“, deren Angehörige sich aus der „Allgemeinen Frauengemeinschaft“ rekrutierten, und der „Stamm-DJ“, einer Auswahl aus der „Deutschen Jugend“, waren der NSDGK alle Standesverbände automatisch angeschlossen. Diese bis zur Namensgebung und Altersgliederung in den einzelnen Organisationen genauen Kopie reichsdeutscher Vorbilder mit dem gleichen totalitären Anspruch, gemäß dem z.B. Kinder vom 4. bis 10. Lebensjahr bereits in „Kindergruppen“ zusammengefaßt wurden, ehe sie in das „Deutsche Jungvolk“ und dem „Jungmädelbund“ eintraten, schloß auch „in Anbetracht der besonderen Lage der Deutschen Volksgruppe“ die mehrfach in Verordnungen Altgayers geforderte Verpflichtung ein, die Nürnberger  Gesetze „strengstens anzuwenden“.

Der mit der Rechtsstellung in der Slowakei vergleichbare Status des Kroatiendeutschtums war durch eine weitreichende nationale Autonomie gekennzeichnet, die sogar durch die Übernahme eindeutig staatlicher Funktionen, wie z.B. die Errichtung eines eigenen Wehrbezirkskommandos in Vinkovci für alle Wehrpflichtigen der Deutschen Volksgruppe, überschritten wurde.

Den voranschreitende Partisanenkrieg bekam besonders das Deutschtum zu spüren, da sich Titos Partisanen von Serbien aus in gerade das von Deutschen besiedelte Gebiet Kroatiens begaben. Die  weniger gefährdeten, geschlosseneren Siedlungen im Landstrich Slawonien und Syrmien ließen sich von der „Einsatzstaffel“ der „Deutschen Mannschaft“, die im Juli vom Poglavnik legalisiert worden war, und vom bewaffneten Ortssschutz, in dem seit dem Sommer 1942 die gesamte männliche Bevölkerung der Dörfer zusammengeschlossen war, besser verteidigen. Die „Einsatzstaffel“ unterstand der Disziplinargewalt Altgayers, der über den sogenannten Landesmannschaftsführer, SS-Obersturmführer Lichtenberger, seine Befehle weitergab, und den  Schutz der deutschen Siedlungsgebiete übernahm. Sie setzte sich aus dem Stab in Osijek samt seiner „Stabswache“, dem seit Oktober 1941 gebildeten Verfügungsbataillon „Prinz Eugen“ mit sechs Kompanien von insgesamt ca. 1500 Mann und den bis Ende August 1942 formierten drei Bereitschaftsbattailonen „Ludwig von Baden“, „General Laudon“ und „Emanuel von Bayern“ mit je vier Kompanien, insgesamt ca. 1800 Mann, zusammen und rekrutierte sich bis zu den Waffen-SS-Werbungen aus 17-22jährigen Freiwilligen, deren Dienstzeit als aktiver kroatischer Wehrdienst angerechnet wurde. Sämtliche Einheiten befanden sich im Einsatz gegen Partisanen. Sie wurden von den beiden seit Dezember 1941 im rahmen der kroatischen Landwehr aus deutschen Reservisten aufgestellten Jäger- und Eisenbahnsicherungsbataillonen unterstützt, die im Laufe des Jahres 1942 auf drei Battaillone verstärkt wurden. Alle Angehörigen dieser Verbände wurden bis zum Frühjahr 1943 zur Waffen-SS eingezogen, worauf ältere Jahrgänge der Volksgruppe in die Bataillone einrücken mußten. Daher wurde auch der Ortsschutz im Februar 1943 als „Heimatwache der Deutschen Volksgruppe“ für alle Männer vom 16. Bis 60. Lebensjahr neu organisiert. Wegen der immer stärker spürbaren Partisanenüberfälle schaltete sich Himmler im gleichen Jahr ein. Die Volksgruppe und Altgayers Stab wurden einem unmittelbar Himmler untergeordneten „Beauftragten des RFSS“ beim „Bevollmächtigten Deutschen General in Kroatien“ unterstellt. Der in diese Stellung nach Zagreb berufene SS-Brigadeführer Kammerhofer sollte das von Partisaneneinheiten „befreite Gebiet“ „zur endgültigen Befriedung“ sichern.

Die Selbstschutzeinheiten der deutschen Volksgruppe in Kroatien und der im Rahmen der kroatischen Landwehr aufgestellten Bataillone sollten nicht die einzige Formdes Wehrdienstes für die Kroatiendeutschen bleiben. Nach den Angaben der Volksgruppenführung gehörten im Oktober 1941 ca. 1200 Männer der Waffen-SS an.

Durch interne Absprachen der Waffen-SS ursprünglich ein Anteil von zehn Prozent aller wehrpflichtigen Kroatiendeutschen zugebilligt worden, womit sie sich indessen keineswegs zufrieden zu geben bereit war. Dem Drängen Himmlers, der die Menschenreserve der südosteuropäischen Volksdeutschen ausschließlich für die SS auszunutzen strebte, gelang es schließlich, im Mai 1942 einen OKW-Befehl zu erreichen, in dem „die Erfassung, Einstellung und Ausbildung wehrfähiger Volksdeutscher im Südostraum“ allein zur Aufgabe der Waffen-SS erklärt wurde.

kroa2Der Kompetenzwirrwarr, der sich bisher zwischen der VOMI, dem SS-Führungshauptamt, der SS-Ergänzungsstelle Südost, dem Oberbefehlshaber Südost und dem Zagreber Gesandten Kasche als Repräsentanten des Auswärtigen Amtes entwickelt hatte, wich einer klaren Vorrangstellung der SS-Dienststellen, wenn auch die Praxis keinesfalls immer eine einheitliche Linie aller deutschen militärischen und diplomatischen Vertreter in Kroatien verriet. So versuchte Generaloberst Löhr, der Nachfolger Lists als Oberbefehlshaber Südost, noch im August 1942 die SS-Werbung in Kroatien zu unterbinden und zwei weitere volksdeutsche Regimenter im Rahmen der kroatischen Armee aufstellen zu lassen. Dieser nicht  einmal mehr geheime Widerstand der Wehrmacht wurde allerdings bald dadurch unmöglich gemacht, daß sich die SS durch ein zwischenstaatliches Abkommen das alleinige Rekrutierungsrecht in Kroatien sicherte. Da der Unabhängige Staat Kroatien als handlungsfähiges Völkerrechtssubjekt angesehen wurde, auf dessen Selbständigkeit man in Berlin Rücksicht nahm, wurde die rechtliche Grundlage für zukünftige Werbeaktionen der Waffen-SS durch einen Verbalnotenaustausch zwischen der deutschen Gesandtschaft in Zagreb und dem kroatischen Außenministerium am 21. 9. 1942 gelegt.

