Die publizistische Vorbereitung des Raubes von Ostdeutschland während der Zwischenkriegszeit

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Titelblatt einer Hetzschrift des bedeutenden „Westmarken-Verbandes“ gegen Danzig und Deutschland. Titel „Es gibt kein Danzig ohne Polen“. Bildlich wird ganz Ostdeutschland als polnischer Lebensraum beansprucht. Viele Organisationen und einflußreiche Eliten wie der Westmarken-Verband propagierten in der Zwischenkriegszeit Polens Expansion in alle Richtungen, besonders nach Westen. Diese Einstellung war allgemeiner Konsens der polnischen Gesellschaft. Auch in der Zeit der deutsch-polnischen Verständigung von 1934-39, als diese Zeitschrift publiziert wurde, während in Deutschland Propaganda gegen Polen streng zensiert wurde.

Um sich über die Ursache der Vertreibung der Deutschen aus Ostdeutschland durch die Polen objektiv zu informieren, ist es unerlässlich, sich ein Bild der polnischen Propaganda zu machen, die darauf abzielte, Ostdeutschland zu beanspruchen.

Die Vorgeschichte des Landraubes Ostdeutschlands und der Vertreibung seiner deutschen Bewohner 1945 durch Polen beginnt damit, in welcher Weise in der Zeit nach den sogenannten „polnischen Teilungen“ während des 19. Jh. von großen Teilen der polnischen Intelligenz über eine Restauration des polnischen Staates nachgedacht wurde.

Für die Zeit bis zum ersten Weltkrieg ist hierzu das Buch von Roland Gehrke als das Standardwerk zu dem Thema besonders empfehlenswert: „Der polnische Westgedanke bis zur Wiedererrichtung des polnischen Staates nach Ende des Ersten Weltkrieges.“ – Roland Gehrke, Marburg 2001

Polnische Dichter, Philosophen, Mystiker, Geistliche, Literaten, usw. nahmen Ostdeutschland als Objekt ihrer Agitation ins Visier. Dichtungen, literarische Analysen und Grenzlandromane mit antideutscher Tendenz entstanden. Daraus entwickelte sich der sogenannte „Westgedanke“ („mysl zachodnia“) als Forderung einer revanchistischen, revisionistischen Bewegung, die diese Gebiete beanspruchte. Sie ergänzten sich dabei mit Historikern, die die Geschichte Polens neu deuteten, den historischen Weg der letzten 500 Jahre, die Ostexpansion, als Irrweg verdammten, plötzlich Preußen-Deutschland als den „tausendjährigen Feind” stigmatisierten und Politikern, die daraus letztlich konkrete politische Forderungen und Konzepte zur „Wiedergewinnung der Westgebiete“ in Programmen erstellten.

In Versailles erbrachte dies für die Polen schon mal erste Erfolge. Posen und Westpreußen wurden dem polnischen Staat zugesprochen. Nicht nur die mehrheitlich polnisch besiedelten Gebiete, sondern auch deutsche. 70% der deutschen Bevölkerung dieser Gebiete – rund eine Million Menschen – wurden noch in den Zwanzigerjahren durch polnische Maßnahmen zum Abwandern nach Deutschland genötigt (schon damals die größte bekannte Menschenverschiebung Europas, aber doch erst ein Vorgeschmack darauf, was in viel größerer und tödlicherer Weise von den Polen ab 1945 verbrochen wurde). Doch damit war die polnische Gier auf deutsches Land keineswegs gesättigt.

Der folgende Artikel wird sich mit der publizistischen Propagandaarbeit der Polen im eigenen Land während der Zwischenkriegszeit auseinandersetzen. Die polnische Agitation wurde naturgemäß von den Heimatvertriebenen am genauesten beobachtet. Der „Deutsche Ostbund“ war als die größte Heimatvertriebenenorganisation in der Zwischenkriegszeit und vertrat die vertriebenen/verdrängten westpreußischen und Posener Deutschen. Schon oft hatte man auf die polnischen Aktivitäten aufmerksam gemacht. 2 Beispiele dazu. 1930 erschien dieser Artikel:

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„Ost-Archiv und Heimatmuseum“ 1930, 4. Folge, S.15 (Beilage des „Ostland“, der Zeitschrift vom „Deutschen Ostbund“)

1939 erschien noch vor Kriegsbeginn diese Informationsschrift von Dr. Joachim Schomaker. Herausgegeben wurde sie vom „Bund Deutscher Osten“ der 1934 gegründeten Nachfolgeorganisation des Ostbundes.

Politische Wissenschaft in Polen und ihre Organisation.

1. Die polnische Wissenschaft im Zeitalter der staatlichen Unselbständigkeit.

Die polnische Wissenschaft hat stets politisches Gepräge in einem Maß gehabt, wie es der Wissenschaft anderer Völker nicht bekannt ist. Das ist verständlich bei einem Volk, das in der Zeit der besonderen Entwicklung der historisch-soziologischen Fächer, im 19. Jahrhundert, im Kampf um die Wiedererringung seiner staatlicher Selbständigkeit stand. Die Entwicklung der modernen polnischen Wissenschaft stand einmal im Zeichen des Ringens um ein nationales Eigenleben, um die Entfaltung einer eigenen Kultur. Sie gewann von hier aus das Streben, den kulturellen und zivilisatorischen Besitz Polens als Ergebnis eigener Kraft und Leistung und das polnische Volk damit als vollwertiges Mitglied der europäischen Völkerfamilie dazustellen. Andererseits stand diese Wissenschaft im Zeichen des Freiheitskampfes und versuchte, Polen als Träger dieses Freiheitsgedankens vor allem gegenüber dem Zarentum, aber auch gegenüber Preußen und Österreich und darüber hinaus – in Fortsetzung alter Überlieferung – als „Vormaurer der Christenheit“ gegenüber Russen und Türken erscheinen zu lassen. Ein weiteres Thema der polnischen Wissenschaft war Schließlich der Versuch, das Heimatrecht der Polen in allen Ländern, die ihnen einmal staatlich gehörten, und die natürlichen Voraussetzungen für eine polnische Großmachtbildung nachzuweisen.

Die Zeit der Teilungen und des Herzogtums Warschau.

Die Entwicklung wissenschaftlichen Lebens in Polen ist ein Ergebnis der Aufklärungszeit, des späten 18. Jahrhunderts, das nach langem kulturellen und wirtschaftlichen Niedergang den politischen Zusammenbruch nicht mehr aufhalten konnte, das aber doch die Anfänge einer neuen nationalen Selbstbesinnung brachte. Noch der letzte Polenkönig, Stanislaus August, hatte im Rahmen seiner Erneuerungsbestrebungen, für die er auch deutsche Hilfskräfte heranzog, polnische Geschichte und Sprachwissenschaft pflegen lassen. Erst recht lenkten der Verlust des eigenen Staates, der Misserfolg von Kosciuszkos Erhebung (1795) und der Einfluß westeuropäischer Ideen den Sinn auf die eigene Vergangenheit, über die man kaum noch Bescheid wußte. Aber gerade aus der Vergangenheit wollte man Kraft und Hoffnung für die Zukunft schöpfen. Aus solchen Antrieben entstand im Jahre 1800 die „Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften“ in Warschau, die erste polnische Wissenschaftsorganisation moderner Art, die indes nach wenigen Jahrzehnten schon von den Russen aufgelöst wurde. Sie bekundete ihren politischen Gehalt, indem sie alsbald mit der Erforschung des Lebens des großen Deutschen Nikolaus Coppernicus und den Vorbereitungen zur Errichtung eines Denkmals begann. Schon damals versuchten die Polen den größten mittelalterlichen Astronomen als einen der Ihrigen in Anspruch zu nehmen. Seit diesem Zeitpunkt gilt es, den großen Deutschen als einen der Unsrigen zu vereidigen 1).

Romantik und Emigration – die Zeit der Aufstände.

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Werbeblatt des polnischen Westmarken-Verbandes aus dem Jahre 1930: Polens Grenzen bis kurz vor Berlin. Der Text im Bild ist ein Zitat des polnischen Literaten Adam Miczkiewicz (gestorben 1855) und lautet: „Jeder von Euch trägt in seinem Herzen das Saatgut zukünfti­ger Ansprüche und zukünftiger Grenzen“.

Das Ende der napoleonischen Staatsgründungen ließ Polen von neuem von der Landkarte verschwinden. Noch mehr als vorher wandten sich die Geister der Vergangenheit Polens zu, angeregt durch die Entwicklung der historischen Forschung und der Pflege vaterländischer Altertümer im Deutschland der Romantik. Als neue Mittelpunkte nationaler Wissenschaft entstanden nach 1815 eine Reihe von Stiftungen aus den Kreisen des Hochadels, die Bücher, Handschriften, Kunstgegenstände, Altertümer und ähnliches oft wenig planmäßig, aber mit viel vaterländischen Eifer sammelten 2). Einen weiteren Mittelpunkt des nationalen Geisteslebens bildete die von Zar Alexander I. begründete Universität Wilna, wo studentische Geheimbünde eine nationale Erneuerung vorbereiten wollten. Hier ist Polens größter Dichter, Adam Mickiewicz, herangewachsen. Im russischen Teilgebiet wurde jedoch bald alles nationale Leben unterdrückt, und nach dem Scheitern des Aufstandes von 1831 war für eine bewusste polnische Wissenschaftspflege nur noch im Ausland Platz. Paris vor allem wurde ihr Mittelpunkt, wo Mickiewicz, der gefeierte Lyriker und Epiker, zeitweise am College de France eine Professur für slawische Literatur inne hatte. Zunächst hier, dann jahrzehntelang in Brüssel wirkte der führende Historiker der Emigration, Joachim Lelewel (aus der deutschstämmigen Familie Lölhöffel), einst Professor in Wilna. Er gab der Verbindung der demokratischen Ideologie des Westens mit der Idee der Befreiung Polens, die 1830 und besonders 1848 so wirksam war, den historischen Unterbau. Auch in den Werken der Philosophen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stand immer der Gedanke der Wiederherstellung Polens als einer Aufgabe der Menschheitsgeschichte im Mittelpunkt; er wurde, nicht zuletzt mit den Mitteln der Hegelschen Geschichtsphilosophie, auch weltanschaulich, ja im sogen. „Messianismus“ auch christlich-religiös begründet – so besonders bei Trentowski und in den Schriften des Grafen August Cieszkowski. In der Heimat konnte die polnische Wissenschaft zu jener Zeit nur auf preußischem Boden eine Pflegestätte finden ! In den 40er Jahren war Posen geradezu der Mittelpunkt des polnischen Geisteslebens und Verlagsort für die wichtigeren literarischen und politischen Neuerscheinungen. 1857 wurde hier durch die Initiative des verpolten deutschstämmigen Altertumsforschers Kasimir Szule (Schulz) eine „Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften“ (Towarzystwo pryjaciol nauk) begründet, die ihren „Jahrbüchern“(Roczniki) ein Zentralorgan für die polnische Wissenschaftsarbeit in Preußen schuf, das später auch Kräfte aus den anderen Teilgebieten an sich zog. Sie wurde der Ausgangspunkt für alle weiteren wissenschaftliche Arbeit der Polen in Posen. 1875 trat ihr eine Wissenschaftliche Gesellschaft (Towarzystwo naukowe) in Thorn zur Seite, die in ihren Jahrbüchern eine stattliche Reihe von Untersuchungen zur Geschichte und Landeskunde Westpreußens vom polnischen Standpunkt aus veröffentlichen konnte, und sogar das Ermland in ihren Arbeitsbereich einbezog ! Beide Gesellschaften haben die bewußt polnische wissenschaftliche Arbeit unter preußischer Herrschaft eifrig pflegen können und sind heute noch von Bedeutung.

„Organische Arbeit“ und positivistische Wissenschaft.

