Die historischen Grundlagen unserer Beziehungen zu Frankreich (1938)

Die historischen Grundlagen zu unserer Beziehungen zu FrankreichAuszug:

[…] Wenn man bei den Geschichtsschreibern des 17. Jahrhunderts in Frankreich die Ausführungen über die sogenannte klassische Politik gegenüber Deutschland liest, findet man einen Ausdruck immer wieder als letztes Ziel dieser klassischen oder traditionellen Politik: die anarchie allemande, die deutsche Anarchie. Gemeint war die deutsche Kleinstaaterei, der deutsche Partikularismus. Die modernen vertreter der gleichen Auffassung in Frankreich haben einen anderen Ausdruck geprägt, der noch brutaler das gleiche Ziel erfüllt: le chaos allemand, das deutsche Chaos. „Wir haben das deutsche Chaos nötig“ so hat Maurice Barrès geschrieben. „Wir werden das deutsche Chaos abwarten“, so hat Poincarè uns noch bei Beginn des Ruhrkampfes angedroht.

Jene Männer aber, die in Versailles das deutsche Chaos herbeiführen wollen, haben nicht bedacht, daß aus dem Chaos, das sie Deutschland zudachten, ein europäisches Chaos entstehen könnte, daß aus dem mißratenen Frieden von Versailles sich die Fratze des Bolschewismus erheben würde. Sie haben nicht geglaubt, daß aus den Kräften des deutschen Volkes eine Erneuerungsbewegung, ein Führer, hervorgehen werde, dem es gelänge, das deutsche Volk im letzten Augenblick vom Rande des Abgrundes hinwegzureißen. […]

Der Weltkrieg war nicht in erster Linie ein deutsch-französischer Krieg. Jedenfalls ist er uns Deutschen damals nicht so erschienen. Versailles aber und der Kampf um Versailles ist zu einer deutsch-französischen Angelegenheit geworden. Das kommt daher, daß in Versailles in der Person des französischen Ministerpräsidenten Clemenceau jene Politik neu erstand, die man in Frankreich die historische, die klassische oder traditionelle Politik zu nennen pflegt, von der Maurice Barrès in seinem großen nachgelassenen Werk gesagt hat, daß es „Frankreichs ewige These, die fixe Idee der Geschichte Frankreichs“ sei.

Wie die englische Politik an einer fixen Idee festzuhalten scheint, der Idee des Gleichgewichts der Kräfte, nach der sie immer den schwächeren Staat in Europa, Frankreich oder Deutschland, gegen den anderen Teil unterstützt und damit zum Schiedsrichter in Europa wird, so scheint auch die französische Politik Deutschland gegenüber durch die Jahrhunderte von einer  fixen Idee beseelt zu sein, die man im französischen Volk gemeinhin „das Testament Richelieus“ nennt. Mögen die zukünftigen deutschen Historiker sich darüber streiten, ob dieses Testament echt ist oder eine Fälschung darstellt, die Politik selbst, die man sich gewöhnt hat so zu benennen, ist jedenfalls eine Realität, die wie ein unabänderliches Gesetz die Beziehungen der beiden Nationen durch die Jahrhunderte zu beherrschen scheint. Diese Politik, die man die klassische nennte, geht darauf hinaus, Deutschland zu zersplittern, immer wieder die deutsche Zwietracht auszunutzen und in Deutschland zu intervenieren, oder Deutschland einzukreisen, mit dem Endziel, die deutsche Einheit zu verhindern. […]

Das deutsche Volk hatte nach Bismarcks Reichsgründung Jahre des Friedens erlebt und eines Aufschwunges ohnegleichen. Das deutsche Volk hatte den jahrhundertealten Kampf, hatte die Ideen Richelieus vergessen, als es 1914 in den Krieg zog, um die Heimat zu schirmen. Mitten im Kriege ist diese ganze Gedankenwelt im französischen Volke neu erwacht, künftig neu belebt und erwedt worden durch Dichter, Historiker und Vertreter der verschiedensten Wissenschaften. Schon im August 1914 rief der Dichter Choriol de Ruère aus: „Wir werden ihn haben, den deutschen Rhein.“ Und Georges Blondel schrieb: „Welch schöne Gelegenheit, Deutschland aufzuteilen!“ Nach hunderten von Systemen wissenschaftlicher Art wurde dem französischen Volke mitten im Kriege der eine Gedanke eingehämmert, diese nie wiederkehrende Gelegenheit müsse benutzt werden zur Wiederzerstörung von Bismarcks Werk, zur Wiederzertrümmerung der deutschen Einheit, zur Wiedererrichtung der Deutschländer aus Göthes Zeiten, die so bequem gewesen waren, weil die keinen Anspruch auf politische Macht erhoben. Von Deutschland sprach man überhaupt nicht mehr. Man sprach nur noch von Deutschländern. […]

