„Alle Deutschen müssen vernichtet werden“ – Alliierte Kriegsverbrechen im Ersten Weltkrieg

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Noch immer ist die Behauptung zu hören, deutsche Soldaten hätten sich während des Ersten Weltkrieges barbarischer Verbrechen gegen die belgische und französische Zivilbevölkerung schuldig gemacht –  späte Folge des alliierten Propagandakrieges, der bereits von 1914 bis 1918 auf Hochtouren lief. Während die angeblichen deutschen Verbrechen inzwischen längst ins Reich der Legende  verwiesen wurden, wurden andere Verbrechen, die im Ersten Weltkrieg begangen wurden, erst vor wenigen Jahren in ihrem ganzen Umfang bekannt: die Verbrechen  an  deutschen Soldaten, begangen von Angehörigen der alliierten Streitkräfte.

Der britische Historiker Niall Fergusons brach mit seinem 1999 erschienenen Buch „The Pity of War“ (deutscher Titel: „Der falsche Krieg“) ein Tabu. Auf 624 Seiten, die voller Zeitdokumente und Zeugenberichte sind, weist er mit trauriger Sorgfalt nach, daß britische und französische Soldaten im Ersten Weltkrieg deutsche Kriegsgefangene in großer Zahl ermordeten – teils aus Rachedurst, teils aus purer Mordlust, häufig  aber auch auf ausdrücklichen Befehl ihrer Vorgesetzten.

An zeitgenössischen Erlebnisberichten fehlte es nie. So faßte schon 1922 ein Buch des deutschen Heeresarztes August  Gallinger die schlimmen Erlebnisse deutscher Frontsoldaten zusammen. Der deutsche  Soldat Karl Alfred  von Mehlhorn  etwa berichtete darin über die Grausamkeiten französischer Soldaten, nachdem ein deutscher Graben erobert worden war:

„Die Franzosen brachten mitleidslos alle Verwundeten um, entweder mit dem Gewehrkolben oder mit dem Bajonett. Die Männer, die in meiner Nähe lagen, wurden einer nach dem anderen mit Bajonettstichen durch ihre Köpfe getötet. Ich stellte mich tot, so überlebte ich.“

Kein Einzelfall. Ein anderer Soldat erinnerte sich in  Gallingers  Dokumentarbuch:

„Französische Soldaten, die auf dem Weg zur Front waren, stellten fünf oder sechs schwerverwundete deutsche Gefangene in einer Reihe auf und hatten ihren Spaß damit, diese hilflosen armen Teufel zu erschießen. Der deutsche Kompanieführer wurde, wie auch andere Gefangene, mit Kolbenhieben auf den Kopf getötet.“

Nicht nur die französischen, auch die englischen Frontsoldaten kämpften oft alles andere als ritterlich. Ein englischer Soldat wird mit der Anweisung eines Vorgesetzten zitiert:

„Sie können es sich nicht leisten, viele verwundete Feinde herumliegen zu lassen. Sie dürfen nicht empfindsam sein. Die Armee stellt Ihnen ein erstklassiges Paar Stiefel zur Verfügung; Sie wissen, wie Sie sie gebrauchen können.“

Alliierte Propaganda

„Es gibt viele Beweise, dass die Deutschen Frauen und Kinder als Schutzschilde verwenden”

Über die Folgen solcher Dienstanweisungen gibt Fergusons Buch ausführlich Auskunft. Ein überlebender deutscher Infanterist aus Hannover erinnert sich an ein von Briten begangenes Massaker im Mai 1917: 40 bis 50 deutsche Gefangene

„wurden in einem Haus hinter der britischen Frontlinie zusammengepfercht. Die meisten von ihnen wurden mit Handgranaten und Revolverschüssen getötet.“

Über ein anderes Massaker an deutschen Gefangenen, im Juni 1915, berichtet der britische Soldat Charles Tames:

„Als wir in die deutschen Schützengräben eindrangen, erblickten wir Hunderte von Deutschen, die durch unser Feuer verwundet worden waren. Viele verließen die Schützengräben und baten um Gnade; überflüssig zu berichten, daß sie auf der Stelle erschossen wurden. … Ihre Offiziere sagten den Schotten, daß sie ihre Essensrationen mit den Gefangenen teilen müßten. Die Schotten schrien Tod und Hölle für euch alle und erschossen die Gefangenen. Innerhalb von fünf Minuten war der Boden knöcheltief mit dem Blut der Deutschen bedeckt.“

Zwei Einzelfälle unter unzähligen. Wie viele deutsche Gefangene der Mordlust ihrer alliierten Gegner zum Opfer fielen, vermag auch Ferguson nicht zu schätzen. Er referiert lediglich die Chronik eines Grauens, das in schlimmem Kontrast zu den hehren Kriegszielen und zum selbstgesteckten zivilisatorischen Anspruch der Westmächte stand. An der Front war davon nichts zu merken. Tommys und Poilus massakrierten, was das Zeug hielt.

Auch wie man bei den Westalliierten über die Deutschen dachte, berichtet Fergusons; aus den Kriegserinnerungen des Soldaten Stephen Graham:

„Die Meinung, die in der Armee gepflegt wurde, war, daß es sich bei ihnen um eine Art Ungeziefer handelte, wie Pestratten, die ausgerottet werden müßten.“

Ein englischer Oberst befahl seinen Soldaten im September 1916 vor einem Angriff, keine Gefangenen zu machen, weil

„alle Deutschen vernichtet werden“

müßten.

Ferguson beschönigt nichts, und er verschweigt nichts. Seine Dokumentation ist alles andere als ein Hohelied auf die Soldaten der Entente. Manche von ihnen schlachteten gefangene Deutsche nur deshalb ab, um ihnen ihre persönliche Habe abzunehmen. Andere waren von der eigenen Greuelpropaganda so aufgeputscht, daß sie keinen Pardon mehr kannten. Selbst die Versenkung des amerikanischen Dampfers Lusitania – der nachweislich Waffen und Munition für die alliierte Westfront geladen hatte – wurde von der englischen und französischen Propaganda begierig aufgegriffen, und gefangene Deutsche mußten dafür bezahlen. Aus den Erinnerungen eines britischen Soldaten:

„Einige deutsche Soldaten, die sich ergeben hatten, krochen auf ihren Knien und hielten Bilder von Frauen oder Kindern in ihren hoch über ihren Köpfen erhobenen Händen. Aber jeder wurde umgebracht. … Wir töteten kaltblütig, weil es unsere Pflicht war, so viele Deutsche umzubringen wie nur möglich. Ich dachte oft an die Lusitania. Ich hatte um einen Tag der Rache gebetet, und nun war er gekommen.“

Alliierte Propaganda im 1. Weltkrieg

„Belgische Bergleute bilden lebende Schutzschilde für die Deutschen”

Die Deutschen als Ungeziefer und Pestratten – Zeugnisse wie diese lassen keinen Zweifel daran, daß es schon im Ersten Weltkrieg um nichts Geringeres ging als die Auslöschung des deutschen Volkes. Nicht erst die Mordaufrufe eines Ilja  Ehrenburg  in der Schlußphase des Zweiten Weltkrieges gaben die Deutschen der entmenschten Mordlust der Sieger preis. Schon 1914/18 sollten die Hunnen vom Angesicht der Erde vertilgt werden.


Das Entstehen einer Greuellüge


Einen klassischen und wohl auch bezeichnenden Fall der Entstehung eines Greuelmärchens führt der britische Parlamentsabgeordnete Arthur Ponsonby in seiner Sammlung von „Lügen in Kriegszeiten“ an. Der wesentliche Inhalt ist:

Nach mehrtägiger Belagerung hatten die deutschen Truppen am 9./10.10.1914 Antwerpen eingenommen. In Deutschland läuteten deswegen die Glocken. Die  Kölnische Zeitung  schrieb:

„Als die  Einnahme von Antwerpen bekannt wurde, läuteten die Kirchenglocken.“

Der französische LeMatin machte daraus:

„Nach der Kölnischen Zeitung wurde die Geistlichkeit von Antwerpen gezwungen, nach der Einnahme der Festung die Kirchenglocken zu läuten.“

