Adolf Hitler antwortet Roosevelt in der Reichstagsrede vom 28. April. 1939

Abgeordnete, Männer des Reichstages!

Der Präsident der nordamerikanischen Union hat an mich ein Telegramm gerichtet, dessen eigenartiger Inhalt Ihnen bekannt ist. Da, ehe ich als Empfänger dieses Dokument zu sehen bekam, die andere Welt durch Rundfunk und Presse davon bereits Kenntnis erhalten hatte, und wir außerdem aus zahllosen Kommentaren demokratischer Weltorgane die freundliche Aufklärung erhalten hatten, daß es sich bei diesem Telegramm um ein geschicktes taktisches Papier handele, das bestimmt sei, den volksregierten Staaten die Verantwortung für die kriegerischen Maßnahmen der Plutokratien aufzubürden, habe ich mich entschlossen, den Deutschen Reichstag einberufen zu lassen, um damit Ihnen, meine Abgeordneten des Reichstages, die Möglichkeit zu geben, meine Antwort als die gewählten Vertrete der deutschen Nation zu allererst kennnenzulernen und sie entweder zu bestätigen oder abzulehnen.

Darüber hinaus aber hielt ich es für zweckmäßig, dem von Herrn Präsidenten Roosevelt eingeschlagenen Verfahren treu zu bleiben und von meiner Seite aus und mit unseren Mitteln der übrigen Welt Kenntnis von meiner Antwort zu geben.

Ich will diese Gelegenheit aber auch wahrnehmen, um jenen Empfindungen Ausdruck zu verleihen, die mich angesichts der gewaltigen geschichtlichen Geschehnisse des Monats März dieses Jahres bewegen.

Meine tiefsten Gefühle kann ich nur in der Form eines demütigen Dankes der Vorsehung gegenüber abstatten, die mich berufen hat, und die es mir gelingen ließ, als einstiger unbekannter Soldat des Krieges zum Führer meines heißgeliebten Volkes emporzusteigen. Sie hat mich die Wege finden lassen, um ohne Blutvergießen unser Volk aus seinem tiefsten Elend freizumachen und es wieder nach aufwärts zu führen. Sie hat es gestattet, die einzige Aufgabe meines Lebens zu erfüllen: Mein deutsches Volk aus seiner Niederlage zu erheben und es aus den Fesseln des schandvollsten Diktats aller Zeiten zu lösen.

Denn dies war das alleinige Ziel meines Handelns. Ich habe seit dem Tag, da ich mich dem politischen Leben zuwandte, keinen anderen Gedanken gelebt als den der Wiedererringung der Freiheit der deutschen Nation, der Aufrichtung der Kraft und Stärke unseres Reiches, der Überwindung der Zersplitterung unseres Volkes im Innern, der Beseitigung der Trennung nach außen und seiner Sicherung in bezug auf die Erhaltung seines wirtschaftlichen und politisch unabhängigen Lebens.

Ich habe nur wiederherstellen wollen, was andere einst mit Gewalt zerbrochen hatten, wollte nur wiedergutmachen, was satanische Bosheit oder menschliche Unvernunft zerstörten oder verdarben. Ich habe daher auch keinen Schritt vollzogen, der fremde Rechte verletzte, sondern nur das vor 20 Jahren verletzte recht wiederhergestellt. Im Rahmen des heutigen Großdeutschen Reiches befindet sich kein Gebiet, das nicht seit ältesten Zeiten zu ihm gehört hat, mit ihm verbunden war oder seiner Souveränität unterstand. Längst, ehe ein amerikanisches Kontinent von Weißen entdeckt oder gar besiedelt wurde, hat dieses Reich bestanden nicht nur in seine heutigen Größe, sondern um viele seitdem verlorene Gebiete und Provinzen darüber hinaus.

Als vor 21 Jahren der blutige Krieg sein Ende fand, brannte in Millionen von Gehirnen die heiße Hoffnung, daß ein Friede der Vernunft und der Gerechtigkeit die von der furchtbaren Geißel des Weltkrieges heimgesuchten Völker belohnen und beglücken würde. Ich sage „belohnen“; denn alle diese Menschen hatten ihrerseits, ganz gleich wie auch die Feststellung der Historiker lauten mögen, keine Schuld an diesem furchtbaren Geschehen. Und wenn es auch in einigen Ländern heute noch Politiker gibt, die schon damals als verantwortlich genannt werden konnten für dieses grausamste Gemetzel aller Zeiten, dann war die große Masse der kämpfenden Soldaten aller Länder und Völker höchstens zu bemitleiden, auf keinen Fall aber schuldig. Ich selbst – wie Sie wissen – war ein vor dem Kriege politisch nie hervorgetretener Mann, der deshalb nur wie Millionen andere als anständiger Bürger und Soldat die ihm zukommende Pflicht erfüllte. Ich konnte daher im und nach dem Kriege mit reinstem Gewissen für die Freiheit und die Zukunft meines Volkes eintreten. Ich kann daher aber auch im Namen der Millionen und Millionen ebenso Unschuldigen sprechen, wenn ich erkläre, daß sie alle, die nur in treuester Pflichterfüllung für ihre Völker gekämpft hatten, ein Anrecht besaßen auf einen Frieden der Vernunft und der Gerechtigkeit, so daß die Menschheit in gemeinsamer Arbeit endlich wieder an die Heilung der gemeinsamen Schäden herantreten konnte.

Um diesen Frieden aber wurden diese Millionen betrogen, denn nicht nur die Deutschen oder die anderen auf unserer Seite kämpfenden Völker sind durch die Friedensverträge geschlagen worden, nein, ihre Wirkung war eine vernichtende auch für die Sieger!

Damals zeigte sich zum erstenmal das Unglück, daß Männer die Politik bestimmten, die im Kriege nicht gekämpft hatten; denn die Soldaten kannten keinen Haß, wohl aber jene alten Politiker, die ihr eigenes kostbares Leben sorgfältigst vor der Schrecknis des Krieges verschont hatten, aber nunmehr als wahnsinnig gewordene Rachegeister über die Menschheit herfielen. Haß, Bosheit und Unvernunft waren die intellektuellen Väter des Versailler Diktates.

Tausendjährige Lebensräume und Staaten wurden willkürlich zerschlagen und aufgelöst, seit ewigen Zeiten zueinander gehörige Menschen voneinander gerissen, wirtschaftliche Lebensvoraussetzungen mißachtet, die Völker aber als Sieger und Besiegte in allein berechtigte Herren und rechtlose Knechte eingeteilt. Dieses

Dokument von Versailles

ist zum Glück eine späteren Menschheit schwarz auf weiß niedergelegt. Denn ohne dem würde man es später einst nur als sagenhafte Ausgeburt einer wüsten, verdorbenen Phantasie halten.

Nahezu 115 Millionen Menschen wurden nicht von den siegreichen Soldaten, sondern von wahnsinnigen Politikern in ihrem Selbstbestimmungsrecht vergewaltigt, willkürlich aus alten Gemeinschaften gelöst und zu neuen Gemeinschaften zusammengeschlossen ohne Rücksicht auf Blut, auf ihr Herkommen, auf die Vernunft und auf alle wirtschaftlichen Lebensbedingungen.

Die Folgen waren entsetzlich.

Denn was die Staatsmänner damals auch zu zerstören vermochten, eine Tatsache konnten sie nicht beseitigen:

diese gigantische, in Mitteleuropa lebende Menschenmasse, die, auf beengtem Raum zusammengedrängt, überhaupt nur in höchster Intensität der Arbeit und damit der Ordnung sich das tägliche Brot sicherstellen kann.

Was haben aber diese Staatsmänner der sogenannten demokratischen Imperien von diesen Problemen gewußt? Eine Schar dümmster Ignoranten, die auf die Menschheit losgelassen wurde, die in Lebensräumen, in denen fast 140 Menschen auf dem Quadratkilometer ihr Auskommen finden müssen, eine sich in fast 2000 Jahren geschichtlicher Entwicklung gebildete Ordnung einfach zerrissen und in eine Unordnung verwandelten, ohne dabei aber die Probleme selbst lösen zu können oder auch nur lösen zu wollen, die dem Zusammenleben diese Menschen nun einmal gestellt sind und für die sie damals als Diktatoren der neuen Weltordnung die Verantwortung übernommen hatten.

Allerdings, als diese neue Weltordnung sich in ihren Folgen später als eine katastrophale herausstellte, da waren die demokratischen Friedensdiktatoren amerikanischer und europäischer Herkunft so feige, daß keiner die Verantwortung für das Geschehene zu übernehmen wagte.

Einer schob die Schuld auf den anderen und versuchte, sich damit selbst vor dem Urteil der Geschichte zu retten. Die von ihrem Haß und ihrer Unvernunft aber mißhandelten Menschen waren leider nicht in der Lage, sich dieser Rettung ihrer Verderber anschließen zu können.

Die Stationen des Leides unseres eigenen Volkes aufzuzählen, ist unmöglich. Um seinen ganzen kolonialen Besitz beraubt, an allen Barmitteln ausgeplündert und damit verarmt, mit sogenannten Reparationen erpreßt, stürzte unser Volk in die düsterste Zeit seines nationalen Unglücks.

Und wohlgemerkt,

das war nicht das nationalsozialistische Deutschland, sondern das demokratische Deutschland, das einen Augenblick schwach genug gewesen war, den Versprechungen demokratischer Staatsmänner zu trauen!

Das daraus entstehende Elend, die andauernde Not begann unser Volk politisch der Verzweiflung auszuliefern. Die anständigsten und fleißigsten Menschen Mitteleuropas glaubten in der restlosen Zerstörung der scheinbar zum Fluch gewordenen Ordnung die Möglichkeit eine Erlösung zu sehen. Jüdische Parasiten plünderten die Nation auf der einen Seite unbarmherzig aus und verhetzten auf der anderen die verelendeten Massen. Indem für diese Rasse das Unglück unseres Volkes zum Selbstzweck wurde, gelang es dann, in dem entstehenden Heer der Erwerbslosen für die bolschewistische Revolution die geeigneten Elemente zu züchten. Der Verfall der politischen Ordnung, die Verwirrung der öffentlichen Meinung durch eine unverantwortliche jüdische Presse führte zu immer stärkeren Erschütterungen des wirtschaftlichen Lebens und damit zur steigenden Not und zu einer erhöhten Empfangsbereitschaft bolschewistischer Umsturzgedanken.

Die Armee der jüdischen Weltrevolution, wie man das Arbeitslosenheer bezeichnete, stieg endlich auf fast sieben Millionen.

Deutschland hatte diese Zustände früher nie gekannt. Im Lebensraum des großen Volkes und des zu ihm gehörenden alten habsburgischen Staates war bei aller Schwere des Lebenskampfes, bedingt durch die Überbesiedlung des Bodens, die Sicherheit des wirtschaftlichen Lebens im Laufe der Zeiten nicht gering, sondern im Gegenteil immer größer geworden. Fleiß und Arbeitsamkeit, ein ausgeprägter Sparsinn sowie die Liebe zu einer gewissenhaften Ordnung haben den Menschen in diesem Lebensraum wohl keine übergroßen Reichtümer zu schenken vermocht, sie aber dafür auch vor bitterster Verelendung bewahrt.

Um so entsetzliche empfanden aber alle diese nunmehr in Versailles Verdammten die Folgen des ihnen von den demokratischen Diktatoren aufgezwungenen Elendsfriedens. Wir kennen heute die Gründe für diesen furchtbaren Ausklang des Weltkrieges. Erstens war es die Gier nach Beute. Was im einzelnen menschlichen Leben schon selten von Nutzen ist, glaubte man, ins Millionenfache vergrößert, der Menschheit als nützliches Experiment vorexerzieren zu können. Man plündere große Völker aus, erpresse ihnen ab, was erpreßt werden kann, und man wird dann ein eigenes Leben in sorglosem Nichtstun feiern können. Das war die Meinung dieser wirtschaftlichen Dilettanten. Zu diesem Zweck mußte aber auch

1. die Staaten selbst zerrissen werden. Man mußte Deutschland seinen kolonialen Besitz rauben, obwohl dieser für die Weltdemokratien gänzlich wertlos war, man mußte in die wichtigsten Rohstoffgebiete einbrechen und sie – wenn nötig – dem eigenen Einfluß unterstellen, und vor allem

2. man mußte verhindern, daß sich die unglücklichen Opfer dieser demokatischen Völker- und Menschenmißhandlung jemals würden wieder erholen oder gar erheben können.

So hat man den teuflischen Plan entwickelt, Generationen mit dem Fluch dieser Diktate zu beladen. 60, 70 oder 100 Jahre lang sollte Deutschland Beträge zahlen, deren praktische Aufbringung vollkommen schleierhaft bleiben mußte. Die Realisierung solcher gigantischer Beträge war weder gold- oder devisenmäßig noch auf dem Wege laufender Produktionsabgaben denkbar, ohne daß nicht auch die verblendeten Tributnehmer daran zugrunde gehen mußten.

Tatsächlich haben diese demokatischen Friedensdiktatoren mit ihrem Versailler Wahnsinn die Weltwirtschaft gründlich zerstört. Ihre geistlose Zerreißung von Völkern und Staaten führte zur Vernichtung der im Laufe langer Jahrhunderte eingespielten wirtschaftlichen Produktions- und Handelsgemeinschaften, dadurch zum Zwang autarker Selbständigkeitsbestrebungen und damit wieder zur Vernichtung bisheriger allgemeiner Weltwirtschaftsbedingungen.

Als ich mich vor zwanzig Jahren als 7. Mitglied der damaligen Deutschen Arbeiterpartei zu München in das Buch des politischen Lebens eintrug, sah ich um mich die Erscheinungen dieses Verfalls überall wirksam werden. Das Schlimmste war -wie schon betont – die daraus resultierende vollständige Verzweiflung der Masse, das Verschwinden jedes Vertrauens in die menschliche Vernunft oder gar Gerechtigkeit bei den Gebildeten, ebenso aber auch das brutale Hervortreten der Selbstsucht aller egoistisch veranlagten Kreaturen.

Inwieweit es mir nun möglich wurde, im Laufe von nunmehr zwanzig Jahren aus diesem chaotischen Zerfall wieder eine Nation zu formen und eine neue Ordnung herzustellen, gehört schon jetzt der deutschen Geschichte an.

Was ich heute vor Ihnen als Einleitung aber klarstellen will, ist vor allem die Zielsetzung meiner politischen Absichten nach außen und ihre Verwirklichung.

Zu den schandbarsten Vergewaltigungen des Versailler Diktats gehört für alle Zeiten die Zerreißung der deutschen Nation sowie die politische Auflösung des Lebensraumes, in den sie nun einmal seit Jahrtausenden gestellt ist.

Ich habe, meine Abgeordneten, Männer des Reichstages, nie einen Zweifel darüber gelassen, daß es an sich in Europa kaum möglich ist, jemals eine allseitig befriedigende Übereinstimmung staatlicher und volklicher Grenzen zu finden. Die im Laufe der letzten Jahrhunderte allmählich zum Stillstand gekommene volkliche Wanderung einerseits und die Bildung großer Gemeinwesen andererseits schufen auf diesem Gebiete einen Zustand, der nach der einen oder anderen Seite hin von dem Betroffenen fast stets als unbefriedigend empfunden werden wird. Allein die Art des allmählichen Ausklingens dieser volklichen und staatlichen Formungen ließ im vergangenen Jahrhundert für viele die Hoffnung als gerechtfertigt erscheinen, daß am Ende zwischen der Respektierung des nationalen Eigenlebens der europäischen Völker und der Anerkennung gewordener staatliche Gebilde ein Kompromiß gefunden werden würde, der ohne Zerstörung der staatlichen Ordnung in Europa und damit der nun einmal in ihr gegebenen wirtschaftlichen Grundlagen trotzdem die Erhaltung der Volkskörper ermöglichen würde.

Diese Hoffnungen hat der Weltkrieg beseitigt. Durch das Versailler Friedensdiktat ist weder dem einen noch dem anderen Prinzip Genüge getan worden. Es wurde weder das Selbstbestimmungsrecht der Völker beachtet, noch wurden die staatlichen oder gar wirtschaftlichen Notwendigkeiten oder Bedingungen der europäischen Entwicklung in Rechnung gestellt. Trotzdem aber habe ich nie darüber einen Zweifel gelassen – wie schon betont – auch eine Revision des Versailler Vertrages irgendwo ihre Grenzen finden würde. Und ich habe dies in freimütiger Weise auch immer offen ausgesprochen; und zwar nicht aus taktischen Gründen, sondern aus tiefinnerster Überzeugung.

