„Dokumente“ gegen Hitler – Das „Hoßbach-Protokoll“

500px-hossbach_1

Wahrheit für DeutschlandVon
Udo Walendy

„Schlüsseldokumente“ des IMT über Hitlers Geheimreden

In den sogenannten Nürnberger „Kriegsverbrecherprozessen“ 1945/46 hat die Anklagevertretung einige Unterlagen vorgelegt, die sich auf Geheimbesprechungen Hitlers beziehen. Das Interalliierte Militärtribunal, das sich selbst wahrheitswidrig „Internationales Militärtribunal“ nannte, hat diese Papiere zu „Dokumenten“ aufgewertet, ja zu „Schlüsselddokumenten“, da sie angeblich den „Schlüssel“ für Hitlers Außenpolitik lieferten, da sich die Politik und die wahren Absichten Hitlers von 1937-1939 in ihnen und nur in ihnen widerspiegelten. Die deutschen Angeklagten wurden u. a. auch auf Grund dieser „Dokumente“ verurteilt.

Bei allen „Schlüsseldokumenten“ des IMT über Hitlers interne Ansprachen sind Herkunft, Echtheit, Inhalt, Datum derart umstritten, daß jeder objektive Gutachter diese „Dokumente“ von vornherein – sofort nach „Auffinden“c im Jahre 1945 – als Fälschung oder Verfälschung hätte zurückweisen müssen, was z. T. in diplomatisch vorsichtiger Form bereits vor dem Nürnberger Tribunal geschehen ist. Obgleich die Siegermächte 1945 die Akten der Reichsregierung, beschlagnahmt, unter eigener Regie verwaltet und ausgewertet, neutralen Kommissionen jeden Einblick verwehrt und der Verteidigung in Nürnberg Herkunftsnachweise für zweifelhafte Schriftstücke vielfach verweigert haben, hinderte dies die „Historiker“ nicht, kritiklos zu übernehmen und zu verbreiten, was das IMT als Anklage-„Dokument“ verwertet, in seinen „Dokumenten“-Bänden aufgenommen und als „aus erbeuteten deutschen Akten stammend“ ausgegeben hat, unabhängig davon, ob dies stimmt oder nicht. Aus diesem Grund haben die „Schlüsseldokumente“ eine derartige Publizität erlangt, daß sich der um Objektivität bemühte Historiker mit ihnen auseinandersetzen muß.

Das erste dieser „Schlüsseldokumente“ ist das sogenannte:


Das „Hoßbach-Protokoll“


Hitlers Ansprache vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht am 5. November 1937

Das sogenannte „Protokoll“ ist weder im Original noch als Abschrift greifbar oder greifbar gewesen. Es existiert lediglich die Fotokopie einer Schreibmaschinen-Abschrift, die ohne Unterschrift im Jahre 1945 den Amerikanern aus privater Hand (Quelle blieb unbekannt) zugeschoben worden ist. Diese Fotokopie gilt seitdem der Wahrheit zuwider als „in den Archiven der deutschen Regierung aufbewahrt und auch dort erbeutet“. Diese Fotokopie wurde zum Anklagedokument aufgewertet und erhielt die Signatur „386 PS-Beweisstück US 25“

Der „Protokollant“ Oberst Hoßbach, Angehöriger des Widerstandes gegen Hitler, steht nach eigener Angabe „nicht für jedes Wort ein“ und hat sich geweigert, die von der IMT-Anklagebehörde vorgelegte „Fotokopie der Schreibmaschinenabschrift“ – PS 386 – als identisch mit seiner originalen handschriftlichen Aufzeichnung zu beglaubigen. Er erklärte als Zeuge im IMT-Prozeß:

„Auf welche Weise eine oder mehrere Schreibmaschinenabschriften meiner einmaligen handschriftlichen Niederschrift zustande gekommen sind, entzieht sid-i meiner Kenntnis.“

Die Öffentlichkeit weiß es heute noch nicht. Tatsache ist, daß offiziell kein Protokoll geführt worden ist und daß Oberst Hoßbach erst fünf Tage nah der Besprechung die Ausführungen Hitlers aus dem Gedächtnis handschriftlich aufgezeichnet hat. Aus welchem Grunde er dies tat, blieb ungeklärt; einen Auftrag hatte er nicht. Hoßbach konnte nicht stenographieren, er hatte auch keine Notizen während der Besprechung gemacht und war somit zu einer wortgetreuen und vollinhaltlichen Wiedergabe der Sitzung nicht in der Lage. Er blieb auf sein Gedächtnis angewiesen, wie er in seiner eidesstattlichen Erklärung vom 18. 6. 1946 selbst bekannte. Diese „sinngemäße Niederschrift“ ist um so zweifelhafter, als bereits am gleichen 5. 1 I. 1937 Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Reichskriegsminister V. Blomberg und dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generaloberst Göring, darüber bestanden, was Hitler eigentlich gesagt und gewollt hat. Die Oberbefehlshaber der Luftwaffe und Marine, Göring und Generaladmiral Dr. h. c. Raeder, waren bereits vor der Besprechung darüber informiert worden, daß Hitler lediglich die Mängel der Heeresrüstung energischer beheben wollte. Der Generaloberst und spätere Generalfeldmarschall V. Brauchitsch hat von der Unterredung überhaupt erst in Nürnberg 1945 erfahren. Weder der Chef des Generalstabs des Heeres, Generaloberst Beck, noch der Oberbefehlshaber des Heeres (bis 1938), Generaloberst v. Fritsch hatten diese Unterredung für gewichtig genug gehalten, um V. Brauchitsch als nachfolgenden Oberbefehlshaber des Heeres davon zu unterrichteng). Ein nad;träglidies Aufbauschen der Bedeutung dieser Unterredung wird allein schon hierdurch unglaubwürdig.

Die Ausführungen Hitlers beruhen auf hypothetischen Erwägungen, die aus einem eventuellen Krieg zwischen Großbritannien und Italien für eine deutsche Politik erwachsen könnten. Von der Planung eines Angriffskrieges oder gar eines Weltkrieges war keine Rede. Daher konnte auch den Oberbefehlshabern keine Entscheidung für ein derartiges Ziel auferlegt worden sein. Ein konkreter Plan wurde weder angeregt noch entworfen. Nicht einmal die außenpolitisdien Richtlinien für die kommenden Jahre wurden festgelegt, sondern lediglich Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt und Reaktionen hierauf angedeutet.