Am nächsten Tag schrieb die Londoner Times-,

„Nach dem, was Le Matin aus Köln vernommen hat, wurden die belgischen Priester, die sich weigerten, bei der Einnahme von Antwerpen die Kirchenglocken zu läuten, aus ihren Ämtern vertrieben.“

Der italienische Corriere della Sera meldete daraufhin:

„Nach dem, was die Times von Köln über Paris erfahren hat, wurden die armen belgischen Priester, die sich weigerten, bei der Einnahme von Antwerpen die Kirchenglocken zu läuten, zu Zwangsarbeit verurteilt.“

Das griff Le Matin in Paris wieder auf und fabrizierte daraus die Greuelnachricht:

„Nach Mitteilungen, die dem Corriere della Sera von Köln über London zugegangen sind, bestätigt es sich, daß die barbarischen Eroberer von Antwerpen die armen belgischen Priester zur Strafe für ihre heldenhafte Weigerung, die Kirchenglocken zu läuten, als lebendige Klöppel mit dem Kopf nach unten, an die Glocken gehängt haben.“

Aus der Tatsache, daß in Köln nach der Einnahme von Antwerpen die Glocken geläutet wurden, entstand diese Propagandalüge.


Die abgehackten Kinderhände in Belgien


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Die Greuellüge, daß deutsche Soldaten im Sommer 1914 in Belgien Kindern die Hände abgehackt hätten, lief ab August 1914 um die Welt und wurde eines der wichtigsten Propagandamittel gegen Deutschland im Ersten Weltkrieg. Entsprechende Karikaturen und falsche Bilder verstärkten die Wirkung des Greuelmärchens, das reine Erfindung war und vielleicht aus der Tatsache schöpfte, daß die belgische Kolonialregierung Ende des vorigen Jahrhunderts im Kongo das Händeabhacken als harte Strafe gegen Neger ausgeübt haben soll.

Es begann mit der Mitteilung eines Pariser Berichterstatters in der Londoner Times vom TJ. 8. 1914:

„Ein Mann, den ich nicht gesehen habe, erzählte einem Offizial der katholischen Gesellschaft, daß er mit eigenen Augen gesehen hat, wie deutsche Soldaten einem Baby, das sich am Rock seiner Mutter festhielt, die Arme abgehackt haben.“

Am 2. 9. 1914 zitierte die Times französische Flüchtlinge über das Verhalten deutscher Soldaten:

„Sie schneiden den kleinen Knaben die Hände ab, damit Frankreich keine Soldaten mehr haben soll.“

abgeckte-kinderhaende_4Ein Baby ohne Hände trat dann in vielen Bildern der westeuropäischen Presse auf; es gab sogar solche, auf denen deutsche Soldaten die abgehackten Hände aufaßen. Eine Statue des Kindes ohne Hände wurde hergestellt und in der Presse verbreitet. Selbst die Bibel wurde bemüht: Ein Bild zeigte den deutschen Kaiser, mit einer Axt in den bluttriefenden Händen hinter einem großen Hauklotz stehend, um den Haufen abgehackter Kinderhände lagen, wie er einer Frau mit Kindern zu kommen winkt, und unter allem stand der Spruch: „Lasset die Kindlein zu mir kommen.“ Andere Bilder zeigten auf Bajonette aufgespießte oder an eine Tür genagelte Babys.

In einer Unterhausdebatte in London am 19. 12. 1916 wurde die britische Regierung gefragt, was man für die armen Kinder tun könne. Scheinheilig antwortete Sir E.  Cave ausweichend:

„In allen außer zweien von den individuellen Fällen, bei denen Zeugen gesehen haben, wie Kinder auf diese Weise verstümmelt wurden, war das Kind entweder tot, oder es starb an der erlittenen Behandlung. In Anbetracht des Umstandes, daß diese Kinder in Belgien waren, das noch unter deutscher Besetzung steht, ist es nicht wahrscheinlich, daß sie zur Zeit ermittelt werden können, und jeder zu diesem Zweck jetzt unternommene Versuch dürfte eine weitere Verfolgung des Opfers und seiner Angehörigen zur Folge haben.“

Alle diese Berichte waren Propagandalügen. Der Papst hatte versprochen,

„an die Welt einen scharfen Protest zu erlassen, wenn in einem einzigen Falle nachgewiesen werden könnte, daß belgische Nonnen geschändet oder Kindern die Hände abgeschnitten worden waren. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet, und mit Hilfe des Kardinals  Mercier wurden viele Fälle geprüft. Kein einziger Fall konnte nachgewiesen werden“.