Ohne das Inkrafttreten der Vereinbarung abzuwarten, hatte die SS-Musterungskommission schon am 1. 9. 1942 ihre Tätigkeit in Osijek aufgenommen, obwohl Altgayers – ebenfalls noch verfrühter – Aufruf zur Musterung erst vom 15. 9. 1942 datiert war und eigentlich vorher die Umsiedlung des Streudeutschtums aus Bosnien abgeschlossen sein sollte. Bis Mitte Oktober wurden 15000 Mann gemustert, die zur Waffen-SS und zu aktiven SS-Polizeieinheiten in das Reich überführt wurden. Nachdem die Waffen-SS in Kroatien eine derart starke Position gewonnen hatte, zögerte sie auch nicht, entgegen den Wünschen Altgayers Kroatiendeutsche noch im September 1942 der im Banat operierenden SS-Division „Prinz Eugen“ zur Verfügung zu stellen. Auch weiterhin wurden Ersatzmannschaften für diese Division unter den Kroatiendeutschen gemustert, vor allem, als die Division Anfang August 1943 zeitweilig zurück nach Kroatien verlegt wurde, um an der Partisanenbekämpfung teilzunehmen. Die gesamte „Einsatzstaffel“, einschließlich der kroatiendeutschen Landwehr, wurde in die Division „Prinz Eugen“ überführt, wodurch die Volksgruppenführung sich zu einer neuen, entscheidenden Erweiterung der Wehrdienstpflicht genötigt sah. Hingegen scheiterte der Plan, eine kroatiendeutsche „SS-Brigade“ aufzustellen an der Ablehnung Hitlers, die von Rücksichtnahme auf Dr. Pavelic bestimmt gewesen zu sein scheint. Die Rekruten wurden vielmehr auf verschiedene SS-Einheiten, unter anderem auf die Division „Prinz Eugen“ und die SS-Gendarmerie verteilt.

Da die Waffen-SS seit dem Abkommen vom 10. 10. 1942 nicht mehr zur Zurückhaltung oder Berücksichtigung von Wünschen der Volksgruppenführung bestimmt werden konnte, gelang es ihr, die Zahl der Waffen-SS-Angehörigen aus Kroatien relativ schnell in die Höhe zu treiben. Noch vor Beginn des Jahres 1944 zeigten sich die Merkmale des „totalen Krieges“ in der Beanspruchung der Volksgruppe ganz offensichtlich.

Es gehörten nämlich damals zur Waffen-SS: 17538 Mann, zur deutschen Wehrmacht: 1386, zur kroatischen Wehrmacht: 2636, zu den „wehrähnlichen Verbänden“ der Volksgruppe: 3488 Mann. Zu diesen 25048 Kroatiendeutschen traten noch 410 deutsche Angehörige des kroatischen Arbeitsdienstes, 2200 Angehörige der „Organisation Todt“ und ca. 4500 Arbeiter. Die materielle Versorgung der Familienangehörigen von Waffen-SS-Soldaten blieb dauernd unsicher. Die schleichende Geldentwertung traf sie hart, so daß Himmler im Januar 1944 sich zu der Anordnung gezwungen sah, die Fürsorgegelder durch wöchentliche Lebensmittelzuteilungen zu ersetzen.

Die Reichsregierung in Berlin hatte zudem das Interesse sich dem Streudeutschtum in Kroatien anzunehmen und dessen Angehörige dazu zu bewegen in das Reich überzusiedeln. Nachfolgende Vereinbarung der beiden Regierungen dokumentiert diese Bestrebungen:

Vereinbarung zwischen der deutschen Reichsregierung und dem Unabhängigen Staat Kroatien vom 30. September 1942 über die Umsiedlung von Angehörigen des deutschen Volkstums aus bestimmten Gebieten des Unabhängigen Staates Kroatien in das Deutsche Reich.


Die Deutsche Regierung und die Regierung und die Regierung des Unabhängigen Staates Kroatien haben in dem Wunsche, die Umsiedlung von Angehörigen des Deutschen Volkstums aus bestimmten Gebieten des Unabhängigen Staates Kroatien in dasDeutsche Reich zu erleichtern, folgendes vereinbart:

Artikel 1

Angehörige des deutschen Volkstums können umgesiedelt werden, wenn sie in den in der Anlage 1 näher bezeichneten Gebieten des Unabhängigen Staates Kroatien ansässig

(Auszug aus Anlage 1: „Umgesiedelt werden: alle deutschen Siedlungen in Bosnien mit Ausnahme von Adolfstal, Windhorst, Troselje und Brcko, dann die Volksgruppenzugehörigen aus Karlovac, Petrinja, Sisak, Kostajnica, Samobor, Rude, Kutina, Moslavacko Seliste, Novska und Lipovljani, Brnjani, Velika und Mala Brsljanica, Disnik, wie auch alle zerstreut lebenden Deutschen in den Großgespanschaften Prigorje, Bribir-Sidraga, Cetina, Dubrava, Gora, Krbava-Psat, Lika-Gacka, Pokupje und Vinodol-Podgorje.“)

sind und wenn sie den Wunsch zur Umsiedlung äußern.

Der Wille zur Umsiedlung kann schriftlich oder zu Protokoll den amtlichen Umsiedlungsstellen bekundet werden. die Umsiedlung ist freiwillig; es kann daher kein unmittelbareroder mittelbarer Zwang ausgeübt werden.

Das Recht auf Umsiedlung erstreckt sich auch auf Personen, die sich im kroatischen Heer, in der Deutschen Wehrmacht (Waffen-SS), auf einem Arbeitsplatz im Reich oder besetzten Gebieten oder in öffentlichem Gewahrsam befinden.