1867 errang die polnische Wissenschaftsorganisation den wichtigsten Erfolg, der ihr in der Zeit staatlicher Unfreiheit überhaupt möglich war: die Schaffung der galizischen Autonomie erlaubte in diesem Jahr die Einsetzung polnischer Professoren, die Einführung er polnischen Unterrichtssprache an den bis dahin deutschsprachigen Universitäten Krakau und Lemberg und 1872 sogar die Begründung einer polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau. Dies alles geschah gerade zu der Zeit, als die ohnehin für das Polentum nicht sehr fruchtbare Warschauer Universität völlig russifiziert wurde. Damit waren gesicherte Möglichkeiten für den Ausbau der Einzelforschung und für die Heranziehung eines akademisch gebildeten Nachwuchses gegeben. Die beiden galizischen Universitäten sahen bald nicht nur aus Österreich gebürtige Polen, sondern auch solche aus Preußen und Russland unter den Lehrenden wie unter den Lernenden. Eine große Zahl dieser Professoren hatte ihre Ausbildung auf den deutschen Hochschulen empfangen. In ihrer Arbeit trat an Stelle einer romantischen Neigung zu den vaterländischen Altertümern die positivistische Tatsachenforschung, wie sie in ganz Europa damals herrschend wurde. Die Arbeit für Polen, die Bereitstellung von Bausteinen der Erkenntnis für den Neubau des Vaterlandes blieb aber stillschweigend die Richtschnur des Handelns. Sie legten damit, besonders in den historischen Wissenschaften, die erkenntnismäßigen Grundlagen für das heutige polnische Geschichtsbild. Die kritisch-positivistische Forschungsweise kam dem polnischen Lebensgefühl nach dem endgültigen Scheitern des Aufstandsgedankens mit der Niederlage 1863/64 besonders entgegen. Hatten ältere Generationen in festem Vertrauen auf die Lehren des Liberalismus und die Solidarität der demokratischen Völker Polen als Opfer der Kabinettspolitik hingestellt und die Ursachen der Teilungen in dem Streben der drei absoluten Monarchien des Ostens nach Beseitigung der „freiheitlichen“ Republik Polen gesucht, so lenkte der führende Historiker der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Michael Bobrzynski (Professor an der Universität Krakau und konservativer Politiker) den Blick wieder auf die inneren Schwächen von Staat und Volk als die wahren Gründe der Teilung und suchte die Verantwortung für den Verlust der Freiheit zunächst in Polen selbst. Seine Lehre entsprach durchaus der politischen Forderung jener Zeit nach „organischer Arbeit“ im Rahmen der bestehenden staatlichen Verhältnisse. Schon von Bobrzynski wurde die Bearbeitung der Geschichte Schlesiens und der Geschichte Pommerns als wichtigste Aufgabe für eine gesamtpolnische Geschichtsforschung bezeichnet. Die Tatsachenforschung, die von den Krakauer und Lemberger Historikern betrieben wurde und die der polnische Geschichtswissenschaft die Möglichkeit zur Teilnahme an den Debatten der europäischen Forschung gab, fand ihren Mittelpunkt in der 1886 gegründeten „Polnischen historischen Gesellschaft“ in Lemberg, die bis heute der Mittelpunkt der polnischen Geschichtswissenschaft ist und als deren Zentralorgan den „Kwartalnik Historyezny“ (Historische Vierteljahresschrift) herausgibt. Die Hauptaufgabe dieser Zeitschrift war und ist die Veröffentlichung von neuen Forschungen zur polnischen Geschichte; als angesehenstes Organ der polnischen Geschichtsforschung wird sie auch besonders gern für die Auseinandersetzungen mit der ausländischen, vor allem der deutschen Wissenschaft benutzt. Die geographische Wissenschaft Polens verdankt der gleichen Forschungsrichtung ein topographisches Sammelwerk von hervorragender Bedeutung, den „Slownik Geograficzny Krolestwa Polstiego“ (Geographisches Wörterbuch des Königreiches Polen und anderer slawischer Länder), der in Zusammenarbeit vieler Gelehrter von 1882 bis 1902 in Warschau erschien. Es umfasst alle Länder von Stettin bis Riga und Kiew, die irgendwann einmal zum alten Polen gehört haben und gibt für jeden Ort ausführlich alle topographischen, historischen und statistischen Daten an. (Es entspricht ganz der nationalen Überlieferung dieses monumentalen Werkes, wenn man heute die nach Wojewodschaften geordnete Neuausgabe mit den Bänden „Pommerellen“ und „Schlesien“ beginnt, und zwar mit Unterstützung der Wojewodschaften und des Westverbandes). Nicht weniger liegen auch die festen Grundlangen der heutigen polnischen Sprachwissenschaft und Volkskunde in jeder Zeit genauer tatsachenmäßiger Erforschung alles dessen, was mit dem eigenen Volkstum zusammenhängt, einer Forschungsauffassung, die in Posen auch in einem Zeitalter, das die Wissenschaft noch mehr „um ihrer selbst willen“ trieb, nicht vernachlässigt wurde. Damals wurden sowohl die Kaschuben (durch die Forschungen der Philologen Nitsch und Ramult) als auch die Masuren (durch die Forschungen Ketrzynski-Winklers 3) eigentlich erst für die polnische Wissenschaft entdeckt ! Wenn die Gelehrten dieser Jahrzehnte auch in ihren Organisationen gegenüber den Teilungsmächten noch keine Kampfinstitute im Sinne der heutigen polnischen Institute ausbilden konnten und in ihren großen Veröffentlichungen gewöhnlich scharfe Spitzen vermieden, so halfen sie doch für spätere Entscheidungen Material bereitzustellen und schufen für den späteren Ausbau der bekannten politisch-propagandistischen Wissenschaft die Grundlagen. In kleineren Schriften – wie etwa denen Rakowskis zur neueren Posener Geschichte – findet man aber bereits damals ausgesprochenste Tendenzwissenschaft. Die große Reichweite der Verbindungen, die sich das polnische Geistesleben seit der Emigrationszeit in ganz Europa geschaffen hatte, wurde an dem Widerhall des Aufrufes, den der durch seinen deutschfeindlichen Roman „Die Kreuzritter“ bekannte Henryk Sienkiewicz zu einem internationalen Protest gegen das preußische Enteignungsgesetz 1908 in die Welt sandte, besonders deutlich. Aus der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit wuchsen Ende des 19. Jahrhunderts zwei verschiedenartige Wunschbilder für das neue Polen heraus, die sogenannte „piastische“ und die „jagiellonische“ Idee (f. BDD. Brief Nr. 12, Seite 4 ff). Die piastische Idee geht vom Gedanken des „ethnographischen“ Polen aus, den sich die bürgerliche Nationaldemokratie unter Führung Boplawskis und Dmowskis zu eigen machte; sie sah im Bund mit dem Panslawismus ihren Hauptgegner im Deutschtum und wollte das neue Polen vor allem nach Westen ausdehnen. Der jagiellonische Gedanke knüpfte an das „historische“ Polen, d.h. an die weite Ausdehnung des polnisch-litauischen Staates im 16. Jahrhundert an. Ihn ergriff der Sozialist Pilsudski, der seinen Gegner zunächst im Zarentum sah und Polen vor allem nach Osten weit ausdehnen wollte. Beide Auffassungen haben an der Entstehung der heutigen Staatsgrenzen mitgewirkt und wirken noch fort.

2. Die polnische Wissenschaft in der Zeit der Staatsgründung und den ersten Jahren staatlicher Selbstständigkeit.

Die polnische Wissenschaft und die Errichtung des neuen Polen.

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Noch ein Plakat, daß die angeblichen am weitesten westlich gelegenen historischen Grenzen polnischer Machtgebiete hervorhebt, die regional und zeitlich sehr unterschiedlich irgendwann mal bestanden haben sollen. Sie werden in bezug zu den bestehenden Westgrenzen gesetzt, woraus der Betrachter die Schlußfolgerung ziehen soll, das Polen noch etwas zu erobern habe, weil es ihm zustehe.

Im Weltkrieg hatten zahlreiche Gelehrte mitgeholfen, die Weltöffentlichkeit in ihrem Sinne mit der polnischen Frage bekanntzumachen und Material für die Friedenskonferenz zu beschaffen. Hierfür waren in erster Linie der Geograph und Statistiker Eugen Romer mit seinem kleinen Atlas von Polen sowie Erasmus Piltz mit seiner „Petite Encyclopédie Polonaise“ tätig – um nur zwei hervorragende Beispiele zu nennen. Bei der Verbreitung ihrer Thesen kamen den Polen die seit einem Jahrhundert in Westeuropa angeknüpften Verbindungen zugute. Vor allem die in Westeuropa und Nordamerika gegen die Mittelmächte agitierenden Nationaldemokraten haben sich ihrer bedient und ihre Propagandaschriften so verbreitet. Auf der Versailler Konferenz legten die Verräter der Geschichts- und Sprachwissenschaft und der Erdkunde an den Universitäten Krakau und Lemberg im März 1919 eine Denkschrift „Questions relatives au territoires polonais sous la domination prussienne“ (Fragen der polnischen Gebiete unter preußischer Herrschaft) vor, die in scheinbar wissenschaftlichen Formen die schärfsten annexionistischen Tendenzen aussprach. Von verhängnisvoller Bedeutung war für uns die „Nationalitätenkarte der östlichen Provinzen des Deutschen Reiches“ des jüdischen Ingenieurs Jakob Spett 4).

Der neue Staat und die politische Wissenschaft.

Die wissenschaftliche Propaganda hatte sich somit für den jungen Staat als eine wichtige Waffe erwiesen, auf die man auch nach der Staatsgründung nicht mehr verzichten wollte. Die Verbindung von Wissenschaft und Politik wurde jetzt noch enger, da einige bekannte Historiker zur Diplomatie übergingen. Der assimilierte Jude Szymon Askenazy, der Polen zeitweise in Genf vertrat, schreib als Historiker das tendenziöse Machwerk „Polen und Danzig“, in dem schon alle heute vorgebrachten Behauptungen enthalten sind. Der polnische Staat schuf sofort nach Erringung der Selbständigkeit seiner Wissenschaft ausreichende Lehr- und Arbeitsstätten. Heute verfügt er neben der Akademie der Wissenschaften in Krakau über fünf Staatsuniversitäten in Warschau, Krakau, Lemberg, Posen und Wilna (von denen die Warschauer von den deutschen Besatzungsbehörden begründet wurde und die beiden galizischen aus österreichischer Zeit stammen) und über eine katholische Universität in Lublin. Daneben treten die Technischen Hochschulen in Warschau und Lemberg, die Handelshochschulen in Warschau und Posen und die Kunsthochschule in Krakau nicht besonders in Erscheinung. Neben der im ganzen Abendland üblichen Verbindung von Wissenschaft und Lehre – in der die nationalpolitischen Überlieferungen der polnischen Wissenschaft eifrig fortgeführt werden – ist in Polen eine Verbindung von Wissenschaft und politischer Meinungswerbung besonders entwickelt, die ihren Ausdruck in den Kampf- und Propagandainstituten, vor allem dem Baltischen Institut in Gdingen findet. Diese Verbindung ist in der Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Polen herausgebildet worden, weil hier scheinbar „fachliche“ Argumente benötigt wurden, um der Ausbreitung des deutschen Revisionsgedankens in Westeuropa entgegenzutreten. Ihre geistigen Väter standen im nationaldemokratischen Lager; die deutschfeindliche Linie, die ihnen von Urbeginn an eigen war, hat sich ungeachtet aller politischen Wandlungen bis heute nicht geändert ! Ausgangspunkt dieser Entwicklung war Posen, der Hauptsitz der Nationaldemokratie. Seine Rolle in der politischen Wissenschaftsarbeit kennzeichnete der „Kurier Poznanski“ am 2. März 1928 folgendermaßen:

„Als politische Bastion muß es (Posen) auch zugleich wissenschaftliche Bastion werden. Und so wie wir wünschen, daß die politische Stimme Polens auf dem internationalen Forum gehört werde, müssen wir auch danach streben, daß auch seine wissenschaftliche Stimme vor allem in bezug auf die Geschichte des Westslawentums gehört werde.“

Die Universität Posen entstand schon wenige Wochen, nachdem die Stadt durch den Weinachtsaufstand 1918 in polnische Hand gefallen war. Dies war nur möglich, weil noch unter preußischer Herrschaft eine Art Vorstufe hatte entstehen können, die „Gesellschaft für wissenschaftliche Vorträge“, die seit 1913 regelmäßige Vorlesungsreihen durchführte. Ihr Vorsitzender, der Gynäkologe Heliodor Swieceki, wurde der erste Rektor der neuen Universität, die die bestehenden Einrichtungen der erst 16 Jahre früher begründeten Posener deutschen Akademie übernehmen konnte.