Im übrigen hatte Reidiskriegsminister v. Blomberg die Initiative für diese Besprechung ergriffen, „um Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Reichskriegsminister und dem Beauftragten des 4-Jahres-Planes hinsichtlich der Zuteilung von Rohstoffen an die drei Wehrmachtteile zur Entscheidung Hitlers zu bringen“. Die Behauptung, daß Hitler diesen Anlaß und dieses Gremium (v. Blomberg, v. Fritsch, Raeder, Göring Reichsaußenminister Freiherr v. Neurath für „testamentarische Hinterlassenschaften“ gewählt habe, ist nicht überzeugend. Der vom IMT vorgelegten Fotokopie zufolge soll Hitler einleitend die Anwesenden gebeten haben, seine Ausführungen als „testamentarische Hinterlassenschaft für den Fall seines Ablebens anzusehen“. Es ist jedoch sinnwidrig, daß sich Hitler, der sich nur einiger Notizen bediente, ausgerechnet den Kreis der fünf (einschließlich Hoßbach sechs) Anwesenden ausgesucht haben sollte – nicht einmal seinen Stellvertreter Rudolf Heß -, um ihnen ohne schriftliche Fixierung ein „Vermächtnis“ zu übermitteln, das auf wesentliche Fragen noch nicht einmal eine Antwort vorsah. Hermann Göring:

„Soweit das Wort „Testament“ gebraucht worden ist, widerspricht dieses völlig der Auffassung des Führers.“

Gleichermaßen sinnwidrig dem ausgewiesenen Inhalt nach ist, daß Hitler zweimal abgelehnt hat, Hoßbachs Aufzeichnungen zu unterzeichnen, da er „vorderhand keine Zeit habe“.

Ferner finden sich – in auffallendem Gleichklang – sowohl im „Hoßbach-Protokoll“ als auch in anderen „Schlüsseldokumenten“ Zusammenhänge, die zur Zeit der betreffenden Konferenz noch gar nicht vorlagen, sondern sich erst später ergeben haben: Wenn hier im „Hoßbach-Protokoll“ z. B. unterstellt wird, Hitler habe davon gesprochen, daß sich eine französische Offensive voraussichtlich an unseren Westbefestigungen festlaufen werde, so hätte er so etwas erst nach der Fertigstellung des Westwalles sagen können. Der Bau dieses Westwalles, der zwar schon 1936 eingeleitet und 1937 mit einer Laufzeit von 12 Jahren begonnen wurde, sollte jedoch erst auf Grund der tschechischen Mobilmachung im Mai 1938 beschleunigt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte von einem Schutzwall noch keine Rede sein.

Ein weiteres Kennzeichen für die Fälschung dieser Fotokopie ist darin zu erblicken, daß sie inhaltlich nicht mit der ohnehin von keinem Regierungsmitglied gekannten, geschweige denn gegengezeichneten Originalniederschrift identisch sein kann, weil sie, abgesehen von der entstellten Wiedergabe und einigen erfundenen Zusätzen, auch noch inhaltlich gekürzt ist. So fehlt z. B. die Debatte zwischen Göring, v. Blomberg und v. Fritsch.

„Warum hielt Hitler die Konferenz ab? Diese Frage wurde in Nürnberg nicht gestellt. Sie wurde auch nicht von den Historikern gestellt […]. Diese Konferenz am 5. 11. 1937 war eine seltsame Versammlung. Nur Göring war ein Nazi. Die anderen waren Konservative alten Stils, die in ihrem Amt geblieben waren, um Hitler unter Kontrolle zu halten. Alle, mit Ausnahme von Raeder, sollten innerhalb von drei Monaten von ihren Posten entlassen werden. Hitler wußte, daß alle, mit Ausnahme von Göring, seine Opponenten waren […]. Warum offenbarte er seine inneren Gedanken Männern, denen er mißtraute und die er kurz darauf entlassen sollte? Diese Frage hat eine einfache Antwort: er offenbarte nicht seine inneren Gedanken. Es gab keine außenpolitische Krise, die eine breite Diskussion oder klärende Entscheidung herausgefordert hätte. Die Konferenz war ein Manöver in inneren Angelegenheiten.“

Aus dieser Analyse ist ersichtlich: Das sogenannte „Hoßbach-Protokoll“ liefert keinen Nachweis dafür, daß Hitler eine „Verschwörung gegen den Frieden“ geplant hat; es ist im Gegenteil ein Musterbeispiel dafür, wie die Nachkriegs-„Justiz“ und ihre Propaganda-„Historiker“ gezwungen waren, auf Niederschriften von deutschen Widerständlern zurückzugreifen und diese noch zu verfälschen und aufzubauschen, um einer solchen Anklage einen Schein des Rechts geben zu können.

Hitlers Ansprache vor der deutschen Presse am 10. 11. 1938

Der nach dem Krieg ausgewiesene Inhalt dieser Rede Hitlers, der zwar nicht dem IMT-Nürnberg 1945/46 vorlag, sondern erst später „entdeckt“ wurde, jedoch zeitlich und inhaltlich in den hier behandelten Zusammenhang gehört, wird gleichermaßen als „Nachweis“ für Hitlers langjährige Kriegsplanung ausgegeben. Es finden sich dort u. a. folgende Aussagen:

„Wir haben uns dabei einige Aufgaben gestellt in diesem Jahr, die wir durch unsere Propaganda […] erreichen wollen […] Erstens die langsame Vorbereitung des deutschen Volkes selbst. Die Umstände haben mich gezwungen, jahrzehntelang fast nur vom Frieden zu reden […]. Es ist selbstverständlich, daß eine solche jahrzehntelang betriebene Friedenspropaganda auch ihre bedenklichen Seiten hat; denn es kann nur zu leicht dahin führen, daß sich in den Gehirnen vieler Menschen die Auffassung festsetzt, daß das heutige Regime an sich identisch sei mit dem Entschluß und dem Willen, den Frieden unter allen Umständen zu bewahren. Das würde aber nicht nur zu einer falschen Beurteilung der Zielsetzung dieses Systems führen […]. Der Zwang war die Ursache, warum ich jahrelang nur vom Frieden redete […]. Es (das deutsche Volk) muß lernen, so fanatisch an den Endsieg zu glauben […]“

Dieses „Dokument“ ist womöglich noch fragwürdiger als das „Hoßbach-Protokoll“. Abgesehen von der Widersinnigkeit, ein ganzes Jahr vor dem angeblich geplanten Schlag der Presse eigene Kriegsabsichten bekanntzugeben – ein Entschluß zur Aggression wird doch allgemein geheimgehalten! -, gab es damals in der gesamten Auslandspresse keinen Hinweis auf diese Rede und in der Inlandspresse keine Provozierenden Aufsätze. Da offenbar die gesamte deutsche Presse diese Führerrede als gemäßigt aufgefaßt und in diesem Sinn ausgewertet hatte, wird jeder nachträgliche Versuch, sie als Beweis für Hitlers Kriegswillen zu deuten, von vornherein entwertet. Ein Hinweis auf die Darlegungen des „Instituts für Zeitgeschichte“ (Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Heft 2, 1958, S. 175 ff), in denen zugegeben wird, daß die Tonaufnahme dieser Rede (die einzige greifbare Unterlage) weder von der physikalischen Substanz noch von der Sprache her als authentisch nachgewiesen werden konnte und daß die vorliegende Platte überhaupt nur einen Teil der angeblichen Rede umfaßte, erübrigt sich.