Artikel 2

Das Familienoberhaupt ist berechtigt, die Umsiedlungserklärung für seine ganze Herdgemeinschaft zu abzugeben. Im Bestande der Herdgemeinschaft können mit umgesiedelt werden: der Ehemann oder die Ehefrau, die Kinder, die Eltern und die Voreltern, die Enkel, sowie Pflege- und Ziehkinder, vorausgesetzt, daß diese Angehörigen den Wunsch zur Umsiedlung haben. Personen über 18 Jahren haben das Recht, selbst zu erklären, ob sie am Orte zu bleiben oder umgesiedelt zu werden wünschen. Für Jugendliche bis 18 Jahre gilt die Erklärung des Familienoberhauptes oder des gesetzlichen Vertreters.

Artikel 3

Die Möglichkeit der Umsiedlung wird durch eine gemeinsame öffentliche Erklärung des deutschen und kroatischen Beauftragten für die Umsiedlung bekanntgegeben, mit der die Angehörigen des deutschen Volkstums aufgefordert werden, sich bei der deutsch-kroatischen Umsiedlungskommission zu melden, wenn sie den Wunsch zur Umsiedlung haben Umsiedlungsberechtigte, die sich im Reich oder in den besetzten Gebieten befinden, melden sich bei der zuständigen inneren Dienststelle.

Artikel 4

Die Umsiedler verlieren die kroatische Staatsangehörigkeit in dem Augenblick in dem sie das Gebiet des Unabhängigen Staates Kroatiens verlassen, und erwerben die deutsche Staatsangehörigkeit nach näherer Bestimmung der zuständigen deutschen Stellen.

Artikel 5

Im Unabhängigen Staat Kroatien wird eine deutsch-kroatische Umsiedlungskommission gebildet. Diese besteht aus je einem bevollmächtigten Beauftragten der Deutschen Regierung und der Regierung des Unabhängigen Staates Kroatien und den erforderlichen  Mitarbeitern. Im Umsiedlungsgebiet werden je sechs Ortsbevollmächtigte mit den erforderlichen Mitarbeitern eingesetzt. Der deutsche Beauftragte für die Umsiedlung, zwei seiner Mitarbeiter und die sechs deutschen Ortsbevollmächtigten besitzen das Recht der Exterritorialität für sich und ihre ständigen Dienst- und Privaträume. Die übrigen deutschen Mitarbeiter genießen die Vorrechte der Angestellten diplomatischen Dienststellen.

Die Ausweise der Mitglieder der deutschen Umsiedlungskommission werden vom Auswärtigen Amt des deutschen Reichs ausgestellt und von der Kroatischen Gesandtschaft in Berlin visiert.

Die kroatischen Mitglieder der Umsiedlungskommission genießen, wenn sie genötigt sind, deutschen Reichsboden zu betreten, die gleichen Rechte.

Artikel 6

Den Umsiedlern ist es gestattet, ungeachtet bestehender Ausfuhrverbote ihr gesamtes persönliches Eigentum mitzunehmen oder durch Beauftragte ausführen zu lassen. Verboten ist die Ausfuhr kroatischer Valuta von mehr als 2000 Kuna je Herdgemeinschaft, von Goldmünzen und Banknoten jeder Art, von lebenden Inventar und landwirtschaftlichen Geräten (fundus instructus).

Artikel 7

Die Umsiedler sowie ihr zur Ausfuhr gelangendes Eigentum sind von allen mit der Ausreise bzw. Ausfuhr verbundenen Abgaben und Zöllen befreit.

Artikel 8

Das zurückbleibende Vermögen der Umsiedler wird mit dem Tage der Umsiedlung von dem Unabhängigen Staate Kroatien übernommen. Mit der Übernahme dieser Vermögenswerte entsteht eine Schuld des Unabhängigen Staates Kroatien an das Deutsche Reich, die in nachstehender Weise abgegolten wird:

der landwirtschaftlich genutzte Boden, die Gebäude und das lebende und tote Inventar der landwirtschaftlichen Betriebe, der städtische Grundbesitz, die gewerblichen Unternehmen und die sonstigen zurückbleibenden Vermögenswerte der Umsiedler werden von beiderseitigen Beauftragten in Vermögenslisten erfaßt und später auf Grund eines nach Abschluß dieser Vereinbarung von den Vertragsschließenden zu erstellenden Schätzrahmens paritätisch geschätzt, der sowohl deren Neu- bzw. Anschaffungswert unter Berücksichtigung normaler Abschreibungen als auch deren Wiederbeschaffungswert im Zeitpunkte der Umsiedlung bei Außerachtlassung der außerordentlichen Verhältnisse und deren Ertragswert nach dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre berücksichtigt. Diese Vermögenswerte werden in natura aufgerechnet:

gegen unter Zugrundelegung desselben Schätzungsverfahrens in der Gesamtheit gleichwertige Vermögenswerte, welche die auf vertraglicher Grundlage aus der Untersteiermark und Oberkrain nach Kroatien umsiedelnden kroatischen Volkszugehörigen im Gebiet des Deutschen Reiches zurücklassen werden. Die Feststellung der hierdurch anfallenden Immobilien wird binnen drei Monaten durch die Umsiedlungskommission in Zusammenarbeit mit den Reichsstatthaltern Untersteiermark und Oberkrain durchgeführt;

gegen unter Zugrundelegung desselben Schätzungsverfahrens gleichwertige Vermögenswerte im Siedlungsgebiet der deutschen Volksgruppe, die von der Regierung des Unabhängigen Staates Kroatien innerhalb eines Jahresnach der im Punkt 1 erwähnten Feststellung einem von der Deutschen Regierung zu bestellenden Treuhänder übergeben werden. Bei Grund und Boden vorerst bis zum Höchstausmaß von 5000 Katastraljoch.

Die Abdeckung eines allfälligen Saldos bleibt künftigen Vereinbarungen vorbehalten.

Zur Errechnung der erwähnten Vermögenswerte wird bei der Kroatischen Staatsbank ein Evidenzkonto „Umsiedlung“ eröffnet, das in Kuna geführt wird. Die Buchungen auf diesem Evidenzkonto erfolgen auf Grund schriftlicher Aufträge der deutsch-kroatischen Umsiedlungskommission in der Weise, daß der Treuhänder für die in Bosnien zurückgelassenen Vermögenswerte erkannt und für die in Absatz a) zur Verfügung gestellten Vermögenswerte belastet wird.

