Operation „Double Strike” – „Schweinfurt trotzt dem Bombenterror” am 14. Oktober 1943

Durch Zufall fand ich in einem neu erworbenen, antiquarischen Buch eine zusammengefaltete Zeitung aus dem Jahr 1943. Ich staunte nicht schlecht als ich in der „Schweinfurter Zeitung” die gewaltige Schlagzeile „Schweinfurt trotz dem Bombenterror” lesen durfte. Im Internet hatte ich schon einiges vom „Wunder von Schweinfurt” gehört, bei dem auf wundersamer Weise eine große Anzahl feindlicher Flugzeuge abgeschossen wurde. Hilfreich für alle, die sich für dieses Thema interessieren, ist sicherlich mein originaler Zeitungsbericht vom 16. Oktober ’43:

Die bisher größte Niederlage der Luftgangster – 121 nordamerikanische Flugzeuge vernichtet – Ganze Wellen von der Luftverteidigung herausgeschossen – Bewundernswerte Haltung der Schweinfurter Bevölkerung.

Nach der Mittagsruhe nimmt der Alltag wieder die Menschen auf. In den Werkstätten erklingt das Lied der Arbeit. Aus einer Schule erschallen frohe Kinderstimmen. Plötzlich ertönt Sirenengeheul in den sommerlich-schönen Herbsttag. Nach einer Weile hört man schon den Donner der Flak, die ein dichtes Sperrfeuer um die Stadt legt. Und in das Krachen der Flakgranaten mischt sich das Geheul der angreifenden Flugzeuge und das Aufschlagen und Detonieren der Bomben. Die feindlichen Bomber fegen über die Stadt dahin. Dann zeigt sich bald, was ein entmenschter Gegner in der Stadt Friedrich Rückerts angerichtet hat. Mit Phosphor und Dynamit hat der Feind in Wohn- und Geschäftsvierteln der Stadt schwere Verwüstungen verursacht. Mit ungebrochener Kraft geht die Bevölkerung nun daran, zu retten, was zu retten ist. Überall helfen Männer und Jungen bei den Löscharbeiten. Sie bergen den Hausrat in gefährdeten Wohnungen und packen vor allem dort fest mit zu, wo es gilt, Verschüttete oder Eingeschlossene zu bergen. Überall leiht die Bevölkerung den Luftschutz- und Sicherheitsorganen ihre hilfsbereite Hand. Die Männer des Luftschutzes, der Feuerwehr, der Polizei, dann die Kampfformationen der Partei und auch manche Jungen der HJ-Feuerwehr haben hier wirklich Vorbildliches geleistet. Besondere Hervorhebung verdient aber auch das stille Heldentum so mancher Frau, die im beherzten Zugreifen manchen Schaden verhütete oder milderte. Das gilt vor allem für die einsatzfreudigen DRK-Schwestern eines von Bomben zerstörten Lazarettes, die in keiner Minute die Nerven verloren und wacker bei den Verwundeten aushielten. […] Der Feind konnte aber auch diesmal nicht ungestraft eine friedliche deutsche Stadt angreifen. Der Name Schweinfurt wird für ihn mit der bisher schwersten Niederlage seiner Terrorbomber verbunden sein. Wie der Wehrmachtsbericht vom 15.Oktober meldet, wurden von etwa 250 bis 300 angreifenden Bombern nach bisherigen Meldungen 121 abgeschossen. […] Die gewaltige Luftschlacht zog sich, wie aus ergänzenden Berichten des OKW hervorgeht, über Hunderte von Kilometern über deutsches Gebiet hin. Jäger und Zerstörer sowie die Flakartillerie schossen aus den Angreifern ganze Wellen heraus. In mutigem Angriffsschwung warfen sich die Jäger und Zerstörer immer wieder den “fliegenden Festungen” entgegen. Immer wieder kehrten die deutschen Jagdflieger wackelnd in die Einsatzhäfen zurück. Da die Abschussziffer noch nicht endgültig ist und einige nordamerikanische Bomber auf Schweizer Gebiet notgelandet sind, kann schon heute gesagt werden, daß rund die Hälfte der eingesetzten Flugzeuge der verstärkten deutschen Luftverteidigung zum Opfer gefallen ist. Damit haben die nordamerikanischen Luftgangster eine Schlappe erlitten, wie sie im Verlauf des Terrorkrieges in diesem Ausmaß noch nicht zu verzeichnen war. Wir haben allen Grund auf unsere Jagd- und Zerstörergeschwader und die Flakartillerie der Luftwaffe stolz zu sein. Noch schwerwiegender als der Verlust der Maschinen ist der große Aderlaß, den der Feind durch den Ausfall von etwa 1200 bis 1500 Mann fliegenden Personals erlitt. Jeder, der weiß, wie lang die Ausbildung von Piloten, Bordfunkern usw. dauert, wird ermessen, wie schwer der Verlust von über tausend gut ausgebildeten Männern der Bomberwaffe bei einem einzigen Angriff ist. Schweinfurt hat wieder gezeigt, daß überall im deutschen Lande die Heimat mit harter Willensstärke dem Bombenterror Trotz bietet. Der 14.Oktober hat aber auch bewiesen, wie schwer die deutsche Abwehr den Feind zu treffen vermag. […] Einmal aber wird der Zeitpunkt kommen, wo Deutschland mit dem Feinde Abrechnung hält. Diese Gewissheit mögen auch die Schweinfurter haben, die sich so wacker gehalten haben.

Hanns Stock. […]“


Quelle

 

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