Im Banat – Hier floß unschuldiges Blut in Strömen

Das widernatürliche Gebilde Jugoslawien.jpgDas Banat war nach dem deutschen Feldzuge gegen Jugoslawien während der ganzen Zeit des Krieges von deutschen Truppen besetzt. Die staatlichen Organe unterstanden der serbischen, von General Nedic in Belgrad gebildeten Regierung. Soweit einheimische Deutsche als staatliche Organe und bei Behörden Verwendung fanden, geschah dies ausschließlich im Namen der serbischen Regierung in Belgrad und nur in Gebieten mit einheimischer deutscher Bevölkerung und in deren anteilmäßigem Verhältnis. Zweifellos wäre manche Maßnahme der deutschen Militärstellen härter ausgefallen, wenn sich das einheimische Deutschtum des Banates nicht immer wieder zugunsten seiner serbischen Mitbewohner des Landes eingesetzt und, wo es möglich war, für Abschwächung und Milderung oft bereits schon in Durchführung befindlicher Maßnahmen gesorgt hätte.

Die Partisanen haben ein dermaßen systematisches Vernichtungswerk gegen die deutsche Bevölkerung eingeleitet, daß nur geringe Bruchteile noch am Leben geblieben sind. Das besondere Charakteristikum dieses Vernichtungswerkes war die grausame und blutige Art seiner Durchführung. Die Einteilung des Landes in genau abgegrenzte Planungs- und Durchführungsbereiche bestand auch hier. Mit Rücksicht auf die bei der Bearbeitung der Vorkommnisse in der Batschka beobachteten Darstellung dieser Systematik ist im Falle des Banates, um Wiederholungen zu vermeiden und die Schilderungen mit zwar wichtigen aber im Endergebnis doch noch zutage tretenden Einzelheiten nicht zu belasten, auf eine eingehende Behandlung der Systematik und der Gleichartigkeit der Methoden verzichtet worden. Wie kaum von einem anderen Gebiete des deutschen Siedlungsraumes wird man von dem Banate sagen können, daß hier wirklich Blut in Strömen floß. Wiederholt erschienen an einem einzigen Tage in fast allen Orten einzelner Bezirke Liquidierungskommandos, die von den örtlichen Organen die Namhaftmachung deutscher Männer und Frauen für Massenliquidierungen verlangten. So häufig sich die örtlichen, meist einheimisch-serbischen Organe auch dagegen gewehrt und manchenorts doch das Leben vieler abtrotzen konnten, so häufig haben sich diese Mordtrupps aber auch über Einsprüche und Interventionen einheimischer Serben hinweggesetzt und oft auch alle deutschen Bewohner des Ortes bis auf das letzte Kind liquidiert.

Pardanj

Wie erschütternd aber im Banate auch Einzelschicksale und Erlebnisse ganzer Familien und Verwandtschaften sein konnten, zeigt die Schilderung der aus Pardanj stammenden Frau Apollonia Schütz:

„Wir sind am 18. April 1945 von Pardanj weggetrieben worden. Mein Mann blieb in Pardanj, während ich und die Kinder mit den alten und arbeitsunfähigen Leuten und Kindern nach Stefansfeld getrieben wurden. Wir waren 450 Personen. Meine Schwester und deren Tochter sind mit ihren beiden Kindern, die eineinhalb und zweieinhalb Jahre alt waren, ebenfalls mit nach Stefansfeld gebracht worden. Die Mutter der Kinder erkrankte im August an Hungertyphus. Als wir am 28. September nach Molidorf gebracht wurden, mußten wir sie zurücklassen. In Molidorf hörten wir von unseren getrennten Angehörigen nichts mehr, weder von meinem Manne noch von meiner Nichte. Als Nahrung erhielten wir pro Kopf und Tag sieben Dekagramm Brot aus Maisschrot und einen Schöpflöffel voll leere Suppe ohne Fett und Salz. Von Weihnachten bis März erhielten wir diese Zuteilungen, aber auch nur zwei- bis dreimal in der Woche. Zeitweise war der Maisschrot auch in die Suppe eingekocht und mit Kalisalz gesalzen. Von den am 28. September 1945 nach Molidorf gebrachten 126 Personen (100 Frauen und 26 Männer) aus Pardanj lebten im August 1946 noch neun Frauen und ein Mann.

Meine Schwester wollte ihre zwei Enkelkinder nicht verhungern lassen. Sie schlich sich aus dem Lager und vertauschte ihre Kleider in den Nachbardörfern gegen Lebensmittel. Eines Tages ist sie mit noch fünf Frauen und drei Kindern aus Stefansfeld nach Tova gegangen. Als der Lagerkommandant von diesem verbotenen Unternehmen erfuhr, umstellte er Molidorf mit Wachposten, die in Zwischenräumen von 300 Metern in der Nacht auf die Rückkehr der Frauen warten, sie gefangennehmen und einsperren sollten. Die Frauen waren am Abend des 6. August fortgegangen und kehrten am 8. August um Mitternacht zurück. Die eingetauschten Lebensmittel wurden ihnen gleich weggenommen, sie selbst zum Erschießen weggeführt. Kaum waren sie einige Meter in der Gasse geführt worden, als ein Schuß fiel, der meine Schwester traf. Sie stürzte gleich zu Boden. Unter Fluchworten trat ihr der Partisane näher und schoß ihr noch mit einem Dum-Dum-Geschoß in den Bauch, das ihr den Unterleib aufriß und die Gedärme heraustraten. Er ließ sie dort liegen und führte die übrigen zu dem Lagerkommandanten. Meine Schwester blieb an der Stelle liegen und lebte noch bis 4 Uhr. Dann war sie verblutet und starb. Während sie noch lebte und in Schmerzen stöhnte, trat ein etwa 14jähriger Partisane an die Sterbende heran, beschimpfte sie, nahm einen Stein und schlug ihn ihr auf den Kopf. Niemand traute sich vor Angst sonst in die Nähe der Sterbenden. Ich erfuhr von ihrem tragischen Schicksal erst um 6 Uhr morgens. Ich ging sogleich zu ihr. Zu dieser Zeit stand der Partisane, der die Sterbende geschändet hatte, noch bei ihr. Er überfiel mich und schlug mich mit dem Gewehrkolben. Dann führte er mich zum Kommandanten. Meine Schwester mußte den ganzen Tag an der heißen Sonne liegen bleiben, doch gestattete mir der Kommandant, sie mit einer Decke zuzudecken.

Der Mann meiner Schwester war mit noch 100 Stefansfeldern schon früher nach Cernje geführt worden, wo er mit 68 Stefansfeldern auch erschossen wurde. In Cernje sind bei einer anderen Gelegenheit auch 85 Pardanjer erschossen worden. Unter diesen war mein zweiter Schwager. Meine in Stefansfeld erkrankte Tochter wurde später nach Rudolfsgnad gebracht, ebenso mein Mann. Sie starben beide dort den Hungertod. Meine zweite Schwester blieb in Stefansfeld. Auch ihr Mann wurde erschossen. Ein Sohn meines Bruders wurde, als er über die Grenze nach Rumänien flüchten wollte, von den Grenzern erschossen. Ebenso auch sein Sohn und der meines anderen Bruders. Von der Familie meiner Schwester sind nur die kleinen Kinder am Leben geblieben, die ich dann später mit nach Österreich nahm.“


Im Norden des Banates tobte die Mordlust


Sanad

Der äußerste Norden des Banates hatte nur eine geringe deutsche Bevölkerung. Die Vernichtung des Deutschtums des Nordbanates wurde meist in den Orten selbst und in dem Bezirksort Neu-Kanischa, aber auch in anderen Orten des Banates, namentlich in Kikinda, vollzogen.

Ganz im Norden des Banates lag auch die gemischtsprachige Ortschaft Sanad. In dieser Gemeinde wurden am 20. Oktober 1944 alle deutschen Männer verhaftet und in den Bezirksort Neu-Kanischa (Novi Knezevac) fortgetrieben und dort eingesperrt. Durch mehrere Tage sind sie von Partisanen, die Lust dazu hatten, fürchterlich mißhandelt worden. Am 25. Oktober wurden sie dann alle erschossen. Nur ein einziger deutscher Mann dieser Ortschaft konnte im letzten Augenblick über die nahe Grenze nach Ungarn fliehen. Nach den Männern kamen dann auch die deutschen Frauen an die Reihe. Die erste Gruppe von diesen wurde gleich nach der Ermordung der deutschen Männer in den genannten Bezirksort gebracht und dort erschossen. Die anderen deutschen Frauen und Kinder trieb man aber am 8. Dezember 1944 aus ihrer Heimat fort. Sie kamen zum größten Teil ins Lager nach Kikinda. Dort wurde am 17. Dezember 1944 gegen Abend im Lager selbst eine Gruppe von 64 Frauen erschossen. 32 deutsche Frauen aus Sanad befanden sich unter diesen Opfern. Nur fünf von allen Frauen aus Sanad blieben im Lager Kikinda am Leben. Im März 1945 waren die neuen Behörden von Sanad darauf gekommen, daß noch vier deutsche Frauen in vollkommener Zurückgezogenheit versteckt in einem Hause der Gemeinde Sanad lebten. Es waren dies Frau Krämer mit ihren beiden Töchtern und noch eine andere alte Frau. Alle diese wurden sogleich ausgehoben und ebenfalls in den Bezirksort Neu-Kanischa getrieben, um dort erschossen zu werden. Als die Partisanen Anstalten machten, eines der Mädchen doch nicht zu erschießen, erklärte es, nicht am Leben bleiben zu wollen, wenn die anderen drei erschossen werden sollten. Darauf wurden alle vier getötet.

Kikinda

Ganz im Norden des jugoslawischen Banates lag die Stadt Kikinda (Großkikinda). In der Stadt selbst lebten über 20.000 Einwohner. Ungefähr ein Drittel davon waren Deutsche. Aus Serben und Ungarn bestand die übrige Bevölkerung. In der Umgebung der Stadt aber befand sich noch eine beträchtliche Anzahl anderer Ortschaften mit deutschen Einwohnern. In nächster Nähe lag das rein deutsche Dorf Nakovo mit gegen 5.000 Seelen. Die deutschen Gemeinden Heufeld und Mastort waren im Osten. Im Nordosten aber lagen die sogenannten „Welschen Dörfer“ St. Hubert, Scharlevil und Soltur. Die Väter ihrer Bewohner waren Franzosen gewesen. Sie stammten aus Elsaß-Lothringen und sind schon vor 200 Jahren, zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia, in dieser Gegend, in der sogenannten „Heide“, zusammen mit den Deutschen auf dem damals durch die Türken verwüsteten und menschenleeren Lande angesiedelt worden. Sie lebten in allerschönster Harmonie mit den Deutschen der Umgebung, mit deren Schicksal das ihrige seit Generationen eng verbunden war, und sind im Laufe der Zeit zu deutschsprechenden Menschen geworden. Angefangen vom Oktober 1944, nachdem die Russen von Rumänien her ins Land einmarschiert waren und den jugoslawischen Partisanen und Kommunisten die Macht im Banate übergeben hatten, wurde auch ihnen alles, was sie hatten, weggenommen. Sie selbst wurden von Haus und Hof vertrieben, in langen Kolonnen in die Bezirksstadt Kikinda geschleppt, von dort in die verschiedenen Konzentrationslager gebracht und vernichtet.

Rose Mularczyk aus Heufeld bei Kikinda berichtet:

Am 20. Oktober wurden wir nachts um 24 Uhr von serbischen Partisanen aus dem Bett geholt, 82 Männer und 22 Frauen. Wir kamen ins Gemeindehaus und blieben dort bis zum Morgen eingesperrt. Am nächsten Tag mußten wir zu Fuß nach St. Hubert gehen. Auf diesem Wege wurden alle Männer, besonders diejenigen, die an der Seite der Kolonne gingen, entsetzlich geschlagen. Am meisten mißhandelt wurde mein Landsmann Bieding. Dieser wurde so geschlagen, daß er zweimal zusammenstürzte. Er war bereits völlig mit Blut besudelt und blau geschlagen. Am Abend desselben Tages ging es von St. Hubert gleich weiter nach Kikinda. Zunächst kamen wir dort ins Gerichtsgebäude, alle Frauen wurden in einer kleinen Zelle untergebracht. Am 22. Oktober wurden wir in die Milchhalle übergeführt. Die ganze Nacht hindurch wurden wir von zwei Russen belästigt. Fünf Tage lang bekamen wir überhaupt nichts zu essen. Am 2. November brachten Partisanen eine weitere Gruppe Männer und Frauen, etwa 100 an der Zahl, genau weiß ich das nicht mehr, aus meinem Heimatort nach Kikinda zu uns ins Lager.

Am 3. November war ich Augenzeuge der ersten Abschlachtung einer größeren Gruppe Männer. Einzeln wurden die Leute auch vorher schon beseitigt. Diese Gruppe Männer, es waren 22, zwei davon waren aus unserer Nachbargemeinde Mastort, die ich kannte, es waren ein gewisser Schlotter und Deni, wurden bestialisch hingemordet. Zunächst wurden die Männer nackt ausgezogen, mußten sich hinlegen, und es wurden ihnen die Hände auf den Rücken gebunden. Dann wurden alle mit Ochsenriemen entsetzlich geprügelt und man schnitt ihnen nach dieser Tortur bei lebendigem Leibe Streifen Fleisch aus dem Rücken, anderen wurden die Nasen, Zungen, Ohren oder Geschlechtsteile abgeschnitten. Die Augen wurden ihnen ausgestochen und zwischendurch wurden sie immer weiter geprügelt. Auch mit Geißeln wurden die unglücklichen Opfer geschlagen. Ich selbst befand mich zu diesem Zeitpunkt noch mit einer Gefangenen in einem Zimmer im Erdgeschoß der Milchhalle und konnte alles mitansehen. Die Gefangenen schrien und wanden sich in Krämpfen. Dies dauerte etwa eine Stunde, dann wurde das Schreien leiser, bis es zuletzt ganz verstummte. Noch am nächsten Tag, wenn wir über den Hof gingen, lagen überall Zungen, Augen, Ohren und dergl. menschliche Körperteile herum, außerdem war der ganze Hof mit gestocktem Blut bedeckt.

Am nächsten Tag mußten wir, alle Frauen und Mädchen in die Arbeit gehen. Und zwar putzten wir am Bahnhof Ziegel und luden Steine auf. Etwa am 10. November brachten die Partisanen und Russen einen Transport von ungfähr 280 Kriegsgefangenen, bis auf 6 Italiener und 2 Ungarn alles Deutsche. Diese Soldaten konnten kaum mehr laufen, waren vollkommen zerlumpt und erschöpft. Ich hörte zufällig, wie ein Russe, der den Transport mitbegleitet hatte, zu einem Partisanen sagte, daß die Kriegsgefangenen seit sechs Tagen weder zu essen noch zu trinken bekommen hätten. Wenn sich einer bückte, um aus einer Wasserlache am Boden zu trinken, wurde er sofort erschossen. Sie bekamen auch in Kikinda nichts, sondern wurden gleich alle in den Keller eingepfercht. Drei Tage blieben die Gefangenen dann im Keller, ohne zu essen und trinken zu bekommen, sie wurden fortwährend mißhandelt. Dann wurden sie aus dem Keller geholt und weggeführt. Die meisten von ihnen konnten nicht mehr laufen und wurden wie ein Stück Vieh auf Wagen geworfen und dann weggefahren. Die Kolonne setzte sich in Richtung Schindanger in Bewegung, von dort hörte man dann eine Weile Schießen. Wie wir später erfuhren, wurden alle Soldaten dort am Schindanger erschossen und eingescharrt.

Da wir Frauen und Mädchen uns durch die Aufräumungsarbeiten, die wir im Hause verrichten mußten, etwas freier bewegen konnten, habe ich immer wieder versucht, unseren gefangenen Dorfgenossen, unter denen sich auch meine nächsten Anverwandten befanden, Wasser zu bringen. Aber man konnte ihre Leiden nur wenig lindern, sie waren durch die Mißhandlungen derart apathisch und stumpf geworden, vielfach waren sie zur Unkenntlichkeit geschlagen.

Mein eingangs erwähnter Landsmann Bieding hatte den Verstand verloren, er kroch auf allen Vieren herum und bellte wie ein Hund. Dieser Mann hatte seit unserer Verschleppung aus Heufeld noch nichts anderes zu essen bekommen als einige grüne Futterrüben. Außerdem war er ständig den schwersten Mißhandlungen ausgesetzt.

Etwa acht Tage, nachdem die Kriegsgefangenen erschossen worden waren, es war an einem Freitag, begann man damit, die volksdeutschen Männer hinzumorden. Man fragte zunächst, wer krank sei, damit man die Kranken ins Krankenhaus schaffen und diesen dann eine Pflege angedeihen lassen könne. Nachdem sich die Kranken gemeldet hatten, mußten sie sich hinter der Milchhalle im Hof aufstellen, vollkommen ausziehen und wurden dann dort abgeschlachtet. Wir hörten in der Milchhalle die gellenden Schreie der Opfer. Wir Frauen bekamen etwas zu essen, während die Männer gar nichts erhielten. Später kamen auch noch andere Frauen in die Milchhalle, aus Kikinda und anderen Nachbarorten. Zivilisten durften nicht an die Milchhalle herankommen, weil die Partisanen jeden, der sich dem Stacheldraht näherte, niederschossen.

Freitag, Samstag und Sonntag wurden immer eine Menge Leute abgeschlachtet. Wenn man dann durch den Hof ging, fand man nichts als Blut, Augen, Ohren, Zungen, Nasen, usw. Es war entsetzlich! Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag wurde dazu benutzt, um das Lager wieder neu aufzufüllen, Leute aus der Umgebung wurden hereingetrieben. Am Freitag ging dann die Schlächterei von neuem los. Später konnte ich nicht mehr zusehen, aber wir hörten alle. Die Opfer, wie sie schrien, und die Partisanen, wie sie sich lustig machten. So hörte ich zum Beispiel einmal, wie ein Partisane schrie: „Schau einmal, der hoppst ja noch wie ein Hase und der dort schlägt ein Rad“ und dergleichen mehr.

Oftmals mußten sich Männer zu dritt nebeneinander hinknien, bekamen dann einen Genickschuß und flogen so gleich auf einen Haufen. Eine deutsche Frau aus der Gemeinde Mokrin, deren Mann ein Russe war, war ebenfalls bei uns eingesperrt. Einmal briet sie sich Kartoffeln, und als ein Partisane dazukam, wurde sie entsetzlich geprügelt, und wir anderen alle mußten zusehen. Dann kam die Frau zu den Männern in den Keller. Dort wurde sie mit einigen Männern zusammengebunden und alle mußten sich auf den Boden legen. Daraufhin trampelten die Partisanen auf ihnen herum. Dann wurden jedem einzelnen die Hände und die Füße zusammengebunden und alle mußten auf und nieder exerzieren. Die meisten blieben liegen, weil sie einfach nicht mehr konnten. Später holte man sie alle weg, auch die Frau, man fuhr mit ihnen in Richtung Schindanger, man hörte wiederum Schüsse.

Bis Ende November war ich bei den Partisanen in der Küche, dann wurde ich mit 19 anderen Frauen in die Stadt auf Arbeit geschickt. Sechs von uns, darunter auch ich, wurden weggeholt und in ein Geschäft geführt. Dort mußten wir Kleider herausräumen. Die anderen Frauen mußten Kleider waschen gehen, und zwar waren das alles Kleider der ermordeten Männer. Nach etwa vier Tagen mußten wir wieder in dieses Geschäft gehen und durften auch abends nicht mehr in das Lager zurück, sondern mußten dort schlafen. Einmal in der Nacht kam ein Auto und brachte wieder Kleider. Diese waren vollkommen mit Blut besudelt und teilweise auch durchlöchert.

Auch die Reverenda eines Pfarrers (Pfarrer Adam aus St. Hubert) war dabei. Am Abend mußten wir dann alle diese Kleider in einer Stube auf einen Haufen legen, und dort sahen wir, daß diese Stube fast bis an die Decke voll Kleider gefüllt war. Am nächsten Tag mußten wir diese Kleider wiederum holen, in den Keller schaffen und sortieren. Da fanden wir auch Kleidungsstücke von unseren Landsleuten, die verschwunden waren, und wir nicht wußten, wo sie sind. Darunter waren auch Kleidungsstücke unseres Lehrers Retzler. Diese Kleider waren wie ein Sieb durchlöchert und blutig, ein Zeichen, daß der Lehrer gegeißelt und gefoltert worden war. Die folgenden Tage mußten wir dann diese Kleider waschen und bügeln, und manche Frau fand Kleider oder Wäschestücke von ihrem Mann oder anderen Anverwandten.

Im Lager in Kinkinda befand sich auch ein Mädchen aus Charleville. Dieses war in der Kanzlei beschäftigt und mußte alle Männer aufschreiben, die ermordet oder gestorben waren. Und zwar kam es deshalb in das Lager, weil es einen serbischen Partisanen nicht heiraten wollte. Dieser denunzierte es und daraufhin sollte es erschossen werden. Es mußte sich sogar sein Urteil selbst schreiben. Dann wurde es im Keller eingesperrt und die Türe sogar zugenagelt. (Das war bei Todeskandidaten immer der Fall.) Durch alles, was dieses Mädchen gesehen und erduldet hatte, hatte es die Nerven vollkommen verloren und bei Annäherung irgendeiner Person gebärdete es sich wie eine Irre und stieß ein fürchterliches Angstgeschrei aus. Der politische Kommissar in Kikinda, der ebenfalls Gefallen an dem Mädchen gefunden hatte, widerlegte dann die Beschuldigungen des anderen Partisanen, und so kam das Mädchen aus der Einzelhaft. Es wurde dann mit den anderen nach Rußland verschleppt.

Am 26. Dezember gelang es uns bei den Partisanen nach vielem Reden, daß sie uns gestatteten nach Hause zu gehen und uns Kleider zu holen. Am 27. Dezember früh um 3 Uhr wurden wir einwaggoniert und nach Rußland zur Zwangsarbeit verschleppt. Für viele von uns war dies sogar eine Erlösung“.

Das größte Vernichtungslager dieser Gegend ist in der Stadt Kikinda selbst errichtet worden, und zwar in dem Gebäude der Milchhalle am Ostrande der Stadt. Ungeheuer viele Deutsche beiderlei Geschlechts sind hier grundlos und ohne Verfahren getötet worden. Zuerst vertrieben die Partisanen die Deutschen von Kikinda, Frauen, Männer und Kinder, aus ihren Häusern, steckten sie ins Konzentrationslager, nahmen ihnen alles weg, setzten sich in ihre Wohnungen und verteilten ihre Habe unter sich. Die Deutschen aber töteten sie dann der Reihe nach in den Lagern. Wann immer die Partisanen hierzu Lust empfanden, holten sie sich Gruppen bis zu hundert deutscher Menschen und darüber hinaus und brachten sie um. Meist haben die Partisanen die auserwählten Opfer vorher noch grausam gefoltert und dann erst erschlagen oder mit Messern wie Schweine abgeschlachtet oder in großen Gruppen erschossen. Die erste öffentliche Massenerschießung fand hier bereits am 8. Oktober 1944 statt. 28 Deutsche wurden an diesem ersten Tage getötet. Dies ging dann so weiter fast Tag für Tag. Zuerst liquidierten sie die wohlhabenden Leute des ganzen Bezirkes, um sie aus der Welt zu schaffen und über das ihnen abgenommene Gut niemanden Rechenschaft geben zu müssen. Unter den ersten Opfern befanden sich auch die Intellektuellen, darunter auch Pfarrer Michael Rotten aus Kikinda. Er wurde schon in den ersten Tagen der Partisanenherrschaft erschossen.

Nakovo

Als schon sehr viele Deutsche aus Kikinda selbst getötet waren und im Lager wieder Platz war, brachten die Partisanen auch aus den Gemeinden der Umgebung die Deutschen zur Liquidierung hierher. Eines Abends im Monat Oktober 1944 wurden 68 Männer gefesselt aus Nakovo gebracht. 3 Tage hielt man sie zuerst eingesperrt. Während dieser Zeit wurden sie ständig von einer großen Gruppe von Partisanen fürchterlich gefoltert. Wer immer von den Partisanen sich auszutoben Lust hatte, durfte diese wehrlosen Deutschen nach Belieben mißhandeln. Insbesondere brachte man den Opfern durch Kolbenstöße von rückwärts Nierenverletzungen bei, warf sie zu Boden, sprang ihnen auf den Bauch, schlug ihnen die Zähne ein, brach ihnen Rippen und mißhandelte sie auf alle möglichen anderen Arten. 3 Tage und Nächte dauerte diese Folter. Dann schleppte man sie aus der Stadt hinaus. Es war gerade an einem Sonntag vor Sonnenaufgang. In der Nähe des Friedhofes, aber außerhalb des Friedhofzaunes, wurde ein großes Loch gegraben. Die Männer aus Nakovo, welchen noch 3 Männer aus Kikinda beigeschlossen wurden, so daß es insgesamt 71 waren, mußten sich beim Friedhof nackt ausziehen, damit ihre Kleider und Schuhe von den Partisanen verwertet werden konnten. Dann wurden sie mit Draht aneinander gebunden und unter ständigen Mißhandlungen und Kolbenhieben an das Loch herangetrieben. Hier wurden sie dann von den Partisanen beim Morgengrauen mit Messern wie Schweine abgeschlachtet und ins Grab geworfen. Ein einziger, der aus verständlichen Gründen hier nicht genannt werden kann, konnte sich im letzten Moment, knapp bevor auch er hätte geschlachtet werden sollen, von den Fesseln freimachen. Ganz nackt lief er davon. Er hatte Glück. Man schoß ihm zwar nach, traf ihn in der Morgendämmerung aber nicht. Er eilte der nahen rumänischen Grenze zu und hat sie auch erreicht. Die neuen Stadtbehörden von Kikinda aber haben darauf durch Plakate bekanntmachen lassen, daß 71 Deutsche weniger am Leben seien.

In Nakovo war Franz Heß der erste Deutsche, der liquidiert wurde. Ihn haben Partisanen Anfang Oktober 1944 erschlagen. Josef Kemper wurde auf seinem Wagen erschossen, als er von der Arbeit nach Hause gefahren kam. Johann Küchel wurde am 13. Mai vor dem Gemeindehaus von Partisanen erschossen. Nikolaus Hubert ist in einem Heuhaufen erschossen aufgefunden worden. Auch Johann Junker ist in der Gemeinde selbst grundlos erschossen worden. Am 22. Dezember 1944 trieb man dann alle übrigen Männer von 16 bis 60 Jahren nach Kikinda ins Lager und am 18. März 1945 auch die Männer, welche älter als 60 Jahre waren. Man brachte sie, 80 an der Zahl, zu schweren Holzarbeiten in den Wald bei Mramorak. Alle sind dort infolge der schlechten Behandlung gestorben. Auch der langjährige deutsche Bürgermeister von Nakovo, Johann Blaßmann, war unter diesen Opfern.

St. Hubert – Scharlevil – Soltur

Am 31.Oktober 1944 blockierten starke Partisanenabteilungen auch die drei welschen Gemeinden St. Hubert, Scharlevil und Soltur. Alle Männer, welche man vorfand, es waren ihrer gegen 300, wurden noch am selben Tage nach Kikinda ins Konzentrationslager getrieben. Im Lager gab man ihnen 8 Tage lang keine Nahrung, trieb sie aber trotzdem tagsüber immer auf schwere Zwangsarbeiten. Wenn sie abends ins Lager zurückgebracht wurden, mußten sie immer antreten. Dann suchten die Partisanen jedesmal eine Anzahl von ihnen aus, welche gleich noch in derselben Nacht ohne Grund und ohne Verfahren erschossen, erschlagen oder zu Tode gefoltert wurden. Eines der ersten Opfer aus dieser Gruppe bildete der als Obmann der landwirtschaftlichen Genossenschaft „Agraria“ überall bekannte und geschätzte, fortschrittliche Landwirt Adam Weißmann aus Scharlevil und sein 15jähriger Sohn. Am 3. November 1944 wurden alle Bauern mit größerem Vermögen sowie diejenigen, die körperlich besonders stark und kräftig waren, in ein und derselben Gruppe gemeinsam erschossen. Sie wurden hinter das Lager geführt. Dort wurden sie zuerst fürchterlich geschlagen, dann mußten sie sich nackt ausziehen, sich auf die Erde legen, wurden dann geschlagen, mit Kolben gestoßen und schließlich durch Genickschüsse getötet. Die Leichen dieser Toten wurden nachträglich mit Wagen weggeführt. Am 4. November abends wurden abermals nach der Rückkehr von der Zwangsarbeit 40 Männer im Lager ausgesucht. Auch sie mußten sich nackt ausziehen und wurden neben dem Lager erschossen. Ihre Leichen wurden hinter der Milchhalle, neben der Eisenbahnstrecke, eingegraben.

Am 5. November mußten alle Lagerinsassen den ganzen Tag im Lagerhof auf der Erde auf ein und demselben Platz sitzen. Am Abend wurden abermals 120 Männer ausgesucht. Es waren dies fast ausschließlich Leute aus den „welschen Dörfern“. Auch der Pfarrer Adam aus St. Hubert war darunter. Eine schwer bewaffnete Frau in Partisanenuniform zog ihn, der in seinem schwarzen Priesterkleid besonders auffiel, aus der Einteilung heraus und mißhandelte ihn fürchterlich, unterstützt von anderen Partisanen, nur deshalb, weil er Priester war. Die Partisanin schlug ihn mit einem Ochsenziemer derart, daß dem Pfarrer der Talar über seinem Rücken aufriß. Sie gab ihm darauf Ohrfeigen, schlug ihn mit dem Gewehr und gab ihm Tritte mit den Füßen u.ä.m. Er aber mußte ruhig stehen. Sie schrie, daß man Pfarrer im neuen Jugoslawien nicht mehr brauche und daß er deshalb auch erschossen werde. Er hat als Märtyrer ruhig alles ertragen. Gleich darauf mußten alle 120 Männer, zu welchen man später noch einige andere hinzuschickte, mit Pfarrer Adam an der Spitze wegtreten und sich nackt ausziehen. Sie wurden mit Draht aneinander gebunden, mußten nackt unter einem Stacheldraht hindurchkriechen und bekamen hierbei von rückwärts und von oben noch fürchterliche Gewehrkolbenstöße in den Rücken und Schläge mit Stöcken. Schließlich wurden sie alle hinter dem Lager mit Maschinengewehren erschossen. Unter den Opfern befand sich auch ein Knabe namens Banweg Peter aus der französischen Gemeinde Soltur. Dieser rief noch im letzten Moment, als die Partisanen auf die 120 gefesselten, nackten Männer schon geschossen hatten, mit lauter Stimme: „Es lebe die Heimat“ und bracht dann ebenfalls tot zusammen.

Unter den erwähnten 120 Männern hatte sich am Abend, während der Erschießung, auch der Landwirt Johann Tout aus Soltur befunden. Er bekam bei der Erschießung nur einen Streifschuß am Kopf und war nur bewußtlos. Lange lag er unter den anderen Leichen, die über Nacht nicht beerdigt worden waren. Im Laufe der Nacht erlangte er wieder das Bewußtsein, machte sich los und flüchtete in sein Heimatdorf Soltur. Er war ganz nackt. Dort hielt er sich 10 Tage versteckt auf. Zurückgebliebene Frauen pflegten seine Wunde. Davon aber erhielten die neuen Behörden Kenntnis. Der Fall war ihnen unangenehm. Sie verhafteten ihn daher von neuem und schleppten ihn in die Ortschaft Cernje. Dort haben sie ihn dann erschossen.

Eine Woche später fand im Lager Kikinda abermals eine grausame Massenerschießung statt. Es wurden an einem Vormittag alle deutschen Kriegsinvaliden des Bezirkes, welche noch aus der Zeit des ersten Weltkrieges lebten, und andere ältere, arbeitsunfähig gewordene deutsche Männer umgebracht. Diese hatte man in einem Keller des Konzentrationslagers eingesperrt gehalten. Sie wurden an diesem Tage gefesselt und geschlagen und ebenfalls hinter das Konzentrationslager geführt. Dort war schon ein großes Loch ausgegraben. Sie mußten sich nackt ausziehen und die Kleider und Schuhe hergeben. Lange ließ man sie darauf in der Kälte warten, so daß einer der alten Kriegsinvaliden ungeduldig wurde und den Partisanen zurief, daß man sie als alte Leute nicht länger quälen, sondern lieber gleich erschießen solle. Nach einer Weile befahlen ihnen dann die Partisanen, sich in das Loch hineinzulegen. Wer aber nicht ging, wurde hineingestoßen. Dort lagen sie dann in der Erde, einer neben dem anderen, und weil das Loch zu klein war, zum Teil auch übereinander, während die Partisanen von oben auf sie ins Grab hineinschossen. Sie wurden darauf ohne Rücksicht, ob sie tot waren oder nicht, sogleich zugeschaufelt.