Ich habe als nationaler Führer des deutschen Volkes keinen Zweifel darüber gelassen, daß überall dort, wo die höheren Interessen des europäischen Zusammenlebens es erfordern, nationale Interessen im einzelnen – wenn notwendig – auch zurückgestellt werden müssen. Und zwar – wie schon betont – nicht aus taktischen Erwägungen, denn ich habe keinen Zweifel darüber gelassen, daß es mir mit dieser Auffassung heiliger Ernst ist. Ich habe aus diesem Grunde für eine ganze Anzahl von vielleicht strittigen Gebieten endgültige Entscheidungen getroffen und sie nicht nur nach außen, sondern auch nach innen bekanntgegeben und ihre Respektierung durchgesetzt.

Ich habe nicht, wie Frankreich im Jahre 1870/71 es tat, die Abtretung Elsaß-Lothringens als für die Zukunft untragbar bezeichnet, sondern ich habe hier einen Unterschied gemacht zwischen dem Saargebiet und den beiden einstigen Reichsländern. Und in dieser meiner Einstellung ist weder eine Revision erfolgt, noch wird eine Revision erfolgen. Und ich habe diese Einstellung im Innern weder publizistisch noch sonst irgendwie ein einziges Mal durchbrechen oder in Frage stellen lassen.

Die Rückkehr des Saargebietes hatte sämtliche territorialen Probleme zwischen Frankreich und Deutschland in Europa aus der Welt geschafft.

Ich habe es allerdings immer als bedauerlich empfunden, daß die französischen Staatsmänner diese Haltung als etwas Selbstverständliches betrachteten. So liegen die Dinge nun nicht. Ich habe diese Einstellung nicht etwa gepredigt aus Angst vor Frankreich. Ich sehe als einstiger Soldat keinerlei Veranlassung für eine solche Angst. Außerdem habe ich ja in bezug auf das Saargebiet keinen Zweifel gelassen, daß die Nichtrückgabe dieses Gebietes an Deutschland von uns nicht hingenommen werden würde. Nein, ich habe diese Einstellung Frankreich gegenüber betätigt als den Ausdruck eine Einsicht in die Notwendigkeit, in Europa irgendwie zum Frieden zu kommen und nicht durch die Offenhaltung unbegrenzter Forderungen und ewiger Revisionen den Keim für eine fortdauernde Unsicherheit oder gar Spannung zu legen.

Wenn diese Spannung nun trotzdem entstanden ist, dann ist dafür nicht Deutschland verantwortlich, sondern es sind jene internationalen Elemente, die die Spannung planmäßig herbeiführen, um ihren kapitalistischen Interessen dienen zu können.

Denn ich habe einer ganzen Reihe von Staaten bindende Erklärungen abgegeben. Keiner dieser Staaten kann sich beklagen, daß auch nur einmal die Andeutung einer Forderung Deutschlands an ihn gerichtet worden wäre, die zu dem in Gegensatz stände. Keine der nordischen Staatsmänner z.B. kann es behaupten, daß ihm von seiten der deutschen Reichsregierung oder von seiten der deutschen öffentlichen Meinung jemals ein Ansinnen gestellt wäre, das mit der Souveränität oder Integrität dieser Staaten nicht vereinbar gewesen wäre.

Ich war glücklich darüber, daß eine Anzahl europäischer Staaten diese Erklärungen der deutschen Reichsregierung zum Anlaß nahmen, um auch ihrerseits den Willen zu einer unbedingten Neutralität auszusprechen und zu vertiefen. Dies gilt für Holland, Belgien, die Schweiz, Dänemark usw. Ich habe Frankreich schon erwähnt. Ich brauche nicht zu erwähnen Italien, mit dem uns die tiefste und engste Freundschaft verbindet, oder Ungarn und Jugoslawien, mit denen wir als Nachbarn das Glück haben, herzlich befreundet zu sein. Ich habe umgekehrt vom ersten Augenblick meiner politischen Tätigkeit an keinen Zweifel darüber gelassen, daß es andere Zustände gab, die eine so gemeine und grobe Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes unseres Volkes darstellen, daß wir sie nie akzeptieren und annehmen würden können.

Es existiert von mir nicht eine Zeile und es gibt keine Rede, in denen ich gegenüber den vorher erwähnten Staaten eine andere Haltung angenommen hätte als die angegebene.

Es gibt aber ebensowenig keine Zeile und keine Rede, in der ich in den anderen Fällen etwas anderes ausgedrückt habe, als was ich durch mein praktisches Handeln erhärtete.

1. Österreich

Erstens: Österreich! Die älteste Ostmark des deutschen Volkes war einst die Schutzmark der deutschen Nation nach dem Südosten des Reiches. Die Deutschen in diesem Lande rekrutierten sich aus Siedlern aus allen deutschen Stämmen, wenn auch der bajuwarische Stamm den Hauptanteil gestellt haben mag. Später wurde diese Ostmark die Hausmacht eines tausendjährigen deutschen Kaisertums und Wien damit die Hauptstadt des damaligen Deutschen Reiches. Dieses Deutsche Reich ist im Zuge einer allmählichen Auflösung durch den korsischen Napoleon endgültig zerschlagen worden, lebte aber dann als Deutscher Bund weiter und hat, wenn auch nicht mehr in staatlicher, so doch in volklicher ersehnter Einheit den größten Krieg aller Zeiten neuerdings gemeinsam gekämpft und gemeinsam erduldet. Ich selbst bin ein Kind dieser Ostmark.

Durch die Versailler Verbrecher wurde nicht nur das Deutsche Reich zerschlagen, Österreich aufgelöst, sondern auch den Deutschen verboten, sich zu einer Gemeinschaft zu bekennen, der sie über tausend Jahre lang angehört hatten. Diesen Zustand zu beseitigen, habe ich stets als meine höchste und heiligste Lebensaufgabe angesehen. Diesen Willen zu proklamieren, habe ich nie unterlassen. Und ich war zu jeder Stunde entschlossen, diese mich Tag und Nacht verfolgenden Gedanken zu verwirklichen.

Ich hätte mich an meiner Berufung durch die Vorsehung versündigt, wenn ich in dem Bestreben, meine Heimat und mein deutsches Volk der Ostmark an das Reich und damit zur deutschen Volksgemeinschaft zurückzuführen, zum Verräter geworden wäre.

Ich habe damit aber auch die schandbarste Seite des Versailler Vertrages ausgelöscht. Ich habe für siebeneinhalb Millionen Deutsche das Selbstbestimmungsrecht wiederhergestellt. Ich habe die demokratische Vergewaltigung dieser siebeneinhalb Millionen beseitigt. Ich habe das Verbot, über ihr Schicksal abzustimmen, aufgehoben und vor der Geschichte diese Abstimmung durchgeführt. Sie hat ein Resultat ergeben, das nicht nur ich erwartet habe, sondern das auch die Versailler demokratischen Völkervergewaltiger genau vorausgesehen hatten. Denn warum hätten sie sonst die Abstimmung über den Anschluß verboten?

2. Böhmen und Mähen

Als im Zuge der Völkerwanderung deutsche Stämme aus dem heutigen böhmisch-mährischen Raum aus uns unerklärlichen Ursachen weiterzuwandern begannen, schob sich in diesen Raum und zwischen die noch zurückbleibenden Deutschen ein fremdes, slawisches Volk. Sein Lebensraum wird seitdem vom deutschen Volkstum hufeisenförmig umschlossen. Wirtschaftlich ist auf die Dauer eine selbständige Existenz dieser Länder außer im Zusammenhang mit dem deutschen Volk und seiner Wirtschaft nicht denkbar.

Darüber hinaus lebten aber in diesem böhmisch-mährischen

Raum fast vier Millionen Deutsche.

Eine besonders seit dem Versailler Diktat unter dem Druck der tschechischen Mehrheit einsetzende völkische Vernichtungspolitik, zum Teil aber auch wirtschaftliche Bedingungen und die steigende Not führten zu einer Auswanderung dieses deutschen Elements, so daß die zurückbleibenden Deutschen auf rund 3,7 Millionen absackten. Das Gebiet ist am Rande geschlossen deutsch besiedelt, besitzt aber auch im Innern große deutsche Sprachinseln. Das tschechische Volk ist seiner Herkunft nach ein uns fremdes. Allein in tausendjähriger Gemeinschaft ist seine Kultur im wesentlichen durch den deutschen Einfluß geformt und gebildet worden. Seine Wirtschaft ist das Ergebnis der Zugehörigkeit zur großen deutschen Wirtschaft. Die Hauptstadt dieses Landes war zeitweise deutsche Kaiserstadt, sie besitzt die älteste deutsche Universität. Zahlreiche Dome, Rathäuser, Adels- und Bürgerpaläste sind die Zeugen des deutschen kulturellen Einflusses. Das tschechische Volk selbst hat sein Verhältnis zum deutschen Volk in Jahrhunderten bald enger, bald loser gestaltet. Jede Verengung führte zur Blüte des deutschen und tschechischen Volkes, jede Entzweiung zur Katastrophe.

Die Vorzüge und Werte des deutschen Volkes sind uns bekannt. Allein auch das tschechische Volk verdient in seiner Summe geschickte Fähigkeiten, seiner Arbeitsamkeit, seinem Fleiß, seiner Liebe zum eigenen Heimatboden und zum eigenen Volkstum unsere Achtung. Tatsächlich gab es Zeiträume, in denen diese Respektierung der beiderseitigen nationalen Gegebenheiten etwas Selbstverständliches war.

Die demokratischen Friedensmacher von Versailles können für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, diesem tschechischen Volk die besondere Rolle eines gegen Deutschland ansetzbaren Trabanten zugedacht zu haben.

Sie haben zu diesem Zweck dem in seine tschechischen Volkssubstanz überhaupt nicht lebensfähigen Staat willkürlich fremdes Volksgut zugesprochen, d.h. also andere Nationalitäten vergewaltigt, um auf solche Weise eine latente Bedrohung der deutschen Nation in Mitteleuropa staatlich sicherstellen zu können. Denn dieser Staat, dessen sogenanntes Staatsvolk in der Minorität war, konnte nur durch eine brutale Vergewaltigung der volklichen Majorität erhalten werden. Diese Vergewaltigung aber war wieder nur denkbar unter der Zubilligung eines Schutzes und einer Hilfe von seiten der europäischen Demokratien. Diese Hilfe aber war selbstverständlich nur dann zu erwarten, wenn dieser Staat die ihm anläßlich seiner Geburt zugedachte Rolle getreu zu übernehmen und zu spielen bereit war.

Diese Rolle aber hieß nichts anderes, als die Konsolidierung Mitteleuropas zu verhindern, eine Brücke bolschewistischer Aggressivität nach Europa darzustellen und vor allem Landsknecht der europäischen Demokratien gegen Deutschland zu sein. Alles weitere ergab sich dann von selbst.

Je mehr dieser Staat dieser seiner Aufgabe entsprechen wollte, um so größer wurde der Widerstand der sich dem widersetzenden nationalen Minoritäten. Je größer sich aber dieser Widerstand auswuchs, um so stärker mußte die Unterdrückung einsetzen. Diese zwangsläufige Versteifung der inneren Gegensätze führte wieder zu einer um so größeren Abhängigkeit von den demokatischen europäischen Staatsgründern und Wohltäten. Denn: sie allein waren ja in der Lage, auf die Dauer die unnatürliche künstliche Existenz dieses Gebildes wirtschaftlich aufrechtzuerhalten.

Primär hatte nun Deutschland im wesentlichen nur ein Interesse: nämlich diese fast vier Millionen Deutschen in diesem Lande aus ihrer unerträglichen Situation zu befreien und ihre Rückkehr in ihre Heimat und damit zum tausendjährigen Reich zu ermöglichen.

Daß dieses Problem sofort das gesamte übrige Nationalitätenproblem aufrollte, war selbstverständlich. Ebenso aber auch die Tatsache, daß das Abziehen aller Nationalitäten den Reststaat um jede Lebensmöglichkeit bringen mußte, etwas, was den Versailler Staatsgründern ja auch klar war, denn weil sie dieses wußten, haben sie ja die Vergewaltigung der anderen Minoritäten beschlossen und diese gegen ihren Willen in diese dilettantische Staatskonstruktion hineingezwungen.

Ich habe nun über diese meine Auffassung und Einstellung ebenfalls niemals einen Zweifel gelassen. Gewiß, so lange Deutschland selbst ohnmächtig und wehrlos war, konnte man die Vergewaltigung von fast vier Millionen Deutschen ohne praktischen Widerstand des Reiches eben durchführen.

Nur ein politisches Kind aber durfte glauben, daß die deutsche Nation für alle ewigen Zeiten im Zustande des Jahres 1919 bleiben würde.

Nur solange die vom Ausland ausgehaltenen internationalen Landesverräter die deutsche Staatsführung innehatten, war mit einer geduldigen Hinnahme dieser schandbaren Zustände rechnen. Soweit seit dem Sieg des Nationalsozialismus diese Landesverräter ihr Domizil dorthin verlegen mußten, woher sie ja auch ihre Subsidiengelder bezogen hatten, war die Lösung des Problems nur eine Frage der Zeit. Und es handelt sich dabei ausschließlich um eine Frage der davon betroffenen Nationalitäten, nicht um eine Frage Westeuropas. Daß sich Westeuropa für den in seinem Interesse geschaffenen künstlichen Staat interessierte, war ja wohl begreiflich. Daß aber die um diesen Staat liegenden Nationalitäten dieses Interesse als für sie maßgeblich ansehen würden, war ein vielleicht für manche bedauerlicher Trugschluß. Insoweit dieses Interesse nun auf die finanzielle Fundierung dieses Staatswesens gerichtet war, wäre von deutscher Seite nichts einzuwenden gewesen, wenn nicht dieses finanzielle Interesse letzten Endes ebenfalls ausschließlich den machtpolitischen Zielen der Demokratien unterstellt gewesen wäre.

Auch die finanzielle Förderung dieses Staates verfolgte nur einen leitenden Gedanken: einen militärisch höchstgerüsteten Staat zu schaffen mit der Aufgabe, eine in das Reich hineinreichende Bastion zu bilden, die – sei es als Ausgangspunkt militärischer Unternehmungen in Verbindung mit westlichen Einbrüchen in das Reich oder auch nur als Flugzeugstützpunkt – einen unzweifelhaften Wert versprach. Was man von diesem Staat erwartet hatte, geht am eindeutigsten aus der Feststellung des französischen Luftfahrtminister Pierre Cot hervor, der es ruhig aussprach, daß es die Aufgabe dieses Staates wäre, in jedem Konfliktfall Bomberlande- und Abflugplatz zu sein, von dem aus die wichtigsten deutschen Industriezentren in wenigen Stunden würde vernichten können.

Es ist selbstverständlich, wenn die deutsche Staatsführung ihrerseits ebenfalls den Entschluß faßte, diesen Bomberabflugplatz zu vernichten. Sie hat diesen Entschluß nicht gefaßt etwa aus Haß gegen das tschechische Volk. Eher im Gegenteil, denn im Laufe eines tausendjährigen Zusammenlebens hat es zwischen dem deutschen und tschechischen Volk oft jahrhundertelange Perioden engster Zusammenarbeit gegeben und dazwischen allerdings nur kurze Perioden von Spannungen

In solchen Spannungszeiten kann sehr wohl die Leidenschaft der in den vordersten Sappen der volklichen Stellung miteinander ringenden Menschen das Gerechtigkeitsgefühl verdüstern und dadurch zu einer falschen Gesamtbeurteilung führen. Dies ist ein Merkmal in jedem Krieg. Allein in den großen Epochen des verständnisvollen Zusammenlebens waren sich die beiden Völker noch immer darüber einig, daß sie – beiderseits – einen heiligen Anspruch auf die Achtung und Respektierung ihres Volkstums erheben konnten.

Ich selbst trat aber auch in diesen Jahren des Kampfes dem tschechischen Volk nie anders gegenüber denn als Wahrer nicht nur eines einseitigen Volks- und Reichsinteresses, sondern auch als Achter des tschechischen Volkes selbst. Eines ist sicher: wenn es den demokratischen Geburtshelfern dieses Staates gelungen sein würde, ihr letztes Ziel zu erreichen, dann wäre bestimmt nicht das Deutsche Reich zugrundegegangen, obwohl wir ebenfalls Verluste erlitten haben könnten. Nein: das tschechische Volk würde vermutlich seiner Größe und seiner Lage nach viel fuchtbarere, ja, wie ich überzeugt bin, katastrophale Folgen zu tragen haben.

Ich bin glücklich, daß es, wenn auch zum Ärger der demokratischen Interessenten, gelungen ist, diese mitteleuropäische Katastrophe dank unserer eigenen Mäßigung und dank auch der Einsicht des tschechischen Volkes zu vermeiden.

Das, für was die besten und einsichtsvollen Tschechen einst jahrzehntelang gekämpft hatten, wird diesem Volk im nationalsozialistischen Deutschen Reich von vornherein zugebilligt, nämlich das Recht auf das eigene Volkstum und das Recht auf die Pflege dieses Volkstums und das Recht auf das Ausleben dieses Volkstums.

