Wo der Holocaust seinen Anfang nahm – „Die Bunker von Auschwitz“

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„Bunker 2.” Gezeichnet von David Olère im Jahre 1945

Fiktion

Rufen wir uns zunächst eine wohlbekannte Tatsache in Erinnerung: Die orthodoxe Geschichtsschreibung über Auschwitz beruht auf der Behauptung, Adolf Hitler habe Heinrich Himmler einen Befehl zur Ausrottung der europäischen Juden erteilt, und Himmler habe diesen Befehl dann an den Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß weitergeleitet. Mit dem Ausbau des Konzentrationslagers Auschwitz habe die Durchführung dieses Befehls später konkrete Gestalt angenommen.

Laut dieser – längst zum Dogma gewordenen – Geschichtsversion wurde der angebliche Vernichtungsbefehl in vier aufeinanderfolgenden Phasen in die Tat umgesetzt:

1. Im September 1941 fand in Auschwitz die erste experimentelle Menschenvergasung mit Zyklon-B statt. Hiermit war die Tatwaffe „entdeckt”.

2. Anfang 1942 begannen Menschenvergasungen in der Leichenhalle des Krematoriums (später „Krema I” genannt).

3. Einige Monate später wurden zwei außerhalb der Umzäunung des Lagers Birkenau gelegene Bauernhäuser (die sogenannten „Bunker”) in Gaskammern zur Tötung von Juden sowie von kranken Häftlingen umgebaut.

4. Die vierte und letzte Phase begann im März 1943, als die Massentötungen in die vier – durchweg mit Gaskammern ausgestatteten – Krematorien von Birkenau verlegt wurden.

Ausgangspunkt dieser behaupteten vier Vernichtungsphasen ist die „erste Vergasung”, die sich vom 3. bis zum 5. September 1941 im Keller des Blocks 11 von Auschwitz zugetragen haben soll. Folgen wir der von Danuta Czech fabrizierten Version, so wurden damals 250 kranke Häftlinge sowie 600 sowjetische Kriegsgefangene ermordet. Dieses Ereignis, oder vielmehr Nicht-Ereignis, spielt in der orthodoxen Geschichte von Auschwitz eine Schlüsselrolle, weil es angeblich den Anstoß zur Verwendung von Gaskammern zur Tötung von Menschen gab.

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Luftaufnahme von Birkenau, 23. August 1944

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Lagerbereich Kommandantur 1 und 2. Vergrößerter Auszug aus Plan Nr. 2503 vom 18. Juni 1943. (1): „Bunker 1” nach der sowjetischen Version; (2): „Bunker 2” nach der sowjetischen Version; (3): „Bunker 2” nach der heutigen Version; (4): „Bunker 1” nach der heutigen Version.

Zum Thema „Die erste Vergasung in Auschwitz” habe ich im Jahre 1992 eine detaillierte Studie veröffentlicht, die in überarbeiteter und erweiterter Form später auch in deutscher Sprache erschien und bis zum heutigen Tage die einzige ausführliche Arbeit ihrer Art ist. Darin weise ich nach, dass die Geschichte von der ersten Vergasung jeder historischen Grundlage entbehrt.

Mein Buch vermochte selbst Jean-Claude Pressac in seinen Überzeugungen zu erschüttern. In seinem ersten, anno 1989 erschienenen Opus hatte Pressac die Behauptungen des Kalendariums von Auschwitz noch für bare Münze genommen. In seinem zweiten, vier Jahre später publizierten Buch akzeptierte er die Realität der von Danuta Czech geschilderten ersten Vergasung zwar weiterhin, verlegte diese jedoch in den Dezember 1941. Infolge eines polemischen Hinweises in einer meiner Studien ging er später noch weiter und zog die Historizität der ersten Vergasung als solcher in Zweifel. In der überarbeiteten Fassung eines Interviews, das er der Französin Valérie Igounet bereits 1995 erteilt hatte, dessen definitive Fassung jedoch erst im Jahre 2000 erschien, hielt Pressac unter Bezugnahme auf mein Buch, das 1999 ins Französische übersetzt worden war, fest:

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Jean-Claude Pressac

Sofern diese erste Vergasung überhaupt stattgefunden hat, dann im Dezember 1941, oder vielleicht im Januar 1942, und sie steht in keinem Zusammenhang mit dem Massaker an den Juden.”