Am Tage nach der Ermordung aller Kriegsinvaliden wurden in diesem Lager wieder 100 andere deutsche Zivilisten umgebracht. 60 davon waren aus der Ortschaft Baschaid und 40 aus Kikinda. Sie alle aber wurden ganz genau so liquidiert wie die Kriegsinvaliden tags zuvor. Da den Partisanen nach der Ermordung der deutschen Männer auch die Zahl der noch lebenden alten deutschen Frauen zu groß schien, haben sie auch diese umzubringen begonnen. Am 17. Dezember 1944 wurden die ersten Frauen erschossen. Ohne Grund und Ursache wurden am Abend des genannten Tages 64 ausgesucht. Es waren dies zumeist ältere Frauen, die nicht mehr arbeiten konnten. 32 von diesen stammten aus der Ortschaft Sanad. Sie wurden alle gemeinsam unmittelbar hinter dem Lager erschossen.

So gab es im Lager Kikinda grundlose Massenhinrichtungen durch mehrere Wochen hindurch, bis von den vielen tausenden Deutschen des dortigen Bezirkes nur mehr wenige im Lager lebten. Dazu aber wurden auch ständig fast alle jene, welche bei den Zwangsarbeiten arbeitsunfähig geworden waren oder erkrankt sind, noch einzeln auf die verschiedensten Arten umgebracht, erschlagen oder erschossen. Gegen 1.000 dieser Opfer liegen am Felde unmittelbar hinter der einstigen Milchhalle begraben. Nach Monaten hat sich dort die Erde gesenkt. Schweine, die dort wühlten, und Hunde zogen oft einzelne Körperteile von diesen toten Menschen heraus. Als man das in der Stadt erfuhr, ließen die Behörden die Erde über diesen Gräbern wieder gleichmachen, ackern und Gerste anbauen, damit man nichts mehr sehe.

Auch später war das Konzentrationslager Kikinda wegen der Grausamkeit, mit welcher hier die Überlebenden behandelt wurden, besonders stark verrufen. Im Sommer 1946 ist ein junger Mann aus dem Lager entflohen. Wegen dieser Flucht wurden alle anderen Lagerinsassen grausam bestraft. Sie alle mußten im Lagerhof antreten und 3 Tage hindurch tagsüber in der Julisonne auf ein und demselben Platze stehen. Während dieser 3 Tage bekamen sie keine Nahrung. Wer aber wackelte, mußte sich auf die Zehen stellen. Diesem haben die Partisanen dann ein Brett, aus welchem spitzige Nägel hervorragten, unter die nackten Fersen geschoben, damit er sich steche, wenn er sich auf die Fersen niederlasse. Auf diese und ähnliche Art hat man dort Monate lang Menschen gequält und die Deutschen des Bezirkes ausgerottet.

Heufeld

Im Norden des Banates, knapp an der rumänischen Grenze, lag die rein deutsche Gemeinde Heufeld. Hier haben die jugoslawischen Partisanen schon in den ersten Tagen des Monates Oktober 1944, gleich nach dem Einmarsch der Russen, die Macht an sich gerissen und noch im Oktober aus Heufeld selbst und Mastort 17 der angesehensten deutschen Männer aus ihren Häusern fortgetrieben und nach grausamen Folterungen im Nachbarort Kikinda getötet.

Am 2. November 1944 verhafteten die Partisanen dann auch alle übrigen deutschen Männer. 86 von diesen wurden am genannten Tage in das Gemeindehaus gebracht. Auch den alten angesehenen Pfarrer Adam Steigerwald, einen Greis von 75 Jahren, der in Heufeld auch geboren war und dort zurückgezogen nur für seinen Priesterberuf gelebt hatte, wollten die Partisanen zur Liquidierung aus dem Pfarrhof wegtreiben. Er protestierte gegen diese Behandlung und erklärte, daß er den Pfarrhof und seine Pfarrgemeinde lebend nicht verlassen wolle. Die Partisanen trieben ihn daher mit Gewalt und unter ständigen Mißhandlungen und mit Gewehrkolbenstößen aus dem Pfarrhof. In einem Raum des Gemeindehauses wurde er eingesperrt und sogleich von mehreren Partisanen unter ständigen Schmähungen fürchterlich gefoltert. Die im Hof des Gemeindehauses stehenden übrigen deutschen Männer sahen und hörten, wie der Pfarrer mit Gewehrkolben und Stöcken ganz grundlos geschlagen wurde und wie er vor Schmerzen stöhnte. Die Partisanen hatten ihn zu Boden geworfen und sprangen ihm auf den Bauch, brachen ihm die Rippen. Sie haben ihm hierbei derart schwere innere Verletzungen beigebracht, daß er sich nicht mehr vom Boden erheben konnte. Sie packten ihn daher und warfen ihn mit aller Wucht über die Stiege des Gemeindehauses hinunter in den Hof zu den anderen verhafteten deutschen Männern. Auch dort konnte er sich nicht mehr erheben. Auf den auf der Erde sich vor Schmerzen wälzenden Priester schossen dann die Partisanen aus lauter Übermut von oben herab und töteten ihn schließlich angesichts seiner Gläubigen. Dies war am 2. November 1944 in der Früh. Am Nachmittag desselben Tages lag noch immer des Pfarrers Leichnam im Gemeindehof auf der Erde. Dann erst wurden von den Partisanen Zigeuner gerufen, die den toten Pfarrer auf den Schinderplatz bringen mußten. Sie zogen ihm die Kleider aus und schleiften ihn zur Wasenmeisterei. Dort auf der Schinderwiese haben sie ihn nackt neben dem toten Vieh eingescharrt. Am selben Tage sind auch die übrigen deutschen Männer dieser Gemeinde in den Bezirksort Kikinda getrieben worden, wo nach grausamen Folterungen durch die Partisanen fast alle getötet wurden. Nur drei Männer dieser Gemeinde sind heil davongekonunen.

Anna Klein aus Heufeld (Hajfeld), Bezirk Modosch (Jasa Tomic), in der Nähe von Groß-Kikinda im jugoslawischen Banat, nahe der rumänischen Grenze, berichtet:

„Nachdem mein Vater der in deutschem Militärdienst war, 1944 vermißt wurde, haben die Russen im selben Jahr zu Weihnachten meine Mutter zwangsweise in eines ihrer Arbeitslager verschleppt. Unter heftigem Schluchzen riefen wir immer nur die eine Bitte: ‚Mama, bleib bei uns! Geh nicht fort!‘ Erst Jahre später erfuhren wir, daß sie in die Ukraine gebracht wurde, wo sie mit vielen anderen deutschen Frauen als Bauarbeiterin eingesetzt war. Ich blieb mit meinen zwei Geschwistern, einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder zurück. Wir lebten bei unserer Großtante, bis im Frühjahr 1945 sich alle Deutschen vor dem Gemeindehaus des Nachbardorfes einfinden mußten. Meine Tante machte uns fertig und schickte uns drei allein los, sie blieb bei ihrer gelähmten Mutter zurück. Meine Schwester, die damals neun Jahre alt war, nahm uns an der Hand und wir gingen den anderen Leuten nach. Vor dem Gemeindehaus hatte sich schon eine Menge Menschen eingefunden. Wir stellten uns dazu. Vor lauter Angst vermochten wir gar nicht mehr zu weinen, wie es vielfach um uns geschah. Wie glücklich waren wir, als wir in dem Menschengewühl unsere Großmutter fanden, die sich sogleich unser annahm und an die wir uns klammerten.

Wir wurden in das Internierungslager nach Molidorf gebracht, wo Hunger, Armut, Angst und Not noch viel größer wurden. Wir lagen auf Stroh mit vielen Leuten zusammen. Sehr viele Leute starben infolge des Hungers, der Erschöpfung und der Mißhandlung. So haben wir als Kinder viele Leute sterben und verhungern gesehen. Eines Tages sollte auch unsere Großmutter unter den Opfern sein. In der Früh schlief sie sehr lange, wir wollten sie nicht wecken, aber sie war nie mehr aufgewacht, sie lag tot neben uns auf dem Stroh. Sie wurde in eine Decke eingewickelt, und ein Wagen, der jeden Morgen vorbeifuhr und alle Toten einsammelte, hat auch sie mitgenommen. Wir durften nicht mitgehen und sehen, wo man sie mit vielen anderen in einem Massengrab verscharrte. Wir waren jetzt in aller Not ganz allein unter fremden Menschen. Nach zwei Jahren holten die Kommunisten die wenigen noch am Leben gebliebenen Kinder in ihre Heime. So kamen auch wir drei, da sie uns als Waisenkinder ansahen, in das Kinderheim nach Debeljaca. Hier kamen wir wieder in menschenwürdige Verhältnisse, wir konnten wieder in Betten schlafen. Was aber für uns viel wichtiger war, wir durften uns sattessen.

Ich lebte die erste Zeit in einer ständigen Angst vor dem Ungewissen. Durch die vielen Entbehrungen war ich früh ernst geworden, ja verschlossen und mißtrauisch. Kaum hatten wir uns ein wenig erholt, wurden wir in andere Heime verlegt. Zunächst waren wir nur deutsche Kinder, später mischte man serbische Waisenkinder darunter. Ich kam mit neun Jahren in die serbische Volksschule. Da wir inzwischen schon Serbisch gelernt hatten, wurde auf einmal die deutsche Sprache verboten und ich konnte mit meiner Schwester nur verstohlen an versteckten Plätzen ein paar Worte in unserer Muttersprache sprechen. Wurden wir dabei erwischt, so mußten wir uns harten Strafen unterziehen, entweder bekamen wir kein Mittagessen oder Schläge.

So geriet die deutsche Sprache schließlich in Vergessenheit, bis ich nur noch Serbisch sprechen konnte. Man behandelte uns aber jetzt gut. Man achtete auf unsere Gesundheit und schickte körperlich schwache Kinder auf Erholung. So war auch ich in Serbien bei einer Bauernfamilie und einmal am Adriatischen Meer in Split. Der erste Brief, der von meinem Onkel kam, und in dem wir etwas von unserer Mutter erfuhren, versetzte uns in ein riesiges Glücksgefühl. Nach Jahren gab es wieder einmal Hoffnung und Freude nach unserer Verlassenheit. Nach langem Warten und Hoffen kam ich am 12. Oktober 1950 nach Deutschland zu meiner Mutter. Nach sechs Jahren sah ich sie zum erstenmal wieder.“

Ruskodorf

In Ruskodorf lebten 120 deutsche Familien. Die übrige Bevölkerung bestand ursprünglich aus Ungarn. Sie alle waren arme Leute, die in der Vergangenheit, ohne eigenes Feld zu besitzen, auf den benachbarten Herrschaftsgütern als Hälfte-Bauern und Taglöhner arbeiteten und in schönster Harmonie miteinander lebten. Als nach dem ersten Weltkrieg das Banat von Ungarn abgetrennt und zu Jugoslawien gekommen war, wurden von der jugoslawischen Regierung zahlreiche slawische Kolonisten aus dem Süden des Staates hierher gebracht. Diesen wurden damals die Herrschaftsfelder verteilt, während die Deutschen und Ungarn nichts davon bekamen. Diese neuen slawischen Kolonisten wollten nun, nachdem die Partisanen im Herbst 1944 zur Macht gelangt waren, die deutschen Häuser haben und vernichteten daher alle Deutschen. Schon in den ersten Oktobertagen wurden aus dieser Ortschaft die 20 angesehensten Deutschen, worunter sich auch vier Frauen befanden, in die Nachbargemeinde Cernje getrieben. Dort wurden sie zusammen mit vielen anderen Deutschen in einen Keller eingesperrt und durch Tage hindurch fürchterlich mißhandelt. Am 24. Oktober sind dann die meisten von ihnen in einer Gruppe von 174 deutschen Menschen auf der Schinderwiese von Cernje erschossen worden.

14 deutsche Männer brachte man aus Ruskodorf auch in das Lager nach Kikinda, wo schon sogleich nach ihrem Eintreffen sieben von ihnen getötet worden sind. Eine weitere Gruppe von Männern führte man in das Lager von Julia Major, wo ebenfalls viele zugrunde gingen. Aber auch in Ruskodorf selbst wurde ein großer Teil dieser Deutschen von Partisanen auf grausame Art liquidiert. So wurden am 5. November 1944 der 56jährige Maschinist Matthias Frauenhofer, der 43jährige Landwirt Johann Martin und die 32jährige Maria Rottenbach auf scheußliche Art massakriert. Nachdem ihnen die Partisanen mit Messern allerlei Verstümmelungen beigebracht hatten, wurden ihnen bei lebendem Leibe mit Holzhacken die Arme abgeschlagen und auch die Füße vom Leibe getrennt. Die Wände des Zimmers, in dem diese gräßliche Tat von den Partisanen verübt wurde, waren voll mit Blut bespritzt. Deutsche Frauen, unter denen sich auch Magdalena Schuld, Elisabeth Leitner und die 23jährige Helene Reff befanden, mußten danach auf Befehl der Partisanen das vergossene Blut überall aufwaschen. Die verstümmelten Körper der Genannten wurden sodann in Körbe geworfen, auf einen Wagen verladen, auf den Viehfriedhof gebracht und dort eingegraben.

Auch zehn deutsche Mädchen und fünf Frauen wurden von einem Liquidierungstrupp der Partisanen, bei dem sich eine Gruppe von acht jungen slawischen Kolonisten aus Ruskodorf besonders tierisch hervorgetan hat, in einem Raume des einstigen, der dortigen Gutsherrschaft gehörigrn Kastells, vor den Augen anderer deutscher Frauen auf grausame Art gefoltert, geschändet, vergewaltigt und liquidiert. Den Frauen Katharina Kartje, Fanni Haß, Elisabeth Martin, Margarete Frauenhofer und Anna Reff wurden bei diesen Folterungen mit einer Beißzange die Fingernägel abgerupft, danach auch die Hände und Füße mit Holzhacken abgeschlagen und sie so lange gequält, bis der Tod eintrat. Danach wurden auch sie in den Viehfriedhof gebracht und eingescharrt. Nach dieser Bluttat war die Zimmerdecke über und über mit dem Blute der Opfer bespritzt.

Die übrigen Deutschen, die danach noch in Ruskodorf im Lager waren, sind am 18. April 1945 aus ihrer Heimat fortgetrieben und ins Lager nach Mastort und von dort Ende 1945 ins Lager nach Molidorf gebracht worden. Ein großer Teil ist dort meist durch Hunger zugrunde gegangen. In den Häusern der Deutschen von Ruskodorf aber sitzen jetzt slawische Kolonisten.

Beodra

In Beodra lebten 71 deutsche Familien. Anfang Oktober 1944 brachten die Partisanen 28 deutsche Männer, die größtenteils aus anderen deutschen Gemeinden stammten, hierher. Sie wurden im Stall der Polizei eingesperrt und in der Nacht mit Holzhacken erschlagen. Außerdem wurden zehn deutsche Männer und zwei Frauen aus ihren Wohnungen geholt, im Gemeindearrest eingesperrt, durch 16 Tage hindurch mißhandelt und am 18. Oktober 1944 in der Früh auf dem Gemeindemisthaufen erschossen. Die Leichen wurden auf den Schinderplatz geführt und dort eingegraben. Andere Deutsche sind noch bei anderen Gelegenheiten einzeln erschossen worden. Der Rest kam ins Lager nach Kikinda, Betschkerek und Rudolfsgnad.

Molidorf

In Molidorf, wo früher gegen 1.000 Deutsche wohnten, wurde im Jahre 1945 ein großes Konzentrationslager errichtet. Ungefähr 9.000 Deutsche, meist Frauen und Kinder, aus verschiedenen anderen Banater Gemeinden wurden hierher gebracht. Im Jahre 1946 sind davon gegen 4.000 gestorben. Man ließ sie verhungern. Viele wurden mißhandelt und erschossen. Auch im Jahre 1947 sind hier noch immer deutsche Lagerleute umgebracht worden. So wurden im Monat Januar 1947 bei einer Gelegenheit sogar zwei Kinder von 12 bis 14 Jahren erschossen. Noch im Mai 1947 töteten die Lagerbehörden zwei Frauen aus Soltur, von denen die eine vier und die andere drei Kinder hatte. Ende Mai 1947 wurde dieses Lager aufgelassen. Die überlebenden deutschen Lagerinsassen wurden auf andere Lager aufgeteilt. Noch während der Lagerübersiedlung aus Molidorf wurden unterwegs viele Frauen von den Partisanen geschlagen. Alte kranke Leute, welche nicht transportfähig waren, ließ man, ohne sich um ihr Schicksal weiter zu kümmern, im alten Lager liegen. Sie mußten sterben.


Im Nordosten des Banats: Treibjagd auf deutsche Menschen


Cernje

Die Ortschaft Cernjc (Deutsch-Cernje) lag im Nordosten des jugoslawischen Banats. Ungefähr 3.000 Deutsche lebten hier. Gegen 10.000 Deutsche lebten in der nächsten Umgebung, in den Dörfern Molidorf, Tschesterek, Heufeld, Mastort, Hetin, Ruskodorf u.a.

In Cernje hatten bereits in den ersten Tagen des Monates Oktober 1944 die Partisanen von den Russen die Macht übernommen. Ihre Herrschaft war hier grundlos grausam und blutig. Besonders grausam zeigten sich hier die Zigeuner, die in der Nähe von Deutsch-Cernje eine eigene Siedlung hatten. Die Zigeuner waren arbeitsscheue Menschen, die die überaus fleißigen Deutschen, die es durch ihre Arbeit zu bedeutendem Wohlstand gebracht hatten, wegen ihres Vermögens beneideten. Mit den Serben waren jetzt auch die Zigeuner als Kommunisten und Partisanen zur Macht gekommen. Sie ließen die Deutschen auch ihre Macht fühlen und benahmen sich besonders brutal. Alles, was ihnen gefiel, nahmen sie sogleich den Deutschen weg und wenn sie an einem deutschen Mädchen oder an einer deutschen Frau Gefallen fanden, haben sie, die neuen Herren, an denselben ihre geschlechtlichen Gelüste auszutoben versucht.

Der erste Deutsche, der hier getötet wurde, war Pfarrer Franz Brunet. Er ist bereits am 3. Oktober 1944 aus dem Pfarrhof geholt und ganz grundlos von den Partisanen erschossen worden. Gleich darauf wurden die meisten deutschen Männer durch Partisanenabteilungen aus ihren Häusern geholt. Auch aus den Gemeinden der Umgebung schleppte man sehr viele Deutsche gefesselt hierher. Auch wurden sehr viele deutsche Frauen von auswärts nach Cernje gebracht. Zumeist waren es die wohlhabenderen Frauen und die intelligenteren Deutschen, die hier als erste gefoltert und getötet wurden. Sowie die Transporte hier eintrafen, wurden sie in zwei große Keller eingesperrt und darin durch Wochen festgehalten. Meist in den Abendstunden wurden Gruppen aus den beiden Kellern geholt und stundenlang von Partisanen auf alle mögliche Art mißhandelt und gequält. Jeder Partisane durfte sich jetzt austoben, deutsches Blut fließen lassen und Deutschen Glieder oder Rippen brechen, Zähne einschlagen oder sie auf irgend eine Art liquidieren. Ungeheuer groß ist die Zahl jener deutschen Zivilisten, die von diesen Folterungen nicht mehr zu den anderen im Keller zurückgekehrt sind. Man schaffte sie auf die Schinderwiese und verscharrte sie dort, wie das verreckte Vieh. Sowie die Zahl der Deutschen in diesen Kellern wieder geringer wurde, brachte man immer wieder neue beiderlei Geschlechts hierher, um sie auf die gleiche Art wie die bereits Erschlagenen zu behandeln.

Auch gegen die deutschen Frauen war man hier besonders rücksichtslos und gemein. Man behandelte sie unbeschreiblich tierisch. Eines Abends haben die Partisanen aus dem einen der beiden Keller u.a. auch eine schönere Frau hervorgeholt. Lange hat diese alle möglichen Quälereien durch die Partisanen ertragen müssen. Mit Gewalt wurde sie dann ganz nackt ausgezogen und da sie dennoch nicht nachgab, wurde sie von den lüsternen Partisanen und Zigeunern mit einem heißen Bügeleisen am ganzen nackten Körper gebügelt. Mit schweren Hautverbrennungen am ganzen Körper wurde sie dann von den Partisanen wieder über die Stiege hinab in den Keller gestoßen. Zwei Tage hindurch hat sich diese Frau vor den Augen ihrer Volksgenossen vor Schmerzen auf der Erde gewälzt. Dann erst, nach 2 Tagen, ist sie infolge der Hautverbrennungen im Keller gestorben.

Am 8. Oktober 1944 drang eine Gruppe übermütiger, betrunkener Partisanen in einen dieser Keller ein. Unter ihnen befand sich auch ein besoffener Offizier, der eine Maschinenpistole in der Hand hielt. Die Deutschen mußten alle aufstehen und sich dicht nebeneinander an der Mauer des engen Kellers aufstellen. Der besoffene Offizier schoß in seinem Übermut wahllos und grundlos aus unmittelbarer Nähe in die knapp vor ihm stehende Menschengruppe hinein. Sogleich wälzte sich eine Anzahl Deutscher in ihrem Blute. Manche von diesen, wie z.B. die Landwirte Kampf Anton und Maier Josef aus Cernje, lebten – der eine mit einem Lungenschuß, der andere mit einem Knieschuß – noch einige Tage ohne Verband und ohne ärztliche Hilfe in diesem Keller. Erst am 12. Oktober wurden sie beide von den Partisanen aus dem Keller geholt und vor dem Keller erschossen. Inzwischen nahmen die Folterungen und Einzelliquidierungen der im Keller eingesperrten übrigen Deutschen Tag für Tag und Nacht für Nacht ohne Unterbrechung ihren Fortgang.

Am 22. Oktober – es war Sonntag – mußten alle übrigen Deutschen von Cernje, die noch nicht in den Kellern waren, am Schinderplatz ein großes Massengrab graben. Dasselbe war 25 m lang, 6 m breit und 3 m tief. Am 24. Oktober, an einem Dienstag, wurde von der neuen Gemeindebehörde in allen Gassen von Deutsch-Cernje und in dem Nachbarort Serbisch-Cernje der Bevölkerung öffentlich durch Trommelschlag verkündet, daß alle Deutschen umgebracht werden. Die serbische Bevölkerung und die Zigeuner wurden eingeladen, auf den Schinderplatz zu kommen, um zu sehen, wie die Deutschen öffentlich massakriert werden. Und tatsächlich sind daraufhin an diesem Tage um 2 Uhr nachmittags 174 Deutsche, darunter 50 Frauen, gefesselt aus den Kellern, in denen sie sich seit Wochen befunden hatten, herausgeführt, mit Draht aneinander gebunden und unter ständigen Mißhandlungen und unter Jubelgeschrei der Partisanen und des Zigeunerpublikums auf den Schinderplatz getrieben worden. Durch die ständigen Mißhandlungen waren sie fast alle bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Dort wurden sie alle nackt ausgezogen und in Anwesenheit einer großen Menge von Serben und Zigeunern erschossen. Die Deutschen wurden gefesselt in Gruppen an das Massengrab herangetrieben, dort erschossen und von den Partisanen ins Grab gestoßen. Die Kleider der Getöteten wurden von den neuen Behörden auf einem Wagen nach Cernje zurückgeführt, dort sortiert und an die Serben und die Zigeunerbevölkerung verteilt. Schon am nächsten Tage gingen diese in den Kleidern der getöteten deutschen Männer und Frauen herum.

Kaum war diese Massenhinrichtung beendet, wurde auch schon durch die neuen Behörden in allen Gassen, in welchen noch Deutsche wohnten, verkündet, daß am Abend die übrigen Deutschen abgeschlachtet werden. Bewaffnete Zigeuner liefen von Haus zu Haus und teilten den zurückgebliebenen deutschen Frauen und Mädchen mit, daß sie, die Zigeuner, nun von der Behörde die Macht, das Recht und auch den Auftrag in dieser Gemeinde bekommen hätten, die deutschen Frauen und Mädchen nach Belieben zu vergewaltigen und abzuschlachten. Die damit angekündigte Schändung und nachträgliche Abschlachtung durch die Zigeuner wollten viele Deutsche angesichts der Vorkommnisse kurze Zeit vorher nicht mehr abwarten. In ihrer Verzweiflung haben daher an diesem 24. Oktober 1944 gegen Abend in dieser Ortschaft Cernje nicht weniger als 75 anständige deutsche Menschen, meist Frauen und Mädchen, sich selbst das Leben genommen. Ganze Familien gingen freiwillig in den Tod. Frauen warfen ihre kleinen Kinder in die Brunnen und sprangen selbst nach, andere Mütter nahmen ihre Kinder, hängten diese auf und erhängten sich selbst daneben. Auch der alte Bürgermeister Peter Stein hat mit seiner Frau Susanne Selbstmord begangen. Johann Goldscheck war auf die vorher geschilderte Art getötet worden. Seine Frau und Schwiegertochter wurden darauf in Anwesenheit zweier ihrer Kinder von Zigeunern vergewaltigt. Gleich darauf haben sich deshalb alle vier das Leben genommen. Die Frau des Kaspar Rottenbach, namens Eva, die Frau seines Sohnes Johann, namens Maria, und die Mädchen dieser beiden im Alter von 20 bzw. 22 Jahren wurden ebenfalls von Zigeunern vergewaltigt. Darauf begingen alle sechs Selbstmord. Sie hängten sich auf dem Dachboden ihres Hauses in einer Reihe auf. Das sind nur einzelne Beispiele. Sie lassen darauf schließen und sie beweisen, wie ungeheuer grausam das neue volksdemokratische Regime der kommunistischen Partisanen und Zigeuner in dieser Ortschaft gewütet hat.

Nachdem in den Todeskellern von Cernje, wohin aus den Gemeinden der Umgebung täglich noch immer neue Opfer gebracht worden waren, schon sehr viele liquidiert waren, wurden die Übriggebliebenen am 25. Oktober aus den beiden Kellern hervorgeholt. Es waren noch 480 lebendige Deutsche, darunter 30 Frauen. Diese alle wurden wieder mit Stricken und Draht aneinander gebunden und von schwer bewaffneten Partisanen unter ständigen Schmähungen und Mißhandlungen auf das benachbarte landwirtschaftliche Gut „Julija Major“ getrieben. Von dort aus sollten sie auf verschiedene schwere Zwangsarbeiten geführt werden. Auch da wurden bei den verschiedensten Gelegenheiten, einzeln oder in Gruppen, noch viele auf die grausamste Art getötet.

So wurden am 15. und 16. November 1944 hundert Deutsche auf einmal erschossen. Darunter befanden sich 67 Bauern aus der rein deutschen Ortschaft Stefansfeld und 33 Deutsche aus Pardanj. Diese Erschießung erfolgte auf Anordnung einer serbischen Frau, einer Partisanin. Ihr Mann hatte sich im Jahre 1941 als Einzelner mit der Waffe in der Hand den in das Land einrückenden deutschen Truppen entgegengestellt, hatte auf sie geschossen und war im Kampf gefallen. Dafür wollte seine Frau jetzt nachträglich das Blut von hundert wehrlosen, unbewaffneten deutschen Zivilisten fließen sehen und hat diesen ihren Willen auch durchgesetzt.

Unter den in den Kellern eingesperrten deutschen Zivilisten befanden sich auch deutsche Flüchtlinge aus Rumänien und ein kriegsgefangener deutscher Offizier namens Hans Konrad aus Hatzfeld. Dieser war infolge der körperlichen Verletzungen, die er bei den Folterungen durch die Partisanen erlitten hatte, arbeitsunfähig geworden. Aus diesem Grunde wurde seine Liquidierung von den Partisanen angeordnet. Im Lager selbst befand sich auch seine Frau. Als er zum Erschießen geführt wurde, verließ sie ihre Arbeitsgruppe und eilte zu ihm. Sie erreichte ihn gerade, als man ihn erschießen wollte. Sie hängte sich in ihm ein und erklärte, sich von ihm nicht trennen zu wollen. Sie wurden beide gleichzeitig erschossen, obwohl sie keine jugoslawischen Staatsbürger gewesen sind. Dies geschah am 9. November 1944. Am selben Tage wurden insgesamt 11 Personen liquidiert. Es waren dies meist Kranke und solche, die durch die Folgen und Verletzungen von Mißhandlungen arbeitsunfähig geworden waren. Der Lagerkommandant, der diese Erschießungen angeordnet hatte, stammte aus Ban. Karadjordjevo. Er hatte schon vorher in Kikinda zahlreiche Deutsche erschossen und sich später dieser Taten in „Julija Major“ gerühmt.

In der kalten Silvesternacht 1944/45 wurden alle deutsche Lagerinsassen gegen Mitternacht aus ihren Unterkünften gejagt. Sie mußten zuerst lange im Schnee und in der Kälte im Freien stehen und warten, dann auf Befehl der Partisanen ungefähr eine Stunde lang im Schnee „auf und nieder“ machen. Wer aber nicht schnell genug jedesmal auf- und niedersprang, wurde fürchterlich geschlagen. Auch die Frauen mußten diese nächtlichen Übungen mitmachen. Eine schwangere junge deutsche Frau namens Theresia Moll aus Tschesterek, die Gattin eines aus Rumänien stammenden deutschen Offiziers, ist trotz ihrer rumänischen Staatsbürgerschaft und ihres Hinweises auf ihren Zustand gezwungen worden, die ganze Zeit in der Kälte und im Schnee mit allen anderen Männern und Frauen dieselbe Übung zu machen. Sie hat bald nach diesen Quälereien ein Kind geboren, das aber gleich gestorben ist.

Diese Folterung wurde von den Partisanen damit begründet, daß in derselben Silvesternacht über den Rundfunk ein deutscher Minister eine Rede hielt, und so lange diese Rede dauerte, sollten im Lager die wehrlosen deutschen Zivilisten, Männer und Frauen, einer Massenquälerei unterworfen sein. Am 18. April 1945 sind dann auch die letzten Deutschen, die noch da und dort in der Ortschaft Cernje am Leben geblieben waren, aus ihren Häusern vertrieben und ins Konzentrationslager verbracht worden. Schon am 19. April wurden unter diesen wieder 22 alte Leute, die nicht mehr arbeiten konnten, ausgewählt, abends aus dem Lager getrieben und ohne Grund und ohne Verfahren, nur deshalb, weil sie alt und arbeitsunfähig waren, am Schinderplatz erschossen. Oft sind auch an den folgenden Tagen zur Nachtzeit deutsche Frauen und Männer herausgeholt und grundlos umgebracht worden. Auch viele junge Frauen sind in der Nacht fortgeführt worden und für immer verschwunden. Die meisten von ihnen sind wohl am Schinderplatz in Cernje begraben.

Karoline Bockmüller aus Deutsch-Czerne berichtet:

„Am 4. Oktober 1944 morgens gegen 8.30 Uhr zogen russische Truppe durch meinen Heimatort Deutsch-Czerne gegen Westen. Am Nachmittag des gleichen Tages folgten ihnen russische Gruppen, welche in Rumänien in Gefangenschaft gewesen waren. Sie waren nur zum Teil bewaffnet und verblieben in Czerne einige Tage. Gegen Abend nach ihrer Ankunft gingen sie unter Anführung von einheimischen serbischen Partisanen von Haus zu Haus und plünderten, was sie nur finden konnten: Schmuck, Geld, Wäsche, Kleider, Radioapparate usw. In der Nacht wurden mehrere Frauen und Mädchen von Russen, Partisanen und Zigeunern, die alle stark angeheitert waren, vergewaltigt. Mir sind folgende Fälle bekannt: Eva B., ein 9 Jahre altes Mädchen. Sie wurde dabei schwer verletzt, da sie von neun Männern barbarisch vergewaltigt wurde. Sie war in Ohnmacht gefallen und man konnte ihre Füße nicht mehr gerade biegen. Daraufhin erhängte ihre eigene Mutter zuerst sie, dann sich selbst.

Vergewaltigt wurden die Schwestern Maria und Susanne Rottenbach sowie Sophie B., welche später auch ein Kind bekam. Von sechs Mann vergewaltigt wurde Therese Hönig und so schwer verletzt, daß sie nicht mehr gehen, sondern nur noch am Boden rutschen konnte. Desweiteren wurden vergewaltigt: Katharina und Gertraut Goldscheck. Therese Hönig und ihre Mutter sowie die Schwestern Goldscheck und Rottenbach erhängten sich am nächsten Tag auf dem Dachboden. Lebend blieb von den vergewaltigten Frauen und Mädchen nur Sophie B.

Am 5. Oktober gingen dann Gruppen einheimischer Zigeuner im Ort herum und riefen in jedes deutsche Haus hinein, daß sämtliche Einwohner auf der Hutweide zu erscheinen haben, wo sie dann erschossen werden. Zigeuner und Partisanen gingen auch in die Häuser und holten eine Anzahl Männer sowie jene Frauen, deren Männer eingerückt waren, und sperrten sie in den Gemeindekeller. Auf diese Nachricht hin haben sich in Deutsch-Czerne 54 Personen, Männer, Frauen und Kinder erhängt, vergiftet oder sie sind in die Brunnen gesprungen und haben sich ertränkt.