Hitlers Ansprache vor den höheren Offizieren der Wehrmacht

Großadmiral Raeder bezeichnete dieses angebliche, „Dokument“ 079-L. IMT Bd. XXXVII, S. 546 ff, das sogenannte „Schmundt-Protokoll“, als die „unklarste Urkunde über eine Rede Hitlers, die überhaupt vorhanden sei, da ein großer Teil der Ausführungen überhaupt keinen Sinn habe“. Dieses vom IMT als ,aus den erbeuteten deutschen Akten stammendes „Dokument“ ausgegebene Blatt Papier (Deckblatt mit 15 angehefteten Seiten) trägt mit Ausnahme „Chef-Sache. Nur durch Offizier“ keinen Kopfdruck, kein Datum, keinen Geheimvermerk, keine Gegenzeichnung. Es ist in Schreibmaschinenschrift „sinngemäß“ abgefaßt und enthält Verbesserungen in Tintenschrift, die zu einem nicht bestimmbaren Zeitpunkt eingefügt worden sind, – nicht von der Hand Schmundts! Schmundt erlag am 1. 10. 1944 seinen beim Attentat vom 20. Juli erlittenen Verletzungen; die Echtheit seiner Unterschrift ist nicht nachprüfbar. Das „Dokument“ ist nicht in das Geheimjournal eingetragen worden, obwohl das für eine „Chef-Sache. Nur durch Offizier“ unerläßlich gewesen wäre. Außerdem fehlt die Angabe der Zahl der Ausfertigungen. Das angebliche „Dokument“ trieft von Widersprüchen, besteht aus thematisch zusammenhanglosen Aussagen und enthält absolut unbekannte politische Zielsetzungen.

Widersprüche:

Auf der Anwesenheitsliste sind u. a. Göring und Oberst Warlimont aufgeführt;

1. Feldmarschall Milch hat Görings Anwesenheit energisch bestritten, da er als Görings Stellvertreter in die Reichskanzlei geschickt worden sei. Göring konnte zu dieser Frage mit Sicherheit keine Auskunft mehr geben.

2. Die Teilnahme Warlimonts muß als unzutreffend erscheinen. Geladen waren die Oberbefehlshaber der Wehrmachtsteile (v. Brauhitsch, Göring, Raeder), der Chef OKW (Keitel) und deren Generalstabschefs (Halder, Jesdionnek, Schniewindt), der Staatssekretär der Luftfahrt (Milch), der Chefadjutant der Wehrmacht beim Führer und Reichskanzler und die einzelnen Wehrmachtsadjutanten. Warlimont dagegen war Abteilungschef im Wehrmachtsführungsamt des OKW. Da sein Chef (Keitel) anwesend war, erübrigte sich schon aus diesem Grund die Teilnahme Warlimonts. Sowohl Warlimont selbst als auch alle anderen Zeugen bestritten seine Teilnahme an der Besprechung. Warlimont hat auch noch nicht einmal nachträglich etwas von dieser Besprechung erfahren. Hitlers angebliche Äußerungen sind sogar der Abteilung Landesverteidigung im Wehrmachtsführungsamt nicht bekannt gemacht worden.

Hitler soll dem „Schmundt-Protokoll“ zufolge von der Notwendigkeit gesprochen haben, sich auf einen Krieg von 15-20 Jahren Dauer einzurichten und einen planmäßigen Angriff vorzubereiten. (In Wirklichkeit hatte er – und dies kommt an anderen Passagen des vorgelegten „Dokumentes“ auch zur Sprache – die auf die Jahre 1943/45 abgestellten spärlichen Rüstungsprogramme unverändert beibehalten, sich nachgewiesenermaßen ständig um eine unbedingte Begrenzung eines eventuellen Konfliktes bemüht und sogar nach dem Frankreichfeldzug eine Demobilisierung eingeleitet).

„Das Problem Polen ist von der Auseinandersetzung mit dem Westen nicht zu trennen“.

„Es dürfe nicht zu einer gleichzeitigen Auseinandersetzung mit Ost und West kommen“.

„Wenn sich wegen Polen eine Auseinandersetzung mit England ergebe, dann müsse der Kampf schwergewichtlich gegen England und Frankreich geführt und auch Holland blitzartig angegriffen werden“ oder wörtlich: „. . . ist es besser, den Westen anzufallen und dabei Polen zugleich zu erledigen“.

„Man dürfe nicht wegen Polen in einen Zweifrontenkrieg hineinschliddern“.

„England ist der Motor, der gegen Deutschland treibt“.

„Danzig ist nicht das Objekt, um das es geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraumes im Osten und Sicherstellung der Ernährung sowie die Lösung des Baltikum-Problems. Lebensmittelversorgung ist nur von dort möglich, wo geringe Besiedlung herrscht […]. Die Bevölkerung nicht-deutscher Gebiete tut keinen Waffendienst und steht zur Arbeitsleistung zur Verfügung […] .“

Abgesehen davon, daß die undefinierbare und nicht spezifizierte Formel „Lösung des Problems“ in diesem „Dokument“ zu oft verwendet wird, um noch glaubhaft zu erscheinen, setzen die soeben zitierten Außerungen den Gedanken voraus, daß Deutschland einen Krieg im Westen anzetteln wollte – was für die deutsche Außenpolitik absolut unzutreffend war. An anderen Stellen heißt es dann auf einmal: „Es bleibt der Entschluß, Polen bei erster passender Gelegenheit anzugreifen“; – einen soldien Entschluß gab es überhaupt nicht! Der spätere Angriffsbefehl Hitlers vom 31. 8. 1939 hatte – wie bereits ausgeführt – nichts mit der Absicht zu tun, Polen „bei erster Gelegenheit“ zu überfallen.

„Ziel ist immer, England auf die Knie zu zwingen […]. Das ist das Angriffsprogramm […]. Gründung eines Studienstabes beim OKW zum Zwecke der Geheimhaltung […].“

Wenn man Hitler unterstellt, er habe vorher schon jenen Leuten sein „Angrifisprogramm“ offenbart, vor denen er es durch den zu bildenden Studienstab habe verbergen wollen, und er habe diesen selben Leuten am 22. 8. 1939 das gleiche „Angriffsprogramm“ noch einmal im einzelnen erläutert und noch dazu in einem agitatorischen Kauderwelsch, so ist die Widersinnigkeit solcher „Ansprachen“ evident – und damit die Fälschung dieser Niederschriften.