Der Träuhänder wird die ihm nach a) von der Regierung des Unabhängigen Staates Kroatien übergebenden Vermögenswerte unter Mitwirkung der Volksgruppenführung Angehörigen der deutschen Volksgruppe zu angemessenen Bedingungen zuteilen. Diese Vermögenswerte fallen nicht in die Kolonisationsquote der deutschen Volksgruppeund unterliegen auch nicht den Bestimmungen der Kolonisationsanstalt.

Das von den Umsiedlern einlaufende Bargeld sowie der Gegenwert von abgelieferten Goldmünzen, ausländischen Devisen, Wertpapieren und sonstigen Vermögenswerten, die nicht nach a) dieses Artikels in natura ersetzt werden können, wird auf ein Sonderkonto „Umsiedlung“ der Kroatischen Staatsbank eingezahlt. Aus dem Konto verfügt der vom Deutschen Reich bestellte Treuhänder die Bezahlung der Umsiedlungskosten und notifiziert sie nachträglich der Kroatischen Staatsbank. Über die verbleibende Spitze erfolgt eine neuerliche Vereinbarung im Rahmen des Verrechnungsabkommens zwischen dem Deutschen Reich und dem Unabhängigen Staat Kroatien. Das gleiche gilt für Bank- und Sparkasseneinlagen.

Laufende Staatspensionen werden von der Regierung des Unabhängigen Staates Kroatien bis zur Aussiedlung weiterbezahlt. Eine endgültige Regelung erfolgt noch.

Die Regelung der Sozialversicherungen der Umsiedler wird durch ein besonderes Abkommen erfolgen.

Lebens-, Renten- und Kapitalversicherungen der Umsiedler gelten als zum 1. 7. 1942 gekündigt. Ihr zu ermittelnder Rückkaufwert wird gleichzeitig auf ein Sonderkonto eingezahlt, falls die Versicherung nicht zur Übernahme auf einen deutschen Versicherungsträger in das Reich transferiert wird.

Artikel 9

Personen, die zur Umsiedlung zugelassen sind, deren vorläufiges Verbleiben in Kroatien jedoch im allgemeinen wirtschaftlichen Interesse des Deutschen Reiches und des Unabhängigen Staates Kroatien liegt, was durch die Umsiedlungskommission festgestellt wird, werden aus der kroatischen Staatsangehörigkeit entlassen und erhalten die deutsche Staatsangehörigkeit zugesprochen. Sie verbleiben in ungestörtem Besitze ihres Vermögens und führen als deutsche Staatsangehörige ihre Betriebe unter den selben Rechtsverhältnissen weiter wie bisher.

Bei einer späteren Abwanderung indas Deutsche Reich werden die Bestimmungen dieser Vereinbarung auch auf diese Personen angewandt.

Artikel 10

Der Umsiedler hat seine Forderungen, Schulden und rechte nach Möglichkeit vor der Umsiedlung zu regeln. Ist er dazu nicht in der Lage, so sind bestehende Forderungen und Schulden beim deutschen Ortsbevollmächtigten anzumelden. Die Regelung strittiger Forderungen soll durch ein errichtendes paritätisches Schiedsgericht erfolgen. Ist eine Entscheidung über strittige Forderungen, Schulden und Rechte des Umsiedlers nicht zu erzielen, so wird das ordentliche Gericht mit der Weiterführung des Falles befaßt, und zwar auf folgende Weise:

Strittige Schulden der Ausgesiedelten:

Der Gläubiger erhebt beim sachlich zuständigem Gericht in Zagreb die Klage gegen den umgesiedelten Schuldner, welcher durch den Treuhänder vertreten wird. Auf Grund des gerichtlichen Urteils zahlt der Unabhängige  Staat Kroatien die Schuld zu Lasten der Verrechnungsmasse im Ausmaß des vom betreffenden Schuldner eingebrachten Vermögens. Um diesen Betrag wird die Schuld des KroatischenStaates an das Deutsche Reich vermindert.

Strittige Forderungen der Ausgesiedelten:

Der umgesiedelte Gläubiger, vertreten durch den Treuhänder, erhebt beim sachlich zuständigem Gericht in Zagreb die Klage. Auf Grund des gerichtlichen Urteils ist der Treuhänder zur Eintreibung der Schuld verpflichtet.

Artikel 11

Die Regierung des Unabhängigen Staate Kroatien stellt nach Möglichkeit für den Transport der Umsiedler und ihrer Habe (ihresEigentums) im Umsiedlungsgebiet Transportmittel gegen Bezahlung nach den bestehenden Tarifsätzen zur Verfügung.

Die Regierung des Unabhängigen Staates Kroatien ist mit der zollfreien Ein- und Ausfuhr der erforderlichen Kraftwagen für die deutsche Umsiedlungskommission einverstanden.

Artikel 12

Urkunden und Papiere, und zwar sowohl Einzelpersonen wie von Körperschaften und von Verwaltungsbehörden, dürfen ausgeführt werden. Genealogisches Urkundenmaterial jeder Art, das sich auf Umsiedler bezieht, darf ebenfalls ausgeführt werden. Die Vertragsschließenden verpflichten sich, auf Antrag aus den Kirchenbüchern jede gewünschte Auskunft zu erteilen.

Von den Kirchenbüchern, die Eintragungen über Umsiedler oder deren Vorfahren enthalten, können deutscherseits Abschriften oder Photokopien – auch nach Beendigung der Umsiedlung – gebührenfrei hergestellt werden.

Strafakten, die sich auf Umsiedler beziehen, sind auf Wunschder Deutschen Regierung in Abschrift zu übersenden.

Artikel 13

Bei der Durchführung der Umsiedlung werden die den Anlagen 2 – 6 enthaltenen Vordrucke verwendet.

Diese Vereinbarung tritt mit der Unterzeichnung in Kraft. Zu Urkund dessen haben die Bevollmächtigten diese Vereinbarung unterzeichnet und mit ihren Siegeln versehen.

Geschehen in doppelter Urschrift in deutscher und kroatischer Sprache in Zagreb am 30. September 1942.

S. Kasche  Lorkovic  Ed.Bulat


Zusatzprotokoll vom 30. September 1942

Bei Unterzeichnung dieser Vereinbarung erklärendie Bevollmächtigten im Namen ihrer Regierungen, daß Einverständnis über folgendes besteht:

1.
Zu Artikel 1

Wer im Sinne dieser Vereinbarung als Angehöriger des deutschen Volkstums anzusehen ist, entscheidet die Umsiedlungskommission. Sollte in einzelnen Fällen keine Einigung erzielt werden, entscheidet endgültig der Deutsche Gesandte.