Das nationalsozialistische Deutschland denkt nicht daran, die Rassengrundsätze, die unser Stolz sind, jemals zu verleugnen. Sie werden nicht nur dem deutschen, sondern auch dem tschechischen Volke zugute kommen. Was wir verlangen, ist die Respektierung einer geschichtlichen Notwendigkeit und einer wirtschaftlichen Zwangslage, in der wir uns alle befinden.

Als ich die Lösung dieses Problems am 22. Februar 1938 im Reichstag ankündigte, war ich überzeugt, hier einer mitteleuropäischen Notwendigkeit zu gehorchen. Noch im März 1938 aber war ich des Glaubens, daß es gelingen könnte, auf dem Wege einer langsamen Evolution die Minoritätenfrage in diesem Staate zu lösen und früher oder später durch eine vertragliche Zusammenarbeit jene gemeinsame Plattform sicherzustellen, die nicht nur politisch, sondern vor allem auch wirtschaftlich für unser aller Interesse nützlich sein konnte. Erst, als der sich restlos in den Händen seine international-demokratischen Finanziers befindliche Herr Benesch das Problem zu einem militärischen Auftrieb und eine Welle von Unterdrückung über das Deutschtum losließ, zugleich aber durch die bekannte Mobilmachung versuchte, den deutschen Staat eine internationale Niederlage zuzufügen und sein Prestige zu schädigen, wurde mir klar, daß auf diesem Wege eine Lösung nicht mehr gelingen konnte. Denn die damalige Lüge einer deutschen Mobilmachung war ja ersichtlich vom Auslande inspiriert und den Tschechen unterbreitet worden, um dem Deutschen Reich eine solche Prestigeniederlage beizubringen.

Ich brauche es nicht noch einmal zu wiederholen, daß Deutschland im Mai des vergangenen Jahres keinen Mann mobilisiert hatte, wohl aber, daß wir alle der Meinung waren, daß gerade das Schicksal des Herrn Schuschnigg allen anderen raten müßte, auf dem Wege einer gerechten Behandlung der nationalen Minoritäten eine Verständigung anzubahnen. Ich für meine Person war jedenfalls bereit, mit Geduld und, wenn notwendig, auch auf Jahre hin eine solche friedliche Entwicklung zu versuchen.

Allein gerade diese friedliche Lösung war den Hetzern der Demokratien ein Dorn im Auge. Sie hassen uns Deutsche und möchten uns am liebsten ausrotten. Aber was sind für sie auch schon Tschechen? Ein Mittel zum Zweck! Was interessiert sie das Schicksal eines braven Volkes, was kümmert sie das Leben von hunderttausend braven Soldaten, die das Opfer ihre Politik werden mußten?

Diesen westeuropäischen Friedenshetzern kam es nicht darauf an, Frieden zu stiften, sondern Blut vergießen zu lassen, damit es ihnen durch dieses Blutvergießen gelang, die Völker zu verhetzen und dann noch mehr Blut fließen zu lassen. Deshalb wurde die deutsche Mobilmachung erfunden und der Prager Öffentlichkeit vorgeschwindelt. Sie sollte der tschechischen Mobilmachung die Argumente liefern. Durch sie glaubte man dann vor allem aber auch, die nicht mehr zu umgehenden Wahlen im Sudetenland unter den erwünschten militärischen Druck setzen zu können. Nach ihrer Meinung gab es dann für Deutschland nur zwei Möglichkeiten:

entweder die Hinnahme dieser tschechischen Mobilisierung und damit das Einstecken einer beschämenden Niederlage oder die Auseinandersetzung mit der Tschecho-Slowakei, einen blutigen Krieg, und damit vielleicht die Möglichkeit, die an diesen Dingen gar nicht interessierten Völker Westeuropas zu mobilisieren, sie ebenfalls in den notwendigen Blutrausch zu bringen, um dann die Menschheit in eine neue Katastrophe zu tauchen, bei der die einen die Ehre besitzen, ihr Leben zu verlieren, und die andern die Annehmlichkeit, in Kriegsgeschäften zu machen.

Sie kennen, meine Abgeordneten, meinen damals sofort gefaßten Entschluß:

Erstens Lösung dieser Frage, und zwar noch im Jahre 1938, spätestens am 2. Oktober,

zweitens Vorbereitung dieser Lösung mit all jenen Mitteln, die keinen Zweifel darüber lassen konnten, daß jeder Versuch eine Einmischung nunmehr von der geeinten Kraft der Nation abgewehrt werden würde.

Ich habe damals den Ausbau unserer Westbefestigungen angeordnet und befohlen. Sie war bereits am 25. September 1938 in einem Zustand, der die Widerstandskraft der einstigen Siegfriedlinie des Krieges dreißig- oder vierzigmal übertraf. Sie ist nunmehr im wesentlichen fertiggestellt und erhält zur Zeit die später von mir neu angegebenen Linien vor Aachen und Saarbrücken. Auch diese sind bereits in einem hohen Ausmaß verteidigungsfertig.

In dem Zustand, in dem sich dieses gewaltigste Festungswerk aller Zeiten heute befindet, kann die deutsche Nation die beruhigende Überzeugung ihr eigen nennen, daß es keine Macht der Welt gelingen wird, diese Front jemals zu durchbrechen.

Nachdem der erste Provokationsversuch durch die tschechische Mobilisation noch nicht zum gewünschten Ergebnis führte, begann die zweite Phase, in der die Tendenz für diese ausschließlich Mitteleuropa angehende Angelegenheit erst recht unverhüllt zutage trat.

Wenn heute der Schrei in der Welt erhoben wird: „Niemals wieder München!“, dann ist dies die Bestätigung dafür, daß den Kriegshetzern die friedliche Lösung des Problems als das Verderblichste erschien, was jemals geschah.

Sie bedauern, daß kein Blut geflossen ist.

Nicht ihr Blut natürlich: denn diese Hetzer stehen ja nicht dort, wo geschossen, sondern nur dort, wo verdient wird. Sondern es ist das Blut vieler namenloser Soldaten. Es wäre im übrigen aber auch gar nicht notwendig gewesen, daß die Konferenz von München stattfand, denn diese Konferenz war nur zustande gekommen, weil die erst zum Widerstand um jeden Preis aufgehetzten Staaten später, als das Problem so oder so zur Lösung drängte, in eine mehr oder weniger anständigen Form versuchen mußten, sich den Rückzug zu ermöglichen. Denn ohne München, das heißt ohne die Einmischung dieser westeuropäischen Staaten wäre die Lösung des ganzen Problems – wenn es überhaupt je zu einer solchen Zuspitzung gekommen sein würde – wahrscheinlich spielend leicht möglich gewesen.

Die Münchener Entscheidung

führte nun zu folgendem Ergebnis:

1. Rückkehr der wesentlichen Teile der deutschen Randbesiedlung in Böhmen und Mähren zum Reich,

2. Offenhaltung der Lösung der übrigen Probleme dieses Staates, d.h. der Rückkehr bzw. Ausscheidens der noch vorhandenen ungarischen und slowakischen Minoritäten,

3. blieb noch offen die Frage der Garantie. Die Garantie dieses Staates war, soweit es sich um Deutschland und Italien handelte, von vornherein abhängig gemacht worden von der Zustimmung aller an diesem Staat angrenzenden Interessenten und damit von der tatsächlichen Lösung der diese Interessenten berührenden und noch offengebliebenen Fragen. Folgende Fragen waren offen geblieben:

1. Rückkehr der magyarischen Teile zu Ungarn,

2. Rückkehr der polnischen Teile zu Polen,

3. Lösung der slowakischen Frage und

4. Lösung der ukrainischen Frage.

Wie ihnen bekannt ist, haben nun, nachdem kaum die Verhandlungen zwischen Ungarn und der Tschecho-Slowakei begonnen hatten, sowohl die tschechisch-slowakischen als auch die ungarischen Unterhändler an Deutschland und an das an unserer Seite stehende Italien die Bitte gerichtet, als Schiedsrichter die neue Grenzziehung zwischen der Slowakei, der Karpatho-Ukraine und Ungarn vorzunehmen.

Damit haben die Betroffenen selbst von der Möglichkeit – an die vier Mächte zu appellieren – keinen Gebrauch gemacht, sondern ausdrücklich Verzicht geleistet, d.h. sie abgelehnt.

Und dies war verständlich. Alle in diesem Lebensraum Wohnenden wollten Ruhe und Frieden erhalten. Italien und Deutschland waren bereit, diesem Ruf zu folgen. Ein Einspruch gegen diese an sich je schon die Münchner Abmachung formell verlassende Abmachung wurde weder von England noch von Frankreich erhoben und konnte nicht erhoben werden, denn es wäre ja wahnsinnig gewesen, etwa von Paris oder London aus zu protestieren gegen eine Handlung Deutschlands oder Italiens, die allein auf Grund des Ansuchens der Betroffenen selbst stattfand.

Der Schiedsspruch von Italien und Deutschland hat – wie in solchen Fällen stets – keine Seite restlos befriedigt. Er krankte von vornherein daran, daß er von beiden Seiten freiwillig anerkannt werden mußte.

Als daher dieser Schiedsspruch zur Verwirklichung kam, erhoben sich sofort in kurzer Zeit nach der Annahme von zwei Staaten heftige Einsprüche. Ungarn forderte aus allgemeinen und besonderen Interessen die Karpatho-Ukraine, Polen forderte desgleichen eine direkte Verbindung mit Ungarn. Es war klar, daß unter solchen Umständen auch der Reststaat dieser einstigen Versailler Geburt zum Tode bestimmt war.

Tatsache war, daß an der Aufrechterhaltung des bisherigen Status vielleicht überhaupt nur ein einziger Staat interessiert war, nämlich Rumänien, das durch seinen berufensten Mund mir persönlich zum Ausdruck brachte, wie erwünscht es wäre, über die Ukraine und Slowakei vielleicht einen direkten Weg nach Deutschland erhalten zu können. Ich erwähne dies als eine Illustrierung für das Gefühl der Bedrohung durch Deutschland, unter der die rumänische Regierung nach der Auffassung amerikanischer Hellseher gelitten hat. Es war aber nun klar, daß es nicht die Aufgabe Deutschlands sein konnte, sich auf die Dauer einer Entwicklung zu widersetzen oder gar für einen Zustand zu kämpfen, für den wir niemals die Verantwortung hätten übernehmen können.

Es kam daher jener Augenblick, in dem ich mich namens der Reichsregierung entschloß zu erklären, daß wir nicht daran dächten, uns länger mit dem Odium zu belasten, um etwa eine deutsche Vormarschstraße nach Rumänien offenzuhalten, dem gemeinsamen Grenzwunsch der Polen und Ungarn zu widersprechen. Da außerdem die tschechische Regierung zu ihren alten Methoden zurückkehrte und auch die Slowakei ihre Selbständigkeitswünsche offenbarte, war von einer weiteren Erhaltung des Staates keine Rede mehr.

Die Versailler Konstruktion der Tschecho-Slowakei hat sich selbst überlebt.

Sie verfiel der Auflösung, nicht weil Deutschland dies wollte, sondern weil man am Konferenztisch auf die Dauer nicht künstlich lebensunfähige Staaten konstruieren und aufrechterhalten kann.

Deutschland hat daher auch auf eine wenige Tage vor der Auflösung dieses Staates von England und Frankreich eingegangene Anfrage über eine Garantie diese abgelehnt, denn es fehlten ja alle seinerzeit in München dafür vorgesehenen Voraussetzungen. Im Gegenteil, als sich endlich die deutsche Reichsregierung – nachdem das ganze Gebilde in Auflösung begriffen war und sich auch schon praktisch aufgelöst hatte – entschloß, nunmehr ihrerseits ebenfalls einzugreifen, geschah dies nur im Vollzug einer selbstverständlichen Pflicht; denn folgendes ist noch zu bemerken:

Die deutsche Reichsregierung hat bereits beim ersten Antrittsbesuch des tschechischen Außenministers Chvalkovsky in München ihre Auffassung über die Zukunft der Tschecho-Slowakei klar zum Ausdruck gebracht. Ich selbst habe damals dem Herrn Minister Chvalkovsky versichert, daß wir unter der Voraussetzung eine loyalen Behandlung der in der Tschechei verbliebenen großen deutschen Minderheit und in der Voraussetzung einer Beruhigung des ganzen Staates eine loyale Haltung Deutschlands sicherstellen würden und von uns aus diesem Staat keinerlei Hindernisse bereiten wollten.

Ich habe aber auch keinen Zweifel darüber gelassen, daß, wenn die Tschechei irgendwelche Schritte unternehmen würde im Sinne der politischen Tendenzen des abgetretenen Herrn Dr. Benesch, Deutschland eine Entwicklung in dieser Richtung nicht hinnehmen, sondern schon im Keime auslöschen würde. Ich wies damals auch darauf hin, daß die Aufrechterhaltung eines so gewaltigen militärischen Arsenals in Mitteleuropa ohne Sinn und Zweck nur als Gefahrenherd angesehen werden müßte.

Wie richtig diese meine Warnung war, wurde durch die spätere Entwicklung erwiesen. Durch eine fortgesetzte sich steigernde Flüsterpropaganda sowohl als durch ein allmähliches Abgleiten tschechische Zeitungen in die frühere Schreibart mußte auch dem Einfältigsten klar werden, daß in kurzer Zeit die alten Zustände wieder vorhanden sein würden. Die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung war um so größer dann, als ja immer damit gerechnet werden mußte, daß sich irgendwelche Wahnsinnigen der aufgestapelten ungeheuren Kriegsmaterialien bemächtigen konnten.

Dies barg in sich die Gefahr von Explosionen unabsehbaren Umfanges.

Ich kann nicht umhin, zum Beweis dessen, Ihnen, meine Abgeordneten, einen Einblick zu geben in die geradezu gigantisch anmutenden Zahlen dieses mitteleuropäischen internationalen Sprengstofflagers.

Seit der Besetzung dieses Gebietes wurden beschlagnahmt und sichergestellt:

a) Luftwaffe: 1. Flugzeuge 1582, 2. Flakgeschütze 501.

b) Heer: 1. Geschütze (leichte und schwere) 2175, 2. Minenwerfer 785, 3. Panzerkampfwagen 469, 4. Maschinengewehre 43 876, 5. Pistolen 114 000, 6. Gewehre 1 090 000.

c) Munition: 1., Infanteriemunition über 1 000 000 000 Schuß, 2. Artillerie- und Gasmunition über 3 000 000 Schuß.

d) Sonstiges Kriegsgerät aller Art, wie Brückengerät, Horchgerät, Scheinwerfergerät, Meßgerät, Kraftfahrzeuge und Sonderkraftfahrzeuge in größten Mengen!

Ich glaube, es ist ein Glück für Millionen und aber Millionen von Menschen, daß es mir gelungen ist, dank der in letzter Minute wirksam werdenden Einsicht verantwortlicher Männer auf der anderen Seite eine solche Explosion verhindert und eine Lösung gefunden zu haben, die meiner Überzeugung nach dieses Problem als einen mitteleuropäischen Gefahrenherd endgültig aus der Welt schafft.

Die Behauptung, daß nun diese Lösung im Gegensatz zur Abmachung von München stünde, kann durch gar nichts begründet oder erhärtet werden.

Die Münchner Lösung konnte unter keinen Umständen als eine endgültige gelten, denn sie hat ja selbst zugegeben, daß weitere Probleme noch der Lösung bedürfen und gelöst werden sollten. Daß sich nun die Betroffenen – und dies ist entscheidend – nicht an die vier Mächte gewandt haben, sondern nur an Italien und Deutschland, kann wirklich nicht uns vorgeworfen werden. Ebensowenig auch, daß der Staat endlich als solcher von selbst zerfallen war und damit eine Tschecho-Slowakei nicht mehr existierte. Daß aber, nachdem das ethnographische Prinzip schon längst außer Kraft gesetzt worden war, nunmehr auch Deutschland seine immerhin tausendjährigen Interessen, die nicht nur politischer, sondern auch wirtschaftlicher Art sind, in seine Obhut nahm, ist wohl selbstverständlich.

Ob diese Lösung, die Deutschland gefunden hat, richtig ist oder nicht richtig ist, wird die Zukunft erweisen. Sicher aber ist das eine, daß die Lösung nicht einer englischen Kontrolle oder englischer Kritik untersteht.

Denn die Länder Böhmen und Mähren haben als letztes Restgebiet der ehemaligen Tschecho-Slowakei mit der Münchner Abmachung überhaupt nichts mehr zu tun.

So wenig, als etwa englische Maßnahmen, sagen wir in Irland, mögen sie richtig oder falsch sei, einer deutschen Kontrolle oder Kritik unterstellt sind, so wenig ist dies bei diesen alten deutschen Kurfürstentümern der Fall.