Am 7. Oktober 1944 wurde unser Ortspfarrer, Franz Brunnet, von den Partisanen abgeholt und auf das Gemeindeamt geführt. Dort wurde er zusammen mit vier anderen Männern so schwer verprügelt, daß sie nicht mehr gehen konnten. Da forderten die Partisanen den Pfarrer auf, er möchte doch fortspringen; wenn er über den Zaun springen könne, bliebe er am Leben. Der Pfarrer begann mit dem Aufgebot seiner letzten Kraft zu laufen und versuchte den Zaun hinaufzuklettern. Als er fast oben war, schossen ihn die Partisanen herunter. Die übrigen Männer, die mit dem Pfarrer verprügelt wurden, hat man, nachdem der Pfarrer tot war, erschlagen. Nachher wurde die Pfarrköchin, Frau Klementine, geholt, welche das Blut wegwaschen mußte. Andere Frauen, die täglich zu Reinigungsarbeiten auf das Gemeindeamt kamen, mußten den Pfarrer und die erschlagenen Bürger am Schinderplatz begraben. Im Gemeindekeller von Czerne waren außer den Männern aus Deutsch-Czerne noch in größerer Zahl eingesperrt deutsche Männer aus den umliegenden Ortschaften: Stefansfeld, Setschanj, Heufeld, Mastort usw.

Am 8. oder 9. Oktober 1944, genau weiß ich es nicht mehr, bat ein gewisser Franz Hoffmann einen Partisanen im Gemeindekeller, er möchte ihn doch erschießen, da er die Qualen, die die Männer im Keller erdulden mußten, nicht mehr länger ertragen könne. Der Partisane schoß ihn nieder, daraufhin erhoben sich mehrere Männer und baten ebenfalls, man möge sie erschießen. Ein Partisane schoß nun mit der Maschinenpistole über die Männer weg und traf drei Mann: Peter Weissmann, Nikolaus Tabar und Josef Mayer, sie waren aber nicht gleich tot, sondern nur schwer verletzt und wurden dann noch lebend am Schinderplatz begraben.

Männer und Frauen, die im Gemeindekeller eingesperrt waren, wurden jede Nacht aus dem Keller geholt und verprügelt, aber auch im Keller selbst mißhandelt. Es waren auch Kinder von 15 Jahren dabei. Sie waren durch die schweren Mißhandlungen so entstellt, daß wir sie, als sie zwei und zwei aneinandergebunden von den Partisanen zum Erschießen auf den Schinderplatz geführt wurden, nicht mehr von Angesicht erkennen konnten, nur noch an der Stimme oder an den Kleidern, die ihnen meist in Fetzen vom Körper herunterhingen.

Die Erschießungen dauerten vom 12.10. bis 7.11.1944. Jeden Tag wurden einige erschossen, die letzten am 7.11.1944, dann wurde das Massengrab zugemacht. Nach den einzelnen Erschießungen wurde über die Leichen nur Kalk geschüttet. Vor jeder Erschießung ließen die Partisanen austrommeln, daß jedermann den Hinrichtungen zusehen könne. Die Opfer mußten sich am Schinderplatz nackt ausziehen, vor das Massengrab treten, wo sie dann den Genickschuß erhielten und in das Massengrab fielen. Manche von den Erschossenen waren nicht gleich tot, sondern jammerten noch den ganzen Tag und oft auch noch die Nacht hindurch, bis der Tod sie erlöste. Unser Schullehrer, Franz Kremer und Hans Goldscheck sowie Katharina Schillinger wurden von den Partisanen und Zigeunern vom Gemeindekeller bis zum Schinderplatz an den Kopfhaaren geschleift und jammerten dabei fürchterlich. Frau Schillinger war von dem empfangenen Schuß nicht gleich tot, sie jammerte noch am nächsten Tag und kroch im Massengrab herum. Da bekamen die Zigeuner den Auftrag, sie mit Schaufeln und Spaten zu töten, was sie dann auch durchführten. Das Massengrab war ungefähr 29 Meter lang, 10-15 Meter breit und so tief, daß drei Lagen Tote übereinander geschichtet wurden. Aus Deutsch-Czerne allein wurden, soweit ich mich erinnern kann, folgende Männer und Frauen erschossen und in diesem Massengrab am Schinderplatz bestattet (Frau Bockmüller zählt 52 Namen auf). An alle kann ich mich nicht mehr erinnern.

Am 27.11.1944 mußten wir arbeitsfähigen Männer und Frauen uns zur Arbeit melden. Es wurden drei Gruppen gebildet. Eine Gruppe von Männern und Frauen kam in die Hanffabrik, die zweite mußte aufs Feld und die dritte, die hauptsächlich aus älteren Leuten bestand, mußte Aufräumungsarbeiten verrichten, Möbel oder Getreide aus den deutschen Häusern verladen. Auf der Arbeit, sowohl am Felde wie in der Hanffabrik oder auch in den Häusern, wurden die Leute von den Partisanen ständig angetrieben, geschlagen, und es wurde ihnen mit Erschießung gedroht, wenn sie nicht genügend Arbeit leisten würden. So mußte auch meine 70jährige Mutter, Katharina Bockmüller, Möbel verladen. Einmal, als sie einen schweren Kasten nicht aufheben konnte, wurde sie von den Partisanen und Zigeunern so geschlagen, daß sie in Ohnmacht fiel.

Am 27.12.1944 Nachmittag wurde ausgetrommelt, daß sich alle Mädchen und Frauen vom 18. bis 30. Lebensjahr sowie die Männer und Burschen vom 18. bis 45. Lebensjahr am nächsten Morgen um 4 Uhr am Gemeindehaus melden müssen. Mitzubringen sind Lebensmittel für 14 Tage und Wäsche zum Wechseln. Diese Leute wurden dann in Viehwaggons verladen, die Fenster und Türen der Waggons verschlossen, und der Transport mit 80 Mädchen und Frauen und 35 Burschen und Männern ging nach Rußland ab. Wie ich von meinen Angehörigen erfahren habe, spielten sich am Bahnhof herzzerreißende Szenen ab; die Eltern durften sich von ihren Kindern nicht verabschieden und waren ganz verzweifelt. Ich selbst war damals krank und mußte liegen.

Gegen Ende Februar 1945 mußten wir jüngeren Frauen, die noch zu Hause geblieben waren, die Leichen derjenigen, die sofort nach dem Einmarsch der Partisanen sich erhängt oder vergiftet hatten, und damals, weil niemand von uns auf die Straße gehen durfte, nur in den Gärten begraben worden waren, ausgraben und in einem Massengrab am Friedhof bestatten. Die Leichen waren zum Teil schon verwest, und wir mußten sie aus den Löchern mit Spitzhacken herausziehen, wobei einzelne Körperteile abrissen. Die Partisanen wollten, daß wir die Leichen mit den Händen ausscharren, doch haben Serben von Serbisch-Czerne das verhindert.

Am 18.3.1945 kam ich mit weiteren vier Frauen aus Czerne nach der Luise-Pusta bei Etschka. Hier war ein Arbeitslager von ca. 100 Frauen und 50 Männern aus den verschiedenen Gemeinden des Banats untergebracht. Ich wurde mit 19 anderen Frauen in einem Raum von 5 x 5 Meter untergebracht. Wir mußten auf dem Fußboden (mit etwas Stroh bestreut) schlafen, der nicht mit Brettern belegt, sondern gestampfte Erde war. Auch war keine Heizmöglichkeit vorhanden und das ganze Haus war voll Ungeziefer (Ratten, Mäuse etc.). Zum Waschen und Reinigen mußten wir zum nächsten Bach gehen und hatten auch keine Seife oder Waschmittel, da die Partisanen uns diese gleich weggenommen haben. Zum Essen gab es: Um 7 Uhr früh einen halben Liter eingebranntes Wasser, ohne Fett und ohne Salz, 100 bis 150 Gramm Maisbrot; mittags gab es, alle zwei Monate abwechselnd, Bohnen- oder Erbsensuppe ohne Salz und ohne Fett und 100 bis 150 Gramm Maisbrot. Zum Abendessen gab es dasselbe wie zu Mittag. Wir arbeiteten ausschließlich am Felde, und zwar von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Wir wurden bei der Arbeit ständig getrieben und geschlagen.

Im September 1945 kam ich mit noch weiteren 20 Frauen nach Elisenheim, wo wir das Vieh zu versorgen hatten. Wir wurden alle in einem Haus untergebracht und schliefen auf etwas Stroh auf dem Fußboden. Der Kommandant war hier zu uns gut, er kaufte aus eigenem Geld zuzügliche Lebensmitte, weil er nicht zusehen wollte, daß wir bei unserer schweren Arbeit so schwaches Essen bekommen und hungern müssen. Hier in Elisenheim habe ich mich entschlossen, zu flüchten, d.h. nachzusehen, wo meine Tochter ist, wurde jedoch von einer Kroatin verraten und strafweise nach dem Fischteich in Etschka versetzt.

Am 10.5.1946 flüchtete ich dann mit einer Lagerinsassin gemeinsam nach Rudolfsgnad, weil ich erfahren hatten, daß sich meine 17jährige Tochter dort befinde und daß sie einen Knaben geboren habe. Als ich in Rudolfsgnad ankam, erfuhr ich, daß meine Tochter Maria am 8. April 1946 und ihr 12 Monate altes Kind einige Zeit nachher, beide an Hunger gestorben waren. Ich mußte mich in Rudolfsgnad bei der Lagerkommandantur anmelden und wurde in einen Raum mit noch ca. 20 Erwachsenen und 10 Kindern eingewiesen. Auch da schliefen wir auf etwas Stroh auf dem Fußboden. Einige im Raum waren an Wassersucht erkrankt und waren ganz aufgeschwollen. Sie starben bald nachher. Das Essen war dasselbe wie in den übrigen Lagern. Nur diejenigen, die zur Arbeit gingen, bekamen noch einen Schöpflöffel Polenta dazu.

Sofort nach der Aufnahme meldete ich mich zur Arbeit und mußte im Wald Holz hacken und Rohr schneiden für die Lagerbäckerei. Am 8. Mai 1947, als mein Enkel gestorben war, flüchtete ich aus dem Lager Rudolfsgnad noch Molidorf, um meine Mutter zu suchen. Dort erfuhr ich, daß meine Mutter und meine Tante im Lager verhungert sind. Aus meiner Verwandtschaft starben den Hungertod oder wurden erschossen: insgesamt 56 Personen. Bei meiner Ankunft im Lager waren fast alle Lagerinsassen krank, sie saßen im Hof unter den Bäumen oder lagen im Hof und in den Gärten herum, wo sie dann auch verschieden sind. Sie jammerten vor Hunger und Schmerz und boten einen unbeschreiblich traurigen und trostlosen Anblick. Sogar diese armen, sterbenden Menschen wurden von den Partisanen noch geschlagen und getreten, so oft sie an ihnen vorbeigingen. Am 20. August 1947 flüchtete ich aus dem Lager Molidorf, da das Leben dort immer unerträglicher wurde, nach Rumänien. Hier fand ich meinen Onkel und meine Tante, mit denen ich dann im Januar 1948 über Ungarn nach Österreich und von da nach Deutschland flüchtete.“

Stefansfeld

Über das Schicksal der Bewohner seiner Heimatgemeinde Stefansfeld berichtet Jakob Bohn:

Eidesstattliche Erklärung:

Ich Unterfertigter Jakob Bohn, wohnhaft in Studenzen 80, Oststeiermark, geb. am 6.3.1909 in Stefansfeld, Banat, erkläre hiermit an Eides statt: Gegen Abend am 30. September 1944 ist die Rote Armee von Rumänien über Modosch kommend in meinem Heimatort Stefansfeld einmarschiert. Serbische Partisanen übernahmen alle Ämter und herrschten nach ihrem Willen. Es wurden, nebst Enteignung von Grund und Boden und dem Raub von sonstigem Privateigentum viele Greueltaten begangen. Nach meinen Aufzeichnungen und den namentlich erfaßten 2.807 Einwohner aus meiner Heimatgemeinde wurden vom 30. September 1944 bis zur Auflösung der Lager 1948, 752 Personen vernichtet, es sind 646 Personen in verschiedenen Lagern gestorben, teils verhungert. 6 Personen verübten Selbstmord, 69 wurden erschossen, weitere 23 Personen sind noch vermißt, die zu den Toten hinzugezählt werden können und 8 Personen sind – von den 135 Personen die nach Rußland in die Kohlengruben deportiert wurden – dortselbst gestorben.

Dies ist die traurige Bilanz meiner Heimatgemeinde. Auch ich war mit den 135 Personen mit dabei. Der Abtransport aus dem berüchtigten Lager Nr. 1 aus Groß-Betschkerek erfolgte am 28.12.1944. Am 4. Oktober wurde ich in obiges Lager eingeliefert. Es fanden laufend Liquidierungen statt. Die größte Anzahl bei den Liquidierungen waren in einer einzigen Nacht 172 Leute. Ich selbst wurde durch das Eingreifen von einflußreichen Serben davon bewahrt. Über die verschiedenen Versionen vom Verbleib des ehemaligen Obmanns des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes Johann Keks, kann ich folgendes berichten: J.Keks wurde in der zweiten Hälfte Oktober 1944 in unser Lager eingeliefert. Er wurde mehrmals schwer mißhandelt. Mein Landsmann Dr. Peter Awender, der mit mir das Strohlager teilte, war sozusagen der Lagerarzt. Eines Abends im November berichtete er mir, daß er gerade von J.Keks komme, der mit einer Blutvergiftung durch eine Phlegmone schwer krank darniederliege und die Nacht kaum mehr überleben werde. Auch berichtete er mir was ihm J.Keks mit schwerem Herzen erzählte. Bevor die Rote Armee in Betschkerek einmarschierte hat ihn der Volksgruppenführer Sepp Janko besucht und ihm nahegelegt sich noch rechtzeitig nach dem Westen abzusetzen. Er aber habe Dr. Janko erklärt, er wird verbleiben, er sei schon ein alter Mann und es wird ihm wohl schon kaum etwas passieren. In Wirklichkeit aber wurde er schon vorher von einigen serbischen bürgerlichen Persönlichkeiten ersucht zu verbleiben, um so wie sich es die Serben vorgestellt hatten, als Vertreter der Deutschen zu fungieren. Nun aber sieht er woran er ist. Seine Gutgläubigkeit den Serben gegenüber und seine Unaufrichtigkeit Dr. Janko gegenüber, muß er nun mit dem Leben bezahlen. J.Keks ist noch in der gleichen Nacht gestorben. Es war sonst die Regel alle die bei Nacht gestorben oder erschlagen wurden, noch vor dem Morgengrauen zu verscharren. Mit Keks machten sie eine Ausnahme. Erst um 9 Uhr wurde er zum Verscharren freigegeben. Josef Awender aus Ernsthausen und ich haben uns freiwillig gemeldet und haben ihn gegenüber vom serbischen Friedhof begraben. Seine Kleidung durfte ihm anbelassen bleiben.

Unterschrift: Jakob Bohn, Feldbach, am 23. Juli 1974

 


Im Bezirk Groß-Betschkerek herrschte tödliches Grauen


Betschkerek

Groß-Betschkerek war die Hauptstadt des jugoslawischen Banats. Gegen 35.000 Menschen lebten in dieser Stadt. Die Deutschen bildeten hier ungefähr ein Drittel der Stadtbewohner. Aus Serben, Ungarn, Slowaken, Rumänen und Bulgaren bestand die übrige Bevölkerung. Die wohlhabendsten Landwirte aber waren die Deutschen. Sie waren die tüchtigsten und fleißigsten gewesen und hatten sich auch das meiste und das beste Feld erworben.

Hier hatte sich am 2. Oktober 1944, dem Tage, an welchem die Russen eingerückt waren, eine einheimische serbische Regierung konstituiert, die aber schon am 10. Oktober wieder umgebildet wurde. Es kamen kommunistische Partisanen-Verbände aus Syrmien hin und rissen die Macht an sich. Schon gleich am 10. Oktober, dem ersten Tage ihrer Regierung, an einem Dienstag, haben diese neuen Herren ganz ohne Grund in den frühen Morgenstunden den westlichen Teil der Stadt, jene Gassen, in welchen hauptsächlich die deutschen Landwirte ihre geschlossenen Siedlungen hatten, von allen Seiten abgesperrt. Bewaffnete Partisanengruppen, denen auch Frauen in Partisanenuniform angehörten, gingen von Haus zu Haus. Sie legitimierten die gesamte Bevölkerung dieses Stadtteiles, und wo sie einen deutschen Mann oder Jüngling gefunden zu haben glaubten, wurde er sofort aus dem Hause getrieben. „Bist du ein Deutscher?“ war die einzige Frage, welche die Betreffenden jedesmal zu beantworten hatten, und wenn er es war, bestand der darauf folgende Befehl nur noch aus drei Worten und diese lauteten: „Fesseln und erschießen!“ Damit war das Verfahren auch zu Ende. Alle diese deutschen Zivilpersonen wurden dann unter gräßlichen Mißhandlungen und Gewehrkolbenstößen in den serbischen Stadtteil geschleppt. Es waren gegen 300 an der Zahl. In der „Takovska-Gasse“, in der sogenannten „Dolja“, trieb man sie zusammen. Im Hofe eines dort stehenden Hauses mußten sie sich ausziehen. Dann wurden sie aus dem Hof, jedesmal in Gruppen zu zehn, auf die Gasse getrieben. An einer Gassenseite befand sich dort eine lange Ziegelmauer. Vor diese mußten sie sich hinknien und wurden von rückwärts erschossen. Darauf brachten die Partisanen Wagen herbei und warfen die toten Deutschen darauf. Am Ortsrande der Stadt, dort wo sich vor dem ersten Weltkrieg, als das Land noch zu Ungarn gehörte, die Militärschießstätte befand, hatten die Partisanen bereits vorher ein großes Loch graben lassen. In dieses warfen sie alle 300 Toten hinein. Unter den Opfern dieses Tages befand sich auch ein 14jähriger Knabe, dessen Vater dann einige Tage danach mit seinem Schwager ebenfalls erschossen wurde.

An den darauffolgenden Tagen wurden auch die meisten Deutschen der übrigen Stadtteile aus ihren Wohnungen vertrieben. Man brachte sie in verschiedene Lager. Für eines davon wurde eine alte Mühle am Nordrande der Stadt ausersehen. Auch aus den Gemeinden der Umgebung wurden Tausende von Deutschen hierher in diese Mühle geschleppt. Auch 60 deutsche Kriegsgefangene und Hunderte von deutschen Männern, Kindern und Frauen aus Rumänien, die vor den Russen nach dem Westen geflüchtet waren, aber nicht mehr weiter gekommen sind, sperrte man mit den Groß-Betschkereker Deutschen hier ein.

Gleich beim Eingang in das Gebäude dieser alten Mühle befand sich ein kleiner Raum. Dieser wurde von den Partisanen als Folterkammer eingerichtet. Jede Nacht, wann immer eine Partisanengruppe Lust empfand, deutsches Blut zu sehen und deutsche Menschen umzubringen, wurden diese in Gruppen oder einzeln aus den übrigen Räumen dieses Vernichtungslagers in diese Folterkammer geholt. Schon in der ersten Nacht massakrierten die Partisanen 25 Männer, einen nach dem anderen. Man schlug ihnen zuerst die Zähne ein, brachte ihnen dann mit Gewehrkolbenstößen von rückwärts Nierenverletzungen bei, brach ihnen durch Kolbenhiebe das Schlüsselbein, warf sie zu Boden, sprang ihnen mit aller Wucht auf den Bauch, brach ihnen die Rippen und töteten sie schließlich, wenn sie noch immer lebten, durch Einschlagen der Köpfe mit Gewehrkolben oder Stöcken. Sehr häufig geschah dies während andere Partisanen hierzu Musik machten oder Lieder sangen und je lauter die Opfer jammerten, desto lauter wurde gesungen und desto stärker die Ziehharmonika gespielt. Einer der ersten, an dem die Partisanen diese Experimente ausprobierten, war der Lehrer Hermann aus Kikinda und dann der Kaufmann Julius Bock aus Groß-Betschkerek, zwei besonders groß gewachsene, starke Männer. Auch der Gutsbesitzer und einstige Obmann des „Schwäbisch-deutschen Kulturbundes“, Johann Keks, wurde erschlagen. Auch von den 60 deutschen Kriegsgefangenen, die mit den deutschen Zivilisten zusammen eingesperrt waren, wurden ohne Rücksicht auf ihre deutsche Staatsbürgerschaft in kurzer Zeit alle bis auf 26 von den Partisanen getötet. Auch die meisten rumänischen Flüchtlinge männlichen Geschlechtes, darunter auch ein deutsches Kind namens Minges Walter aus Detta, wurden, obwohl die Partisanen wußten, daß sie keine jugoslawischen Staatsbürger waren, getötet. Bei der Ermordung des erwähnten Kindes, die von den Partisanen bei Tag wie ein Zirkusspiel mitten im Lagerhof vorbereitet und vorgeführt wurde, mußten alle Lagerinsassen, insbesondere aber alle Frauen, gegen 400 an der Zahl, antreten und waren gezwungen, zuzuschauen, wie man deutsche Kinder liquidiert.

Sehr oft fanden in diesem Lager Massenerschießungen in Gruppen bis zu 150 Menschen und darüber statt. Alles dies geschah nur deshalb, um die Zahl der Deutschen, deren Habe die Partisanen bereits im Besitz hatten und in deren Häuser sie bereits eingezogen waren, zu vermindern und die Eigentümer aus der Welt zu schaffen. In allen diesen Fällen wurden die Opfer ganz willkürlich ausgewählt. Sie mußten sich im Lagerhof von den anderen getrennt aufstellen, wurden dann mit Draht aneinander gebunden und von den Partisanen fürchterlich geschlagen. Darauf wurden sie aus dem mit Stacheldraht umgebenen Lager hinausgetrieben und meist in die Nähe der früheren Militärschießstätte gebracht. Dort mußten sie ein großes Loch graben. Manchmal hatten dies sogar schon Tage zuvor andere deutsche Lagerinsassen für die Erschießung vorbereiten müssen. Dann mußten sie sich nackt ausziehen, in Gruppen von 10 bis 20 Menschen an das Grab herantreten oder sich schon gleich auf die anderen Toten in das Grab hineinlegen und wurden dann erschossen. Wer zögerte, wurde geschlagen oder mit Bajonetten gestochen. Diese Massengräber wurden dann vielfach nur ganz oberflächlich mit Erde zugeworfen. Die Kleider der Getöteten aber wurden von den Partisanen mit Wagen in die Stadt gefahren und verhandelt. Schon tags darauf gingen die Anhänger der Partisanen in den Kleidungsstücken dieser liquidierten deutschen Menschen in der Stadt herum.

Die erste derartige Erschießung hat bereits am 12. Oktober 1944 stattgefunden. 75 deutsche Zivilpersonen sind damals auf einmal aus dem Lager hinausgeführt und getötet worden. Am 14. Oktober war schon die nächste Massenerschießung mit ebenso vielen Opfern. So ging es weiter fast jeden zweiten Tag. Am 20. Oktober ist in einer Gruppe von 70 Groß-Betschkereker Bürgern auch der frühere deutsche Abgeordnete und Notar, Dr. Julius Elmer, nach fürchterlichen Mißhandlungen erschossen worden. Bei der Erschießung vom 29. Oktober, bei der in zwei Partien insgesamt 154 Männer getötet wurden, sind auch der frühere deutsche Abgeordnete Prof. Peter Heinrich aus Hatzfeld und der Maler Johann Eck ums Leben gekommen.

An einem anderen Tage mußten alle Lagerinsassen antreten. Es wurden alle diejenigen aufgefordert vorzutreten, welche höhere Schulen absolviert hatten. Akademiker, Meister, Kaufleute oder Menschen mit größerem Vermögen. Man stellte ihnen leichtere Arbeit in Aussicht. Manche meldeten sich, da sie nichts Böses ahnten. Kaum war dies geschehen, wurden sie sogleich von den übrigen abgesondert, mit Draht aneinander gefesselt, gräßlich mißhandelt, zur Schießstätte getrieben, nackt ausgezogen und erschossen. Gegen 60 deutsche Zivilpersonen sind diesmal getötet worden. In seiner Verzweiflung angesichts der ständigen Folterungen hat ein junger deutscher Zivilist Selbstmord verübt. Er sprang auf dem Heimweg von der Zwangsarbeit von der Brücke in den Bega-Fluß und ertrank sogleich, denn es war Winter. Dies haben die Partisanen zum willkommenen Anlaß benützt, um sogleich nach dem Eintreffen in das Lager noch andere 30 deutsche Zivilpersonen als Strafe für diesen Selbstmord zu erschießen.

Einen sehr grausamen Akt der Partisanen bildete am 17. November 1944 die Ermordung von 60 Kranken. Es wurde an diesem Tage verkündet, daß diejenigen, die krank oder bei der Zwangsarbeit Unfälle erlitten hatten, ins Spital gehen könnten und sich zu diesem Zweck sogleich melden sollten. 60 Arbeitsunfähige wurden sogleich abgesondert und in einem Raum eingesperrt. In der Nacht mußten sie dann ihre Kleider ausziehen und wurden dann in Gruppen von je 10 Personen in den Lagerhof getrieben. Dort wurden sie von einer großen Gruppe von Partisanen in der Finsternis erwartet und sogleich an Ort und Stelle mit Schaufeln durch Kopfhiebe der Reihe nach erschlagen. Italienische Kriegsgefangene mußten die erschlagenen nackten Deutschen auf bereitgehaltene Wagen werfen, aus dem Lager hinausführen und eingraben. Der Lagerhof aber war noch am nächsten Morgen über und über mit Blut bespritzt.

Auf ähnliche Weise sind auch nachher öfter die Kranken in diesem Lager gruppenweise getötet worden. Am 25. November 1944 war es eine Gruppe von 54 Kranken, die alle gleichzeitig von den Partisanen erschossen worden sind. Ein anderes Mal waren es 70, wieder ein anderes Mal 35 usw. Sehr groß aber war auch die Zahl jener, die in diesem Lager einzeln getötet wurden. Am 29. November 1944 in der Nacht ist so als Einzelner, nur weil er wegen seines hohen Alters von 85 Jahren nicht mehr schwer arbeiten konnte, der pensionierte deutsche Schuldirektor und frühere Schriftleiter der deutschen Zeitung „Neue Zeit“, Stefan Kaufmann, aus dem Lagergebäude geholt und im Lagerhof von Partisanen getötet worden. Er wurde im Lagerhof selbst eingegraben.

Die meisten anderen aber, die nicht in Gruppen getötet, sondern von den Partisanen einzeln im Lager erschlagen oder erschossen wurden oder aber verhungert oder durch Krankheit zugrunde gegangen sind, wurden gleich tags darauf in unmittelbarer Nähe des Lagers, außerhalb des Stacheldrahtes auf einer Hutweide eingegraben oder in den Straßengraben geworfen und nur mit etwas Erde zugedeckt, so daß vielfach Schweine und Hunde die halbverwesten Leichen wieder an die Oberfläche ziehen konnten.

Die Opfer aber wurden durchaus nicht immer tot begraben. Viele wurden in das Grab gestoßen auch wenn sie noch Zeichen des Lebens von sich gaben. Wiederholt haben Schwerverwundete sogar noch gebeten, ihnen noch einen Schuß zu geben. Einmal war ein deutscher Mann bei einer am Abend stattgefundenen Massenerschießung nach den abgegebenen Schüssen nur verwundet mit den übrigen in das Grab gestürzt. Während der Nacht kam er wieder zu sich, kroch durch die dünne, daraufgeworfene Erdschicht wieder heraus und saß am nächsten Morgen ganz nackt, aber noch lebend, am Rande des Massengrabes. Vorbeigehende Zivilpersonen bat er, ihm zu helfen. Diese meldeten es aber dem Lagerkommandanten. Der schickte sogleich einige Partisanen, die den Schwerverwundeten töteten.

Aus dem Groß-Betschkereker Lager wurden sehr oft große Gruppen von Männern nach auswärts auf schwere Zwangsarbeit geschickt. Sehr viele wurden auch bei solchen Gelegenheiten von den Partisanen erschlagen oder erschossen. Am Pfingstmontag, den 20. Mai 1945, schickte man z.B. 75 Männer unter Begleitung einer großen Zahl schwerbewaffneter Partisanen in den Steinbruch nach Beotschin in Syrmien. Dieser Marsch war begleitet von ständigen schwersten Mißhandlungen durch die Partisanen. Nach der Übergabe des Transportes an das Fabrikunternehmen in Beotschin, wo sie hätten arbeiten sollen, mußte festgestellt werden, daß infolge der unterwegs durch die erwähnten Mißhandlungen erlittenen schweren Verletzungen 20 Männer arbeitsunfähig geworden waren. Sie sind auch fast alle bald darauf gestorben. Hatten in anderen Orten aber Partisanen Lust, Deutsche zu ermorden, konnten sie sich solche in Groß-Betschkerek bestellen oder von dort liefern lassen. Sie wurden dort bereitwilligst für solche Zwecke abgegeben und dazu zur Verfügung gestellt. So hatten am 25. Oktober 1944 die Partisanen in den serbischen Ortschaften Melentzi und Baschaid Festlichkeiten. Diese Feste sollten durch die öffentliche Massakrierung deutscher Menschen ihren Höhepunkt erfahren. Daher wurden an dem genannten Tage 30 Deutsche aus dem Groß-Betschkereker Lager in die genannten Ortschaften geschickt. Dort wurden sie an diesem Tage programmgemäß bei dem Fest erschossen. Am 27. Dezember 1944 aber schickte der Kommandant des Groß-Betschkereker Lagers wiederum 39 Kranke, 35 Männer und 4 Frauen, mit Wagen in die Ortschaft Ernsthausen. Sie wurden dort als Höhepunkt einer Unterhaltung auf die grausamste Weise umgebracht.

Ein geflüchteter Lagerinsasse gab über das Lager in Groß-Betschkerek folgendes an:

„Ich war mit der inneren Ordnung des Lagers beauftragt. Ich mußte u.a. abends dem Lagerkommandanten den zahlenmäßigen Stand melden. So konnte ich feststellen, daß in dem Winter 1944/45 weit über 4.000 Menschen auf geheimnisvolle Weise verschwanden, die im Lagerbuch als „an Flecktyphus gestorben“ eingetragen wurden. In Wirklichkeit wurden sie, wie die Totengräber erzählten, in der Nacht erschossen oder erschlagen. Ich habe die Eintragungen selbst gesehen. Der alte 65jährige Lehrer Koller aus Elemir wurde in einer Nacht ohne Angabe der Gründe in unserem Zimmer dreimal geprügelt. Ich zählte 285 Hiebe. Der alte Mann gab keinen Laut von sich. In der Frühe war er tot. So erging es dem Strumpffabrikanten Weiterschan aus Groß-Betschkerek, dem Bauer Peter Blum aus Kathreinfeld und vielen, vielen anderen. Eine beliebte Methode der Partisanenfrauen war, an den Zungen der Leute zu zerren. Unseren Frauen, die in anderen Gebäuden untergebracht waren, wurde das Haar, selbst an den Geschlechtsteilen, geschoren. Unsere eigenen Friseure mußten das machen. Viele Frauen wurden vergewaltigt, darunter auch meine eigene Tochter.

Kaum gräßlicher als der Tod war das Leben im Betschkereker Lager. Morgens um 3 Uhr war Tagwache. Das Lager war in mehrere Trupps eingeteilt. Nach dem Wecken begann auch schon die Prügelei und Beschimpfung. Die Männer mußten mit freiem Oberkörper im dunklen Hof zum „Frühsport“ antreten. Im Hof stand ein Brunnen mit einem bretternen Waschtrog. Durch das starke Regenwetter und den großen Wasserverbrauch ohne Ableitung bei den vielen zusammengepferchten Menschen entstand im Hof ein fertiges Schlammbad. In diesem Kot begann nun der sogenannte „Frühsport“. Mit Flüchen und Schimpfworten, mit Kolbenhieben und Gummiknüppeln wurde der „Frühsport“ von den Wachmannschaften bekräftigt. Die halbverhungerten und wundgeprügelten Menschen mußten sich in dieser naßkalten Spätherbstzeit je nach Laune der Wache eine halbe oder ganze Stunde in dem Schlamm des dunklen Hofes herumwälzen, knien, hinlegen usw. Wenn nun dieser „Frühsport“ beendet war, ließ man die schlammbekrusteten Menschen – es waren 17.000 Männer, Frauen und Kinder – kaum an den Waschtrog, viele kamen gar nicht einmal dazu, sich auch nur naß zu machen, geschweige denn, sich anständig zu waschen. Von einer Benützung von Seife oder sonstigem Waschzeug konnte gar keine Rede sein.

Zeitweise kam es auch vor, daß die Partisanen, während die Lagerinsassen bei diesem „Frühsport“ auf der Erde lagen, auf ihnen herumtanzten. Zu diesem Tanz spielte eine Musikkapelle, um das Schreien zu übertönen. Während des Tanzes wurden die Lagerinsassen mit Knüppeln und Gewehrkolben geprügelt und mit den Stiefelabsätzen bearbeitet. Das dauerte jedesmal eine halbe Stunde lang, nachher blieben jeweils 5 – 10 Menschen liegen. Sie waren tot. Nach diesem „Totentanz“ wurde alles auf die Zimmer getrieben, nachdem es aber noch stockfinster war, mußte die Zeit bis zur Morgendämmerung ausgefüllt werden. Bis um halb 6 Uhr wurden die Menschen von der Wachmannschaft geprügelt und gequält. Dann kam das Frühstück, eine dünne Wassersuppe und 50 Gramm Brot. Nach dem Frühstück wurde die Einteilung zur Arbeit vorgenommen. Es gab verschiedene Arbeitskommandos. Es wurde schwer gearbeitet an den Bahnhöfen oder an der Schiffsstation, in sonstigen Lagern und Warenhäusern wurde ein- und ausgeladen. Von 6 Uhr früh bis 6 Uhr abends wurde durchgearbeitet. Mittagessen gab es oft keines. Um 18 Uhr wurde in das Lager abmarschiert, und es ist oft vorgekommen, daß manche Männer von den überschweren Anstrengungen und der unzureichenden schlechten Verpflegung auf dem Heimweg zusammenbrachen.

