Deutschlands Kolonien – Geschichtlicher Überblick

Die Vorgeschichte der deutschen Kolonialbestrebungen

Der Wandertrieb ist eine den Deutschen seit Urzeiten eigentümliche Erscheinung, wenngleich er vielfach auch durch die Übervölkerung bedingt ward, die damals wie heute einen Überschuss brachliegender Kräfte erzeugte. Der wenig entwickelte Landbau vermochte dem Boden nicht genug Erträge abzuringen, und deshalb blieb wegen der ausserordentlich raschen Bevölkerungszunahme einem grossen Teil der Bewohner nichts übrig als die heimatliche Scholle zu verlassen. Von dem Wandern deutscher Stämme erzählt uns schon unsere früheste Geschichte, indem vor 2000 Jahren die Cimbern und Teutonen nach Süden zogen und landheischend ins Römerreich einfielen. Noch viel gewaltiger waren die Wirkungen der Völkerwanderung, die seit Beginn des Mittelalters die Germanen überall in Europa verbreitete und einzelne Scharen sogar bis nach Nordafrika verschlug. Während die äussersten Vorposten aus Mangel an Zuzug wieder unter den fremden Stämmen aufgingen, blieb ein fester und unverfälschter Kern in Westdeutschland zurück. Er leitete ein unaufhaltsames Rückströmen des christlichen deutschen Elements nach Ostdeutschland und in die heutigen russischen Ostseeprovinzcn ein, wo sich nach dem Abzüge der germanischen Bevölkerung heidnische Slaven festgesetzt hatten. Diese Bewegung begann unter Karl dem Grossen und hielt, von einigen späteren Zuzügen abgesehen, bis ins 14. Jahrhundert hinein an. Mit ihr ging Hand in Hand eine tiefgreifende Umgestaltung im sozialen und wirtschaftlichen Leben unseres Volkes Seit den Kreuzzügen (1095—1291) wurde Deutschland, das bis dahin mit dem Welthandel und den Hauptverkehrsstrassen in keinem unmittelbaren Zusammenhänge stand, ein Durchgangsland für den mittelalterlichen Welthandel, und gleichzeitig entwickelte sich bei der rasch anwachsenden Bevölkerung ein leistungsfähiges deutsches Städtewesen.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts war nach ebenso langwierigen als grausamen Kämpfen, mit denen die Namen des Gründers des älteren deutschen Reiches, des Königs Heinrich I., der Kaiser Otto I. und Friedrich Barbarossa, des Herzogs Heinrich des Löwen, des Markgrafen Albrecht des Bären, des Fürstenhauses Wettin, des deutschen Ordens und des Schwertbrüderordens eng verknüpft sind, das ganze Gebiet östlich der Elbe und Saale ein deutsches Land geworden. Aus den alten Grenzburgen gingen die Städte Berlin, Leipzig, Meissen, Magdeburg, Merseburg, Halle, Zeitz, Posen, Königsberg, Riga, Dorpat und viele andere hervor, und mit der Eroberung hielt die deutsche Einwanderung gleichen Schritt. Der Gegensatz zwischen Siegern und Besiegten ging gänzlich verloren, und auf dem fremden Boden entstanden neue deutsche Staaten. Denn teils wurden in den erbitterten Kriegen die Slaven ausgerottet, teils darnach so gründlich germanisiert, dass heute nur noch einige Sprachinseln, z. B. die Wenden des Spreewaldes und der Niederlausitz und zerstreute Ortsnamen an ihre einstige Verbreitung erinnern. Man erkennt sie meist leicht an der Endung -itz, -witz oder -plitz, aber auch Namen wie Leipzig (von lipa Linde), Bautzen oder Budissin (Ort des Gottes Budisch) u. s. w. sind slavischen Ursprungs. In den verwüsteten Gebieten siedelten sich an Stelle der früheren Bewohner deutsche Bauern, Handwerker und Kaufleute an, die weitgehende Vorrechte erhielten und den Grund zu einem kraftvollen deutschen Bürgertum legten. Die Kolonisten stammten vornehmlich aus Süddeutschland, Westfalen und den Niederlanden. Sie sind die eigentlichen Pioniere des Deutschtums und des Christentums im Norden und Osten unserer Heimat gewesen und haben in hervorragender Weise zur Stärkung jener neuen Staatengebilde beigetragen, von denen später die Neugestaltung ganz Deutschlands ausgehen sollte. Auch weit nach Süden reichen die Ausläufer des deutschen Elementes. Am bekanntesten sind die Siebenbürger Sachsen, die Sprache und Sitte bisher treu bewahrt haben und mit den übrigen deutschen Stämmen in inniger geistiger Verbindung stehen. Alles in allem bezeichnet die Ausbreitung des deutschen Volksgebietes während des Mittelalters die grossartigste und wirkungsvollste Kolonisation, die Europa seit den Tagen des Römerreiches gesehen. Soweit jetzt in Europa die deutsche Zunge klingt, soweit ist sie schon damals verbreitet worden. Später hat sie nur unerhebliche Fortschritte gemacht, und an den äussersten Grenzen, in Russland, Ungarn und Tirol, ist sogar ein entschiedener Rückgang zu verzeichnen.

Mit der deutschen Kolonisationsarbeit zu Lande berührte sich aufs fruchtbarste die Handelstätigkeit der deutschen Hansa zur See. Zwar hat der in der Weltgeschichte einzig dastehende Kaufmannsbund keine eigentlichen Kolonien gegründet, nachdem ein von seinem Vororte Lübeck unternommener Versuch gescheitert war. Aber dafür umsäumte er die Küsten der Nord- und Ostsee mit blühenden Handelsniederlassungen und zog durch die Anlage zahlreicher ausserdeutschcr Faktoreien und Kontore in Brügge (später Antwerpen), London, Kopenhagen, Bergen, Stockholm, Moskau, Nischni Nowgorod u. s. w. den ganzen nord- und osteuropäischen Handel an sich. Am Ausgange des Mittelalters, zu Beginn des 15. Jahrhunderts, war die Hansa die erste Handclsmacht Nordeuropns geworden, um deren Gunst Könige und Fürsten warben. Ein denkwürdiges Zeugnis ihres Einflusses ist die englische Münze Pfund Sterling, die nichts anderes bedeutet als ein Pfund Osterlinge, d. h. ein Pfund Geld aus dem Osten; und noch jetzt erinnern an jene grosse Zeit der deutsche Stahlhof in London und der deutsche Kaufhof in Nischni Nowgorod. Freilich war nach heutigen Begriffen der hansische Handel in mancher Beziehung drückend und lief oft auf eine rücksichtslose Ausbeutung und Monopolisierung der wichtigsten Handelszweige hinaus, von denen namentlich der Heringsfang die Grundlage eines ungeheuren Reichtums bildete, weil die Hansa halb Europa mit dem bei den häufigen Fastenzeiten viel begehrten Fische versorgte. Aber man darf nicht vergessen, dass die Eingeborenen jener Länder damals noch nicht imstande waren, die Erzeugnisse ihres Landes selbst zu gewinnen und zu eigenem Nutzen zu verwerten. Das lernten sie erst von der Hansa.

Nachdem die Hansa mehr als zwei Jahrhunderte hindurch die Herrschaft auf den nordischen Meeren, insbesondere auf der Ostsee behauptet hatte, folgte ein unaufhaltsamer Verfall. Der schon so vielen Unternehmungen verhängnisvoll gewordene Erbfehler der Deutschen, die Uneinigkeit und die Neigung zu Sonderbestrebungen, verursachte innere Wirren und eine falsche innere Politik. Zu diesen Schwierigkeiten gesellten sich allerorts auswärtige Feinde in Gestalt der immer mehr erstarkenden nordischen Staaten, die nunmehr die ihnen lästig gewordene Bevormundung und den eine freie Entfaltung hindernden hansischen Zwischenhandel abzuschütteln suchten. Ein Stück des Bundes nach dem andern bröckelte ab, die Aussenplätzc gingen verloren, der Auslandshandel wurde immer mehr beschnitten, und endlich versetzte das Zeitalter der Entdeckungen, das dem Verkehr ganz neue Bahnen anwies, der Hansa den Todesstoss. Bisher war der Handel überwiegend ein Landhandel mit Asien gewesen, der in erster Linie Italien und nicht zum wenigsten auch Deutschland zu gute kam. Nunmehr wurde sein Schwerpunkt nach Westeuropa verlegt und der Überlandverkehr durch den billigeren, bequemeren und schneller zum Ziele führenden Sechandel mit Asien und Amerika verdrängt. Da die Hansa kaum noch die Trümmer ihres nordischen Verkehrs zusammenzuhaltcn vermochte, so stand sie den neuen Verhältnissen machtlos und teilnahmlos gegenüber und licss cs ruhig geschehen, dass der Welthandel in holländische und englische Hände überging. Auch im übrigen Deutschland übte die Aufsehen erregende Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach Ostindien keine nachhaltige Wirkung aus, weil religiöse Streitigkeiten die Aufmerksamkeit voll und ganz beanspruchten. Während daher die andern Staaten Europas die räumlich erweiterte Welt unter sich zu verteilen begannen, blieben die Deutschen dem Ringen nach überseeischem Besitz gänzlich fern.