Wie man aber die in München zwischen Herrn Chamberlain und mir persönlich betätigte Abmachung auf diesen Fall beziehen kann, ist mir gänzlich unverständlich; denn dieser Fall der Tschecho-Slowakei war ja in dem Münchner Protokoll der vier Mächte geregelt worden, soweit er eben damals geregelt werden konnte. Darüber hinaus war nur vorgesehen, daß, wenn die Beteiligten nicht zu einer Einigung kommen würden, die sich an die vier Mächte würden wenden können. Und diese wollten dann nach drei Monaten zu einer weiteren Beratung zusammentreten.

Nun haben aber die Beteiligten sich überhaupt nicht mehr an die vier Mächte gewandt, sondern nur an Deutschland und Italien. Wie sehr diese dazu doch letzten Ende berechtigt waren, geht daraus hervor, daß weder England noch Frankreich dagegen Einspruch erhoben haben, sondern den von Deutschland und Italien gefällten Schiedsspruch ohne weiteres auch selbst akzeptierten.

Nein, die Abmachung, die zwischen Herrn Chamberlain und mir getroffen wurde, hat sich nicht auf dieses Problem bezogen, sondern ausschließlich auf Fragen, die das Zusammenleben Englands und Deutschlands betreffen. Das geht auch eindeutig hervor aus der Feststellung, daß solche Fragen im Sinne des Münchner Abkommens und des deutsch-englischen Flottenvertrages in Zukunft also freundlich behandelt werden sollten, und zwar auf dem Wege der Konsultierung.

Wenn sich aber dieses Abkommen auf jede künftige deutsche Betätigung politischer Art bezogen haben würde, dann dürfte auch England keinen Schritt mehr unternehmen, sei es zum Beispiel in Palästina oder woanders, ohne sich mit Deutschland erst zu konsultieren.

Es ist selbstverständlich, daß wir dies nicht erwarten, ebenso aber lehnen wir jede ähnliche Erwartung, die an uns gestellt wird, ab. Wenn nun Herr Chamberlain daraus folgert, daß die Münchner Abmachung damit hinfällig sei, weil sie von uns gebrochen worden wäre, so nehme ich nunmehr diese Auffassung zur Kenntnis und ziehe daraus die Konsequenzen.

Ich habe während meiner ganzen politischen Tätigkeit immer den Gedanken der Herstellung einer engen deutsch-englischen Freundschaft und Zusammenarbeit vertreten. Ich fand in meiner Bewegung ungezählte gleichgesinnte Menschen. Vielleicht schlossen sie sich mir auch wegen dieser meiner Einstellung an. Dieser Wunsch nach einer deutsch-englischen Freundschaft und Zusammenarbeit deckt sich nicht nur mit meinen Gefühlen, die sich aus der Herkunft unserer beiden Völker ergeben, sondern auch mit meiner Ansicht in die im Interesse der ganzen Menschheit liegende Wichtigkeit der Existenz des britischen Weltreiches.

Ich habe niemals einen Zweifel darüber gelassen, daß ich im Bestande dieses Reiches einen unschätzbaren Wertfaktor für die ganze menschliche Kultur und Wirtschaft sehe.

Wie immer auch Großbritannien seine kolonialen Gebiete erworben hat – ich weiß, es geschah dies alles durch Gewalt, und sehr oft durch brutalste Gewalt -, so bin ich mir doch darüber im klaren, daß kein anderes Reich auf anderem Wege bisher entstanden ist und daß letzten Endes vor der Weltgeschichte weniger die Methode als der Erfolg gewertet wird, und zwar nicht im Sinne des Erfolges der Methode, sondern des allgemeinen Nutzens, der aus einer solchen Methode entsteht.

Das angelsächsische Volk hat nun ohne Zweifel unermeßliche kolonisatorische Arbeit auf dieser Welt vollbracht. Dieser Arbeit gehört meine aufrichtige Bewunderung. Der Gedanke an seine Zerstörung dieser Arbeit erschien und erscheint mir von einem höheren menschlichen Standpunkt aus nur als ein Ausfluß menschlichen Herostratentums. Allein dieser mein aufrichtiger Respekt vor dieser Leistung bedeutet nicht einen Verzicht auf die Sicherung des Lebens meines eigenen Volkes. Ich halte es für unmöglich, eine dauernde Freundschaft zwischen dem deutschen und dem angelsächsischen Volk herzustellen, wenn nicht auch auf der anderen Seite die Erkenntnis vorhanden ist, daß es nicht nur die Erhaltung des britischen Weltreichs für die britischen Männer Lebensinhalt und Lebenszweck ist, sondern für die deutschen Männer die Freiheit und Erhaltung des Deutschen Reiches! Eine wirklich dauernde Freundschaft zwischen beiden Nationen ist nur denkbar unter der Voraussetzung der gegenseitigen Respektierung.

Das englische Volk beherrscht ein großes Weltreich. Es hat dieses Weltreich gebildet in einer Zeit der Erschlaffung des deutschen Volkes. Vor dem war Deutschland ein großes Weltreich. Es beherrschte einst das Abendland. In blutigen Kämpfen und religiösen Streitigkeiten sowie aus den Gründen einer inneren staatlichen Aufsplitterung ist dieses Reich an Macht und Größe gefallen und endlich in tiefen Schlaf versunken. Allein als dieses alte Reich sein Ende zu nehmen schien, da wuchs bereits der Keim zu seiner Wiedergeburt. Aus Brandenburg und Preußen entstand ein neues Deutschland, das Zweite Reich, und aus ihm wurde nunmehr endlich das deutsche Volksreich.

Es möchten nun alle Engländer begreifen, daß wir nicht im geringsten das Gefühl einer Inferiorität den Briten gegenüber besitzen. Dazu ist unsere geschichtliche Vergangenheit zu gewaltig!

England hat der Welt viele große Männer geschenkt, Deutschland nicht weniger. Der schwere Kampf um die Lebensbehauptung unseres Volkes hat im Laufe von drei Jahrhunderten nur in der Verteidigung des Reiches von uns Blutopfer gefordert, die weit darüber hinausgingen, was andere Völker für ihre Existenz zu bringen hatten. Wenn Deutschland als ewig angegriffene Staat dabei trotzdem seinen Besitzstand nicht zu wahren vermochte, dann nur infolge seiner staatlichen Fehlentwicklung und der daraus bedingten Ohnmacht!

Dieser Zustand ist nun überwunden. Wir haben daher als Deutsche nicht im geringsten die Empfindung, dem britischen Volk etwa unterlegen zu sein. Die Achtung vor uns selbst ist genau so groß wie die eines Engländers vor England. Die Geschichte unseres Volkes hat in ihrer nunmehr fast zweitausendjährigen Dauer Anlässe und Taten genug, um uns mit einem aufrichtigen Stolz zu erfüllen.

Wenn nun England für diese unsere Einstellung kein Verständnis aufbringt, sondern in Deutschland glaubt vielleicht einen Vasallenstaat erblicken zu können, dann ist allerdings unsere Liebe und unsere Freundschaft an England umsonst dargeboten worden. Wir werden deshalb nicht verzweifeln und verzagen, sondern wir werden dann – gestützt auf das Bewußtsein unserer eigenen Kraft und auf die Kraft unserer Freunde – die Wege finden, die unsere Unabhängigkeit sicherstellen und unserer Würde keinen Abbruch tun.

Ich habe die Erklärung des britischen Premierministers vernommen, nach der er meint, in Versicherungen Deutschlands kein Vertrauen setzen zu können. Ich halte unter diesen Umständen es für selbstverständlich, daß wir weder ihm noch dem englischen Volk weiterhin eine Lage zumuten wollen, die nur unter Vertrauen denkbar ist.

Als Deutschland nationalsozialistisch wurde und damit seine Wiederauferstehung einleitete, habe ich in Verfolg meiner unentwegten Freundschaftspolitik England gegenüber von mir aus selbst den Vorschlag einer freiwilligen Begrenzung der deutschen Seerüstung gemacht.

Diese Begrenzung setzte allerdings voraus, nämlich den Willen und die Überzeugung, daß zwischen England und Deutschland niemals mehr ein Krieg möglich sein würde. Diesen Willen und die Überzeugung besitze ich auch heute noch.

Ich muß aber nunmehr feststellen, daß die Politik Englands inoffiziell und offiziell keinen Zweifel darüber läßt, daß man in London diese Überzeugung nicht mehr teilt, sondern im Gegenteil der Meinung ist, daß, ganz gleich, in welchem Konflikt Deutschland einmal verwickelt werden würde, Großbritannien stets gegen Deutschland Stellung nehmen müßte.

Man sieht also dort den Krieg gegen Deutschland als etwas Selbstverständliches an. Ich bedauere dies tief, denn die einzige Forderung, die ich an England stelle und immer stellen werde, ist die nach Rückgabe unserer Kolonien.

Ich ließ aber keine Unklarheit darüber, daß dies niemals der Grund für eine kriegerische Auseinandersetzung sein würde. Ich war immer des Glaubens, daß England, für das diese Kolonien keinen Wert haben, einmal Verständnis für die deutsche Lage aufbringen würde und die deutsche Freundschaft dann höher bewerten müßte als Objekte, die keinerlei realen Nutzen für England abwerfen, während sie für Deutschland lebenswichtig sind.

Ich habe aber, davon abgesehen, nie eine Forderung gestellt, die irgendwie britisches Interesse berührt haben würde oder die dem Weltreich hätte gefährlich werden können und mithin für England irgendeinen Schaden bedeutet haben könnte. Ich habe mich immer nur im Rahmen jener Forderungen bewegt, die auf das engste mit dem deutschen Lebensraum und mit dem ewigen Besitz der deutschen Nation zusammenhängen. Wenn nun England heute in der Publizistik und offiziell die Auffassung vertritt, daß man gegen Deutschland unter allen Umständen auftreten müßte und dies durch die uns bekannte Politik der Einkreisung bestätigt, dann ist damit die Voraussetzung für den Flottenvertrag beseitigt.

Ich habe mich daher entschlossen, dies der britischen Regierung mit dem heutigen Tag mitzuteilen. Es handelt sich dabei für uns nicht um eine materielle Angelegenheit – denn ich hoffe noch immer, daß wir ein Wettrüsten mit England vermeiden können -, sondern um einen Akt der Selbstachtung. Sollte die britische Regierung aber Wert darauf legen, mit Deutschland über dieses Problem noch einmal in Verhandlungen einzutreten, dann würde sich niemand glücklicher schätzen als ich, um vielleicht doch noch zu einer klaren und eindeutigen Verständigung kommen zu können. Im übrigen kenne ich mein Volk – und ich baue darauf. Wir wollen nichts, was uns nicht einst gehört hat, kein Staat wird von uns in seinem Eigentum jemals beraubt werden, allein jeder, der Deutschland glaubt angreifen zu können, wird eine Macht und einen Widerstand vorfinden, gegenüber denen die des Jahres 1914 unbedeutend waren.

Ich möchte im Zusammenhang damit auch gleich jene Angelegenheit besprechen, die von denselben Kreisen, die einst die Mobilisierung der Tschecho-Slowakei veranlaßten, als Ausgangspunkt der neuen Kampagne gegen das Reich gewählt wurde.

Ich habe schon eingangs meiner Rede Ihnen, meine Abgeordneten, versichert, daß ich niemals, sei es im Falle Österreich oder sei es im Falle Tschecho-Slowakei, in meinem politischen Leben eine andere Haltung eingenommen habe, als sie sich mit den nunmehr vollzogenen Ereignissen vereinbaren ließ. Ich habe daher auch dem

Problem des Memeldeutschtums

gegenüber stets darauf hingewiesen, daß diese Frage, wenn sie nicht von Litauen selbst in einer vornehmen und großzügigen Weise ihre Lösung finden würde, eines Tages Deutschland auf den Platz rufen müßte.

Sie wissen, daß das Memelgebiet einst durch das Diktat von Versailles ebenfalls gänzlich willkürlich vom Deutschen Reich gerissen wurde, und daß endlich im Jahre 1923, also schon inmitten des tiefsten Friedens, dieses Gebiet von Litauen besetzt und damit mehr oder weniger beschlagnahmt worden war. Das Schicksal der Deutschen ist dort seitdem ein wahres Martyrium gewesen.

Es ist mir nun im Zuge der Rückgliederung Böhmen und Mährens in den Rahmen des Deutschen Reichs auch möglich geworden, eine Abmachung mit der litauischen Regierung zu finden, die die Rückkehr dieses Gebietes ebenfalls ohne jeden Gewaltakt und ohne Blutvergießen nach Deutschland gestattet. Auch hier habe ich nicht eine Quadratmeile mehr verlangt, als wir vorher besaßen und uns geraubt worden war.

Das heißt also, es ist nur das Gebiet, das die wahnsinnigen Friedensdiktatoren von Versailles von uns gerissen hatten, wieder zum Deutschen Reich zurückgekehrt. Für das Verhältnis Deutschlands zu Litauen wird aber die Lösung – dessen bin ich überzeugt – nur vorteilhaft sein.

Denn Deutschland hat – dies wurde ja durch unser Verhalten bewiesen – nunmehr kein anderes Interesse, als auch mit diesem Staat in Frieden und Freundschaft zu leben und unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu ihm zu finden und zu pflegen. Und hier möchte ich grundsätzlich eines erklären – die Bedeutung wirtschaftlicher Abmachungen mit Deutschland liegt nicht nur darin, daß Deutschland als Exporteur befähigt ist, fast alle industriellen Anforderungen zu erfüllen, sondern daß es zugleich auch als gewaltigster Konsument der Käufer zahlreicher Produkte ist, die es anderen Ländern überhaupt erst ermöglichen, ihrerseits am Welthandel teilzunehmen. Wir haben nun ein Interesse daran, diese wirtschaftlichen Märkte uns nicht nur zu erhalten, sondern vor allem sie auch zu pflegen.

Denn darauf basiert zu einem hohen Prozentsatz die Existenz unseres Volkes. Es gehört wieder zur Größe sogenannter demokratischer Staatsmänner, einen eminenten politischen Erfolg darin sehen zu wollen, einem Volk seinen Absatz, z.B. durch Boykott, an Verkaufsmärkten zu verschließen, um es damit – so nehme ich wohl an zum Aushungern zu bringen.

Ich brauche Ihnen nicht zu versichern, daß meiner Überzeugung nach die Völker daran nicht verhungern, sondern daß die unter solchen Umständen eher immer noch lieber kämpfen würden.

Was Deutschland betrifft, ist es jedenfalls entschlossen, sich gewisse lebenswichtige Märkte nicht durch terroristische Eingriffe von außen oder Drohungen rauben zu lassen. Dies liegt aber nicht nur in unserem Interesse, sondern ebenso im Interesse unserer Handelspartner. Es ist hier, wie bei jedem Geschäft, nicht eine einseitige, sondern eine gegenseitige Abhängigkeit vorhanden.

Wie oft haben wir das Vergnügen, in den dilettantischen wirtschaftlichen Abhandlungen unserer demokratischen Pressen zu lesen, daß Deutschland deshalb, weil es mit einem Land enge wirtschaftliche Beziehungen unterhält, dieses Land in seine Abhängigkeit bringt. Ein geradezu haarsträubender jüdischer Unsinn! Denn wenn heute das Deutsche Reich einem Agrarstaat Maschinen liefert und dafür von diesem Lebensmittel erhält, dann ist das Reich als Konsument von Lebensmitteln von diesem Agrarstaat mindestens ebenso, wenn nicht noch mehr abhängig, als der Agrarstaat, der von uns als Bezahlung Instustrieprodukte empfängt.

Deutschland sieht in den baltischen Staaten die wichtigsten Handelspartner.

Wir sind aus diesem Grunde interessiert, daß sie ein eigenes und unabhängiges, geordnetes nationales Leben führen. Dies ist in unseren Augen die Voraussetzung für jene innere wirtschaftliche Entwicklung, die selbst wieder die Voraussetzung für den Tauschverkehr liefert. Ich bin daher glücklich, daß wir auch mit Litauen den Streitpunkt, der zwischen unseren Ländern lag, beseitigen konnten. Denn damit ist das einzige Hindernis aus dem Wege geräumt für eine freundschaftliche Politik, die sich nicht in politischen Komplimenten, sondern in wirtschaftlicher, praktischer Arbeit bewähren kann, und – wie ich überzeugt bin – bewähren wird.

Die demokratische Welt hat allerdings auch hier zutiefst bedauert, daß das Blutvergießen ausblieb, daß also 175 000 Deutsche in die von ihnen über alles geliebte Heimat zurückkehren konnten, ohne daß ein paar hunderttausend andere deshalb erschossen wurden!