Die Opfer wurden mit Fußtritten, Kolbenhieben und Gummiknüppeln aufgetrieben. Konnten sie nicht aufstehen, so mußten sie von den anderen mitgeschleift werden, die nur mit viel Mühe kaum ihren eigenen matten Körper vorwärts brachten. Während des ganzen Tages gab es zwar vereinzelt auch bei dieser schweren Arbeit Prügel, jedoch bangte allen schon auf dem Heimweg vor dem Augenblick, wo die Unterkunft betreten werden mußte. Die ausgeruhte Wachmannschaft wartete oft nur darauf, sich gleich in Prügeleien und Mißhandlungen zu ergehen. Schon am Toreingang wurde in die müden Haufen der einmarschierenden Kolonne dreingeschlagen. Im Vorübergehen auf die Zimmer wurde Abendessen empfangen. Es gab wieder nur Wassersuppe und 50 Gramm Brot. Nach dem Abendessen gab es keinen offiziellen Dienst mehr. Die Menschen kauerten auf ihren „Betten“, schlafen konnten nur ganz wenige, weil die Wachen andauernd hereinkamen, verschiedene mit Namen vorriefen und sie vor allen anderen schändlich mißhandelten. Auch ist es oft vorgekommen, daß Schlafende geprügelt wurden, ohne sie vorher zu wecken oder ihnen einen Grund dieser Prügelei mitzuteilen.

In den Abendstunden waren die Wachmannschaften an den meisten Tagen betrunken und führten oft zwei bis drei Anwesenheitsappelle durch. Die Leute mußten antreten. Die Anwesenheit der einzelnen wurde mit einem Schlag oder Stoß auf die Brust festgestellt. Oft kam es vor, daß während der ganzen Nacht bekannte Leute in die Wachstube geholt wurden und stundenlang Prügel bekamen. Die serbische Zivilbevölkerung hatte zum Lager freien Zutritt und auch vollkommene Handlungsfreiheit. Jeder konnte sich an diesen willkürlich zusammengetriebenen, wahllos zusammengewürfelten Menschen aus den verschiedensten Ortschaften des Banats satt raufen und austoben. Gegen Ende des Jahres 1945 brachte man die noch am Leben gebliebenen deutschen Kinder und alten Leute aus Groß-Betschkerek und Umgebung in das große Konzentrationslager nach Rudolfsgnad an der Theiß.

Am 22. Mai 1947 wurde dann das Konzentrationslager von Groß-Betschkerek, in welchem ohnedies nur mehr wenige arbeitsfähige Leute übrig geblieben waren, gänzlich aufgelöst. Die Überlebenden brachte man zuerst ins Lager nach St. Georgen und von dort auf Zwangsarbeiten in die serbischen Kohlengruben und auf Kolchoswirtschaften. In Groß-Betschkerek selbst aber wohnt jetzt kein Deutscher mehr in seinem Hans. In den Häusern der Deutschen sitzen jetzt slawische Kolonisten, welche man nach der Vernichtung der Deutschen aus anderen Gegenden hingebracht hat, sowie die Angehörigen derjenigen Partisanen, welche die deutschen Eigentümer auf die oben geschilderte Art erschlagen, erschossen, abgeschlachtet oder auf andere Art aus der Welt geschafft haben“.

Der ehemalige Oberlandesgerichtspräsident und Abgeordnete im Belgrader Parlament, Dr. Wilhelm Neuner, berichtet:

„Diese kommunistischen Partisanen haben schon gleich am ersten Tag ihrer Militärdiktatur im ganzen Land Massenerschießungen von Deutschen durchgeführt. In der Hauptstadt Groß-Betschkerek, wo gegen 12.000 Deutsche lebten, ging dies so vor sich, daß sie zuerst den westlichen Stadtteil, wo hauptsächlich die deutschen Bauern wohnten, umstellten. Sie drangen in jedes Haus und liquidierten alle Männer. Nur verhältnismäßig wenige Männer blieben damals verschont. Auch ich war zur Liquidierung geführt worden. Nur durch einen glücklichen Zufall kam ich mit dem Leben davon. Jedoch mein Schwiegervater und fünf weitere Verwandte, alles Landwirte, wurden ahnungslos von der Arbeit weggetrieben und mit allen übrigen erschossen. Im ganzen Banat betrug die Zahl der deutschen Zivilpersonen, die in jenen ersten Tagen der kommunistischen Diktatur erschossen wurden, gegen 10.000.

Wieder einmal war die Ermordung von 70 Deutschen befohlen worden. Der größte Teil der volksdeutschen Männer war jedoch schon frühzeitig aus dem Lager als Arbeitssklaven für den betreffenden Tag verkauft worden. Der Lagerkommandant hat daraufhin die auf die Zahl 70 fehlenden 26 volksdeutschen Männer in der Weise ergänzt, daß er aus der Abteilung Kriegsgefangene reichsdeutsche Wehrmachtsangehörige nahm und sie an die Stelle der volksdeutschen Zivilpersonen erschießen ließ. Ein Österreicher, der noch heute in der Steiermark lebt, hat den Kommandanten ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß es sich hierbei um Kriegsgefangene und österreichische bzw. deutsche Staatsbürger handelte. Die einzige Reaktion des Lagerhäuptlings war: Svaba je Svaba – Deutscher ist Deutscher! – Die Banditen ließen sich ihre Mordlust was kosten: „Kundmachung: Für Verbrechen und Untaten, begangen an unserem Volk, wurden erschossen – es folgten 31 Namen, der Älteste 58, der jüngste 17 Jahre alt -. Alle oben Angeführten haben in der durch ihre Verbrechen berüchtigten Division „Prinz Eugen“ gedient. Tod dem Faschismus – Freiheit dem Volke, 13. Oktober 1944″.

Hans Diwald aus Betschkerek berichtet:

„Am 10. Oktober wurde der zumeist von Deutschen bewohnte Teil der Stadt, das sogenannte Deutsche Viertel, von den bewaffneten Partisanen blockiert. Das Deutsche Viertel wurde gleichzeitig durchkämmt, wobei man die deutschen Männer, die man in ihren Wohnungen antraf, herausholte. Sie wurden gefesselt, in Gruppen zusammengebunden und unter starker Bewachung in die ehemalige Honved-Kaserne geführt. Streifenwachen fingen auch Ungarn und deutsche Frauen zusammen und brachten sie in die Kaserne. Die Ungarn und die Frauen wurden nach einigen Stunden wieder freigelassen. Die deutschen Männer aber, die man eingefangen hatte, wurden noch am selben Tage erschossen. Unter den verhafteten Männern befanden sich auch 15- bis 17jährige, aber auch 13- bis 14jährige Jungen. An diesem Tage wurden etwa 250 Männer erschossen.

Am 12. Oktober 1944 wurde das Deutsche Viertel wieder blockiert und die zu Hause Erreichbaren zusammengefahren; auch ich wurde diesmal schon um 5 Uhr morgens vorgenommen, da die Partisanen festgestellt hatten, daß damals am 10. Oktober, als die Blockierung erst um 8 Uhr durchgeführt wurde, sehr viele Deutsche sich nicht mehr in ihren Wohnungen aufhielten, sondern zur Arbeit oder aus anderen Gründen bereits in die Stadt, auf das Feld oder in die Umgebung gegangen waren. Bei der Blockierung am 12. Oktober erwischte man fast alle Deutschen. Alle deutschen Männer, die die Partisanen am 12. Oktober antrafen, wurden in das sogenannte Konzentrationslager, ein ehemaliges Polizeigefängnis, das einst auch eine Mühle war, gesperrt. In dieses Konzentrationslager wurde auch ich gebracht.

In den folgen Tagen brachte man täglich neue verhaftete Männer in dieses Lager. Man fing die Männer zusammen, wo man sie antraf oder holte sie auch aus den Häusern. So wurden nach und nach täglich Deutsche ins Lager eingeliefert. Im November waren schon alle deutschen Männer im Lager. Die Frauen, besonders die deutschen Frauen, wurden von den Russen in vielen Fällen überfallen und vergewaltigt. Die Vergewaltigungen wurden immer häufiger. Die Serben schickten die russischen Soldaten in die deutschen Häuser, wo Frauen wohnten. Ein Kamerad, ein 16jähriger Junge namens Otto Tarillion, erzählte mir, daß er zusehen mußte, wie man seine Mutter vergewaltigte. Er wurde mit schußbereiter Waffe bedroht.

Am 12. Oktober hatte man Deutsche aus der Umgebung, aus Rudolfsgnad, Perles, Sartscha, Modosch und Stefansfeld ins Lager nach Betschkerek gebracht. Ende der Woche, am Freitag oder Samstag, fanden dann meistens Erschießungen statt. Die erste Massenerschießung war am 10. Oktober. Es wurden damals 250 Männer erschossen. Die zweite Erschießung war am 20. Oktober, an diesem Tage wurden ungefähr 200 Personen erschossen. Bei der dritten, am 23. Oktober, 30 Personen und bei der vierten, am 28. Oktober, 152 Personen.

Vor der Erschießung am 23. Oktober wurde gesagt, Advokaten und Professoren sollten sich melden. Da sich nicht genug meldeten, drohten die Partisanen, jeden zehnten Mann zu erschießen. Es meldeten sich dann 23 Personen, darunter auch Kaufleute und Beamte. (Hans Diwald zählt dann die Namen von einem Dutzend Erschießungsopfer auf, die er persönlich gekannt hatte, darunter 13- bis 17jährige Schüler, Handwerker sowie ein Gastwirt und ein Schuldiener. Am 19. Oktober in der Früh, 7 Uhr, mußte ich mit mehreren Kameraden zur Schießstätte in den Wald hinaus. Wir wurden angewiesen, ein Massengrab auszugraben. Als wir an die Stelle geführt wurden, dachten wir, wir werden erschossen. Es handelte sich aber um das Grab der 200, die am 20. Oktober erschossen wurden.

Im Lager wurden wir um zwei oder halb drei Uhr geweckt. Wir mußten Frühsport machen. Wir wurden durch das Lager getrieben, und bei jeder Biegung bekamen wir Schläge, auch beim Essen und bei der Arbeit. Gearbeitet wurde beim Brückenbau und bei den Silos. Dort mußten wir für die russischen Truppen Lebensmittel verladen. Die Partisanen, die uns bewachten, waren Jungen im Alter von 17 bis 20 Jahren. Dieselben nahmen auch die Erschießungen vor. Aber auch Partisanen-Frauen (junge Mädchen) halfen bei den Erschießungen. Nach dem 20. Oktober hatten die Partisanen auch Kranke erschossen. Bei dem Eingraben der Erschossenen mußten auch Italiener mithelfen. Ein Italiener erzählte mir, daß man die Leute oft auch lebend, schwer verwundet, in die Löcher geworfen hat. Er selbst hörte, wie sie noch stöhnten, als man Erde auf sie warf.

Im Lager gab es zweimal täglich Essen. In der Früh gab es Einbrennsuppe, abends Erbsensuppe. Brot gab es eine kleine Schnitte morgens und abends. Im November 1944 wurden alle Deutschen ins Lager gesperrt. Arbeitslager waren in Lazarfeld, Kathreinfeld, Klek, Ernsthausen. Vor dem Einmarsch der Russen hatte Betschkerek ungefähr 15.000 Deutsche, davon sind ungefähr 8.000 geflüchtet.

Ich war bis Ende Februar oder Anfang März 1945 im Lager. Dann kam ich in das Spital, wo ich zur Arbeit zugeteilt wurde. Es ging mir dort viel besser. Ich hatte bessere Kost, mußte unter Bewachung arbeiten. Ende Mai kam ich wieder ins Lager und von dort zu den Silos. Von den Silos ging ich dann durch. Das war am 7. September 1945. Ich flüchtete zuerst über die Grenze nach Rumänien. Ich arbeitete dort bei Bauern. Am 27. Dezember ging ich über Johannisfeld der Bega entlang nach Betschkerek (Petrovgrad) zurück. Ich hielt mich bei meinem Onkel (der ein Serbe ist) versteckt. Ende November 1944 wurden 49 Kranke aus dem Lager Betschkerek (Konzentrationslager Alte Mühle) unter dem Vorwand, daß sie zur Erholung geführt werden, nach Ernsthausen gebracht. Sie sind frühmorgens, unter strenger Bewachung abmarschiert und blieben auch nach ihrer Ankunft in Ernsthausen streng bewacht.

Der Kommandant war ein Serbe aus St. Georgen. Er erkannte den damals 19jährigen Georg Saal aus St. Georgen. Auf den Befehl des Kommandanten wurde Saal an einen Pfahl auf dem Düngerhaufen gebunden. Der Dünger wurde in Brand gesteckt, und Saal fand dort den Verbrennungstod. Die übrigen 48 aus Betschkerek gebrachten Häftlinge wurden mit Knüppeln, Messern und Beilen von den Partisanen erschlagen bzw. niedergemetzelt. Man sah später die Spuren der Metzelei im Gasthaus und auf der Straße. An den Wänden klebte das verspritzte Gehirn, und auf der Straße waren weithin die Blutspuren festzustellen. Diesen Vorfall schilderte mir ein Mädchen aus Ernsthausen namens Krämer, mit dem ich im September 1945 in Johannisfeld in Rumänien zusammengetroffen bin. Am 1. Januar 1946 ging ich von Betschkerek wieder nach Rumänien. Von dort nach Ungarn am 10. Januar. In Wien traf ich am 17. Januar ein“.

Michael Kristof, Mittelschullehrer aus Betschkerek berichtet:

„Nach Betschkerek zogen die Russen am Montag, dem 2. Oktober, ein. Mit ihnen kamen auch schon die Tito-Partisanen. Das Verhalten der Russen war im großen und ganzen erträglich. Sie requirierten zwar, was ihnen paßte, beschränkten sich aber sonst hauptsächlich auf Vergewaltigungen von Frauen. In der Stadt Betschkerek wurden am 5. Oktober erstmals Deutsche von den Partisanen ins Lager gesteckt. Zuerst kamen die Deutschen aus der Stadt Betschkerek an die Reihe, allmählich wurden auch Gruppen von den umliegenden deutschen Ortschaften verlangt.

Die Stärke der von den einzelnen Ortschaften ins Zentrallager Betschkerek verschickten Gruppen hing allein von dem guten oder bösen Willen der den Ort besetzt haltenden Serben oder Partisanen ab. So verlangte der Lagerkommandant von Betschkerek von Lazarfeld 60 Männer. Der Ortskommandant, ein einheimischer Serbe, hatte den Mut, immer nur die Hälfte zu schicken, womit der Lagerkommandant auch zufrieden war. Von diesen 30 sind, wie später berichtet, 14 erschossen worden. Die nicht an das Lager ausgelieferten Deutschen verblieben zunächst in ihrer Ortschaft, dann ging wieder eine Gruppe ins Lager. Ein Teil ging zu Weihnachten über das Lager Betschkerek nach Rußland. Alle übrigen kamen erst ins Lager im April 1945, als die gesamte Bevölkerung in die Lager gesteckt wurde.

In der Nacht begann im Lager das Schlimmste, das Verhör und die Auswahl zum Erschießen. Erschossen wurden anfangs jene, die entweder gut gekleidet, körperlich besonders stark oder aber durch Krankheit und Schwäche arbeitsunfähig geworden waren. Auch wurde nicht ein Verschulden festgestellt, sondern man ließ die Leute antreten und holte dann die entsprechende Zahl, die anscheinend planmäßig vorher festgesetzt war, heraus. Die Ausgewählten wurden dann in einen separaten Raum geführt; dort mußten sie sich entkleiden und wurden dann, mit Draht gebunden zu je Vieren, auf die Schießstätte, den alten militärischen Schießplatz von Betschkerek geführt, wo sie dann erschossen wurden. Da die Partisanen ja keinen Beruf oder sonstwie näher kannten, aber hauptsächlich die Intelligenz vernichten wollten, wendeten sie verschiedene Kniffe an. Unter anderem wurde gefragt: Wer ist Doktor, Arzt, Apotheker, Kaufmann, Lehrer usw. 7 Leute aus diesen Berufen sollten sich für leichte Arbeit melden, da sie sehen, daß die schwere Arbeit für sie nichts wäre; sie bekämen dann leichte Arbeit. Diesem Trick fielen viele zum Opfer.

Festgehalten wurden die Erschießungen aber in demselben Protokoll, in das alle Lagerinsassen bei ihrer Aufnahme eingetragen wurden, und in das im Todesfalle der Vermerk „gestorben“ hinter den Namen gesetzt wurde mit dem Datum. Die Lagerkanzlei wurde von deutschen Lagerinsassen unter Anweisung von Partisanen geführt, und diese Deutschen machten auch die Eintragungen in das Protokollbuch. Ich selbst war nur eine Woche, Mitte Februar 1945, in der Lagerkanzlei, dann hat mich der Politkommissar, ein Partisane, wieder herausgesetzt. In dieser Woche habe ich die Protokoll-Liste durchgeblättert, da ich feststellen wollte, wo der oder jener von meinen Bekannten ist, ob er noch lebte oder auf einen anderen Platz geschickt wurde, oder erschossen oder gestorben war. Meine eigene Nummer in dieser Protokoll-Liste war 3214. Bei diesem Einblick in das Protokollbuch konnte ich auch feststellen, daß diejenigen, die mir gut bekannt waren und von denen mir erzählt worden war, daß sie erschossen worden wären, tatsächlich als „gestorben, am…“ in der Liste eingetragen waren.

Beim Einblick in die Protokoll-Liste stellte ich fest, daß sehr viele Leute als „gestorben“ eingetragen waren, da eben auch alle Erschossenen als „gestorben“ eingetragen waren. Am 28. Oktober 1944 beispielsweise sind 150 Deutsche erschossen und in dem Hauptbuch als „gestorben“ eingetragen worden. An anderen Tagen erfolgten Erschießungen in kleineren Gruppen, beispielsweise 30 Personen. Diese Erschießungen wurden immer als „Vergeltungen“ gerechtfertigt. Wir mußten täglich einmal, manchmal auch öfter, auf dem Hof in Dreierreihen antreten. Den Grund wußten wir nie vorher. Manchmal handelte es sich um eine Verschickung in einen anderen Ort auf Arbeit oder sonst irgendeine Absicht der Partisanen. Bei solchem Antreten sind dann auch Leute zum Erschießen ausgewählt worden, dies wurde uns dann als „Vergeltung“ erklärt.

Durch Aussprache mit Leuten in den anderen Lagern habe ich später feststellen können, daß diese Erschießungen auch in anderen Lagern fast zur selben Zeit und auf dieselbe Weise erfolgten, was auf eine zentrale Leitung des ganzen Vorgehens gegen die Deutschen schließen läßt. Am 10. Oktober 1944, Dienstag, wurde das Deutsche Viertel von Betschkerek von Partisanen umstellt. Partisanentrupps gingen von Haus zu Haus, durchsuchten und verlangten von jedem die Legitimation. Diese in deutscher und serbischer Sprache ausgestellte Legitimation, die jeder haben mußte, und in der auch die Nationalität des einzelnen eingetragen war, war während der deutschen Besatzungszeit ausgestellt worden.

Alle deutschen Männer, die noch nicht im Lage waren, und die man zu Hause antraf, wurden zusammengeführt und in einer Seitengasse des Marktplatzes (Negoseva ulica) mit Maschinengewehren niedergemäht. Wie mir ein Augenzeuge, mit dem ich seit Jahren befreundet war und der durch Intervention von Serben gerettet wurde, berichtete, mußten sie sich am Oberkörper entkleiden, niederknien und wurden auf solche Art erschossen. Die Behandlung im Lager war im allgemeinen die folgende: Die Aufnahme erfolgte zumeist durch heftige Fußtritte, Ohrfeigen oder Körperhiebe. Selten kam einer ohne das davon. Dann wurde er seiner Habseligkeiten beraubt, und man ließ ihm nur das Notwendigste an Wäsche. Hatte er gutes Fußzeug oder Kleidung, so wurde es ihm entweder gleich abgenommen oder es wurde sein Verhängnis. Wenn einer nämlich durch bessere Kleidung auffiel, dann bedeutete das, er sei ein Reicher oder Kapitalist, den man beseitigen mußte, schon um sich seiner Habseligkeiten zu bemächtigen. Nach der Aufnahme erfolgte die Einweisung in irgendeines der Zimmer.

Das Zentrallager Betschkerek war eine abgebrannte Mühle, zwei Stock hoch. Ein zweites Lager wurde errichtet, als im November ein großer Teil der Zivilbevölkerung, nun auch schon Frauen, ins Lager kam. In den drei großen Maschinenräumen der Mühle (Lager I) befanden sich die deutschen Lagerleute eng zusammengepfercht in zweistöckigen Pritschen übereinander rechts und links gelagert. In jedem Raum waren ca. 300 Männer untergebracht, so daß durchschnittlich bis 2.000 immer im Lager waren. In den kleineren Räumen der Mühle waren die Frauen und die Jungen untergebracht, die sogenannte Ambulanz, Küche, Magazin und Kanzlei, ferner das Zimmer für die privilegierten Lagerleute, die in Küche, Kanzlei oder sonstwo im Lager arbeiteten.

In der Nacht durfte niemand heraus. Da viele schon Durchfall hatten, waren in jedem Maschinensaal zwei große Fässer aufgestellt, und zwei mußten aufpassen, damit keine Verunreinigung erfolgte. Einmal geschah es, daß die Leute besonders Durchfall hatten, daß die Fässer überliefen, und die zwei Aufpasser mußten dann in der Früh die Flüssigkeit aufschlecken, weil sie die Fässer überlaufen hatten lassen. In der Nacht, wenn die Leute erschöpft und müde von der Arbeit kamen, begann die Ungewißheit, ob man die Nacht überleben werde, denn die Verhöre, Folterungen, Prügeleien erfolgten immer nachts. Deshalb gingen die Leute trotz ihrer körperlichen Schwäche in der Frühe immer leichten Mutes auf die Arbeit, um aus dem „Narrenhaus“ wie sie sagten, herauszukommen. Mit bangen Gefühlen kehrten sie jedoch immer am Abend wieder zurück.

Beim Auf- und Abgang von den Stockwerken in den Hof standen auf den Treppen Partisanen mit Ochsenziemern und hauten unbarmherzig in die Leute hinein. Die Leute nannten das „die normalen Gebühren“. Erschießungen erfolgten oft aus geringfügigem Anlaß. Zur Illustration sei folgender Fall angeführt: Ein Handwerker aus Betschkerek, der in der Stadt privat arbeiten mußte, kam gewöhnlich später von seinem Arbeitsplatz zurück, wenn seine Kameraden bereits schliefen. Um diese im Schlaf nicht zu stören, benützte er einmal ein Zündholz, um seinen Platz auf der oberen Pritsche zu finden. Dies bemerkte ein Partisan auf der Gasse unten, kam herauf ins Zimmer und fragte, wer ein Zündholz angezündet habe. Als der Handwerker sich ahnungslos meldete, mußte er herabsteigen, sich auf den Bauch legen und erhielt einen Genickschuß im Zimmer. Das habe ich selbst gesehen, weil ich in diesem Zimmer war“.

Michael Kristof protokollierte am 2.1.1951 in München die Aussage eines Bekannten aus Groß-Betschkerek, der seinen Namen nicht veröffentlicht haben wollte:

„Ich bin aus Groß-Betschkerek, Banat, Jugoslawien, kam am 4.10.1944 in das Zentrallager in Groß-Betschkerek. Damals waren wir nur noch wenige Männer im Lager. Ich kam in das Zimmer Nr. 3. Nachmittags mußte ich Pferdemist mit den Händen aufklauben und Pferde reinigen. In der Nacht vom 4./5.10.1944 wurde ich geweckt, in den Hof gerufen, mit dem Gesicht ganz eng an die Wand mich drücken müssen, wurde geprügelt, der Kopf an die Wand geschlagen, so daß mein Nasenknochen gebrochen ist.

Etwas später brachten sie noch zwei Kameraden, Anton Hufnagel, den Namen des anderen möchte ich aus gewissen Gründen derzeit noch nicht nennen. Anton Hufnagel war schon derart zugerichtet, daß er in den Hof heruntergeführt werden mußte. Er hatte auch kein klares Bewußtsein mehr, denn er wiederholte alle Schimpfworte, die von Partisanen an seine Adresse gerichtet waren, und wurde deshalb immer wieder mit dem Gewehrkolben geschlagen. Nachdem wir so geprügelt und gequält wurden, sind wir zur Polizei in die Stadt überführt worden, in einem Bauernwagen. Dort trafen wir andere bekannte deutsche Männer aus der Stadt.

Hufnagel Anton wurde aber gleich in jenes Zimmer überführt, in dem die Mißhandlungen stattgefunden haben, bei Radio, Harmonikaspiel und Geigenspiel, damit das Schreien nicht von außen vernommen werden kann. Nach kurzer Zeit wurde ich hereingeholt. Ich fand Hufnagel regungslos am Boden liegen. Jetzt mußte ich mich ganz nackt ausziehen. Die Füße wurden mir zusammengebunden und die Hände auf dem Rücken befestigt. So mußte ich mich auf einen Stuhl stellen und wurde von Partisanen mit Ochsenriemen so lange gehauen, bis ich ohnmächtig zusammengefallen bin. Das Fleisch hing in Fetzen von mir, sie überschütteten mich mit einem Eimer kalten Wasser. Als ich wieder zum Bewußtsein kam, mußte ich mich abermals auf den Stuhl stellen. (Zuerst kniete ich mich auf den Stuhl und nachher versuchte ich mich aufzustellen, da mir die Füße immer noch gebunden waren.)

Die Prügelei wurde weiter fortgesetzt, bis ich wieder ohnmächtig zusammengefallen bin. Es wurde wieder kaltes Wasser über mich geschüttet, meine Wunden mit Salz eingerieben, und so blieb ich liegen in meinen Schmerzen. Jetzt kam der dritte Kamerad herein, an dem dieselbe Tortur wiederholt wurde wie vorher an mir. Während dieser geprügelt wurde, wurden mir die Haare von der Brust und zwischen den Beinen mit einem brennenden Benzinlappen abgebrannt und die brennenden Benzinlappen auf die Brust und zwischen die Beine geworfen. In meiner Ohnmacht habe ich auf einmal brennende Schmerzen verspürt und sah die Benzinlappen auf mir, wälzte mich auf die Seite, so daß der brennende Benzinlappen von der Brust auf den Arm fiel und mir den linken Arm verbrannte.

Anion Hufnagel ist in der Zwischenzeit mit Gewehrkolben totgeschlagen worden. In meinen Wunden haben sich später Würmer gebildet, die wir Monate hindurch durch Einreibung mit Urin heilten, auch in Rußland noch, bloß aus dem Grunde, weil wir es nicht wagten, uns krank zu melden; denn das hätte Erschießung bedeutet. Diese Quälerei dauerte etwa zwei bis drei Stunden. Nachher wurden wir freigemacht an Händen und Füßen, mußten uns ankleiden, wurden dann wieder an Händen und Füßen gebunden, aber so, daß uns die Füße rückwärts bis zu den Händen hinaufgezogen wurden und Hände und Füße zusammengebunden wurden mit einer Schnur, und so lagen wir ca. 18 Stunden lang bis Mitternacht mit offenen Wunden, die mit Salz eingerieben waren, ohne uns bewegen und rühren zu können mit den furchtbarsten Schmerzen.

Um Mitternacht wurden die Füße freigemacht und wir alle drei (ich, Th. und B.) ohne Anton Hufnagel, der bereits tot war, hinausgeführt, mußten auf einen Wagen klettern mit gebundenen Händen und wurden in den Gerichtshof zur OZNA (Geheimpolizei) überführt. Wir wurden, hier angekommen, alle drei in eine Zelle geschmissen. Wir wurden nachts über verhört und verprügelt, Wochen hindurch. Zu essen gab es zwei Bissen Brot und Wasser täglich. Auch wurden wir wöchentlich einmal rasiert, aber so, daß es kein Vergnügen war. Nach drei Wochen wurden wir alle drei, da man uns nichts Strafbares nachweisen konnte, in das Zentrallager zurückgeführt.

In der OZNA waren wir Zeugen (d.h. wir konnten durch das Fenster sehen), wie eine Frau namens Zita von den Partisanen mißhandelt wurde. Wir sahen, wie sie nackt auf einem Tische tanzen mußte, sich dann auf den Tisch legen, die Beine auseinanderstrecken und ihr der Lauf eines Revolvers in die Scheide gedrückt wurde, dann aufstehen mußte. Sie ist auch erschossen worden. Ebenso sahen wir durch das Fenster, wie einem jungen Mann von etwa 28 Jahren, den wir ebenfalls nicht kannten, lebend das männliche Glied abgeschnitten und in den Mund gesteckt wurde. Das weitere Schicksal dieses jungen Mannes ist uns nicht bekannt. Nach Rückführung in das Lager wurden wir wiederum geprügelt und verhört, und man drohte uns ständig mit Erschießen. Ich kam in eine Einzelzelle, in der bereits drei Männer bewußtlos lagen. Mir wurden von dem Kommandanten mit einem Revolver die Zähne eingeschlagen, die ich schlucken mußte, das Gesicht mit Revolverlauf verletzt, die Narben sind noch heute vorhanden. Eines nachts wurden wir Männer 12 Stunden lang hindurch in eine so kleine Zelle eingesperrt, daß sich keiner rühren und bewegen konnte, und wir infolge Luftmangels umzufallen drohten, konnten nicht einmal zusammenknicken, viel weniger umfallen, so eng waren wir aneinandergepreßt.

Nach dieser Nacht wurden wir dann in mehrere Zellen aufgeteilt. Nach sechs Tagen wurden wir in eine Stube mit ca. 30 Mann gesperrt, mit einem Stückchen Brot und Wasser, konnten das Zimmer nicht verlassen. Unsere Not mußten wir in Fässer verrichten.

Nach acht Tagen wurden wir auf Arbeit getrieben. Um 4 Uhr früh mußten wir aufstehen, erhielten eine warme Suppe, jetzt schon eine größere Scheibe Brot, und erhielten erst wiederum ein Stück Brot und warme Suppe, wenn wir abends von der Arbeit zurückkamen. Während dieser drei Wochen, wo ich mit den drei Kameraden bei OZNA im Gerichtshof war, drei Wochen hindurch und auch nachher im Zentrallager eingesperrt war in den Zellen, sind viele Männer erschossen worden. Ich ging am 28. Dezember 1944 mit einem größeren Transport (etwa 1.800), wovon der größte Teil deutsche Mädchen und Frauen waren, nach Rußland. Männer waren nicht mehr in diesem Transport als 300. In Rußland arbeitete ich meistens in Kohlengruben bis zur Entlassung 1949.“

Ernsthausen

Wie in zahlreichen anderen Orten Jugoslawiens, war im Herbst 1944 nach Einstellung der Kriegshandlungen von den neuen jugoslawischen Behörden auch in der früher gegen 3.000 Einwohner zählenden deutschen Ortschaft Emsthausen im Banat ein Konzentrationslager errichtet worden. In diesem Lager wurden meist Deutsche aus dem Verwaltungsbezirk Betschkerek gebracht. Es befanden sich hier mehrere Tausend Menschen. In der Mehrheit waren es Frauen und kleine Kinder. Ungeheuer viele von ihnen sind infolge der schlechten Behandlung in diesem Lager gestorben. Ganz besonders groß aber war hier auch die Zahl derer, die von den Partisanen erschlagen, erschossen, abgeschlachtet oder auf andere grausame Art umgebracht worden sind.

Besonders blutig war hier eine Dezembernacht, in der die Massakrierung von 38 unschuldigen deutschen Zivilisten beiderlei Geschlechts den Gipfelpunkt einer Partisanenfestlichkeit bildete. Zwei Tage vor diesem Fest, am 27. Dezember 1944, wurden aus dem Konzentrationslager Betschkerek 39 deutsche Männer und Frauen – es waren dies meist ältere oder kränkliche Leute – mit Wagen hierher geschickt. Sogleich als diese Menschensendung eintraf, befahl der dortige Militärkommandant, daß diese Leute nicht wie gewöhnlich ins Lager zu den anderen Deutschen zu kommen hätten, sondern in einem Zimmer des einstigen Gasthauses Georg Schlitter einzusperren seien und mit niemand in Berührung kommen dürften. Nur einem einzigen von diesen Leuten, dem früheren Kaufmann Schag Ladislaus aus Emsthausen, dem Vater eines jungen Mädchens, das schon längere Zeit bei dem Kommandanten arbeitete, wurde auf deren Bitten gestattet, die Gruppe zu verlassen. Er wurde aus dem Gasthaus in das Konzentrationslager zu den übrigen Deutschen überstellt. Die übrigen befanden sich zwei Tage von aller Welt abgeschlossen und ohne Nahrung in dem erwähnten Gasthausraum eingesperrt.

