„Heim im Reich“ – Die Volksabstimmung am 13. Januar 1935 über das Saargebiet

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Am 13. Januar 1935 fand unter Aufsicht des Völkerbundes eine Volksabstimmung statt, ob das Gebiet wieder zum Deutschen Reich zurückkehren oder an Frankreich fallen sollte.

Der Abstimmung voraus ging eine antideutsche Hetzkampagne, die weitgehend von Frankreich gesteuert wurde. In der Abstimmung entschieden sich 90,8 Prozent der Teilnehmer für die Wiedereingliederung des Saarlandes in das Deutsche Reich. Für den Anschluß an Frankreich stimmten nur 0,4 Prozent. Vor der Volksabstimmung wurde vermutlich erstmals auch der Aufruf „Heim ins Reich“ verwendet.

Um die Saargruben zurückzuerhalten, zahlte das Deutsche Reich, ungeachtet des klaren Abstimmungsergebnisses, noch 900 Millionen Goldfranken an Frankreich, welches hingegen sein Ziel nicht aufgab und die Annexion 20 Jahre später mit dem Saarstatut erneut versuchen sollte.

Zum Anlaß der Saarabstimmung schrieb der Saarbrücker Lehrer Hanns Maria Lux den folgenden Text auf die Melodie des Bergmannsliedes Glück auf der Steiger kommt:

deutsch_ist_die_saar_deutsch_immerdar

Deutsch ist die Saar, deutsch immerdar
und deutsch ist unseres Flusses Strand
und ewig deutsch mein Heimatland
mein Heimatland
Deutsch schlägt das Herz stets sonnenwärts
deutsch schlug’s, als uns das Glück gelacht
deutsch schlägt es auch in Leid und Nacht
in Leid und Nacht
Deutsch bis zum Grab, Mägdlein und Knab‘
deutsch ist das Lied und deutsch das Wort
Deutsch ist der Berge schwarzer Hort
schwarzer Hort
Reicht euch die Hand, schlinget ein Band
um junges Volk, das deutsch sich nennt
in dem die deutsche Sehnsucht brennt
Mutter, nach dir
Der Himmel hört’s! Jung Saarvolk schwört’s
Laßt uns es in den Himmel schrei’n
Wir wollen niemals Knechte sein
nie Knechte sein!

Das Lied erschien u. a. in Lieb Vaterland (ca. 1935) und dem Schlesier-Liederbuch (1936).

Die Saarabstimmung 1935 wurde notwendig, da infolge des Versailler Schanddiktats das Saarland von Deutschland abgetrennt worden war. Mittelfristig hoffte Frankreich auf eine Annexion dieses deutschen Gebietes, da bereits die Übertragung der Leitung der zuständigen Völkerbundskommission an Frankreich ging, das zusätzlich auch die Rechte an den Saar-Zechen erhielt. Dieser Zustand wurde höhnisch als „Status quo“ bezeichnet.


saargebiet

Das Saargebiet

Die Geschichte des Saargebietes

Nach dem 1. Weltkrieg

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„Die Saar kehrt heim“ – Sondermarke der Reichspost von 1935 zur Rückgliederung der Saar

Als politische Einheit wurde das Saarland (damals offiziell: Saarbeckengebiet, im Volksmund: „Saargebiet“ „die Saar“, oder „Saarlandgebiet“) 1920 in Folge des Versailler Diktats gebildet und wegen der Bodenschätze von Frankreich annektiert. Es war etwas kleiner als das spätere Saarland, da die damals festgelegte Nordgrenze südlicher als die heutige lag. Man legte dabei fest, daß der Zustand dieses Gebietes auf 15 Jahre dem Völkerbund unterstellt wurde, jedoch war es einseitig zum Vorteil Frankreich. In 20 Jahren sollte eine Volksabstimmung klären, zu welchem Staat die Saarbevölkerung künftig gehören möge.

1935 war die Frist um, und die Saarabstimmung stand an. Frankreich betrieb daher einen heftigen Wahlkampf, um die Bevölkerung davon zu überzeugen, daß sie bei Frankreich bleiben möge. Da die Emotionen diesbezüglich überzukochen drohten, war man im Reich besorgt, daß es zu Ausschreitungen kommen könnte. Adolf Hitler schlug daher vor, auf die Volksabstimmung zu verzichten und die Zugehörigkeit stattdessen auf andere Weise zu regeln: Durch eine „freundschaftliche Vereinbarung zwischen beiden Regierungen“ sollte das Saarland wieder Teil des Deutschen Reiches werden, Frankreich dort aber nach wie vor Industrie betreiben dürfen. Frankreich lehnte den Vorschlag des Reichskanzlers jedoch siegessicher ab.

Die Volksabstimmung an der Saar am 13. Januar 1935. Ankunft der Berliner Abstimmungsberechtigten nach der Abstimmung auf dem Potsdamer Bahnhof in Berlin.

Die Volksabstimmung an der Saar am 13. Januar 1935. Ankunft der Berliner Abstimmungsberechtigten nach der Abstimmung auf dem Potsdamer Bahnhof in Berlin.

voelkischer_beobachter_vom_16-_januar_1935_zur_heimkehr_des_saarlandes

Völkischer Beobachter 16. Januar 1935: Deutsch ist die Saar!

Die Nationalsozialisten planten später, das Saarland mit der Pfalz und dem deutschen Teil Lothringens zu einem Reichsgau Westmark zusammenzulegen, wozu es jedoch aufgrund des Kriegsverlaufes nicht mehr kam. Die Putsch-Regierung um Stauffenberg hätten im Falle einer Machtübernahme ebenso diese Gebiete zur Westmark zusammen legen wollen, wie die Reichsreformpläne zeigen.

Nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Saarland am 20. März 1945 von US-amerikanischen Truppen besetzt und am 10. Juli 1945 unter französisches „Protektorat“ gestellt. Am 30. August etablierte sich die Délégation Supérieure de la Saare unter der Leitung von Oberst Gilbert Grandval, die in den nächsten Jahren die Geschicke des Landes lenken sollte. Im Jahr darauf, am 22. September 1946 folgte die endgültige Abtrennung des Saarlandes von den übrigen deutschen Besatzungszonen.

Da die schlechte Behandlung der Saarländer nach dem Ersten Weltkrieg für die Franzosen letztlich fatale Auswirkungen gehabt hatte, versuchten sie nun mit einer moderateren Politik die Zuneigung der Saarländer zu gewinnen. So war die Ernährungslage im Saarland deutlich besser als in den übrigen deutschen Gebieten, außerdem waren schon seit Anfang 1946 politische Parteien wieder zugelassen. In den ersten Gemeindewahlen konnte sich die profranzösische Christliche Volkspartei (CVP) unter Johannes Hoffmann durchsetzen, die auch die Wahlen zur gesetzgebenden Versammlung im Oktober 1947 klar für sich entschied. Johannes Hoffmann wurde an der Spitze einer großen Koalition aus CVP und SPS, die über die komfortable Mehrheit von 45 der 50 Sitze verfügte, zum ersten Ministerpräsidenten des Saarlandes gewählt. Die neue Regierung arbeitete daraufhin eine Verfassung aus, die am 15. Dezember 1947 verabschiedet wurde. In ihr wurde eine dauerhafte Abtrennung des Saarlandes von Deutschland festgelegt.

Innenpolitisch war die unmittelbare Nachkriegszeit im Saarland geprägt von einer linksliberalen kulturellen Wende. Das Schulsystem wurde nach französischem Vorbild umgestaltet, „avantgardistische“ Kunstprojekte erfuhren staatliche Förderung. Allerdings stieß die neue Kulturpolitik in weiten Teilen der Bevölkerung auf Ablehnung und Widerwillen, vor allem das neue Schulsystem fand kaum Akzeptanz unter den Saarländern. Zudem vergiftete das selbstherrliche und bisweilen paranoide Verhalten der Regierung Hoffmann gegenüber Oppositionellen und ehemaligen Funktionsträgern aus der Zeit des Dritten Reiches das politische Klima. „Prodeutsche“ Parteien wie die DPS wurden einfach verboten, saarländische Ableger bundesdeutscher Parteien wie der CDU oder der SPD gar nicht erst zugelassen, während die Regierung eine rigorose Zensur übte und tausende politische Gegner ausgewiesen wurden.

Das sollte sich bitter rächen, denn als im Jahr 1955 wie in den Pariser Verträgen vorgesehen eine Volksabstimmung zur Annahme des Saar-Statuts, das eine Europäisierung der Saar vorsah, anstand, entwickelte sich ein aufgeheizter, teilweise gewalttätiger Wahlkampf, der bald von den deutschgesinnten Kräften unter dem DPS-Vorsitzenden Heinrich Schneider dominiert wurde.

1955

Rege Diskussionen führen diese Herren am 20. Oktober 1955 in Beckingen vor einer Anschlagtafel, auf der „friedlich vereint“ alle zugelassenen Parteien ihr Für und Wider für das zwischen Paris und Bonn vereinbarte „Europäische Saarstatut“ propagieren

Am Ende lehnten 67,7% das Statut ab, was Frankreich dazu veranlaßte, Verhandlungen mit der BRD zum zukünftigen Verbleib des Saarlandes einzuleiten. Am 27. Oktober 1956 wurden die Luxemburger Verträge unterzeichnet, in denen Frankreich, das mit „wirtschaftlichen Kompensationen“ entschädigt wurde, dem Beitritt des Saarlandes zur BRD zustimmte. Dieser wurde am 1. Januar 1957 vollzogen. Die wirtschaftliche Eingliederung erfolgte erst am 5. Juli 1959.

2014 wurde durch die BRD-Regierung, unter anderem von Annegret Kramp-Karrenbauer, im Saarland beschlossen dieses solle künftig zweisprachig, mit der Zweitsprache Französisch, werden. Damit erreicht die Entdeutschung einen weiteren Höhepunkt.


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