Das Westslawische Institut in Posen – die erste Zentrale wissenschaftlicher Propaganda.

Schon im Jahre 1919 wurde hier das „Westslawische Institut“ von dem früheren Krakauer Indogermanisten M. Rudnicki und dem Vorgeschichtler I. Kostrzewski, einem Schüler des führenden deutschen Prähistorikers Gustav Kossinna, begründet. Kostrzewski hat sich zum Ziel gesetzt, den „urslawischen Charakter“ Westpolens und Ostdeutschlands durch seine Theorie vom Slawentum der Lausitzer Kultur (späte Bronzezeit) zu erweisen, eine unbegründete Behauptung, die von ernsthaften polnischen Forschern nicht geteilt wird, sich aber, seit zwanzig Jahren konsequent vorgetragen, in der polnischen Propaganda immer mehr durchsetzt. Wie Rudnicki über die Aufgaben polnischer Geschichtsforschung denkt, geht aus folgendem, 1926 veröffentlichten Satz hervor:

„Dem deutschen Pommern beizubringen, daß sie eines Stammes mit den polnischen Pommern (Kaschuben) sind, und daß diese die Sprache und Sitte ihrer Vorfahren treu bewahrt haben, ist die Aufgabe historischer Aufklärung im deutschen Pommern, der sich die polnischen Pommern unterziehen müssen.“

In diesem Sinne wurde das „Westslawische Institut“ gegründet – wie Rudnicki es ausdrückt – zur Durchführung genauer und objektiver Forschungen über die Geschichte der westslawischen, besonders lechitischen Völker 5) , ihrer Kultur, Vorgeschichte, Sprache, Volkskunde, Bevölkerungsverhältnisse, Topographie usw. Sein Arbeitsgebiet bilden – neben dem westlichen Polentum – vor allem Kaschuben und Wenden. In einer Reihe von Arbeiten hat dies Institut deren nähere Verbindung mit dem Polentum nachzuweisen versucht. Das Institut verbindet mit dem Charakter eines Universitätsseminars den einer wissenschaftlichen Gesellschaft. Es hat eine beschränkte Anzahl von Mitgliedern (48), zu denen auch ausländische Slawisten gewählt worden sind. Sein Organ ist die Monatsschrift „Slavia Dreidentalis“, die unter der Leitung Rudnickis hauptsächlich sprachwissenschaftliche und volkskundliche Arbeiten bringt. Wissenschaftlich sehr angreifbar, zeigen diese Aufsätze gewöhnlich eine scharfe politische Tendenz. Die „Slavia Dreidentalis“ erscheint mit finanzieller Unterstützung der Landesausschüsse (d.i. Provinzialverwaltungen) von Posen und Pommerellen und des Kultusministeriums. Von einzelnen Arbeiten des Westslawischen Instituts aus den letzten Jahren ist zunächst der „Atlas der Geographischen Namen des Westslawentums“ besonders hervorzuheben, den der Pfarrer Kozierowski bearbeitet und der unter Mitwirkung des Geographischen Instituts der Universität und mit Unterstützung des Wissenschaftlichen Fonds der Universität Posen herausgegeben wird. Als „westslawisch“ wird hier das gesamte deutsche Reichsgebiet bis etwa zur Linie Hamburg-Weimar angesehen! Der Propagandacharakter des Unternehmens wird dadurch noch betont, daß der Begleittext auch englisch und französisch abgefasst ist 6). 1934 wurde im Westslawischen Institut eine besondere Volkskundliche Sektion unter Leitung von B. Stelmachowska, der Direktorin des Posener Stadtmuseums, gebildet, die ein besonderes „Archiv“ herausgibt. Diese Abteilung widmet ihre Tätigkeit außer Großpolen besonders der Kaschubei, deren volkskundliche Einheitlichkeit mit Polen erwiesen werden soll. Das Westslawische Institut besitzt die einzige Spezialbibliothek für westslawische Fragen in Polen. Durch einen ausgedehnten Schriftenaustausch verbreitet es seine Veröffentlichungen – eingestandenermaßen zu Propagandazwecken – auch an zahlreiche ausländische Anstalten. Fast alle Mitarbeiter des Instituts haben an der Beschaffung des wissenschaftlichen Materials für das Netzwerk des nationaldemokratischen Schriftstellers Kistelewski gegen Nationalsozialismus und Ostdeutschtum, „Die Erde bewahrt das Vergängliche“ (1939), mitgewirkt.

Die polnische Geschichtsforschung in Posen und Westpreußen wird neu organisiert.

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Die Karte des Mgr. Stanislaw Wendeker. Der Text unter dem Bild dieser Phantasiekarte lautet in der Übersetzung: „Die Karte beruht auf amtlichen Angaben und Statistiken. Sie zeigt klar den tatsächlichen Zustand. Sie zeigt den weiten Raum, der im Laufe der Jahrhunderte einmal zu Polen gehörte. Es ist weiter daraus ersichtlich, daß das heutige Polen, im Herzen der historischen polnischen Gebiete, sich dort erstreckt, wo das polnische Element überwiegt.“

Zur Ergänzung dieser Arbeitsrichtung auf geschichtswissenschaftlichem Gebiet, auf dem der Dozent Widajewicz an der Universität Posen die Geschichte des Westslawentums als sein Spezialfach pflegt, rief A. Wojkowski, Direktor der Raczynski-Bibliothek und einer der besten Kenner der Posener Geschichte, 1922 mit Unterstützung des Westmarkenvereins die „Gesellschaft von Freunden der Geschichte der Westgebiete“ ins Leben, die 1925 in enger Zusammenarbeit mit der neubegründeten Posener Ortsgruppe der Polnischen Historischen Gesellschaft die Herausgabe der „Rocznike Historyezne“ (Historische Jahrbücher) begann. Wie politisch diese Arbeit von vornherein aufgefasst wurde, geht daraus hervor, daß als Band 1 ein Vortragszyklus von 1924 „Großpolen in der Vergangenheit“, als Band 3 eine Aufsatzreihe „Pommerellen und das Kulmerland in der Vergangenheit“ erschienen, knappe Zusammenfassung des damaligen Standes der Forschung in den beiden Grenzprovinzen. Der letztere ist von Prof. Thmieniecki 1929 englisch unter dem Titel „History of the Polish Pomeranian“ neu herausgegeben worden. Das Arbeitsgebiet der Zeitschrift umfasst hauptsächlich das früher preußische Teilgebiet; in den letzten Jahren hat sie u.a. die Fragen der Entstehung des Piastenstaates (Normannenfrage) und der deutschen Siedlung vom polnischen Standpunkt aus beleuchtet. Bis 1931 erhielt die „Gesellschaft von Freunden der Geschichte der Westgebiete“ Zuschüsse vom Außen- und vom Kultusministerium und von verschiedenen Selbstverwaltungsstellen der Westwojewodschaften, seitdem nur noch vom Nationalen Kulturfonds. Der Geschichte des Ringens um die Unabhängigkeit und besonders des Weihnachtsaufstandes von 1918 und der oberschlesischen Aufstände widmen eigene Organisationen ihre Arbeit, so in Westpreußen die „Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Unabhängigkeitsbewegung in Pommerellen“, in Posen die „Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte des Großpolnischen Aufstandes von 1918/19″, die eine zeitweise recht rege Veröffentlichungstätigkeit entfaltet hat. 1922 wurde auch in Danzig ein kleinerer Arbeitsmittelpunkt in einer „Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften“ gebildet, der sich hauptsächlich auf die Lehrkräfte des dortigen polnischen Gymnasiums stützt. Er hat sich die „Verbreitung der Bildung in religiösem und nationalpolnischen Geist“ zum Ziel gesetzt und sich in einer historisch-literarische, eine wirtschaftlich-rechtliche und eine künstlerische Abteilung gegliedert. Sein Organ ist der „Rocznik Gdanski“ (Danziger Jahrbuch), der sich hauptsächlich mit geschichtlichen Fragen beschäftigt und durch eine besondere Deutschfeindlichkeit hervorragt.

3. Die Auseinandersetzungen um Westpreußen und das Baltische Institut.

Anfänge neuer polnischer Pommerellenarbeit.

Die vorhandenen Einrichtungen in Danzig, Thorn und Posen wurden aber nach für unzureichend gehalten, als die Auseinandersetzung um den Korridor einerseits und das Erwachen des Gedankens polnischer Seegeltung andererseits eine Aufklärung der breitesten Öffentlichkeit und die Bereitstellung von wissenschaftlichem Material dafür verlangten. Diese Gedanken wurden von einem damals noch ziemlich kleinen Kreis von Wissenschaftlern und Politikern vorwärtsgetragen, in dem der polnische Generalkonsul in Königsberg, Srokowski, Verfasser mehrerer deutschfeindlicher Schriften über Ostpreußen, neben dem uns aus seinen jüngeren Arbeiten schon bekannten Pfarrer Kozierowski die führende Rolle spielte. Sie setzten sich für die Gründung einer Arbeitsstelle für baltische Fragen ein. Ende August 1925 fand die erste Versammlung statt, ein halbes Jahr später wurde ein Verein „Baltisches Institut“ in das Thorner Vereinsregister eingetragen. Den Vorsitz übernahm der Landeshauptmann (Starosta Krajowy) von Pommerellen, seine Vertretung Pfarrer Kozierowski die Geschäftsführung Srokowski. Als Aufgabe wurde die Erforschung der wirtschaftlichen, politischen und völkischen Verhältnisse an der baltischen Küste vom Gesichtspunkt der mit ihren verbundenen polnischen Interessen aus bezeichnet. Generalkonsul Srokowski erläuterte dies als Vorstandsmitglied dahin, daß das Institut sich nicht etwa nur auf Forschungen über Pommerellen beschränken dürfe, sondern sich auch gründlichst mit Danzig und Ostpreußen, ferner mit litauischen, lettischen und estnischen Fragen, ja mit dem ganzen Ostseebecken zu beschäftigen habe. In der Zeitschrift des Westmarkenvereins bemerkte Srokowski dazu genauer, das Institut werde folgende Arbeiten zu übernehmen haben:

1. Sammlung und Ordnung des auf die baltische Küste bezüglichen wissenschaftlichen Materials.

2. Herausgabe von Arbeiten, wissenschaftlichen Untersuchungen und für die Allgemeinheit bestimmten Büchern, welche der Verteidigung der polnischen Interessen an der Ostsee dienen.

3. Mitteilungen der Forschungsergebnisse an Behörden, wirtschaftliche Verbände und Einzelpersonen, welche sich mit Handel und Gewerbe in den baltischen Gebieten befassen.

4. Schaffung einer Arbeitsstätte, von Bibliotheken und Sammlungen, welche die wissenschaftliche Tätigkeit in bezug auf die polnische Beziehungen zur Ostsee unterstützen.