Italiens Ministerpräsident während des Ersten Weltkrieges, Francesco Nitti,  schreibt in seinen Erinnerungen:

„Um der Welt die Wahrheit über die gegenwärtige Krise in Europa vor Augen zu führen, müssen die schändlichen, von der Kriegspropaganda geschaffenen Lügen immer wieder und immer wieder zerstört werden. Während des Krieges hat Frankreich, gemeinsam mit anderen Verbündeten, einschließlich unserer eigenen Regierung in Italien, die widersinnigsten Erdichtungen in Umlauf gesetzt, um den Kampfgeist anderer Völker zu erwecken. Die den Deutschen zur Last gelegten Grausamkeiten waren haarsträubend. Wir hörten die Geschichte von armen, kleinen belgischen Kindern, denen die Hunnen die Hände abgeschnitten hatten. Nach dem Krieg schickte ein reicher, von der französischen Propaganda tiefgerührter Amerikaner einen Kundschafter nach Belgien, da er für die armen Geschöpfe, denen die Hände abgeschnitten worden waren, sorgen wollte. Er vermochte kein einziges ausfindig zu machen. Mr. Lloyd George und ich selbst, als ich an der Spitze der italienischen Regierung stand, stellten ausgedehnte Nachforschungen an, um die Wahrheit über diese schrecklichen Anschuldigungen zu ermitteln. Bei einigen von ihnen waren uns Namen und Orte angegeben worden, aber jeder untersuchte Fall erwies sich als Legende.“

Der frühere französische Finanzminister Klotz, der 1914 die französische Pressezensur leitete, schrieb in seinen Erinnerungen, daß ihm Korrekturbögen des  Figaro  vorgelegen seien,

„in denen zwei Wissenschaftler von Ruf die Behauptungen aufgestellt und durch ihre Unterschrift erhärtet hätten, daß sie mit eigenen Augen ungefähr hundert Kinder gesehen hätten, denen von den Deutschen die Hände abgeschnitten worden waren“. 

abgeckte-kinderhaende_2Klotz verbot zunächst die Veröffentlichung, da er an dem Wahrheitsgehalt zweifelte, und verlangte, daß man ihm den Ort des Geschehens mitteilte, damit er dort im Beisein des US-Botschafters die Sache untersuchen könne.

„Bis heute habe ich von den zwei Herren weder etwas gesehen noch gehört.“

Und er schloß dann zu Recht, daß alles ein Greuelmärchen sei.

In seinem verdienstvollen Buch über Lügen in Kriegszeiten wies der britische Parlamentarier Arthur Ponsonby 1928  darauf hin, daß erst „vor kurzem“ ein Liverpooler Dichter einen Gedichtband herausgebracht habe, in dem es unter anderem heiße:

„Sie stemmen sich gegen den ersten wilden Ansturm
Der gebildeten deutschen Hunnen,
Die jede belgische Frau geschändet,
Jeder Mutter Sohn verstümmelt hatten.“

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In unendlichen Variationen zeigte die alliierte Propaganda im Ersten Weltkrieg deutsche Händehacker. Abbildüngen in: Vorsicht Fälschung, FZ, München 1991, S. 69 f. Sogar in Schützengräben konnten die Deutschen offensichtlich das Händeabhacken nicht lassen.