Dies schmerzt die humanen Weltapostel tief. Es war daher nicht verwunderlich, daß sie sofort im Anschluß daran nach neuen Möglichkeiten Ausschau hielten, die europäische Atmosphäre eben doch noch einmal gründlich zu stören. Und, so wie im Falle der Tschecho-Slowakei, griffen sie dieses Mal wieder zur Behauptung deutscher militärischer Maßnahmen, d.h. also einer sogenannten deutschen Mobilmachung. Das Objekt dieser Mobilmachung sollte Polen sein.

Über das deutsch-polnische Verhältnis

ist wenig zu sagen. Der Friedensvertrag von Versailles hat auch hier, und zwar natürlich mit Absicht, dem deutschen Volk die schwerste Wunde zugefügt. Durch die eigenartige Festlegung des Korridors Polens zum Meer sollte vor allem auch für alle zukünftigen Zeiten eine Verständigung zwischen Polen und Deutschland verhindert werden. Das Problem ist – wie schon bekannt – für Deutschland das allerschmerzlichste.

Allein, trotzdem habe ich unentwegt die Auffassung vertreten, daß die Notwendigkeit eines freien Zugangs zum Meer für den polnischen Staat nicht übersehen werden kann, und daß überhaupt grundsätzlich auch in diesem Fall die Völker, die nun einmal von der Vorsehung dazu bestimmt – oder meinetwegen verdammt sind -, nebeneinander zu leben, sich zweckmäßigerweise nicht künstlich und unnotwendig das Leben noch verbittern sollten.

Der verstorbene Marschall Pilsudski, der derselben Meinung anhing, war daher bereit, die Frage einer Entgiftung des deutsch-polnischen Verhältnisses zu überprüfen und endlich das Abkommen abzuschließen, durch das Deutschland und Polen in der Regelung ihrer beiderseitigen Beziehungen entschlossen waren, auf das Mittel des Krieges endgültig zu verzichten.

Diese Abmachung hatte allerdings eine einzige Ausnahme: sie wurde praktisch Polen zugestanden. Es wurde festgestellt, daß die von Polen schon bisher getroffenen Beistandspakte, es war dies der Beistandspakt mit Frankreich, dadurch nicht berührt werden sollten. Es war aber selbstverständlich, daß sich dies ausschließlich auf den bereits vorhandenen Beistandspakt beziehen konnte und nicht auf beliebig neu abzuschließende. Tatsache ist, daß das deutsch-polnische Abkommen zur außerordentlichen Entspannung der europäischen Lage beitrug. Immerhin war zwischen Deutschland und Polen eine Frage offen, die früher oder später ganz natürlich gelöst werden mußte, die Frage der deutschen Stadt Danzig.

Danzig ist eine deutsche Stadt, und sie will zu Deutschland.

Umgekehrt hat diese Stadt vertragliche Abmachungen, die ihr allerdings aufgezwungen wurden durch die Versailler Friedensdiktatoren, mit Polen. Da nun außerdem der Völkerbund früher als größter Unruhestifter nunmehr mit einem allerdings außerordentlich taktvollen Hohen Kommissar vertreten ist, muß spätestens mit dem allmählichen Erlöschen diese unheilvollen Institution das Problem Danzig so oder so erörtert werden. Ich sah nun in der friedlichen Lösung dieser Frage einen weiteren Beitrag für eine endgültige europäische Entspannung. Denn dieser Entspannung dient man sicherlich nicht durch die Hetze wahnsinnig gewordener Kriegstreiber, sondern durch die Beseitigung wirklicher Gefahrenmomente.

Ich habe nun der polnischen Regierung, nachdem das Problem Danzig schon vor Monaten einige Male besprochen worden war, ein konkretes Angebot unterbreiten lassen.

Ich teile Ihnen, meine Abgeordneten, nunmehr dieses Angebot mit, und Sie werden sich selbst ein Urteil bilden, ob es nicht im Dienste des europäischen Friedens das gewaltigste Entgegenkommen darstellt, das an sich denkbar war.

Ich habe, wie schon betont, die Notwendigkeit eines Zuganges dieses Staates zum Meere stets eingesehen und damit auch in Rechnung gestellt. Ich bin ja kein demokratischer Staatsmann, sondern ein realistischer Nationalsozialist. Ich hielt es aber auch für notwendig, der Warschauer Regierung klarzumachen, daß so, wie sie einen Zugang zum Meere wünscht, Deutschland einen Zugang braucht zu seiner Provinz im Osten. Es sind dies nun einmal schwierige Probleme. Dafür ist nicht Deutschland verantwortlich, sondern jene Zauberkünstler von Versailles, die in ihrer Bosheit oder in ihrer Gedankenlosigkeit in Europa hundert Pulverfässer herumstellten, von denen jedes einzelne außerdem noch mit kaum auslöschbaren Lunten versehen worden war. Man kann nun diese Probleme nicht nach irgendeinem alten Schema lösen, sondern ich halte es für notwendig, daß man hier neue Wege geht. Denn der Weg Polens zum Meer durch den Korridor und umgekehrt ein deutscher Weg durch diesen Korridor haben überhaupt keinerlei militärische Bedeutung. Ihre Bedeutung liegt ausschließlich auf psychologischem und wirtschaftlichem Gebiet. Einem solchen Verkehrsstrang eine militärische Bedeutung zuweisen zu wollen, hieße, sich einer militärischen Naivität von seltenem Ausmaß ergeben.

Ich habe nunmehr der polnischen Regierung folgenden

Vorschlag unterbreiten lassen:

1. Danzig kehrt als Freistaat in den Rahmen des Deutschen Reiches zurück.

2. Deutschland erhält durch den Korridor eine Straße und eine Eisenbahnlinie zur eigenen Verfügung mit dem gleichen exterritorialen Charakter für Deutschland, als der Korridor ihn für Polen besitzt. Dafür ist Deutschland bereit:

1. sämtliche wirtschaftlichen Rechte Polens in Danzig anzuerkennen,

2. Polen in Danzig einen Freihafen beliebiger Größe und bei vollständigem freien Zugang sicherzustellen,

3. damit die Grenzen zwischen Deutschland und Polen endgültig als gegeben hinzunehmen und zu akzeptieren,

4. einen 25jährigen Nichtangriffspakt mit Polen abzuschließen, also einen Pakt, der weit über mein eigenes Leben hinausreichen würde, und

5. die Unabhängigkeit des slowakischen Staates durch Deutschland, Polen und Ungarn gemeinsam sicherzustellen, was den praktischen Verzicht auf jede einseitige deutsche Vormachtstellung in diesem Gebiet bedeutet.

Die polnische Regierung hat dieses mein Angebot abgelehnt und sich

1. nur bereit erklärt, über die Frage des Ersatzes des Völkerbundkommissars zu verhandeln und

2. Erleichterungen für den Durchgangsverkehr durch den Korridor zu erwägen.

Ich habe diese mir unverständliche Haltung der polnischen Regierung aufrichtig bedauert, jedoch das allein ist nicht das Entscheidende, sondern das Schlimmste ist, daß nunmehr ähnlich wie die Tschecho-Slowakei vor einem Jahr auch Polen glaubt, unter dem Druck einer verlogenen Welthetze Truppen einberufen zu müssen, obwohl Deutschland seinerseits überhaupt nicht einen einzigen Mann eingezogen hat und nicht daran dachte, irgendwie gegen Polen vorzugehen. Wie gesagt, dies ist an sich sehr bedauerlich, und die Nachwelt wird einmal entscheiden, ob es nun wirklich so richtig war, diesen von mir gemachten einmaligen Vorschlag abzulehnen. Dies – wie gesagt – war ein Versuch von mir, eine die ganze deutsche Nation innerlich bewegende Frage in einem wahrhaft einmaligen Kompromiß zu lösen, und zwar zu lösen zugunsten beider Länder.

Meiner Überzeugung nach war Polen bei der Lösung aber überhaupt kein gebender Teil, sondern nur ein nehmender, denn daß Danzig niemals polnisch werden wird, dürfte wohl außer Zweifel stehen. Die Deutschland nunmehr von der Weltpresse einfach angedichtete Angriffsabsicht führte in der Folge zu den Ihnen bekannten sogenannten Garantieangeboten und zu einer Verpflichtung der polnischen Regierung für einen gegenseitigen Beistand, der also Polen unter Umständen zwingen würde, im Falle eines Konfliktes Deutschlands mit irgendeiner anderen Macht, durch den wieder England auf den Plan gerufen würde, nun seinerseits gegen Deutschland militärisch Stellung zu nehmen. Diese Verpflichtung widerspricht der Abmachung, die ich seinerzeit mit dem Marschall Pilsudski getroffen habe. Denn in dieser Abmachung ist ausschließlich Bezug genommen auf bereits, also damals bestehende Verpflichtungen, und zwar auf die uns bekannten Verpflichtungen Polens Frankreich gegenüber. Diese Verpflichtungen nachträglich zu erweitern, steht im Widerspruch zur deutsch-polnischen Nichtangriffs-Erklärung. Ich hätte unter diesen Umständen damals diesen Pakt nicht abgeschlossen. Denn was haben Nichtangriffspakte überhaupt für einen Sinn, wenn sich der eine Partner praktisch eine Unmenge von Ausnahmefällen offenläßt!

Es gibt entweder kollektive Sicherheit, das heißt kollektive Unsicherheit und ewige Kriegsgefahr oder klare Abkommen, die aber auch grundsätzlich jede Waffenwirkung unter den Kontrahenten ausschließen.

Ich sehe deshalb damit das von mir und dem Marschall Pilsudski seinerzeit abgeschlossene Abkommen als durch Polen einseitig verletzt an und damit als nicht mehr bestehend!

Ich habe dies der polnischen Regierung mitgeteilt. Ich kann aber auch hier nur wiederholen, daß dies keine Änderung meiner grundsätzlichen Einstellung zu den angeführten Problemen bedeutet.

Sollte die polnische Regierung Wert darauf legen, zu einer neuen vertraglichen Regelung der Beziehungen zu Deutschland zu kommen, so werde ich das nur begrüßen, allerdings unter der Voraussetzung, daß eine solche Regelung dann auf einer ganz klaren und gleichmäßig beide Teile bindenden Verpflichtung beruht. Deutschland ist jedenfalls gerne bereit, solche Verpflichtungen zu übernehmen und dann auch zu erfüllen.

Wenn nun aus diesen Anlässen in den letzten Wochen eine neue Unruhe über Europa hereingebrochen ist, dann ist verantwortlich dafür ausschließlich jene uns bekannte, im Dienst internationaler Kriegshetzer stehende Propaganda, die, von zahlreichen Organen in den demokratischen Staaten betrieben, versucht, durch eine fortgesetzte Steigerung der Nervosität, durch das Fabrizieren andauernder Gerüchte Europa reif für eine Katastrophe zu machen, jene Katastrophe, von der man dann erhofft, was auf anderem Weg bisher nicht gelungen ist. die bolschewistische Vernichtung der europäischen Kultur! Der Haß dieser Hetzer ist um so verständlicher, als ihnen unterdes einer der größten Gefahrenpunkte der europäischen Krise dank des Heldentums eines Mannes, seines Volkes und – das darf ich aussprechen – auch dank der italienischen und der deutschen Freiwilligen entzogen wurde.

Deutschland hat in diesen Wochen mit der heißesten Anteilnahme den Sieg des nationalen Spaniens miterlebt und mitgefeiert.

Als ich mich einst entschloß, dem Ruf General Francos und seiner Bitte, gegenüber der internationalen Unterstützung der bolschewistischen Mordbrenner ihm auch durch das nationalsozialistische Deutschland Hilfe zukommen zu lassen, zu entsprechen, wurde dieser Schritt Deutschlands von diesen selben internationalen Hetzern in der infamsten Weise mißdeutet und beschimpft.

Man erklärte damals, daß Deutschland die Absicht habe, sich in Spanien festzusetzen, daß wir spanische Kolonien zu nehmen gedächten, ja, es wurde in einer niederträchtigen Lüge die Landung von 20 000 Mann in Marokko erfunden, kurz, man hat nichts unterlassen, den Idealismus unserer und der italienischen Unterstützung zu verdächtigen und daraus die Elemente für die neue Kriegsgefahr zu finden.

In wenigen Wochen wird nun der siegreiche Held des nationalen Spanien seinen feierlichen Einzug in der Hauptstadt seines Landes halten. Das spanische Volk wird ihm zujubeln als dem Erlöser von einem unsagbaren Grauen, als dem Befreier von Mordbrennerbanden, die nach den Schätzungen allein an Hingerichteten und Ermordeten über 775 000 Menschen auf dem Gewissen haben.

Man hat die Bevölkerung ganzer Dörfer und Städte förmlich abgeschlachtet unter der stillen huldvollen Patronanz westeuropäischer und amerikanischer demokratischer Humanitätsapostel.

An diesem seinem Siegeseinzug nehmen in den Reihen der tapferen spanischen Soldaten neben den italienischen Kameraden auch die Freiwilligen unserer deutschen Legion teil.

Wir hoffen, die ganz kurze Zeit später bei uns in der Heimat begrüßen zu können.

Das deutsche Volk wird dann erfahren, wie tapfer seine Söhne auch auf diesem Platz für die Freiheit eines edlen Volkes mitgekämpft haben und damit letzten Endes für die Errettung der europäischen Zivilisation. Denn der Sieg des bolschewistischen Untermenschentums in Spanien hätte nur zu leicht seine Wellen über ganz Europa schlagen können. Daher auch der Haß derer, die es bedauern, daß Europa nun wieder nicht in Feuer und Flammen aufging. Sie wollen sich daher erst recht keine Möglichkeit entgehen lassen, um zwischen die Völker das Mißtrauen zu säen und die für sie erwünschte Kriegsstimmung anderwärts zu schaffen.

Was in den letzten Wochen diese internationalen Kriegshetzer an verlogenen Behauptungen zusammenfälschten und vor allem in den zahlreichen Zeitungen zum besten gaben, ist zum Teil ebenso kindisch wie bösartig. Der erste Erfolg ist – soweit dies nicht den innerpolitischen Zwecken der demokratischen Regierungen dienen soll – die Verbreitung einer nervösen Hysterie, die im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten zur Zeit bereits die Landung von Marsbewohnern für möglich hält. Der eigentliche Zweck soll allerdings die Vorbereitung der öffentlichen Meinung sein, die englische Einkreisungspolitik als notwendig anzusehen und sie mithin auch im schlimmsten Falle zu unterstützen.

Das deutsche Volk kann demgegenüber mit größter Ruhe seiner Arbeit nachgehen. Seine Grenzen werden vom besten Heer der deutschen Geschichte verteidigt, sein Luftraum wird von der gewaltigsten Luftflotte geschützt, unsere Küsten sind für jede feindliche Macht unangreifbar gemacht. Im Westen ist das stärkste Verteidigungswerk aller Zeiten entstanden. Das Entscheidendste aber ist die Geschlossenheit des Volkskörpers selbst, das Vertrauen der Deutschen untereinander auf die gemeinsame Wehrmacht und – ich darf dies wohl aussprechen – das Vertrauen aller auf die Führung.

Nicht geringer aber ist das Vertrauen von Führung und Volk zu unseren Freunden.

Und hier an der Spitze zu dem Staat, der uns in seiner schicksalhaften Verbundenheit in jeder Hinsicht am nächsten steht. Auch in diesem Jahr hat das faschistische Italien

das höchste Verständnis für die berechtigten deutschen Interessen aufgebracht. Es darf niemand wundernehmen, wenn auf unserer Seite das gleiche Empfinden gegenüber den italienischen Lebensnotwendigkeiten besteht.

Der Bund, der diese beiden Völker vereint, ist unzerreißbar.

Jeder Versuch, an dieser Tatsache zu rütteln, erscheint uns als lächerlich.

Er erhält in jedem Fall seine beste Illustrierung und Aufklärung in dem Artikel, den vor wenigen Tagen erst eine große demokratische Zeitung schrieb, daß man nicht mehr daran glauben dürfe, Italien und Deutschland auseinandermanöverieren zu können, um sie dann einzeln zu vernichten.

So hat die Deutsche Reichsregierung auch im tiefsten Verständnis das Recht der Aktion des italienischen Freundes in Albanien begriffen und sie daher begrüßt. Ja, der Faschismus hat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, in dem Italien von Natur und Geschichte zugewiesenen Lebensraum für die Aufrechterhaltung einer Ordnung zu sorgen, durch die allein eine wirkliche Blüte der menschlichen Kultur begründet und gesichert erscheint. Über die zivilisatorischen Arbeiten des Faschismus kann man in der übrigen Welt aber letzten Endes genau so wenig im Zweifel sein wie über den Nationalsozialismus. In beiden Fällen sprechen unbestreitbare Tatsachen gegen das haltlose Geflunker und die unbewiesenen Behauptungen der anderen Seite.