5. Veranstaltung von Diskussionsabenden.

Srokowski begründet diese Aufgaben folgendermaßen:

„Das Meer haben wir bisher noch nicht lieb gewonnen, wie wir es nie liebten … die Arbeit am Meere und auf dem Meere ist uns immer noch fremd. Es gibt nur wenige unter uns, die sich ebenso aufrichtig und dauernd, wie sie es bei Warschau und Krakau tun, für das interessieren, was in Thorn, Tuchel, Soldau oder Putzig sich ereignet. … “

Die erste Aufgabe war es demgegenüber, den Gedanken in Polen durchzusetzen, daß der Besitz der Ostseeküste die entscheidende Grundlage für die polnische Großmachtstellung sei! Srokowski konnte die Leitung seiner Gründung nicht lange behalten; als eifriger Nationaldemokrat war er nach der Machtergreifung Pilsudskis im Mai 1926 unmöglich geworden. Seine Ideen aber wirken bis heute weiter. Die Institutsleitung ging an Dr. Theodor The über, einen hochbegabten jungen Posener Dozenten, Schriftleiter der „Straznica Zachodnia“ (Macht im Westen), der Kampfschrift des Westmarkenvereins; er starb jedoch schon 1927. Nach einer vierteljährigen Pause wurde der Vizedirektor des Bromberger Agrarinstituts, Josef Borowik, zum Direktor gewählt. Als Wissenschaftsorganisator von hervorragenden Ausmaßen hat er mit Tatkraft und Initiative das Institut wesentlich ausgebaut und zu einem geradezu einzigartigen wissenschaftlichen Propagandainstitut gemacht, ohne daß sich an seiner Zielsetzung das geringste änderte. Sehr wesentlich war es, daß auch nach dem Wechsel des politischen Systems der Landeshauptmann Wybicki weiter den Vorsitz führte und daß der jeweilige Wojewode von Pommerellen, der Vorsitzende des Appellationsgerichts und der Schulkurator von Posen-Pommerellen im Kuratorium saßen. Dieses wurde 1929 durch einige Posener Persönlichkeiten und den Bischof von Kulm erweitert.

Die Veröffentlichungen und Tagungen des Baltischen Institutes – das wichtigste Arbeitsmittel der Propaganda für das „polnische Pommerellen“.

Infolge des mehrfachen Wechsel in der Direktion konnte die Veröffentlichungstätigkeit erst 1928 beginnen 7) . Das Institut hat eigentlich Ostseefragen stets im Auge behalten und sich um die Erwerbung von Verständnis für Polens maritime Interessen im ganzen Volk vielfach bemüht. In erster Linie galt die Editionstätigkeit in den ersten sieben Jahren aber der Abwehr „lügnerischer Angriffe auf den polnischen Besitzstand“ und der Einleitung polnischer Forschungen über Westpreußen. Das Bewußtsein der Bedeutung des Korridors für Polen war damals im früher russischen und österreichischen Teilgebiet noch weniger entwickelt als heute, und an seiner Ausbildung ist das Baltische Institut hervorragend beteiligt. Es hat – ungeachtet seines „wissenschaftlichen“ Charakters – z.B. 1928 bis 1930 etwa 12000 Propagandapostkarten verbreitet und gleichzeitig die polnische Presse über den Korridor und die Westgrenze zu informieren begonnen. Zu diesem Zweck werden seit 1929 „Kommunikate“ herausgegeben, die nicht in den Buchhandel kommen und nur einen beschränkten Kreis zugänglich sind. Die ersten – über das Programm des Baltischen Instituts, Gdingen, Ostpreußen und Korridorfragen und vor allem über die deutsche politische und besonders wissenschaftliche Ostarbeit – erschienen vervielfältigt in einer Auflage von 25 bis 100 Stück. Hier wurde und wird versucht, den interessierten Stellen einen Überblick über das deutsche Ostschrifttum zu geben. Seit 1931 erscheinen diese Pressecommuniques gedruckt im Umfange von 2 bis 8 Seiten; sie behandeln jetzt auch wirtschaftliche Probleme, historische Streitfragen und beleuchten gelegentlich die Entwicklung im Ostseeraum aus der Arbeit des Instituts heraus. Im ganzen dürften bis jetzt etwa 300 Kommunikate erschienen sein 8) . Die Presse wurde darüber hinaus durch einen „Akademischen Informationskurs für polnische Journalisten und Publizisten“ in den Korridor- und Küstenfragen einheitlich ausgerichtet. Der Lehrgang wurde im Januar 1930 in Thorn durch Borowik organisiert und stand nachhaltige Unterstützung bei zahlreichen führenden Männern der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Im Einzelnen wurde außer den Fragen Pommerellens und des Zugangs zum Meer die Organisation einer „Gegenpropaganda“ gegen das Reich behandelt 9). Nach der Presse wurde die Wissenschaft organisiert. Dies geschah seit 1930 in den „Pommerellenkundlichen Tagungen“. Als erste wird eine Besprechung am 9. März 1930 in Danzig gezählt, an der außer dem diplomatischen Vertretern Polens in Danzig und dem Wojewoden von Pommerellen Vertreter des Außenministeriums und des Kultusministeriums, ferner des Westmarkenvereins sowie Abgesandte der oben erwähnten Gesellschaften und Institute in Polen, Thorn und Danzig teilnahmen. Aufgabe dieser ersten Sammlung der wissenschaftlichen-propagandistischen Kräfte sollte es sein, die Mängel und Bedürfnisse der wissenschaftlichen Arbeit und der mit ihr verbundenen propagandistischen Arbeit auf dem Gebiet der Westpolnischen, nordpolnischen und polnisch-deutschen Probleme festzustellen. Im Schlußwort faßte der Geograph der Posener Universität, Prof. Pawlowski, als Leiter der Versammlung die Ergebnisse dahin zusammen, daß für Polen drei Arten von Arbeitsorganisationen erforderlich seien:

„1. Rein wissenschaftliche Institute, welche sich nicht mit Propaganda beschäftigen und über die entsprechenden Arbeitswerkstätten verfügen.

2. Institute, welche zwischen Wissenschaft und Propaganda vermitteln (und das erste Institut bei uns ist das Baltische Institut).

3. Für die Festlegung der Richtungen, in denen sich die Vermittlungsaktion und die Propaganda selbst zu bewegen haben, muß die Einrichtung dauernder wissenschaftlicher Kongresse bestehen, welche aus sich heraus als Exekutive einen Kongreßrat bilden, der sich auf ein dauernd tätiges Büro bei einem der bestehenden Institute, am besten beim Baltischen Institut, stützt. Dieses Büro könnte die Aufgaben einer Evidenz- und Informationszentrale erfüllen im Interesse sowohl der Wissenschaft, wie auch vor allem der Propaganda und für die Bedürfnisse der Tagespolitik.“

Das Ergebnis dieser bahnbrechenden Aussprache war eine engere Zusammenarbeit von Forschung und politischer Propaganda; der Wissenschaft war die Aufgabe gestellt worden, das Material für die Aufstellung neuer Propagandathesen bereitzustellen, da eine Unterlegenheit der Polen gegenüber dem deutschen Vorstoß gegen das Unrecht von Versailles spürbar geworden war. Die zweite Pommerellenkundliche Tagung, von Prof. Pawlowski-Posen, Direktor Barowik und einem Vertreter des Westmarkenvereines vorbereitet, fand am 3. Mai 1931 in Thorn statt 10).

Ihr Thema war das Nationalitätenproblem in Pommerellen schlechthin, ihre Aufgaben:

„a) Das Zusammentreffen der Persönlichkeiten, welche wissenschaftlich über Probleme Pommerellens arbeiten;

b) die gegenseitige Bekanntgabe der Forschungsergebnisse;

c) die Feststellung der Aufgaben und Notwenigkeiten für die Forschung der nächsten Zeit;

d) auf jede andere Weise dazu beizutragen., um die wissenschaftliche, Pommerellen und die baltische Küsten betreffenden Forschungen zu beleben und zu koordinieren.

e) sich der uns feindlich gesinnten wissenschaftlichen und anders gearteten deutschen Aktion betreffs Polens bewußt zu werden.„

grosspolen

Die Posener Zeitung „Dziennik Poznanski“ vom 26. Juni 1939 druckte diese Karte ab. Die Zeichenerklärung von oben nach unten: 1. heute ausschließlich deutsches Wohngebiet; 2. weitester slawischer Raum gegen Westen nach der geographischen Feststellung von St. Kozierowski; 3. polnische Westgrenze zur Zeit Boleslaw dem I. Chrobry nach Professor Wl. Semkowicz; 4. polnische Westgrenze zur Zeit Boleslaw Krzywoustys nach Prof. Semkowicz; 5. heutige polnische Westgrenze.

Hier wurden die Grundlagen für die Erforschung des „deutschen Problems“ in Pommerellen im Rahmen der inneren Probleme Polens und „im Rahmen der expansiven Tendenzen des deutschen Volkes und Staates“ gelegt und der Anteil der einzelnen Disziplinen an dieser Aufgage durch die Aussprache der Fachvertreter abgesteckt. Von mehreren Seiten wurde dabei die Forderung aufgestellt, daß die polnische Wissenschaft gegenüber Ostpreußen und Pommern zur Offensive übergehen und „sich mit den Fragen der Aufrechterhaltung unserer Einflüsse und der Befestigung unserer Rechtsansprüche auch die polnischen Länder in Ostpreußen und dem heute deutschen Pommern beschäftigen“ solle. Die Herausgabe der Tagungsniederschrift wurde dem Baltischen Institut übertragen, das damit eine neue Reihe seines Gedenkbuches, „Die Pommerellenkundlichen Kongresse“ eröffnete. Es übernahm auch im zusammenwirken mit dem Westmarkenverein die Vorbereitung des III. Kongresses, der im Oktober 1932 in Polen stattfand. Sein Thema war der Stand des Grundbesitzes in Pommerellen, der hier zunächst nach der geschichtlichen und rechtlichen Seite hin mit Hilfe bekannter Fachkräfte einer genauen Betrachtung unterzogen wurde. Der wesentliche Inhalt der Verhandlungen lief auf die Behauptung hinaus, daß der deutsche Grundbesitz in Pommerellen nicht aus dem Mittelalter, sondern erst aus der zeit nach den Teilungen stamme und daß die polnische Agrargesetzgebung für die nationalistischen Absichten in den Westmarken angeblich noch unzureichend sei. In diesem Sinn sprachen die Tagungsteilnehmer den Wunsch aus, Pommerellen möge im Staatshaushalt, besonders zwecks Umgestaltung der Agrarverfassung, besonders berücksichtigt werden, und lenkten die Aufmerksamkeit besonders der Statistiker und Historiker auf die damit verbundenen Fragen. Der IV. Pommerellenkundliche Kongress in Krakau vom 31. Oktober bis 2. November 1934 schritt auf dem bisherigen Weg unbeirrt weiter fort und behandelte den Grundbesitz in Pommerellen unter wirtschaftlichwissenschaftlichen Gesichtspunkten. Der deutsche Besitzstand wurde im Vergleich mit dem Bevölkerungsanteil der Deutschen – ebenso wie das deutsche Genossenschaftswesen – für zu stark befunden; daraus wurde die Folgerung gezogen (im November 1934!), Pommerellen müsse gerade jetzt einwandfrei polnisch gemacht werden 11) . Die Pommerellenkundlichen Tagungen sind also zu einem alle paar Jahre wiederkehrenden Treffen aller wissenschaftlich-politischen Kreise geworden, denen die Fragen der Westgrenze, des Zugangs zum Meer und der Seegeltung heute Angelegenheiten des Verstandes und des Herzens zugleich sind. Während vor 12 Jahren im polnischen Binnenland vielfach noch für die Anliegen Pommerellens das Verständnis fehlte, werden jetzt dort große, aus allen Teilen des Landes beschickte Tagungen durchgeführt, die in der Presse, der Politik und der Wissenschaft lebhaften Widerhall finden. Der V. Kongreß ist mehrfach verschoben worden und fand schließlich am 7. – 8. Mai 1939 in Lemberg statt. Er griff mit dem Thema „Gdingen und Danzig als Häfen des polnischen Zollgebiets“ bereits auf aktuelle Meeresfragen über. Es ist dies ein Fragenbereich, der für die polnische Wissenschaft seine besonderen Schwierigkeiten hat, weil hierfür ausreichend befähigte Arbeitskräfte in genügender Zahl erst herangebildet werden müssen. Schon der Kongreß von 1932 hat die Hochschullehrer auf diese Aufgaben besonders hingewiesen.

Ausbau der Propaganda in Westeuropa und Ausdehnung der Arbeit des Baltischen Institutes auf den ganzen Ostseeraum seit 1934.