2.
Zu Artikel 8

Die Umsiedlung von Kroaten aus der Untersteiermark und aus Oberkrain wird durch ein endgültiges Abkommen geregelt werden, in welchem, vorbehaltlichder durch die tatsächlichen Verhältnisse bedingten Abweichungen, dieselben Grundsätze angewandt werden wie bei der Umsiedlung der deutschen Umsiedler aus Kroatien nach vorliegender Vereinbarung.

Den kroatischen Umsiedlern aus Untersteiermark wird dieselbe Behandlung zuteil wie den deutschen Umsiedlern aus Kroatien.

Zur Feststellung der Eigentumsverhältnisse und anderer am Grund und Boden bestehender dringlicher Rechte werden in Kroatien und Untersteiermark dieselben Prinzipien zur Anwendung gebracht.

3.
Zu Artikel 10

Die eventuelle Ersatzleistung für Kriegsschäden, die den Umsiedlern nach dem in Aussucht genommenen kroatischen Gesetz zufallen könnten, bleibt späteren Vereinbarungen vorbehalten.

Zu Urkund dessen haben die Bevollmächtigten dieses Zusatzprotokoll unterzeichnet, das als wesentlicher Bestandteil der Vereinbarung vom heutigen Tage gilt.

Geschehen in doppelter Urschrift in deutscher und kroatischer Sprache in Zagreb am 30. September 1942

S. Kasche  Lorkovic  Ed. Bulat


Politisch war die Volksgruppe in der „National-Sozialistischen Deutschen Gefolgschaft in Kroatien“ (N.S.D.G.K.) organisiert, in der die Mitgliedschaft ab dem 18. Lebensjahr Pflicht wurde. Frauen gehörten der „Allgemeinen Frauenschaft“ (A.F.G.), Arbeiter der „Deutschen Arbeitsgemeinschaft“ (D.A.G.) an. Die Korps der politischen Führung benutzten Uniformen, die denen der NSDAP ähnlich waren.

Der Führer deutschen Volksgruppe, Branimir Altgayer, trug an beiden Kragen Odal-Runen in einem Kranz aus Eichenblättern. Andere Rang-Insignien der politischen Führung sind nicht bekannt.

Die Volksdeutsche Jugend in Kroatien war ähnlich wie die Hitlerjugend organisiert:

– Deutsches Jungvolk der Volksgruppe(D.J.V.) – 10 – 14 Jahre
– Deutsches Jugend(D.J.) – 14 – 18 Jahre
– Jungmädelbund(J.M.B.) – 10 – 14 Jahre
– Deutscher Mädelbund(D.M.B.) – 14 – 21 Jahre

Es existierten vier Jugend-Banne und zwei unabhängige Stämme:

Stamm Agram (Zagreb)

Stamm Mittelbosnien

Die Mitgliederzahl der Deutschen Jugend in Kroatien betrug laut „Jahrbuch der Deutschen Volksgruppe in Kroatien“aus dem Jahre 1943 über 15.000. sie hatte wie die Hitler-Jugend ihre eigenen Kavalerie-, Motor-Sport-und Segelflieger-Einheiten.

Volksdeutsche waren ebenfalls in kroatischen Einheiten integriert, so z.B. als:

deutschsprachige Einheit imKroatischen Arbeitsdienst

deutschsprachiges Bahnschutz-Bataillon

deutsches Jäger-Bataillon inder kroatischen Heimwehr

Die Farbe der Uniformen der E.S. waren feldgraumit dunkelgünen Schulterstücken. Auf der rechten Seite der Kragenspiegel trug man ein Emblem aus zwei stilisierten „Wolfsangeln“. Auf der linken Kragenspiegelseite den Rang des Trägers. Auf diesen wiesen ebenfalls die Schulterstücke hin. Wegen dem Mangel an Ausrüstung griff man z.B. auf deutsche Helme des I. Weltkrieges zurück.

Deutsch-kroatische Vereinbarungen über den Wehrdienst der Angehörigen der deutschen Volksgruppe

Vereinbarung vom 16. September 1941 betreffend den Dienst der Angehörigen der deutschen Volksgruppe in der kroatischen Wehrmacht.

Auf Grund der stattgehabten Besprechungen wird in nachstehenden Artikeln festgestellt, nach welchen Richtlinien sich der Dienst der Angehörigender Deutschen Volksgruppe in Kroatien in der Wehrmacht des Unabhängigen Staates Kroatien gestaltet. Dabei ist beiderseits anerkannte Voraussetzung, daß das freundschaftliche Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und dem Unabhängigen Staate Kroatien irgendwelche kriegerische Auseinandersetzungen ausschließt, und das Zusammenleben von Volksdeutschen mit dem kroatischen Volk im Unabhängigen Staate Kroatien im gegenseitigen Verstehen entwickelt und durch gemeinsamen Einsatz in der Wehrmacht des Unabhängigen Staate Kroatien gesichert werden soll. Da der Führer des deutschen Volkes, Adolf Hitler, die deutschen Siedlungsgebiete dem Unabhängigen Staate Kroaten zugesprochen hat, ist die Zustimmung des Deutschen Reiches anerkannte Voraussetzung für die Regelung der besonderen Verhältnisse der Deutschen Volksgruppe in Kroatien. Auf Grund der Zustimmung des Deutschen Reiches wird der Unabhängige Staat Kroatien den Wehrdienst der Angehörigen der Deutschen Volksgruppe in der kroatischen Wehrmacht nach nachstehenden Artikeln regeln und zu diesem Zweck die entsprechenden Maßnahmen im Rahmen des kroatischen Wehrgesetzes, in den Befehlen und Anordnungen des kroatischen Kriegsministeriums vornehmen:

Artikel 1

Das Wehrgesetz gilt für die Angehörigen der Deutschen Volksgruppe in Kroatien, soweit diese zusätzlichen Artikel nichts anderes festsetzen.