Die Verengung der Beziehungen Deutschlands zu Italien und zu Japan ist das dauernde Ziel der deutschen Staatsführung. Wir sehen in dem Bestand und der Erhaltung der Freiheit und Unabhängigkeit dieser drei Weltmächte das stärkste Element der Aufrechterhaltung einer wirklichen menschlichen Kultur, einer praktischen Zivilisation sowie einer gerechten Weltordnung für die Zukunft.

Antwort an Roosevelt

Wie nun schon eingangs erwähnt, erhielt die Welt am 15. April 1939 Kenntnis des Inhalts von einem Telegramm, das ich dann später tatsächlich auch persönlich zu sehen bekam. Es ist schwierig, dieses Dokument zu klassifizieren oder in eine bekannte Ordnung einzureihen. Ich will daher vor Ihnen, meine Abgeordneten des Deutschen Reichstages, und damit vor dem ganzen deutschen Volk eine Analysierung des Inhalts dieses merkwürdigen Schriftstückes versuchen und daran anknüpfend auch gleich in Ihrem Namen und im Namen des deutschen Volkes die notwendigen Antworten geben.

1. Herr Roosevelt ist der Meinung, daß auch ich mir darüber klar sei, daß in der ganzen Welt hunderte von Millionen der menschlichen Wesen häufig in ständiger Furcht vor einem neuen Krieg, ja sogar vor einer Reihe von Kriegen lebten. Dies ginge auch das Volk der Vereinigten Staaten, dessen Wortführer er sei, nahe an, und ebenso müsse es auch alle die anderen Völker der ganzen westlichen Halbkugel angehen.

Antwort:

Dazu wäre zunächst zu sagen, daß diese Furcht vor Kriegen ohne Zweifel seit jeher die Menschheit und mit Recht erfüllt hat.

So sind zum Beispiel nach dem Friedensschluß von Versailles vom Jahre 1919 – 1938 allein 14 Kriege geführt wurden, an denen allerdings Deutschland in keinem Fall beteiligt war, wohl aber Staaten der „westlichen Halbkugel“, in deren Namen Herr Präsident Roosevelt ebenfalls das Wort ergreift. Dazu kommen noch im selben Zeitraum 26 gewaltsame Interventionen und mit blutiger Gewalt durchgeführte Sanktionen. Auch daran ist Deutschland gänzlich unbeteiligt gewesen. Die amerikanische Union allein hat in 6 Fällen seit 1918 militärische Interventionen durchgeführt. Sowjetrußland hat seit 1918 zehn Kriege und militärische Aktionen mit blutiger Gewalt geführt. Auch hieran war Deutschland in keinem Falle beteiligt. Es war auch nicht die Ursache eines dieser Vorgänge.

Es würde also in meinen Augen ein Irrtum sein, anzunehmen, daß die Furcht der europäischen oder außereuropäischen Völker vor Kriegen gerade in diesem Augenblick auf wirkliche Kriege selbst zurückgeführt werden könnte, für die Deutschland verantwortlich gemacht werden dürfte. Der Grund für diese Furcht liegt ausschließlich in einer ungezügelten, ebenso verlogenen wie niederträchtigen Pressehetze, in der Verbreitung übelster Pamphlete über fremde Staatsoberhäupter, in der künstlichen Panikmache, die am Ende so weit führt, daß selbst Interventionen von Planeten für möglich gehalten werden und zu heillosen Schreckenszenen führen.

Ich glaube, daß, sobald die verantwortlichen Regierungen sich selbst und ihren publizistischen Organen über die Beziehungen der Völker untereinander und insonderheit über die inneren Vorgänge bei anderen Völkern die notwendige Zurückhaltung und Wahrheitsliebe auferlegen, die Kriegsangst sofort verschwinden wird und die von uns allen so erwünschte Ruhe eintreten könnte.

2. Herr Roosevelt glaubt in seinem Telegramm, daß jeder größere Krieg, sogar wenn er auf andere Kontinente beschränkt bleiben sollte, sich während seiner Dauer und noch auf die ganze Lebenszeit mehrerer Generationen nachher schwer auswirken wird.

Antwort:

Dies weiß niemand mehr als das deutsche Volk, denn dem deutschen Volk wurden im Friedensvertrag von Versailles Lasten aufgebürdet, die nicht einmal in hundert Jahren anzutragen gewesen wären, obwohl gerade amerikanische Staatsrechtslehrer, Historiker und Geschichtsprofessoren nachgewiesen haben, daß Deutschland am Ausbruch des Weltkrieges genau so schuldlos war wie irgend ein anderes Volk.

Allein, ich glaube nicht, daß jede Kampf sich für eine ganze Umwelt, das heißt für die ganze Erde katastrophal auswirken muß dann, wenn man nämlich nicht künstlich durch ein System undurchsichtiger Paktverpflichtungen die ganze Erde planmäßig in solche Konflikte hineinzieht. Denn da die Welt bisher in früheren Jahrhunderten und – wie ich eingangs in meinen Antworten nachwies – auch in den letzten Jahrzehnten fortgesetzt Kriege erlebte, würde im Falle des Zutreffens der Auffassung Roosevelts schon jetzt in der Zusammenaddierung de Auswirkung all dieser Kriege die Menschheit noch Jahrmillionen zu tragen haben.

3. Herr Roosevelt erklärt, daß er sich schon bei einer früheren Gelegenheit an mich gewandt habe im Interesse der Regelung politischer, wirtschaftlicher und sozialer Probleme auf friedlichem Wege mit der Hoffnung, dabei ohne Appell an die Waffen vorzugehen.

Antwort:

Ich habe diese Auffassung bisher auch selbst vertreten, und wie die Geschichte es ja auch erweist, ohne Waffengewalt, das heißt ohne Appell an die Waffen die notwendigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme geregelt.

Leider ist diese friedliche Regelung aber durch die Hetze von Politikern, Staatsmännern und Presseleuten erschwert worden, die von den in Frage stehenden Problemen weder betroffen oder auch nur berührt werden konnten.

4. Herr Roosevelt glaubt, daß die „Zeitströmung“ jetzt wieder drohende Waffengewalt mit sich bringe und daß, wenn derartige Bedrohungen fortdauern, es unvermeidlich erscheine, daß ein großer Teil der Welt gemeinsam dem Verderben anheimfalle.

Antwort:

Soweit es sich um Deutschland handelt, ist mir von einer derartigen Bedrohung anderer Nationen nichts bekannt, wohl aber lese ich in den demokratischen Zeitungen jeden Tag die Lügen von derartigen Bedrohungen. Ich lese jeden Tag von deutschen Mobilmachungen, von Truppenlandungen, von Erpressungen, und zwar alles von Staaten, mit denen wir nicht nur in tiefstem Frieden leben, sondern in vielen Fällen auf das engste befreundet sind.

5. Herr Roosevelt glaubt weiter, daß im Falle eines Krieges siegreiche, besiegte und neutrale Nationen zu leiden haben werden.

Antwort:

Diese Überzeugung habe ich als Politiker 20 Jahre lang vertreten in einer Zeit, da leider die amerikanischen verantwortlichen Staatsmänner für ihre Beteiligung am Weltkrieg und für die Art des Ausgangs desselben nicht zu gleichem Verständnis durchringen konnten.

6. Herr Roosevelt glaubt endlich, daß es in der Hand der Führer großer Nationen liege, ihre Völker vor dem drohenden Unheil zu retten.

Antwort:

Wenn dies zutrifft, dann ist es ein strafbarer Leichtsinn, um kein schlimmeres Wort zu gebrauchen, wenn die Führer von Völkern, die über eine solche Macht verfügen, es nicht fertig und zuwege bringen, ihrer zum Kriege hetzenden Presse die Zügel anzulegen, um dadurch die Welt vor dem drohenden Unheil einer kriegerischen Auseinandersetzung zu bewahren.

Ich halte es dann weiter für unverständlich, wie diese verantwortlichen Führer, statt die diplomatischen Beziehungen der Völker untereinander zu pflegen, diese durch die Abberufung von Botschaften usw. ohne jeden Grund erschweren, ja stören lassen können.

7. Herr Roosevelt erklärt, daß in Europa drei und in Afrika eine unabhängige Nation ihre Existenz eingebüßt hätten.

Antwort:

Ich weiß nicht, welche Nationen unter diesen dreien in Europa verstanden werden. Sollte es sich dabei um die dem Deutschen Reich zurückgegliederten Provinzen handeln, dann muß ich den Herrn Präsidenten auf einen geschichtlichen Irrtum aufmerksam machen.

Diese Nationen haben nicht jetzt in Europa ihre unabhängige Existenz eingebüßt, sondern im Jahre 1918, als man sie unter Bruch eines feierlich gegebenen Versprechens aus ihren Gemeinschaften riß und zu Nationen stempelte, die sie nie sein wollten, nicht waren, und als man ihnen eine Unabhängigkeit aufoktroyerte, die keine Unabhängigkeit war, sondern höchstens nur die Abhängigkeit von einem internationalen Ausland, das sie haßten, bedeuten konnte.

Allein, auch was die eine Nation in Afrika anbetrifft, die dort ihre Freiheit verloren haben soll, so liegt auch hier wohl nur ein Irrtum vor, denn nicht eine Nation in Afrika hat ihre Freiheit verloren, sondern nahezu alle früheren Einwohner dieses Kontinents sind mit blutiger Gewalt der Souveränität anderer Völker unterworfen worden und haben mithin ihre Freiheit verloren. Marokkaner, Berber, Araber, Neger usw. sind alle einer fremden Gewalt zum Opfer gefallen, deren Schwerter und Bomben freilich nicht den Stempel „Made in Germany“, sondern „Made in Democracies“ trugen.

8. Herr Roosevelt spricht endlich von Gerüchten, von denen er allerdings glaubt, daß sie nicht zutreffen, die aber besagen, daß gegen noch weitere unabhängige Nationen weitere Angriffsakte erwogen werden.

Antwort:

Ich halte jede solche durch nichts begründete Andeutung für eine Versündigung an der Ruhe und damit am Frieden der Welt. Ich sehe darin weiter eine Schreckung oder zumindest Nervösmachung kleiner Nationen. Sollte Herr Roosevelt hier wirklich bestimmte Fälle im Auge haben, dann würde ich bitten, die vom Angriff bedrohten Staaten und die in Frage kommenden Angreifer zu nennen. Es wird dann möglich sein, durch kurze Erklärungen diese ungeheuerlichen allgemeinen Beschuldigungen aus der Welt zu schaffen.

9. Herr Roosevelt erklärt, daß offensichtlich die Welt dem Augenblick zutreibt, wo diese Lage in einer Katastrophe enden muß, wenn nicht ein rationeller Weg gefunden wird, die Ereignisse zu lenken. Er erklärt endlich, ich hätte wiederholt versichert, daß ich und das deutsche Volk den Krieg nicht wünschten und daß, wenn dies zutreffe, auch kein Krieg geführt werden brauchte.

Meine Antwort:

Ich darf noch einmal feststellen, daß ich

erstens keinen Krieg geführt habe, daß ich

zweitens seit Jahren meinem Abscheu vor einem Kriege und allerdings auch meinem Abscheu vor einer Kriegshetze Ausdruck verleihe, und daß ich

drittens nicht wüßte, für welchen Zweck ich überhaupt einen Krieg führen sollte. Ich wäre Herrn Roosevelt dankbar, wenn er mir darüber Aufklärung geben wollte.

10. Herr Roosevelt ist endlich der Meinung, daß die Völker der Erde nicht davon überzeugt werden könnten, daß irgendeine Regierungsgewalt irgend ein Recht oder einen zwingenden Anlaß hat, auf ihr eigenes oder auf andere Völker die Folgen eines Krieges herabzuzwingen, es sei denn aus dem Grunde unzweideutiger Selbstverteidigung.

Antwort:

Ich glaube, dies ist die Auffassung aller vernünftiger Menschen, nur scheint es mir, daß der Fall der unzweideutigen Selbstverteidigung fast in jedem Krieg von beiden Seiten in Anspruch genommen wird, und daß jene Einrichtung auf der Welt einschließlich der Person Roosevelts nicht vorhanden ist, um dieses Problem eindeutig zu klären.

Es kann wohl kein Zweifel darüber geben, daß zum Beispiel Amerika in den Weltkrieg in keinem Fall zur „unzweideutigen Selbstverteidigung“ eingetreten ist.

Ein vom Herrn Präsidenten Roosevelt selbst eingesetzter Untersuchungsausschuß hat im Gegenteil die Ursachen des Eintritts Amerikas in den Weltkrieg untersucht und kam dabei zur Feststellung, daß dieser Eintritt im wesentlichen aus ausschließlich kapitalistischen Gesichtspunkten erfolgt ist. Trotzdem sind daraus keinerlei praktische Konsequenzen gezogen worden. Wir wollen also nur hoffen, daß wenigstens die nordamerikanische Union diesen edlen Grundsatz endlich auch selbst in der Zukunft vertritt und nur dann gegen das eine oder andere Volk in den Krieg zieht, wenn wirklich der Fall der unzweideutigen Selbstverteidigung gegeben ist.

11. Herr Roosevelt meint weiter, daß er nicht aus Selbstsucht, Schwäche oder Furcht so spreche, sondern nur mit der Stimme der Kraft und aus Freundschaft für die Menschheit.

Antwort:

Wenn diese Stimme der Kraft und der Freundschaft zur Menschheit von Amerika aus zur richtigen Zeit erhoben worden wäre, und wenn vor allem dieser Stimme dann ein praktischer Wert zugekommen sein würde, dann hätte zumindest jener Vertrag verhindert werden können, der zur Quelle der größten Menschheitszerrüttung aller Zeiten wurde, nämlich das Versailler Diktat.

12. Herr Roosevelt erklärt nun weiter, daß es für ihn feststeht, daß sich alle internationalen Probleme am Konferenztisch lösen lassen.

Meine Antwort:

Theoretisch müßte man wirklich glauben, daß dies möglich sein könnte, denn die Vernunft würde ja in vielen Fällen die Berechtigung von Forderungen auf der einen Seite und die zwingende Notwendigkeit des Entgegenkommens auf der anderen Seite ohne weiteres aufweisen.

Zum Beispiel: Nach aller Vernunft, Logik und nach allen Grundsätzen einer menschlichen allgemeinen und höheren Gerechtigkeit, ja sogar nach den Gesetzen eines göttlichen Willens müßten alle Völker an den Gütern dieser Welt gleichen Anteil haben. Es dürfte dann nicht vorkommen, daß ein Volk so viel Lebensraum beansprucht, daß es mit noch nicht einmal 15 Menschen auf den Quadratkilometer auskommen kann, während andere Völker gezwungen sind, 140, 150 oder gar 200 Menschen auf derselben Fläche zu ernähren. Auf keinen Fall aber dürften diese glücklichen Völker dann den an sich Leidenden noch ihren vorhandenen Lebensraum beschneiden, ihnen zum Beispiel auch noch ihre Kolonien wegnehmen. Ich würde mich also freuen, wenn am Konferenztisch wirklich diese Probleme ihre Lösung finden könnten.

Meine Skepsis beruht aber darin, daß es Amerika selbst war, das seinem Mißtrauen über die Wirksamkeit von Konferenzen den schärfsten Ausdruck verlieh. Denn die größte Konferenz aller Zeiten war ohne Zweifel der Völkerbund. Dies nach dem Willen eines amerikanischen Präsidenten geschaffene Gremium aller Völker der Welt sollte die Probleme der Menschheit am Konferenztisch lösen. Der erste Staat aber, der sich von dieser Arbeit zurückhielt, war die amerikanische Union. Und zwar, weil bereits der Präsident Wilson äußerste Bedenken hegte über die Möglichkeit, an einem solchen Konferenztisch die wirklich entscheidenden internationalen Probleme lösen zu können.

Ihre gute Meinung in Ehren, Herr Roosevelt, aber dieser Ihrer Meinung steht gegenüber die reale Tatsache, daß es in fast 20jähriger Tätigkeit der größten permanenten Konferenz der Welt, nämlich dem Völkerbund, nicht gelungen ist, auch nur ein wirklich entscheidendes internationales Problem zu lösen.

Deutschland war viele Jahre durch den Friedensvertrag von Versailles an der Teilnahme dieser größten Weltkonferenz entgegen dem Versprechen Wilsons ausgeschlossen. Trotz vorliegender bitterster Erfahrungen glaubte aber dennoch eine deutsche Regierung nicht, dem Beispiel der amerikanischen Union folgen zu sollen, sondern sich später an diesen Konferenztisch setzen zu müssen.

Ich selbst habe mich dann entschlossen, nach jahrelanger zweckloser Teilnahme das Beispiel Amerikas nachzuahmen und die größte Konferenz der Welt ebenfalls zu verlassen.

Seitdem habe ich nun die mein Volk betreffenden Probleme, die am Konferenztisch des Völkerbundes leider wie alle anderen nicht gelöst worden sind, gelöst, und zwar ausnahmslos ohne Krieg!