1932/33 hatte das Hauptgewicht der Veröffentlichungstätigkeit des Baltischen Institutes noch durchaus auf dem Gebiete der Pommerellenkunde gelegen. Die 1931 begründete Filiale in Gdingen hatte vorläufig nur örtliche Bedeutung. Mit dem Jahre 1934 setzte nicht nur eine starke Zunahme der Drucktätigkeit ein, eine deutsche Verlagerung des Schwergewichts im Sinne der Pläne von 1926 zunächst auf die Ostseefragen, außerdem ein auffälliges Anwachsen der fremdsprachlichen Veröffentlichungen. Anläßlich der Verleihung des Preises der Stadt Gdingen für Kunst und Wissenschaft an das Institut erklärte der „Kurjer Baltycki“ (10. Februar 1938) dazu ganz offen:

„Vom Jahre 1935 an, nach dem Abschluss der deutsch-polnischen Verständigung, konnte das Institut, nachdem es seine Stellung in der Arbeit auf dem kleineren Abschnitt der pommerellischen und Küstenfragen begründet hatte, das Gebiet seiner Tätigkeit auf den ganzen Ostseeraum ausdehnen. Das geschah hauptsächlich mit Hilfe der englischen Zeitschrift ‚Baltic and Scandinavian Countries‘ 12), deren erstes Heft im August 1935 erschien. Um diese Zeitschrift gelang es ungefähr 300 wissenschaftliche Mitarbeiter zu sammeln, die sich aus allen Ländern des Ostseeraumes, aus der angelsächsischen Welt, Frankreich, Italien, Holland und Ungarn rekrutieren. Hand in Hand damit geht ein immer weiteres Vordringen der Zeitschrift im Ausland, nicht nur in wissenschaftlichen, sondern auch in politischen und wirtschaftlichen Kreisen.“

Die Aufgaben dieser Zeitschrift, die heute im Mittelpunkt der Arbeit des Baltischen Institutes steht, werden in einer Vorbemerkung des Herausgebers Borowik dargelegt: Sie soll außer Polen auch Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Schweden und Dänemark behandeln,

„Norwegen, Deutschland und Russland, die nicht vorwiegend baltisch orientiert sind, werden nur in dem begrenzten Bereich ihrer Berührung mit anderen Ländern dieses Raumes berücksichtigt. Eine Ausnahme davon wird jedoch hinsichtlich des deutschen Küstengebietes gemacht, besonders für Pommern und Ostpreußen.“(!)

Das große weltpolitische Problem des Ostseeraumes, die Abwehr des Bolschewismus, wird damit bewirkt vernachlässigt, während Polens krankhafte Wünsche auf die deutsche Ostseeküste hier ihr Sprachrohr zur Weltöffentlichkeit erhalten sollen! Andere Länder außerhalb des Ostseebeckens sollen gelegentlich mitbehandelt werden, wenn besondere Beziehungen bestehen; „wichtig sind darunter die Länder zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer“.

Diese Ostseeländer haben über 60 Millionen Einwohner und 15 Millionen Volksgenossen in Nordamerika. „Trotz vieler enger Verbindungen erhält die englisch sprechende Welt bemerkenswert wenig Informationen aus erster Hand über die Ostsee“. Diese Lücke sollen die „Baltic and Scandinavian Countries“ ausfüllen und über die Entwicklung und das gegenwärtige Leben des Ostseeraumes berichten. „Besondere Berücksichtigung erfährt die Anbahnung von Verbindungen und die Erforschung der verschiedenen Ursachen von Konflikten in Vergangenheit und Gegenwart.“ So soll ein Gefühl der Gemeinsamkeit der Interessen entwickelt werden. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Geschichte, Geographie und Wirtschaftskunde. Charakteristisch für das Unternehmen ist die Ausschaltung des Deutschen Reiches, sowohl hinsichtlich der Mitarbeiter als auch hinsichtlich der Themen. Die Einbeziehung Ostpreußens wurde schon im ersten Heft in einem Aufsatz des Krakauer Geographen Smolenski dahin erläutert, daß Ostpreußen eine „autochthone Küstenbarriere“ sei, die früher oder später mit dem Hinterland vereinigt werden müsse! Es ergibt sich erkennbar das Ziel, unter Außerachtlassung des Reiches und der Sowjetunion unter polnischer Führung eine „baltische Gemeinschaft“ zu schaffen, in der die baltischen Völker gemeinsam bedroht sein sollen. Neben den „Baltic and Scandinavian Countries“, die Verbreitung polnischer Thesen in Westeuropa und Nordamerika und der Sammlung skandinavischer und baltischer Wissenschaftler unter polnischer Führung dienen, ist 1937 noch die Zeitschrift „Jantar“ (Der Bernstein) in polnischer Sprache getreten. Ihr Themengebiet ist ähnlich begrenzt wie das der „Baltic and Scandinavian Countries“; allerdings stehen polnische und pommerellische Fragen etwa im Vordergrund. Sprachpolitisch ist aber beachtenswert, daß hier auch Aufsätze ausländischer Verfasser in polnischer Sprache erscheinen. Für die polnische Auslandspropaganda hat neben den „Baltic and Scandinavian Countries“ eine Reihe von kleinen Taschenbüchern besondere Bedeutung, die seit 1933 – neben einer polnischen Urfassung – englisch als „Baltic Pocket Library“, französisch als „Petite Bibliotheque Baltique“ erscheinen. Es sind billige und handliche Hefte, die Propagandathemen und Forschungsergebnisse geschickt zusammenfassen und im Ausland weit verbreitet werden. Ihre Auflage beträgt gewöhnlich 2000 Stück in jeder der drei Ausgaben. Bei den beiden ersten Heften, die auch in Deutsch und anderen Sprachen erschienen („Der Hafen von Gdingen“, 1931; „10 Thesen über Pommerellen“, 1932), betrug die Gesamtauflage in allen Sprachen sogar 11500 bzw. 60000 Stück. Welche Bedeutung dieser Schriftenreihe beigemessen wird, geht daraus hervor, daß das Institut für sie 1935 eine Unterstützung von 20000 Zloty erhielt. Diese „Kleine Baltische Bücherei“ erscheint in 4 Reihen: „Geschichte und Kultur“, „Handel und Verkehr“, „Land und Volk“ und „Polen und die Ostsee“. Die allgemeine Entwicklung des Baltischen Instituts spiegelt sich auch hier wieder: zunächst stand Pommerellen im Vordergrund, in den letzten Jahren nahmen die allgemeineren deutsch-polnischen und Ostseefragen einen immer breiteren Raum ein. Insbesondere sind mehrere ausgesprochen aggressive Schriften über Ostpreußen in fremden Sprachen verbreitet worden, nachdem 1934 der Gründer des Institutes, Srokowski, den Anfang gemacht hatte. Die besondere Stellung, die die Meeresfragen und die Beziehungen zu den anderen Ostseestaaten innerhalb der Arbeit des Instituts gewonnen haben, kommt auch darin zum Ausdruck, daß an die Gdingener Niederlassung des Instituts, die zunächst nur Vorträge, Ausspracheabende u.ä. veranstaltet hatte, durch den Ausbau eines Meereswirtschaftsarchivs verstärkt wurde, das nach dem Vorbild der deutschen Institute in Kiel und Hamburg Materialien über Weltwirtschaft und Seeverkehr sammelt und auch besondere Veröffentlichungen herausgibt (u.a. „Der Güterumschlag der deutschen Seehäfen“, 1937). Im Januar 1936 wurde schließlich die Direktion, der größere Teil der Bibliothek und das Sekretariat der Pommerellenkundlichen Kongresse von Thorn nach Gdingen verlegt; am alten Sitz blieb nur eine Pommerellenkundliche Abteilung bestehen, die sich besonders mit volkskundlichen und soziologischen Studien beschäftigen soll.

Ostpreußen und Pommern, die neuen Ziele des Baltischen Instituts.

Neben der Verarbeitung des ganzen Ostseeraumes nehmen heute die Forschungen über Ostpreußen immer mehr Raum in der Tätigkeit des Instituts ein. Es ist bezeichnend, daß diese Arbeitsrichtung erst seit 1934/35 sich stärker entwickelt hat. Die „Baltic Pocket Library“ weist bereits eine ganze Zahl von Heften auf, welche polnische Propagandathesen über Ostpreußen auf Englisch in der Welt verbreiten. Für die „wissenschaftliche“ Begründung dieser Thesen sind zwei Vorhaben von besonderer Bedeutung geworden: Ein dreibändiges Sammelwerk „Geschichte Ostpreußens“, von dem der erste Band und ein Teil des zweiten schon erschienen sind, soll nicht nur einen Gesamtüberblick über die politische Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte geben, sondern auch das polnische Element und die polnischen Kultureinflüsse in Ostpreußen(!) eingehend behandeln. Ein zweites Sammelwerk, von Muennich und Wilder herausgegeben, soll die Wirtschaftsverhältnisse Ostpreußens in dem Sinn behandeln, daß die Verbindung mit dem Reich für Ostpreußen wirtschaftlich ohne Nutzen sei (!). Während diese Werke noch im Erscheinen begriffen sind, werden vom Baltischen Institut schon Pläne zum wissenschaftlich-propagandistischen Angriff auf die Provinz Pommern, zunächst durch Bearbeitung der pommerschen Geschichte im polnischen Sinne, vorbereitet; weitere Zukunftspläne wenden sich sogar schon der Neumark zu.

Aufbau und finanzielle Grundlage des Baltischen Instituts.

Woher nimmt eine Organisation mit so ausgedehnter Tätigkeit ihre Hilfskräfte? Das Baltische Institut ist selbst keine Forschungsstätte, sondern hat wissenschaftliche Forschungen anzuregen, zu fördern und mit propagandistischen und wirtschaftlichen Forderungen zu verbinden (dabei aber stets den Richtlinien der allgemeinen Politik zu entsprechen). Das zusammenwirken mit den Männern der Wissenschaft vollzieht sich in den aus Hochschullehrern, Politikern und Wirtschaftlern zusammengesetzten „wissenschaftlichen Kommissionen“. Solche bestehen: für Meeresfragen, Geographie, Geschichte, Altertumskunde und Volkskunde sowie für den Historischen Atlas von Pommerellen und für Redaktionsangelegenheiten. Die weiteren Zielsetzungen gegenüber Ostpreußen und Pommern sind vor allem in der Historischen Kommission entwickelt worden. Von Zeit zu Zeit treten sämtliche Kommissionen zusammen, so im Juni 1935 in Thorn und im März 1937 in Gdingen. Die Kommission für Meeresfragen steht bei dem heutigen Aufbau der Institutsarbeit an erster Stelle, trotz anfänglicher Schwierigkeiten bei der Heranziehung geeigneter Mitarbeiter. Die junge Generation der polnischen Wissenschaft stellt sich mit Eifer für die Aufgaben des Baltischen Instituts zur Verfügung. Die Erziehung zum politischen Einsatzwillen, die schon seit Jahren, besonders in Polen, sowohl von den Hochschullehrern als auch von einigen Studentenverbindungen vorgenommen wird, trägt hier sichtbare Früchte. Die Einordnung der Institutsarbeit in die große politische Linie wird dadurch gewährleistet, daß dem Kuratorium von Amts wegen der Wojewode von Pommerellen, Kirtiklis, als Delegierter der Regierung und außerdem der Wirtschaftsminister Kwiatkowski angehören, ferner – außer Bischof Dkoniewski von Kulm – der Armeeinspekteur Divisionsgeneral Norwid-Neugebauer, der Präsident der Staatlichen Agrarbank, Minister Stamirowski, der Präsident der Warschauer Industrie- und Handelskammer, Minister Klarner, und der Präsident der See- und Kolonialliga, Minister Kozuchowski. Im Vorstand sitzen zur Zeit der Landeshauptmann von Pommerellen, Lacki, der Kurator des Posener Schulbezirks, Dr. Pollak, der Direktor des Meers-Departements im Handelsministerium, Modzenski, der Vorsitzende der Thorner Wissenschaftlichen Gesellschaft, Pfarrer Mankowski, Professor Pawlowski und Direktor Borowik. Dementsprechend lebt das Institut auch in erster Linie von Regierungsunterstützungen. Von Mitgliedsbeiträgen könnte es ebenso wenig bestehen wie von dem Ertrag seiner Veröffentlichungen. (Das Gedenkbuch erscheint in einer Auflage von 1250 Stück, wovon 350 in den Handel kommen, wenigstens 250 im Austausch oder zur Besprechung versandt werden und 500 als Sonderdrucke verteilt oder verkauft werden.) Von 1926 bis 1936 entwickelten sich die Finanzen wie folgt: von 1926 an 12482 Zloty Ausgaben und 15230 Zloty Zuschüsse erhalten, danach jährliche Steigerungen. Aus 1936 sind nur noch die Ausgaben bekannt; ca. 250000 Zloty ! Daß das starke Anwachsen der Arbeit vor allem auf dem Gebiet der Auslandspropaganda nur mit öffentlichen Geldern möglich war, kann keinem Zweifel unterliegen.