Artikel 2

10% jedes Jahrganges der Wehrpflichtigen der Deutschen Volksgruppe in Kroatien können in der deutschen Wehrmacht dienen. Dieser Dienst gilt als Erfüllung ihrer Wehrpflicht. Sie werden alljährlich nach der Musterung vom Volksgruppenführer bestimmt und von der „Deutschen Abteilung“ im kroatischen Kriegsministerium bestätigt.

Artikel 3

Im kroatischen Kriegsministerium wird unter  dem Staatssekretär die „Deutsche Abteilung“ eingerichtet. Ihr wird das „Deutsche Wehrbezirkskommando“ unterstellt, dem die Wehrüberwachung, die Musterung und Aushebung aller Wehrpflichtigen der Deutschen Volksgruppe in Kroatien obliegen.

Die „Deutsche Abteilung“ bearbeitet weiterhin:

Die Personalien der Offiziere aus der Deutschen Volksgruppe in Kroatien in Zusammenarbeit mit der Personalabteilung und dem Volksgruppenführer.

Die Disziplinarsachen der deutschen Truppen der kroatischen Wehrmacht als obere Instanz in Friedenszeiten

Die Übersetzung aller Vorschriften, Befehle und Erlasse des Oberkommandos der kroatischen Wehrmacht in die deutsche Sprache und ihre Herausgabe.

Die Frage der völkischen Erziehung und Betreuung der im Wehrdienst stehenden Angehörigen der Deutschen Volksgruppe in Kroatien in Zusammenarbeit mit dem Volksgruppenführer.

Die Aufstellungs- und Standortfragen der deutschen Truppen der kroatischen Wehrmacht.

Die Dienstleistung von Wehrpflichtigen aus der Deutschen Volksgruppein Kroatien in Spezialformationen der kroatischen Wehrmacht.

Die besonderen Richtlinien über Auswahl, Ausbildung und Laufbahn für das Offiziers- und Unteroffizierkorps- einschließlich der Sanitäts-, Veterinär- und Verwaltungslaufbahn – der deutschen Truppe der kroatischen Wehrmacht in Zusammenarbeit mit den zuständigen Abteilungen und dem Volksgruppenführer.

Die Führung der Fahnen und Abzeichen der deutschen Truppen der kroatischen Wehrmacht.

Alle Eingaben und Gesuche von Wehrpflichtigen und Soldaten aus der Deutschen Volksgruppe in Kroatien an den Poglavnik, den Kriegsminister oder das Oberkommando.

Artikel 4

Die Masse der Wehrpflichtigen aus der Deutschen Volksgruppe in Kroatien dient in den „deutschen Truppen der kroatischen Wehrmacht“.

Vorerst wird errichtet:

Ein verstärktes Jägerbataillon in Zemun

Nach Maßgabe vorhandener Rekruten werden später aufgestellt:

Ein verstärktes Jägerbataillon in Zagreb, eine Artillerie-Abteilung.

Weiter Aufstellungen und Standortebestimmt der Kriegsminister im Einvernehmen mit dem Volksgruppenführer.

Die Dienstleistung von Wehrpflichtigen aus der Deutschen Volksgruppein Kroatien in Spezialformationen der kroatischen Wehrmacht kann erfolgen, wenn über den Ersatzbedarf der deutschen Truppen der kroatischen Wehrmacht hinaus Wehrpflichtige verfügbar sind. In diesem Falle werden mindestens geschlossene deutsche Gruppen oder entsprechende Einheiten aufgestellt.

Die Kriegsaufstellungen haben Bildung deutscher Regimenter aus den deutschen Friedensbataillonen bzw. -abteilungen vorzusehen oder Bildung weitere selbständiger Bataillone bzw. Abteilungen. Die Kriegsaufstellungen werden aus deutschen Ersatztruppen ergänzt.

Artikel 5

Jeder Offizier und Unteroffizier aus der Deutschen Volksgruppe in Kroatien – einschließlich derjenigen der Sanitäts-, Veterinär- und Verwaltungslaufbahnen – bedarf zu seiner Ernennung als solcher einer Beurteilung des Volksgruppenführers hinsichtlich seiner charakterlichen und völkischen Eignung, die bei seiner Personalakte verbleibt. Versagt der Volksgruppenführer die Beurteilung, so unterbleibt die Ernennung.

Die Beförderungen der Offiziere und Unteroffiziere aller Laufbahnen sowie der Mannschaft der Deutschen Volksgruppe in Kroatien erfolgen nach Maßgabe der allgemeinen Bestimmungen des Kriegsministeriums.

Der Chef der deutschen Abteilung im kroatischen Kriegsministerium wird nach Befragung des Volksgruppenführers aus der zahl der in frage kommenden Offiziere der Deutschen Volksgruppe in Kroatien ernannt. Alle übrigen Ernennungen in Offiziers-Planstellen erfolgen nach Maßgabe der üblichen Bestimmungen des Kriegsministeriums, wobei stets die Stellen der Kompanie-Chefs, der Abteilungs-, Bataillons – und Regimentskommandeure, sowie des Leiters des deutschen Wehrbezirkskommandos durch Offiziere der Deutschen Volksgruppe in Kroatien besetzt werden.

Artikel 6

Die Dienst- und Kommandosprache in den deutschen Truppen der kroatischen Wehrmacht ist deutsch. Im Verbande und dienstlichen Verkehr mit kroatischen Wehrmachtsdienststellen und Truppenteilen ist sie kroatisch.

Offiziere und Unteroffiziere aus der deutschen Volksgruppe müssen die deutsche und kroatische Sprache beherrschen.

Artikel 7

Die Wehrpflichtigen aus der Deutschen Volksgruppe in Kroatien leisten durch das Wehrgesetz vorgeschriebenen Eid in deutscher Sparache in folgendem Wortlaut:

„Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, ich schwöre bei allem, was mir auf dieser Welt teuer und heilig ist, und gebe mein Ehrenwort, daß ich dem Führer aller Deutschen, wie dem kroatischen Staat und dem Poglavnik als seinem Vertreter stets die Treue wahren, die gemeinsamen Interessen meines deutschen und des kroatischen Volkes stets vertreten, die Verfassung und Gesetze des kroatischen Volkes stets befolgen, als Soldat meine Pflicht erfüllen, und die Befehle der Vorgesetzten gewissenhaft ausführen, und in Verteidigung des kroatischen Staates stets tapfer kämpfen werde. So war mir Gott helfe.“

Artikel 8

Die Angehörigen der Deutschen Volksgruppe in Kroatien tragen im Wehrdienst die allgemeinen Uniformen und Abzeichen der kroatischen Wehrmacht. Außerdem tragen sie das „Deutsche Abzeichen“. Dieses bestimmt der Kriegsministerim Einvernehmen mit dem Volksgruppenführer.