Historiker Michael Freund schreibt zu diesem „Protokoll“:

„Als eine genaue Niederschrift der Rede kann das Protokoll nicht gelten. Auch ist keineswegs sicher, daß Hitler während dieser Konferenz seine wirklichen Absichten und Ideen mitteilen wollte. Einiges ist offenkundig nur so dahingeredet worden.“

Dennoch spricht Freund diesem Schriftstück „den Eindruck der Glaubwürdigkeit“ zu. Welche unwissenschaftliche Bewertung aus der Feder eines Historikers!

In dieser Besprechung, über die eine einwandfreie Wiedergabe nicht vorliegt, wurden wiederum nur die Alternativen theoretisch aufgezeigt, die sich bei einem eventuellen Kriegswillen Englands, Frankreichs und Polens für die deutsche Politik ergeben. Da auch bei dieser Besprechung kein Protokoll geführt und kein Verteiler vorgesehen war, stellen die Ausführungen über die Lage keine Führerentscheidung dar. Die Besprechung hatte den Zweck, einen Studienstab beim OKW (Oberkommando der Wehrmacht) zu gründen, „der den Führer zu unterrichten habe“. Ihm wurde aufgetragen, alle möglichen militärischen Eventualsituationen zu „studieren“, um ihnen militärisch erfolgversprechend begegnen zu können, – so wie es jede Armeeführung der Welt zu tun pflegt. Nicht einmal aus dem „Dokument“ 079-L – IMT, Bd. XXXVII, S. 546 – ist zu entnehmen, daß diesem Studienstab eine militärische Definitiventsheidung zur operativen Ausarbeitung aufgetragen worden wäre. Allenfalls aus einer solchen könnte auf „Kriegswillen“ geschlossen werden.

Reichsaußenminister V. Ribbentrop erklärte vor dem IMT-Nürnberg:

„Hitler hat mir wiederholt gesagt, mit dem Militär müsse man so sprechen, als ob morgen, da oder dort, der Krieg ausbrechen würde.“

Dennoch hatte der damalige Generaloberst Keitel diese Konferenz am 23. 5. 1939 in der Überzeugung verlassen, daß es 1939 keinen Krieg geben werde. Und er stand mit dieser Auffassung nicht allein. Nur als Beispiel: Generalfeldmarschall v. Brauchitsch zitierte vor dem IMT-Nürnberg Hitlers Worte in dieser Konferenz:

„Ich müßte ein Idiot sein, wenn ich wegen Polen in einen Krieg schliddern würde wie die Unfähigen vom Jahre 1914.“

Oder:

„- und wenn Hitler dabei auf die Bemerkung des Feldmarschalls Milch, daß die Produktion an schweren Bomben für den Fall eines Krieges völlig unzulänglich sei und umgehend vermehrt werden müsse, antwortete, solche Maßnahmen hätten noch Zeit, so mußten die militärischen Führer daraus schließen, daß Hitler die militärischen Vorbereitungen nur zur Unterstützung der eingeleiteten politischen Maßnahmen getroffen habe, daß er es aber auf einen bewaffneten Konflikt mit Polen keinesfalls ankommen lassen würde.“

Doch solche Aussagen enthielt das vorgelegte ,Dokumentu natürlich nicht. Folglich können es keine „Protokolle“, keine sachgerechten Niederschriften sein.

Weitere Widersprüche:

Eine Reihe von angeblichen Außerungen können nicht gefallen sein, weil sie

a) den damaligen Gegebenheiten widersprachen,
b) sich nachweislich auf spätere Ereignisse beziehen.

Zu a) Wie sollte Hitler unterstrichen haben, daß er sich „daher den endgültigen Befehl zum Losschlagen vorbehalten“ werde, da doch ohnehin niemand anders als er selber für einen solchen Befehl zuständig gewesen wäre und er keine einen „Angriff“ vorbereitenden Weisungen erteilt hatte?

„Zu Rußland sind wirtschaftliche Beziehungen nur möglich, wenn politische Beziehungen sich gebessert haben“. – In Wirklichkeit stand Hitler zum Zeitpunkt der Besprechung einer politischen Annäherung an die UdSSR noch sehr reserviert gegenüber, während Wirtschaftsverbindungen mit Moskau (betreffend die tschechischen Verbindlichkeiten) damals bereits vorhanden waren, und deutscherseits ab 30. Mai 1939 die Wiederaufnahme der Wirtschaftsverhandlungen angeregt wurden.

Zu b) Nachgewiesenermaßen hatte Hitler keine Angriffsabsichten gegen den Westen. – Das „Schmundt-Protokoll“ aber versucht gerade, diese besonders deutlich zu machen unter Hervorhebung Englands und Bagatellisierung der französischen Macht. – „Das deutsche Heer verblutet nicht zu Land“. – Dieser Satz ist sinnwidrig für die Situation im Mai 1939, erscheint möglich hingegen für die Zeit nach dem Frankreichfeldzug im Juni 1940.

Gleichermaßen verhält es sich mit den Angaben über die taktischen Operationen der italienischen Armee gegen Frankreich: „Für Italien bleibt der Durchbruch durch die Maginot-Linie bestehen, der zu studieren ist. Der Führer hält den Durchbruch für möglich.“ – Da Hitler keinen Krieg gegen den Westen vorbereitet hat und einen eventuell möglichen Konflikt mit Polen – auch unter Ausschluß Italiens – zu lokalisieren bestrebt war, da ferner sowohl Mussolini als auch Hitler um die mangelhafte Kriegsvorbereitung Italiens gewußt haben – ist ein solcher Ausspruch Hitlers im Mai 1939 sinnwidrig. Erst für Juni 1940 wäre er denkbar.

Weitere Darlegungen dieser Art, die in diesem „Protokoll“ enthalten sind, erübrigen sich hier. Bei quellenkritischer Untersuchung dieses „Dokumentes“ kommt man zu einem vernichtenden Urteil über den historischen Aussagewert. Auch dem Vorsitzenden des IMT muß dies bewußt gewesen sein, entzog er doch in Erfüllung seines politischen Auftrages dem Beteiligten bei dieser Besprechung, Großadmiral Raeder, das Wort, als dieser die Widersprüchlichkeit und Unsinnigkeit dieser „Urkunde“ – ), „Dok. 079-L“ – aufzeigen wollte. – Seitdem hält es offenbar kein Publizist und Historiker für notwendig, dort fortzufahren, wo Großadmiral Raeder unterbrochen wurde.

Hitlers Ansprache vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht am 22.8. 1939

Dem IMT-Nürnberg lagen drei verschiedene Unterlagen über diese Besprechung vor:

I. Bd. XLI, S. 16-25, Dok. Raeder 27 (gez. Böhm)
2. Bd. XXVI, S. 338, Dok. 798-PS
3. Bd. XXVI, S. 523, Dok. 1014-PS („Zweite Ansprache“)

Die „Dokumente“ 798-PS und 1014-PS sind auf ein und demselben Papier mit derselben Schreibmaschine geschrieben, haben keinen Kopf, keinen Geheimvermerk, kein Datum, keine Namensnennung der Anwesenden, keine Unterschrift. Die Anklagevertretung hat auch späterhin nicht den erbetenen Herkunftsnachweis erbracht.