4. Schlesien und die polnische Propagandawissenschaft.

Künstliche Begründung polnischen Geisteslebens in Ostoberschlesien.

Nach dem Vorbild des Baltischen Instituts wurde im Winter 1933/34 das Schlesische Institut in Kattowitz begründet. Wenn es sich auch nicht erst durchzusetzen brauchte, sondern auf dem Ruf und den Erfahrungen des Baltischen Instituts aufbauen konnte, so sah es sich doch insofern vor einer schwierigen Aufgabe, als Oberschlesien bei der Besitzergreifung 1921 für die polnische Wissenschaft sowohl hinsichtlich der Erforschung als auch der Organisation völlig Neuland war. Zwar hatten Auslandspolen 1982 zur Erweckung polischer Geistesarbeit eine große Bücherei nach Kattowitz gestiftet, zu deren Erhaltung ein „Oberschlesischer Literarischer Verein“ gegründet worden war. Er war aber nie recht tätig geworden, führte auch nach dem Kriege als „Gesellschaft der Freunde der Wissenschaft“ noch ein Schattendasein, bis ihm 1927 vom Kreisausschuß Kattowitz ein Heim geschaffen wurde und er dank Subventionen seit 1929 mit einem Jahreshauhalt von 10000 Zloty eigene Jahrbücher herausgeben konnte, die seitdem regelmäßig kleinere Einzelstudien zur Geschichte und Landeskunde Oberschlesiens bringen. Schon seit der Jahrhundertwende bestanden mit landschaftlich begrenzten Aufgaben das „Schlesische Museum“ und die „Gesellschaft für Volkskunde“ mit der Zeitschrift „Zaranie Slaskie“ (Schlesische Morgenröte), dem einzigen volkskundlichen Organ Polnisch-Schlesiens, in Teschen. Der Wojewode Grazynski hat sich mit der Entdeutschung Ostoberschlesiens auch die Entwicklung des polnischen Geisteslebens zum Ziel gesetzt und 1928 mehrere neue Arbeitsstellen ins Leben gerufen: so wurde mit großen Mitteln eine Sejm-Bücherei, die heutige Jozef-Pilsudski-Bibliothek, geschaffen, ferner ein Schlesischer Literarischer Verein, der ein brauchbares polnisches Unterhaltungsschrifttum für Oberschlesien entwickeln sollte, vor allem aber das Schlesische Museum, das unter der rührigen Leitung von Tadeusz Dobrowolski in museumstechnischer und propagandistischer Hinsicht vorzüglich aufgebaut wurde und den Eindruck erwecken soll, als gehöre Oberschlesien volkskundlich und kulturgeschichtlich untrennbar zu Polen. Der Sinn dieser Unternehmungen geht aus einem Werbeaufsatz für die Naturwissenschaftliche Coppernicusgesellschaft(!) aus der „Polska Zachodnia“ vom 3. Januar 1928 hervor, in dem es heißt:

„die Arbeit der Copernikus-Gesellschaft in Schlesien kann sich nicht ausschließlich auf die wissenschaftliche Arbeit beschränken, wie in anderen Teilgebieten Polens. Hier muss die Gesellschaft eine intensive umfangreiche Arbeit beginnen, um die Massen für die polnische Wissenschaft und dadurch für den polnischen Staatsgedanken zu gewinnen !“

Damals regte der uns aus Thorn bereits bekannte Dr. Lutmann die Schaffung einer Zentralstelle zur Zusammenfassung all dieser Organisationen an, um ein schöpferisches polnisches Kulturzentrum zu schaffen, das eigene Werte liefert. Die Initiative für die Durchführung großzügiger Forschungspläne war aber zunächst von Krakau aus ergriffen worden. Die Jagiellonische Universität trat ebenso gern in den Dienst dieser Grenzlandarbeit wie die polnische Akademie der Wissenschaften. Nachdem schon auf dem polnischen Historikertag in Posen 1925 der Krakauer Historiker Dakrowski die Frage einer planmäßigen Erforschung der schlesischen Geschichte aufgeworfen hatte, entstand einige Jahre später durch die Initiative Stan. Kutrzebas, eines der führenden Köpfe der polnischen Geschichtswissenschaft und Generalsekretärs der Akademie der Wissenschaften, bei dieser ein „Komitee für die Geschichte Schlesiens bis zum Ende des 14. Jahrhunderts“. Es wurde 1933 in ein „Komitee für Editionen über Schlesien“ umgewandelt, an dem der Wojewode Grazynski führenden Anteil nimmt und das vom schlesischen Sejm finanziert wird. Seine erste Aufgabe hat es inzwischen erfüllt: es ist eine dreibändige „Geschichte Schlesiens bis zum Jahre 1400″ erschienen, ein höchst beachtenswertes Sammelwerk, an dem eine Reihe der ersten Fachleute Polens mitgearbeitet hat. Man hat sich hier gerade die Zeit herausgegriffen, in der Schlesien noch in näheren Beziehungen zu Polen stand, und stellt sie in polnischen Licht dar.

Das Schlesische Institut – die Propagandazentrale in Kattowitz.

Damit war zwar eine der wichtigsten Arbeitsaufgaben erfolgreich angepackt; den Bedürfnissen der Tagesauseinandersetzung im Grenzland und der Auslandspropaganda konnte der Apparat der Akademie der Wissenschaften jedoch nicht entsprechen. Da 1933 noch mit schwierigeren Auseinandersetzungen beim Ablauf des Genfer Oberschlesien-Abkommens am 15. Juli 1937 zu rechnen war, ging man schon damals an die Vorbereitung der nötigen publizistischen Maßnahmen und gründete mit besonderer Unterstützung Grazynskis das „Schlesische Institut“ das im Mai 1934 unter dem bisherigen Leiter der Informationsabteilung des Baltischen Instituts, Roman Lutman, seine Tätigkeit aufnahm. Vizedirektor ist heute ein früherer Leiter der Gdingener Station des Baltischen Instituts, Dr. A. Wrzosek. Seine Aufgabe ist

„die wissenschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Probleme, die sich auf die schlesischen Länder und Fragen beziehen, mit besonderer Berücksichtigung derjenigen, die aus den Bedürfnissen der Gegenwart hervorgehen sowie die Sammlung des vorhandenen wissenschaftlichen Materials und Verbreitung von Wissen über Schlesien“.

Seine Arbeitsmittel sind:

a) die Durchführung wissenschaftlicher Forschungen

b) die Mitteilung dieser Forschungsergebnisse an führende Männer der Regierung und an die Volksgemeinschaft, die Verbreitung von Kenntnissen über schlesische Angelegenheiten durch Herausgabe von Kommunikaten, wissenschaftliche Originalarbeiten, volkstümlichen Schriften, durch Veranstaltung von Vorträgen und Aussprachen usw.,

c) die Schaffung und Unterhaltung von Büchereien, Sammlungen und wissenschaftlichen Materialien aller Art. Dementsprechend wurde nach Thorner Vorbild eine Abteilung für Organisation von Forschungen, eine Verlagsabteilung und eine Informationsabteilung begründet. Das Institut war in der glücklichen Lage, die Teschener Zeitschrift „Zaranie Slaskie“ (Schlesische Morgenröte) alsbald als sein Organ mitbenutzen und ausbauen zu können.

Im Mittelpunkt der Institutsveröffentlichungen steht auch hier ein „Pamietnik“ (Gedenkdruck), dessen Auflage zwischen 500 und 3000 schwankt. Die Grundlage für alle weiteren Forschungen wurde in einer großen Sammelarbeit „Stand und Bedürfnisse der polnischen Wissenschaft über Schlesien“ (Stan i potrzeby nauky polskiej v Slasku, Kattowitz 1936) gelegt. Eine Reihe von Vertretern aller Fächer würdigt die bisherigen deutschen und polnischen Arbeiten ihres Gebietes, prüft ihren Wert für die polnischen Thesen und entwickelt danach ein Arbeitsprogramm. Als Band 2 des Gedenkbuches war ein Werk über die Genfer Konvention vorgesehen, konnte aber infolge der ohne größeren Auseinandersetzung erfolgten Lösung der sich aus ihrem Ablauf ergebenden Fragen aufgegeben werden. An seine Stelle trat eine Materialsammlung zur Stadtgeschichte von Kattowitz, der später eine für Königshütte-Chorzow folgen soll. Bedeutungsvoll ist aber der Band 3 „Im Oppelner Schlesien“ (Na Slasku Opolskim, 1937) von St. Wasylewski, ein scharfer Angriff auf das reichsdeutsche Oberschlesien, das hier als überwiegend bewußt polnisch und von preußischer Gewaltherrschaft unterdrückt dargestellt wird. Das Buch reiht sich den älteren Hetzschriften von Giertych und Wankowicz über Ostpreußen würdig an. Ein ähnlicher Band „Schlesien jenseits der Olsa in Wort und Bild“ (Slask za Olsa), d.i. das heute von der Tschecho-Slowakei an Polen abgetretene Stück Schlesien, von Hulka-Laskowski bildete nahezu die einzige größere Veröffentlichung dieses „Schlesischen Instituts“ über die so lange strittige Frage des einst tschecho-slowakischen Schlesiens ! Erst Ende 1938 tat eine Schrift von Fr. Szymiszek über den Kampf um das Teschener Schlesien 1914/20 (Walka v Slask Tieszynski w latach 1914/20) daneben, die über die polnische Arbeit während des Weltkrieges neue Aufschlüsse gibt. Außerhalb seines Arbeitsgebietes hat das Institut in dieser Reihe des umfangreiche Werk „Bismarck und Polen“ von Jozef Feldman herausgebracht. Der jüdische Krakauer Dozent Feldmann, der mit einer Broschüre der „Baltischen Taschenbücherei“ das Schlagwort von „Deutsch-Polnischen Antagonismus in der Geschichte“ in die Welt gesetzt hat, ist bereits mehrfach mit ausgesprochenen preußenfeindlichen Arbeiten zur Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts hervorgetreten. Mit dem nächsten Band, Golabeks „Lausitzisch-sorbischer Literatur“ (Literatura serbsko-Luzycka), griff das Institut wiederum über die engeren Grenzen Oberschlesiens hinaus und stellte seine materiellen Möglichkeiten einmal in den Dienst der polnischen Wendenfreunde. An zweiter Stelle gibt das Institut eine Serie „Schlesiens Land und Leute“ heraus, die hauptsächlich Abrisse aus der naturwissenschaftlichen Landeskunde bringt, ferner eine „Bibliothek schlesischer Schriftsteller“, die einige – meist wohl mit Recht vergessene – kleinere polnische Schriftsteller aus Oberschlesien zu neuem Leben erwecken will. Die Reihen „Polski Slask“ und „Zagadnienia gespodarcze Slaska“ (Das polnische Schlesien und Wirtschaftsprobleme Schlesiens) ersetzen durch Abdruck von Vorträgen gewissermaßen eine nach Thorner Muster geplante „Schlesische Taschenbücherei“. Bis zum Frühjahr 1938 waren in ihnen 40 bzw. 12 Hefte erschienen; dazu 2 Hefte der neuen Reihe „Zagadnienia spoleczne Slaska“ (Soziale Fragen Schlesiens). In der Organisierung von regelmäßigen Vorträgen angesehener Warschauer, Krakauer und Posener Gelehrter liegt ein erheblicher Fortschritt für die Entfaltung des Geisteslebens und die Sammlung einer wissenschaftlichen Gemeinde in Kattowitz. Neuerdings ist ein Teil dieser Vorträge in andere Städte der Wojewodschaft verlegt worden. Die Informationsabteilung des Instituts arbeitet intensiv und regelmäßig. Seit 1934 dürften über 100 Kommunikate erschienen sein; die Auflage beträgt 650 Stück, von denen 440 ins Inland, 139 ins Ausland gegen (u.a. an die gesamte polnische Auslandspresse). Die Presse macht verhältnismäßig oft Gebrauch von ihnen, obwohl sie nicht selten den Charakter wissenschaftlich-politischer Aufsätze annehmen. An die Meinungswerbung in fremden Sprachen ist man in Kattowitz nur zögernd herangegangen. Bisher hat Lutmann lediglich mit den „Baltic an Scandinavian Countries“ zusammen ein Heft „Silesian Affairs“ herausgegeben, das eine Reihe von Einzeluntersuchungen polnischer Forscher und Besprechungen deutschen und polnischen Schrifttums u.a. auch durch einen englischen Polenfreund, bringt. Beachtung verdient die offene Erklärung in den Vorbemerkungen zu diesem Heft, daß das Arbeitsgebiet des Instituts sich auf das ganze geschichtliche Schlesien erstrecke, „besonders auch auf die polnisch-schlesischen Gebiete, die gegenwärtig Teile von Deutschland und der Tschecho-Slowakei bilden“. Mittelpunkt der Initiative für Untersuchungen über „das gesamte ethnographisch polnische Schlesien“ zu werden, hat das Institut schon in seinem erste Jahresbericht als seine Aufgabe und seinen Ehrgeiz angesehen. Eigene Forschungsstätte ist es ja ebenso wenig wie das Baltische Institut. Die Unterstützung, die dieses vor allem von der Universität Posen erhält, haben die Schlesier in Krakau gefunden. In diesem Zusammenhang ist es wertvoll, festzustellen, daß das Kuratorium von Amts wegen vom Wojewode von Schlesien (Dr. Grazynski) vom Marschall des Schlesischen Sejms (Grzesik) und vom Generalsekretär der Krakauer Akademie der Wissenschaften (Prof. Kutrzeba) gebildet wird. Dem Vorstand gehören – außer dem Direktor Lutman – u.a. an: Minister Ing. Kwiatkowski als Vorsitzender, Dr. Kupezynski, Chef der Abteilung für Bildungswesen und Wojewodschaftsamt, Dr. Dobrowolski, der Direktor des Schlesischen Museums, Prof. Ligon, der Direktor des Kattowitzer Senders, Zaleski, Vertreter des Westverbandes und Pfarrer Dr. Szramek für die Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften. Unter den Mitgliedern finden wir eine Reihe von Stadtmagistraten, Kreiskommunalverbänden, Wirtschaftsorganisationen, öffentlichen Verbänden und privaten Unternehmungen sowie 125 Privatpersonen. Der Haushalt des Instituts balanciert für 1934/35 mit 97653 Zloty, für 1936/37 mit 149177 Zloty und für 1937/38 191340 Zloty. Die Beihilfen aus öffentlichen Mitteln beliefen sich im Gründungsjahr 1934/35 auf 56000 Zloty, im Haushaltsjahr 1936/37 auf 43150 Zloty, 1937/38 jedoch auf 72150 Zloty, neben denen 43330 Zloty aus Mitgliedsbeiträgen und 38033 Zloty aus dem Verkauf der eigenen Schriften eingenommen wurden. Für neue Veröffentlichungen wurden 81982 Zloty aufgewandt, für die Organisierung wissenschaftlicher Forschungen 11919 Zloty.