Artikel 9

Die Fahnen der deutschen Truppen der kroatischen Wehrmacht bestimmt der Poglavnik im Einvernehmen mit dem Führer aller Deutschen.

Artikel 10

In den deutschen Truppen der kroatischen Wehrmacht werden neben den kroatischen Bezeichnungen für Dienstgrad, Dienststellen, Einheiten und Einrichtungen aller Art der kroatischen Wehrmacht die entsprechenden deutschen Bezeichnungen geführt.

Artikel 11

Offiziere und Unteroffiziere aus der deutschen Volksgruppe in Kroatien besuchen die planmäßigen Offizier- und Unteroffizierschulen der kroatischen Wehrmacht. Sie werden nur dann außerhalb der deutschen Truppen der kroatischen Wehrmacht verwendet, wenn alle Planstellen bei den deutschen Truppen besetzt sind und ihre weitere Laufbahn es erfordert.

Offiziere der deutschen Truppen der kroatischen Wehrmacht sollen häufiger zur deutschen Wehrmacht abkommandiert werden.

Zagreb, den 16. September 1941

gez. S. Kasche     gez. Slavko Kvaternik


Abmachung vom 19. Februar 1942 über die Kommandierung volksdeutscher Einheiten der kroatischen Wehrmacht zu Ausbildung und Einsatz in reichsdeutschen Divisionen in Bosnien

Die Aushebung und Vereidigung der Rekruten für das erste volksdeutsche Bataillon in der Kroatischen Wehrmacht erfolgt durch die zuständigen Dienststellen der Kroatischen Wehrmacht auf Grund der Vereinbarung vom 16. 9. 1941.

Nach der Vereidigung werden die volksdeutschen Rekruten zur Ausbildung in der in Ostbosnien liegenden reichsdeutschen Divisionen durch Kommandierung zugeteilt. Der Zweck dieser Kommandierung ist, die Ausbildung von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften der ersten volksdeutschen Bataillons der Kroatischen Wehrmacht durchzuführen und der Einsatz im Rahmen der in Ostbosnien gestellten Kampfaufgaben.

Im Rahmen der in Ostbosnien stehenden reichsdeutschen Division können die volksdeutschen Rekruten geschlossen und zugweise auf Kompanien verteilt eingestellt werden. Sie können die Uniformen der Deutschen Wehrmacht mit dem „Deutschen Abzeichen“ tragen. Sie unterstehen für die Zeit ihres Dienstes im Rahmen der reichsdeutschen Division dem deutschen Kriegsrecht.

Die Zuteilung der Volksdeutschen zur reichsdeutschen Division wird für die Dauer eines Jahres vorgesehen. Sollte die reichsdeutsche Division aus Kroatien verlegt werden, so endet die Zuteilung mit dem Tage der Verlegung. Anschließend treten die volksdeutschen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften in die Kroatische Wehrmacht zurück und werden als ein volksdeutsches Bataillon gemäß Vereinbarung vom 16. 9. 1941 aufgestellt.

Die Durchführung der vorstehend vereinbarten Maßnahmen wird zwischen dem kroatischen Landwehrministerium und dem Deutschen General inZagreb in jedem Falle behandelt werden.

Die Notwendigen Regelungen mit dem deutschen OKW wird der Deutsche General in Zagreb treffen.


Vereinbarung über die Freigabe wehrdienstpflichtiger Volksdeutscher der Jahrgänge 1907 bis 1925 zum Dienst in der Deutschen Wehrmacht/Waffen-SS

Deutsche Verbalnote vom 21. September 1942:

Die deutsche Gesandtschaft beehrtsich, dem Außenministerium des Unabhängigen Staates Kroatien folgendes Mitzuteilen: Auf Grund der Besprechung des Deutschen Gesandten mit dem Herrn Außenminister hat sich die Regierung des Unabhängigen Staates Kroatien bereit erklärt, die wehrpflichtigen volksdeutschen Staatsbürger zum Dienst in der Deutschen Wehrmacht, Waffen-SS, freizugeben. Für die Durchführung schlägt die Deutsche Gesandtschaft nach Rücksprache mit dem Herrn Außenminister vor:

In Abänderung des am 16. September 1942 zwischen Feldmarschall Vitez Kvaternik und dem Deutschen Gesandten getroffenen Übereinkommens über den Wehrdienst der Angehörigen der Deutschen Volksgruppe in Kroatien in der kroatischen Wehrmacht wird festgestellt:

Alle im Unabhängigen Staat Kroatien wehrdienstpflichtigen Volksdeutschen der Jahrgänge 1907 bis 1925 können in der Deutschen Wehrmacht, Waffen-SS, dienen und dadurch die Reichsbürgerschaft des Deutschen Reiches gewinnen.

Der Unabhängige Staat Kroatien erkennt an, daß die Familien der gemäß Ziffer 1. In der Deutschen Wehrmacht dienenden Volksdeutschen während der Dauer des Krieges unbeschränkt ihre Rechte als Staatsbürger des Unabhängigen Staates Kroatien beibehalten. Der Unterhalt dieser Familien und die Hinterbliebenen-Versorgung werdenvom Deutschen Reich gewährt.

Werbung und Musterung der in Ziffer 1. Erwähnten Volksdeutschen werden von der Volksgruppenführung und einer Musterungskommission der Waffen-SS durchgeführt. Die Einberufung zum Dienst in der Deutschen Wehrmacht, Waffen-SS, wird von den dafür zuständigen Dienststellen ausgesprochen und durch die Musterungskommission der Waffen-SS den einzuberufenden Volksdeutschen ausgehändigt. Das deutsche Wehrbezirkskommando der kroatischen Wehrmacht, Vinkovci, wird angewiesen, mit der Volksgruppenführung und der Musterungskommission der Waffen-SS die Durchführungsmaßnahmen festzulegen. Es wird die zum Dienst in der Deutschen Wehrmacht, Waffen-SS, angeworbenen Volksdeutschen von der Musterungskomission der Waffen-SS listenmäßig mitgeteilt erhalten.