Es wurde behauptet, diese „beiden Stücke Papier“ seien den erbeu-teten deutschen Akten entnommen worden. Träfe dies zu, so müßten sie formkorrekt sein, was nicht der Fall ist. Da nachgewiesenermaßen auch bei dieser Besprechung kein Protokoll geführt worden ist, konnten die deutschen Akten keine solche Niederschrift enthalten. Dieser Tatbestand erweist zudem, daß diese Besprechung Hitlers keinen programmatischen Charakter hatte und nicht Grundlage einer Entscheidung war. – Schon daraus ergeben sich Widersprüche.

„Dok. 1014-PS“ ist überschrieben mit „Zweite Ansprache des Führers am 22. 8. 1939“. Es ist Tatsache, daß Hitler am 22. 8. 1939 nur eine Rede gehalten hat, die lediglich durch eine Frühstückspause auf dem Berghof unterbrochen worden war. Auch Mr. Dodd von der IMT- Anklagevertretung mußte zugeben, daß es sich trotz der anderslautenden Uberschrift um ein und dieselbe Rede handelt. Die beiden ungezeichneten Niederschriften sind nicht nur mit derselben Schreibmaschine geschrieben und im gleichen Stil verfaßt worden, sondern sie verwenden auch beide die „Ich“-Form. Hitler selbst aber kann nicht der Verfasser sein, da er eine Maschine mit besonderen Typen verwenden ließ und da es auch gar nicht in seinem Interesse gelegen hätte, entgegen seiner Gewohnheit der Nachwelt ausgerechnet „blutdürstige Ausdrücke“ schriftlich zu fixieren. Der Schlußsatz „Göring antwortet mit Dank an den Führer und der Versicherung, daß die Wehrmacht ihre Pflicht tun wird“ durchbricht den Stil der „Ich“-Form und gibt zu erkennen, daß weder Hitler noch ein anderer Teilnehmer dieser Besprechung die Niederschrift verfaßt haben kann, denn ein Protokollant hätte niemals die „Ich“-Form wählen können.

Es bedurfte am 22. 8. 1939 keiner Loyalitätserklärung der Wehrmachtsführung. Die Herkunft dieser „Ich“-Form ist mit großer Wahrscheinlichkeit bei dem Verfasser der schon am 23. 8. 1939 der britischen Botschaft in Berlin zugeleiteten „Niederschrift“ über diese Besprechung zu suchen. Auch dort ist des drastischeren Eindrucks wegen diese „Ich“-Form verwandt worden, wobei es sich bei den Aussagen um primitivste Banalitäten handelt (siehe Ende dieses Kapitels).

Der vorgelegten Niederschrift – Dok. 798-PS – zufolge hatte Hitler seine Rede damit eingeleitet, er wolle eine politische Lageübersicht geben, „ damit Sie Einblick tun in die einzelnen Elemente, auf die sich mein Entschluß zu handeln aufbaut. . .“ . . . „Danach werden wir militärische Einzelheiten besprechen“. – Alle überlebenden Zeugen erklärten, daß militärische Einzelheiten weder vorgesehen noch besprochen worden sind. So sind auch keine Unterlagen über solche Besprechungen gefunden worden. Im übrigen war auch die Führerbesprechung – entgegen den vorgelegten „Dokumenten“ – keine Zusammenkunft, auf der „ein Entschluß zu handeln“ gefaßt werden sollte oder gefaßt worden ist. Nichts wurde auf dieser Konferenz entschieden, was politische oder militärische Bedeutung hätte.

Obgleich auch die Niederschrift „Dok. 1014-PS“ ohne Einleitung, ohne Unterschrift, ohne Datum usw. und auch viel zu kurz ist, um eine Rede Hitlers wiederzugeben, und obgleich ihr Inhalt sinnwidrig, widerspruchsvoll und zusammenhanglos ist, wurden auch diese beiden „Stücke Papier“ als „Dokument“ gewertet. Der Verteidiger von Großadmiral Raeder, Dr. Siemers, erklärte hierzu:

„In diesem Dokument sind die schwerwiegendsten Worte von der Anklage während der 5 oder 6 Monate immer wieder wiederholt worden, und zwar die Worte:

„Vernichtung Polens im Vordergrund. Ziel ist Beseitigung der lebendigen Kräfte, nicht die Erreichung einer bestimmten Linie“.

Diese Worte sind nicht gesprochen worden, und ein solches Kriegsziel hätten sich die deutschen Oberbefehlshaber nicht gefallen lassen; deshalb ist es wichtig, festzustellen, ob diese Urkunde echt ist. Ich darf in diesem Zusammenhang daran erinnern, daß noch eine dritte Fassung dieser Rede seinerzeit hier im Gerichtssaal erwähnt wurde, und zwar die Fassung L-3, die noch viel schlimmer ist als diese und die in der gesamten Weltöffentlichkeit in die Presse gekommen ist. Wo man auch jemanden sprach, wurde einem diese groteske, brutale Rede vorgehalten, und daher glaube ich, liegt es im Interesse der geschichtlichen Wahrheit, daß festgestellt wird, ob Hitler in dieser entsetzlichen Weise seinerzeit gesprochen hat. Tatsächlich, was ich ohne weiteres zugebe, hat er viele Wendungen benutzt, die scharf sind, er hat aber nicht solche Worte benutzt, und das ist für das Ansehen der Befehlshaber, die zugegen waren, von ganz ungeheuerer Bedeutung. Ich weise noch auf die nächsten Worte hin, wo ausdrücklich steht:

„Herz verschließen gegen Mitleid. Brutales Vorgehen“. Solche Worte sind nicht benutzt worden.“

Darauf Sir David Maxwell-Fyfe als Anklagevertreter:

„Wir können zur Entscheidung der Frage der Zulässigkeit des Dokumentes keine bis ins einzelne gehenden Vergleiche anstellen.“

Vorsitzender:

„Es ist ein Dokument in deutscher Sprache, das mit anderen deutschen Dokumenten erbeutet worden ist […]. Der Antrag, Dok. 1014-PS aus dem Protokoll zu streichen, wird abgelehnt!“

Großadmiral Raeder:

„Ausdrücke wie „Schweinehund“ („Ich habe nur Angst, daß mir noch im letzten Moment irgendein Schweinehund einen Vermittlungsplan vorlegt“) pflegte Hitler nicht zu gebrauchen; sie sind bestimmt nicht gefallen.“

Generaladmiral Hermann Böhm versicherte vor dem IMT in einer eidesstattlichen Erklärung, daß weder der Satz hinsichtlich des Vermittlungsvorschlags noch hinsichtlich der Zerstörung der Vormachtstellung Englands gesprochen worden sei. Es handele sich um glatte Erfindungen, ebenso wie das Wort „Schweinehund“.