Bloss die umsichtigen süddeutschen Kaufherren, die in demselben Masse an Bedeutung gewonnen hatten, als die Hansa sank, trugen der veränderten Lage in kühner und grossartiger Weise Rechnung. Vor allem sind zu nennen die Nürnberger und Ulmer Handelshäuser der Welser, Fugger, Vöhlin und Ehinger. Sie errichteten Niederlassungen in den Hauptstädten Südeuropas, gründeten Pflanzungen auf den Kanarischen und Westindischen Inseln und beteiligten sich durch Einzahlung von Geld oder durch Ausrüstung eigener Schiffe an Handelsfahrten nach der neuen Welt. Die Fugger suchten sogar eine deutsche Besiedelung Chiles ins Leben zu rufen; aber am bekanntesten ist das deutsche Kolonisationsunternehmen in Venezuela geworden.

1528 erhielten die Ehinger das kurz zuvor entdeckte Küstenland, das wegen der entfernten Ähnlichkeit eines indianischen Pfahlbaudorfes mit Venedig Venezuela oder Klein-Venedig genannt wurde, von der Krone Spanien als Familienleben und begannen sofort mit seiner Ausnutzung. Zu diesem Zwecke wurde auch eine Anzahl sächsischer Bergleute aus dem Erzgebirge mitgenommen. Die hohen Kosten aber, denen nur sehr geringe Einnahmen gegenüberstanden, stürzten die Ehinger in Zahlungsschwierigkeiten und vcranlassten sie, ihren Besitz an die kapitalkräftigeren Welser, damals das zweitreichste Kaufmannsgcschlecht Europas, abzutreten. Die von ihnen eingesetzten Feldhauptleutc oder Statthalter führten eine Reihe von Expeditionen ins unbekannte Innere aus, die, dem Zuge der Zeit entsprechend, viel weniger auf die wirtschaftliche Erschliessung des Landes, als auf die Erbeutung von Edelmetallen gerichtet waren. Ambrosius Ehinger oder Alfingcr durchstreifte die Ufcrlandschaften des Magdalenenstroms und das Schneegebirge der Heiligen Martha, bis er dem Giftpfeile eines Indianers erlag. Nikolaus Federmann durchwanderte die ungeheuren Urwälder am Fusse der Cordilleren und gelangte bei einem späteren Zuge auf die Hochebene von Bogotá, wo er im Verein mit zwei anderen spanischen Abenteuererscharen den Grund zu Sta. Fe de Bogotá, der späteren Hauptstadt der Republik Columbia, legte. Sein Nachfolger Georg Hohermuth drang auf der Suche nach dem fabelhaften Goldkönig Dorado bis in die Nähe des Äquators vor, vermochte jedoch ebensowenig wie seine Vorgänger das ersehnte Goldland zu finden. Philipp von Hutten endlich zog fünf Jahre lang im Quellgebiete der nördlichen Zuflüsse des Amazonenstromes umher, bis er 1546 von einem spanischen Rebellen überfallen und samt seinem Begleiter Bartholomäus Welser, dem zukünftigen Oberhaupte der Firma, grausam hingerichtet wurde.

Dieser letzte und schwerste Schlag lähmte – die Unternehmungslust der hartgeprüften Welser völlig. Nachdem sie für ihre Besitzung so viele Opfer an Geld und Menschenleben nutzlos verschwendet, sich selbst aber auch durch einen geradezu wucherischen Handelsbetrieb höchst unbeliebt gemacht hatten, verzichteten sic nach einigen Jahren müssigen Zusehens 1555 endgiltig auf die Erneuerung ihrer Lehensansprüche. So ging nach kaum 27 Jahren die erste deutsche überseeische Kolonie elend wieder zu Grunde, einerseits wegen des religiösen Hasses und der Handelseifersucht der Spanier, andererseits wegen des mangelnden Rückhaltes, den sie im eigenen Lande fand. Der günstige Augenblick, in Amerika festen Fuss zu fassen, war unwiederbringlich verloren, und der Dreissigjährige Krieg vernichtete vollends den Wohlstand und das Ansehen des Reiches, während die westeuropäischen Mächte die Seeherrschaft der Spanier brachen und im Verein mit Russland einen Teil der Welt nach dem andern an sich rissen. Dagegen machte die Zerstückelung Deutschlands in eine Unzahl schwächlicher Kleinstaaten überseeische Unternehmungen ein für allemal aussichtslos, und obendrein hatte man genug zu thun, um durch innere Kolonisation die durch den entsetzlichen Krieg verwüsteten und entvölkerten Fluren wieder zu heben.

Gleichwohl trat auch im 17. Jahrhundert an Deutschland mehrmals die Möglichkeit heran, Kolonien zu erwerben, und mit diesen Bestrebungen ist der Name des ebenso merkwürdigen als vielseitigen bayrischen Finanzmannes Johann Joachim Becher eng verbunden. Bei seinen volkswirtschaftlichen Plänen handelte es sich unter anderm um die Erwerbung einer bayrischen Kolonie in Amerika; und die deswegen mit den Holländern geführten Unterhandlungen berechtigten schon zu der Hoffnung, dass ihre Besitzung Ncu-Amsterdam, d. h. nichts geringeres als das heutige New-York, in bayrische Hände übergehen würde. Da machten die Engländer einen Strich durch die Rechnung, indem sie in ihrer bekannten Art Neu-Amsterdam ohno jeden Rechtsgrund Wegnahmen. Erneute Verhandlungen wegen der Abtretung eines Stückes von Holländisch-Guyana an Bayern führten zu keinem Ergebnis, und ebensowenig gelang es Becher, den Kaiser zur Gründung einer deutschen Ost- und Westindischen Handelsgesellschaft zu bewegen. Trotz alledem hielt er beharrlich an seinem Ziele fest und fand endlich im Grafen Friedrich Kasimir von Hanau einen Fürsten, der voll und ganz auf seine Vorschläge einging. Schon war das Abkommen unterzeichnet und durch ein Festmahl gefeiert, in dem sich Holland zur Abtretung eines Küstenstreifens in Guyana bereit erklärte, als es Bechers Gegner durch ihre massloscn Angriffe durchsetzten, dass auch sein letztes, aus ehrlichster Überzeugung entsprungenes Unternehmen scheiterte. Er begab sich nach Holland und, als ihn seine Feinde dort nicht in Ruhe liessen, nach London, wo er 1682 als armer Mann gestorben ist.

Wie ein Lichtblick fällt in jene traurige Zeit die Herrschaft Friedrich Wilhelms, des Grossen Kurfürsten, der den Grund zur brandenburgisch-preussischen Macht legte und sofort erkannte, dass ein Volk nur dann in die Höhe kommen könnte, wenn es auf dem Meere eine Rolle spielte. Er selbst hat sein volkswirtschaftliches Bekenntnis in die denkwürdigen Worte, gefasst:

„Der gewisseste Reichthumb und das Aufnehmen eines Landes kommen aus dem Kommercium her. Seefahrt und Handel sind die fümehmsten Säulen eines Estats, wodurch die Unterthanen beides zu Wasser als auch durch die Manufakturen zu Lande ihre Nahrung und Unterhalt erlangen.“

Nicht in seiner verarmten Heimat, die mit ihrem bescheidenen Binnenhandel im Weltverkehr keine Rolle spielte, sondern in Holland, das damals als die hohe Schule der Volkswirte und Staatsmänner galt und trotz seiner Kleinheit durch seine Kolonien zu Macht und Reichtum gekommen war, hatte er die hohe Bedeutung überseeischen Besitzes kennen gelernt; und cs stand bei ihm fest, seinem Reiche dieselben Segnungen zu verschaffen. Wie ein roter Faden zieht sich durch seine Politik das Streben, eine Seeküste zu gewinnen, eine Flotte zu errichten, am Welthandel tcilzunehmen und Kolonien zu gründen. Ein Rückblick auf dieses Streben nach Ausbreitung hat noch heute Interesse, zumal man oft die Ansicht hören kann, dass unser erstarktes Vaterland nirgends wo anders als bei sich selbst etwas zu suchen habe, während andere Staaten sich bemühen, ihrem Handel neue Absatzgebiete zu eröffnen und uns die Thore zu sperren.

Freilich fehlte dem Grossen Kurfürsten nichts weniger als Alles, um seine Ziele zu verwirklichen. Seine über ganz Norddeutschland zusammenhangslos zerstreuten Länder hatten keinen geeigneten Zugang zum Meere, die wenigen Handelsstädte waren klein und unbedeutend, und der ein kümmerliches Dasein fristende Kaufmannsstand verhielt sich den Neuerungen gegenüber gleichgiltig oder ablehnend. Trotzdem sicherte sich Friedrich Wilhelm in dem verabschiedeten holländischen Admiral Gijsels van Lier einen sachkundigen Berater und dachte schon 1647, also noch vor Beendigung des Dreissigjährigen Krieges, daran, eine Brandenburgisch-Ostindischc Handelskompagnie ins Leben zu rufen. Die Dänen versprachen ihm hierbei weitgehende Vergünstigungen bei der Durchfahrt durch den Sund und boten ihm ihre Niederlassung Tranquebar in Vorderindien zum Verkauf an. Aus Mangel an Geld kam aber das Unternehmen nicht zu stände, und die 13 Jahre später von neuem versuchte Gründung einer Ostindischen Handelsgesellschaft im Bunde mit dem Kaiser, mit Bayern und Spanien fiel demselben Schicksal anheim. Nunmehr verflossen 20 Jahre, während deren wichtigere politische Ereignisse die Aufmerksamkeit des Kurfürsten in Anspruch nahmen. Kaum aber hatte er sich in dem siegreichen Feldzuge gegen die Schweden unter Beihilfe eines neuen Ratgebers, des ebenfalls aus Holland stammenden Schiffsrheders Benjamin Raule, erst aus eroberten und gemieteten und später aus eigenen gekauften Fahrzeugen eine Kriegsflotte geschaffen, als er es wagte, seine Flagge auch ausserhalb der Ostsee zu zeigen. Nicht ohne Erfolg band er mit Spanien an, das ihm eine Schuld von 2 Millionen Thalern trotz wiederholter Mahnungen nicht bezahlen wollte und sich vor dem kleinen Marquis von Brandenburg völlig sicher glaubte. Nun endlich geschahen die ersten zum Ziele führenden Schritte überseeischer Erwerbungen; und wie der in Vorschlägen unermüdliche Raule der Schöpfer der brandenburgischen Kriegsmarine war, so ist er auch der Vater dieses letzten und bedeutendsten Kolonialunternehmens Kurbrandenburgs gewesen.