„Siebzig Jahre nach dem Ersten Weltkrieg sind die Märchen der abgehackten Hände, der vergifteten Karamels, der getöteten Zivilisten und der erhängten Priester, die damals für soviel Krach sorgten, eigentlich heute ziemlich belanglos. Welche Bedeutung haben sie nämlich gegenüber den Tatsachen, und nicht den Legenden, die die ganze Welt mittlerweile erlebte, etwa jene terroristischen Bombenangriffe  1944  und  1945  auf Hamburg, Dresden und viele andere Städte des Deutschen Reichs. . .“

Von der wirklichen Praxis des Händeabhackens im Kongo-Staat des belgischen Königs Leopold im  19. Jahrhundert war lange Zeit nicht die Rede, der Zugang zu den entsprechenden Dokumenten war verwehrt. Erst durch eine große Kongo-Ausstellung in Tervuren13 kam  2005 das Thema von der belgischen Terrorherrschaft und dem Schreckensregiment  Leopolds wieder in die Öffentlichkeit.

„Die Bevölkerung wurde  zum Gummizapfen in die Wälder getrieben. Gegen Säumige und Widerspenstige ging die Soldateska des neuen Kolonialstaates mit brutalster Gewalt vor. Dörfer wurden niedergebrannt, Ernten vernichtet, Frauen und Kinder in Geiselhaft genommen, unzähligen Menschen wurden zudem die Hände abgehackt.“

Manche Forscher sprechen sogar von Völkermord im Kongo und geben an,

„daß zehn Millionen Menschen als Folge der kolonialen Gewalt sterben mußten, ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung“.

Genaue Zahlen gibt es nicht. Was in der belgischen Kolonie um  1885 grausige Wirklichkeit war, wurde dann den deutschen Truppen in Belgien 1914 unterschoben.


Französische Kriegspropaganda 1914-1918


Bei einem Vergleich der Kriegspropaganda der einzelnen Länder im Ersten Weltkrieg kommt der britische Parlamentsangehörige Arthur Ponsonby in seinem Werk über die Lügen von 1914 bis 1918 zu dem Urteil, daß die der Franzosen am wirksamsten gewesen sei. Er schreibt von den Pariser Geschichtsfälschern:

„Sie erkannten den großen Wert der Propaganda und machten sich mit Eifer an die Arbeit… Viele der in Großbritannien verbreiteten Lügen stammen von jenseits des Kanals. Die Franzosen waren Meister in der Herstellung gefälschter Photographien… Aber die französische Methode war umfassender und gründlicher (als die britische, R. K.).“

Zum Beweis zitiert er aus den Enthüllungen in dem Buch Hinter den Kulissen des französischen Journalismus von einem „französischen Chefredakteur“:

„Wenn man die Lüge zu einem wissenschaftlichen System reduziert, sie dick aufträgt und mit großer Anstrengung  und genügenden Geldmitteln über die ganze Welt als die reine Wahrheit ausstreut, so kann man auf lange Zeit ganze Nationen betrügen und sie um Dinge willen, für die sie nicht das geringste Interesse haben, zum Morden anspornen. Wir haben das während des letzten Krieges zur Genüge gesehen und werden es im nächsten Kriege, mit dem eine gütige Vorsehung den plumpen Versuch machen wird, das Problem der Übervölkerung zu lösen, wieder sehen.