Generalfeldmarschall Eridi von Manstein:

„Über die Ansprache Hitlers bei dieser Gelegenheit sind in dem Nürnberger Prozeß gegen den Generalstab verschiedene sogenannte „Dokumente“ von der Anklage vorgelegt worden […]. An all dem ist nichts Wahres. Auch die angebliche Redewendung Hitlers, er habe nur „Angst, daß ihm im letzten Moment irgendein Schweinehund mit einem Vermittlungsvorschlag komme“, ist bei dieser Gelegenheit nicht gefallen.“

Großadmiral Raeder bezeichnete die „Fassung Böhm“ (Dok. Raeder 27, die ihrerseits auch kein Protokoll darstellt und auch nicht gegengezeichnet ist, als „diejenige von den drei Fassungen, die der Wirklichkeit am nächsten kommt.

Sind Herkunft und Inhalt der „Dok. 798-PS und 1014-PS“ bereits dilettantisch verschleiert bzw. verfälscht, so zeigen Vergleiche mit der Niederschrift Böhm (Dok. Raeder 27), wie die „sinngemäßen Wiedergaben“ durch Auslassen wichtiger Gedanken und durch unbekannte Zusätze derart sinnentstellend formuliert sind, daß die Absicht zu deutlich wird, hier endlich einmal ein „Dokument“ vorweisen zu können, das die Thesen der alliierten Kriegspropaganda faustdick bestätigt: die Thesen von der unprovozierten „Verschwörung gegen den Weltfrieden“.

Zwei Vergleiche als Beispiel;

1. Dok. Raeder 27 (gez. Böhm):

„Ansicht noch im Frühjahr war, die Lösung der polnischen Frage auf Eis zu legen, um erst die nah seiner Ansicht unvermeidbare Auseinandersetzung im Westen auszutragen. Jedoch darf man sich als Politiker hinsichtlich einer Zeitfolge nicht festlegen, müsse elastisch sein. Die Voraussetzungen für seine ursprünglichen Absichten hätten sich geändert. Im übrigen habe er nie geglaubt, daß Polen sich an den Nichtangriffspakt gehalten hätte, wenn Deutschland irgendwie sonst gebunden wäre. Das zeigen schon die Landkarte (gemeint ist die in Polen 1939 verbreitete Landkarte mit den polnischen Westgrenzen an der Elbe), besonders aber die Presse der letzten Zeiten. die das tiefste Denken der Polen enthüllt.“

Großadmiral Raeder rügt den Ausdruck „unvermeidbare Auseinandersetzung“ und erklärt:

„Ich spreche hier von drohender Auseinandersetzung. Eine drohende Auseinandersetzung ist etwas, was man nicht gerade erstrebt, sondern was man eher befürchtet.“

Dok. 798-PS macht daraus:

„Ich wollte zunächst mit Polen ein tragbares Verhältnis herstellen, um zunächst gegen den Westen zu kämpfen. Dieser mir sympathische Plan war aber nicht durchführbar, da sich Wesentliches geändert hatte. Es wurde mir klar, daß bei einer Auseinandersetzung mit dem Westen Polen uns angreifen würde.“

Generaladmiral Böhm hat am 13. 6. 1946 in einer eidesstattlichen Erklärung mit Nachdruck unterstrichen – und seine Aussage wird von allen historischen Nachweisen bestätigt -, daß Redewendungen, die „eine Angriffsabsicht gegen die Westmächte ausgedrückt hätten“, ebensowenig gebraucht worden seien wie „Meine bisherige polnische Politik stand im Gegensatz zu der Auffassung des Volkes“, oder: „Unsere Gegner sind kleine Würmchen. Ich sah sie in München“.

2. Dok. Raeder 27 (gez. Böhm):

„Die Auslösung des Konfliktes wird durch eine geeignete Propaganda erfolgen.“

Dok. 798-PS:

„Ich werde propagandistischen Anlaß zur Auslösung des Krieges geben, gleichgültig, ob glaubhaft.“

a) Die Aussage Dok. Raeder 27 (gez. Böhm) ist eine Feststellung im Hinblick auf eine zukünftige Eventualsituation, die das Verhalten seiner Gegner in Rechnung stellt, aber nicht auf Hitlers Initiative verweist.

b) Warum sollte Hitler belastende Aussagen einer solchen Größenordnung vor Männern machen, deren Widerstand er ohnehin seit langem zu erkennen glaubte?

c) Tatsache ist, daß Hitlers Weisungen an die deutsche Presse, die doch dokumentarisch sind, vom IMT nicht als Beweismaterial hinzugezogen wurden, weil sie die Thesen dieser gefälschten „Dokumente“ eindeutig widerlegen. Erst eine solche Unterlage – definitive Führerweisung an die deutsche Presse zur propagandistischen Auslösung eines Krieges – hätte Aussagewert. Doch diese Presseweisungen blieben seit 1945 der historischen Forschung entzogen – nicht ohne Grund.

Alle Zeugen, die unter Eid zu dieser „Führerbesprechung“ aussagten, wandten sich mit mehr oder weniger scharfen Worten gegen die unterstellten Äußerungen in den vorgelegten „Dokumenten“.

Generalfeldmarschall Keitel :

„[…] und nachdem Hitler gegen Ende dieser Aussprache erklärte, daß mit der Sowjetunion ein Pakt abgeschlossen sei, war ich überzeugt, daß es nun bestimmt nicht zum Krieg kommen werde, denn ich glaubte, daß unter diesen Voraussetzungen eine Verhandlungsbasis gefunden sei, daß Polen sich dem nicht aussetzen würde.“

Generaladmiral Böhm:

„Es ist nie von der Vernichtung Polens oder der Beseitigung der lebendigen Kräfte des polnischen Volkes als solches gesprochen worden, sondern stets nur von dem Zerbrechen der militärischen Kräfte.“

Generaloberst Halder, eh. Chef des Generalstabs des Heeres:

„Die Besprechung endete damit, daß Hitler sagte, Polen ist isoliert, die Verhandlungen gehen weiter […]. Hier (im Kreise der anderen Teilnehmer) herrschte der Eindruck vor, der berühmte Nervenkrieg wird fortgeseizt in der günstigen Situation, die die Isolierung Polens geschaffen hat; ein Entschluß ist nicht gefallen.“

Generalfeldmarschall V. Leeb zum angeblichen Angriffsentschluß Hitlers:

a) in bezug auf Polen: „Nein, im Gegenteil!“
b) in bezug auf die Westmächte:

„Was wir? Wir hätten zuerst den Westen angreifen sollen? Davon weiß ich nichts.“

Generalfeldmarschall V. Küchler:

„Es kam ferner hinzu, daß, wie schon der Generaloberst Halder gesagt hat, diese Besprechung in vollster Öffentlichkeit stattfand, daß die Teilnehmer mit Flugzeugen, meistens mit Flugzeugen in Salzburg über München eintrafen, ganz öffentlich mit dem Auto in Uniform zum Obersalzberg hin- und zurückfuhren durch eine Gegend im August, wo großer Fremdenverkehr herrschte. Ich hielt also die ganze Sache für einen großen Bluff.“

Generalfeldmarsihall v. Manstein :

„Als Ergebnis von Hitlers Ansprache kamen weder Generaloberst v. Rundstedt noch ich – und wohl auch kaum einer der anderen Generale – zu der Auffassung, daß es unter allen Umständen nunmehr zum Kriege kommen werde. Zwei Erwägungen schienen insbesondere zu dem Schluß zu führen, daß es in letzter Stunde doch noch – wie in München – zu einem friedlichen Ausgleich kommen werde.

Die erste Erwägung war die, daß durch den Paktabschluß mit der Sowjetunion die Lage Polens von vornherein verzweifelt geworden war. Wenn damit England mehr oder weniger die Waffe der Blockade aus der Hand geschlagen war, wenn es also tatsächlich, um Polen zu helfen, nur den blutigen weg eines Angriffs im Westen gehen konnte, dann schien es doch wahrscheinlich, daß es – namentlich getrieben durch Frankreich – in Warschau zum Nachgeben raten werde. Ebenso mußte es Polen nunmehr klar sein, daß die britische Garantie praktisch unwirksam bleiben würde. Es mußte vielmehr damit rechnen, daß, wenn es zum Kriege gegen Deutschland kam, in seinem Rücken die Sowjets auftreten würden, um ihre alten Forderungen auf Ostpolen zu verwirklichen. Wie sollte in dieser Lage Warschau nicht doch noch nachgeben? […]“

Die zweite Erwägung:

„Bisher war militärisch die Angriffsabsicht gegen Polen mit allen Mitteln getarnt worden. Die Anwesenheit von Divisionen im Grenzgebiet war mit dem Bau eines Ostwalls begründet worden. Zur Verschleierung des wahren Zwecks der Truppenverschiebungen nach Ostpreußen hatte man eine riesige Tannenbergfeier vorbereitet. Vorarbeiten für große Manöver der motorisierten Verbände wurden bis zum letzten Moment fortgeführt. Der Aufmarsch erfolgte ohne offizielle Mobilmachung. So sicher es war, daß alle diese Maßnahmen den Polen nicht verborgen bleiben konnten, daß sie also durchaus dem Zweck des politischen Druckes dienten, so hatte man sie doch mit höchstem Geheimnis umgeben und alle Mittel der Täuschung angewandt. Jetzt, auf dem Höhepunkt der Krise, aber hatte Hitler sämtliche hohen Führer der Wehrmacht auf den Obersalzberg berufen, eine Tatsache, die unter gar keinen Umständen geheim bleiben konnte. Uns schien sie sozusagen der Gipfelpunkt einer bewußten Bluff-Politik zu sein. Also strebte Hitler trotz seiner kriegerischen Worte nicht doch noch einen Ausgleich an? Sollte nicht gerade diese Besprechung als letzter Druck auf Polen wirken?

Mit solchen Gedanken fuhren Generaloberst v. Rundstedt und ich jedenfalls von Berchtesgaden ab. Während ersterer in unser Hauptqartier Neiße vorausfuhr, blieb ich noch einen Tan bei meiner Familie in Liegnitz, ein Zeichen, wie wenig ich innerlich an einen unmittelbar bevorstehenden Krieg dachte.“

Sinnwidrig in den „Dokumenten“ ist ferner, daß Hitler geäußert haben soll (Dok. 798-PS): „Eine uns vorgeschlagene Kompromißlösung hätte von uns verlangt Gesinnungsänderung und gute Gesten“. – In Wirklichkeit hatte er doch seine gesamte Außenpolitik auf Kompromisse abgestellt, an den letzten Tagen des August 1939 auf die Kompromißbereitschaft der anderen gewartet und selbst zu diesem Zeitpunkt noch einen Kompromißvorschlag ausgearbeitet, wohingegen weder Großbritannien noch Frankreich noch Polen je einen Kompromißvorschlag in der deutsch-polnischen Frage unterbreitet, angeregt oder auch nur geduldet hätten. Die Länder hatten sich im Gegenteil von der Politik der Kompromißbereitschaft mit Hitler kurz nach der Münchener Konferenz auf Anregung von US-Präsident Roosevelt endgültig abgekehrt. Die angebliche Äußerung ist auch deshalb sinnwidrig, da Generalfeldmarschall Göring unmittelbar im Anschluß an diese Konferenz den schwedischen vermittler Birger Dahlems für seine Friedensfühler mit England erneut einschaltete und Hitler ohne Zögern zustimmte.

Alle deutschen Generale und Admirale, die über diese Besprechung aussagen konnten, lehnten eindeutig die Dok. 798-PS und Dok. 1014-PS ab und stimmten, wenn auch mit Vorbehalten, der Auffassung Dok. Raeder 27 (gez. Böhm) zu.

Es ist bezeichnend, daß die heutigen „Historiker“ die „Dokumentec“ ohne Unterschrift als „authentische Wiedergabe“ der Rede Hitlers vom 22. 8. 1939 publizieren, und zwar ohne Hinweis darauf, daß es noch eine dritte Fassung (gez. Böhm) gibt, „die der Wirklichkeit am nächsten kommt“, und ohne Hinweis auf die Widersprüche und Sinnwidrigkeiten des Inhalts und ohne Hinweis auf die Stellungnahme der Beteiligten.