Am Nachmittag des 29. Dezember mußte einer der Männer in die Nachbarhäuser des Gasthauses gehen und von dort scharfe Holzhacken und Beile holen und ins Gasthaus bringen. In den großen Saal des Gasthofes wurde ein großer Tisch gestellt und Holzhacken und Beile daraufgelegt. Am Abend selbst fand in dem Gasthause eine Unterhaltung der Partisanen und des jugoslawischen Militärs statt. Sie zechten, machten Musik und unterhielten sich auf ihre Art in den Wirtshausräumlichkeiten neben den ahnungslos wartenden eingesperrten deutschen Zivilisten. Als die Partisanen schon in Stimmung gekommen waren, holten sie alle diese Deutschen, 34 Männer und 4 Frauen, der Reihe nach hervor und führten sie in den Saal mit den vorbereiteten Mordgeräten. Lange Messer, Holzhacken und ähnliche Geräte lagen auf dem Tisch. Mit diesen Werkzeugen schlachteten sie einen Deutschen nach dem anderen, Frauen und Männer, als wären es Schweine, in Anwesenheit und vor den Augen vieler anderer Menschen. Sie trieben vorher noch allerlei Spott und Schabernack mit diesen ihren Opfern. Manche von ihnen nötigten sie noch ein Glas Wein zu trinken, um ihnen im Momente, wo sie das Glas an den Mund führten, mit einem langen Messer die Gurgel durchzuschneiden. Sie schnitten den einzelnen Frauen und Männern mit den Messern und Holzhacken Fleischteile von dem Körper, hackten ihnen Hände oder Finger ab, oder trennten den Kopf vom Leibe oder massakrierten sie auf andere Art. Die Körper der Deutschen wurden fürchterlich verstümmelt. Solchen, die lange nicht sterben konnten, schlugen sie schließlich mit Holzhacken den Schädel ein. Dabei spielte die Musik. Bis zum Morgen dauerte dieses Fest, in dessen Verlauf alle 38 Frauen und Männer liquidien wurden. Unter diesen Opfern aber befanden sich viele angesehene und intelligente deutsche Menschen.

Als das Fest vorüber war, wurde der Knecht eines benachbarten Bauernhauses mit einem Wagen in das Gasthaus bestellt und Männer aus dem Konzentrationslager gerufen. Sie mußten die verstümmelten Leichen und die von ihren Körpern getrennten größeren Gliedmaßen mit Schaufeln auf Wagen werfen und in Begleitung von Partisanen auf den Friedhof fahren. Sonst sind in Lagern liquidierte Deutsche nie auf Friedhöfen begraben, sondern nur irgendwo anders an abgelegenen Orten eingescharrt worden. Auch diese massakrierten Toten wollten die Partisanen in der Nähe eingraben lassen. Es war damals aber sehr kalt und die Erde hart gefroren, so daß sich, obwohl man es versuchte, in der Nähe schwer schnell genug ein entsprechend großes Loch graben ließ. Diese Toten mußten daher ausnahmsweise in den Friedhof geschafft werden. Dort wurde eine große Gruft, die sich eine gewisse Familie Solowich knapp vor dem Kriege hatte erbauen lassen, auf Befehl der Partisanen geöffnet. Herbeigeholte Lagerleute wurden gezwungen, die Körper- und Fleischteile ihrer massakrierten Leidensgenossen in diese Gruft hineinzuwerfen. Die Gruft wurde daraufhin nur oberflächlich geschlossen, so daß sich dann später, als es im Frühjahr wärmer wurde, in der ganzen Umgebung ein übler Fäulnisgeruch verbreitete. Dies wurde den neuen jugoslawischen Behörden unangenehm. Sie ließen daher abermals deutsche Männer aus dem Konzentrationslager kommen, die unter der Leitung des Baumeisters Johann Merschbacher aus Betschkerek die Gruft fachgemäß zumauern mußten. Alle Deutschen aber, die bei dem Verbergen dieser Toten mithelfen mußten, wurden von den Organen der jugoslawischen Behörden mit dem Tode bedroht, wenn sie irgend etwas davon in die Öffentlichkeit bringen sollten.

Auf dem Wege zum Friedhof fielen ab und zu Körperteile von dem Wagen, so daß man bald eine Hand, bald ein Auge, bald ein Ohr, einen Fuß oder sonstwas fand. Im Saale selbst war eine große Blutlache und viele kleine Fleischteile zurückgeblieben. Diese und die vom Wagen unterwegs heruntergefallenen wurden, als es schon Tag geworden war, auf einen Haufen zusammengekehrt. Im Hof des Hauses Wilhelm Till wurde ein großes Feuer gemacht und das zusammengesammelte Menschenfleisch darin verbrannt. Die Menschenschlächterei scheint bis vier Uhr morgens gedauert zu haben, denn um diese Zeit gingen die überaus mit Blut beschmierten Mörder in ein Nachbarhaus, ließen sich dort warmes Wasser geben und wuschen sich die Blutflecken von den Händen, vom Gesicht und von den Stiefeln. Dann ließen sie sich noch ein kräftiges Frühstück geben und begaben sich nach Hause.

In dem Konzentrationslager Ernsthausen wurden auch bei anderen Gelegenheiten von den behördlichen Organen zahlreiche andere deutsche Frauen und Männer, zumeist die wohlhabenderen und intelligenteren Leute, auf ähnlich grausame Art einzeln oder in Gruppen ganz grundlos und ohne Verfahren umgebracht. Manchen schnitt man mit Messern die Gurgel durch. Andere wurden von den Partisanen in deren Kaserne so lange mißhandelt, bis sie tot waren. Kirchner Elisabeth, ein auffallend schönes deutsches Mädchen, wurde eines Abends nach der Rückkehr von der Zwangsarbeit von den Partisanen in ihre Kaserne gebracht und ist nicht mehr aus derselben zurückgekehrt. Ihr Leichnam ist einige Zeit danach von den Partisanen neben dem Schulgarten eingegraben worden.

St. Georgen

Noch im November 1944 wurde durch Trommelschlag bekanntgegeben, daß sich in einer halben Stunde alle Deutschen in der Schule einzufinden haben.

Darüber berichtet eine geflüchtete Frau:

„Ich ging mit meinen drei Kindern – Elfriede war erst 5 Monate alt – und als ich hinkam, waren die Schulräume und der Schulhof schon voll mit Menschen. In der Schule wurden die einzelnen Zimmer so voneinander abgesondert, daß man in einem Zimmer nicht wußte, was in den anderen vor sich ging. Nach all dem, was man bisher aus anderen Orten gehört hatte, hat sich jeder seinen Tod anders vorgestellt. So waren wir sieben Tage lang eingesperrt. Während dieser Zeit wurden unsere Häuser ausgeplündert. Wir hörten später, daß auch in anderen Orten ähnliche Maßnahmen ergriffen wurden. Man war dort meist schlimmer dran als wir. So wurden die Tschestereker zu Fuß nach Hatzfeld und wieder zurück nach Selesch getrieben. Dort blieben sie neun Tage. Dann durften sie wieder in ihre inzwischen ausgeplünderten Häuser zurück. Ungefähr vierzehn Tage nach Weihnachten kamen die Männer aus der Gendarmerie-Kaserne nach Betschkerek. Anschließend kam auch ich an die Reihe. Ich wurde verprügelt und eingesperrt, nach einiger Zeit aber wieder freigelassen. Im März 1945 kam ich in die Gendarmerie-Kaserne und war dort 9 Tage eingesperrt. Ich wurde so verprügelt, daß mir das Blut von den Füßen lief. Dann hat man mich von meinen drei kleinen Kindern gerissen und nach Cernje ins politische Lager gebracht. Dort war ich dann mit vielen Leidensgenossen und -genossinnen bis zu meiner Flucht im Herst 1945.“

Von den aus St. Georgen verschleppten Personen kamen 32 nach Semlin, 180 nach Rußland, 60 nach Groß-Betschkerek, 53 nach Elisenheim und 14 nach Cernje. Am 17. April kamen alle Deutschen in St. Georgen in die Parkhäuser, die von da an als Lager galten. Viele jüngere Mädchen und Frauen kamen nach Mitrowitz, wo viele von ihnen starben.

Kathreinfeld

Kathreinfeld war früher eine rein deutsche Ortschaft, die durch den Fleiß und die fortschrittlichen Arbeitsmethoden der dortigen deutschen Landwirte zu einer der schönsten und wohlhabendsten Gemeinden des ganzen Banats geworden war.

Eine Krankenschwester schreibt in ihrem Tagebuch u.a. folgendes:

„Am 3. Oktober in der Früh um neun Uhr verließen die deutschen Truppen unser Dorf. Uns wurde gesagt, wir sollten schnell noch flüchten und uns in Sicherheit bringen. Man fügte aber hinzu, daß die Russen schon in der Nachbargemeinde seien. Mit alten Männern und jungen Buben wurde noch schnell eine Heimatschutzformation aufgestellt, deren Sinn und Aufgabe wir aber erst später erkannten. Sie mußten in unserer Nachbargemeinde den Russen Widerstand leisten und so den Abzug decken. Viele dieser jungen Buben mußten dabei noch ihr Leben lassen. Wir fügten uns in unser Schicksal und trösteten uns damit, niemals jemanden Leid angetan zu haben und daher auch nichts befürchten zu müssen.

In der Nachbargemeinde lebte meine Tochter mit drei kleinen Kindern. Mein Mann und ich beschlossen, daß er zur Tochter gehen und ich mit der 78jährigen Mutter daheim bleiben solle. Wir meinten, daß es so besser sein würde, wenn mein Mann bei der Tochter ist, denn um solche Zeiten kann man nie wissen, ob sie als junge Frau nicht doch den Schutz eines Mannes bedürfen wird. Er ist dann auch weggegangen und ließ mich mit der Großmutter allein. Noch am Abend desselben Tages haben dann auch die ersten Vorhuten der russischen Truppen Kathreinfeld erreicht. Sie schossen wie wild umher, obwohl die Straßen vollkommen leer waren und sich alles vor Angst in die hintersten Winkel der Häuser versteckt hatte. Ich selbst war auf den Dachboden des Schweinestalles gekrochen. Sie schlugen gegen die Türen und Fenster und wo ihnen nicht geöffnet wurde, brachen sie ein und nahmen mit, was ihnen gefiel. Schon in der ersten Nacht wurden viele Frauen und Mädchen vergewaltigt. Am nächsten Tag mußten Radiogeräte, Motorräder und alles Ähnliche abgeliefert werden. Für Nichtausführung dieses Befehls wurde sofortiges Erschießen angedroht. In Gruppen gingen sich Rotarmisten über die Ausführung dieses Befehles vergewissern und nahmen bei dieser Gelegenheit wieder mit, was ihnen zusagte; auch Frauen und Mädchen. Volle fünf Tage lang hielt dieses wilde Treiben an, bis dann am sechsten Tag Banater Serben in den Ort kamen und die Befugnisse der Ordnungsmacht auf ihre Art auszuüben sich anschickten.

Junge Kerle trugen Gewehre mit sich und schossen noch wilder herum als die Russen. Nachts brachen sie bald in dieses, bald in jenes Haus ein und wer sich wehrte, wurde niedergeschlagen. Wer den Bedrohten zu Hilfe eilen wollte, erlebte noch Schlimmeres. Nachts ging ich durch die Gärten in die Häuser, um Leuten erste Hilfe zu leisten, die wund oder oft auch halbtot geschlagen worden waren. Besonders schlimme Fälle meldete ich dem Arzt, der sie dann ebenso geheim wie ich behandelte, denn auch solche Hilfeleistungen waren strengstens verboten. Wenn es Nacht wurde, wußte niemand, ob er morgen noch leben werde. Größtenteils schliefen die Leute auch nicht daheim, sondern meist in den kleineren und ärmlicher aussehenden Häusern des Ortes. Dort hatten sich für jede Nacht oft 20 und mehr Personen versammelt, um gemeinsam die Nacht zu verbringen, um nicht allein im Hause zu sein, wenn das Haus überfallen wird. So hatten sich in unserem Nachbarhaus eines Nachts auch 25 Frauen und Mädchen zum Schlaf versammelt. Plötzlich merkten die Frauen, daß eine von ihnen schwer stöhnte, als läge sie im Sterben. Sie machten Licht. Eine der Frauen hatte sich die Schlagadern durchgeschnitten und war schon fast verblutet. Sie wollte sterben, „denn wir werden doch alle niedergemacht“, sagte sie. „Sie schleppen auch meine Mädchen fort. Ich will diesen Augenblick lieber nicht erleben.“

Die nächtlichen Besuche der Partisanen nahmen lange kein Ende. Die Greuel, die sie an unseren Menschen verübt haben, sind schwer zu beschreiben. Sofern Worte überhaupt auszudrücken vermögen, was hier satanische Partisanengehirne an Folterungen ausgeklügelt und ausgeführt haben, so versagen und verblassen sie, wenn die Leiden der Opfer beschrieben werden sollen. Nur einer der schrecklichsten Fälle soll hier dargestellt werden: Den Dorfrichter Josef Topka riefen sie in der Nacht in den Hof. Seine Frau mußte im Bett bleiben. Eine halbe Stunde lang verprügelten sie ihn dann im Hof und warfen ihn dann bewußtlos in das Zimmer, wo seine Frau im Bett liegen bleiben mußte. Als sie weg waren und seine Frau Licht machte, konnte er noch die Worte herausbringen, daß es ‚um ihn geschehen sei und er jetzt sterben müsse‘. Dann verschied er. Sein ganzer Körper zeigte Spuren fürchterlicher Hiebe und am Halse Würgegriffe. Man drückte ihm anscheinend die Kehle zu, damit er nicht schreien oder jammern konnte. In derselben Nacht waren noch zwei Häuser Opfer solcher Besuche. In einem schlugen sie einen Mann tot, im anderen warfen sie einen auf die Erde, knieten sich auf ihn drauf und schlugen so lange auf ihn ein, bis er tot liegen blieb. Dann holten sie auch die Frau, zogen sie nackt aus und schlugen sie ebenfalls mit „Ochsenzenten“ und Gewehrkolben. Als sie ihr den Rücken blau geschlagen hatten, drehten sie sie um und schlugen sie auch von der vorderen Seite.

Unter den vielen Konzentrationslagern, die in Jugoslawien nach Einstellung der Kriegshandlungen in den verschiedensten Gegenden errichtet worden sind, war das von Kathreinfeld besonders berüchtigt. Kathreinfeld war anfangs ein Ort, in dem die kranken, alten und sonst arbeitsunfähigen Deutschen und ebensolche Kriegsgefangene gebracht wurden. Mehrere Tausend Deutsche, meist aus dem Verwaltungsbezirk Betschkerek, wurden hierher gebracht. Sie wurden sehr schlecht behandelt und die arbeitsfähige Bevölkerung ständig auf Zwangsarbeiten getrieben. In kurzer Zeit sind über 600 Deutsche im Lager gestorben. Viele, viele sind auch durch die Partisanen auf grausame Art ohne Grund und ohne Verfahren erschlagen oder erschossen worden oder mußten an den Folgen von Verletzungen, die sie bei den Folterungen erlitten hatten, nach schweren Leiden sterben.

Im November 1944 brachten die Partisanen 1.200 alte Leute und Kinder aus Betschkerek. Die Menschen mußten den ganzen Weg im Straßenkot zu Fuß gehen und wurden mit Peitschenhieben wie eine Viehherde getrieben. Wer erschöpft war und nicht mehr mitkam, wurde niedergeschlagen und blieb im Kot liegen. Sie wurden in dem Schulgebäude eingesperrt und nach zwei Tagen in die Häuser einquartiert, wo sie dann bis zum 18. April von der Bevölkerung des Ortes verköstigt und verpflegt werden mußten. Es waren alles alte, gebrechliche Leute, die die schwere Arbeit der Zwangsarbeitslager nicht mehr verrichten konnten. Kathreinfeld war ein Internierungslager für Arbeitsunfähige. Dennoch aber wurden immer wieder einigermaßen Arbeitsfähige herausgesucht und in die Zwangsarbeitslager verschickt. Mütter, die hie und da noch mit ihren Kindern waren und auch manche jüngere Großmutter wurde hier von ihren Kindern gerissen und mußte die Kinder ihrem Schicksal überlassen. Die zur Arbeit Ausgewählten mußten den ganzen Winter im Feld arbeiten. Meist mußten sie den Mais brechen und das Laub schneiden. Da man ihnen alle einigermaßen noch guten Kleidungsstücke weggenommen hatte, trugen sie nur Lumpen schlechtester Art auf dem Körper. Die Füße waren oft nur mit Lumpen umwickelt. Abends wurden sie in ihren nassen und gefrorenen Lumpen wieder in den Ort gebracht, um in ungeheizten Räumen zu übernachten. Auch die Kranken aus den anderen Lagern wurden nach Kathreinfeld gebracht. Der Ort war somit zu einer Art Kranken-Internierungslager geworden. Arzt jedoch gab es nur einen im Dorf, aber auch diesem war es strengstens verboten, die Kranken zu behandeln oder irgendwie zu betreuen.

Die aus den anderen Lagern in Kathreinfeld eingelieferten Kranken kamen meist aus Betschkerek und von dem Flugplatz in Etschka. Sie waren voller Läuse, ihre Körper vom Durchfall ausgemergelt. Viele hatten erfrorene Finger und Zehen und manchen waren die Beine erfroren. Häufig hing ihnen das Wadenfleisch nur so herunter, Anton Wenzel aus Tschesterek hatte am ganzen Bein bis zum Gesäß nur noch einen heilen Hautfleck in der Größe einer Handfläche. Unter den Kranken befanden sich auch häufig Männer und Frauen, die nur an den Folgen von schweren Mißhandlungen litten. Nikolaus Schneider aus Pardanj flüchtete, weil er schwer verprügelt worden war, aus dem Lager und begab sich in seinen Heimatort nach Pardanj. Er wurde dort wieder aufgegriffen und nach Kathreinfeld zurückgebracht. Sie hatten ihm Hände und Füße über den Rücken an den Hals gebunden und ließen ihn während des ganzen Weges immer wieder vom Wagen absteigen, banden ihn dann an die Deichselstange und schlugen ihn mit Stöcken. Als sie mit ihm in Kathreinfeld ankamen, war er nicht zu erkennen. Die Kopfdecke war dick angeschwollen und wie eine Blase von Blut unterlaufen, die Augen hingen ihm dick angeschwollen fast vom Gesicht heraus, das Gesicht selbst war blutig und blau geschlagen. So sahen auch seine Hände und sein Rücken aus. Infolge von Eiterungen ist ihm die ganze Kopfdecke zweimal nacheinander fast vollkommen heruntergefault.

Am 26. Dezember kam in der Nacht um 10 Uhr Befehl – Befehle wurden in dieser Zeit immer in der Nacht verkündet – daß alle Frauen von 18 bis 35 und alle Männer bis zu 45 Jahren binnen zweier Stunden im Gemeindehaus versammelt sein müssen. Sie wurden dann nach Rußland verschleppt. Damals sind nur mehr alte Leute und Kinder im Dorf geblieben. Viele und oft auch ganz kleine Kinder blieben ganz allein. Manches kleine Kind hatte nicht einmal eine Großmutter mehr, die sich seiner angenommen hätte. Die Männer, die nicht nach Rußland verschleppt wurden, weil sie schon zu alt waren, wurden in die Lager getrieben.

Ganz unglaublich bestialisch haben sich die Partisanen unter Leitung ihres politischen Kommissars hier zu Beginn des Jahres 1945 gezeigt. Lange nachdem der Krieg in dieser Gegend schon beendet war, ist eines Tages aus dem Konzentrationslager in Cernje eine Gruppe von älteren und kränklicheren deutschen Männern, von welchen man sich bei den Zwangsarbeiten nicht mehr viel Nutzen versprechen konnte, nach Kathreinfeld geschickt worden. Sie waren noch nicht so herabgekommen wie die, die üblicherweise nach Kathreinfeld gebracht wurden. Sie konnten noch auf dem Wagen sitzen und sich aufrecht halten. Der Militärkommandant von Kathreinfeld war von dem Eintreffen dieser Leute schon vorher verständigt gewesen. Kaum war diese Menschensendung eingetroffen, verfügte er auch schon, daß diese Leute nicht in das Konzentrationslager zu den anderen Deutschen kommen dürfen. Er ließ sie in den Räumen des einstigen Schulgebäudes einsperren. Sogleich wurde es im Lager klar, daß man mit diesen Leuten etwas Besonderes vorhabe und besondere Experimente mit ihnen anstellen wolle. Es begab sich auch gleich eine Gruppe von Partisanen in das Gebäude, in dem die ahnungslosen Menschen auf ihr Schicksal warteten. Der politische Kommissar der Partisanen lief schnell noch um eine Ziehharmonika. Als er damit zurück war, begaben sie sich alle in die Räumlichkeiten, in welchen die deutschen Männer eingesperrt waren. Der politische Kommissar begann auf der Harmonika zu spielen, seine Partisanen die Männer zu schlagen, als handle es sich um eine Schulung im Umbringen von Menschen. Die Männer jammerten fürchterlich und je mehr sie schrien, desto lauter spielte der Kommissar auf der Harmonika, damit man das Wehklagen dieser Deutschen nicht höre.

Der politische Kommissar wollte seinen Partisanenkameraden damit die Möglichkeit geben, sich einmal gründlich auszutoben und ihren Blutdurst an lebendigen deutschen Menschen zu stillen. Es wurden Experimente gemacht, wie man Menschen ohne Schuß und Messer umbringen könne. Die einzelnen deutschen Männer wurden der Reihe nach auf den Fußboden geworfen, so daß der Bauch und das Gesicht am Boden, der Rücken aber nach oben gerichtet war. Dann nahmen die Partisanen ihre Gewehre und stießen mit den Gewehrkolben den armen deutschen Männern in den Rücken in die Gegend der Nieren, um diese zu verletzen. Die Bewußtlosen faßten sie dann an Kopf und Füßen, warfen sie in die Höhe und ließen sie auf den Boden niederfallen. Dann sprangen sie wieder mit den Füßen auf ihnen herum. Sie schafften zu diesem Zwecke Tische herbei, stiegen darauf und sprangen mit ihren schweren Stiefeln der Reihe nach mit aller Wucht auf die mit dem Rücken auf dem Boden liegenden deutschen Männer und brachen ihnen die Rippen. Einigen Männern drehten sie auch die Geschlechtsteile bei lebendem Leibe ab. Die Folterungen dauerten mehrere Stunden. Einigen von ihnen, die dann noch immer Zeichen des Lebens von sich gaben, schlugen sie mit Gewehrkolben und Stöcken noch die Schädel ein. Fortwährend aber spielte der Kommissar auf der Ziehharmonika und eiferte seine Leute an.

Als keiner der deutschen Männer mehr zu leben schien und die Partisanen schon müde waren, zogen sie ab. Die deutschen Männer aber ließen sie im Schulhaus liegen. Alle bis auf Schirado Nikolaus waren tot, er war nur bewußtlos. Er hatte gebrochene Rippen, einen zerschlagenen Kopf und schwere innere Verletzungen. Gegen Abend erlangte er das Bewußtsein wieder, und als dann von den Partisanen Männer aus dem Konzentrationslager dorthin gebracht wurden, die Leichen fortzuschaffen, konnte er als einziger Überlebender heimlich in Sicherheit gebracht werden. Schirado war ein bewegungsloser Fleisch- und Knochenbatzen geworden. Mehrere Rippen waren ihm gebrochen und der ganze Körper voll schmutziger und blutiger Wunden. In derselben Nacht noch haben die Partisanen in den Häusern Frauen erschlagen. Ebenso Georg Bisching, dem sie auch die Geschlechtsteile herausgerissen haben. Er hatte gerade noch so viel Kraft, um sich auf den Dachboden zu schleppen. Dort hat er sich erhängt, um seinem Leiden ein Ende zu machen. Seine Frau haben sie mit Geißel und Gummiknüppel auch so hart geschlagen, daß sie sich nicht mehr regen konnte. Später sind von den Hieben handgroße Fleischstücke an ihrem Körper gefault und heruntergefallen. Eine andere Frau hat auf das Schreien im Nachbarhaus das Fenster geöffnet und wollte auf die Gasse schauen. Das wurde bemerkt und sie darauf so geschlagen, daß sie ebenfalls keines ihrer Glieder mehr bewegen konnte. Im Nachbarhause aber lag der Mann im Sterben. Auch ihn hatten sie furchtbar gefoltert und ihm die Geschlechtsteile zertrampelt. Er war bewußtlos und starb nach drei Tagen. Auf ähnliche Art sind unter Leitung eines politischen Kommissars in Kathreinfeld noch viele andere Deutsche qualvoll umgebracht worden.

Die am häufigsten angewandte Foltermethode der Partisanen war hier immer das Verletzen der Nieren durch Stöße mit Gewehrkolben, das Brechen der Rippen durch Sprünge auf den Bauch der zu Boden geworfenen Opfer und schließlich bei den Männern insbesondere auch das Abdrehen der Geschlechtsteile bei lebendem Leibe. Auf diese grausame Art ist insbesondere auch der langjährige frühere deutsche Bürgermeister von Kathreinfeld Josef Topka liquidiert worden. Aber auch deutsche Frauen wurden in diesem Lager umgebracht. Auch diese hat man auf die Art getötet, daß man ihnen auf den Bauch sprang, die Rippen brach und von rückwärts mit Gewehrkolben die Nieren verletzte. Insbesondere grausam ist so Magdalena Lisching zu Tode gefoltert worden. Die Lehrerin Anna Dinjer wurde in das Nachbardorf Ernsthausen verschleppt und dort mit vier anderen Frauen und mit 34 deutschen Männern in ein und derselben Nacht von den Partisanen während einer Partisanenunterhaltung in dem Gasthaus des Georg Schlitter mit Holzhacken und mit Messern abgeschlachtet.

Die Kathreiner Bevölkerung wurde am 18. April 1945 in das Lager getrieben. Wohl waren bis zu diesem Zeitpunkte schon fast volle sechs Monate die alten Leute, die Kinder, die Kranken und Arbeitsunfähigen aus den anderen Lagern nach Kathreinfeld gebracht worden, aber die Kathreinfelder befanden sich meist noch in ihren Häusern. Die Auswärtigen waren bei ihnen untergebracht und mußten auch von ihnen unterhalten werden. Am 18. April trommelte es in der Früh um sechs Uhr, daß sich alle sofort auf dem Kirchenhof einzufinden hätten. Am Nachmittag wurden dann alle in das Schulgebäude gebracht. Die Bänke wurden entfernt und die Schulräume waren fortan ihre Unterkunft. In die einzelnen Klassenzimmer wurden bis zu 150 Personen hineingestopft, die dort in der Nacht weder liegen noch sonstwie ruhen konnten. Die Kinder brachen immer wieder in Weinkrämpfe aus, so daß man auch schon deswegen nicht hätte schlafen können. Von da an gab es für alle nur noch Lagerverpflegung. Sie wurden an Kesseln gefaßt und Eßgeschirr gab es nur wenig. Die späteren mußten immer darauf warten, bis die ersten ihre Suppe gegessen hatten. Was anderes gab es nicht. Die Häuser wurden ausgeräumt und alles zusammengetragen und aufeinandergestapelt. Als ein Teil der Häuser leer war, wurden alle wieder in diese eingewiesen. Auch jetzt wurde jedes Zimmer mit mehreren Personen belegt und die ganze Einrichtung bestand aus Stroh, das auf dem Fußboden an Stelle von Betten ausgestreut war. Alles, was noch irgendwie arbeiten konnte, wurde zu den verschiedensten Arbeiten eingeteilt und viele auch in andere Orte gebracht. Mütter, die hie und da noch mit ihren Kindern waren und auch manche jüngere Großmutter schon elternlos gewordener Kinder wurde von den Kindern weggerissen, die Kinder selbst ihrem Schicksal überlassen. Nach einiger Zeit wurden dann Familien aus Serbien nach Kathreinfeld gebracht, die in den übrigen Häusern des Dorfes angesiedelt wurden und auch alle die Sachen bekamen, die aus den Häusern weggeführt und gesammelt worden waren.

Am 30. Oktober 1945 wurden dann wieder alle Alten, Kranken, Kinder und Arbeitsunfähigen am Abend spät in das Schulgebäude getrieben, am nächsten Morgen an die Bahnstation geführt und in Waggons eingeteilt. Am Nachmittag setzte sich der Transport in Bewegung, ohne daß jemand gewußt hätte, wohin diese Reise geht. Noch an demselben Abend blieb der Transport in Rudolfsgnad (Knicanin) stehen. Hier mußten alle aussteigen und wurden dann in die Häuser des Ortes einquartiert. Zu früheren Zeiten lebten hier etwa 3.000 Menschen. Die Häuser standen jetzt schon ein ganzes Jahr leer und waren entsprechend verwahrlost. Täglich kamen immer wieder neue Transporte an, bis zuletzt 24.000 Menschen beisammen waren. Die Häuser wurden so stark belegt, als auf dem Fußboden zum schlafen Platz hatten. Mehr als Stroh gab es auch hier nicht. Von den Fremden, die als Kranke oder Arbeitsunfähige nach Kathreinfeld gebracht worden waren, sind bis zum Tage der Verlegung des Lagers nach Rudolfsgnad 770 in Kathreinfeld auch gestorben“.


Im Südosten des Banats geschahen grauenvolle Untaten


Werschetz

Die Banater Stadt Werschetz ist mit der kühnen Tat Hennemanns in die Geschichte eingegangen. Einer unserer größten schwäbischen Dichter hat die Tat Hennemanns und die Tapferkeit der Werschetzer Bürger bei der Verteidigung der Stadt gegen die türkischen Horden als die „Werschetzer Tat“ besungen. Im Zusammenhang mit dem letzten blutigen Völkerringen hat sich Werschetz ein zweites Mal in die Geschichte eingetragen. Nicht mit der Tat seiner mutigen Bürger, sondern den Un- und Missetaten, die an seinen friedlichen Bürgern und deutschen Menschen seiner Umgebung verübt wurden. Was sich in Werschetz in den Herbsttagen 1944 zugetragen hat, übersteigt selbst die krankhafteste Phantasie eines Sadisten und würde unglaubwürdig erscheinen, wenn es nicht durch verläßlichste Quellen verbürgt und auch heute noch von Hunderten von Zeugen bestätigt werden könnte.

In der durch ihren Weinbau berühmt gewordenen Banater Stadt Werschetz lebten bis zum letzten Kriege neben 12.000 Serben und einer geringen Zahl Ungarn und Rumänen annähernd 16.000 Deutsche. Von diesen sind schon Ende 1944, gleich nachdem die Partisanen von den Russen die Macht übernommen hatten, einzeln oder in Gruppen, bei den verschiedensten Gelegenheiten ungefähr 6.000 erschossen, erschlagen, verschleppt oder auf andere Art liquidiert worden. Auch aus den zahlreichen deutschen Siedlungen der Umgebung der Stadt hatte man sehr viele deutsche Menschen hierher gebracht, um sie hier zu vernichten.

Schon vom 3. Oktober 1944 angefangen, wurden in Werschetz durch die neuen Polizeibehörden umfangreiche Verhaftungen von deutschen Männern vorgenommen. Ungefähr 400 von diesen Häftlingen sind darauf verschwunden. Jede Nacht wurde eine größere Zahl dieser Leute aus dem Gefängnis herausgeholt und gleich darauf entweder im Keller der Polizei selbst oder auf anderen Plätzen innerhalb der Stadt erschlagen, erschossen oder auf andere Art umgebracht. Unter diesen Opfern befanden sich auch viele deutsche Zivilisten aus Rumänien, die auf der Flucht vor den russischen Truppen in Werschetz steckengeblieben und später von den jugoslawischen Partisanen gefangengenommen worden waren. Die Leichen der hier Getöteten wurden an den verschiedensten Stellen in der Stadt begraben. So fand man z.B. im Hof des Weinproduzenten Weigand unter einem großen Treberhaufen versteckt 12 auf grausame Art verstümmelte Leichen von deutschen Zivilisten, darunter auch die des Hauseigentümers.

Am 10. Oktober 1944 wurden 135 Deutsche, darunter auch ein Knabe und eine Frau, bei hellem Tage in der Stadt selbst, in der sogenannten „Dreilaufergasse“, von Partisanen zusammengetrieben und öffentlich erschossen. Sie alle hatten sich der Reihe nach niederknien müssen und sind dann von rückwärts durch Genickschüsse erledigt worden. Wer sich aber nicht sogleich hinkniete, den haben die Partisanenrudel fürchterlich geprügelt, gestochen, angeschossen, die Zähne eingeschlagen und ihm erst nach langem Leiden den tödlichen Schuß gegeben. Die bei dieser Gelegenheit getötete Frau hieß Viktoria Geringer, der getötete Knabe war ihr Kind. Die meisten übrigen Opfer dieses Tages waren Weinbauern und Weingartenarbeiter . Sie waren gerade mit der Weinlese beschäftigt gewesen, und so wie sie ahnungslos mit ihren Wagen voll Maische und Trauben auf der Heimfahrt aus den Weingärten aus den verschiedensten Richtungen in die Stadt kamen, wurden sie von den Wagen heruntergeholt und von den Partisanen grundlos und wahllos getötet. Als alle tot waren, brachten die Partisanen Wagen herbei und führten die Leichen auf den Schinderplatz. Der Leichnam der erschossenen deutschen Frau Geringer aber bekam einen Strick um den Hals und wurde hinter dem letzten Wagen auf der Erde durch alle Gassen nachgeschleift. Auf dem Wagen selbst saßen auf den toten Deutschen jubelnde Partisanen und Zigeuner. Sie schändeten noch unterwegs die Leichen, machten Musik mit einer Ziehharmonika und sangen Partisanen-Lieder.