Wir kamen sofort zu der sehr richtigen Erkenntnis, daß es nicht genügt, die Massen für den Krieg zu entflammen und, um der Anklage der Kriegsschuld zu entgehen, den Gegner als einen gefährlichen Friedensstörer und den ruchlosen Feind der Menschheit hinzustellen. Wir haben nicht auf Lord Northcliffes Verfahren gewartet. Wir begriffen augenblicklich den Wert der Beeinflussung der öffentlichen Meinung für unsere mehr oder weniger gerechte Sache. Bereits drei Tage nach Kriegsausbruch verkündete  Viviani (1913-1915 französischer Ministerpräsident, R. K.) ein Gesetz, das am gleichen Tage von der Kammer und dem Senate angenommen wurde und welches als erste Rate für eine wirksame Propaganda die Kleinigkeit von fünfundzwanzig Millionen Goldfranken vorsah zur Errichtung des Pressehauses (Maison de la Presse), eines Riesengebäudes, Francoisstraße 3, fünf Stockwerke hoch, ohne das Kellergeschoß, wo die Druckmaschinen aufgestellt waren, und ohne das Erdgeschoß mit dem großen Versammlungssaal. Es herrscht hier ein geschäftiges Treiben wie in einem Bienenstock; Lastwagen kommen an, elegante Autos mit anmaßend aussehenden Leuten fahren vor. Die zweihundert Räume enthalten die Werkstätten, Büros, Sprechzimmer und Empfangszimmer, wo jene kriegstollen Helden residieren, deren Mut mit dem Grade der Entfernung von den Schützengräben steigt. Vom Kellergeschoß an bis zum glasbedachten fünften Stockwerk ist alles Verkörperung einer konzentrierten Propaganda. Im Kellergeschoß standen die für den Druck und die Nachbildung nötigen Maschinen, unter dem Glasdach arbeitete die photo-chemigraphische Abteilung. Ihre Hauptarbeit bestand in der Herstellung von Photographien und im Schnitzen von Holzfiguren mit abgeschnittenen Händen, ausgerissenen Zungen, ausgestochenen Augen, eingedrückten Schädeln und bloßgelegten Hirnen. Die auf diese Art hergestellten Bilder wurden als unwiderlegbare Beweise deutscher Greuel in alle Welt versandt, wo sie nicht verfehlten, die gewünschte Wirkung zu erzielen. In denselben Räumen wurden gefälschte Photographien von beschossenen französischen und belgischen Kirchen, geschändeten Grabstätten und Denkmälern und von Schauplätzen der Zerstörung und Verwüstung fabriziert. Mit der Zusammenstellung und Bemalung dieser Szenen wurden die besten Kulissenmaler der Pariser Oper betraut. … Das Pressehaus war der nimmermüde Geiser, der unausgesetzt falsche Kriegsberichte und erfundene Nachrichten von der Front und den Etappen, die niederträchtigsten und gröbsten Verleumdungen der Gegner, die verblüffendsten Erdichtungen ruchloser, ihnen auferlegter Handlungen aussprudelte. Das auf diese Weise ausgestreute, heimtückische, aber wirksame Gift hat eine große Menge wohlmeinender, aber unwissender Leute irregeführt und infiziert. .. Während des Krieges wurde die Lüge eine patriotische Tugend. Sie wurde uns von der Regierung und der Zensur aufgezwungen und in Anbetracht der Gefahr, daß wir den Krieg verlieren könnten, als eine Notwendigkeit erachtet; zudem war das Lügen einträglich und wurde oft öffentlich geehrt. Es wäre nutzlos, den Erfolg der Lüge, die die Presse als das schnellste und beste Verbreitungsmittel benutzte, zu leugnen. Die größten Anstrengungen wurden gemacht, jedes Wort der Feinde als Lüge und jede unserer Lügen als reine Wahrheit zu stempeln. Alles segelte unter der Flagge Propaganda

Pononsby führt als besonderes Beispiel noch die damalige Indoktrinierung der französischen Schüler an:

„Die Erziehung der Kinder wurde auch nicht vernachlässigt. In Le Matin vom 12. November 1915 war ein Paragraph, überschrieben: An die Lehrer.“

Daraus zitiert er:

„Alle französischen Schulen müssen eine Sammlung der Karten von den >deutschen Verbrechern besitzen, um den Kindern für immer die Greueltaten der Barbaren einzuprägen. Es hieß dann weiter, ein Künstler von Ruf habe ein Dutzend Bilder zusammengestellt, die sich auf die empörendsten Episoden unter den deutschen Verbrechen beziehen. … Lehrer, abonniert heute noch und hängt diese Bilder in Euren Schulen auf.“

Die Folge dieser jahrelang wirkenden Greuelpropaganda war, daß bei den Versailler Friedensverhandlungen 1919 der reine Haß regierte und daß mit dem dem Deutschen Reich abgepreßten Diktat die Zukunft Deutschlands und Europas für den Rest des Jahrhunderts zerstört wurde.


Siehe auch:

Hermann Göring über

Die abgehackten Kinderhände

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