Wenn wir heute die Nachkriegskämpfe und die Gestaltung deutsch-französischen Verhältnisses von Versaille bis zum heutigen Tage überschauen, müssen wir drei Perioden unterscheiden. Die erste Periode war die Zeit der gewaltsamen Kämpfe von Clemenceau zu Poincarè, von Versailles bis zum Ruhrkampf und dem Londoner Abkommen vom 1. September 1924, mit dem der Ruhrkampf liquidiert wurde. Die zweite Periode dauert genau sechs Jahre, vom 1. September 1924 bis zum September 1930, vom Londoner Abkkommen bis zur Rheinlandräumung und den Septemberwahlen. […] Als im September 1930 … das Volk in Deutschland sich zu Adolf Hitler bekannte, begann die dritte Periode der Nachkriegszeit, die die Geschichte einmal die Periode der Lösung nennen wird, und diese Lösung steht unter dem Namen Adolf Hitlers.

„Hitler liquigiert Versailles“, so schrieb eine englische Zeitschrift, als am 16. März 1935 Adolf Hitler die deutsche Wehrhoheit wieder herstellte. Jawohl, Adolf Hitler hat Versailles überwunden. Von den drei Säulen, auf die Clemencaeu seine Politik von Versailles gestützt hat, steht keine einzige mehr. Als am 1. März 1935 der Führer unter dem Jubel der Hunderttausende in Saarbrücken einzog und das Saargebiet zum Reich wiederherstellte, da ist die erste Säule zerbrochen, die französische Rhein- und Saarpolitik.

Auch die Reparationspolitik ist überwunden. Das Bedeutsame und Entscheidende aber ist die Tatsache der Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit. Damit ist das letzte Fundament von Versailles zerbrochen.

Heute stehen wir erneut vor der Frage, wie sich das deutsch-französische Verhältnis gestalten soll. Gerade jetzt, wo Versailles zerbrochen ist, dürfte die Lösung des jahrhundertealten Gegensatzes leichter sein als je. Niemals hat ein deutscher Staatsmann mit solcher Autorität und solcher Eindringlichkeit dem deutschen und französischen Volke zugerufen, daß die Theorie vom Erbfeind überwunden werden müsse. Immer wieder hat er Frankreich die Hand zur Versöhnung gereicht. „Nach der Regelung der Saarfrage“, so hat er erklärt, „gibt es keine territoriale Frage, die zwischen Deutschland und Frankreich stände.“ Eine böswillige Propaganda hatte schon vor dem Umschwung in Frankreich die Meinung verbreitet, daß die Machtergreifung durch Adolf Hitler den Krieg bedeuten würde. „Hitler la guerre“, das waren die Schlagworte, mit denen diese Propaganda geführt wurde. Nun sah die öffentliche Meinung in Frankreich zu ihrer großen Überraschung, daß derselbe Mann, den man ihr als kriegsliebend hingestellt hatte, immer wieder seine Friedensbereitschaft auch Frankreich gegenüber betonte. Fünf Jahre ist nun Hitler an der Macht. Und der Krieg ist nicht ausgebrochen. Im Gegenteil, jeder, der guten Glaubens ist, muß erkennen, daß der Soldat des Weltkrieges zum Soldat des Friedens geworden ist. „Es würde mir die größte Genugtuung sein“, so hat Hitler wiederholt erklärt, „wenn es mir gelänge, auch den deutsch-französischen Gegensatz endgültig zu überwinden.“

Die Kräfte der Politik des Gegensatzes, die in Frankreich immer noch lebendig sind, aber möchten das Vertrauen nicht aufkommen lassen, das nötig ist, um eine wirkliche Verständigung herbeizuführen. Eine neue Propaganda des Mißtrauens breitet sich in Frankreich aus.  …

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Siehe auch:

Was die Welt nicht wollte – Hitlers Friedensangebote

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