Am 23. Oktober wurden dann die wohlhabendsten deutschen Bürger der Stadt – 35 an der Zahl – aus ihren Häusern geholt und ins Gerichtsgefängnis gebracht. Dort wurden sie 2 Tage hindurch erbärmlich gefoltert. Manche wurden auch dort schon getötet. Am 25. Oktober in der Früh wurden sie auf einen Lastkraftwagen geworfen und aus der Stadt hinausgeführt. Sie sind für immer verschwunden. Der bekannte deutsche Lehrer Nikolaus Arnold und der Rechtsanwalt Dr. Julius Kehrer waren auch unter diesen Opfern.

Auch 250 deutsche Kriegsgefangene hatte man in jenen Tagen in dieses Gerichtsgefängnis gebracht. Diese sind dann gruppenweise jeden Abend gegen 10 Uhr nach fürchterlichen Mißhandlungen von hier weggeführt worden. Sie wurden vorher gefesselt und auf die Schinderwiese getrieben. Dort wurde jedesmal ein Graben ausgehoben. An diese Graben mußten die ausgewählten Opfer, nachdem sie nackt ausgezogen worden waren, in Gruppen zu 20 und mehr Leuten jedesmal herantreten und bekamen den Genickschuß. In der ganzen Stadt aber hörte man von dort diese Schießerei. Am 25. Oktober ist auch der frühere deutsche Bürgermeister Geza Frisch mit fünf anderen ehemaligen städtischen deutschen Würdenträgern am Schinderplatz erschossen worden. Diese Leute waren durch mehrere Tage hindurch in einem Raum des Bürgermeisteramtes eingesperrt und wurden dann am 25. Oktober abends gefesselt durch die Stadt getrieben. Hinter ihnen fuhren auf Wagen Partisanen. Die Pferde wurden dabei ständig angetrieben, so daß die Männer die Strecke bis zur Schinderwiese im Laufschritt zurücklegen mußten. Dort mußten sie sich selbst ihr Grab schaufeln und dann sich nackt ausziehen. Darauf bekamen sie ihre Genickschüsse. Schon wenige Tage später aber wurden ihre Kleider von Partisanen in der Stadt getragen. Besonders grausam ist man auch gegen die deutschen Mädchen und jungen Frauen von Werschetz vorgegangen. Hunderte von ihnen wurden verschleppt und sind verschwunden.

Am 27. Oktober 1944 und auch schon einige Tage vorher trieb man dann auch die übrigen deutschen Männer aus ihren Häusern und Wohnungen und brachte sie ins Konzentrationslager, das am sogenannten“Stojkowitsch-Telep“ für die Deutschen errichtet worden war. Auch aus den Gemeinden der Umgebung brachte man Deutsche nach Werschetz ins Lager, so daß dort gegen 5.000 Deutsche zusammengepreßt worden waren. Das Lager bestand nur aus 5 Baracken, die in der ersten Zeit diese Tausende kaum faßten. Aber bald wurde das Lager leer, denn in den Abendstunden fuhren Tag für Tag Lastkraftwagen heran. Auf diese wurden schon vorher ausgewählte Gruppen von 100 und mehr Männern jedesmal aufgeladen und in der Nacht weggeführt. Alle diese sind verschwunden. Meist wurden sie zum Schinderplatz geführt und ohne Grund und ohne Verfahren, nachdem sie sich nackt haben ausziehen müssen, erschossen. Ganze Nächte hindurch hörte man das Schießen in der Stadt. Auf diese Weise wurde die Zahl der deutschen Lagermänner immer kleiner. Im Monat Dezember 1944 lebten von den früheren Tausenden nur mehr 350, die dann größtenteils in die Gemeinde Guduritz auf Holzarbeiten und von dort ins Lager Semlin auf schwere Zwangsarbeit geschickt wurden. Die Mehrzahl ist dort gestorben.

Aber auch im Konzentrationslager selbst, innerhalb des Stacheldrahtes, wurden viele Deutsche umgebracht, durch ständige Mißhandlungen und Folterungen getötet oder erschossen. Meist waren es die angesehenen Werschetzer Bürger, die wohlhabenderen Leute und die deutsche Intelligenz, die mit besonderer Vorliebe von den Partisanen zuerst Tage hindurch grausam gequält und dann erst liquidiert worden sind. Hunderte von diesen Leuten sind in der unmittelbaren Nähe des Lagers begraben. All dies wurde unter unmittelbarer Leitung des Lagerkommandanten selbst und der höchsten Funktionäre der neuen Behörden durchgeführt. Auch der frühere deutsche Werschetzer Rechtsanwalt, Dr. Alfred Marich, ist hier im Lager wiederholt von Partisanen sehr schwer mißhandelt worden. Es wurde ihm bei den Folterungen auch ein Auge verletzt. Zur Heilung seiner Wunden wurde ihm keine Gelegenheit gegeben. Schließlich wurde er einmal zur Nachtzeit allein aus der Baracke hinausgeführt und kehrte nicht mehr zurück. Angeblich wurde er nach langen Folterungen im Lager selbst von einem hohen behördlichen Funktionär eigenhändig getötet.

Am 18. November 1944, nachdem schon die meisten deutschen Männer liquidiert waren, kamen auch die deutschen Frauen und Kinder von Werschetz in das mittlerweile beinahe leer gewordene Konzentrationslager. Von hier schob man sie, viele Tausende, nach einiger Zeit der Qualen und Leiden in andere Ortschaften ab, wo die Frauen während des Winters schwere Zwangsarbeiten verrichten mußten und massenhaft zugrunde gingen. Größere Gruppen kamen nach Mitrowitz, Schuschara und anderen Orten. In diesen Gruppen befanden sich häufig auch Männer aus Weißkirchen. Die Mehrzahl von ihnen, die Ende 1945 noch lebten, wurden in das große Konzentrationslager nach Rudolfsgnad gebracht. Die meisten Werschetzer sind hier im Winter 1945 auf 1946 verhungert. Nur einzelne haben die Qualen überstanden.

Über die Vorkommnisse in Werschetz berichtet ein Augenzeuge im einzelnen noch folgendes:

„Nachdem es mir gelang, mit einem Arbeitertransport den ersten Rummel auszunützen und so unbemerkt in meine Heimat zu kommen, um meine dort verbliebenen Eltern zu suchen, fand ich folgende Zustände vor:

Es war Nacht, als der Zug in Werschetz einfuhr. Gleich am Bahnhof fiel mir auf, daß dort keine einzige bekannte Person zu sehen war. Es schien mir, als würde ich eine vollkommen fremde Stadt betreten. Durch die finsteren Straßen schleichend, erreichte ich mein Elternhaus, wo ich beim ersten Blick durch das Fenster die Situation sofort feststellen konnte. Im ehemaligen Schlafzimmer meiner Eltern, das ebenerdig auf der Straßenseite gelegen war, befanden sich Zigeuner um einen offenen Herd versammelt. Auf dem Fußboden spielten Zigeunerkinder. Da konnte ich nicht hinein und da ich müde war, ging ich in eine Weingartenhütte am Fuße des Berges, um dort die Nacht zu verbringen. Dort hielt ich mich auch während der ganzen Zeit meines Aufenthaltes verborgen. Ich konnte nur in der Nacht meine Bekannten aufsuchen, die mich auch verpflegten. Vom Nachbarn meiner Eltern erfuhr ich über meine Eltern folgendes:

Mein Vater, der nie politisch tätig, aber als tüchtiger Geschäftsmann bekannt und beliebt war, wurde um Mitternacht von den Partisanen aus dem Bette geholt und mit vielen hundert anderen im Bezirksgericht eingesperrt. Solche Aktionen wiederholten sich Nacht für Nacht, bis alle in der Heimat verbliebenen Deutschen und königstreuen Serben in Haft waren. Dort wurden die Serben von einem willkürlich zusammengewürfelten „Volksgericht“ abgeurteilt. Es gab überhaupt nur Todesurteile. Mit russischen Autos wurden die „Verurteilten“ Nacht für Nacht auf die Schinderwiese, eine große Fläche mit künstlichen Gruben, wo sonst Fäkalien abgelagert werden, gebracht, durch Zigeuner entkleidet, von Partisanen kurzerhand niedergeschossen und oft halblebend eingegraben. Mein Vater befand sich auch in einem solchen Schreckenstransport. Meine Mutter blieb noch eine Woche zu Hause und wurde dann ins Lager gebracht

So entstanden in Werschetz selbst vier große Lager, Stojkovich-Telep, Majdan, Schweitzer-Keller und Kaserne. Für Serben, die den Massenhinrichtungen nicht zum Opfer fielen, gab es Transporte nach Belgrad. Im Lager Stojkovich-Telep waren die Lagerinsassen nachts in den überfüllten Baracken, wie Heringe im Faß, hineingepreßt und durften sich nicht bewegen. Bei der kleinsten Bewegung wurde man sofort erschossen. Die Wachmannschaft hatte vollkommen freie Hand und bestimmte über Tod oder Leben der Lagerinsassen eigenmächtig. Eines Nachts stellte man Maschinengewehre um eine Baracke und schoß hinein. Nach Einstellung des Feuers mußten die Überlebenden zuerst die Verwundeten hinaustragen und dann die Toten. Die Verwundeten wurden sofort erschossen und die Überlebenden mußten dann alle Toten gleich an Ort und Stelle begraben. Da sie die Massengräber zu oberflächlich anlegten, hob sich die Erde nach einigen Tagen. Es mußten tiefere Gruben geschaufelt werden und die Toten noch einmal begraben werden. Es kamen Partisanenfrauen in die Baracken und haben die Schwerkranken und Schwachernährten so lange mit den Füßen getreten, bis sie starben. Das Austreten zur Notverrichtung war nach Laune der Wachmannschaften oft tagelang verboten. Solche, die hinausgelassen wurden, wurden oft auch gleich erschossen.

Nachweisbar wurden 4.000 Menschen in Werschetz erschossen. Bemerkenswert ist, daß sich unter den Erschossenen auch altbekannte Kommunisten befanden. Wegen des ständigen Umgruppierens der Lagerinsassen läßt sich nicht feststellen, wer ermordet, verschleppt oder sonstwie verschwunden ist. Ganz alte Leute und Kinder befanden sich in Setschan, wo sie täglich massenhaft an Hunger starben“.

Karlsdorf

In Karlsdorf lebten rund 3.000 Deutsche. Der Ort wurde noch am 2. Oktober 1944 von den Russen besetzt. Die in ihrem Gefolge erschienenen Partisanen errichteten die Militärverwaltung, die schon am 5. Oktober wahllos deutsche Männer und Frauen zu verhaften begann. Jede Nacht wurden einige verhaftet. Die Nächte der ersten Zeit waren besonders für Frauen und Mädchen gefährlich. Immer wieder suchten Russen nach Frauen, um sie zu vergewaltigen. Eine 73jährige Frau war gleich das Opfer von drei Soldaten. Frauen und auch Männer begingen in ihrer verzweifelten Lage auch Selbstmord. Am 9. Oktober waren schon 28 Männer in einem Raume mit acht Quadratmeter Bodenfläche eingesperrt. Am 6. November war mit den Vernehmungen begonnen worden, bei denen die Männer meist geschlagen, einige auch schwer mißhandelt wurden. Die gräßlichsten Folterungen erlitten jene, bei denen Augen, Zähne eingeschlagen, Glieder abgeschlagen, Rippen und Knochen gebrochen wurden. Viele sind auch gestorben, oder erschossen worden.

Am 4. und 8. November wurden 38 Personen, darunter auch sechs Frauen (eine hochschwangere), nach Uljma verschleppt. Vier wurden am 9. November in einem schwer mißhandelten Zustande wieder zurückgebracht. Von den übrigen fehlt derzeit jede Spur. Sie sind am 9. und 10. November in Weißkirchen erschossen worden. Am 12. November mußten alle Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren zum Feuerwehrheim kommen und wurden dann in die von der deutschen Luftwaffe neben dem Friedhof zurückgelassene Baracke geführt. Diese Baracke wurde mit Stacheldraht umgeben und war fortan ein Zwangsarbeitslager. Auch hier hat es an Mißhandlungen nie gefehlt. Einer der gefährlichsten Partisanen war Livius Gutschu, der selbst seinen Vater erschießen ließ, später aber, weil er sich an seinen Opfern bereichert hat, auch selbst verhaftet wurde und spurlos verschwunden ist. Am 18. November wurden die deutschen Frauen und Kinder und alle sonst arbeitsunfähigen Deutschen aus dem Alibunarer Bezirk nach Karlsdorf gebracht. Sie wurden in die Häuser der Deutschen eingewiesen. Aus dem Lager wurden einige Tage später etwa 200 Mann weggeführt. In dem 20 km entfernten Roschiana (bei Schuschara) mußten sie bis zum Frühjahr Holz fällen. Sie wohnten dort in Erdlöchern. Ein aus Uljma stammender Holzfäller wurde vom Wachkommandanten des Holzschlages gelegentlich einer Unterhaltung in Schuschara so schwer mißhandelt, daß er zusammenbrach. Er mußte die Hose ausziehen, worauf man ihm einen Ziegelstein an die Geschlechtsteile band und ihn mit Prügeln zum Tanze trieb. Auch im Dezember kam es noch zu schweren und tödlichen Mißhandlungen.

Um die Jahreswende wurden 280 Personen nach Rußland verschleppt. Als im Frühjahr die Männer vom Holzschlag zurückgekommen waren, wurden 200 Männer gleich wieder nach Semlin in Marsch gesetzt. Die Gruppe bestand vorwiegend aus Karlsdorfern (132), dann von Männern aus Weißkirchen (27), Schuschara (15), Alibunar (10), Uljma (6), Ilandscha (4), Jasenova (3), Seleusch (1) und anderen Orten. Am 12. Februar kamen aus dem Semliner Lager 600 Mann – darunter etwa 90 Karlsdorfer – nach Mitrowitz, wo ihnen noch 400 aus Apatin und Umgebung beigeschlossen wurden. Als die Gruppe am 25. Mai wieder nach Semlin zurückgebracht wurde, waren es um 112 weniger, die beim Bahnstreckenbau alle gestorben oder erschossen worden waren. Von den 90 Karlsdorfern allein fehlten 21. Im Mai 1947 lebten von den 132 Karlsdorfer Männem noch 66. Als das Semliner Lager im September nach Mitrowitz verlegt wurde, befanden sich darunter noch 17 Karlsdorfer. Im März 1946 lebten noch vier von diesen.

Am 24. März – eine Woche nachdem die Arbeitergruppe nach Semlin abgegangen war – wurden 30 Mann in das Pantschowarer Ried geschickt. Von den 15 Karlsdorfern ist Johann Hatibu an Erschöpfung schon in den nächsten Tagen dort gestorben. Am 27. April 1945 wurde die ganze deutsche Bevölkerung Karlsdorfs in das Lager getrieben. Sie blieben dort etwa vier Wochen lang, währenddessen ihre Häuser ausgeräumt wurden. Nach diesen vier Wochen wurden sie in einem Teil des Ortes wieder einquartiert. Über Sommer mußten alle Arbeitsfähigen auf Arbeit gehen. Als das Internierungslager Kathreinfeld nach Rudolfsgnad verlegt wurde, wurden auch alle Arbeitsunfähigen aus dem Karlsdorfer Internierungslager nach Rudolfsgnad gebracht. Etwa 450 Personen – darunter 264 Karlsdorfer – kamen am 30. Oktober nach Rudolfsgnad, wo im April des nächsten Jahres auch schon die Hälfte Hungers gestorben war. Im März 1948 lebten dort noch 80 Karlsdorfer. Als im Sommer 1946 mehr und mehr über Rumänien nach Österreich zu flüchten versuchten, gelang es vielen Karlsdorfern, das nackte Leben zu retten, doch sind viele auch an der Grenze erschossen und von verbrecherischem Gesindel, das seine Verbrechen Deutschen gegenüber noch immer unter dem Deckmantel partisanischen Heldentums ausüben konnte, ermordet und beraubt worden. Mitte April 1946 und später wurden in gewissen Zeitabständen größere Gruppen nach Guduritz und Werschetz geschafft. Dort, namentlich aber in Guduritz, wurde die Flucht nach Rumänien inoffiziell geduldet, so daß sich von dort die meisten noch das Leben retten konnten. Später, und zwar im Frühjahr und Sommer 1947, wurden Überstellungen von größeren Gruppen nach Gakovo durchgeführt. Auch dort wurde die Flucht nach Ungarn durch inoffizielle Duldung begünstigt.

Anfang 1948 – als die Zwangsarbeitslager aufgelöst wurden, hat sich der Rest der in Jugoslawien verbliebenen und noch am Leben gebliebenen Karlsdorfer, soweit sie arbeitsfähigen Alters waren, für serbische Bergwerke und Baranjaer Kolchosen verpflichtet. Nach Karlsdorf selbst kamen, soweit sie nicht auch schon nach Gakovo überstellt oder inzwischen gestorben waren, auch die Arbeitsunfähigen des ebenfalls um diese Zeit aufgelösten Rudolfsgnader Lagers. Karlsdorf, das jetzt als „Rankovicevo“ den Namen des Chefs der OZNA trägt, ist somit zur Endstation des Leidensweges des jugoslawischen Deutschtums geworden. In die Baracken am Friedhof wurden alle Deutschen des Landes eingewiesen, die arbeitsunfähig waren und niemand hatten, bei dem sie ihren Lebensabend hätten beschließen können.

Alibunar

Das Zentrum des Vernichtungswerkes an dem Deutschtum des Alibunarer Bezirkes war Alibunar selbst. Im November wurden schon auf der Alibunarer Schinderwiese mehre Männer erschossen. Die Opfer mußten immer zuerst ihre Kleider ausziehen. Später mußten dann Frauen des Alibunarer Lagers die Kleider vor ihrer Verteilung an die Partisanen auswaschen. Diese Kleider deren frühere Träger den ortskundigen Frauen des Lagers meist bekannt waren, waren häufig der einzige Anhaltspunkt dafür, wer an gewissen Tagen den Erschießungen zum Opfer gefallen war. Am 18. November 1944 wurden die deutschen Frauen, Kinder und sonstigen arbeitsunfähigen Personen des Alibunarer Bezirkes nach Karlsdorf gebracht. Die Arbeitsfähigen waren bereits auf die verschiedensten Arbeitsplatzlager des Alibunarer Bezirkes verteilt worden. Wer mit dem Marschtempo nicht Schritt halten konnte, wurde auf der Straße erschossen und in den Straßengraben geworfen.

Klara Knoll aus Alibunar berichtet:

Alibunar ist Bezirksort und hatte eine gemischte Bevölkerung, vorwiegend Rumänen und Serben. Von den 5.000 Einwohnern waren etwa 220 Deutsche. Die Deutschen waren hauptsächlich Handwerker und Kaufleute. Am 3. Oktober 1944 kamen russische Truppen in unseren Ort. Erst zwei Tage später kamen serbische Partisanen und haben die Verwaltung der Gemeinde übernommen. Die ersten deutschen Männer und Frauen wurden ungefähr am 15. Oktober verhaftet. Sie wurden bis zu Ihrer Erschießung schwer mißhandelt (geprügelt, von den Zehen die Nägel heruntergerissen, zwischen die Finger in Benzin getauchte Papiere gesteckt und angezündet). Nach ihrer Erschießung fanden Frauen in die Wäsche eingewickelte Fußnägel. Über diese Folterungen haben uns Ungarinnen erzählt, die den Verhafteten Essen bringen konnten. Die deutschen Frauen durften ihren Angehörigen nichts bringen, ja nicht einmal dem Gebäude sich nähern. Mir hat auch ein bekannter Partisan, der früher einmal bei Verwandten von mir bedienstet war, erzählt, daß mein Mann durch die Mißhandlungen kaum zu erkennen sei.

Am 17.11.1944 kamen wir alle ins Lager nach Karlsdorf. Die einzelnen deutschen Familien von den zu unserem Bezirk gehörenden nicht-deutschen Dörfern waren auch in unseren Ort gebracht worden und mit uns nach Karlsdorf gekommen. Vor dem Abmarsch hielten Partisanen uns eine Rede, in der sie betonten, daß sie uns nicht alle erschießen würden, aber wir würden lebenslänglich ihre Sklaven sein. Den Partisanen, die uns begleiteten, wurde der Auftrag erteilt, alle diejenigen zu erschießen, die auf dem Weg ins Lager nach Karlsdorf eventuell nicht weiter gehen könnten und von der Marschgruppe zurückbleiben würden.

So wurden mein Vater Edmund Bauer, 86 Jahre alt; Frau N.Fritz, 82 Jahre alt; N.Jacker, die Frau des Schornsteinfegers, 50 Jahre alt (sie hatte kranke Füße) auf dem Weg beim Ausgang des Ortes erschossen. In Karlsdorf kamen wir abends an. Wir mußten uns alle an die Wand stellen. Wir dachten, daß wir erschossen würden. Die Kinder begannen zu weinen. Wir wurden in Gruppen zu je 10 Personen abgezählt und in die Häuser eingewiesen. Den Hauseigentümerinnen (ihre Männer waren ja entweder eingesperrt oder auf Arbeit in den Wald verschleppt) wurde gedroht, falls jemand fehlen sollte, würden sie erschossen. So verließ ich nicht das Haus und erfuhr erst drei Tage später vom Tode meines Vaters. Wir haben in Karlsdorf Feldarbeit und andere schwere Arbeiten machen müssen, aber wir haben in Häusern, in warmen Räumen schlafen und unsere nassen Kleider trocknen können, oder von den Deutschen aus Karlsdorf Kleider erhalten.

Als wir schon eine Woche in Karlsdorf waren, wurden am Samstag, dem 25.11.1944, erschossen: mein Mann, Franz Knoll, 43 Jahre alt (Frau Knoll zählt dann noch 15 weitere Opfer aus ihrem Heimatort auf). Außer den deutschen Männern und Frauen aus Alibunar wurden auch deutsche Frauen und Männer aus den nicht deutschen Ortschaften unseres Bezirkes erschossen, insgesamt 80 Personen. Sie wurden alle am sogenannten Schinderfriedhof erschossen und begraben. Sie mußten sich selbst das Grab graben und wurden in Gruppen zu 10 Personen zusammengebunden, auf ein quer über das Grab gelegtes Brett gestellt und erschossen. Die ersten haben vielfach die letzten der Gruppe mit sich hinuntergerissen, die dann im Grab erschossen wurden. Es mußten sich alle Frauen und Männer ganz entkleiden und wurden so erschossen. Da sich die Frauen weigerten, sich auszuziehen, wurden sie mit Benzin begossen und in den an ihrem Leibe brennenden Kleidern erschossen. Ihnen wurde auf dem Wege zum Erschießen gesagt: „Jetzt führen wir Euch zu Eurem Hitler“. Auf dem Weg zum Schinderhof wurden den Frauen die Haare angezündet. Einige Tage durfte sich dem Massengrab niemand nähern. Da die Toten nur oberflächlich mit Erde bedeckt waren, zerrten Hunde sie bald an den Füßen und Händen heraus. Darauf mußten aus Karlsdorf ältere Männer, die nicht im Wald Holz machten, nach Alibunar gehen (5 km entfernt) und sie ordentlich mit Erde zuschütten.


Im Süden des Banats gab es einen Blutrausch ohne Grenzen


Kovin

Vor Jahrhunderten schon haben schwäbische Kolonisten am Nordufer der Donau gegenüber der einstigen türkischen Festung Semendria, im früheren Sumpfgebiet, eine Großgemeinde errichtet. Es war dies der Bezirksort Kovin (Kubin). Annähernd 5.000 Deutsche lebten hier. Aber auch in der Umgebung Kovins waren starke deutsche Siedlungen, so in Ploschitz, Mramorak, Bavanischte, Homolitz, Startschevo usw. mit vielen tausenden deutschen Einwohner entstanden.

Die neue volksdemokratische jugoslawische Regierung hat auch in dieser Gegend die deutsche Bevölkerung, Männer, Frauen und Kinder, weit über 10.000 Menschen, planmäßig ausgerottet. Die gesunden, über 15 Jahre alten Männer wurden in allen diesen Ortschaften größtenteils sogleich erschossen oder erschlagen. Tausende erwachsene deutsche Mädchen und junge Frauen von ihren Familien und die jungen Mütter von ihren kleinen Kindern weggerissen und nach Rußland verschleppt. Keine einzige von diesen Frauen und Mädchen ist gesund in die Heimat zurückgekehrt. Die übrige deutsche Bevölkerung wurde restlos von Haus und Hof vertrieben. Man hat ihnen alles, was sie hatten, weggenommen. Auch Schuhe und Kleider, die sie am Leibe trugen, mußten sie vielfach ausziehen und hergeben. Dürftig bekleidet wurden sie in den Bezirksort Kovin oder in andere Gegenden in Konzentrationslager verschleppt. Bei dieser Gelegenheit und auch noch später wurden dann Tausende einzeln oder in Gruppen von den Partisanen erschlagen, abgeschlachtet, erschossen, durch andere grausame Mittel liquidiert oder durch Hunger vernichtet. Heute wohnt in dieser Gegend kein Deutscher mehr. Die Ausrottung der Deutschen vollzog sich in allen Ortschaften dieser Gegen in gleicher Weise.

Im Bezirksort Kovin wurden am 13. Oktober 1944 als erste die zehn wohlhabendsten Deutschen aus ihren Häusern geholt und auf grausame Art umgebracht. Unter diesen ersten Opfern befand sich der deutsche Soda-Fabrikant Josef Fitschelka. Er mußte sich im Hofe des Gutsbesitzers Franz Schneider nackt ausziehen und wurde dann fürchterlich mißhandelt. Die Partisanen nahmen eine Zugsäge, hielten ihn nieder und durchsägten den lebenden Körper des Genannten von der rechten Brustkorbseite nach links über Lunge und Bauch. Er jammerte fürchterlich. Nach ihm wurden ähnlich grausam auch die anderen reichen Leute getötet. Darunter befand sich die ganze Familie des Großgrundbesitzers Franz Schneider.

Gleich darauf begannen die Partisanen auch mit der Verhaftung der übrigen deutschen Männer Kovins. Sie wurden alle eingesperrt und Tage hindurch fürchterlich gefoltert. Am 19. Oktober in der Früh um 2 Uhr wurden dann 280 dieser Deutschen auf den Pferdefriedhof (Schinderplatz) getrieben und dort erschossen. Auch vier deutsche Kriegsgefangene sollten gleichzeitig mit ihnen getötet werden. Alle übrigen waren Deutsche aus Kovin. 20 Männer, die erst später erschossen wurden, hatten vorher am Schinderplatz ein Massengrab graben müssen. Als das Loch fertig war, mußten sie wegtreten und sich 50 Schritte seitwärts niederlegen. Die 280 ausgewählten Opfer mit den vier deutschen Kriegsgefangenen wurden dann gefesselt herangeführt, mußten sich nackt ausziehen und sich in Gruppen zu je zehn Menschen in das Grab legen. Wer nicht folgte, wurde fürchterlich geschlagen. Sobald die Leute dann im Grab lagen, schossen die Partisanen von oben auf sie. Dann kamen neue Gruppen daran, welche sich auf die toten und schwerverwundeten nackten Menschen legen mußten. Dies ging so weiter, bis alle liquidiert waren. Dann mußten die 20 seitwärts wartenden Schaufler Erde auf die toten und schwerverwundeten Menschen werfen und das Grab zudecken. Am 20. Oktober 1944 wurden abermals 105 Koviner Deutsche auf gleiche Weise wie die 280 tags zuvor erschossen.

Nachdem auf diese Art fast alle männlichen Deutschen von Kovin selbst liquidiert waren, gingen die Partisanen daran, auch die Deutschen der übrigen Orte des Bezirkes zu vernichten. In langen Kolonnen wurden Tag für Tag deutsche Menschen aus den Orten der Umgebung auf Wagen oder zu Fuß, gefesselt und von vorhergehenden Mißhandlungen entstellt und blutig, nach Kovin gebracht. Hier kamen sie ins Lager, wurden Tage hindurch fürchterlich gefoltert und erlitten dann dasselbe Schicksal wie vorher die Koviner Deutschen.

Ploschitz

In Ploschitz, wo vor dem Kriege über 1.300 Deutsche lebten, haben die Partisanen auch gleich nach Übernahme der Macht viele Deutsche verhaftet und eingesperrt. Am 14. Oktober 1944 hatten die Partisanen im Gasthaus eine Unterhaltung mit Musik. Es war Sonntag. Daneben im Arrest und in den anderen Räumen des Gemeindehauses waren die Deutschen eingesperrt. Gegen Mitternacht begab sich ein Rudel Partisanen von der Unterhaltung dorthin und ließ von der neuen Gemeindebehörde einige Deutsche aus dem Arrest herausholen. Der erste war der reiche Fleischhauer Martin Repmann. Er wurde in die Kanzlei des Gemeindehauses geführt. Ganz ohne Grund, aus purem Übermut, hackten ihm dort die Partisanen vor den Augen der Gemeindebehörde mit einem Säbel die Finger einer Hand ab. Darauf schlugen sie ihm bei lebendem Leibe die andere Hand in der Höhe des Handgelenks weg.

Andere Partisanen nahmen Messer und stachen ihn, um ihm schließlich auch noch mit einem Gewehr den Schädel einzuschlagen. Seinen Leichnam zogen Zigeuner später auf den Schinderplatz, wo er am Pferdefriedhof eingescharrt wurde. Als zweite wurde Frau Lina Klein aus dem Arrest herausgeholt. Sie wurde von den betrunkenen Partisanen nackt ausgezogen und in den Hof des Gemeindehauses geschleppt. Da sie allen Erpressungen standhielt, haben ihr die Partisanen mit einem Messer zuerst in die Gegend der Geschlechtsorgane gestochen und hackten ihr darauf von einer Hand die Finger ab. Die andere Hand wurde ihr gebrochen. Des schaurigen und blutigen Spieles noch nicht satt, brachten sie ihr dann noch Messerstiche in der Halsgegend bei. Sie blutete sehr stark, war aber noch nicht tot. Erst als ihr darauf ein besoffener Zigeuner auch einen Messerstich in den Rücken versetzte, brach sie zusammen. In Anwesenheit von ungefähr 200 Zuschauern, serbischen Partisanen und Zigeunern, wurde sie darauf zum Brunnen gezogen, wo mehrere Partisanen ihren Körper noch als Zielscheibe für Pistolenschüsse benützten.

Das dritte Opfer dieser Nacht war der Uhrmacher Ernst Schreiber. Er wurde von den Partisanen mit Messern abgeschlachtet. Nachdem die Partisanen auf solche Art ihren Blutdurst an den wehrlosen verhafteten deutschen Zivilisten gestillt hatten, setzten sie ihre Unterhaltung im Wirtshaus fort. Am nächsten Tag gingen die Verhaftungen der übrigen Deutschen von Ploschitz weiter. Diese wurden durch mehrere Tage fürchterlich gefoltert und dann am 19. Oktober nach Kovin getrieben. Auch dort im Lager wurden sie weiter schwer mißhandelt und einzeln oder in Gruppen getötet.

Am 23. Oktober lebte in Kovin von den Ploschitzer Deutschen noch ein Rest von 42 Personen. Sie wurden an diesem Tage gefesselt auf den Schinderplatz getrieben und dort erschossen. Der Vorgang bei ihrer Liquidierung war genau derselbe wie bei der Erschießung der Koviner Deutschen einige Tage zuvor. Mit diesen Leuten aus Ploschitz ist auch noch der Koviner Photograph Stefan Luftikus erschossen worden. Dieser rief, als sie gefesselt und nackt ausgezogen an das Massengrab herangetrieben wurden, noch den Partisanen zu: „Durch vier Jahre während der deutschen Okkupation haben wir euch Serben geschützt und es ist keinem von euch etwas geschehen. Jetzt wollt ihr uns zum Dank dafür alle vernichten“. Er ist gleich nach diesen Worten getötet worden.

Mramorak

Nach den Deutschen von Ploschitz haben die Partisanen auch viele Deutsche von Mramorak gefesselt nach Kovin gebracht. Auch diese waren schon viel früher in Mramorak aus ihren Häusern vertrieben und von den Partisanen verhaftet worden. Dort waren auch schon am 20. Oktober ihrer Hundert gefesselt nach fürchterlicher Mißhandlung von den Partisanen in den serbischen Ort Bavanischte getrieben und dort alle auf einmal ganz grundlos nach abermaligen fürchterlichen Mißhandlungen auf der Schinderwiese erschossen worden. Darauf brachte man die übrigen in Mramorak verhafteten deutschen Männer und Frauen in den Bezirksort Kovin. Tagelang wurden sie hier neuerlich fürchterlich gefoltert und mancher von ihnen auch getötet. Am 28. Oktober wurden in Kovin gleichzeitig 37 Frauen und Mädchen aus Mramorak erschossen. Im Gefängnis des Bezirksgerichtes von Kovin wurden sie zuvor noch schwer geschlagen und nackt ausgezogen, denn die Partisanen wollten für ihre eigenen Frauen auch die Kleider der deutschen Frauen und Mädchen haben. Danach trieben sie die Partisanen unter ständigen Mißhandlungen gefesselt auf den Schinderplatz zum Pferdefriedhof. Dort hatten schon andere ein Massengrab ausschaufeln müssen. Sie wurden, wie in den vorhergegangenen Tagen die Männer, an das Grab herangetrieben. Auch sie mußten sich in das Grab hineinlegen und wurden dann erschossen. Wer sich weigerte, wurde von den Partisanen neben dem Grab erschossen und zu den anderen nackten Mädchen und Frauen in das Grab gestoßen. Unter diesen deutschen Mädchen befand sich auch Susi Harich, eines der angesehensten Mädchen aus Mramorak. Sie wurde zuerst von den Partisanen nur angeschossen und war schwer verwundet. „So schießt doch in den Kopf!“, sagte sie noch und erst dann trat einer der Partisanen nochmals hinzu und tötete sie mit einem Schuß aus der Pistole.