5. Politisch-wissenschaftliche Organisationen für ganz Polen und für Ostpolen.

Wenn auch die bisher genannten drei Institute ihren Ausgangspunkt räumlich in den deutsch-polnischen Grenzfragen, geistig in der hauptsächlich auf die Westgrenze ausgerichteten Nationaldemokratie haben, so erfahren sie heute doch sämtlich die Duldung, das Baltische und das Schlesische Institut auch die offene Unterstützung der heute herrschenden Regierungsgruppen. Das Pilsudski-Lager hat sich jedoch daneben schon bald nach 1920 auch eigene politisch-wissenschaftliche Institute geschaffen, die von vornherein einen gesamtstaatlichen Charakter besaßen.

Das Forschungsinstitut für Volkstumsfragen in Warschau.

Unter ihnen ist in unserem Zusammenhang vor allem das Forschungsinstitut für Volkstumsfragen in Warschau zu nennen. Wie die westpolnischen Institute, besitzt es einen großen Vorstand und die Anzahl persönlicher Mitglieder. Unter diesen fällt der Anteil des Judentums besonders auf. Vorsitzender war bis zu seinem Tode 1937 der frühere Außenminister Prof. Dr. Leon Wasilewski, der besonders durch Arbeiten über polnisch-ukrainische Fragen bekannt geworden ist; sein Nachfolger ist Prof. Dr. L. Kolankowski, Stellvertretender Vorsitzender, ein bekannter Historiker der Universität Warschau, der Jude Marceli Handelsmann; unter den Vorstandsmitgliedern finden wir freilich auch den Nationaldemokraten Stanislaus Srokowski. Die tatsächliche Leitung des Instituts und seiner Zeitschriften hat Stanislaus Paprocki in der Hand. Das Institut wurde im Dezember 1921 hauptsächlich auf Betreiben politischer Kreise begründet, in denen die Minister Wasilewski und Tarnowski und die jüdischen Historiker Handelsman und Askenazy hervorragten, und hatte zunächst auch bei der Vorbereitung von politischen Maßnahmen mitzuwirken. In den ersten zwei Jahren beschränkte man sich daher auf Ausspracheabende; 1924/25, als sich Pilsudski von der Macht zurückgezogen hatte, ruhte die Tätigkeit fast ganz. Bei der Reorganisation 1926 beschränkte man das Institut auf wissenschaftliche Arbeiten:

1. über die fremden Volksgruppen in Polen und ihr kulturelles, politisches, soziales und wirtschaftliches Leben, über die Volkstumsfragen außerhalb Polens, besonders in den Nachbarstaaten, mit besonderer Berücksichtigung der polnischen Minderheiten,

2. über die internationale Behandlung der Minderheitenfrage.

Zu diesem Zweck werden zunächst einzelne Forschungen durchgeführt, Rundfragen veranstaltet, ein Pressearchiv und eine Bibliothek angelegt. Unter den Forschungsarbeiten ,die in einzelnen Sektionen oder Kommissionen des Instituts betrieben werden, stehen Untersuchungen über die Volkstumsfragen Ostpolens im Vordergrund, besonders eine Reihe agrarökonomischer Monographien zur Ukrainerfrage (1928/31), eine Materialsammlung über die wirtschaftliche Lage der Juden sowie Untersuchungen über Polesien (seit 1931). Die deutsche Volksgruppe in Polen wurde mehr gelegentlich behandelt; 1927/29 erschien in deutscher und französischer Sprache eine Sonderabhandlung von Zygmunt Stolinski, „Die Deutschen in Polen“. Auch hat das Institut noch einige wenige weitere Veröffentlichungen in den Weltsprachen herausgebracht. Den ersten Platz unter den Veröffentlichungen nimmt die seit 1927 unter Leitung von Paprocki erscheinende Zweimonatsschrift „Sprawy narodowosciowe“ (Volkstumsfragen) ein, der von 1928/36 die Vierteljahresschrift „Questions minoritares“ zur Seite stand. Die „Sprawy narodowosciowe“ sind eine recht gründlich arbeitende Zeitschrift, die sich mit dem gesamten Arbeitsbereich der Anstalt beschäftigt und auch über das Deutschtum in Polen und das Polentum in Deutschland schon recht viel wichtiges Material gebracht hat. Eine kleine Schriftenreihe „Biblioteka Narodowosciowa“ und eine zweite „Die Polen im Ausland“ sind noch nicht weit gediehen; als Band II der letzten bereitet E. Zdrojewski eine Untersuchung der Polen in Deutschland vor. Erhebliche Bedeutung hat im Rahmen der Institutsarbeit die „Popularisierung“. Ihr dienen eine regelmäßige Vortragsreihe in Warschau (in der wiederum der starke Anteil jüdischer Fragen sowie die Beschäftigung mit Masuren und Wenden 1935 bemerkenswert sind) sowie ein „Volkstumsseminar“, das der Einführung von Hörern der Warschauer Hochschule in die soziologische, historische, juristische und wirtschaftswissenschaftliche Behandlung der Volkstumsfragen dient.

Die Pilsudski-Forschung.

Das zweite Institut, erst recht ausgesprochen wissenschaftlicher Schildträger des Pilsudski-Lagers, ist das 1923 begründete „Institut zur Erforschung der neuesten Geschichte Polens“, heute „Jozef-Pilsudski-Institut“ genannt. Seine Aufgabe ist die Sammlung und Bearbeitung des Materials aus der Zeit der polnischen Unabhängigkeitskämpfe und die Herausgabe von Quellen und Untersuchungen über diese Zeit. Hier steht die zehnbändige Ausgabe der „Schriften – Reden – Befehle“ Pilsudskis obenan. Dieses Institut arbeitet aufs engste mit dem „Kriegsgeschichtlichen Büro“ des Heeres zusammen, das die Kriegs- und Heeresgeschichte Polens vor und im Weltkrieg und im Bolschewistenkrieg bearbeitet. Beide Stellen standen unter dem 1934 verstorbenen General Julian Stachiewicz in einer gewissen Personalunion; heute wird diese Verbindung durch Oberstleutnant Lipinski dargestellt. Der Anteil dieser beiden Offiziere an der Leitung der Arbeiten zur neuersten Geschichte Polens ist charakteristisch für die tonangebende Rolle, die höhere Offiziere, als die getreuesten Gefolgsmänner Pilsudskis, überhaupt auf diesem Forschungsgebiet spielen. Vom Jozef-Pilsudski-Institut wird die historische Zeitschrift „Niepodleglosc“ (Unabhängigkeit) herausgegeben.

Der Osten Polens und die politische Wissenschaft.