1680 schloss der Kapitän Blonck mit drei Negerhäuptlingen an der westafrikanischen Goldküste einen Vertrag ab, nach dem sie ihr Gebiet am Kap der drei Spitzen unter brandenburgischen Schutz stellten, die Anlage einer Befestigung gestatteten und bloss mit brandenburgischen Schiffen in Handelsbeziehungen zu treten versprachen. Der rege Verkehr, der sich in der Folge entwickelte, vcranlasste den Kurfürsten 1682 zur Gründung der Brandenburgisch-Afrikanischen Handelsgesellschaft, die mit weitgehenden Vorrechten ausgestattet wurde. Unter anderm durfte sic Sklavenhandel treiben, der bei allen europäischen Staaten bis ins 19. Jahrhundert hinein als ein ehrenwertes und vor allem gewinnbringendes Gewerbe galt.

In demselben Jahre ging eine neue brandenburgische Expedition nach Westafrika ab, um den Eingeborenen die Bestätigung des mit ihnen vereinbarten Abkommens zu überbringen. Trotz des Widerstandes der Holländer, die in den Brandenburgern einen unliebsamen Nebenbuhler sahen, erbaute der Oberbefehlshaber Major Friedrich Otto von der Groben das Fort Grossfriedrichsburg und schlug noch während der Arbeiten einen Angriff der von den eifersüchtigen Holländern aufgewiegeltcn Nachbarstämme durch einen einzigen Kanonenschuss zurück. Durch Landankauf und Schutzverträge wurde die Goldküstenkolonic nicht unerheblich erweitert und nach und nach durch drei andere Werke, die Dorotheenschanzc und die Forts Sophie Louise und Taccarary, verstärkt. Ferner erwarb der Kapitän Kornelius Reers 1687 an der Küste von Arguin einen neuen ausgedehnten Landstreifen, der Brandenburg lange Zeit eine wichtige Stellung im afrikanischen Gummihandel einräumte. Um sich auch in Amerika fcstzusetzen, pachtete der Kurfürst einen Teil der westindischen Insel St. Thomas von den Dänen und schuf, um die überseeischen Angelegenheiten ausgiebiger zu fördern, in Berlin als oberste Marinebehörde die Admiralität. Gleichzeitig wurde der Kriegshafen und der Sitz der Brandcnburgisch-Afrikanischcn Kompagnie von Königsberg nach Emden verlegt, weil die offene Nordsee einen viel besseren Stützpunkt darbot als die abgesperrte Ostsee und weil die krämerhafte Kurzsichtigkeit der Königsberger Kaufleute den weit ausschauenden Plänen des Landesherm hindernd entgegenstand. Endlich errichtete Friedlich Wilhelm in Emden eine Kompagnie Marinesoldatcn, die später auf drei Kompagnien vermehrt ward und brauchbare Leute für die militärische Bemannung der Kriegsflotte und für die Kolonialtruppe liefern sollte. Sic war somit das Urbild unseres heutigen Seebataillons.

Leider hat das brandenburgische Kolonialuntcrnchmcn niemals einen rechten Aufschwung genommen, weil trotz des lebhaften Handels die Ausgaben meist grösser als die Einnahmen waren. Die unausgesetzten Feindseligkeiten der Holländer, die damals dieselbe widerwärtigc Rolle spielten wie in unserer heutigen Kolonialpolitik die Engländer, verursachten ebenfalls Verluste über Verluste und führten schliesslich trotz des bestehenden Friedens zur Wegnahme zweier brandenburgischer Befestigungen an der Goldküste. Das treulose Benehmen Hollands, gegen das er sich stets hilfsbereit gezeigt, erbitterte Friedrich Wilhelm aufs höchste, und der Ausbruch des Krieges stand unmittelbar bevor, als der Tod den Grossen Kurfürsten 1688 aus seinem bewegten Leben abberief.

Mit seinem Hinscheiden war der Verfall seines Doppelwerkes, der Kriegsflotte und der Kolonien, besiegelt. Wohl brachte Friedrich III., der spätere König Friedrich I. von Preussen, der kolonialen Sache reges Interesse entgegen, indem er eine neue Handelsgesellschaft, die Amerikanisch-Ostindischc Kompagnie, ins Leben rief. Er trug sich sogar mit dem Gedanken, der aber an dem bestimmten Einsprüche Spaniens scheiterte, die Landenge von Panama in Mittelamcrika zu besetzen, um sich von den Dänen auf St. Thomas unabhängig zu machen. Dafür belegten die Brandenburger das als herrenlos geltende Krabbeneiland zwischen Puertorico und St. Thomas mit Beschlag, thaten indes nichts, um den neuen Erwerb zu sichern, so dass mittlerweile die Dänen ihre Flagge auf der Insel hissten. Auch sonst besass Friedrich III. nicht den Willen, die ihm zur Verfügung stehenden Machtmittel voll und ganz gegen seine kolonialen Gegner einzusetzen, die darauf ausgingen, die Entwickelung der brandenburgischen Seemacht im Keime zu ersticken. Die Brandcnburgisch-Afrikanische Kompagnie geriet infolgedessen immer tiefer in Schulden, da die zu ihrer Unterstützung getroffenen Massregeln unzulänglich waren. Der Handel lag schliesslich so darnieder, dass einer der in Arguin ansässigen Kaufleutc über jene Zeit der Thatenlosigkcit und des Verfalles schreiben konnte:

„Wir haben gegessen, sind spazieren gegangen, haben einer den andern angesehen, bisweilen gefischt und immer der guten Hoffnung gelebt, es würde ein Schiff mit Ladung kommen. Weil aber keines kam, sind wir zu unserm Leidwesen allzu rnüssig gewesen.“

Um den Zusammenbruch zu vermeiden, wurde das Recht des Handelsbetriebes mit den Kolonien an holländische Kaufleute abgetreten, doch hatte dieses Zufluchtsmittel bei den fortgesetzt kriegerischen Zeiten keinen dauernden Erfolg. Als obendrein der mit Undank belohnte und ungerechterweise der Unterschlagung angeklagte Raule unschuldig ins Gefängnis geworfen ward und später arm und verlassen in Hamburg starb, da war das Mass voll. Seine Anhänger und Widersacher verschleuderten das Eigentum der Kompagnie, unredliche Beamte richteten weiteren Schaden an, und die feindlichen Seemächte kaperten ein Fahrzeug nach dem andern, so dass die einst so stolze Gesellschaft nur noch ein Bild des Jammers bot. Von dem rührigen Leben, das früher in Emden herrschte, war keine Spur mehr vorhanden. Die unfertigen Schiffsrümpfe verfaulten im Hafen, die Gläubiger drängten und nicht minder die Witwen und Waisen der umgekommenen Soldaten und Beamten. Der König von Arguin sandte sogar seinen Neffen nach Europa, um die Kompagnie an ihre vertragsmässigen Verpflichtungen zu erinnern. Schliesslich blieb dem Landesherrn nichts übrig, als die Rechte der Gesellschaft für erloschen zu erklären und die Reste ihres Besitzstandes als sein Eigentum zu übernehmen.

Mit dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms I. war jede Hoffnung auf ein Wiederaufblühen der Kolonien ausgeschlossen. Fortan geschah nichts mehr für sie, obwohl sie seit 10 Jahren fast vergessen waren und sich kümmerlich vom Schleichhandel erhalten mussten. Der nüchterne Soldatenkönig versprach sich vom afrikanischen Handel überhaupt nichts und wollte keinen Pfennig mehr für die verlorene Sache aufwenden, die ihn bloss deshalb interessierte, weil sie ihm Spiellcute für seine Armee lieferte. Schon in der zweiten Woche nach seiner Thronbesteigung bot er die afrikanischen Besitzungen für 150—200000 Thaler zum Verkauf aus. Da indes niemand den verlangten Preis zahlen wollte, trat er sic 1718 kurzer Hand für 7200 Dukaten und 12 Mohren an die alten Widersacher der brandcnburgisch-preussischen Kolonialpolitik, die Holländer, ab. Der Negerhäuptling Jan Cuny aber, der mit dem Oberbefehl über Grossfriedrichsburg betraut worden war, wollte wohl weniger aus Anhänglichkeit an Preussen als vielmehr um sich selbständig zu machen, die Festung nicht herausgeben. Er hielt sieben Jahre lang den Holländern stand, bis er nach gänzlichem Verbrauche der Munition in die Wälder seiner Heimat flüchtete, wo er verschollen ist.