Wie diese nur durch widersprüchliche Zeugenaussagen „bewiesene” erste Vergasung beruht auch die Geschichte von den Massenmorden in den „Bunkern” von Birkenau ausschließlich auf den Behauptungen selbsternannter Augenzeugen.

Wie ich in einem meiner früheren Bücher unterstrichen habe, ermöglichen uns die in einem Moskauer Archiv aufbewahrten Unterlagen der Zentralbauleitung von Auschwitz, die Entstehung der in der ersten Jahreshälfte 1942 in Auschwitz errichteten Gebäude lückenlos zu verfolgen. Allerdings haben sich weder Pressac noch Robert Jan van Pelt, der neue orthodoxe „Auschwitz-Spezialist”, die Mühe gemacht, in der russischen Hauptstadt nach dokumentarischen Belegen für die „Vergasungsbunker” von Auschwitz zu suchen.

Solche Belege hat bisher überhaupt noch niemand erbracht, obwohl der gesunde Menschenverstand dafür spricht, dass diese Anlagen, falls sie tatsächlich existiert haben, in der umfangreichen Dokumentation Spuren hinterlassen haben müssen.

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Die Ruine des angeblichen „Bunker 2” vom Nordwesten her gesehen. Juli 1992

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„Lagekarte der Kammern und Scheiterhaufen zur Kremierung von Leichen.” Gezeichnet von Ingenieur Eugeniusz Nosal am 3. März 1945

Die vorliegende Studie, die sich hauptsächlich auf bisher unveröffentlichte Dokumente stützt, füllt diese schmerzliche Lücke in der Geschichtsschreibung und erlaubt uns eine verbindliche Antwort auf die Frage, ob die „Vergasungsbunker” von Birkenau eine historische Realität sind.

Seit dem Jahre 2002 hat diese Frage an Brisanz gewonnen. Damals publizierte Fritjof Meyer einen Artikel mit dem Titel: „Die Zahl der Opfer von Auschwitz. Neue Erkenntnisse durch neue Archivfunde”.

Fritjof Meyer

Meyer, ehemaliger leitender Redakteur des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, verfocht die These, die (angeblichen) Massenvergasungen in Birkenau hätten sich fast ausschließlich in den „Bunkern” und nicht in den (angeblichen) Gaskammern der Krematorien zugetragen. Sein Artikel gab den Anstoß zu heftigen Streitigkeiten, die im November 2003 an Schärfe zunahmen: Damals meldete sich Franciszek Piper, Direktor der historischen Abteilung der Gedenkstätte Auschwitz, zu Wort und ritt eine wütende Attacke gegen Meyer.

Laut dem Auschwitz-Museum nannten die Häftlinge diese beiden angeblichen Vergasungsgebäude „das kleine rote Haus” (polnisch: czerwony domek) und „das kleine weiße Haus” (polnisch: bialy domek). Wie ich im zweiten Teil der vorliegenden Studie aufzeigen werde, wurden diese Namen erst nach der Befreiung von Auschwitz erfunden. Ich verwende sie nicht und halte an der gängigen Bezeichnung „Bunker” fest.

Wirklichkeit

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Rudolf Höß

Die herkömmliche Darstellung der Anfänge der angeblichen Judenvernichtung in Auschwitz beruht im Wesentlichen auf den Aussagen von Rudolf Höß, der den ihm angeblich in Berlin von Himmler erteilten Befehl sowie die folgenden Entscheidungen und Ereignisse in seinen Aufzeichnungen beschrieben hat.

Allerdings enthalten seine Darlegungen eine Vielzahl dermaßen schreiender chronologischer Widersprüche, dass die orthodoxen Holocaust-Historiker, welche diese Ausführungen als verlässliche geschichtliche Quelle einstufen, zu allerlei Erklärungen greifen müssen, die nicht nur an den Haaren herbeigezogen sind, sondern sich auch gegenseitig widersprechen.

Bei ihren Bemühungen, eine kohärente Chronologie zu erstellen, sehen sich diese Historiker gezwungen, die Aussagen des ersten Kommandanten von Auschwitz so grob zu verzerren, dass vom Standpunkt einer seriösen Geschichtsschreibung aus betrachtet die einzig mögliche logische Erklärung darin besteht, die von Höß geschilderte Chronologie mitsamt den von ihm beschriebenen Ereignissen als reine Fiktion abzutun.


Lesen Sie das ganze Buch:

„Die Bunker von Auschwitz“

Die Bunker von Auschwitz

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