Die Erforschung des polnischen Ostens ist weder rein wissenschaftlich noch politisch-propagandistisch in auch nur annähernd mit dem Westen vergleichbarer Weise organisiert. Die Kultivierung und die Förderung der zurückgebliebenen Ostwojewodschaften und die Stärkung ihres Polentums hat sich hauptsächlich die „Gesellschaft für die Entwicklung der Ostgebiete“ unter der Leitung des ehemaligen Ministerpräsidenten Prystor zum Ziele gesetzt. Sie gibt ein „Jahrbuch der Ostgebiete“ (Rocznik Ziem Wschodnich) heraus und veranstaltet alljährlich Studienkurse über die wirtschaftlichen, nationalen, konfessionellen, historischen usw. Fragen des Ostens. Daneben besteht seit 1934 eine „Wissenschaftliche Kommission für die Erforschung der Ostgebiete“, deren halbamtlicher Charakter durch die Anteilnahme des Kriegsministers Kasprzycki an ihrer bisher einzigen Tagung in Warschau 1936 unterstrichen wurde. Sei hat neben dem Forschungsinstitut für Volkstumsfragen, fast als einziges Unternehmen, die Herausgabe größerer Arbeiten über Ostpolen in Angriff genommen: mit demographischen, ethnographischen und wirtschaftskundlichen Studien über Polesien und das ostgalizische Karpathenvorland hat die Kommission begonnen; weitere Arbeiten über Podolien, Lemberg und Wilna haben sich angeschlossen. Der Erforschung des nichtpolnischen Osteuropa dienen in Warschau nur kleinere wissenschaftliche Unternehmungen, das „Ostinstitut“ (Instytut Wschodni) unter Leitung des Historikers Prof. Dr. Olgierd Gorka, dessen Arbeitsgebiet hauptsächlich der Südosten bildet und dem auch eine „Ostkundliche Schule“ (Szkola Wschodnioznawcza) angeschlossen ist, sowie ferner die „Polnische Gesellschaft für die Erforschung Osteuropas und des nahen Ostens“, die mit eigenen Veröffentlichungen indessen kaum hervortritt. Wichtiger ist auf diesem Gebiet das 1930 begründete „Wissenschaftliche Forschungsinstitut für Osteuropa“ in Wilna, das von Prof. Wielhorski geleitet wird. Seine Aufgabe ist die Erforschung der Länder und Völker zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer und Verbreitung von Wissen über die Gebiete. Es hat sich, trotz Förderung durch das Kultusministerium und den Nationalen Kulturfonds, nur schwer durchsetzen können. Dabei ist seine Aufgabe weniger die Herausarbeitung einer eigenen polnischen Ostideologie – wie das der Arbeit der westpolnischen Institute entsprechen würde – sondern zunächst die Sammlung von Materialien und Beobachtungen unter Heranziehung eines geeigneten Nachwuchses. Für die letzte Aufgabe ist das Institut mit einer eigenen Hochschule für Politische Wissenschaften verbunden, der schon mehrfach der Vorwurf allzu großer Sowjetfreundlichkeit gemacht worden ist. Die Arbeit des Instituts und der Hochschule erstreckt sich auf das nordöstliche Polen, die baltischen Staaten und die Sowjetunion und wird in einer Reihe von Sektionen für Geschichte, Rechtswissenschaft, Sprachwissenschaft, Volkskunde und Wirtschaftsforschung geleitet. Die umfangreiche Bibliothek gilt als eine der wichtigsten Sammelstätten von Material über die Sowjetunion; jedoch hat es das Institut nicht vermocht, mit diesem Hilfsmittel einen ansehnlichen Platz im Kampf gegen den Bolschewismus zu gewinnen. Neben einer Anzahl von Einzelveröffentlichungen bringt das Institut ein „Jahrbuch“ heraus, das allgemeinen Fragen der Sowjetunion und des Baltikums gewidmet ist, ferner die von dem gebürtigen Deutschen Prof. Koschmieder geleitete Zeitschrift „Balticoslavicva“, die speziell die kulturellen Verbindungen zwischen dem Slawentum, besonders Polen, und den ostbaltischen Ländern behandelt. Die Arbeitsansätze dieses Instituts werden von einem ziemlich kleinen Kreis hauptsächlich Wilnaer Wissenschaftler getragen, der noch keineswegs allgemein anerkannt ist. Dabei stellt das Forschungsinstitut für Osteuropa die wichtigste politisch-wissenschaftliche Arbeitsstätte dar, die Polen heute an seiner Ostgrenze besitzt. Für die so wichtige Ukrainerfrage fehlt es überhaupt an einer einheitlichen Zusammenfassung der verschiedenen Ansätze in Warschau und Lemberg. Am regsamsten ist der Lemberger Zweig der Polnischen Historischen Gesellschaft, der sich in seiner landesgeschichtlichen Zeitschrift „Ziemia Czerwienska“ (Rotreußen) mit der geschichtlichen Seite der ukrainisch-polnischen Probleme beschäftigt. Auf dem Gebiet der neuesten Geschichte übt die „Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Verteidigung Lembergs“ (d.h. im polnisch-ukrainischen Krieg 1918/19) seit 1928 unter General Popowicz eine ähnliche Tätigkeit aus wie die Vereinigungen für Aufstandsgeschichte im Westen. Die Auseinandersetzung mit der betriebsamen ukrainischen Forschung bleibt im Wesentlichen der Universitätswissenschaft überlassen, die Behandlung der ukrainischen Frage als solcher einer regen Publizistik.

Vernachlässigung des Ostens – aktiver Einsatz von Wissenschaft und Propaganda im Westen.

Die politisch-wissenschaftliche Organisation Polens im Osten ist also bisher sehr locker geblieben; dies gilt sowohl für die allgemein-osteuropäische Forschung, als besonders für die Bearbeitung der Fragen Ostpolens und entspricht hier ganz dem Zögern beim Einsatz größerer staatlicher Mittel für kultur- und wirtschaftspolitische Aufgaben. Festzuhalten ist besonders das Fehlen gründlicher Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus. Auf diesem Hintergrund erscheint die vorzügliche wissenschaftliche Ausrüstung der Westwojewodschaften um so kennzeichnender. Das hier ansässige Polentum verfügt seit der preußischen Zeit nicht nur über einen Mittelstand und ein Schulwesen, die eine größere, die wissenschaftliche Forschung tragende Schicht hervorbringen und erneuern, es hält auch seit alters solche Forschungen für ein politisch-nationales Anliegen und setzt für diesen Zweck die schon unter der deutschen Herrschaft so gut entwickelte Form der freien Gesellschaften und Vereine ein. Das Pilsudskische Polen hat daneben die staatlich dirigierten Institute gestellt, weil es auf eine intensive Beschäftigung mit den Fragen der westlichen Grenzgebiete, besonders aber Pommerellens und Gdingens nicht verzichten will. So ist eine lebhaft tätige Wissenschaftsorganisation teils staatlicher, teils völkisch-gesellschaftlicher Art entstanden, die sich den westlichen Wojewodschaften Polens, den ostdeutschen Grenzgebieten und schließlich Deutschland und dem Ostseeraum überhaupt eifrig zuwendet. Die Auseinandersetzung mit dem deutschen Volk und Staat im Westen sowie dem deutschen Kultureinfluß auf Polen bildet heute das wichtigste Anliegen der polnischen Kulturwissenschaften; ihr Verfahren und ihre Ziele sind dabei von politischen Leitgedanken bestimmt und damit deutschfeindlich. Die Entfesselung der polnischen Presse in der letzten Apriltagen 1939 mit ihren Angriffen auf den reichsdeutschen Osten hat gezeigt, welche Früchte diese Arbeit schon getragen hat. Ihre Thesen über Ostpreußen sind längst durch die Schriften von Wankowicz, „Natropach Smetka“ (Auf den Spuren des Smentek), und Giertych, „Zapol nocnym kordonem“ (Jenseits des Norkordons), die über Schlesien durch Wasylewski, „Na slasku Opolskim“ (Im Oppelner Schlesien) in aggressiven Ton weit in der Öffentlichkeit verbreitet worden. Noch weiter geht Kisielewski, „Ziemia gromadzi procky“ (Die Erde bewahrt das Vergängliche), das die polnischen Forderungen bis zur Elbe ausdehnt. Damit hat die vom Westslawischen, vom Baltischen und vom Schlesischen Institut unter Leitung nationaldemokratischer Professoren geschaffene West-Ideologie gerade in der Zeit des von Marschall Pilsudski geschaffenen Paktes eine Bedeutung erlangt, die für die weitere Entwicklung des deutsch-polnischen Verhältnisses vielleicht entscheidend sein wird.


Quellen:

1) In dieser Gesellschaft hat wenig später der vielseitige historisch-literarische Schriftsteller Niemcewicz den großen Lyriker des 16. Jahrhunderts, Jan Kochanowski, der Vergessenheit wieder entrissen, der heute als der größte Dichter Polens vor Mickiewicz gilt. Der Vorsitzende dieser Gesellschaft war St. Staszyc, einer der hervorragendsten politischen Denker Polens nach den Teilungen.

2) Unter den heute noch bestehenden Sammlungen dieser Art ist das „Ossolineum“ in Lemberg die bedeutendste. Es wurde 1816 von dem Grafen Josef Maximilian Ossolinski als Mittelpunkt der Erforschung polnischer Literatur und Geschichte gegründet. Heute enthält das Ossolineum – neben eigenem Verlag und einer Schausammlung – eine der größten Büchereien zur polnischen Geschichte. Daneben trat die 1829 vom Grafen Eduard Raczyniski gestiftete „Raczyniski-Bibliothek“ in Polen, die ebenfalls die Pflege der polnischen Geschichtswissenschaft und Heimatforschung zur Aufgabe hatte. Obwohl sie die wichtigste Bücherei zur Posener Landeskunde ist, hat sie unter preußischer Herrschaft bis 1902 ihre polnische Leitung behalten.

3) Dr. W. v. Ketrzynski hieß ursprünglich Winkler und stammte aus einer deutschen Familie in Lötzen (Ostpr.). Sein Polentum hat er erst später entdeckt, aber bald mit der Schrift „Über die polnische Bevölkerung des ehemaligen Ordenstaates in Preußen“ (Lemberg 1882) betont. Er hat sich später auf dem Gebiet der mittelalterlichen Geschichtsforschung in Polen einen Namen erworben.

4) In einer der angesehensten kartographischen Anstalten Deutschlands gedruckt, täuschte sie durch gleichartige Darstellung von Polen, Masuren und Kaschuben, durch Nichtkennzeichnung der Wälder und Seen und durch Beiseitelassen alles Deutschtums, das unter 50%. der Bevölkerung blieb, der Friedenskonferenz eine weit überwiegende polnische Mehrheit in Posen, Westpreußen, Masuren und Oberschlesien vor und beeinflusste damit die Festsetzung der Staatsgrenzen und der Abstimmungsgebiete sehr wesentlich zu Ungunsten des Reiches.

5) „Lechen“ ist ein mythologischer Name für die Polen (nach ihrem sagenhaften Stammvater Lech); als sogenannte „Lechiten“ bezeichnet die polnische Sprachwissenschaft die nördliche Gruppe der Westslawen (Pomoranen, Elbslawen, Sorben, im Gegensatz zu den Tschechen, Slowaken usw.) und nimmt damit diese ausgestorbenen Stämme als nächste Verwandte für Polen in Anspruch)

6) Von dieser Veröffentlichung, die erst nach dem deutsch-polnischen Pakt von 1934 zu erscheinen begann, waren bis 1936 zwei Lieferungen herausgekommen, die die Grenzmark, Pommern (mit Rügen), Mecklenburg, Ostholstein und die nördliche Lüneburger Heide behandeln. Das Gebiet erscheint hier dicht gedeckt mit slawischen Ortsnamen im polnischer Lautform; man hat einfach die deutschen Namen übersetzt und altpomoranische oder elbslawische Namen willkürlich in polnische verwandet. Der Band für Schlesien wird mit finanzieller Unterstützung des Schlesischen Instituts in Kattowitz vorbereitet.

7) Mit einer Arbeit von Stopeczyk über den „Zwischenstaatlichen Handel auf der Ostsee“ (Ergebnis eines Preisausschreibens), dem ersten Band der Reihe 1 „Dominium maris“ (Seeherrschaft) vom „Gedenkbuch des Baltischen Instituts“ (Bamietnik Institutu Baltydiego), die den Fragen des Ostseebeckens gewidmet ist. Die nächsten Arbeiten über ähnliche Probleme kamen erst 1931 und 1932 heraus, zwei Bücher über die Häfen von Gdingen und Danzig.

8) Die Auflage betrug 1934: 350, davon gingen 43 an inländische, 6 an ausländische Zeitungen, 45 an diplomatische Stellen im Ausland, 12 an einzelne Ausländer, 28 an polnische Behörden, wissenschaftlicher und soziale Institutionen, weitere 20 wurden durch den Westverband verteilt.

9) Die 12 wichtigsten Vorträge erschienen im Buchhandel noch im gleichen Jahr unter dem Titel „Die Verteidigung Pommerellens“.

10) 83 geladene Gäste, darunter Vertreter der Akademie der Wissenschaften, der Universitäten, der Ministerien usw. nahmen teil.

11) An dieser Tagung nahmen fast 170 Personen teil, darunter Vertreter der Ministerien für Äußeres, Inneres, Kultus und Landwirtschaft, von 4 Wojewoden, des Schulkurators von Posen-Pommerellen, einige Staatsarchive, mehrerer kommunaler und wirtschaftlicher Selbstverwaltungsorgane, der See- und Kolonialliga, des Westmarkenvereins, der Akademie der Wissenschaften, aller Universitäten, zahlreicher wissenschaftlicher Anstalten und Vereine aus dem Westen und der Hauptstadt des Staates, schließlich auch von ein paar großen Wirtschaftsunternehmungen.

12) Dem Herausgeberausschuß gehören 5 Polen, 3 Schweden, je 2 Dänen, Finnen, Esten und je 1 Engländer, Norweger (der amtierende Außenminister!) und Lette an; außerdem steht ihm ein Freundeskreis von 12 Gelehrten aus den Vereinigten Staates zur Seite. Die Auflage betrug 1936: 1000 Stück


Quelle

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