Abgesehen davon sind aber in den letzten Jahren, wie schon betont, zahlreiche andere Probleme vor Weltkonferenzen gebracht worden, ohne daß irgendeine Lösung gelungen war. Wenn aber überhaupt diese Ihre Auffassung, Herr Roosevelt, daß jedes Problem am Konferenztisch gelöst werden kann, zutrifft, dann wurden die Völker einschließlich der amerikanischen Union, im Laufe der übersehbaren 7000 bis 8000 Jahre entweder von Blinden oder von Verbrechern geführt. Denn sie alle, einschließlich der Staatsmänner der amerikanischen Union, und zwar ihre größten, haben im wesentlichen die Geschichte nicht am Konferenztisch, sondern im Einsatz der Kraft ihrer Völker gestaltet.

Die Freiheit Nordamerikas ist so wenig am Konferenztisch errungen worden, wie der Konflikt zwischen den Nord- und Südstaaten am Konferenztisch entschieden wurde. Von den unzähligen Kämpfen der allmählichen Unterwerfung des nordamerikanischen Kontinents will ich ganz absehen. Ich erwähne dies alles nur, um festzustellen, daß Ihre Auffassung, Herr Präsident Roosevelt, sicher aller Ehren wert ist, allein in der Geschichte weder Ihres eigenen Landes noch in der der übrigen Welt eine Bestätigung findet.

13. Herr Roosevelt stellt weiter fest, daß es keine Antwort auf die Befürwortung friedlicher Besprechungen sei, wenn die eine Seite ausführt, sie werde die Waffen nicht aus der Hand legen, wenn sie nicht von vornherein die Zusicherung bekäme, daß die Entscheidung für sie fallen werde.

Meine Antwort:

Glauben Sie, Herr Roosevelt, daß, wenn letzte Völkerschicksale auf dem Spiele stehen, eine Regierung oder eine Volksführung vor einer Konferenz die Waffen niederlegen oder vielleicht ausliefern wird, einfach in der blinden Hoffnung, daß die Klugheit der anderen Konferenzteilnehmer oder meinetwegen ihre Einsicht schon das Richtige beschließen werden?

Herr Roosevelt, es hat in der Weltgeschichte bisher nur ein Volk und eine einzige Regierung gegeben, die dieses ihr angepriesene Rezept befolgt haben: Deutschland.

Die deutsche Nation hat einst im Vertrauen auf die feierlichen Zusicherungen des amerikanischen Präsidenten Wilson und auf die Bestätigung dieser Zusicherung durch die Alliierten die Waffen niedergelegt und ging also waffenlos zum Konferenztisch – allerdings hat man mit dem Augenblick, da die deutsche Nation die Waffen niedergelegt hatte, sie nicht einmal mehr zur Konferenz eingeladen, sondern, entgegen allen Zusicherungen, den größten Wortbruch aller Zeiten verübt.

Eines Tages wurde, statt am Konferenztisch die größte Verwirrung aller Zeiten zu lösen, durch das grausamste Diktat der Welt eine noch schrecklichere Verwirrung angerichtet.

Die Vertreter des deutschen Volkes aber, die im Vertrauen auf feierliche Zusicherungen eines amerikanischen Präsidenten die Waffen niedergelegt hatten und mithin waffenlos erschienen, wurden nicht einmal bei der Entgegennahme des Diktats als die Vertreter einer Nation empfangen, die immerhin im Kampf für die Freiheit und Unabhängigkeit über vier Jahre einer ganzen Welt mit unermeßlichem Heldentum standgehalten hatte, sondern entehrende behandelt, als dies früher bei Siouxhäuptlingen der Fall sein konnte.

Die deutschen Delegierten wurden vom Pöbel beschimpft, mit Steinen beworfen, wie Gefangene nicht vor den Konferenztisch der Welt, sondern vor das Tribunal der Sieger geschleift und dort mit vorgehaltener Pistole zur Annahme der schandbarsten Unterwerfung und Ausplünderung aller Zeiten gezwungen.

Herr Roosevelt, ich darf Ihnen versichern, daß es mein unerschütterlicher Wille ist, dafür zu sorgen, daß nicht nur jetzt, sondern für alle Zukunft kein Deutscher mehr wehrlos eine Konferenz betritt, sondern daß hinter jedem deutschen Unterhändler für alle Zeiten die geeinte Macht der deutschen Nation stehen soll und stehen wird, so wahr mir Gott helfe.

14. Herr Roosevelt glaubt, daß es nötig sei, in einen Konferenzsaal so hineinzugehen wie in ein Gericht, daß beide Parteien in einem guten Glauben eintreten und davon ausgehen, daß tatsächlich beiden Gerechtigkeit zuteil werden wird.

Antwort:

Die deutschen Vertreter werden niemals mehr in eine Konferenz hineingehen, die für sie ein Tribunal ist. Denn wer soll hier Richter sein? Es gibt vor einer Konferenz keinen Angeklagten und keinen Kläger und keinen Richter, sondern nur zwei Streitende. Und wenn nicht die Vernunft der beiden Betroffenen einen Ausweg zum Ausgleich findet, dann werden sie sich niemals dem Richterspruch desinteressierter fremder Gewalten ausliefern.

Im übrigen hat es ja gerade die amerikanische Union abgelehnt, sich in den Völkerbund zu begeben und dort das Opfer eines Gerichtshofes zu werden, der mit der Mehrheit der Stimmen in der Lage war, gegen die Interessen einzelner zu entscheiden.

Ich würde aber dankbar sein, wenn Herr Roosevelt erläutern wollte, wie denn nun der neue Gerichtshof der Welt beschaffen sein soll. Wer sind hier die Richter, und nach welchem Verfahren werden sie ausgesucht und nach welcher Verantwortung handeln sie? Und vor allen, vor welche Verantwortung können sie gezogen werden?

15. Herr Roosevelt glaubt, daß die Sache des Weltfriedens sehr gefördert werden würde, wenn die Nationen der Welt eine offene Erklärung über die gegenwärtige und künftige Politik der Regierungen abgeben würden.

Antwort:

Ich habe dies, Herr Roosevelt, bisher in zahllosen öffentlichen Reden stets getan. Auch in der heutigen Sitzung des Deutschen Reichstages habe ich wieder – soweit dies in zwei Stunden denkbar ist – eine solche Erklärung abgegeben.

Ich muß es aber ablehnen, eine solche Erklärung jemand anderem zu geben als dem Volk, für dessen Existenz und Leben ich verantwortlich bin und das umgekehrt allein das Recht hat, von mir Rechenschaft zu fordern.

Ich gebe aber diese Zielsetzung der deutschen Politik so öffentlich, daß sie ohnehin die ganze Welt hören kann. Allein, diese Aufklärungen sind solange für die übrige Welt ohne Belang, als es einer Presse möglich ist, jede Erklärung zu verfälschen, zu verdächtigen, die in Frage zu stellen oder mit neuen lügenhaften Antworten zu überdecken.

16. Herr Roosevelt glaubt, daß die Vereinigten Staaten als eine der Nationen de westlichen Halbkugel nicht unmittelbar in die Streitigkeiten verwickelt seien, die in Europa entstanden sein sollen, und daß sich daher schon deshalb bereit sein müßte, ihm als dem Oberhaupt einer so weit von Europa entfernten Nation eine solche Erklärung der deutschen Politik abzugeben.

Antwort:

Herr Roosevelt glaubt also ernstlich, daß die Sache des Weltfriedens wirklich gefördert werden würde, wenn die Nationen der Welt eine offene Erklärung über die gegenwärtige Politik der Regierungen abgegeben werden könnte.

Wie kommt aber Präsident Roosevelt dazu, gerade dem deutschen Staatsoberhaupt zuzumuten, ihm eine Erklärung abzugeben, ohne daß nicht auch die anderen Regierungen diese Erklärung ihrer Politik abzugeben eingeladen werden?

Ich glaube freilich, daß es nicht angängig ist, überhaupt eine solche Erklärung irgendeinem fremden Staatsoberhaupt abzugeben, sondern solche Erklärungen sollten entsprechend den seinerzeitigen Forderungen des Präsidenten Wilson über die Abschaffung der Geheimdiplomatie am besten vor der ganzen Welt bekanntgegeben werden. Dazu war ich bisher nicht nur stets bereit, sondern das habe ich – wie schon erwähnt – nur zu oft getan. Leider sind gerade die wichtigsten Erklärungen über die Ziele und Absichten der deutschen Politik in vielen sogenannten demokratischen Staaten dank der Presse entweder den Völkern vorenthalten oder verdreht worden.

Wenn aber nun der amerikanische Präsident Roosevelt sich berufen glaubt, ausgerechnet an Deutschland oder an Italien eine solche Anforderung richten zu dürfen deshalb, weil Amerika so weit von Europa entfernt sei, dann würde, da die Entfernung Europas von Amerika die gleiche ist, mit demselben Recht auch von unserer Seite an den Herrn Präsidenten der amerikanischen Republik die Frage gerichtet werden können, welche Ziele denn die amerikanische Außenpolitik ihrerseits verfolge, und welche Absichten denn dieser Politik zugrunde liegen, sagen wir zum Beispiel den mittel- und südamerikanischen Staaten gegenüber. Herr Roosevelt wird sich in diesem Falle sicherlich auf die Monroe-Doktrin berufen und eine solche Forderung als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des amerikanischen Kontinents ablehnen.

Genau die gleiche Doktrin vertreten wir Deutsche nun für Europa, auf alle Fälle aber für den Bereich und die Belange des Großdeutschen Reiches.

Im übrigen werde ich mir selbstverständlich nie erlauben, an den Herrn Präsidenten der Vereinigten Staaten Nordamerikas eine solche Aufforderung zu richten, da ich annehme, daß er eine solche Zumutung mit Recht wahrscheinlich als taktlos empfinden würde.

17. Herr Roosevelt erklärt nun weiter, daß er die ihm gewordenen Mittelungen über die politischen Ziele Deutschlands dann anderen sich bedroht fühlenden Völkern mitteilen würde, die jetzt Befürchtungen haben über die Richtung dieser unserer Politik.

Antwort:

Durch welches Verfahren hat Herr Roosevelt überhaupt festgestellt, welche Nationen sich durch die deutsche Politik bedroht fühlen und welche nicht? Oder ist Herr Roosevelt trotz der doch sicherlich auch auf ihm lastenden ungeheuren Arbeit in seinem Lande in der Lage, von sich aus alle diese inneren Seelen- und Geistesverfassungen anderer Völker und ihrer Regierungen zu kennen?

18. Herr Roosevelt verlangt endlich die Bereitwilligkeit, ihm die Zusicherung zu geben, daß die deutschen Streitkräfte des Staatsgebiet oder die Besitzungen folgender unabhängiger Nationen nicht angreifen und vor allem nicht dort einmarschieren würden. Und er nennt als dafür in Frage kommend nun: Finnland, Lettland, Litauen, Norwegen, Schweden, Dänemark, Niederlande, Belgien, Großbritannien, Irland, Frankreich, Portugal, Spanien, die Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Rußland, Bulgarien, Türkei, Irak, Arabien, Syrien, Palästina, Ägypten und Iran.

Antwort:

Ich habe mir zunächst die Mühe genommen, bei den angeführten Staaten festzustellen,erstens, ob sie sich bedroht fühlen und zweitens, ob vor allem diese Anfrage Herrn Roosevelts an uns eine Anregung ihrerseits oder wenigstens mit ihrem Einverständnis erfolgt sei.

Die Beantwortung war eine durchgehend negative, zum Teil schroff ablehnende. Allerdings konnte einigen der angeführten Staaten und Nationen diese Rückfrage von mir nicht zugeleitet werden, weil sie sich – wie zum Beispiel Syrien – zur Zeit nicht im Besitz ihrer Freiheit befinden, sondern von den militärischen Kräften demokratischer Staaten besetzt gehalten und damit rechtlos gemacht sind.

Drittens: Abgesehen davon haben aber alle an Deutschland angrenzenden Staaten viel bündigere Zusicherungen und vor allem viel bündigere Vorschläge erhalten, als sie Herr Roosevelt in seinem eigenartigen Telegramm von mir erbittet.

Viertens: Sollten aber diese von mir schon so oft gegebenen allgemeinen und direkten Erklärungen etwa in ihrem Wert angezweifelt werden, dann würde doch wohl die Abgabe einer weiteren solchen Erklärung, auch wenn Herr Roosevelt der Empfänger sein sollte, ebenso wertlos sein. Denn entscheidend ist letzten Endes ja nicht die Bewertung, die Herr Roosevelt an solchen Erklärungen vornimmt, sondern entscheidend ist der Wert, den die in Frage kommenden Staaten solchen Erklärungen beimessen.

Fünftens: Ich muß aber nun Herrn Roosevelt außerdem noch auf einige historische Irrtümer aufmerksam machen. Er erwähnt zum Beispiel Irland und bittet um die Erklärung, daß Deutschland Irland nicht angreife. Ich habe nun soeben eine Rede des irischen Ministerpräsidenten de Valera gelesen, in der dieser nun eigentümlicherweise im Gegensatz zur Meinung Herrn Roosevelts nicht Deutschland beschuldigt, Irland zu unterdrücken, sondern England vorwirft, daß Irland unter der fortwährenden Aggression dieses Staates zu leiden habe.

Bei aller Einsicht Roosevelts in die Nöte und Sorgen anderer Staaten ist immerhin trotzdem anzunehmen, daß der irische Präsident die Gefahren, die sein Land bedrohen, doch wohl noch besser kennen wird als der Präsident der amerikanischen Union.

Ebenfalls ist Herrn Roosevelt ersichtlich die Tatsache entgangen, daß Palästina zur Zeit ja gar nicht von deutschen Truppen, sondern von Engländern besetzt ist und mit brutalsten Gewaltmitteln in seiner Freiheit beschränkt und um seine Unabhängigkeit gebracht wird und zugunsten jüdischer Eindringlinge die grausamsten Mißhandlungen erduldet.

Die in diesem Lande lebenden Araber dürften sich gegenüber Roosevelt daher sicher nicht über eine deutsche Aggression beschwert haben, aber die beklagen sich in andauernden Appellen an die Weltöffentlichkeit über die barbarischen Methoden, mit denen England dort ein seine Freiheit liebendes und nur seine Freiheit verteidigendes Volk niederzuzwingen versucht.

Auch dies wäre vielleicht ein Problem, das man nach der Auffassung des Herrn Roosevelt am Konferenztisch würde lösen müssen, vor einem gerechten Richter also, und nicht durch brachiale Gewalt, durch militärische Mittel, durch Massenerschießungen, durch das Niederbrennen von Dörfern, Sprengungen von Häusern usw. Denn eines steht doch unzweifelhaft fest, daß England in diesem Falle nicht in Abwehr eines drohenden arabischen Angriffs auf England handelt, sondern als von niemand gerufener Eindringling in einem England nicht gehörenden fremden Gebiet seine Gewalt aufrichten will.

Es wären noch eine Reihe ähnlicher Irrtümer des Herrn Roosevelt festzustellen, ganz abgesehen von der Schwierigkeit militärischer Operationen Deutschlands in Staaten und Ländern, die zum Teil zwei-, zum Teil fünftausend und mehr Kilometer von uns entfernt sind.

Ich will aber abschließend hier folgendes erklären:

Die deutsche Regierung ist trotzdem bereit, jedem dieser genannten einzelnen Staaten, wenn er es wünschen sollte und sich selbst an Deutschland mit einem entsprechenden tragbaren Vorschlag wendet, um eine Zusicherung unter der Voraussetzung der unbedingten Gegenseitigkeit auch zu geben.

Bei einer ganzen Reihe der von Roosevelt angeführten Staaten dürfte sich dies allerdings von vornherein erledigen, weil wir mit ihnen ohnehin sogar entweder verbündet oder zumindest engst befreundet sind.

Auch über die Zeitdauer dieser Abmachungen ist Deutschland gerne bereit, mit jedem einzelnen Staat die von ihm gewünschten Vereinbarungen zu treffen.

Ich möchte aber diese Gelegenheit doch nicht vorübergehen lassen, ohne dem Präsidenten der nordamerikanischen Union vor allem eine Versicherung über die Gebiete abzugeben, die doch wohl in erster Linie für seine Besorgnis in Frage kämen, nämlich die nordamerikanische Union selbst und die übrigen Staaten des amerikanischen Kontinents.

Und hier erkläre ich feierlich, daß alle irgendwie verbreiteten Behauptungen über einen beabsichtigten deutschen Angriff oder Eingriff auf oder in amerikanische Gebiete plumper Schwindel oder grobe Unwahrheit sind. Ganz abgesehen davon, daß solche Behauptungen übrigens auch vom militärischen Standpunkt aus nur einer albernen Phantasie entstammen können.