Bereits vor Beginn des Krieges hat die alliierte Greuelpropaganda gegen Deutschland diese Besprechung auszuschlachten versucht. Oder sollte wirklich ein Journalist des alliierten Lagers aus eigener Initiative den Ton dieser Greuelpropaganda so gut getroffen und das Thema so zielgerecht ausgewählt haben? Wer schließlich hatte ein Interesse daran, die den auswärtigen Journalisten nicht verborgene Führerbesprechung auf dem Obersalzberg für Kriegshetze zu nutzen? Fest jedenfalls steht; daß der damals in Berlin weilende Korrespondent der „Associated Press of America“, Louis Lochner, am 25. 8. der britischen Botschaft in Berlin den angeblichen Inhalt dieser geheimen Führerbesprechung zureichte. Er erklärte, ein Stabs-Offizier der Wehrmacht, der die Niederschrift seinerseits von einem an der Unterredung beteiligten General erhalten habe – die Quellen sollten nicht preisgegeben werden -, habe ihm das Schriftstück übergeben. Dieses Schriftstück – sollte es etwa von einem deutschen Widerständler stammen? – fand als „Document Nr. 314“ in der Dokumentensammlung der British Foreign Policy, Vol. VII, Eingang – mit der Charakterisierung des britischen Botschaftssekretärs Ogilvie-Forbes:

„Es ist interessant und stimmt in verschiedenen Punkten mit Informationen anderer Quellen überein.“

Seither also ist dieses Schriftstück ein „Dokument“. Sein Inhalt ist grotesk: (gekürzt)

„SS-Totenkopf-Divisionen werden rücksichtslos zum Töten vieler polnischer Frauen und Kinder eingesetzt. Polen wird entvölkert und mit Deutschen besiedelt. Der Pakt mit Polen diente nur dazu, Zeit zu gewinnen. Das Schicksal Rußlands werde dem Polens Dann wird die deutsche Herrschaft über die ganze Erde hereinbrechen. Wir werden unsere Politik fortsetzen, im Fernen Osten und in Arabien Zwistigkeiten zu säen. Hoffentlich kommt mir kein Saukerl im letzten Moment mit Vorschlägen dazwischen. Er wird die Treppe hinunterfliegen, sogar dann, wenn ich ihn persönlich angesichts von Photographen in den Hintern treten sollte. Ich werde einige wenige Kompanien in polnischer Uniform in Oberschlesien oder im Protektorat angreifen lassen. Ob die Welt es glaubt, ist scheißegal. Die Welt glaubt nur an Erfolg. Für Sie, meine Herren, beginnen Ruhm und Ehre, wie es sie seit Jahrhunderten nicht gegeben hat. Seien Sie hart, ohne Mitleid, handeln Sie schneller und brutaler als die anderen. Die Bürger West-Europas müssen zittern vor Schrecken. Ich habe die armen Würmchen Daladier und Chamberlain in München kennengelernt […]“

„Die Rede wurde mit Begeisterung aufgenommen. Göring sprang auf einen Tisch, dankte blutdürstig und machte blutdürstige Versprechungen. Er tanzte wie ein wilder Mann. […]“

Dieser Bericht zwingt zu Folgerungen:

1. Das Märchen von der Gleiwitzer Senderaffäre war bereits fabriziert, bevor ein Zwischenfall stattgefunden hatte, um den man diese Legende vom „propagandistischen Kriegsanlaß, den Hitler zu schaffen versprochen habe“, ranken konnte.

2. Die alliierte Kriegspropaganda war bereits im Frieden angelaufen.

3. Die Herkunft der „Ich“-Form in dem später gefälschten Bericht über diese Unterredung ist mit großer Wahrscheinlichkeit diesem damaligen Greuelprodukt entnommen.

4. Die IMT-Anklagebehörde hat sich nicht mehr mit diesem Schriftstück befaßt, weil es sogar ihr offenbar zu albern schien. Das hinderte sie jedoch nicht, die abgemilderten Schriftstücke, die als „aus den erbeuteten deutschen Akten stammend“ ausgegeben wurden, als Beweis zu werten, obwohl die inhaltlichen Entlehnungen der späteren von der früheren Fälschung offensichtlich waren. Man hatte ja schließlich mehrere „Dokumente“ – und die vielen „Obereinstimmungen“ mußten ja den „wahren Kern“ der Rede Hitlers wiedergeben! Wer würde schon die Vermutung wagen, daß das „Hohe Gericht“ sich drei bzw. vier oder überhaupt gefälschter „Dokumente“ bediene? So viel Unverfrorenheit konnte es doch bei den Richtern der „zivilisierten und friedliebenden Nationen“ nicht geben!?

Die Ansprache Hitlers vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht am 23. 11. 1939

Auch dieses „Dokument“ kennzeichnet sich selbst durch die gleichen Mängel in Form und Inhalt wie die anderen „Schlüsseldokumente“ der IMT-Anklage: kein Datum, kein Kopf, keine Unterschrift, so daß auch hier für den Historiker die Voraussetzungen für eine Beweisunterlage entfallen und sich eine Stellungnahme zur Sache an sich erübrigt. Auch hier trieft es von den fadendeinigen Thesen der alliierten Kriegspropaganda:

„Sudetenland war von Anfang an nur eine strategische, und zwar Teil-lösung.“
„Eroberung der Rest-Tschechei nur Grundlage für die Eroberung Polens.“
„Aufbau der Wehrmacht nur auf Grund aggressiver Absichten.“
„Grundsätzlicher Entschluß, gegen Ost und West zu schlagen.“
„Verträge sind nur so lange zu halten, wie sie zweckmäßig sind.“
„Ich werde vor nichts zurückschrecken.“
„Ich will den Feind vernichten.“ usw.

Keine dieser Thesen ist historisch haltbar. Aus sämtlichen erbeuteten deutschen Dokumenten sind diese offensichtlich gefälschten Schriftstücke die einzigen, die derartige Aussagen enthalten. Alle echten Dokumente, die aufgefunden und sogleich der historischen Forschung entzogen, Jahre später jedoch in den ADAP veröffentlicht wurden, widerlegen diese Aussagen.

Selbst in einem Buch der Bundeszentrale für Heimatdienst wird zugestanden, daß „der uns erhaltene Text“ dieser Rede „Ungesichert“ ist und dennoch als „Dokument“ 798-PS im Band XXVI, S. 327-336 im amtlichen Text des „Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher“ veröffentlicht worden ist. Als einziger Kronzeuge wird hier der Generalstabschef des Heeres, Franz Halder, zitiert, der im übrigen nicht mit allen unterstellten Aussagen übereinstimmt und sich ansonsten nur auf sein Gedächtnis beruft. Halder war bekanntlich im Widerstand gegen Hitler tätig und einer der Initiatoren, die den Führer und Reichskanzler bereits im Jahre 1938 verhaften wollten.

„Von den vier Dokumenten, die wir geprüft haben, haben wir vom quellenkritischen Standpunkt aus drei ablehnen und gegen das vierte Bedenken anmelden müssen […].

Das Ergebnis ist vom geschichtlichen Standpunkt her erschütternd. Denn es zeigt sich an diesem Beispiel, daß sich von den geschichtlichen Feststellungen des Internationalen (-alliierten) Militärtribunals nichts ohne Nachprüfung übernehmen läßt […].

Bedauerlicherweise haben das nicht alle Geschichtsschreiber erkannt. Die Folge ist der Versuch, nach Nürnberger Methoden Geschichte zu schreiben. Er und seine Ergebnisse werden ebenso abgelehnt werden müssen wie das Geschichtsbild von Nürnberg.“

Advertisements

Schreiben Sie gerne einen Kommentar, welcher dieses Thema ergänzt

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: