Der Kampf um deutsche Kultur in Amerika – Warum protestieren wir Deutsch-Amerikaner gegen den Imperialismus?

Lügenkreis-AbbildungFast täglich während den letzten Wochen hat die amerikanische Presse von den Protesten berichtet, die die Deutsch-Amerikaner in allen Teilen des Landes gegen den Imperialismus geschleudert haben. Von Anfang an haben unsere deutsch-amerikanischen Zeitungen einstimmig die imperialistischen Tendenzen unserer Regierung verdammt, in allen großen Städten hat die deutsch-amerikanische Bevölkerung laut und vernehmlich gesprochen, und es ist Grund zur Hoffnung vorhanden, daß die herrschende Jingopartei bei der nächsten Präsidentenwahl einer Niederlage entgegensteuert, wie sie eine gleiche vorher noch nie erfahren hat.

Während der amerikanische Berufspolitiker vor der Haltung seiner „deutschen Freunde“ schon heimlich zittert — nach der Wahl sind wir wieder „Dutchmen“ —, haben wohlmeinende Gemüter die Frage aufgeworfen, ob wir als „Fremdgeborene“ (Foreigners) zu unserer Haltung in der Frage des Imperialismus überhaupt berechtigt seien.

Der Deutsch-Amerikaner, der, indem er Bürger dieses Landes wurde, den Eid der Treue leistete, hält sich politisch nicht für einen „Fremdgeborenen“. Was ist denn überhaupt ein „Foreigner“? In unserer Mitte ist heute doch keiner, dessen Vorfahren früher oder später nicht einmal „Foreigners“ in diesem Sinne waren. Und wer möchte so dreist sein, zu sagen, daß die Bürgertreue und der Patriotismus eines Menschen von seiner amerikanischen Geburt abhänge?

Aber der Deutsch-Amerikaner hat das Recht, in den politischen Lebensfragen dieses Landes gehört zu werden, weil er sich als ein Glied betrachtet der vielen Millionen seiner Landsleute, die seit dem 17. Jahrhundert einen wesentlichen Teil zum Aufbau unserer Republik und zur Entwicklung der amerikanischen Zivilisation beigetragen haben. Nach einer mäßigen Schätzung fließt in einem Drittel der amerikanischen Bevölkerung deutsches Blut, und doch, wie wenig ist der amerikanischen Geschichtsschreibung von der ehrenvollen Rolle bekannt, die der Deutsche in unserer Geschichte gespielt hat. Der amerikanische Dichter John Greenleaf Whittier hat daher nur zu sehr recht, wenn er in der Einleitung zu seinem Gedichte „The Pennsylvania Pilgrim“ sagt:

„Den Pilgervätern von Plymouth hat es an Geschichtsschreibern und Dichtern nicht gefehlt; ihrem Glauben, ihrem Amt und ihrer Selbstverleugnung, dem mächtigen Einfluß ihres Strebens nach Gerechtigkeit, ist volle Würdigung widerfahren. Die Quäkerpilger von Pennsylvania — wozu auch die ersten deutschen Ansiedler gehören —, die dieselben Zwecke mit anderen Mitteln verfolgten, sind weniger glücklich gefahren. Die Macht ihres Zeugnisses für Wahrheit und Heiligkeit, Friede und Freiheit hat sich durch zwei Jahrhunderte hin geltend gemacht in der Milderung grausamer Strafgesetze, in der Abschaffung der Sklaverei, Gefängnisverbesserung und in der Armen-und Krankenpflege; kurz, auf jeder Stufe menschlichen Fortschrittes. Aber von den Männern selbst, mit Ausnahme von Wilhelm Penn, ist fast nichts bekannt.“

Und doch ist es der Mühe wert, die Geschichte der deutschen Einwanderung, deren Anfang auf Penn zurückzuführen ist, der unverdienten Vergessenheit zu entreißen. Auf einem Besuch, den er im Jahre 1677 in Deutschland machte, wurde er mit dem hochgebildeten Kreise von Pietisten bekannt, der sich in Frankfurt am Main um Spener, den berühmten Gründer des deutschen Pietismus scharte. Hier entstand die „Frankfurter Kompagnie“, die von Penn 15000 Acker Land kaufte, um dorthin auszuwandern und den Verfolgungen der Staatskirche zu entgehen. Der eigentliche Führer dieser ersten deutschen Auswanderung nach Amerika war Franz Daniel Pastorius, ein junger, hochgebildeter Advokat. Den ausgezeichneten Forschungen von Oswald Seidensticker verdanken wir es, daß wir heute von unseren deutschen Pilgervätern und der ersten deutschen Ansiedlung Näheres wissen. Es war im Jahre 1683, als Pastorius mit einer Anzahl Familien auf dem Schiffe „Concord“ — so heißt unsere deutsche „Mayflower“ — in Philadelphia landete und auf dem Eigentum der „Frankfurter Kompagnie“ die Stadt Germantown gründete. Die Geschichte der jungen Ansiedlung, der bald andere folgten, liest sich wie eine Idylle, und wir dürfen wohl sagen, daß diese Kolonie in ihrem raschen Aufblühen, im Fleiß, in der Friedensliebe und im geselligen Frohsinn ihrer Glieder vorbildlich geworden ist für alle folgenden deutschen Ansiedlungen unseres Landes.

Was uns Deutsch-Amerikaner jedoch heute mit besonderem Stolz auf unsere Vorfahren dort in Pennsylvanien hinblicken läßt, ist die Tatsache, daß aus ihrer Mitte der erste öffentliche Protest gegen die Sklaverei hervorging, der in Amerika je erhoben wurde. Im Jahre 1688, kaum fünf Jahre nach seiner Landung, setzte Pastorius jenes denkwürdige Schriftstück gegen die Sklaverei auf, in dem die Worte Vorkommen:

„Haben die Neger denn nicht ebensoviel Recht, ihre Freiheit zu erkämpfen, wie ihr habt, sie in der Knechtschaft zu erhalten?“

Und dieser Geist des mannhaften Einspruches, eingegeben von wahrem Menschengefühl und echtem Christengewissen, hat sich auch in allen späteren Geschlechtern der deutschen Einwanderer bezeugt, die auf dies Land als das verheißene Land der Freiheit und der Menschenrechte hinblickten. Schöner als ich es vermöchte, drückt Ferdinand Freiligrath in seinem berühmten Gedichte „Der Tod des Führers“ die Sehnsucht nach dem Lande der Freiheit aus, wie sie im Herzen der deutschen Einwanderer seit zwei Jahrhunderten geglüht hat:

Brecht auf nach Abend!
Abendwärts glüht Morgenrot!
Dorten laßt uns Hütten bauen,
Wo die Freiheit hält das Lot!
Dort laßt unsem Schweiß uns säen,
Wo kein totes Korn er liegt!
Dort laßt uns die Scholle wenden,
Wo die Garben holt, wer pflügt!

Lasset unseren Herd uns tragen
In die Wälder tief hinein!
Lasset mich in den Savannen
Euren Patriarchen sein!
Laßt uns leben wie die Hirten
In dem Alten Testament!
Unsres Weges Feuersäule
Sei das Licht, das ewig brennt!

Dieses Lichtes Schein vertrau‘ ich,
Seine Führung führt uns recht!
Selig in den Enkeln schau‘ ich
Ein erstandenes Geschlecht!
Sich, ach, diesen Gliedern gönnte
Noch die Heimat wohl ein Grab!
Um der Kinder willen greif‘ ich
Hoffend noch zu Gurt und Stab!

Auf darum, und folgt aus Gosen
Der Vorangegangnen Spur!

Kein Wunder, daß diese Männer, die um der Freiheit willen Haus und Hof verließen, sich in großer Anzahl in den amerikanischen Reihen finden, als im Befreiungskriege und im Rebellionskampfe für die Freiheit Amerikas gefochten wurde. Auch von dieser Tatsache ist in den landläufigen Geschichtsbüchern unserer Schulen wenig zu lesen. Sie erzählen in übelwollender Oberflächlichkeit höchstens von jenen unglücklichen deutschen Soldaten, die von ruchlosen Fürsten an die Engländer ver-, kauft wurden. In seinem wertvollen Buche: „The German soldier in the wars of the United States“ ist J. J. G. Rosengarten von Philadelphia dieser falschen Geschichtsdarstellung entgegengetreten, und es kann den Deutsch-Amerikaner nur mit Stolz erfüllen, wenn er in Rosengartens Buch liest, in welcher Anzahl seine Landsleute an den großen Kämpfen der Union teilnahmen. Gewiß hat Andrew D. White, unser Gesandter in Berlin, recht, wenn er in seiner Rede: „Some practical influences of German thought upon the United States“ sagt:

„Das militärische Organisationstalent General Steubens, die opferfreudige Hingabe De Kalbs und der tollkühne Mut Herkheimers waren von höchstem Werte, als es galt, die Freiheit dieses Landes zu begründen. Und nicht weniger wichtig für uns war die ernste Wucht der deutsch-amerikanischen Denker, als der Kampf noch mit der Feder geführt wurde, wie schließlich die Tapferkeit der deutsch-amerikanischen Soldaten, als er mit dem Schwerte ausgetragen werden mußte.“

Was White hier über die deutsche Teilnahme am Revolutionskriege sagt, gilt ebenso vom Bürgerkriege, als über 200000 Deutsch-Amerikaner ihr Leben für die Sache der Freiheit und Humanität einsetzten und auf dem Schlachtfelde dem Proteste Nachdruck gaben, den ihre Vorfahren einst zuerst gegen die Sklaverei erhoben hatten.

Aber den größten Einfluß haben die Deutsch-Amerikaner mit ihren friedlichen Bestrebungen auf den Gebieten der Industrie, des geselligen Lebens, der Musik, der Kunst und Wissenschaft in Amerika ausgeübt. War die große Masse der deutschen Einwanderer Bauern und Handwerker, die den Urwald lichteten und die amerikanische Industrie aufbauen halfen, dann hat es seit den Tagen von Pastorius auch nicht an gebildeten Deutschen und Gelehrten gefehlt, die das Beste deutscher Kultur mitbrachten, bereit, es dem amerikanischen Leben einzupflanzen. So kommt es denn, daß es heute wohl kein Gebiet unseres höheren Geisteslebens gibt, auf dem Deutsch-Amerikaner nicht Führer gewesen wären. Was war die amerikanische Musik, ehe die großen Pioniere Anschütz, Thomas und Damrosch und Tausende von deutschen Musikern uns lehrten, die deutschen Meister zu verstehen und in der Pflege und Liebe zur Musik eines der höchsten Lebensgüter zu finden? Und als wir anfingen, unser öffentliches Schulwesen einzurichten, da hatten uns weder England noch Frankreich etwas zu bieten, wohl aber wandten wir uns nach Deutschland, um so weit wie möglich dessen bewährtes Erziehungssystem nachzuahmen. Nur der Fluch unseres öffentlichen Schulwesens, sein Mechanismus und Markiersystem, wurde den Franzosen entnommen, die später, ebenso wie die Engländer, sich gezwungen sahen, die Prinzipien der deutschen Volksschulbildung sich anzueignen.

Von unseren Universitäten und dem umwälzenden Einfluß, den das Vorbild der deutschen Hochschulen während der letzten Jahrzehnte auf jene ausübte, brauche ich an dieser Stelle nicht zu sprechen. Die Idee der Lehr- und Lernfreiheit, die sich langsam hier Bahn bricht, muß als die deutsche Universitätsidee gelten. Ja, ich darf sagen, daß es heute keinen Universitätslehrer gibt in unserem Lande, der seine wissenschaftliche Ausbildung nicht entweder Deutschland oder deutsch-amerikanischen Gelehrten verdankt.

Ich erwähne dies alles nicht, um uns Deutsche als Deutsche herauszustreichen. Wer aber darf es angesichts der angeführten Tatsachen wagen, unsere amerikanische Zivilisation eine anglo-sächsische zu nennen? Ich weiß recht wohl, was wir und was die Welt im allgemeinen englischem Geiste und englischer Tatkraft schulden. Auf den höchsten Gebieten menschlicher Geistestätigkeit hat England jedoch längst die Führerschaft verloren. Diese ging zu Anfang unseres Jahrhunderts auf Deutschland über. Und alle die Tausende von strebsamen Amerikanern, die seit den dreißiger Jahren nach Europa strömen, um sich dort Erleuchtung und Wissen zu holen, wußten sehr wohl, warum sie sich nach den deutschen Universitäten wandten und nicht nach Oxford oder Cambridge.

Einen Beitrag zur sogenannten „Zivilisation“ hat England jedoch in den letzten Jahren entdeckt und möchte ihn uns nur zu gern aufdrängen: den Imperialismus. Es ist lehrreich, einen Blick auf die Geschichte des Imperialismusgedankens zu werfen. Der erste Engländer, der darüber schrieb, war Carlyle, aber man schenkte seinen Träumen von einem „größeren“ England und einer engeren Verbindung der Kolonien wenig Aufmerksamkeit. Als jedoch um die Mitte des Jahrhunderts infolge von Gladstones schwacher äußerer Politik die Kolonien eine entschiedene Neigung zur Unabhängigkeit zeigten, und es schien, als wolle das große Kolonialreich zerbröckeln, da sahen Männer i. wie Beaconsfield, die drohende Gefahr voraus und versuchten sie abzuwenden. Zugleich erblickten sie in der aufblühenden Macht Deutschlands einen gefährlichen Rivalen. Die erste wissenschaftliche Darstellung des imperialistischen Gedankens findet sich in dem Buche des Historikers Seely: „The Expansion of England“. Sonderbar genug liefern ihm die Vereinigten Staaten das Beispiel für seine Ausführungen. Diese sollen nach ihm gezeigt haben, wie von einem besiedelten Streifen Landes an der atlantischen Küste ein Auswandererstrom über den ganzen Kontinent bis an den Stillen Ozean gesandt werden konnte, und wie dennoch nie der Zweifel entstanden sei, ob diese fernen Ansiedlungen früher oder später ihre Unabhängigkeit beanspruchen würden. „England“, so mahnt er, „muß ähnlich handeln. Wir müssen aufhören, zu denken, daß Auswanderer, die nach den Kolonien gehen, England verlassen oder für das Mutterland verloren gehen.“

Seelys theoretische Ausführungen fanden bald ihren Apostel in Cecil Rhodes, den man mit Recht einen Briganten genannt hat. Ein Mann, der keine Rücksicht auf Recht und Gewissen kennt, unternahm es, Afrika zu einer großen englischen Kolonie zu machen, und die englische Presse versäumte es nicht, seinen Ruhm zu verkünden. Mr. Stead nannte ihn in der „Review of Reviews“: „The Empire builder who thinks on Continents.“ Bald trat ein mystisches und religiöses Element zu der neuen Bewegung. Die angelsächsische Rasse, so hieß es nun, vertritt Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Sie ist das auserwählte Volk Gottes, bestimmt, die Welt zu regieren. Im Jahre 1891 verkündete Stead öffentlich die Rhodesische Religion.

„Rhodes Patriotismus ist hiernach seine Religion. Sein Israel sind die Englisch sprechenden Völker, wo immer sie auch gefunden werden. In ihnen sieht er das Volk der Vorsehung, das auserwählte Volk Gottes, die vorbestimmten Herrscher der Welt.“

Für ein klares Denken gibt es nichts Abstoßenderes, als diesen heuchlerischen Versuch, die Religion zum Deckmantel der nationalen Selbstsucht zu machen, deren wahrer Zweck von jeher gewesen ist: zu herrschen und zu plündern. Wohl aber können wir verstehen, wie dieses scheinheilige Gerede der ungebildeten Masse, den frommen Fanatikern und den einsichtslosen Heißspornen auch in Amerika imponieren mußte. Sie merkten nicht, wie die englischen Imperialisten schlauerweise von der anglo-sächsischen Verbrüderung predigten und dabei die englischen Interessen meinten; sie merkten nicht, wie hinter der vorgeblichen englischen Freundschaft die heimliche Hoffnung lauerte, daß wir mit der Annahme der imperialistischen Idee wohl langsam ein Teil des großen „Empire“ werden möchten und zu einer zwar unabhängigen aber gefügigen Kolonie zurückkehren würden. Denn sind nicht alle Englisch sprechenden Nationen in Wirklichkeit nur ein Volk? Glieder des einen, großen, gottgewollten englischen Reiches? —

Nur eine Macht steht England im Wege bei der Ausführung der imperialistischen Ideen, und das ist Deutschland. Man hat gesagt, daß Deutschland von industrieller Eifersucht gegen England erfüllt sei. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Seit Deutschland unter der Führung Bismarcks aus einem Agrarstaate zu einer großen industriellen Macht wurde, ist es der mächtigste Rivale Englands auf dem Weltmärkte. Es hat Englands Handel schon aus vielen Märkten verdrängt und wird es in Zukunft noch mehr tun. Bei der Vollkommenheit deutscher Industrie und deutschen Kunstgewerbes, die auf der hohen Bildung aller gewerbetreibenden Klassen beruht, muß Deutschland in diesem industriellen Wettkampfe siegen. Daher die tiefgewurzelte Feindschaft Englands gegen Deutschland.

Mit Frankreichs Hilfe erdrückte England in früheren Jahren die Kolonialmacht Hollands. Spanien und Portugal wurden später ihres Einflusses auf den Seehandel beraubt und am Anfänge dieses Jahrhunderts bot England alles auf, um die Seemacht und die koloniale Vergrößerung Frankreichs niederzuhalten. Als nach dem Deutsch-Französischen Kriege Bismarck den Franzosen den Rat gab, sich auf kolonialem Gebiete Entschädigung für den Verlust Elsaß-Lothringens zu suchen, tat England alles, um Frankreich zu beweisen, daß dies ein schlechter Rat sei. Mit allen Mitteln versuchte es, einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland herbeizuführen, weil es hoffte, auf diese Weise zwei gefährliche Handelsrivalen loszuwerden. Und als der Deutsche Kaiser dem Präsidenten Krüger die berühmte Depesche schickte, in der er ihm zur glücklichen Vereitelung der Rhodesischen Anschläge Glück wünschte, da erscholl der offene Ruf in England: Ceterum censeo Germaniam esse delendam. Damals schrieb der Londoner „Standard“:

„Wenn Deutschland morgen von der Erde verschwände, dann gäbe es übermorgen keinen Engländer, der nicht reicher wäre.“

Aus demselben Grunde hat England systematisch versucht, Feindschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten zu säen, und ich muß leider sagen, daß es keine Nation mit mehr Erfolg am Narrenseil geführt hat, als die unsere. Nicht nur haben wir alle die abgefeimten Unwahrheiten geglaubt, welche die Agenten Englands und, in englischer Bezahlung, die „gelbe Presse“ im letzten Sommer aus dem Hafen von Manila sandten. Wir haben uns auch dazu hergegeben, als Werkzeuge Englands, vertragsmäßige Rechte zu brechen, ja wir sind auf dem Wege, vor der zivilisierten Welt als der Rowdy unter den Völkern zu gelten. Voll Eifer der Welt die Verbrüderung der angelsächsischen Rasse zu beweisen, hat der amerikanische Offizier Kautz — ich schäme mich, sagen zu müssen, daß er von deutscher Herkunft ist — sich mit den Engländern verbunden zur brutalen Abschlachtung eines halbwilden Volkes in Samoa. Oder war das etwa der Grund dafür, daß die Handelsinteressen von England und Amerika zusammen nicht halb so groß sind wie die Deutschlands?

Es ist die törichte Verirrung eines Volkes, das von der Lust nach Eroberungen berauscht und von der englischen Idee des Imperialismus hypnotisiert ist, gegen die wir Deutsch-Amerikaner mit allen klar denkenden amerikanischen Patrioten unseren Protest einlegen. Wir protestieren gegen die leichtfertige Begier, mit Deutschland Händel zu suchen, nicht etwa aus heimlicher politischer Sympathie mit dem alten Vaterlande. Denn wir würden wie ein Mann zur Verteidigung dieses Landes aufstehen, wollte Deutschland, was freilich ganz undenkbar ist, amerikanische Rechte verletzen. Aber wir protestieren dagegen, daß wir zu Werkzeugen gemacht werden von Englands Haß gegen ein Land, von dem abzustammen unser Stolz ist und dem wir einen großen Teil unserer Zivilisation verdanken. Als die Erben einer höheren und menschlicheren Kultur, wie die englische, protestieren wir gegen die ruchlose und unmenschliche Kriegführung in den Philippinen und in Samoa. Wir glauben nicht an die mohammedanische Methode, Religion und Zivilisation auszubreiten, den Koran in der Linken und das Schwert in der Rechten. Auch sind wir nicht anmaßend genug, uns als Werkzeuge der göttlichen Vorsehung anzusehen. Viel besser als mancher eingeborene Amerikaner wissen wir aus Erfahrung den köstlichen Wert der Freiheit zu schätzen, und wir protestieren darum gegen den englischen Imperialismus als ein Verbrechen gegen den Geist amerikanischer Freiheit. Wir protestieren gegen die Farce eines Bündnisses mit England, oder mit irgendeiner anderen Nation; eine Farce, von einer Anzahl von Politikern in Szene gesetzt, die weder staatsmännische Weisheit noch diplomatische Schulung besitzt. Des Anteils bewußt, den wir Deutsch-Amerikaner der amerikanischen Zivilisation zugeführt haben, protestieren wir gegen die englische Anmaßung, dies Land zu einer angelsächsischen Kolonie zu stempeln. Wir sind völlig damit zufrieden, Amerikaner zu sein, und ihr amerikanischer Patriotismus vereint heute die Deutsch-Amerikaner vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean im gemeinsamen Protest gegen angelsächsischen Imperialismus.

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