„Entartete Musik“

Entartete MusikIm Rahmen der Reichsmusiktage 1938 in Düsseldorf – zu deren Eröffnung Richard Strauss sein Festliches Präludium (1913) dirigiert hatte – eröffnete Hans Severus Ziegler in Anlehnung an die Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937 im Mai 1938 die Ausstellung „Entartete Musik“, die anschließend auch in Weimar, München und Wien gezeigt wurde.

Neben dem Jazz wurde auf der Austellung Musik von Gustav Mahler, Arnold Schönberg und anderer Juden als entartet dargestellt.


Von
Dr. Hans S. Ziegler

Die Ausstellung „Entartete Musik“ in den Reichsmusiktagen 1938 in Düsseldorf ist mir einer besonderen Spannung, ja, vielleicht auch mit mehr oder weniger gemischten Gefühlen erwartet worden. Man darf überzeugt sein, daß mein Gefühl der Verantwortung auf diesem Gebiete eines hervorragenden Kultur- und Kunstbezirks um nichts geringer ist als das Verantwortungsgefühl eines nationalsozialistischen Politikers in den rein politischen Bezirken, in denen freilich alle grundsätzlichen Fragen schneller und radikaler geklärt worden sind. Der Nationalsozialismus jedoch hat seine Totalitätsansprüche für alle Gebiete des deutschen Lebens angemeldet und wird ihn auch nicht abgeben. Wir haben eine weltanschauliche Revolution erlebt, die bei ihren gewaltigen Ausmaßen selbstverständlich noch lange nicht beendet sein kann. Die Wende hat sich zwar vollzogen, aber die Umwandlung in allen Teilen dieses Lebens ist noch nicht beendet. Der Führer hat als Staatsmann und Neugestalter deutschen Volkstums ein neues deutsches Gesicht nicht allein dadurch schaffen wollen, daß er dem Staatsleben eine neue Form gab. Er hat vielmehr eine Revolutionierung des ganzen Menschen und seines Wesens gefordert. Es war nach einer langen Zeit der Entartung von vornhinein klar, daß Jahre und Jahrzehnte einer intensiven Erziehungsarbeit notwenidg sein würden, um eine vollgültige geistige, seelische und charakterliche Erneuerung Deutschlands herbeizuführen.

Der deutsche Mensch ist bei seiner rassemäßigen Zusammensetzung von jeher verhältnismäßig instinkt-unsicher gewesen und diese Instinktunsicherheit sowohl in den primitivsten und elementarsten Fragen des politischen Lebens, erst recht aber in den höheren nationalen Fragen „Rasse und Volkstum“, in den Kulturbezirken, macht den deutschen Erneuerungsproßess ungewöhnlich schwierig. Neben dem mangelnden Instinkt für die inneren und äußeren Lebensnotwendigkeiten war es auch der mangelnde Wille zum Leben an sich, der unserer Existenz als Nation oftmals in Frage gestellt und uns sogar zur Selbstentäußerung und zur Selbstaufgabe geführt hat. Es liegt auf der Hand, daß ein Volk, das nicht nicht einmal die Kraft der Entscheidung über politische und wirtschaftliche Versklavung oder Freiheit aufbrachte, auch die Kraft vermissen ließ, einer seelischen Versklavung und einer geistigen Vergiftung Widerstände entgegenzusetzen.

Wenn heute das Problem mit der entarteten Musik, in den Augen mancher Zeitgenossen kühn und verwegen, angepaßt wird, so betone ich von vornhinein, daß es von der hohen Warte nationalsozialistischer Kulturpolitik geschieht und geschehen muß. Erste Voraussetzung für den Kulturpolitiker bleibt dabei natürlich nach der Forderung des Führers der musische Mensch, die künstlerisch ausgerichtete Natur und eine starke intuitive Fähigkeit, vor allem aber die Gabe der synthetischen Schau, die ihm vor vielen Spezialitäten und analytisch sehenden Menschen den Vorrang gibt. …

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