Tod aus der Luft – Die Bombardierung von Stein am 22. Februar 1945

Ein „Versehen“: Bomben auf die Schweiz

Untertor und umgliegende Häuser sind ein Bild der Zerstörung.

Am 22. Februar 1945 wurde Stein am Rhein irrtümlicherweise bombardiert. Vier Frauen und fünf Kinder wurden dabei getötet und 15 Personen schwer verletzt.

An diesem Donnerstag herrschte in Stein am Rhein schönes Winterwetter, kein Nebel trübte den Tag. Wie an so manchem Kriegstag eilten die Kinder zur Schule und begaben sich einige Bauern auf die Felder, ein paar ältere Frauen in die Reben und die Arbeiter in die Schuhfabrik Henke oder Metallwarenfabrik Herfeld. Die wehrfähigen Männer waren im Dienst. Trotz einschneidender Restriktionen spielte sich das Leben an diesem Tag des siebten Kriegsjahres so schlecht und recht ab.

An die Bomberangriffe in der deutschen Nachbarschaft hatte man sich gewöhnt wie an die zahlreichen Fliegeralarme, die stets ohne Folgen blieben. Wiederholt überflogen Bomber Stein am Rhein. Nicht weniger als 150 Mal waren bis dahin die Sirenen im Städtchen schon ertönt. Nie war etwas geschehen, und die Steiner Bevölkerung wähnte sich in Sicherheit. Zudem glaubte man sich durch die auf Hausdächern und Flossen im Rhein gross gemalten Schweizerkreuze geschützt. Für alle hatte es ohnehin nicht genügend Plätze in den meist behelfsmässigen Schutzräumen gehabt.

Luftschutz

Eine sehr wichtige Rolle bei der Erstversorgung nach der Katastrophe spielte der lokale Luftschutz, die Vorgängerorganisation des Zivilschutzes, der in seiner heutigen Form seit 1951 besteht und nicht militärisch organisiert war. Er setzte sich aus Dienstuntauglichen und Freiwilligen – darunter auch Frauen – zusammen, die aufgrund ihrer Uniform ab 1937 die „Blauen“ genannt wurden. Ihre Aufgaben bestanden in Bau und Organisation von Schutzräumen, der Fliegerbeobachtung und Alarmierung sowie der Ersthilfe im Katastrophenfall.

Nach der Bombardierung musste die Steiner Luftschutzangehhörigen die Toten bergen, die Verletzten erstversorgen und gegebenenfalls ihren Transport ins nächste Spital vornehmen die beschädigten Gebäude sichern und die Obdachlosen unterbringen, was angesichts der damals herrschenden Wohnungsnot eine grosse Herausforderung darstellte.

Der Kommandoposten befand sich unter dem Hof des Bürgerasyls und stand seit 1941 zur Verfügung. Von hier aus wurden alle Massnahmen geleitet.

Die Zeit bleibt stehen

steinamrhein

Stein am Rhein

Am Morgen des 22. Februar hatte das Sirenengeheul schon zweimal die Luft zerrissen, indes ohne Konsequenzen. Ein drittes Mal ertönte der Alarm um 12 Uhr 18. Wenige Minuten später erschien ein amerikanischer Bomber des Typs B (B stand schon damals für Bomber) 17, „fliegende Festung“ genannt wegen seiner zahlreichen Geschütztürmen, über dem Klingenberg. Das Flugzeug steuerte in grosser Höhe, etwa 5’000 m, Richtung Städtchen, über dem es sich seiner zwölf 250 kg schweren Bomben entlud. Man muss fast von Glück im Unglück sprechen, dass es Spreng- und nicht Brandbomben waren. Um 12 Uhr 35 fiel die tödliche Last auf Stein, Zeit zu der die Uhr des Untertors, das einen Volltreffer erhielt, stehenblieb.

Innert kürzester Zeit hatte sich der freundliche Wintertag in einen der schwärzesten Tag der Geschichte von Stein am Rhein gewandelt. Nicht einmal die Stadtbrände von 1668, 1806 und 1863 hatten soviele Todesopfer gefordert. Zu den neun Toten beklagte man 33 Verletzte, 54 Obdachlose sowie die Zerstörung von 6 Wohnhäusern und 232 Gebäudeschäden.

Quelle

US-Bomben auf Schweizer Städte

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Zerstörung in Schaffhausen

Es wird heute meist verschwiegen, daß im Zweiten Weltkrieg mehrmals westalliierte Bomber auch Schweizer Städte angriffen und mit ihrem Bombensegen beglückten, daß sie damit die Neutralität der Schweiz verletzten. Die in Tel Aviv erscheinende deutschsprachige jüdische Tageszeitung Israel Nachrichten berichtete im Frühjahr 1995 in einem ganzseitigen Artikel unter der Schlagzeile „Bomben auf Zürich und Basel“ darüber. Aber auch in anderen Städten der Schweiz kamen friedliche Bürger durch den alliierten Bombenterror 1944/45 um.

Die genannte israelische Zeitung schreibt dazu unter anderem:

„Die neutrale Eidgenossenschaft blieb von Bombenangriffen der Alliierten nicht verschont, was heute selbst manchem Schweizer nicht mehr bekannt ist. . . So starben zum Beispiel am 1. April 1944 in Schaffhausen 40 Menschen. 19 Schweizer kamen um, als Stein am Rhein, Ratz und Vals am 22. Februar 1945 bombardiert wurden. Bomben trafen sogar die beiden größten Städte der Schweiz: Zürich und Basel: Am 4. März 1945 starben fünf Menschen in Zürich; in Basel wurden beim Bombardement auf den Bahnhof sieben Menschen verletzt.“

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Basel

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Zürich

Entschuldigend wird dann angeführt, es habe sich wohl um Irrflüge alliierter Bomber und um versehentliche Abwürfe auf Schweizer Gebiet gehandelt, das eigentliche Ziel dieser Angriffe seien Städte in Deutschland gewesen,

„auch wenn manchmal gemutmaßt wurde, enge Beziehungen von Banken und Rüstungsindustrie der Schweiz zu Nazi-Deutschland hätten Anlaß zu einer Strafaktion gegeben“.

Als am 4. März 1945 amerikanische Bomben auf Basel abgeworfen worden seien, sei ein amerikanisches Militärgerichtsverfahren gegen den betreffenden Staffelkapitän Leutnant William Sincock und seinen Navigator Theodore Balides eingeleitet worden.

„Sie wurden jedoch von einem Militärgericht freigesprochen, dessen Präsident der spätere Hollywood-Star James Stewart war.“


Quelle

*

Siehe auch:

Bomben auf die Schweiz

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