Homolitz

In Homolitz töteten die Partisanen an einem einzigen Tag, nämlich am 22. Oktober 1944, 287 Deutsche, darunter viele Kinder. Auch der 13jährige deutsche Knabe Mor Adolf war darunter. Sie alle waren zuerst einzeln aus ihren Wohnungen geholt und im Gemeindehaus eingesperrt und mißhandelt worden. Darauf trieb man sie bei Morgengrauen gefesselt an den Ortsrand zum Ziegelofen. Dort mußten sie sich nackt ausziehen und wurden dann in Gruppen an ein großes Loch, aus welchem seit Jahren Erde zur Ziegelfabrik herausgegraben worden war, herangetrieben. Hier wurden sie alle von ringsherum aufgestellten Partisanen mit Maschinengewehren niedergemetzelt.

Startschevo

Auch in der Gemeinde Startschevo haben die Partisanen zur selben Zeit, als in dem Bezirksorte Kovin die angesehensten Deutschen massakriert wurden, als erste Vernichtungsmaßnahme zehn der angesehensten Deutschen umgebracht. Einige Tage später wurden alle übrigen mehr als 15 Jahre alten deutschen Männer zur Nachtzeit im Gasthause Stimac zusammengetrieben und eine Zeitlang, wie überall in den Orten, fürchterlich geprügelt und eingeschüchtert. Eines Tages mußten sich alle nackt ausziehen und ihre Kleider und Schuhe in dem Gasthaus zurücklassen. Sie selbst wurden von den Partisanen mit Draht aneinander gefesselt und noch vor Morgengrauen nackt und unter ständigen Mißhandlungen aus dem Dorfe hinaus zum Ziegelofen getrieben. In der Nähe eines großen Loches wurde haltgemacht. Unter ständigen Kolbenstößen wurden sie hier gruppenweise an den Rand des Loches getrieben und noch vor Sonnenaufgang erschossen. Kein einziger deutscher Mann im Alter von mehr als 15 Jahren ist nachher in Startschevo noch am Leben gewesen.

Unter den Opfern befand sich ein angesehener Bürger des Ortes, dessen Name aus begreiflichen Gründen nicht genannt werden kann, mit seinen zwei Söhnen. Während der Vater an den älteren Sohn gefesselt war und beim Erschießen mit diesem zusammen in die Grube fiel, ist der jüngere, kaum 15 Jahre alt, mit einem anderen sehr großen deutschen Manne zusammengebunden gewesen. Die Art der Erschießung – es wurde von den Partisanen auf die ganze Gruppe gleichzeitig geschossen – brachte es mit sich, daß der große Mann getroffen wurde und tot in die Grube stürzte. Er riß dabei auch den Knaben, der unversehrt geblieben war, mit sich ins Grab. Andere nackte Tote und Schwerverwundete fielen auf sie. Nach den Erschießungen zogen die Partisanen mit den Zigeunern, welche vorher selbst auch noch einige Deutsche erschlagen hatten, auf einige Zeit ab, ohne das Grab zuzuschütten. Diese Gelegenheit benützte der über und über von dem Blute der anderen überronnene Knabe, um sich der Fesseln zu entledigen. Er stieg aus dem Grab und lief nackt davon. Bei Verwandten hielt er sich dann lange verborgen, verließ erst nach Wochen seinen Heimatort Startschevo und brachte sich in der Stadt Pantschowa in Sicherheit.

Bavanischte

Auch aus der Ortschaft Bavanischte wurden die Deutschen von den Partisanen im Oktober 1944 nach fürchterlichen Folterungen gefesselt nach Kovin gebracht. Auch diese Deutschen wurden in Kovin auf dieselbe Art behandelt wie alle anderen aus den übrigen Gemeinden dieses Bezirkes. Besonders grausam verfuhr man mit den deutschen Frauen und Mädchen. Am 29. Oktober wurden zwölf Frauen und Mädchen dieser Ortschaft am Koviner Schinderplatz umgebracht. Sie alle waren schon einige Zeit vorher, nachdem man sie aus der Heimat hierher gebracht hatte, im Gerichtsarrest von Kovin eingesperrt gewesen. Dort hatte man sie fürchterlich malträtiert. In der Nacht des 29. Oktober wurden sie von Partisanen aus den Arresten herausgeholt und nackt ausgezogen. Es handelte sich meist um die schönsten deutschen Mädchen des Ortes und gesunde junge Frauen. Die Partisanen wollten die schönste von ihnen, nämlich Juliana Dinus – ein Mädchen von 18 Jahren – geschlechtlich mißbrauchen. Sie aber wehrte sich mit allen Kräften gegen die Vergewaltigungsversuche der Partisanen und Zigeuner und schrie fürchterlich. In ihrer Wut, ihr Ziel nicht erreichen zu können, nahmen die Partisaner eine Zange, hielten sie nieder und zwickten ihr aus der Gegend der Geschlechtsorgane ein Stück Fleisch ab, so daß sie sehr stark blutete. Noch in derselben Nacht wurden alle diese Frauen und Mädchen gefesselt, nackt auf den Schinderplatz getrieben und dort erschossen. Der Juliana Dinus schossen sie dabei zuerst nur in den Fuß, um sie leiden zu lassen. Sie blieb jedoch tapfer und rief noch den Partisanen, die meist Zigeuner waren, zu, daß sie ihr doch in den Kopf schießen sollten.


Im Südwesten des Banats wurde wahllos gemordet


Pantschowa

Die größte Ortschaft im Süden des jugoslawischen Banats ist die an der Mündung des Temeschflusses in die Donau gelegene Stadt Pantschowa (Pancevo). Es ist dies eine der ältesten Siedlungen des Banats. Mit den Deutschen sind auch viele andere Nationalitäten wie Serben, Rumänen, Ungarn, Slowaken und andere hier an der unteren Donau angesiedelt worden und haben durch 200 Jahre in friedlicher Zusammenarbeit nebeneinander gelebt. Durch ihre angeborene Tüchtigkeit und durch ihren besonderen Fleiß aber sind, obwohl sie unter fremden Regierungen lebten, insbesondere die Deutschen hier zu beachtlichem Wohlstand gelangt. Die Stadt Pantschowa zählte zu Beginn des letzten Krieges über 25.000 Einwohner. Darunter gab es neben Serben, Rumänen, Ungarn und Slowaken über 12.000 Deutsche. Ihr Ansehen und ihren wirtschaftlichen Aufschwung verdankte die Stadt insbesondere diesen Deutschen. Sie ist zu einem wirtschaftlichen Zentrum geworden, von wo aus früher Hunderte von Donau-Schleppern alljährlich in alle möglichen Länder verladen wurden. Viele Tausende Deutsche lebten und schafften vorbildlich auch in zahlreichen Gemeinden der näheren und weiteren Umgebung dieser Stadt.

In diese Gegenden war die russische Armee bereits in den ersten Tagen des Monats Oktober 1944 eingerückt. Unter ihrem Schutz hatten sogleich kommunistische Partisanen die Macht an sich gerissen, die sogleich ein ungeheuer grausames Regime einführten. Alle, in denen sie Gegner des Kommunismus erblicken zu müssen glaubten, wurden durch sie vernichtet. Nicht nur die Anhänger des serbischen Generals Neditsch, auch die königstreuen Serben, die Tschetnici Drascha Michailowitschs und insbesondere die Deutschen wurden gänzlich ausgerottet. Von den annähernd 40.000 Deutschen von Pantschowa und seiner Umgebung hatten nur einige Tausend das Land verlassen. Die anderen hatten sich, da sie ein ruhiges Gewissen hatten, nicht gefürchtet. Sie ahnten nicht, was für ein Schicksal unter dem neuen Regime ihrer harrte. Sie sind alle, nur weil sie Deutsche waren, vernichtet worden, und heute lebt in dieser Gegend kein einziger Deutscher mehr auf seinem Grund und Boden.

Gleich nach der Übernahme der Macht haben die Partisanen mit der Verhaftung und Liquidierung der angesehensten und wohlhabendsten deutschen Männer begonnen. Die ersten Opfer waren diejenigen, deren Hab und Gut auf die Partisanen eine besondere Anziehungskraft ausübte und in deren volle Häuser sie sich sogleich hineinsetzen wollten. Alle diese Deutschen wurden zuerst in das sogenannte alte Stockhaus, in die dem dortigen Kreisgerichte angegliederte Strafanstalt, gebracht. Auch aus den Umgebungsgemeinden brachte man Tausende der angesehensten Deutschen beiderlei Geschlechts hierher, um sie hier dann Tage hindurch grausam zu foltern. Jedesmal, wenn von irgendwo blutrünstige oder nach sadistischen Quälereien lechzende Partisanen gekommen sind, die sich nach reichlichem Alkoholgenuß austoben oder unschuldige, wehrlose, gefesselte Deutsche umbringen und sterben sehen wollten, wurden aus den überfüllten Räumen der Strafanstalt wahllos einzelne oder ganze Gruppen herausgerufen und grundlos so lange mißhandelt, bis sie tot oder die Partisanen selbst satt oder müde geworden waren. Wie in den anderen Gegenden, wurden auch hier die Opfer in den Folterkammern meist zu Boden geworfen, ihnen mit Gewehrkolben von rückwärts Stöße in die Gegend der Nieren versetzt, mit aller Wucht – besonders wenn sie auf dem Rücken lagen – die Rippen gebrochen, mit Revolvern die Zähne eingeschlagen, das Nasenbein zertrümmert, usw. Viele, viele Deutsche sind so einzeln zugrunde gegangen.

Erst nach Tagen, nachdem die Partisanen genug gefoltert zu haben glaubten und sie diese Art der Liquidierung nicht mehr reizte, haben sie begonnen, die Deutschen in Gruppen gefesselt aus diesem Lager hinauszutreiben und in Gruppen zu erschießen. Vorher aber mußten sie sich, der Kleider und Wäschebeute wegen, immer nackt ausziehen. Aus diesem Lager sind auf diese Art insgesamt 1.666 Deutsche, meist zur Nachtzeit, gefesselt weggeführt worden und spurlos verschwunden. Meist wurden sie an der Straße, die gegen die Ortschaft Jabuka führt, oder am Flugplatz erschossen. In der Nähe der Stärkefabrik, unweit des Flugplatzes, waren noch 1946 zwölf Hügel zu erkennen. Es sind die Massengräber größerer Gruppen, die hier erschossen und eingescharrt wurden. Alle diese Gruppen bestanden aus hundert und mehr Opfern. Viele sind auch in dem Gefängnis gestorben.

Eines der ersten Opfer des neuen, blutigen volksdemokratischen Regimes war hier ein Knabe, und zwar der Schüler Franz Maierhöfer. Eine serbische Frau wollte den Eltern dieses Knaben, mit welchen sie nicht in Freundschaft lebte, ein Leid zufügen. Als die Partisanen die Macht in Pantschowa an sich gerissen hatten, glaubte sie, dies erreichen zu können. Die Eltern selbst hat sie nicht töten lassen, aber sie verlangte von den damals allmächtigen Partisanen, daß man das einzige Kind dieser Leute, den unschuldigen, ahnungslosen Knaben töte. Die Partisanen haben daraufhin tatsächlich das Kind ohne jede andere Veranlassung von den Eltern weggerissen und kurzerhand erschossen. Der erste, der in diesem Lager fürchterlich gefoltert worden und später an den Folgen der dabei erlittenen Verletzungen gestorben ist, war der evangelische Senior Wilhelm Kund. Er war, nachdem die Partisanen den deutschen evangelischen Bischof, Dr. Philipp Popp, erhängt hatten, der älteste evangelische Priester in Jugoslawien. Ihn haben die Partisanen in einer Zelle der erwähnten, als Lager für die Deutschen eingerichteten Strafanstalt zwei Stunden lang, nur weil er Priester war, mißhandelt. Auch er erhielt Kolbenstöße in die Gegend der Nieren. Sie schlugen ihm mit Stöcken ins Gesicht und brachen ihm das Nasenbein. Dann warfen sie ihn zu Boden. Sie sprangen ihm der Reihe nach mit aller Wucht auf den Bauch und brachen ihm drei Rippen. Er war nach dieser Folterung über und über blutig und hatte schwere innere Verletzungen, an deren Folgen er später im Lager starb. Auch den bekannten deutschen Rechtsanwalt Dr. Hans Leitner hatte man aus Kowatschitza hierher ins Lager gebracht und so lange mißhandelt, bis er an den Folgen gestorben ist.

Nach und nach brachten die Partisanen immer mehr deutsche Männer und viele angesehene deutsche Frauen der Stadt Pantschowa und Umgebung in diese Lager und nachdem die meisten von ihnen grausame Mißhandlungen überstanden hatten, begann man mit Massenerschießungen. Die erste große Erschießung fand am 16. Oktober 1944 statt. An diesem Tage sind, nur um die Zahl der Deutschen zu vermindern, 180 deutsche Männer gefesselt aus dem Lager hinausgeführt und nachdem sie sich hatten nackt ausziehen müssen, an der Straße, die nach Jabuka führt, erschossen worden. Viele Grausamkeiten wurden seitens der serbischen Partisanen und der Zigeuner bei dieser Gelegenheit begangen. Diese Deutschen wurden gruppenweise an das Massengrab herangetrieben oder mußten sich schon gleich in dasselbe nackt hineinlegen und bekamen dann ihre Schüsse. Wer aber zögerte, wurde schwer mißhandelt oder nur angeschossen. Der Drechslermeister Anton Geier wurde, als er schon ausgezogen war, von Zigeunern zuerst mit einer Grabschaufel aufgespießt und erst nach einiger Zeit des Leidens, noch lebendig, ins Grab geworfen. Den Uhrmacher Michael Eichart aber töteten die Partisanen bei dieser Gelegenheit auf eine besonders grausame Art, indem sie ihm bei lebendigem Leibe einige Rippen herausschnitten und ihn, bevor sie ihn zu den anderen Deutschen ins Grab gestoßen haben, noch lange leiden ließen.

Auf ähnliche grausame Art wurden am 18. Oktober wieder 180 Deutsche, die ebenfalls gefesselt aus dem Lager hinausgetrieben wurden, erschossen. Am 20. Oktober betrug die Zahl der Opfer sogar 300. Darunter befanden sich auch einige kriegsgefangene deutsche Soldaten. Am 22. Oktober tötete man 30 Männer und eine Frau. So ging es weiter bis Mitte November. Am 9. November ist auch der frühere deutsche Abgeordnete und Rechtsanwalt, Dr. Simon Bartmann, obwohl von ihm jedermann wußte, daß er stets ein guter jugoslawischer Patriot und niemals Faschist gewesen ist, in einer Gruppe von 84 Deutschen erschossen worden. Unter diesen Opfern befanden sich auch elf Frauen, ebenso der Zahnarzt Dr. Hauber und der Rechtsanwalt Dr. Bartosch. Auch die übrigen waren meist Angehörige der Intelligenzberufe und wohlhabendere Leute. Der Vorgang war an diesem Tage der gewesen, daß die Partisanen mit einer Liste von Zelle zu Zelle gingen und die Namen der darauf Verzeichneten vorlasen. Wessen Name vorgelesen wurde, mußte aus der Zelle hinaustreten. So versammelten sie im Hof die 84 deutschen Männer und Frauen. Sie wurden sogleich von Partisanen umringt und mit Stöcken und Gewehren geschlagen. Dann fesselten sie sie mit Stricken und Draht aneinander und trieben sie unter ständigen Mißhandlungen aus dem Lager hinaus. Auch diese Opfer sind, wie die vor ihnen, nackt an das Massengrab herangetrieben und auf grausame Art umgebracht worden.

Am 11. November 1944 haben dann die Partisanen auch alle übrigen Deutschen der Stadt Pantschowa – also auch die deutschen Frauen und Kinder – aus ihren Häusern verjagt und in ein Lager getrieben. Alles, was die Deutschen besaßen, mußten sie zurücklassen oder wurde ihnen weggenommen. 3.024 von ihnen brachte man in die Ortschaft Brestowatz, wo insgesamt 7.000 Menschen im Lager gewesen sind. Dort sind in kurzer Zeit 400 Personen gestorben. Die deutschen Frauen aber wurden von hier aus im Winter auf schwere Zwangsarbeiten getrieben. Auch hier wurden viele Deutsche umgebracht oder schrecklich mißhandelt. Gegen 1.000 dieser deutschen Mädchen und jungen Frauen aber hat die jugoslawische Regierung Ende 1944 den russischen Truppen ausgeliefert. Von diesen sind sie fortgeschleppt worden und keine einzige von diesen Frauen und Mädchen ist jemals wieder gesund in ihre Heimat zurückgekehrt. Auch aus dem Lager Brestowatz haben die Partisanen gelegentlich selbst Frauen und Mädchen verschleppt. Sie sind derzeit noch immer spurlos verschwunden.

Der Vater eines solchen deutschen Mädchens, Suchi Dominik, hat sich darüber aufgehalten, daß seine Tochter von den Partisanen verschleppt wurde und verschwunden ist. Daraufhin haben ihn die Partisanen zur Strafe fürchterlich gefoltert. Sie hielten ihm eine brennende Kerze unter die Nasenlöcher und unter die herausgestreckte Zunge und zerquetschten ihm die Geschlechtsteile. Aus dem Lager Brestowatz kamen dann im Herbst 1945 3.784 Deutsche, meist Frauen und Kinder die aus Pantschowa stammten, in das große Konzentrationslager nach Rudolfsgnad. Dies bedeutete für die Pantschowarer Deutschen ein neues Massensterben. Von den 3.784 Frauen und Kindern aus Pantschowa, bzw. aus Brestowatz, die im Herbst 1945 nach Rudolfsgnad gebracht worden waren, lebten im Sommer 1946 nur mehr 1.884. Mehr als die Hälfte, nämlich 1.900, sind in einem einzigen Winter verhungert, bzw. zugrunde gegangen. Aber auch diejenigen Männer und Frauen von Pantschowa, die nicht nach Brestowatz oder Rudolfsgnad verschleppt wurden, sondern im Lager Pantschowa zurückgeblieben waren, wurden weiterhin allmählich vernichtet. Sie wurden, unterernährt, ständig auf schwere Zwangsarbeiten getrieben, und wer sich dabei eine Verletzung zuzog oder erkrankte und arbeitsunfähig wurde, ist von den Partisanen ganz einfach erschlagen oder erschossen worden. Manchmal wurden die Kranken und Arbeitsunfähigen auch in größeren Gruppen liquidiert.

So sind am 11. Dezember 1944 auf einmal gleich 68 kranke Deutsche und die Kriegsinvaliden des ganzen Bezirkes erschossen worden, von denen 32 aus der Gemeinde Brestowatz stammten. Sie wurden deshalb liquidiert, weil man sich von diesen Invaliden wegen ihrer körperlichen Gebrechen auf den Zwangsarbeiten keinen Nutzen mehr versprach. Die billigste Art, diese Leute loszuwerden, bestand in ihrer Erschießung. Auch die Invaliden ruhen an der Straße, die nach Jabuka führt. Viele deutsche Lagerleute wurden aus Pantschowa auf schwere Zwangsarbeiten auch in andere Lager gebracht und dort liquidiert. Viele schickte man in das Lager nach Semlin, das auf dem sogenannten Ausstellungsgelände für die Deutschen errichtet worden war. Mehrere tausend deutsche Männer und Frauen fanden hier den Tod. Auf die gleiche Art wie in der Stadt Pantschowa selbst, wurden auch die Deutschen in vielen Gemeinden der Umgebung liquidiert, sofern sie nicht schon gleich in den ersten Tagen ins Lager nach Pantschowa gebracht worden waren. Meist waren es die angeseheneren und wohlhabenderen Deutschen, die auch hier zuerst umgebracht worden sind. Die anderen kamen später dran. Nur wenige kamen mit dem Leben davon.

Brestowatz

So wie Kathreinfeld war auch Brestowatz ein Ort, wohin die Männer und Frauen gebracht wurden, die in den verschiedenen Lagern krank oder sonstwie arbeitsunfähig geworden waren. Auch von Pantschowa wurden die Kranken nach Brestowatz gebracht. Nicht alle Krankentransporte dürften Brestowatz erreicht haben.

Über einen solchen Transport, der in Brestowatz nie eingetroffen ist, berichtet einer, der mit dem Leben noch davon gekommen ist, wie folgt:
„Ich war gerade einen Tag in Pantschowa, als mir ein guter Freund riet, mich krank zu melden. Ich würde dann nach Brestowatz gebracht werden und dort nicht die schwere Arbeit wie in Pantschowa zu verrichten haben. Da ich dort gute Bekannte hatte, folgte ich seinem Rate. Ich hatte zwar das Gefühl, daß es, selbst auf die Gefahr schwer arbeiten zu müssen, doch vielleicht besser sein würde in Pantschowa zu bleiben. Ich hatte im Unterbewußtsein das Gefühl, daß bei Massenerschießungen vielleicht doch eher auf Arbeitsunfähige als auf Arbeitende zurückgegriffen werden könnte, was auch tatsächlich häufig der Fall war. Dennoch meldete ich mich. Als dann der Transport zusammengestellt wurde, war auf den Wagen für mich kein Platz. Wegen Platzmangels sind noch 83 andere mit mir zurückgeblieben. Am Abend desselben Tages hieß es, es sollen alle, die mit dem Transport nicht mitgehen konnten, antreten. Wir wurden aufgefordert, uns die Sache mit Brestowatz zu überlegen. Wer trotz seiner Krankheit doch noch meinte, arbeiten zu können, solle besser bleiben. Als sich so einige zum Bleiben gemeldet hatten, trat auch ich aus, obwohl ich gerne doch nach Brestowatz gegangen wäre. Zwanzig sind insgesamt so in Pantschowa geblieben. Die übrigen wurden – so hieß es zumindest – nach Brestowatz geführt. Sie sind dort nie angekommen. Sie wurden nach Alibunar gebracht und dort in der Nähe des Schlagbaumes erschossen und eingescharrt.“

Das Brestowatzer Internierungslager wurde später aufgelassen und der Rest der Belegschaft nach Rudolfsgnad gebracht. Ein großer Teil der in das Brestowatzer Lager eingewiesenen Arbeitsunfähigen ist dortselbst gestorben, viele sind aber auch getötet worden.

Glogau

In Glogau haben die Partisanen gleich in den ersten Tagen ihrer Herrschaft zahlreiche Männer verhaftet und in Richtung Sefkerin oder Kowatschitza weggeführt. Viele sind unterwegs in ein Feld geführt und dort erschossen worden.

Über das Schicksal eines solchen Transportes berichtet ein Augenzeuge wie folgt:

„Ich wurde in der zweiten Hälfte des Oktobers mit einem Landsmann verhaftet, in das Gemeindehaus geführt und dort eingesperrt. Als wir die Zelle betraten, befanden sich dort bereits sechs ebenfalls verhaftete Männer, die zum Teil bereits übel zugerichtet waren. Einem hatten sie schon die Hand abgeschlagen. Unter ihnen befand sich ein gewisser Anton Glöckner aus St. Georgen und ein Mann aus Ernsthausen, namens Rotten. Ich wurde mit noch zwei anderen entlassen, die übrigen nach Sefkerin in Marsch gesetzt. Unweit des Ortsausganges hieß der Begleitposten die Männer in ein Sojabohnenfeld gehen und erschoß sie dann mit seiner Maschinenpistole. Einer der Männer namens Bayerle ließ sich geistesgegenwärtig gleich fallen, ohne daß er getroffen worden war und tat so, als wäre er tot. Als er aber merkte, daß sich der Begleitposten seinen Opfern näherte und jedem noch eine Kugel in den Kopf schoß, legte er seinen Oberarm über die Augen, um vielleicht doch nicht als noch lebend erkannt zu werden. Als der Posten zu ihm kam, schoß er ihm ebenfalls in den Kopf, doch verletzte der Schuß nur den über den Augen liegenden Arm und die Backen- und Ohrenpartie des Gesichts. Als der Posten weggegangen war, stand er, um nicht zu verbluten, auf und gedachte, in den Ort zu gehen, sich dort versteckt zu halten und seine Wunden ausheilen zu lassen. Als er das Ende des Ackers erreicht hatte, kam gerade ein Partisane ohne Schußwaffe des Weges, der ihn anhielt und danach fragte, was mit ihm geschehen sei. Er hieß ihn, sich an einen Baum zu setzen und seine Rückkehr abzuwarten. Als auch der Partisane außer Sicht war, raffte er seine letzten Kräfte zusammen und konnte gerade noch rechtzeitig eines der Häuser am Ortsrande erreichen. Er wurde auch aufgenommen und auch vom Arzt heimlich gepflegt. Die vier Toten wurden später an Ort und Stelle begraben. Nach einigen Tagen wurde ich wieder verhaftet und nach Kowatschitza in das dortige OZNA-Gefängnis gebracht.

Am 30. Oktober verhafteten die Partisanen 46 Personen, darunter auch den Ortspfarrer Knappe. Sie wurden gefesselt und an den Abhang eines neben dem Ort liegenden Hügels gebracht Dort mußten sie sich nackt ausziehen. Auf Intervention einheimischer Serben wurden noch drei von ihnen wieder nach Hause gelassen, die übrigen mit Pfarrer Knappe erschossen. Vorher hatten sie sich noch selbst das Grab schaufeln müssen. Sehr viele Glogauer Männer arbeiteten damals auf dem Flugplatz in Opovo. Eines der Liquidierungskommandos, die am 30. Oktober in vielen Banater Gemeinden Deutsche in Massen niedermetzelten, erschien auch auf den Opovoer Flugplatz und ließ alle antreten. Die aus verschiedenen Gemeinden stammenden Männer wurden einzeln gefragt, was sie seien und jeder, der zur Antwort gab, Deutscher zu sein, wurde gleich zur Seite gestellt und erschossen. Bei dieser Gelegenheit sind nur solche Deutsche mit dem Leben davon gekommen, die gut serbisch oder rumänisch sprachen und sich darauf versteiften, keine Deutschen zu sein. Insgesamt sind 183 Männer aus Glogau im Herbst 1944 erschossen worden.“

Einen Einblick in die damals im ganzen Banate herrschenden Zustände gewährt die Darstellung eines später aus Groß-Betschkerek geflüchteten Deutschen, der sich dem bei der Räumung des Gebietes von den deutschen Truppen erlassenen Stellungsbefehl dadurch entziehen wollte, daß er sich in der Umgebung von Glogau versteckt hielt. Er wollte dort das Einrücken der russischen Truppen erwarten, um sich auf diese Weise dem Dienst bei den deutschen Truppen zu entziehen und in der Heimat bleiben zu können.

Er erzählt:

„Vom 4. bis 7. Oktober 1944 hielt ich mich als Zivilist in der Gemeinde Glogau bei Pantschowa versteckt. In meinem Versteck erfuhr ich, daß die Gemeindevertretung Bescheinigungen ausstellt, mit denen man ohne weiteres nach Hause gehen kann. So ging ich am 7. Oktober 1944 in das Gemeindeamt Glogau. Da wurde ich ohne jede Frage eingesperrt. Im Kerker befanden sich schon drei ebenfalls eingekerkerte Banater. Am Nachmittag wurden wir zu Fuß nach Sefkerin gebracht, wo wir in einer Schule bereits 12 Mann antrafen. Der Anblick dieser 12 Mann, die in verschiedenen Kauerstellungen ihren wundgeschlagenen Körpern eine wohltuende Ruhe angedeihen lassen wollten, war furchtbar. Sie waren seit einigen Tagen hier eingesperrt und jeder rauflustige Zivilist durfte an diesen 12 Opfern seine Wut austoben.

Am 8. Oktober 1944 mußte die Zivilbevölkerung Getreide abliefern. Die serbischen Bauern brachten Weizen und Mais und wir mußten die Wagen entladen. Wir trugen die 60 bis 70 kg schweren Säcke vom frühen Morgen bis zum späten Abend und bekamen dafür statt Verpflegung nur grausame Prügel. Jeder Zivilist sowie die Wachmannschaft, die ja auch nur aus Zivilisten bestand, konnten schlagen, so viel und so lange sie wollten. Einige von uns hatten noch gute Schuhe, die wurden uns ausgezogen. Am 9. Oktober 1944 verrichteten wir die gleiche Arbeit und empfingen noch mehr Prügel als am Vortage. In diesen zwei Tagen erhielten wir einmal 50 Gramm Brot. Abends um 7 Uhr kamen drei bewaffnete Partisanen und forderten fünf Mann von uns auf, mitzukommen. Wir wurden dem etwa zwei Kilometer vom Dorfe Sefkerin entfernten Wald zugeführt. Das Sprechen war uns nicht verboten, die Partisanen folgten uns sehr dicht, damit niemand in der Dunkelheit entkommen konnte. Es wurde uns nichts gesagt, aber das Ziel dieses Marsches war jedem von uns bekannt: Erschießung.

Mein Freund, Johann Schab aus Lazarfeld, und ich sprachen unterwegs miteinander und kamen zur Abmachung, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zu fliehen. Im Walde angelangt, wurden wir von einem Partisanen, der mit einer Maschinenpistole bewaffnet war, zur Erschießung aufgestellt. Wir mußten Front zur Tiefe des Waldes nehmen. Zwei andere, mit Gewehren bewaffnete Partisanen überwachten die Aufstellung. Wir versuchten in unserer Todesangst nach dem Grund dieser Erschießung zu fragen, wurden jedoch schon bei den ersten Worten durch Kolbenhiebe und Stöße zum Schweigen gebracht. Außer Flüchen und Schimpfworten bekamen wir nichts zu hören. So standen wir nun dicht aneinandergepreßt zur Erschießung bereit. Als der Partisane mit der Maschinenpistole hinter uns trat, um uns von hinten zu erschießen, stieß mich mein Freund Schab mit der linken Hand an, worauf wir beide davonliefen. In diesem Augenblick krachte auch schon die erste Salve. Ich sah und fühlte beim Wegspringen die links neben mir stehenden Kameraden tot zu Boden sinken.

Die Partisanen schossen, schrien und liefen wild hinter uns her, jedoch die Dunkelheit und die sehr dichte Stelle des Waldes waren unsere Rettung. Ich lief in der Todesangst und unter Inanspruchnahme meiner letzten Kräfte, was ich konnte. Nach 300 bis 400 Metern brach ich zusammen, von meinem Freund Schab hatte ich keine Spur mehr, er hatte im Wald eine andere Richtung eingeschlagen. Immer noch schossen und schrien die Partisanen. Während ich mich wieder mühsam aufraffte, um weiterzukommen, verstummten die Schüsse und Flüche der Partisanen. Ich stand, am Waldrand angekommen, vor der Temesch. Um mich der Verfolgung durch die Partisanen zu entziehen, schwamm ich ohne lange Überlegung über den Fluß und war dann im Königsdorfer Ried angelangt. Ich verbrachte diese Nacht im Freien, weil ich mich in der Dunkelheit nicht in die Nähe von Häusern wagte, da sich überall Partisanen herumtrieben.“

Kowatschitza

In Kowatschitza befand sich ein Gefängnis der OZNA. Unzählige deutsche Männer wurden aus der ganzen Umgebung nach Kowatschitza in dieses Gefängnis gebracht. Jeden Mittwoch und Samstag fanden Massenerschießungen statt.

Darüber berichtet ein ehemaliger Häftling dieses Gefängnisses folgendes:

„Ich wurde mit noch einem Mann von Glogau nach Kowatschitza in das dortige Gefängnis der OZNA gebracht. Als wir in die Zelle kamen, lagen dort bereits zwei Männer, die erbärmlich verprügelt worden waren, sich kaum mehr regen konnten und wahrscheinlich auch dann nicht mehr am Leben geblieben wären, wenn sie nicht bei den wöchentlich zweimal stattfindenden Massenerschießungen erschossen worden wären. Tagsüber mußten wir arbeiten. Jeden Mittwoch und Samstag ging abends die Zelle auf, wobei immer einige Männer aus fast jeder Zelle in den Gang geführt und dort gefesselt wurden. Man hat nie mehr was von ihnen gehört oder gesehen, nur ihre Kleider haben wir später beim Aufräumen auf dem Dachboden gesehen.