Einige Jahre früher, 1721, musste sich auch Arguin den Franzosen ergeben, nachdem seine kleine Besatzung unter dem pflichtgetreuen Kapitän Jan Wynen der Übermacht der Belagerer solange Widerstand geleistet hatte, bis eine gangbare Bresche gelegt worden war. Für St. Thomas fand sich gar kein Liebhaber, und die Entscheidung über das Schicksal der dortigen Faktorei schleppte sich noch bis 1731 hin, wo die Dänen die Niederlassung samt den Warenvorräten als Ersatz für den seit Jahren schuldigen Pacht mit Beschlag belegen und öffentlich versteigern liessen.

So fiel die kühne Schöpfung des Grossen Kurfürsten nach kurzem Bestände in nichts zusammen, und seitdem war Deutschland aus der Reihe der Kolonialmächte gestrichen. Wohl gab es späterhin noch manche überseeische Handelsgesellschaften, aber keine verfolgte kolonial-politische Ziele mehr.1) Die Ursachen dieses an sich traurigen, vom praktischen Gesichtspunkte aus jedoch nicht sonderlich beklagenswerten Ausgangs liegen teils in dem Widerstreit weitblickender Einsicht und unzulänglicher Kraft, teils in dem engherzigen Geiste jener Zeit, die für nationale Aufgaben kein Verständnis zeigte. Scheitern musste das Unternehmen ferner an dem Mangel einer starken Seemacht, der bei den eifersüchtigen Bemühungen der grösseren Kolonialstaaten, jeden schwächeren Nebenbuhler sofort zu unterdrücken, doppelt fühlbar war. Schuld trugen endlich die unaufhörlichen Kriegswirren, in die Preussen verwickelt war, und die Ungunst seiner geographischen Lage.

Friedrich der Grosse war ebenfalls ein grundsätzlicher Gegner kolonialer Unternehmungen. Er suchte in erster Linie die weiten unbebauten Flächen im eigenen Lande zu besiedeln und die Wunden des Siebenjährigen Krieges durch Begünstigung der Einwanderung zu heilen. Dabei leiteten ihn nicht bloss volkswirtschaftliche Erwägungen, sondern er wollte zugleich ein Bollwerk gegen das Polcntum schaffen. Aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands, vor allem aber aus Österreich, Böhmen2) und aus Polen selbst zog er über 300000 meist um ihres Glaubens willen vertriebene Ansiedler ins Land und verteilte sie vornehmlich auf die östlichen Provinzen. Bei allen diesen Bestrebungen vernachlässigte er jedoch keineswegs den Seehandel, der nach Aufhebung der einengenden Isolier- und Monopotsysteme und durch Eröffnung des britischen Freihandels immer mehr in die Bahnen des Welthandels cinlenkte. Nicht mit Unrecht schätzte ihn der grosse König deshalb als eine reiche Einnahmequelle und förderte die preussische Seeschiffahrt in solcher Weise, dass sogar England eine Anzahl seiner Fahrzeuge auf deutschen Werften bauen liess.

1) Erwähnung verdient die vornehmlich nus holländischen Kaufleuten bestehende, aber unter kaiserlich deutscher Flagge segelnde Ostender Handelskompagnie, deren Schiffe 1716 zum erstenmal in Vorderindien erschienen. Sie errichtete Faktoreien an der Koromandelküste, in Bengalen und Canton und trieb trotz der Gewalttätigkeiten ihrer Konkurrenten, der Engländer, Franzosen und Holländer, einen gewinnbringenden Handel, bis sie 1731 der Politik zum Opfer fiel. Später nahm Österreich nochmals einen Anlauf zu kolonialer Entfaltung, indem es 1778 die hinterindische Inselgruppe der Nikobaren besetzte und auf einem der zahlreichen Eilande eine Niederlassung anlegte. Wegen des ungesunden Klimas gab es aber die neue Erwerbung bald wieder auf und hat sich seitdem nicht mehr an ähnlichen Unternehmungen beteiligt. Der Schwerpunkt der österreichischen Interessen liegt heute im Orient.

2) Böhmische Niederlassungen sind z. B. die Orte Nuwawcs und Rixdorf bei Berlin.

Friedrich II. erklärte Emden zum Freihafen, und dort entstanden nacheinander mehrere staatlich begünstigte Handelsgesellschaften, deren bekannteste die Ostasiatische und Bengalische Handlungs-Kompagnie geworden sind. Trotzdem sie mit China in regem Verkehr standen, gestaltete sich ihr Betrieb nicht sonderlich günstig, weil die Engländer die unbequemen Konkurrenten auf jede Weise zu schädigen suchten. Freilich liess der alte Fritz diese Übergriffe nicht ungeahndet, allein es fehlte ihm eine ausreichende Kriegsflotte, zu deren Bau er sich trotz aller Vorstellungen nie ent-schliessen konnte. Ferner gab es in Preussen noch keinen zielbewussten Kaufmannsstand, und endlich scheiterten die handelspolitischen Unternehmungen an dem harten Kampfe ums Dasein, den der Preussische Staat um die Mitte des vorigen Jahrhunderts gegen seine übermächtigen Feinde führen musste. Um so nachhaltiger war die Gründung der nach mannigfachen Anfeindungen, Wechselfällen und Umgestaltungen noch heute bestehenden Seehandlung, einer Aktiengesellschaft unter staatlicher Aufsicht, die durch Anknüpfung direkter Handelsverbindungen mit den von preussischen Schiffen nicht besuchten Häfen von Ostasien und Amerika der fortschreitenden Industrie neue Absatzgebiete eröffnen sollte.

Auch in jener Zeit mangelte es nicht an Freunden der kolonialen Sache, und zu ihnen gehörte in erster Linie der alte Nettelbeck, der berühmte Verteidiger von Kolberg. Er legte Friedrich II. und seinen Nachfolgern dreimal den Plan vor, in Guyana eine Pflanzungskolonie zu gründen und sie von einer an der Guincaküstc zu errichtenden Niederlassung aus mit Sklaven zu versorgen. Die andauernd kriegerischen Zeiten vereitelten aber seine Absichten, zumal die Napolconischen Kriege den deutschen Handel auf Jahre hinaus völlig lahm legten. Erst als 1815 der Friede gesichert war, begann die heimische Schiffahrt wieder aufzublühen, und das schwer geprüfte Land erholte sich allmählich. Hand in Hand mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ging die ausserordentliche Zunahme der Bevölkerung, die das Bedürfnis nach einer Ableitung des Überschusses immer dringender erscheinen liess. Da nun Deutschland nicht den geringsten Kolonialbesitz sein nannte, so war es natürlich, dass der Menschenstrom das, was ihm die enge Heimat nicht bieten konnte, im Auslande suchte. So entstand die deutsche überseeische Auswanderung, die durch ihre Folgen viel bedeutender geworden ist als die mittelalterliche deutsche Auswanderung nach Ost- und Südosteuropa. Den Mangel an eigenen Kolonien mussten vor allem die deutschen Ansiedelungen in Amerika ersetzen. Denn von jeher war Nordamerika das gelobte Land für die Auswanderer, und die praktischen Amerikaner unterstützten den Fremdenzudrang in jeder Weise, ohne Rücksicht auf Volkszugehörigkeit und Religion, um ihre ungeheuren brachliegenden Fluren nutzbar zu machen. Hieraus erklärt es sich, dass 85—95 % der deutschen Auswanderer die Vereinigten Staaten von Nordamerika aufsuchten, während der Rest sich über Mexiko, das gemässigte Südamerika, das aussertropische Südafrika und Australien verteilte. In Asien wurde Syrien 1869 ein deutsches Kolonisationsgebict, indem dort die württembcrgische Sekte der Tempclgemeinde fünf blühende Niederlassungen anlegte. In den Donauländern siedelten sich ebenfalls Deutsche an, und nicht minder bekannt sind die deutschen Kolonien in Russland (bei St. Petersburg, in Bessarabien, Südrussland, im Kaukasus und an der Wolga) die zum Teil schon von Peter dem Grossen ins Leben gerufen wurden und meist von Süddeutschen und Mennoniten bewohnt werden. Neben diesen grossen Verbreitungsgebieten der Deutschen im Auslande giebt es noch eine Reihe kleiner deutscher Siedehingen, z. B. die Kolonie Pozuzu in Peru und die Kolonie Tovar in Venezuela. So sind unsere Landsleute heute über die ganze Welt zerstreut, und man schätzt die Zahl derer, die innerhalb des 19. Jahrhunderts die Heimat verliessen, auf etwa 6 Millionen Seelen. Freilich ist das Deutschtum vielerorts in Gefahr. In Russland, Böhmen und Ungarn schreitet die Russifizicrung, Tschechisierung und Magyarisierung der fremden Elemente unaufhaltsam fort. Ebenso hat cs sich längst herausgestellt, dass das Deutschtum in den Vereinigten Staaten nur durch beständige Einwanderung aus der alten Heimat erhalten werden kann. Da der Zuzug jedoch seit Jahren sehr erheblich nachgelassen hat und auch keine Aussicht vorhanden zu sein scheint, dass er wieder den früheren Umfang annimmt, so sind die Tage der deutschen Sprache in Amerika gezählt.

Schon die älteste deutsche Auswanderungsgesellschaft, die 1683 von Pistorius in Frankfurt a. M. gegründet wurde, hatte einige Familien nach dem Quäkcrlande Pennsylvanien gebracht. Der von ihnen angelegte Ort erhielt den Namen Germantown (Deutschenstadt) und bewahrte ein ganzes Jahrhundert hindurch seinen deutschen Charakter. Aber im 18. Jahrhundert war die deutsche Auswanderung gering, weil sie fast als Staatsverbrechen angesehen und hintertrieben wurde. Durch die Kontinentalsperre und die Kriege Nappleons war sie gänzlich unterbunden und nahm erst seit 1815 einen ungeahnten Aufschwung an. Ausser den eben erwähnten wirtschaftlichen Gründen waren cs noch politische Plackereien, unerträgliche gesellschaftliche Zustände und religiöser Druck, die namentlich in den 40er Jahren die Auswanderung gewaltig anschwellen liessen. Viele Jahre hindurch sank seitdem die jährliche Auswanderung nicht unter 50000 Köpfe hinab oder bewegte sich gar zwischen 100000 und 250000 Seelen. In der Fremde erregte der Auszug dieser Massen so sehr die Aufmerksamkeit, dass die Brüsseler Akademie eine Preisarbeit darüber ausschrieb. Die einzelnen deutschen Regierungen dagegen schenkten der Bewegung nur geringe Beachtung, obwohl schon 1839 ein Dr. Seitz für die Gründung einer deutschen Kolonie eintrat und auf die ungeheuren Geld- und Menschenverluste hinwies, die eine natürliche Folge der Auswanderung waren. Man begnügte sich, die Leute aus ihrem Unterthanenverbande zu entlassen und sie vor unbedachter Auswanderung zu warnen. So kam es, dass sie von gewissenlosen Agenten und Schiffsführern oft in empörendster Weise ausgebeutet wurden und dass man jene Vorgänge nicht mit Unrecht als Viehtransport und Sklavenhandel bezeichnete. Deshalb vereinigten sich Privatleute zu Gesellschaften, um sich ihrer Volksgenossen anzunehmen. Leider wurden sie bei ihrem menschenfreundlichen, uneigennützigen Bemühen nicht immer von ehrlichen Helfern und erfahrenen Reisenden, sondern vielfach von zweifelhaften, gewinnsüchtigen Spekulanten geleitet, und ausserdem fehlte ihnen die wohlwollende Unterstützung des Staates. So musste ihre Wirksamkeit erfolglos bleiben, ja sie stifteten wiederholt mehr Schaden als Nutzen, und die meisten dieser Vereinigungen gingen nach kurzem Bestände wieder ein.

Bereits 1821 machten mehrere Gesellschaften den stets misslungenen Versuch, deutsche Niederlassungen in Mexiko, Mittel- und Südamerika ins Leben zu rufen. Ebenso wenig Glück hatten die zahlreichen Auswanderungs- und Kolonisationsvereine, die während der 40er Jahre rasch nacheinander in den verschiedensten deutschen Staaten entstanden und von denen einige genannt sein mögen.

1842 kaufte eine Hamburger Kolonialgesellschaft, deren Seele der Syndikus Karl Sieveking war, die Chatham Islands bei Neuseeland von der Neuseeländischen Walfisch-Kompagnie. England aber, das anfänglich gar keine Hoheitsrechte geltend gemacht hatte, erhob plötzlich Besitzansprüche auf die für seine Interessen wertlose Inselgruppe, und so scheiterte ein Unterfangen, das bestimmt war, das erste Glied einer Kette über die ganze Erde zerstreuter deutscher Ansiedelungen zu bilden.

Als zwei Jahre später die preussische Regierung dem Anerbieten Mexikos, die Auswanderung in seine nördlichen Provinzen zu leiten, keine Folge gab, schlossen sich in Mainz deutsche Fürsten und Edelleute zum Deutschen Adelsverein zusammen. Er wollte sich der deutschen Einwanderer in Texas annehmen und die damals noch zu Mexiko gehörige Provinz kolonisieren, von deren Boden, Klima und Reichtum man zu jener Zeit eine sehr günstige Meinung hegte. Thatsächlich legte der junge Prinz Karl von Solms-Braunfels, der Führer der ersten Auswandererschar, den Grund zu den Städten Neubraunfels und Friedrichsburg. Aber schon nach vier Jahren nahm der Verein ein klägliches Ende, nachdem 5000 von ihm nach Texas geschaffte Menschen zu einem grossen Teil elend umgekommen waren. Die Schuld lag nicht sowohl an den Ansiedlern, unter denen es viele Faullenzer und unbrauchbare Elemente gab, als vielmehr an der Vereinsleitung. Sie kaufte ausgedehnte Gebiete, ohne von deren Lage und Beschaffenheit die geringste Ahnung zu haben, und ging mit einer Leichtfertigkeit und Rücksichtslosigkeit sondergleichen vor, indem sie durch ihre lügenhaften Vorspiegelungen immer neue Opfer anlockte und ins Elend stürzte.

Etwa gleichzeitig mit dem Texas-Unternehmen entstand in Berlin der Preussische Kolonisationsverein für die Moskitoküste in Mittelamerika. Obwohl der Landkauf an den übertriebenen Forderungen des englischen Spekulanten scheiterte, machten sich auf Veranlassung des Justizrates Keber in Königsberg, eines vom besten Willen beseelten, aber der Dinge durchaus unkundigen Mannes, 115 Auswanderer nach dem armen und obendrein wegen seiner bösartigen Fieber verrufenen Gebiete auf. Sie landeten im kläglichsten Zustande und wären rettungslos zu Grunde gegangen, wenn sich der englische Konsul ihrer nicht angenommen hätte.

Dagegen gelang es dem 1849 gegründeten und ausnahmsweise noch heute bestehenden Hamburger Kolonisationsverein, im gemässigten Südbrasilien blühende Kolonien anzulegen und die dort schon zu Beginn der 20er Jahre gegründeten deutschen Siedelungen erheblich zu verstärken. Zu den einwandernden Bauern, meist Rheinländern, Pommern und Schwaben, gesellten sich bald Geschäftsleute und Gewerbetreibende, die sich vorwiegend in den Hafenplätzen festsetzten. Dort forderten sie einerseits den deutschen Einfluss und wurden andererseits die Abnehmer der von ihren Landsleuten im Innern gewonnenen Erzeugnisse, sodass bald ein reger Handel entstand, der den in- und ausländischen Wettbewerb siegreich aus dem Felde schlug und rasch einen bedeutenden Umfang annahm. Obwohl die ersten Einwanderer nicht sonderlich kapitalkräftig waren und sich aus sich selbst emporarbeiten mussten, sind doch die brasilianischen Niederlassungen unter allen deutschen Kolonien im Auslande am besten gediehen. Ohne jeden Schutz seitens des Mutterlandes und trotz mannigfacher Schwierigkeiten haben sie dank dem unermüdlichen Streben eines Hermann Blumenau, Karl von Koseritz und anderer wackerer Männer ihr Deutschtum unverfälscht bewahrt im Gegensätze zu den Deutschen Nordamerikas, die schon nach wenigen Geschlechtern im englisch-amerikanischen Volkstum aufzugehen pflegen Um so traurigere Erfahrungen machten dagegen die ins tropische Brasilien eingewanderten Landsleute. Viele erlagen dem verderblichen Klima der heissen Zone, und zahlreiche andere wurden durch das bestehende Parceria- oder Halbpachtsystem in ein sklavisches Abhängigkeitsverhältnis gebracht Die Kolonisten erhielten nämlich den ihnen angewiesenen Grund und Boden nicht als freies Eigentum, sondern übernahmen nur dessen Bewirtschaftung und empfingen dafür die Hälfte des Ertrags. Bei einem wohlwollenden, rechtlichen Herrn und bei guter Ernte hatten beide Teile grosse Vorteile. Andererseits blieb es nicht aus, dass gar manche Pächter in eine verzweifelte Lage gerieten, weil sie unter dem Druck widriger Verhältnisse den Pacht nicht bezahlen konnten, und durch die Berichte jener Unglücklichen kam ganz Brasilien in den übelsten Ruf. Deshalb erliess die preussische Regierung 1859 eine erst 1896 wieder aufgehobene Verordnung, das von der Heydt’sche Reskript, die mit ihren strengen, die Auswanderung nach Brasilien beschränkenden Bestimmungen geradezu einem Auswanderungsverbote gleichkam. War auch diese Massregel durchaus angebracht gewesen, so hätte sic lediglich für das tropische Brasilien gelten und den ganz anders gearteten Süden von vornherein ausnehmen sollen. Dann wäre das durch beständigen Zuzug verstärkte Deutschtum dort eine zusammenhängende, achtunggebietende Macht geworden, während das Heydt’sche Reskript so, wie es erlassen wurde, eine schwere Schädigung der im besten Zuge befindlichen deutschen Kolonisation bedeutete. Sie geriet nunmehr bedenklich ins Stocken, und fast schlimmer noch als die Beschränkung des Zuflusses empfanden die Kolonisten das Eindringen fremder, vor allem italienischer Elemente, durch welche die brasilianische Regierung die deutschen Ansiedler zu trennen und zu schwächen suchte. Heute schätzt man die Zahl unserer in Rio Grande do Sul, Sta. Catharina, Parana und Sao Paulo ansässigen Landsleute auf 165000 Seelen, deren Unterstützung durch neuen Zuwachs allerdings dringend notwendig ist. Nachdem man lange Zeit vergebens alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, um eine Aufhebung oder Beschränkung des unheilvollen Erlasses zu erwirken, ist er endlich als nicht mehr zeitgemäss ausser Kraft gesetzt worden. Bei der Abfassung des neuen deutschen Auswanderungsgesetzes wurde die Wichtigkeit Südbrasiliens ausdrücklich betont, so dass man die neue Auswanderungspolitik der Regierung nur aufs wärmste begrüssen und billigen kann. Begünstigung der deutschen Einwanderung nach Südbrasilien ist für das Mutterland und für die noch dünn bevölkerten deutsch-brasilianischen Kolonien zur Wahrung der bereits errungenen Vorteile und zur Steigerung der gegenseitigen Handelsbeziehungen von gleich wohlthätigem Einfluss. Ebenso sollte das heimische Kapital, das bisher fast noch gar nichts für Südbrasilien gethan hat, aus seiner Zurückhaltung heraustreten und es nicht mehr geschehen lassen, dass sich dort lediglich englisches Geld mit reichem Gewinn breit macht. Allerdings kann von einer Landerwerbung in politischem Sinne nicht, die Rede sein, selbst wenn man sich der Hoffnung auf einen dereinstigen Zusammenbruch der Brasilianischen Republik hingeben wollte. Eines solchen Schrittes bedarf es indes gar nicht, wenn nur sonst, wie es thatsächlich in den Südstaaten der Fall ist, die Vorbedingungen für die Ausbreitung der deutschen Kulturarbeit vorhanden sind.

Mit dem riesigen Anschwcllen der Auswanderung und wegen der oft bitteren Klagen der Auswanderer konnten sich die deutschen Regierungen auf die Dauer der Verpflichtung nicht mehr entziehen, durch Einrichtung von Konsulaten, Konzcssionierung und Überwachung der privaten Auswanderungsagenturen und Anstellung staatlicher Agenten ihre Landeskinder in der Fremde zu schützen. Die öffentliche Meinung drängte immer mehr zu einem solchen Schritte, und einige kleinere Staaten gingen 1847 mit gutem Beispiele voran. Seit jenem Jahre giebt es eine vollständige Statistik über die Zahl der aus deutschen Häfen beförderten Auswanderer. Später folgte Preussen mit ähnlichen Verordnungen nach. Doch erlosch von Anfang der 50er Jahre an für längere Zeit in Deutschland die Bewegung nach dem Erwerb überseeischer Besitzungen und nach Leitung der Auswanderung. Erst die Gesetzgebung des Norddeutschen Bundes und später des Deutschen Reiches nahm sich der Angelegenheit wärmer an, wenngleich die Reichsregierung einer eigentlichen Leitung der Auswanderung immer noch nicht näher getreten ist.

Es war aber leicht erklärlich, dass sich die einzelnen Staaten wegen ihrer Machtlosigkeit zur See allen Auswanderungs- und Kolonisationsbestrebungen gegenüber ablehnend verhielten, da sic nicht einmal ihre Unterthanen im eigenen Lande vor fremden Übergriffen schützen konnten. Es gab 14 verschiedene Flaggen deutscher Staaten, aber nicht eine anerkannte deutsche Flagge. Die europäischen Seemächte schädigten ungestraft die deutsche Schiffahrt, und nicht genug damit, auch die nordafrikanischen Barbareskenstaaten Tripolis, Tunis, Algier und Marokko nahmen viele deutsche Fahrzeuge weg und dehnten ihre Raubzüge sogar bis in die deutschen Nordseehäfen aus. Während England, Frankreich und Spanien den Seeräubern wiederholt nachdrückliche Züchtigungen zu teil werden liessen, war das wehrlose Deutschland auf fremde, namentlich auf schwedische und türkische Hilfe angewiesen, und deutsche Schiffe, die nach dem Mittelmeer abgingen, wurden von den Versicherungsgesellschaften schliesslich gar nicht mehr oder nur zu den höchsten Prämiensätzen angenommen. Das waren schlagende Beweise dafür, dass eine Nation, die ihren überseeischen Handel nicht selbst zu schützen im stände ist, die grössten Demütigungen über sich ergehen lassen muss. Trotzdem hatte der Abgeordnete von der Ölsnitz mit seinem Anträge, Preussen solle eine Flotte von 130 Schiffen bauen und Afrika kolonisieren, keinen Erfolg. Da brachte mit einem Male der Krieg gegen Dänemark 1848 eine entscheidende Wendung. Dem kleinen, aber seetüchtigen Gegner war es ein leichtes, die feindlichen Häfen zu sperren, und ein paar dänische Korvetten genügten, um den Sechandcl von 40 Millionen Deutschen lahm zu legen. Wohl hatte schon Preussen einige Jahre früher den Versuch gewagt, sich zur See wehrhaft zu machen, indem es eine kleine Korvette baute und die Herstellung anderer plante; aber es erntete überall in Deutschland nur Hohn und Spott. Jetzt war mit einem Male die Notwendigkeit einer Kriegsflotte erkannt, und der Darmstädtcr Nationalverein für deutsche Auswanderung regte nebst seinen zahlreichen Zweigvereinen den in neuester Zeit wieder aufgenommenen Gedanken an, aus freiwilligen Beiträgen eine Kriegsflotte zu schaffen. Von allen Seiten gingen Geldspenden ein, und an den Sammlungen beteiligte sich in hervorragender Weise der eben erst gegründete deutsche Frauenverein, dessen Mitglieder die Kosten zum Bau des Kriegsschooners „Frauenlob“ aufbrachten. Mehrere grosse Hamburger Rheder stellten drei Segelschiffe zur Verfügung und zeichneten über 100000 Thaler. Die Frankfurter Nationalversammlung bewilligte 6 Millionen Thaler und betraute mit der Ausarbeitung der Flottenpläne eine technische Kommission, an deren Spitze Prinz Adalbert von Preussen stand.

Zum ersten Admiral der deutschen Bundeskriegsflotte wurde ein Leipziger, Karl Rudolf Brommy oder Bromme aus Anger-Crottendorf, ernannt, der bereits mit Auszeichnung auf der amerikanischen Handelsflotte und in der griechischen Kriegsmarine gedient hatte. Trotz der geringen Mittel, die ihm zur Verfügung standen, erhöhte er den Bestand der Bundesflotte bald auf 9 Dampfer, 2 Segelfregatten und 27 Kanonenboote und lieferte den Dänen bei Helgoland ein siegreiches Gefecht. Leider nahmen die politischen Verhältnisse Deutschlands bald eine sehr ungünstige Wendung, und es zeigte sich, dass die junge Schöpfung von Anfang an den Keim des Siechtums in sich trug. Mehrere Staaten zahlten ihre Marinebeiträge nicht ein, und obendrein gönnte die gegenseitige Eifersucht die Leitung der Mnrineangelegenheiten nicht Preussen, das die meisten Geldopfer gebracht hatte. Namentlich Hannover, das sich mit der Hoffnung schmeichelte, die Vormacht Deutschlands in der Nordsee zu werden, hetzte und wühlte auf jede Weise. Nüchternen Politikern drängte sich schliesslich die Überzeugung auf, dass die Auflösung des Geschwaders der einzige Ausweg sei, und schon nach wenigen Jahren (1852) konnte die Welt das den deutschen Namen tief beschämende Schauspiel erleben, dass die junge Flotte im Aufträge des Bundes meistbietend versteigert wurde. Der oldenburgische Staatsrat a. D. Hannibal Fischer musste das Verkaufsgeschäft vollziehen und ist deshalb noch heute, allerdings mit Unrecht als derjenige verrufen, der die deutsche Marine unter den Hammer brachte. Der Wettbewerb von deutscher Seite war gering, und so wurde das gesamte Schiffsmaterial zu Spottpreisen losgcschlagen. Sechs Korvetten erstand eine englische Gesellschaft für 238000 Thalcr oder 40 % der niedrigen Fischer’schen Taxen, die zwei grossen Dampfer erzielten 165000 Thaler, die Kanonenboote 106000 Thalcr. Das war das Schicksal der ersten deutschen Flotte.

Nach diesem kläglichen Ausgange arbeitete Preussen für sich allein am Ausbau seiner eigenen Kriegsmarine weiter, deren Schöpfer und Förderer Prinz Adalbert war. Wegen des zweifelhaften Wertes einer auf die leicht absperrbare Ostsee beschränkten Flotte wurde von Oldenburg ein Küstenstrich am Jahdebusen abgekauft und dort 1859 der Kriegshafen Wilhelmshaven gegründet. In demselben Jahre ging zum ersten Male ein preussisches Kricgsgeschwader zur Abschliessung von Handels- und Schiffahrtsvertragen nach Ostasien ab. Begreiflicherweise erregte das Anwachsen der preussischen Kriegsmarine die Schelsucht der deutschen Staaten, insbesondere Hannovers, und des Auslandes, und der damals allmächtige englische Premierminister Lord Palmerston liess durch seine amtlichen Zeitungen erklären:

„Preussen sehnt sich nach dem Besitz von Kiel. Einmal im Besitz dieses prachtvollen Hafens würde eine ehrsüchtige und gewissenlose Macht Schleswig zu erwerben suchen. Darum eifern die deutschen Professoren und Propagandisten, die den Kreuzzug gegen Dänemark predigen, so sehr für die Vereinigung Schleswigs und Holsteins. Sie wissen wohl, dass Preussen oder Deutschland im Besitze der Herzogtümer nicht nur einen Hafen ersten Ranges, sondern auch ein Land besitzen würde, dessen Küsten von Fischern und Matrosen wimmeln. Wir vertrauen jedoch, dass die politische Ehre, die gemeinsame Rechtlichkeit, der gesunde Menschenverstand Europas und der Grossmächte einschreiten, bevor es zu spät ist und solch einen verwegenen Raubversuch verhindern werden.“

Lord Palmerston giebt dann Preussen den guten Rat, den Unsinn einer deutschen Flotte bleiben zu lassen.

„Die Deutschen mögen den Boden pflügen, mit den Wolken segeln oder Luftschlösser bauen; aber nie seit dem Anfang der Zeiten hatten sie den Genius, das Weltmeer zu durchmessen oder die hohe See oder auch nur die schmalen Gewässer zu befahren.“

Alle Schmähungen und Drohungen verfehlten jedoch ihren Zweck. Vielmehr brachte der dänische Krieg von 1864 als zweite wichtige Marinestation den ausgezeichneten Ostseehafen Kiel ein ; und der deutsch-französische Krieg fand die Marine soweit entwickelt, dass die vaterländischen Küsten vollständig geschützt waren und dass einzelne Schiffe rühmliche Waffenthaten ausserhalb der deutschen Gewässer bestanden. Nun endlich war der Lieblingsgedanke des Grossen Kurfürsten und so vieler deutscher Männer zur Wirklichkeit geworden. Deutschland besitzt jetzt eine Seemacht, die durch Anlegung von Schiffs- und Kohlenstationen in allen Teilen der Welt immer festeren Fuss gefasst hat und die, wie die Ereignisse unserer Kolonialpolitik und die Vorgänge in Haiti und China zeigen, die deutschen Interessen nachdrücklichst zu wahren weiss. Freilich hatte die Zunahme unserer schwimmenden Festungen mit dem Wachstum unseres überseeischen Handels nicht annähernd gleichen Schritt gehalten, und die inzwischen zur Thatsache gewordene Vermehrung der Kriegsfahrzeuge war eine dringende Notwendigkeit. Während in Frankreich, Italien und Japan auf 8, in Russland auf 17 und in Österreich auf 28 Handelsdampfer 1 Kriegsschiff entfällt, kam bisher auf 44 deutsche Handelsschiffe erst 1 Kriegsschiff. Obendrein nimmt unsere Schlachtflotte die siebente Stelle unter den Kriegsmarinen der Weltmächte ein, und so stand sie seit Jahren in einem bedenklichen Missverhältnis zu dem schutzbedürftigen deutschen Kapital und zu der maritimen Wehrkraft der Nachbarstaaten. Nun besitzt die deutsche Handelsmarine einen Wert von 400 Millionen Mark, in Deutschland sind mindestens für 10 Milliarden Mark fremde Papiere untergebracht, und auf Milliarden beläuft sich das ins Ausland abgeführte deutsche Geld. Der Umsatzwert des deutschen Handels, der zu 3/5 bis 2/3 (65 %) Überseehandel ist und im Weltverkehr die zweite Stelle einnimmt, betrug in den letzten Jahren 5 1/2,-8 Milliarden Mark, und diese gewaltigen Summen können ebenso bedroht und müssen ebenso geschützt werden wie jeder andere Besitz. Mit der Schaffung von Kolonien, der Erweiterung des Absatzmarktes und der Verschärfung des weltwirtschaftlichen Wettbewerbes ist aber zugleich die Möglichkeit eines Interessengegensatzes mit anderen Mächten gewachsen, und eine ernste Schädigung unseres Seeverkehrs würde für unser gesamtes Volk unabsehbare Folgen nach sich ziehen.

Freilich hat es lange gedauert, bis der deutsche Handel sich zu seinem jetzigen Umfange und zu einer massgebenden Stellung im Welthandel aufgeschwungen hat, nachdem er infolge der freien Thatkraft des Volkes schon früher auf der Bahn seiner grossartigen Entwickelung fortschritt. Denn wenn auch die politische Zerrissenheit die Schaffung einer für den Schutz des Handels und der Küsten gleich wichtige Kriegsflotte lange Zeit vereitelte, so konnte sie die immer mehr zunehmende Entfaltung des Seeverkehrs nicht aufhalten. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war es allerdings traurig um die deutsche Seeschiffahrt bestellt, da sie durch die Napoleonischen Kriege und die Kontinentalsperre furchtbare Verluste erlitten hatte. 1806 zählte die preussische Handelsmarine 1102 Schiffe, 1821 — sechs Jahre nach Friedensschluss — nur noch 676, und 1840 besassen alle deutschen Häfen erst die Hälfte der Fahrzeuge wieder, die sie 1806 zählten. Durch die Kontinentalsperre wollte Napoleon das ihm hartnäckigen Widerstand leistende England zur Nachgiebigkeit zwingen, indem er dessen Handel gänzlich vom europäischen Festlande ausschloss. Obwohl aber dieses System von 1806 bis zu Napoleons Sturze dauerte, vermochte es die britische Macht nicht zu brechen, sondern schädigte nur Frankreich und den Kontinent, während es England erwünschte Gelegenheit bot, die Schiffe seiner europäischen Gegner zu kapern und den Welthandel an sich zu reissen. Auch die deutsche Rhederei und der deutsche Ausfuhrhandel waren fast vernichtet, sodass sie seit 1815 von vorn anfangen mussten, und erst nach dem lastenden Drucke der Napoleonischen Zeit erholte sich die heimische Industrie wieder. In den ersten Jahrzehnten nach der Wiedergeburt des Staates war an überseeische Unternehmungen noch nicht zu denken, und mehrere in den 20er Jahren gegründete Gesellschaften, die den Verkehr mit Amerika beleben wollten, die Rheinisch-Westindische Kompagnie und der Deutsch-Amerikanische Bergwerksverein, die Wupperthal-Gesellschaft in Bremen und die Elb-Amerikanische Kompagnie in Leipzig, gingen aus Mangel an Unterstützung bald wieder ein. Der steigende Wohlstand, die Auswanderung und die immer mehr anwachsende, im Innern nicht mehr rechten Absatz findende Industrie erweckten indes das Bedürfnis nach fremden Märkten, und der Aufschwung wurde noch fühlbarer, als 1834 auf Preussens Vorschlag der Deutsche Zollverein ins Leben trat. Den hauptsächlichsten Gewinn zogen die Hansestädte, die Freihafengebiete bildeten und dadurch, sowie durch ihre glückliche geographische Lage bald fast den ganzen deutschen Überseehandel in die Hand bekamen und ihn zu weltumfassender Bedeutung emporhoben. In demselben Masse blühte die Schiffsrhederei auf und wurde durch die zunehmende Auswanderung so gefördert, dass mehrere grosse Dampfergesellschaftcn, darunter der Norddeutsche Lloyd in Bremen und die Hamburg – Amerikanische Packetfahrt – Aktiengesellschaft, entstanden. Kühne hanseatische Kaufleute, die Wörmann, Jantzen und Thormälen, Oswald und Hansing, Godeffroy, Hernsheim und andere, wagten sich frischen Mutes ohne den Schutz einer Kriegsflotte aufs Weltmeer und besetzten alle Küsten mit Faktoreien. Heute sind Hamburg und Bremen die Brennpunkte des deutschen Seehandcls, während sie früher dem fremden, namentlich dem englischen Handel willkommene Einfallsthore darboten. Bis zu Napoleons Zeit sass in Hamburg die mächtige englische Kompagnie der Merchant Adventurers, die einen grossen Teil des dortigen Handels beherrschte, und 1878 entfielen auf die englische Flagge immer noch 52 % der Ankünfte. In den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch der deutsche Handel nicht zum wenigsten auf englische Kosten von der fremden Bevormundung befreit, so dass 1896 die englische Einfuhr in Hamburg zum ersten Male von der deutschen Flagge überholt war. Statt der 7 Dampferlinien mit 42 Schiffen besass Hamburg 1896 deren 32 mit 345 Fahrzeugen, darunter 26 deutsche Linien mit 291 Dampfern. In den letzten sieben Jahren ist unser Sechandel um das Doppelte, der englische nur um die Hälfte seines Tonnengehaltes gewachsen, und man kann deshalb den Neid verstehen, mit dem die Briten ihren unbequemen Nebenbuhler verfolgen. Die Saturday Review vom 11. Oktober 1897 hat es auch ganz unumwunden ausgesprochen:

„Wenn Deutschland morgen vernichtet würde, so gäbe es übermorgen keinen Engländer in der Welt, der dann nicht reicher sein würde.“

Aber es kostete ungeheuere Schwierigkeiten — und unsere hanseatischen Kaufleute wissen davon zu erzählen — den deutschen Handel in die Welt einzuführen. Anfangs war es nur unter englischer oder französischer Bezeichnung möglich, den heimischen Waren Eingang zu verschaffen. Denn niemand wollte den sogenannten deutschen Schund nehmen, und die Seemächte suchten die Fahrt nach ihren Kolonien und den Vertrieb kolonialer Erzeugnisse thunlichst ausschliesslich der eigenen Flagge zuzuwenden. Auch den Mangel einer Kriegsflotte mussten unsere Landsleute oft bitter fühlen und deshalb den Schutz fremder Kriegsschiffe und Konsulate anrufen, der ihnen gewährt wurde, solange sie mit dem Hute in der einen und einem guten Stück Geld in der anderen Hand durch die Welt zogen und solange ihr Handel unbedeutend erschien. Als er aber einen immer grösseren Umfang annahm und den Engländern in Afrika und in der Südsee empfindliche Konkurrenz bereitete, da merkten sie bald, dass sie nur geduldete Anhängsel anderer Völker waren. Hatten sie eine auswärtige Niederlassung angelegt, so waren die Engländer und Franzosen flugs mit ihrer Besitzergreifung bei der Hand, und machten die hanseatischen Kaufleute wohlbegründete Verträge und Rechtsansprüche geltend, so wurden sic verspottet und ausgelacht. Ganze Handelsgebietc mussten mit der Zeit den Fremden überlassen werden, welche die Arbeit des deutschen?landeis ebenso selbstsüchtig ausnützten wie die hochbedeutsame kolonialpolitische Thätigkeit der deutschen Heidenmission. Bei dem Mangel vaterländischer Kolonien mussten ja die deutschen Missionare ebenfalls für Andere arbeiten, ihnen den Weg zur Besitzergreifung ebnen und oft für sie die Kastanien aus dem Feuer holen. Da war es an derZeit, dass die preussisch-deutsche Kriegsflotte erstand und sich der bedrohten Interessen annnhm. Erst von da ab und seit der Reichsgründung datiert die eigentliche Blüte unseres Seehandels und unserer Schiffahrt, und immer lauter wurde der Wunsch, die vom vaterländischen Handel in Anspruch genommenen und noch unabhängigen Landstrecken unter die Oberhoheit des Reiches zu stellen, um an ihnen einen Rückhalt für die Zukunft zu haben. Endlich gab es im Volke wie in Regierungskreisen Leute genug, die es schwer empfanden, dass die Kapital- und Arbeitskraft der deutschen Auswanderer dem Mutterlande völlig verloren ging. So ist die deutsche Kolonialfrage aus wirtschaftlichen und handelspolitischen Erwägungen hervorgegangen.

Einen wesentlichen Aufschwung der kolonialen Bestrebungen bezeichnet der Krieg von 1870/71, der Deutschland nach aussen hin eine grössere Machtentfaltung einbrachte. Schon während der Friedensverhandlungen wurden verschiedentlich einige französische Kolonien als Kriegsentschädigung gefordert. In den Hansestädten sprach man von Kochinchina, und Fürst Bismarck dachte an Pondicherry in Vorderindien. Weil aber das Reich eben erst nach schweren Kriegen gegründet und im Innern noch nicht ausgebaut war, so fanden solche weitgehende Vorschläge kein Gehör. Die Regierung beschränkte sich vielmehr darauf, zum Schutze der heimischen Absatzmärkte Meistbcgünstigungs-, Handelsund Konsularverträge mit den wichtigsten Staaten der Erde einzugehen und auf die Durchführung unbedingter Handels- und Verkehrsfreiheit mit gleicher Behandlung der Angehörigen aller Nationen hinzuwirken. Selbst als 1874 der Sultan von Sansibar aus treien Stücken die deutsche Schutzherrschaft nachsuchte, glaubte der Reichskanzler das noch nicht zeitgemässe Anerbieten zurückweisen zu müssen.

Da kam in demselben Jahre die Kolonialfrage plötzlich und unerwartet ins Rollen. Hanseatische Kaufleute hatten auf dem Fidschi-Archipel in der Südsee ertragreiche Pflanzungen angelegt, und als England die Inseln 1874 seinem Besitze einverleibte, erklärte es die wohlverbrieften und wohlerworbenen Rechte der Deutschen ohne weiteres für ungültig. Ihre Klagen und Entschädigungsforderungen führten zu endlosen, nahezu ein Jahrzehnt sich hinschleppenden Verhandlungen, und erst als Deutschland eine immer schärfere Sprache zu reden begann, liess sich England zur Erledigung der Angelegenheit herbei.

Das rücksichtslose Vorgehen der Briten erregte in Deutschland allgemeine Erbitterung. Der 1868 gegründete Centralverein für Handelsgeographie und Förderung deutscher Interessen im Auslande entfaltete eine rührige Thätigkeit, und der Vice-Admiral Livonius legte 1875 der Kaiserlichen Admiralität eine kleine Schrift „Kolonialfragen“ vor, in der er die Notwendigkeit deutscher überseeischer Besitzungen betonte und auf Sansibar als das geeignetste Gebiet hinwies. Zwar liess die Reichsregierung die kolonialen Bestrebungen nicht ausser acht, doch hielt sie den günstigen Augenblick noch immer nicht für gekommen und blieb ihrem alten Programm treu. Der Kanzler lehnte 1876 den Plan einer Kolonisierung der Delagoa- und Sta. Lucia-Bai in Südostafrika ab und liess die Gelegenheit zur Erwerbung des Sulu-Archipels und Nordost-Bomeos ebenfalls unbenutzt vorübergehen. Dagegen schloss er 1876 mit dem König von Tonga und 1879 mit den Eingeborenen der Samoa-Inseln einen Freundschaftsvertrag, der ihm zugleich den Besitz des guten Hafens Saluafata als deutsche Kohlenstation sicherte. In gleicher Weise wurden im Marshall- und Neubritannia (dem heutigen Bismarck-Archipel) die Häfen Jaluit und Mioko als deutsche Kohlenstationen erworben. Da aber die englisch-australische Bewegung für die Besitzergreifung sämtlicher noch unabhängiger Südsec-Inscln immer drohender ward, so glaubte Fürst Bismarck nunmehr die Zeit für gekommen, aus seiner Zurückhaltung herauszutreten, und ein zufälliger Umstand veranlasste ihn zu dem entscheidenden Schritte. Die Firma Godeffroy musste aus Zahlungsschwierigkeiten ihre ausgedehnten Pflanzungen auf der Samoagruppe veräussern, und um sie nicht in englische Hände fallen zu lassen, brachte der Kanzler 1880 im Reichstage die sogenannte Samoavorlage ein, die das Reich zum Eingreifen und zur Übernahme gewisser Zinsgarantien veranlassen sollte. Aber obwohl die Sicherung der deutschen Interessen auf Samoa wegen der vereinten Anstrengungen Englands und Amerikas, ihre wirtschaftlich das Übergewicht besitzenden Nebenbuhler zu verdrängen, doppelt wünschenswert erschien, so wurde die Vorlage vom Reichstage mit nur 12 Stimmen Mehrheit abgelehnt. Dieser Misserfolg, an dem hauptsächlich der Widerspruch des freisinnigen Abgeordneten Ludwig Bamberger die Schuld trug, verstimmte den Reichskanzler aufs tiefste. Er sah, dass an ein kräftiges Vorgehen in überseeischen Dingen nicht zu denken war und dass der koloniale Gedanke nur in der Weise verwirklicht werden könne, wie es thatsächlich geschehen ist, dass die Regierung sich über den Reichstag hinaus selbständig mit den unternehmungslustigen Elementen ins Einvernehmen setzte. Deshalb verweigerte er die Unterstützung der Kolonisierung von Neuguinea, die ihm bald darauf der Geheime Kommerzienrat v. Hansemann vorschlug.

Allein die Meinung des Reichstages war durchaus nicht die Meinung des deutschen Volkes gewesen, und trotz der ablehnenden Haltung des ersteren hatte der koloniale Gedanke bei der grossen Mehrheit der Nation tief und dauernd Wurzel gefasst. Zahlreiche Flugschrilten suchten mehr oder minder zutreffend die Notwendigkeit und den Nutzen deutscher Kolonien darzuthun, und unter ihnen erregte die 1879 erschienene Broschüre des Missionsdirektors Fabri, des geistigen Vaters und Förderers der deutschen Kolonialpolitik, „Bedarf Deutschland der Kolonien?“ besonderes Aufsehen. Einen ferneren Anstoss zu thätiger Stellungnahme des Volkes und zu immer weiterer Verbreitung der kolonialen Bestrebungen gab der Deutsche Kolonialverein, der am 6. Dezember 1882 in Frankfurt a. M. gegründet wurde und nach einjährigem Bestehen über 3000, nach zwei Jahren über 9000 und 1885 bereits 15000 Mitglieder zählte. Leider glaubte man, der deutschen Eigenart entsprechend, die Kolonialfrage durch Wort und Schrift lösen zu können und kam dabei über unfruchtbare und unerquickliche Erörterungen nicht hinaus, so dass die Kolonialbewegung wieder ins Stocken geriet. Inzwischen nutzten die Nachbarstaaten unsere Unentschlossenheit durch verdoppelte Rührigkeit aus und richteten auch auf solche Gebiete ihr Augenmerk, die sie früher als wertlos verschmäht hatten. Italien setzte sich in Abessinien fest, Frankreich brach den Krieg mit Tonkin vom Zaune, die Engländer erlitten in Südafrika empfindliche Niederlagen gegen die um ihre Selbständigkeit ringenden Buren und vergewaltigten dafür Ägypten. Kurz cs schien, als ob man Deutschland die letzten guten Bissen vor der Nase wegnehmen wollte. Der Worte hatte man bei uns genug gewechselt, und es ward höchste Zeit, dass ihnen endlich auch die Thaten folgten!

Kurt Hassert.

I. Abschnitt:

Deutschlands Kolonien – Geschichtlicher Überblick

II Abschnitt:

Die Erwerbungs- und Entwicklungsgeschichte deutscher Schutzgebiete

III. Abschnitt:

Landes- und Volkskunde der deutschen Schutzgebiete: Deutsch-Ostafrika

IV. Abschnitt:

Landes- und Volkskunde der deutschen Schutzgebiete: Togo

 V. Abschnitt:

Landes- und Volkskunde der deutschen Schutzgebiete: Kamerun

VI. Abschnitt:

Landes- und Volkskunde der deutschen Schutzgebiete: Deutsch-Südwestafrika

VII. Abschnitt:

Das Schutzgebiet der Neuguinea-Kompagnie

VIII. Abschnitt:

Die Marshall-Inseln

IX. Abschnitt:

Die Kiautschou-Bucht

X. Abschnitt:

Die wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Kolonialpolitik und der deutschen Schutzgebiete

Advertisements