Die Deutsche Gesandtschaft bittet, diese Vereinbarung absprachesgemäß bestätigen zu wollen.


Zagreb, den 21. September 1942

2. Kroatische Verbalnotevom 10. Oktober 1942:

Das Außenministerium des Unabhängigen Staates Kroatien beehrt sich, der Deutschen Gesandtschaft folgendes Mitzuteilen:

Die Vorschläge der Deutschen Gesandtschaft für die Durchführung des Eintretens wehrpflichtiger Volksdeutscher, kroatischer Staatsbürger, zum Dienst in der deutschen Wehrmacht, Waffen-SS, wie sie die Verbalnote der Deutschen Gesandtschaft vom 21. September 42 Kult 3 A-591/42 enthalten sind, werden von der kroatischen Regierung angenommen. Zum Punkt 2 erklärt jedoch die kroatische Regierung daß nach Beendigung des Krieges auch die Familien der in der Wehrmacht dienenden Volksdeutschen deutsche Reichsangehörigkeit erhalten sollen. Die Aussiedlung dieser Familien, sowie der in der deutschen Wehrmacht dienenden Volksdeutschen ins Reich nach Beendigung des Krieges soll zum gegebenen Zeitpunkt Gegenstand einer besonderen Vereinbarung zwischen der Reichsregierung und der kroatischen Regierung werden.

Mit dieser Ergänzung stimmt die kroatische Regierung den Vorschlägen der deutschen Gesandtschaft betreffs Wehrdienst Volksdeutscher aus Kroatien in der Deutschen Wehrmacht, Waffen-SS, zu und ist mit einer sofortigenDurchführung aller vorgesehenen Maßnahmen einverstanden.


Zagreb, den 10. Oktober 1942

d) Ergänzende Vereinbarungen über die Einberufung von Volksdeutschen sämtlicher wehrdienstpflichtiger Jahrgänge zum Dienst inder Deutschen Wehrmacht/Waffen-SS und Polizei.

Deutsche Verbalnote vom 6. April 1944:

Mit Rücksicht auf die weitere Kriegsentwicklung ist es notwendig, für die Dauer des Krieges die in der Vereinbarung betreffend den Dienst der Angehörigen der Deutschen Volksgruppe in Kroatien und der kroatischen Wehrmacht vom 16. 9. 1941, unterzeichnet von Feldmarschall Kvaternik und dem Gesandten Kasche, und dem ergänzenden Notenwechsel zwischen der Deutschen Gesandtschaft in Zagreb vom 21. September 1942, Nr. Kult 3 Nr. 3-A 591/42, und dem Ministerium des Äußeren des Unabhängigen Staates Kroatien vom 10. Oktober 1942, Nr. V.T. 756/42, festgestellten Richtlinien zu ergänzen. Die Deutsche Gesandtschaft erklärt daher ihre Zustimmung zu den folgenden, inzwischen besprochenen ergänzenden Bestimmungen:

Die kroatische Regierung anerkennt den Einberufungsstand der deutschen Volksgruppe zur deutschen Wehrmacht, Waffen-SS, und deutschen Polizei vom 1. Juli 1943, der das in den obengenannten Vereinbarungen vorgesehene Maß überschreitet.

Die kroatische Regierung erklärt sich damit einverstanden, daß die kommenden Einberufungen aus neu ausgerufenen Jahrgängen (1926 und jünger) der deutschen Volksgruppe zur Gänze der deutschen Wehrmacht, Waffen-SS und Polizei als Ersatz zugeführt werden.

Die kroatische Regierung erklärt sich damit einverstanden, daß aus den Jahrgängen 1906 und älter der deutschen Volksgruppe für die deutsche Wehrmacht und Polizei in Kroatien noch bis zu 1500 Mann der deutschen Volksgruppe zur Verfügung gestellt werden. Weitere Einberufungen aus diesen Jahrgängen werden nur für die aus dem deutschen und kroatischen Wehrdienst, sowie aus der deutschen Polizei ausscheidenden Volksgruppenangehörigen vorgenommen, und zwar im Einvernehmen mit dem kroatischen Wehrmachtsministerium.

Die kroatische Regierung anerkennt, daß im deutschen Wehrdienst stehende Volksdeutsche auch weiterhin ihre kroatische Staatsangehörigkeit bis zur endgültigen Klärung dieser Frage beibehalten, wenn sie durch ihre Zugehörigkeit zur deutschen Wehrmacht, Waffen-SS, deutschen Polizei usw. die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben. Ebenfalls wird die Frage ihrer etwaigen späteren Umsiedlung für die Zeit der Dauer des Krieges hierdurch nicht berührt.

Die Wehrüberwachung der zum Wehrdienst eingezogenen Volksdeutschen erfolgt über das volksdeutsche Wehrbezirkskommando in Vinkovci. Dieses überträgt für die Dauer des Krieges für diejenigen Volksgruppenzugehörigen, die in der Waffen-SS bzw. deutschen Polizei Dienst leisten, ihre Befugnisse auf das Ersatzkommando „Kroatien“ der Waffen-SS. Unabhängig hiervon werden vom volksdeutschen Wehrbezirkskommando Vinkovci an Hand der vom Ersatzkommando Kroatien der Waffen-SS vorzulegenden Unterlagen die Karteimittel auch für die zur Waffen-SS und deutschen Polizei einberufenen Volksdeutschen geführt und auf dem laufenden gehalten. Alle übrigen in der Vereinbarung, betreffend den Dienst der Deutschen Volksgruppe in Kroatien in der kroatischen Wehrmacht vom 16. 9. 1941, und in dem Notenwechsel zwischen der deutschen Gesandtschaft in Zagreb vom 21. 9. 1942, Nr. Kult 3 Nr.3-A 591/42 und dem Ministerium des Äußeren des Unabhängigen Staates Kroatien vom 10.10.1942, Nr. V.T. 756/42, festgelegten Vereinbarungen erfahren keine Veränderung.

(Dazu ist in der Mitteilung des Auswärtigen Amtes an das SS-Hauptamt, German. Leitstelle, Amtsgruppe D, vom 22.5.1944 vermerkt: Das kroatische Außenministerium hat mit Verbalnote vom 19. 4. 1944 dieser Regelung zugestimmt.)


Quelle (Autor leider unbekannt)

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