Jedesmal, wenn die Männer weggeführt waren, machten wir die Fenster unserer Zellen auf und hörten die Gruppe in Richtung Debeljatscha abziehen. Keine halbe Stunde dauerte es, da hörten wir jedesmal eine Salve aus Maschinenpistolen und dann eine gewisse Anzahl von Einzelschüssen. Diese Einzelschüsse zählten wir genau. Da viele der Häftlinge tagsüber auf Arbeit geführt wurden, wo sie Gelegenheit hatten, miteinander zu reden, wußten wir am Abend immer, wer in der vorhergehenden Nacht alles weggeführt wurde. Die auf diesem Wege ermittelte Zahl war in der Regel dieselbe, wie die am Abend gezählten Einzelschüsse. Die ausgehobene Gruppe wurde offenkundig zuerst mit Maschinengewehrsalven umgelegt und dann jeder zur Sicherheit auch noch einzeln angeschossen. Die letzte Erschießung hat drei Wochen vor meiner Entlassung stattgefunden. Damals wurden 29 Männer aus den Zellen geholt und 28 davon auf einem Lastkraftwagen weggeführt. In den fünf Wochen, die während der Zeit, als die Massenerschießungen regelmäßig jeden Mittwoch und Samstag durchgeführt wurden, wurden insgesamt rund 200 Männer erschossen. Der Mann, der mit mir eingeliefert wurde, war schon nach acht Tagen unter den Toten.“

Jabuka

In Jabuka haben die Partisanen noch im Oktober als erste Maßnahme 21 der wohlhabendsten und angesehensten Deutschen, darunter auch den Arzt Dr. Peter Weinz und dessen Frau, verhaftet. Lange Zeit fehlte von diesen jede Spur. Im Jänner erschien eine Kommission im Ort, um nach Gräbern von im Kampfe gegen die deutsche Besatzungsmacht gefallenen Partisanen zu suchen. Vom Pantschowarer Lager wurden 30 Männer mitgenommen, die überall dort zu graben hatten, wo solche Gräber vermutet wurden. Links von der nach Pantschowa führenden Straße stieß man dabei auf 21 noch frische Spuren von Genickschüssen. Unter ihnen befand sich auch eine Frauenleiche. Die Leichen konnten von den ortskundigen, zu den Grabungen mitgenommenen Deutschen als die Leichen der vor Monaten in Jabuka spurlos verschwundenen Personen einwandfrei erkannt werden. Insbesondere waren die Leichen der Ärztefamilie leicht erkennbar. Die Frau war nur mit einem Höschen bekleidet und hatte in einem Ohr noch ihr Ohrgehänge. Als einer der Kommissionsmitglieder dieses bemerkte, stieg er sofort in das Grab, nahm das Ohrgehänge an sich und steckt es in seine Tasche. Nicht nur den Lagerleuten, auch den Kommissionsmitgliedern war es offenkundig, daß es sich bei diesen Leichen um keine Partisanen handeln konnte, denn weder Partisanen noch Partisaninnen sind je im Kampf nackt und aneinandergebunden gefallen. Sie ordneten an, die Grabungen abzubrechen und das Grab wieder zuzudecken.


Im äußersten Westen des Banats werkte die Hungermühle


Rudolfsgnad

Am linken Ufer der Theiß, dort wo diese in die Donau mündet, haben die Behörden des neuen jugoslawischen Staates im Jahre 1945 die frühere deutsche Gemeinde Rudolfsgnad (Knicanin) zu einem besonderen großen Konzentrationslager gemacht. Die Bewohner der Gemeinde waren beim Rückzug der deutschen Truppen aus dem Banat evakuiert worden und die Siedlung selbst ist im Laufe der Kampfhandlungen teilweise auch zerstört worden. 23.000 Volksdeutsche aus dem Banat, meist Frauen und Kinder, wurden nach der Vertreibung aus ihren Dörfern von den Partisanen im Herbst 1945 hierher gebracht und hier in den Ruinen und verlassenen Häusern von Rudolfsgnad zusammengedrängt. Die ersten trafen am 30. Oktober 1945 hier ein. Es war die Bevölkerung von Kathreinfeld und die dort untergebrachten arbeitsunfähigen und kranken Leute aus den verschiedenen Banater Lagern. Die Gegend ist von jedem Verkehr mit der Umgebung abgesperrt worden. Von dem Schicksal dieser Leute ist lange nichts in die Öffentlichkeit gedrungen. Niemand durfte schreiben oder Post empfangen. Kein Mensch durfte sie besuchen. Deutsche Menschen wurden hier in Massen liquidiert. Man ließ sie einfach verhungern. Schon im Laufe weniger Monate sind über 7. 000 gestorben.

Gerade während der kältesten Wintermonate hat man ihnen fast gar nichts zu essen gegeben. Jahre hindurch durfte niemand von auswärts Lebensmittel senden oder bringen. Im Dezember 1945 – also schon viele Monate nach dem Kriege – haben die Lagerbehörden an den vier unmittelbar aufeinanderfolgenden Weihnachtsfeiertagen vom 24. bis 27. Dezember überhaupt keine Nahrung ausfolgen lassen. Im Monat Januar 1946 erhielten sie insgesamt im ganzen Monat pro Kopf nur 7 dkg Salz und 223 dkg Maisschrot. Es waren dies meist mit den Kolben zusammengeschrotete Maiskörner, wie sie üblicherweise früher den Schweinen verfüttert wurden. Kein Fettstoff, kein Brot, überhaupt sonst gar nichts. An vielen Tagen und einmal sogar auch an fünf unmittelbar aufeinanderfolgenden Tagen wurde in diesen Monat überhaupt keine Nahrung, also auch nicht einmal Mais ausgegeben. Im Monat Februar 1946 betrug die Gesamtnahrungsmenge, die an einzelne Menschen in diesem Lager ausgefolgt wurde, überhaupt nur 220 dkg pro Person und bestand fast nur aus gewöhnlichem Maisschrot. Auch die kleinen Kinder und deren stillende Mütter bekamen nicht mehr und nichts anderes. Brot hat es schon vom November 1945 angefangen bis Juli 1946, also acht Monate hindurch, überhaupt keines gegeben, ebenso Salz.

Über die Verhältnisse in Rudolfsgnad berichtet eine Frau, die mit den ersten nach Rudolfsgnad kam, folgendes:

„Wer auf Arbeit war, sich dort irgend etwas zu essen ergattern konnte und sich versucht fühlte, den kostbaren Schatz eines Stückchen Brotes ins Lager hineinzuschmuggeln, bekam Prügel und wurde eingesperrt. Als Arrest dienten Keller, dann Zimmer mit vermauerten Fenstern und im Sommer auch Dachböden. Wer darin eingesperrt war, bekam nichts zu essen und nichts zu trinken. Im Sommer waren die heißen Dachböden als Arreste besonders gefürchtet. Die dort herrschende Hitze und der damit verbundene Durst konnten Menschen wahnsinnig machen. Die ersten Opfer des Hungers waren die Hunde und Katzen des Ortes. Als im Winter 1945/46 das Hungern seinen Anfang nahm, verschwanden zuerst diese Haustiere. Alle anderen hatten die Partisanen unter ihre Verwaltung genommen, so daß den Zehntausenden hungernder Menschen nichts anderes übrig blieb, als nach diesen Tieren zu greifen, sie zu schlachten und mit ihrem Fleisch den Hunger zu stillen. Wenn eine Katze von irgendwo im Orte auftauchte, wurde sie gleich von vielen verfolgt, gefangen, geschlachtet und aufgegessen. So hat sich einmal eine Katze in das Haus verirrt, in dem ich mit meinen Angehörigen wohnte. Weil wir im Haus soviel Mäuse hatten, band ich sie mit einer langen Schnur an. Als ich einmal kurz weg war, hatte sie sich losgerissen und war verschwunden. Ich ging sie in die Nachbarhäuser suchen. Schon als ich in das erste Haus kam, sagte man mir dort, daß sie schon geschlachtet und abgezogen sei und auch schon koche.

Es wurden auch überall die Schnecken gesammelt und genossen und auch Kleepflanzen, wo immer sie noch wuchsen, ausgerupft und als einzige grüne Kost gegessen. Obwohl das Verlassen des Lagers auch noch zu Beginn des Jahres 1948 unter Androhung von Todesstrafe verboten war, sind oft Mütter, die den Hungertod ihrer kleinen Kinder nicht erleben wollten, zur Nachtzeit durch die dichte Reihe der Wachposten geschlichen und haben Kleider der im Lager gestorbenen Angehörigen in serbische und ungarische Nachbarortschaften gebracht und dort gegen Lebensmittel eingetauscht. Viele, viele solcher Mütter wurden auf der Rückkehr ins Lager von den Posten erschossen und später mit fürchterlichen Verletzungen als Leichen in irgend einem Graben aufgefunden.

Im Frühjahr 1946 wurde wieder in der Lagerküche für das Lager gekocht. Es war jetzt Suppe mit Erbsen oder Gerste. Auch Schrot gab es etwas mehr. Im Frühsommer gab es auch reife Maulbeeren. Die Leute mußten auch wieder auf die Arbeit gehen. Sie waren aber meist so matt, daß sie kaum die Beine heben konnten. Wenn man sich nach langer Zeit beim Essenfassen mit Bekannten traf, hat man sich oft gar nicht gleich erkannt, so verändert sahen die Leute aus. Nicht nur, daß die lumpigen Kleider sie entstellt hätten, es waren auch alle so abgemagert, daß sie vollkommen entstellt waren. Etwa 8.000 waren zu diesem Zeitpunkt schon gestorben, es wurden aber immer neue, die arbeitsunfähig oder krank geworden waren, aus den anderen Lagern nach Rudolfsgnad gebracht, so daß noch immer gegen 2.000 Menschen in dem Ort beisammen waren. In Zeiten, wo es im Lager nichts Gekochtes zu essen gab, versuchten viele selbst zu kochen. Wenn hier vom Kochen die Rede ist, so war das ein solches besonderer Art. Man hat schon davon gehört, daß Kinder, um ihren hungrigen Magen zu füllen, zuweilen auch schon Sand gegessen haben. So ungefähr verhielt es sich auch mit dem Kochen im Lager. Es wurden Besenreisig, Brennessel, Kräuter und andere einigermaßen genießbare Grasblätter gesammelt und gekocht. Das alles war etwas, womit man das gefaßte Quantum des Maisschrotes etwas vergrößern und den vor Hunger knurrenden Magen mit etwas, wenn auch meist nähr- und nutzlosem Zeug, beschäftigen konnte. Wenn ein Stück Vieh verendete, sind bis zu tausend Menschen in das Haus gekommen, wo der Pferde- oder Kuhkadaver lag, um sich ein Stück Fleisch loszuschneiden. Mit Messern ausgerüstet, drängten sie sich um den Kadaver herum, um an die Reihe zu kommen. Es trug sich einmal zu, daß ein Mutterschwein beim Austreiben der Schweineherde auf der Straße verwarf. Die toten Ferkel waren kaum einige Minuten gelegen und das Mutterschwein noch kaum entfernt, als die toten Ferkel schon weggetragen, gekocht und aufgezehrt wurden. Nicht selten sind dann auch diejenigen, die solches Fleisch genossen, davon krank geworden und manchmal auch gestorben. Um die von den Partisanen weggeworfenen Schalen von Melonen rauften sich Hunderte von Kindern und aßen sie gierig in ihre hungernden Mägen. Solche Genüsse hatten meist keinen anderen Wert, als daß sie dem hungernden Magen etwas zu verdauen gaben, aber meist auch zu Durchfall, Ruhr und dergleichen führten.

Was Menschen allein an Durchfall gelitten haben, ist unbeschreiblich. Jeder war einmal, wenn nicht auch öfter, von dieser Krankheit längere Zeit befallen. Er spülte in der Regel noch den letzten Rest an Kräften weg und wer nicht an Schwäche gestorben ist, wurde bald das Opfer irgend einer anderen Krankheit, die sich in seinem Gefolge einstellte. Täglich starben 50 und mehr Personen. Von Durchfall einmal befallen, gab es davon nur selten noch eine Erlösung. Manche hatten ihn monatelang und, in einem stärkeren Maße Befallene, oft auch ein halbes Jahr und länger. Dann aber waren die Kräfte in der Regel dahin, der Körper ausgelaugt und der Tod nahe.

Ungeheuer groß war die Zahl derer, welche an Durchfall zugrunde gegangen sind, denn die wenigen Nahrungsmittel, welche sie bekamen, wurden lange Zeit hindurch wie den Schweinen in rohem Zustande verabreicht. Durch Monate hindurch bekamen sie überhaupt keine gekochte Nahrung, denn für die Deutschen war kein Brennmaterial zum Kochen vorhanden. Jeder mußte sich helfen, wie er konnte, oder zugrunde gehen. Gleichzeitig aber wurden die Frauen und selbst Kinder unter zehn Jahren täglich in langen Kolonnen schon beim Morgengrauen auf Zwangsarbeit getrieben. Sie mußten vielfach im Walde Holz machen. Dieses Holz aber wurde von den Lagergewaltigen nach auswärts geliefert. Den Lagerleuten selbst aber war es streng verboten, für sich selbst Holz zu sammeln, um sich zum Kochen Feuer machen zu können. Viele, die beim Holzsuchen angetroffen wurden, sind sogleich erschossen worden.

Wozu diese Not an Brennmaterial und zu welchen Einfällen sie Veranlassung bot, erkennt man am besten daran, daß sich die Leute in der Nähe der Kuhherde aufzuhalten bestrebt waren, und wenn eine Kuh mistete, sich gleich daran machten, den frischen Mist aufzuklauben, daraus kleine Ballen zu machen, um ihn trocknen zu lassen und im Winter als Brennmaterial zu verwenden. Die ganzen Winter hindurch wurde nämlich nichts zum Heizen ausgefolgt und wer sich nichts beschaffen konnte, mußte Tag und Nacht in der Stube frieren. Jedes Blatt und jedes Gräschen wurde im Sommer gesammelt, getrocknet und im Winter als Brennmaterial verwendet. Es trug sich zu, daß beim Düngerfahren einmal eines der Pferde nicht mehr ziehen wollte. Der Fuhrmann band die Pferde los, um sie in den Stall zu führen und ließ den Wagen auf der Straße stehen. Bis er mit anderen Pferden wieder zurückkam, hatten die Leute den ganzen Dünger weg- und in ihre Quartiere getragen, um ihn als Brennmaterial zu verwenden.

Hungerödem, Flecktyphus rafften zeitweise Menschen nur so weg. Während der Hunger den Körper so vieler Tausender Menschen schwächte und ihre Widerstandskräfte zermürbte, breiteten sich zeitweise Typhusepidemien aus, die jedes vorstellbare Ausmaß auch abnormaler Verhältnisse übertrafen. Diphtherie desgleichen. Einmal eingerissen, verfielen diese gefährlichen und ansteckenden Krankheiten Kinder und Frauen in Massen. Nur selten ist hie und da eines wieder genesen. Aber auch andere Krankheiten gab es, die im Lager in einer seltenen Häufigkeit auftraten. Eine solche war vor allem die Wassersucht. Es muß auf die Ernährung zurückzuführen gewesen sein, daß dieser an sich seltenen Krankheit so viele Menschen anheimgefallen sind. Sehr viele Lagerinsassen erkrankten auch an Skorbut. Es war eine äußerst häufige Erscheinung, daß die kleinste Hautverletzung nicht mehr heilen wollte, sich als Wunde immer mehr ausbreitete. Dieser gesundheitliche Zerfall war häufig mit eitrigen Ausschlägen und Geschwüren gepaart. Es war eine Plage, die oft Ausmaße annahm, daß sie den Tod herbeiführte. Meist waren es Frauen und Kinder – die Männer waren größtenteils schon vorher erschossen worden – die Anfang 1946 in Massen zugrunde gegangen sind. Das Ende dieser Menschen war fast immer das gleiche: es schwollen ihnen die Füße an, das Gesicht quoll auf und nach einigen Tagen trat der Tod ein.

Zum Hunger gesellte sich die Läuseplage. Reinigen konnte sich niemand. Seife gab es keine. Im Winter konnte die Wäsche nicht gewaschen werden, weil alle meist nur das besaßen, was sie am Leibe trugen und die Wäsche im Winter nicht schnell genug wieder getrocknet wäre. Im Sommer trockneten die Brunnen aus und an die Bega oder Theiß durfte niemand Wasser holen gehen. Wie satanisch dieses Regime ausgedacht war, zeigt am besten die zynische Begründung dieses Verbotes, „daß die Schiffe nicht mehr fahren könnten, wenn man aus den Flüssen so viel Wasser schöpfen würde“.

Die Körper der Kinder waren meist voller Krätze. Konnten sich schon Erwachsene nicht reinigen und von der Läuseplage frei halten, um so weniger waren die Kinder diesem Ungeziefer gewachsen. Von Läusen und anderem Unrat zerfressen und aufgekratzt bildeten sich an ihren Gliedern große Flächen nie heilender und immer mehr sich ausbreitender Krätze. Für die Toten gab es kein Begräbnis. Es waren Männer bestimmt, die die Verstorbenen zu begraben hatten. Kein Priester durfte die Leichen einsegnen und kein Verwandter durfte ihnen das letzte Geleit geben. Anfangs konnten die Angehörigen noch kleine Holzkreuze mitgeben, die dann auch auf das Grab gesteckt wurden, später aber auch nicht mehr. Dann half man sich mit Flaschen, in die ein Zettel mit dem Namen des Verstorbenen gesteckt wurde und so dem Toten mit ins Grab gegeben wurde. Bald aber gab es auch keine Flaschen mehr.

Ärztliche Hilfe gab es keine. Wöchentlich kam ein russischer Arzt aus der Stadt, der innerhalb weniger Stunden 1.000 bis 1.200 Kranke besichtigte. Seine Krankenvisiten waren eine denkbar einfache Angelegenheit. Mit der Pfeife in dem Munde ging er durch die Räume, in denen Kranke lagen. Nur selten fragte er jemand, was ihm fehle, untersucht oder geholfen hat er niemand. Auch sonst war die Behandlung in diesem Lager überaus unmenschlich. Täglich wurden deutsche Frauen, welche auf den Zwangsarbeiten infolge Unterernährung schwach wurden und nicht mehr arbeiten konnten, grausam und ganz unsinnig mißhandelt. Auch die katholischen Priester, die in diesem Lager waren, wurden auf besonders schwere Zwangsarbeiten getrieben und roh behandelt. Wie groß der Vernichtungswille der Behörden gegen die deutschen Zivilpersonen hier war, haben sie auch dadurch bewiesen, daß sie an einem der heißesten Tage des Jahres 1946 alle deutschen Lagerleute, ungefähr 20.000 Menschen, auf die östlich des Lagers gelegene Hutweide getrieben haben. Dort mußten alle den ganzen Tag hindurch in der Sonnenglut in einem großen Haufen stehen. Man gab den Tausenden kleinen Kindern den ganzen Tag kein Wasser und niemand durfte zur Verrichtung der Not austreten. Alle mußten ruhig den ganzen Tag auf einem Platz stehen. Ein Massenaufgebot von schwerbewaffneten Partisanen ringsum aber hielt Wache und drohte, jeden zu erschießen, der seinen Platz verläßt

Gottesdienste gab es keine und beten war verboten. Zum Spott trugen die Partisanen einmal zur Nachtzeit aus der Kirche von Rudolfsgnad alle heilige Statuen heraus und stellten sie in der Nacht, als keiner von den Lagerleuten das Quartier verlassen durfte, mitten auf die Straße, welche durch das Lager führte, als gingen die Heiligen durch das Lager spazieren. Man verspottete so die religiösen Gefühle der deutschen Gläubigen. Tausende deutsche Kinder in diesem Lager aber mußten all dies ansehen. Für sie gab es keine Schule. Sie sollten keinen Herrgott kennen und keinen Lehrer haben und auch den eigenen Eltern wurden sie entfremdet. Viele Kinder wußten gar nicht, wo ihre Eltern sind. Die Eltern vieler waren erschossen worden oder schon im Lager verhungert. Hunderte hatten auch keine Großeltern mehr. Nahe Verwandte oder Bekannte nahmen sich ihrer an. Eines Tages wurden die Kinder weggenommen und in dem Schulgebäude und in Gasthäuser einquartiert. Das waren dann die Kinderheime. Sie waren mit Drahtzäunen eingefriedet. Die armen und verlassenen Kinder, die vielfach schon niemand mehr anderen auf der Welt als vielleicht noch ein altes Großmütterchen hatten, standen an den Drahtzäunen und weinten. Hatten bisher doch noch Großmütter oder verwandte Frauen für sie gesorgt und ihnen hie und da noch einen am eigenen Mund abgesparten Bissen zu essen gegeben, so gab es jetzt für sie nichts mehr als die Lagerkost. Daß der Tod von nun an in diesen Kinderheimen besonders reichliche Ernte hielt, liegt auf der Hand. Mit dem, was es zu essen gab, konnten erfahrene und erwachsene Menschen kaum etwas anfangen, geschweige diese sich selbst überlassenen Kinder. Sie schliefen auf den Fußböden und hatten nur selten Stroh für ihr Nachtlager.“

Eine Krankenschwester berichtet darüber folgendes:

„Ich ging einmal vorbei, öffnete die Tür und sah die armen, ausgezehrten Knochenskelette von Kindern dort liegen: ihre Hemdchen – ein einziger zerrissener Fetzen, zugedeckt mit den Lumpen ihrer Kleider. Täglich starben ihrer 30 und mehr. Jeden Tag fuhr ein Bauernwagen von einem dieser Kinderheime zum anderen und lud die toten Kinder auf. Ihre halbnackten, nur noch aus Haut und Knochen bestehenden, ausgezehrten Körper wurden herausgetragen und wie Holzscheite auf dem Wagen aufgeschichtet und dann hinaus zum Totenloch gefahren. Dort wurden sie zu den anderen Toten hineingeworfen und am Abend mit Erde zugedeckt. Wenn man auf der Straße einem solchen Wagen begegnete, wußte man nicht, sollte man weg- oder hinschauen – es zerbrach einem so oder so das Herz.

Es dauerte nicht lange, da fuhren die Partisanen vor den Kinderheimen mit Lastwagen vor und luden die Kinder alle auf. Die Kinder und die Erwachsenen ahnten, daß die Kinder fortgeführt werden sollten und weinten und schrien. Die einen, weil sie trotz ihres Elendes aus dem Ort nicht fort wollten, wo sie doch noch einen Großvater oder Bekannten in ihrer Nähe wußten, die anderen, weil sie nach dem Bisherigen auch für die Zukunft und das Schicksal der Kinder nichts Gutes mehr erwarten konnten. Alles Schreien, Weinen und Wehklagen half nichts. So wie ein Lastwagen voll war, fuhr er weg. Insgesamt sind etwa 750 Kinder an einem einzigen Tag spurlos verschleppt worden. Allgemein war man der Ansicht, daß die Kinder nach Rußland geschafft würden. Viele alte Großmütter und Großväter konnten den Verlust ihrer Enkelkinder nicht mehr übers Herz bringen. Sie erhängten sich oder sie sprangen in die Theiß, um an das viele Leid, das sie inzwischen erleben mußten, nicht mehr denken zu müssen. Bei den Enkelkindern konnten sie nicht mehr sein und so schien ihnen das Weiterleben ohne Zweck, zumal es nur mehr aus Leid und Hunger bestehen konnte. Später hörte man, daß die Kinder in serbische Orte gebracht wurden, wo sie in Erziehungsheimen und bei Privaten untergebracht und zu serbischen Kommunisten erzogen wurden.

Die toten Deutschen durften nicht im Friedhof begraben werden. Wie das verreckte Vieh wurden sie an einem abseits gelegenen Platz außerhalb des Lagers auf der sogenannten „Teletschka“ eingescharrt. Es wurden dort schon immer im voraus lange Laufgräben gezogen. Täglich fuhr ein Bauernwagen fast ununterbrochen durch das Dorf und sammelte in den Häusern, in denen jemand gestorben war, die Toten. Sieben bis acht lud er jedesmal auf und führte sie dann in das Massengrab des Tages. Jeder Tag hatte so ein Massengrab. Wer einmal einem solchen Wagen begegnete, dem blieb das Herz still stehen, so ein Anblick war es, halbnackte Menschen mit ihren zu Skeletten abgemagerten Gliedern wie Holzscheite auf einem Bauernwagen liegen zu sehen und zu wissen, daß er tagaus, tagein und wahrscheinlich so lange durch diese Straßen fahren wird, so lange auch nur ein einziger dieser Tausenden von Menschen lebt, die sich in diesem Ort befinden. Tags darauf kamen die neuen Toten dazu, und wenn ein Graben der ganzen Länge nach voll war, kam der nächste an die Reihe. An einem Tag des Monats Januar 1946 waren es 113 Personen, welche auf einmal auf diese Art begraben worden sind. Grabzeichen durften nicht errichtet werden. Die Mütter durften ihre toten Kinder nicht begleiten und die Kinder nicht ihre toten Eltern. Niemand durfte wissen, wo das Grab seiner Liebsten ist.

Sobald einige tausend Lagerleute begraben waren und wieder Platz entstanden war, wurden aus den anderen kleineren Lagern, welche über das ganze Land verstreut waren, immer wieder neue Transporte mit Tausenden deutscher Frauen und Kinder hierhergetrieben, um hier auf gleiche Weise vernichtet zu werden, so daß andere Lager allmählich leer wurden und aufgelassen werden konnten. Dies dauerte bis Ende 1947 ununterbrochen so an. In demselben Jahre sind einmal sogar aus der Untersteiermark 400 Menschen gebracht worden, die schon im Jahre 1946 von dort weggeschleppt und eine Zeitlang in einem Lager in Kroatien gehalten worden waren. Ein großer Teil von diesen waren österreichische Staatsbürger. Statt daß man sie aus der Untersteiermark nach Kriegsschluß über die nahe Grenze nach Österreich gelassen hätte, wurden sie in das Sumpfgebiet der Theiß geschleppt. Nur 57 sind von diesen mit dem Leben davongekonunen. Mit Ausnahme von drei Männern waren alle übrigen Frauen und Kinder. Sie mußten bis zur Auflösung aller Lager im Jahre 1948 gleich den jugoslawischen Deutschen hier leiden, kamen dann ins Kriegsgefangenenlager nach Neusatz und wurden erst am 29. März 1948 nach Österreich repatriiert. Sie wurden an diesem Tage in einen Viehwaggon verladen.

Beschwerden gegen die unmenschliche Behandlung brachten keine Abhilfe. Sie hatten vielmehr nur Nachteile für diejenigen zur Folge, welche sich beschwerten. So hatten sich einmal im Jahre 1946 drei deutsche Frauen beim Lagerkommandanten darüber beschwert, daß sie von den ihm unterstellten Organen auf brutale Weise vergewaltigt worden seien. Wutentbrannt übergab der Kommandant gleich darauf alle drei Frauen den Partisanen, die sie mißhandelten, weil sich deutsche Frauen gegen slawische Partisanen wegen geschlechtlichen Mißbrauchs nicht hätten beschweren dürfen. Über Anordnung des Lagerkommandanten selbst aber wurden sie überdies noch neun Tage eingesperrt und bekamen die ganze Zeit nichts zu essen. Auf diese Weise in ihrem brutalen Vorgehen gegen die Deutschen nur noch aufgemuntert, nahmen die Mißhandlungen und Erschießungen kein Ende. Es vergingen selten Nächte, daß nicht in irgend einem Teil des Lagers auf Deutsche geschossen oder deutsche Frauen von Partisanen mißhandelt worden wären. Das Gefühl der Hilflosigkeit lastete schwer auf den Gemütern. Um ihrem Leiden ein Ende zu machen, begingen sehr viele Selbstmord. Großmütter nahmen ihre Enkelkinder in die Arme und stürzten sich mit ihnen in die Theiß.

Vom Frühjahr 1946 an konnten sich serbische Arbeitgeber Arbeitskräfte aus dem Lager pachten. Sie hatten für eine Arbeitskraft an die Lagerverwaltung 50 Dinar pro Tag zu bezahlen. Diese Einrichtung – sie war zwar nichts anderes als ein Sklavenhandel wie zu alten Zeiten – hat vielen Menschen das Leben gerettet. Alle rissen sich darum, einmal verpachtet zu werden. Die Pächter waren oft serbische Freunde, die ihre Bekannten auf diese Weise für einige Zeit von dem Elend loskauften, oft aber auch sehr anspruchsvolle Ausbeuter, die sich vor dem Geschäft die so reichlich angebotene Ware genau ansahen, sie nach Muskelkraft abtasteten und sich über ihre Kenntnisse und Fertigkeiten informieren ließen. Jeder war aber froh, wenn die Wahl auf ihn fiel, denn wenn er auch oft schwer und viel hat arbeiten müssen, er konnte doch damit rechnen, sich wenigstens einigermaßen sattessen zu können. Als Sklave verkauft zu werden, war ein Glück, in tausend Fällen die Rettung des Lebens.

Um diese Zeit wurde der freien Bevölkerung auch gestattet, Pakete in das Lager zu bringen. Ein Haus wurde mit Stacheldraht von dem Lager abgesondert und dort konnten die Pakete abgegeben werden. Die serbischen und ungarischen Landsleute brachten von nun an ihre Bekannten, so gut sie konnten, Pakete mit Lebensmitteln und Kleidern. Sie haben manchen damit das Leben gerettet. In der Nähe des Pakethauses versammelten sich immer große Menschenmengen, die sehnsüchtig darauf warteten, ob nicht ein edler Spender auch ihrer gedachte. Immer wieder trieben die Partisanen diese Ansammlungen mit Gummiknüppeln und Gewehrkolben auseinander. Mit den Spendern der Pakete durfte niemand sprechen. Die Pakete wurden von den Partisanen geöffnet und am nächsten Tage, meist schon halb leer, den damit Bedachten übergeben.

Was diese Pakete bedeuteten, erkennt man am besten aus der Schilderung einer alten Großmutter. Sie erzählt darüber folgendes:

„Nach sehr, sehr langer Zeit bekamen wir ein Paket, in dem auch etwas Mehl enthalten war. Ich machte davon einen Teig, um für die Kinder was zu backen. Hundertmal fragten sie mich, ob es noch nicht gebacken sei, und als ich die Platte mit dem heißen Gebäck herauszog, mußte ich mit allen Kräften abwehren, damit sie sich an der heißen Platte nicht die Hände und mit dem heißen Gebäck nicht die Mäuler verbrannten.“

Bald trafen auch die ersten Pakete aus Amerika ein. Landsleute in Amerika hatten von dem Elend in Rudolfsgnad gehört und entschlossen sich, zu helfen. Wohl fehlte hie und da was davon, aber man bekam immerhin etwas. Soweit es Kleider waren, mußten sie auf nächtlichen Schleichwegen hinausgeschafft und gegen Lebensmittel vertauscht werden. Diese Hilfe aus Amerika, oft klein und oft nur für Tage spürbar, war das Schönste, was die Menschen in dem Lager seit Jahren erlebt hatten.

Seitens der Behörden wurde immer verkündet, daß bei den Besprechungen der Großmächte in Yalta die Aussiedlung der Volksdeutschen aus Jugoslawien nicht beschlossen worden sei. Das neue Jugoslawien habe dort vielmehr das Recht erhalten, mit seinen Deutschen zu machen, was es wolle. Sie seien vogelfrei und sie hätten daher nur mehr zu arbeiten und im Lager, aus welchem sie nie mehr freigelassen würden, zu sterben. In dieser verzweifelten Notlage wandte sich im Sommer 1946 der einstige deutsche Abgeordnete, Dr. Wilhelm Neuner, der sich auch in diesem Lager befand, in schriftlichen Beschwerden, welche auf der Post eines Nachbarortes aufgegeben worden waren, sowohl unmittelbar an den jugoslawischen Staatspräsidenten als auch an die in Belgrad akkredierten Botschafter der Großmächte. Er verlangte, daß dem ständigen Morden von unschuldigen deutschen Zivilpersonen, nur weil sie wegen ihrer Staatenlosigkeit nirgends Schutz fanden, im zweiten Jahre nach dem Kriege endlich Einhalt geboten werde. Das Lagerkommando erfuhr davon. Der Beschwerdeführer wurde am 8. August 1946 aus dem Quartier geholt und ihm nach kurzem Verhör in Anwesenheit der gesamten Lagerverwaltung wegen dieser Beschwerde das Todesurteil verkündet, das nicht durch Erschießen, sondern in der Weise vollzogen werden sollte, daß er in einen Keller zu sperren sei und dort ohne Nahrung so lange zu bleiben habe, bis er verhungere. In Vollstreckung dieses Urteils wurde Dr. Neuner sofort in einen kleinen, dunklen Keller gesperrt, in dem er weder stehen noch liegen konnte. Der Keller war niedrig und naß. Nach elf Tagen wurde er nach Belgrad in das Gefängnis der OZNA gebracht. In bezug auf die Verhältnisse und Behandlung im Lager hatte diese Beschwerde nur den einen Erfolg, daß einige Funktionäre des Lagers von Rudolfsgnad in andere Lager versetzt wurden und die neuen Kommandanten nach kurzer Unterbrechung in derselben grausamen Art das Vernichtungswerk fortsetzen.

Nach und nach fingen die Leute an zu flüchten. Oft wurden Flüchtlinge von den neuen serbischen Kolonisten auf dem Felde und den Straßen, oft aber auch an der Grenze aufgegriffen und wieder in das Lager zurückgebracht. Das dämpfte dann wieder für eine kurze Zeit die Lust zum Fliehen bei solchen, die sich darauf schon vorbereitet hatten. Wer zurückgebracht wurde, wurde meist fürchterlich mißhandelt und nach einigen mißglückten Versuchen waren die Leute meist schon so schwach und gesundheitlich herabgekommen, daß sie an eine Wiederholung ihrer Versuche nicht mehr denken konnten.


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