19. Herr Roosevelt erklärt nun im Zusammenhang damit, daß er sich dann vor allem die Erörterung der wirksamsten und schnellsten Art und Weise, nach der die Völker der Welt von der erdrückenden Last der Rüstungen befreit werden könnten, als wichtigstes Moment vorstelle.

Antwort:

Herr Roosevelt weiß vielleicht nicht, daß dieses Problem, soweit es Deutschland betrifft, schon einmal vollständig gelöst war. Das Deutsche Reich hat, und die alliierten Kommissionen bestätigen dies ausdrücklich, schon im Jahre 1919 – 1923 restlos abgerüstet, und zwar in folgendem Umfang:

Es wurden zerstört im Heer:

1. 59 000 Geschütze und Rohre;

2. 130 000 Maschinengewehre;

3. 31 000 Minenwerfer und Rohre;

4. 6 007 000 Gewehre und Karabiner;

5. 243 000 MG.-Läufe;

6. 28 000 Lafetten;

7. 4390 MW.-Lafetten;

8. 38 750 000 Geschosse;

9. 16 550 000 Hand- und Gewehrgranaten;

10. 60 400 000 scharfe Zünder;

11. 491 000 000 Schuß Handwaffenmunition;

12. 335 000 t Geschoßhülsen;

13. 23 515 t Kartusch- und Patronenhülsen;

14. 37 600 t Pulver;

15. 79 000 Munitionsleeren;

16. 212 000 Fernsprecher;

17. 1072 Flammenwerfer usw.

Es wurden weiter zerstört: Schlitten, fahrbare Werkstätten, Flak-Geschützwagen, Protzen, Stahlhelme, Gasmasken, Maschinen der ehemaligen Kriegsindustrie, Gewehrläufe.

Es wurden weiter zerstört in der Luft:

1. 15 714 Jagd- und Bombenflugzeuge;

2. 27 757 Flugmotoren.

Und zur See wurden zerstört:

26 Großkampfschiffe;

4 Küstenpanzer;

4 Panzerkreuzer;

19 kleine Kreuzer;

21 Schul- und Spezialschiffe;

83 Torpedoboote;

315 U-Boote.

Ferner sind noch zerstört worden: Fahrzeuge aller Art, Gaskampf- und zum Teil Gasschutzmittel, Treib- und Sprengmittel, Scheinwerfer, Visiereinrichtungen, Entfernungs- und Schall-Meßgeräte, optische Geräte aller Art, Pferdegeschirr usw. usw., alle Flugzeug- und Luftschiffhallen usw.

Nach den Deutschland einst gegebenen feierlichen Versicherungen, die sogar im Friedensvertrag von Versailles ihre Erhärtung fanden, sollte dies nur eine Vorschußleistung sein, um der andern Welt es ohne Gefahr zu ermöglichen, nunmehr ebenfalls abzurüsten. Auch hierin ist Deutschland, wie in allen anderen Fällen, in seinem Vertrauen auf die Einlösung eines gegeben Wortes auf das schändlichste getäuscht worden. Alle Versuche, in langjährigen Verhandlungen am Konferenztisch die Abrüstung der anderen Staaten ebenfalls herbeizuführen – was wirklich nur ein Element der Klugheit und Gerechtigkeit und darüber hinaus auch die Durchführung versprochener Verpflichtungen gewesen wäre -, scheiterten bekanntlich.

Ich selbst, Herr Roosevelt, habe eine ganze Reihe von praktischen Vorschlägen zur Diskussion gestellt und versuchte, darüber eine Erörterung einzuleiten, um wenigstens eine allgemeine Rüstungsbegrenzung auf niedrigstem Stand zu ermöglichen.

Ich schlug eine Höchststärke für alle Armeen von 200 000 Mann vor, desgleichen die Abschaffung aller zum Angriff geeigneten Waffen, Abschaffung der Bombenflugzeuge, des Giftgaskrieges usw. usw.

Es war aber leider nicht möglich, diese Vorschläge einer übrigen Welt gegenüber durchzusetzen, obwohl Deutschland selbst schon vollständig abgerüstet war.

Ich stellte dann die Vorschläge über ein 300 000-Mann-Heer zur Diskussion. Mit dem gleichen negativen Resultat. Ich habe dann eine ganze Anzahl detaillierter Abrüstungsvorschläge gemacht, und zwar stets vor dem Forum des Deutschen Reichstag und damit vor der ganzen Weltöffentlichkeit.

Es fiel niemandem ein, darüber auch nur in eine Erörterung einzutreten. Dafür aber begann die übrige Welt, ihre an sich schon vorhandenen enormen Rüstungen noch mehr zu verstärken.

Und erst, als im Jahre 1934 der letzte meiner umfassenden deutschen Vorschläge, der ein 300 000-Mann-Heer betraf, endgültig abgelehnt worden war, gab ich den Befehl zu einer deutschen, nunmehr allerdings gründlichen Wiederaufrüstung.

Trotzdem möchte ich kein Hindernis sein für die Erörterung von Abrüstungsfragen, an denen Sie, Herr Roosevelt, selbst teilzunehmen beabsichtigen. Nur bitte ich, sich zunächst nicht an mich und Deutschland, sondern an die anderen zu wenden. Ich sehe hinter mir die Summe praktischer Erfahrungen und bin daher so lange skeptisch veranlagt, als ich nicht durch die Wirklichkeit eines Besseren belehrt werde.

20. Herr Roosevelt versichert endlich, daß er bereit sei, an der praktischen Art und Weise der Erschließung internationaler Handelswege teilzunehmen mit dem Ziel, daß jede Nation der Erde in den Stand gesetzt wird, mit dem gleichen Recht auf dem Weltmarkt zu kaufen und zu verkaufen und die Sicherheit zu haben, Rohstoffe und Erzeugnisse des friedlichen Wirtschaftslebens zu erlangen.

Antwort:

Ich glaube, Herr Roosevelt, daß es sich nicht darum handelt, solche Probleme theoretisch zu erörtern, sondern daß es sich zunächst darum handelt, durch Taten die wirklichen Hemmungen der internationalen Wirtschaft zu beseitigen. Die schlimmsten Hemmungen liegen aber innerhalb der einzelnen Staaten selbst. Die bisherige Erfahrung zeigt jedenfalls, daß die größten Wirtschaftskonferenzen einfach darum gescheitert sind, daß die einzelnen Staaten ihre Binnenwirtschaft nicht in Ordnung halten konnten. Oder daß sie durch Währungsmanipulationen die Unsicherheit in den internationalen Kapitalmarkt trugen, und vor allem die Bewertung der Währungen untereinander fortgesetzten Schwankungen unterwarfen. Ebenso ist es eine unerträgliche Belastung wirtschaftlicher Beziehungen, wenn es in Ländern möglich ist, aus irgendwelchen ideologischen Gründen über andere Völker und ihre Waren eine wilde Boykotthetze loszulassen und diese damit praktisch vom Markte auszuschließen. Ich glaube, Herr Roosevelt, daß es ein großes Verdienst sein würde, wenn Sie zunächst in der amerikanischen Union gerade diese Hemmungen eines wirklichen Wirtschaftsverkehrs mit Ihrem starken Einfluß beseitigen würden.

Denn ich glaube nun einmal, daß, wenn es den Führen der Völker schon nicht einmal möglich sein sollte, die Produktionen innerhalb ihrer eigenen Staaten in Ordnung zu bringen oder die aus ideologischen Gründen betriebenen Boykotthetzen, die dem Wirtschaftsverkehr untereinander so sehr zu schaden vermögen, zu beseitigen, noch viel weniger Aussicht bestehen könnte, durch internationale Vereinbarungen etwas wirklich Fruchtbares zur Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen zu leisten. Nur so wird das gleiche Recht, auf dem Weltmarkt zu kaufen und zu verkaufen, sichergestellt, und zwar für alle.

Im übrigen hat hier das deutsche Volk sehr konkrete Forderungen aufgestellt, und es würde mich freuen, wenn Sie, Herr Präsident, als einer der Nachfolger des einstigen Präsidenten Wilson dafür eintreten wollten, daß nunmehr das Wort eingelöst wird, auf Grund dessen Deutschland einst seine Waffen niederlegte und sich in die Hand der sogenannten Sieger begab. Ich denke dabei zunächst weniger an die Deutschland abgepreßten zahllosen Milliarden an sogenannten Reparationen, als vielmehr an

die Rückgabe der Deutschland geraubten Gebiete.

Denn das deutsche Volk hat in Europa und außerhalb Europas rund 3 Millionen Quadratkilometer Land verloren. Dabei ist das ganze deutsche koloniale Reich, zum Unterschied von den Kolonien anderer Nationen, nicht durch Kriege erworben worden, sondern durch Verträge oder durch Kauf. Präsident Wilson hat uns in feierlicher Weise sein Wort verpfändet, daß der deutsche koloniale Anspruch, genau so wie jeder andere, der gleichen gerechten Prüfung unterliege.

Statt dessen aber wurde den Nationen, die an sich schon die größten Kolonialreiche aller Zeiten besitzen, auch der deutsche Besitz noch zugeschlagen und unser Volk eine, besonders heute und in der Zukunft wirksam werdenden großen Sorge ausgeliefert.

Es würde eine edle Tat sein, wenn der Präsident Franklin Roosevelt das Wort des Präsidenten Woodrow Wilson zur Erlösung bringen würde. Dies würde vor allem ein praktischer Beitrag zur moralischen Konsolidierung der Welt und damit zur Hebung ihrer Wirtschaft sein.

21. Herr Roosevelt erklärt dann abschließend, daß die Chefs aller großen Regierungen in diesem Zeitpunkt für das Geschick der Menschheit verantwortlich seien. Sie müßten die Bitten ihrer Völker hören, um sie vor dem vorauszusehenden Chaos des Krieges zu schützen. Und dafür trüge auch ich eine Verantwortung.

Herr Präsident Roosevelt! Ich verstehe ohne weiteres, daß es die Größe Ihres Reiches und der immense Reichtum Ihres Landes Ihnen erlauben, sich für die Geschicke der ganzen Welt und für die Geschicke aller Völker verantwortlich zu fühlen. Ich, Herr Präsident Roosevelt, bin in einen viel bescheideneren und kleineren Rahmen gestellt. Sie haben 135 Millionen Menschen auf 9 ½ Millionen Quadratkilometern. Sie haben ein Land mit ungeheurem Reichtum, allen Bodenschätzen, fruchtbar genug, um mehr als eine halbe Milliarde Menschen zu ernähren und mit allem Notwendigen zu versorgen.

Ich übernahm einst einen Staat, der dank seines Vertrauens auf die Zusicherungen einer anderen Welt sowie durch das schlechte Regime eigener demokratischer Staatsführung vor dem vollkommenen Ruin stand. In diesem Staat leben nicht wie in Amerika 15, sondern rund 140 Menschen auf dem Quadratkilometer. Die Fruchtbarkeit unseres Landes ist nicht zu vergleichen mit der Fruchtbarkeit des Ihren. Zahllose Bodenschätze, die Ihnen in unbegrenzten Mengen die Natur zur Verfügung stellt, fehlen uns.

Die Milliarden deutscher Ersparnisse aus langen Friedensjahren in Gold und Devisen wurden uns abgepreßt und weggenommen. Unsere Kolonien haben wir verloren. Im Jahre 1933 hatte ich in meinem Lande sieben Millionen Erwerbslose, einige Millionen Kurzarbeiter, Millionen verelendende Bauern, ein vernichtetes Gewerbe, einen ruinierten Handel, kurz: ein allgemeines Chaos.

Ich habe seit dieser Zeit nun, Herr Präsident Roosevelt, nur eine einzige Aufgabe erledigen können. Ich kann mich nicht für das Schicksal einer Welt verantwortlich fühlen, denn diese Welt hat am jammervollen Schicksal meines eigenen Volkes auch keinen Anteil genommen. Ich habe mich als von der Vorsehung berufen angesehen, nur meinem eigenen Volk zu dienen und es aus seiner furchtbaren Not zu erlösen. Ich habe daher in diesen nunmehr zurückliegenden 6 ½ Jahren Tag und Nacht stets nur dem einen Gedanken gelebt, die eigenen Kräfte meines Volkes angesichts des Verlassenseins von der ganzen anderen Welt zu erwecken, auf das äußerste zu steigern und sie für die Rettung unserer Gemeinschaft einzusetzen.

Ich habe das Chaos in Deutschland überwunden, die Ordnung wiederhergestellt, die Produktionen auf allen Gebieten unserer nationalen Wirtschaft ungeheuer gehoben, durch äußerste Anstrengungen für die zahlreichen uns fehlenden Stoffe Ersatz geschaffen, neuen Erfindungen die Wege geebnet, das Verkehrsleben entwickelt, gewaltige Straßen in Bau gegeben. Ich habe Kanäle graben lassen, riesenhafte neue Fabriken ins Leben gerufen und mich dabei bemüht, auch den Zwecken der sozialen Gemeinschaftsentwicklung, der Bildung und der Kultur meines Volkes zu dienen.

Es ist mir gelungen, die uns alle so zu Herzen gehenden 7 Millionen Erwerbslosen restlos wieder in nützliche Produktionen einzubauen, den deutschen Bauer trotz aller Schwierigkeiten auf seiner Scholle zu halten und diese selbst ihm zu retten, den deutschen Handel wieder zur Blüte zu bringen und den Verkehr auf das gewaltigste zu fördern.

Um den Bedrohungen durch eine andere Welt vorzubeugen, habe ich das deutsche Volk nicht nur politisch geeint, sondern auch militärisch aufgerüstet, und ich habe weiter versucht, jenen Vertrag Blatt um Blatt zu beseitigen, der in seinen 448 Artikeln die gemeinste Vergewaltigung enthält, die jemals Völkern und Menschen zugemutet worden ist.

Ich habe die uns 1919 geraubten Provinzen dem Reich wieder zurückgegeben, ich habe Millionen von uns weggerissener, tiefunglücklicher Deutscher wieder in die Heimat geführt, ich habe die tausendjährige historische Einheit des deutschen Lebensraumes wiederhergestellt, und ich habe, Herr Präsident, mich bemüht, dieses alles zu tun, ohne Blut zu vergießen und ohne mein Volk oder anderen daher das Leid des Krieges zuzufügen.

Ich habe dies, Herr Präsident, als ein noch vor 21 Jahren unbekannter Arbeiter und Soldat meines Volkes, aus meine eigenen Kraft geschaffen und kann daher vor der Geschichte es in Anspruch nehmen, zu jenen Menschen gerechnet zu werden, die das Höchste leisteten, was von einem einzelnen billiger- und gerechterweise verlangt werden kann.

Sie, Herr Präsident, haben es demgegenüber unendlich leichter. Sie sind, als ich 1933 Reichskanzler wurde, Präsident der amerikanischen Union geworden, Sie sind damit im ersten Augenblick an der Spitze eines der größten und reichsten Staaten der Welt getreten.

Sie haben das Glück, kaum 15 Menschen auf den Quadratkilometer Ihres Landes ernähren zu müssen. Ihnen stehen die unendlichsten Bodenreichtümer der Welt zur Verfügung. Sie können durch die Weite ihres Raumes und die Fruchtbarkeit ihrer Felder jedem einzelnen Amerikaner das Zehnfache an Lebensgütern sichern, als es in Deutschland möglich ist. Die Natur hat Ihnen dies jedenfalls gestattet. Obwohl die Zahl der Einwohner Ihres Landes kaum ein Drittel größer ist als die Zahl der Bewohner Großdeutschlands, steht Ihnen mehr als 15mal so viel Lebensfläche zu Verfügung.

Sie können daher Zeit und Muße finden, bestimmt durch die Größe Ihre ganzen Verhältnisse, sich mit universalen Problemen zu beschäftigen. Für Sie ist daher sicherlich auch deshalb die Welt so klein, daß Sie glauben mögen, überall mit Nutzen eingreifen und wirken zu können.

In diesem Sinne können daher Ihre Besorgnisse und Anregungen einen viel größeren und weiteren Raum umspannen als die meinen. Denn meine Welt, Herr Präsident Roosevelt, ist die, in die mich die Vorsehung gesetzt hat, und für die ich daher zu arbeiten verpflichtet bin. Sie ist räumlich viel enger. Sie umfaßt nur mein Volk. Allein ich glaube, dadurch noch am ehesten dem zu nützen, was uns allen am Herzen liegt:

der Gerechtigkeit, der Wohlfahrt, dem Fortschritt und dem

Frieden der ganzen menschlichen Gemeinschaft!

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Ein Kommentar

  1. Hat dies auf In Dir muß brennen… rebloggt und kommentierte:

    …zum 2015 hier veröffentlichten Auszug „Hitlers Antworten auf Roosevelts dumme Fragen“.

    Hier die ganze Rede:

    (sollte man eigentlich jährlich wieder einstellen… — oder wenigstens von woanders rebloggen)

    Gefällt mir

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